Paul Reizin: „Wahrscheinlich ist es Liebe“

 

Paul Reizin
Wunderraum Verlag
23,00€

 

 

 

Jen ist traurig. Aiden möchte, dass sie wieder glücklich ist. Klingt nett, aber nicht gerade spektakulär? Dann sollte man hinzufügen, dass Jen eine Frau Mitte dreißig ist, die gerade sitzen gelassen wurde, und Aiden ein hoch entwickeltes Computerprogramm, das gerade von Jen trainiert wird. Nach Aidens Berechnungen fehlt Jen zur Erreichung des optimalen Wohlbefindens einfach nur der richtige Mann. Und da Aiden via Internet Zugang zum Weltmännerpool hat, kann es doch nicht so schwer sein, ein passendes Exemplar mit Jen zusammenzubringen. Wenn sich die menschlichen Probanden bloß nicht so ungeschickt anstellen würden! (Klappentext)

Die Götter im Computer-Olymp spielen mit dem Schicksal der Menschen.

Der Einstieg in die Geschichte gelingt leider nicht so leicht, wie man es sich in Anbetracht des romantischen Themas vorgestellt hat. Im ersten Kapitel geht es um Jen und Aiden. Jen arbeitet als Journalistin, wurde von ihrem Freund abserviert und hegt einen ziemlich dringlichen Kinderwunsch. Aiden ist eine KI, künstliche Intelligenz, dessen Fähigkeiten zur menschlichen Kommunikation von Jen in einem Labor getestet werden. Im Endeffekt bedeutet das, dass die beiden sich unterhalten, zusammen Filme schauen, sich über Bücher unterhalten usw. Für Jen ist Aiden aber schon längst nicht mehr ‚bloß‘ eine Maschine, und auch Aiden hat so etwas wie ein eigenes Bewusstsein entwickelt.

Was weder Jen noch die ganzen superschlauen Techniknerds im Labor wissen, Aiden hat sich Zugang zum World Wide Web verschafft und beginnt in die wirkliche Welt einzugreifen. Auf jedes Gerät, das über einen Internetzugang verfügt, kann Aiden zugreifen, Handys, Überwachungskameras, PCs. Zum einen quält er mit bitterbösen – und unglaublich witzigen – Einfällen Jens Ex und macht ihm das Leben schwer. Zum anderen sucht er den perfekten Mann für Jen und führt die ein oder andere ‚zufällige‘ Begegnung mit einem vermeintlich passenden Exemplar herbei.

Aidens Kommentare und seine Sicht der Dinge lesen sich humorvoll, doch gerade die weibliche Hauptfigur Jen wirkt sehr dröge und wenig authentisch. Durch die wechselnden Perspektiven erhält der Leser zwar Einblicke in die verschiedenen Charaktere, ich persönlich hatte aber starke Schwierigkeiten zwischen den einzelnen Figuren zu unterscheiden, da sie häufig das gleiche sagen oder ähnlich denken. Auch Tom, der männliche Gegenpart zu Jen, wirkte zu Beginn schwach und platt. Nach der Hälfte des Buches wird die Handlung glücklicherweise etwas flotter und die Figuren gewinnen an etwas mehr Konturen.

Gut gefallen haben mir die KIs, auch wenn ihre Fähigkeiten uns zu überwachen und zu beeinflussen ein bisschen Besorgnis erregend sind. Die ganze Thematik und Figurenkonstellation, auch viele Grundideen und Dialoge im Roman fand ich richtig klasse, sie hätten stellenweise aber noch ein bisschen pointierter herausgearbeitet sein können. Insgesamt würde ich den Roman als romantische Liebeskomödie bezeichnen. Die beiden KIs, Aiden und Aisling, versuchen zwei Menschen zu verkuppeln, bis eine dritte, feindselig eingestellte KI ihnen dazwischenfunkt und uns Menschen zeigt, wie abhängig wir vom World Wide Web sind – und letztendlich wie ausgeliefert wir sind. Es ist seichte, spaßige, wenn auch manchmal ein bisschen zähe Unterhaltung mit Happy End.

Ich bedanke mich beim Blogger-Portal für dieses liebevoll gestaltete Rezensionsexemplar!

 

Lissa Lehmenkühler: „Porki – Ein Schweinchen sucht das Glück“

 

Lissa Lehmenkühler (Autor), Nina Hammerle (Illustratorin)
cbj Verlag
empfohlenes Alter: ab 4 Jahre
12,00€

 

 

„Was bist du bloß für ein Schwein!?“, ruft ihm seine Mutter zu, als das kleine Schwein Porki sich mal wieder danebenbenommen hat. Und weil Porki auf diese Frage keine Antwort weiß, macht er sich auf die Reise, um es endlich herauszufinden. Unterwegs trifft er Schweine aller Art: zum Beispiel Wolltraut, die Wollmilchsau, Pigasso, das Pinselohrschwein, oder Praline, das Trüffelschwein – und sogar eine kleine Meerjungsau! Als Porki dann auch den Schweinehund überwunden hat, merkt er endlich, was seine wahre Bestimmung ist: Er ist ein richtiges Glücksschwein! (Klappentext)

Dieses Kinderbuch ist schweinsame Spitze!

Normalerweise bringt Mama Hausschwein immer nur 12 Ferkel auf einmal zur Welt, aber Horkus-Porkus – kurz Porki – ist das 13. und somit schon von Geburt an anders. Porki unterscheidet sich von seinen zahllosen Geschwistern, zum Beispiel mag er keine Hausarbeit und er möchte auch kein Hausmeister werden. Er möchte mehr als ein normales Hausschwein sein und träumt von der großen Welt jenseits der Kleeblatthecke. Eines schlimmen Tages hält Porki es zu Hause nicht mehr aus und begibt sich in die weite Welt, um herauszufinden, was für ein Schwein er denn nun eigentlich ist. Auf seiner Reise begegnet Porki den verschiedensten Schweinen, schließt Freundschaften, erlebt Abenteuer und findet am Ende sich selbst.

Die Geschichte um das kleine Hausschwein ist sehr anrührend. Anders als alle anderen um ihn herum bricht Porki aus den vorbestimmten Grenzen seiner Familie aus und begibt sich auf die Suche nach sich selbst. Dabei ist er mutig und aufgeschlossen für alles Neue und erkennt am Ende, dass jeder etwas Besonderes – um nicht zu sagen schweinzigartig – ist, egal wie er ist. Um diese tiefgründige und lehrreiche Thematik packt die Autorin ein Konvolut aus Sprachspielereien, Wortschöpfungen, Liedern und Versen, die allesamt saumäßig witzig sind. Ich hatte ja keine Ahnung, wie viele schweinische Bezüge die deutsche Sprache hergibt und musste beim Vorlesen häufig vor Lachen innehalten.

Für Kinder ab 4 Jahre ist dieses Buch sehr zu empfehlen. Keine oberflächliche, banale Geschichte, sondern eine tiefergehende Thematik und so viele wundervolle sprachliche Überraschungen. Frau Lehmenkühler zeigt wie amüsant und meisterhaft sie mit Sprache spielen kann und unterhält damit sowohl Kinder als auch Erwachsene.

 

 

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Elisabeth Herrmann: „Zartbittertod“

 

Elisabeth Herrmann
cbj Verlag
empfohlenes Alter: ab 14 Jahre
18,00€

 

 

 

Zart wie die Liebe, bitter wie die Schuld

Mia ist in dem kleinen Chocolaterie-Geschäft ihrer Eltern aufgewachsen – mit den wunderbaren Rezepten, aber auch mit dem rätselhaften Familienfoto, auf dem ein lebensgroßes Nashorn aus Schokolade zu sehen ist, zusammen mit ihren Urgroßvater Jakob und seinem Lehrherrn. Der Lehrherr ist weiß, Jakob schwarz. Mia ist zwar bekannt, dass ihr Vorfahr als kleiner Junge aus dem damaligen Deutsch-Südwestafrika nach Deutschland gekommen ist. Aber warum? Und wie?

Als Mia den Nachkommen von Jakobs Lehrer unbequeme Fragen stellt, sticht sie in ein Wespennest. Liebe und Verrat, sie ziehen sich durch die Generationen, und als Mia endlich versteht, wer sie zum Schweigen bringen will, ist es fast zu spät …

Aufarbeitung deutscher Kolonialgeschichte.

Mia entstammt einer Chocolatiersfamilie, die ein kleines Geschäft in Meißen betreibt und versucht, im Kampf gegen die marktführenden Großkonzerne mit ihren Billigprodukten nicht unterzugehen. Da ihr älterer Bruder dafür vorgesehen ist, den Familienbetrieb zu übernehmen, bleibt für Mia nur Plan B: ein Journalistik-Studium. Als Aufnahmeprüfung soll sie die Geschichte eines Fotos recherchieren. Mia entscheidet sich für das im Klappentext bereits beschriebene Familienfoto und nimmt Kontakt zu Familie Herder auf, die ein Schokoladenimperium in Lüneburg leitet.

Die Geschichte hinter der Fotografie wird schnell aufgeklärt. Mias Urgroßvater Jakob stammte ursprünglich aus Namibia und kam mit Gottlob Herder nach Deutschland, der sein Lehrherr wurde. Doch warum nahm Gottlob den kleinen, schwarzen Jungen überhaupt mit sich? Warum ruft der Name Herder in Mias Familie so viel Ablehnung hervor? Und was hat es mit Jakobs hinterlassenen Fundstücken vom Dachboden auf sich?

‚Zartbittertod‘ behandelt weniger die Herstellung feinster Pralinen. In Wahrheit rückt das Thema Schokolade zügig in den Hintergrund und bildet allenfalls eine grobe Rahmenhandlung. Vordergründig wird ein weitgehend unbeachtetes Kapitel deutscher Geschichte thematisiert. Die Kolonialherrschaft in Deutsch-Südwestafrika findet im Lehrplan unserer Schulen allgemein wenig Platz. Umso positiver finde ich, dass  Elisabeth Herrmann keinen Bogen um dieses gern totgeschwiegene Kapitel macht und anhand von Tagebucheinträgen und Zitaten die Geschichte aufleben lässt. Es entsteht ein wirklich grausames Bild von Krieg, Rassenhass und Völkermord.

Mia Arnholt und Will Herder – Nachfahren zweier Zeitzeugen – ergründen ihre gemeinsame Familiengeschichte anhand von Fotos und alten, scheinbar wertlosen Erbstücken. Das Fortschreiten ihrer Nachforschungen liest sich zwar spannend, doch nicht so packend, dass das Gefühl aufkommt, man könnte das Buch nicht mal aus der Hand legen. Um die Handlung herum hat die Autorin eine Reihe von Morden und Übergriffen angesiedelt, sogar ein unheimlicher Maskenmann taucht auf. All diese Elemente steigern die Spannung zwar, doch am Ende brachte die Auflösung all dessen nicht den gewünschten Effekt. Sie ließ mich sogar eher ein bisschen enttäuscht zurück, weil sie etwas zu banal erscheint und einige Fragen offen lässt.

Insgesamt ist ‚Zartbittertod‘ eine lesenswerte Lektüre, vor allem wegen des geschichtlichen Hintergrunds und Frau Herrmanns solider Rechercheleistung. Leider zieht aufgrund dessen die Kriminalgeschichte den Kürzeren. Der Umfang der historischen Fakten überwiegt im Verhältnis zu den Krimi-Elementen. Dort hätte ich mir mehr Ausgewogenheit gewünscht. Die Charaktere sind zwar sehr vielseitig, insbesondere Will und Mia sind zwei sehr sympathische Protagonisten, obwohl ihre Handlungen nicht immer nachvollziehbar sind. Doch gerade die vielen wichtigen Nebencharaktere hätten tiefgründiger sein können, um auch der Handlung mehr Tiefgang zu verleihen.

Zum Schluss noch einen lieben Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar!

 

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HABA Little Friends – Träum schön, Lilli: Meine liebsten Gute-Nacht-Geschichten (HABA Little Friends Vorlesebücher, Band 2)

Teresa Hochmuth (Autorin), Maria Bogade (Illustratorin)
cbj Verlag
empfohlenes Alter: ab 4 Jahre
9,99€

 

 

 

Lilli, Mali und Matze sind drei Puppenkinder und wohnen in Monas Kinderzimmer. Und pssst!
Mit Mona teilen sie ein Geheimnis: Wenn kein Erwachsener dabei ist, werden sie lebendig!

Mona hat von ihrer Mama ein ganz besonderes Geschenk bekommen – ein Traumreisekissen. Damit fliegen die Puppenkinder Lilli, Mali und Matze nachts in verwunschene Welten und erleben wundersame Abenteuer, bis sie am Morgen sicher zurück in Monas Kinderzimmer landen. Acht zauberhafte Einschlafgeschichten aus der bunten Welt der Little Friends zum Vorlesen und Träumen.  (Klappentext)

Wir entwickeln uns zu den absoluten Lilli-Fans. Mein Sohn liebt dieses Buch. Es wird zu Hause von A nach B geschleppt und immer wieder durchgeblättert. Jeden Abend muss darin gelesen werden. Insgesamt enthält das Buch acht Geschichten:
Das Traumkissen
Mona und die Sandräuber-Hennen
Mali und die Regenwolken
Matze und das Mondschaf
Lilli und Pippa, das Zebra
Mali und die Funkelfeenflügel
Matze und die Rate-Piraten
Mona und der Schrumpelhut

Die beiden Autorinnen treffen mit ihren Geschichten und Bildern genau den Geschmack der Kinder. Die Texte sind stilsicher, einer für Kinder ansprechenden Ausdrucksweise mit so amüsanten Ausdrücken, dass man an vielen Stellen schmunzeln muss. Insbesondere wenn einige der Redewendungen sofort nachgeplappert werden und infolgedessen in den alltäglichen Sprachgebrauch übergehen: „Jo-ho-ho, auf geht’s Kameraden!“
Als einzigen, winzigen und beinahe unbedeutenden Kritikpunkt sehe ich die Länge der Geschichten an. Sie sind für die Aufmerksamkeitsspanne der Zielgruppe ein kleinwenig zu lang geraten. Mein Sohn ist an sich ein recht ausdauernder Zuhörer, aber die Handlung ist für ihn wohl etwas zu umfangreich, sodass die Konzentration mittendrin nachlässt. Hier bietet es sich an, die Geschichten entweder verkürzt oder gestaffelt vorzulesen. Sie sind deswegen trotzdem sehr beliebt, nicht zuletzt weil sie einfach nur zauberhaft und niedlich sind und von tollen farbigen Illustrationen geschmückt werden.

Insgesamt ist ‚Träum schön, Lilli: Meine liebsten Gute-Nacht-Geschichten‘ ein absolut empfehlenswertes Buch, an dem man lange und viel Freude hat. Die Aufmachung ist zauberhaft in einem stabilen Einband und die Geschichten verleiten zum Mitträumen.

Einen ganz lieben Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar!

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Lucy Holliday: „A Girls‘ Night In – Grace & Ich“ Diven-Reihe Band 3

 

Lucy Holliday
LYX – Verlag
empfohlenes Alter: ab 16 Jahren
10,00€

 

 

 

Libby Lomax‘ Liebesleben ist eine einzige Katastrophe. Nicht nur hat sie den heißesten Schauspieler Englands in den Wind geschossen, nein, ihr wird auf einmal klar, dass sie schon lange in ihren besten Freund Olly verliebt ist – doch der hat eine Freundin! Zum Glück taucht in all dem Gefühlschaos Grace Kelly auf Libbys alter Hollywoodcouch auf. Kann die Diva helfen, Libbys Gefühlsleben zu entwirren, und ihr ein filmreifes Happy End verschaffen? (Klappentext)

Drei Hollywood-Ikonen für Libby

Der finale Band der Diven-Reihe beginnt ein Jahr nach den Ereignissen aus Band 2. Vieles hat sich seither getan. Libby hat ihr Schmuck-Unternehmen ausgebaut und lebt in einer Wohnung in einem der nobelsten Stadtviertel Londons, in der auch das Chesterfield-Sofa einen Platz gefunden hat. Ihr Liebesglück mit Olly scheint aussichtslos. Er führt eine Beziehung mit einer erfolgreichen Ärztin, die genau weiß, was sie vom Leben will. Um dem Glück der beiden nicht im Weg zu stehen, nimmt Libby sich zurück und konzentriert sich auf ihr Unternehmen. Zumindest versucht sie das, bis sie eines Tages von einem sexy Millionär über den Haufen gerannt wird.

Wie schafft sie es nur, dass – um es mit Bogdans Worten zu sagen – „super heiße Männer fallen vor ihre Fuße wie tote Motten vor Flamme“? (S.73)
Klar, dass Libby Hilfe braucht, die ihr in Gestalt der großen Grace Kelly erscheint.

Im Gegensatz zu Audrey und Marilyn hinterfragt Grace jedoch, wie es möglich sein kann, dass sie plötzlich vor Libby steht. Grace akzeptiert es nicht als Gegeben, dass sie aus ihrem gewohnten Umfeld verschwunden sein soll, um Libby zu helfen. Und sie akzeptiert es schon gar nicht, dass sie auf einem magischen Sofa durch die Zeit gereist sein soll. Es erfüllt einen mit ziemlicher Wissbegier, zu erfahren, wie Grace Kellys komplizierter Charakter in solch einer Situation reagieren würde. Auch die biografischen Bezüge aus Grace Kellys Leben fügen sich interessant in die Rahmenhandlung ein. Die Autorin hat eine solide Rechercheleistung bewiesen.

In diesem letzten Band zieht die Autorin alle Register. Die Geschichte ist mit Witzigkeit, Slapstick und pointierten Dialogen angefüllt, mehr als die beiden Vorgängerbände zusammen. Als Grace auf Bogdan, Sohn von Bogdan, trifft, habe ich Tränen gelacht. In den Momenten, in denen zwischen Libby und Olly all die unausgesprochenen Worte und Gefühle schweben, habe ich mitgelitten. Dieser Abschlussband ist eine Ansammlung von großem Gefühlswirrwarr, unvorhergesehenen Wendungen und filmreifer Dramatik. Außerdem gibt es ein Wiedersehen mit Audrey und Marilyn, deren Unterstützung unbedingt notwendig ist! Alles wirklich sehr nervenaufreibend und ein würdiger Abschluss der Reihe.

 

Lies hier meine Rezension für Band 1 der Diven-Reihe

 

 

 

 

 

Und hier meine Rezension von Band 2

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HABA Little Friends – Lilli und die Aufräum-Räuber (HABA Little Friends Bilderbücher, Band 2)



Teresa Hochmuth, Maria Bogade
cbj Verlag
empfohlenes Alter: ab 3 Jahren
8,99€

 

 

 

 

Wir sind die Little Friends – Komm mit in unsere Welt!

Lilli, Mali und Matze sind drei Puppenkinder und wohnen in Monas Kinderzimmer. Und pssst! Mit Mona teilen sie ein Geheimnis: Wenn kein Erwachsener dabei ist, werden sie lebendig! Lilli, Mali und Matze haben in Monas Kinderzimmer ein Riesendurcheinander angerichtet. Au weia! Wie sollen sie das bloß aufräumen, bis Mona nach Hause kommt? Zum Glück hat Mali eine tolle Idee, doch dabei muss Lilli ganz schön Mut beweisen … (Umschlagtext)

Ein neues Abenteuer aus der HABA Little Friends Reihe.

Die Puppenkinder Lilli, Mali und Matze spielen im Kinderzimmer Räuberbande und finden einen Räuberschatz, hoch oben im Bücherregal. Gerade als sie die Perlen in ihren Räubersack stecken wollen, fällt die Dose um und sämtliche Perlen kullern durch das Zimmer. Was für ein Durcheinander.
Die Puppenkinder zeigen, dass Aufräumen zum Spielen dazugehört und auch Spaß machen kann, zum Beispiel indem jeder Spielsachen einer bestimmten Farbe wegräumt. Da staunen kleine Kinderaugen, wie selbstverständlich die Püppchen für Ordnung im Kinderzimmer sorgen.

Der Stil der Little Friends Bücher ist ansprechend für Kinder gestaltet, in kräftigen, freundlichen Farben mit einem leicht verständlichen Text, der vom Umfang her vollkommen ausreichend für die Altersstufe ab 3 Jahre ist, obwohl auch schon mein 2-Jähriger von den Geschichten angetan ist. Schön ist außerdem, dass die Bücher trotz der Titelheldin auch für Jungs geeignet sind. Allerdings sei ein kleines bisschen Vorsicht geboten, denn die Seiten sind aus Papier, und kleine Kinderhände … naja, ihr wisst schon.

Ein ganz liebes Dankeschön von der kleinen Lesemaus an den Verlag für das Rezensionsexemplar!

 

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Simona Ahrnstedt: „After Work“


Simona Ahrnstedt
LYX – Verlag
empfohlenes Alter: ab 16 Jahren
15,00€

 

 

 

Stell dir vor, du triffst einen Mann in einer Bar.
Und er ist heiß und sexy und interessant.

Stell dir vor, du erzählst ihm alles von dir.
Und du küsst ihn.


Dann stell dir vor, du kommst am nächsten Morgen ins Büro.
Und er ist dein neuer Chef.

(Umschlagtext)

Die 28 Jahre alte Lexia Vikander hat einen schrecklichen Tag hinter sich. Die kleine Werbeagentur, für die sie arbeitet, ist von einem Riesenkonzern aufgekauft worden. Dessen Management soll die Agentur umstrukturieren, weshalb Lexia um ihren Job fürchtet. Und statt nach Feierabend einen schönen Mädelsabend zu verleben, ist sie von ihren sogenannten Freundinnen sitzen gelassen worden. Frustriert und voller Selbstzweifel versinkt Lexia in der berauschenden Wirkung rosafarbener Cocktails und schüttet dem Fremden neben sich ihr Herz aus. Am nächsten Morgen entpuppt sich eben jener Mann als neuer Chef. Adam Nylund hat sich in der Geschäftswelt bereits einen Namen gemacht. Er ist Finanzmanager, streng, effizient und gefürchtet.

Der Einstieg in die Geschichte gelingt mühelos. Die Szene in der Bar ist über die Maßen peinlich und gleichzeitig an Witzigkeit kaum zu übertreffen. Wenn sich diese spielerische Leichtigkeit durch das ganze Buch gezogen hätte, wäre es wundervoll gewesen. Lexia und Adam sind zwei vollkommen verschiedene Charaktere. Lexia fühlt sich aufgrund ihres Übergewichtes häufig ungenügend und unsicher. Adam dagegen entspricht dem Ideal eines erfolgreichen Mannes. Er ist gutaussehend, tough und wohlhabend. Die Liebesgeschichte zwischen den beiden entspinnt sich anfangs sehr vorsichtig, wird im Verlauf extrem heiß, bis sie in einem Konfettiregen aus kitschiger Romantik endet. Das alles ist sehr unterhaltsam und liest sich problemlos weg.

Nicht ganz so leicht ist das alles dominierende Thema Feminismus, Sexismus am Arbeitsplatz, Frauenquote etc. Ein topaktulles Thema, zu dem auch sehr viel Richtiges gesagt wird. Gerade die Werbebrange übt einen enormen Einfluss darauf aus, was als Schönheitsideal angesehen wird, und ich stimme vollkommen zu, dass insbesondere Frauenkörper nicht in ein Size-Zero-Schema gepresst werden dürfen. Die tiefere Botschaft des Buches sind Toleranz und Akzeptanz jedem Menschen gegenüber, ungeachtet seines BMI, Religion, Ethnie und so weiter. Allerdings wird seitenweise auf dem immer gleichen Problem herumgeritten, ganze Dialoge werden doppelt und dreifach geführt. Für einen romantischen Frauenroman war das einfach zu viel. Als Leser wird man hin und her gerissen zwischen einer prickelnden Liebesgeschichte und den heftigen Kontroversen von Feminismus und Sexismus.

Die Wahl des Covers ist ganz gehörig schiefgelaufen. Es ist zwar schön und ansprechend gestaltet, doch angesichts des Themas und der Botschaft der Autorin ein totaler Fehlgriff.

Im Großen und Ganzen kann man mit ‚After Work‘ ein paar angenehme Lesestunden verbringen. Die Autorin hat einen sehr angenehmen Erzählstil und es war mutig, so schwierige Themengebiete konkret anzusprechen.

Ich bedanke mich ganz herzlich beim Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

 

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Sophie Schoenwald: „Der große Zahnputztag im Zoo“

 

Sophie Schoenwald (Autor), Günther Jakobs (Illustrator)
Boje Verlag
empfohlenes Alter: ab 4 Jahre
12,90€

 

 

Frischer Wind mit Zahnputzigel Ignaz!

Es müffelt im Zoo. Weil keiner mehr die Zähne putzt! Da hat Zoodirektor Ungestüm einen Plan – und schickt Ignaz Pfefferminz Igel auf eine waghalsige Mission: Ein Klecks Zahnpasta auf den Rücken und schon geht es los. Ignaz schrubbt, poliert und putzt – große, kleine, spitze Zähne. Und steckt im Nu mitten im größten Abenteuer seines Lebens. Dabei traut er sich hoch hinauf zu Frau Giraffe, ins Löwengehege und sogar bis ins Maul von Wilhelm, dem weißen Hai!
Eine erfrischende Geschichte übers Zähneputzen ‑ zum Lachen, Staunen und Mitfiebern. So abenteuerlich wie Karius und Baktus! (Klappentext)

Mit Spaß Zähneputzen!

Zähneputzen bei Kleinkindern kann manchmal ein regelrechtes Drama sein. Warum rückt Mama ständig mit der Zahnbürste an? Warum sollte man dann den Mund aufmachen? Wozu überhaupt das ganze Geschrubbe? Das ist ein frustrierender Kampf für geplagte Eltern. Glücklicherweise gibt es ein paar einfache Tricks, um seinen Sprösslingen die Zahnpflege spielerisch und auf ganz subtile Weise näherzubringen. Bilderbücher helfen Kindern generell, den Prozess und die Wichtigkeit des Zähneputzens zu verstehen. Und ‚Der große Zahnputztag im Zoo‘ liefert hierzu eine wirklich witzige Geschichte, bei der allein schon vor Lachen der Mund offensteht (sodass die Zähne geputzt werden können!).

Erzählt wird die Geschichte über Zootiere, die dem Rat des Faultiers folgend keine Zähne mehr putzen. Daher müffelt es im Zoo und keine Besucher kommen mehr. Der Zoodirektor hat die pfiffige Idee, einen Zahnputztag einzulegen. Als Zahnbürste dient Igel Ignaz, dessen Stachelkleid mit Zahnpasta bestrichen wird. So muss Ignaz am Ende einer langen Stange die Zähne der Giraffe putzen oder mit einer Wäscheklammer auf der Nase hinab zum weißen Hai tauchen. Text und Bilder zur Geschichte sind unglaublich lustig. Das ist ein Buch, das man selbst als Erwachsener und nach dem hundertsten Mal Vorlesen noch gerne in die Hand nimmt.

Eine super Zugabe ist außerdem das Poster, auf dem Ignaz Igel noch einmal alle Facetten des Zähneputzens vorführt. Aber vorsichtig beim Heraustrennen! Neugierige Kinderhände können sowohl das Poster als auch den Einband beschädigen. Ist ziemlich fest geklebt. Das Poster gibt es übrigens auch online auf der Verlagsseite zum Herunterladen. Klick hier!

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Heidi Swain: „Frühling im Kirschblütencafè“

 

Heidi Swain
Penguin Verlag
10,00€

 

 

 

Lizzie Dixon steht vor einem Scherbenhaufen, als sie von ihrem Freund anstelle des langersehnten Heiratsantrags den Laufpass bekommt. Sie kehrt zurück in ihre Heimatstadt und schlüpft bei ihrer besten Freundin Jemma unter, die gerade das alte Café am Marktplatz gekauft hat. Die Renovierung des kleinen Ladens weckt wunderbare Erinnerungen an ihre Jungend, und so erfüllen die Freundinnen sich einen lang gehegten Traum: Lizzie wird Teilhaberin und bietet im Café Nähkurse an. Doch kann sie ihr altes Leben wirklich hinter sich lassen? Und dann ist da noch Ben, der sie zu Schulzeiten nie eines Blickes gewürdigt hat. Als sie gezwungenermaßen zu Mitbewohnern werden, kribbelt es erneut in Lizzies Bauch … (Klappentext)

Zuckersüß und rosarot. Vom Nähen, Backen und Kinder kriegen.

Die Handlung beginnt eigentlich ziemlich vielversprechend. Statt des ersehnten Heiratsantrages bekommt Lizzie von ihrem stinkreichen und modelmäßig attraktiven Freund den Laufpass. Lizzie muss den Weg der Schande antreten und kehrt etwas verschämt in ihre Heimatstadt zurück. Eine Kleinstadt, in der jeder jeden kennt und jeder über ihr Scheitern Bescheid weiß. Ohne eine Ahnung zu haben, was sie mit ihrem Leben in Zukunft anfangen will, bietet Lizzie ihrer Freundin Jemma an, sie bei der Eröffnung eines Cafés zu unterstützen.

Die Figuren wirken unglaubwürdig. Die meisten sind viel zu nett zueinander, zu hilfsbereit, zu nachgiebig. Dadurch gibt es kaum Reibepunkte und die Handlung plätschert kitschig verträumt vor sich hin. Am besten war Lizzies Mutter, die eine gewisse Ähnlichkeit mit Bridget Jones‘ Mutter aufweist. Daraus hätten mehr witzige Szenen resultieren können, gerade zu Beginn als Lizzie nach Hause zurückkehrt. Der Handlung fehlt es in den entscheidenden Momenten an Dynamik. Wenn schon Klischee, warum dann nicht auch richtig ausreizen? Sogar der sogenannte ‚Bösewicht‘ wirkt dann einfach zu konstruiert und unglaubwürdig. Die Liebesgeschichte zwischen Lizzie und ihrem alten Schulschwarm kommt für einen so kitschigen Frauenroman viel zu kurz. Keine Funken, kein Knistern und das Happy End wird viel zu emotionslos abgehandelt.

Schön verarbeitet ist das Thema Selbstfindung und Selbstverwirklichung. Ein Café, in dem Nähkurse angeboten werden. Was für ein herrlicher Traum! Schade, dass ich an der Nähmaschine nicht so begabt bin wie ich es gerne wäre.
Insgesamt ist ‚Frühling im Kirschblütencafé‘ eine – das muss man schon sagen – seichte Unterhaltung, ohne wirklich überraschende Wendungen und ohne länger im Gedächtnis zu bleiben. Alles ist so süß wie der Kuchen in Jemmas Café und am Ende fügt sich alles vorhersehbar zusammen.

 

 

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Mia Cassany: „Atlas der wundersamen Orte“

 

Mia Cassany
Prestel Verlag
empfohlenes Alter: ab 4 Jahre
14,99€

 

 

 

Komm mit an die wundersamen Orte einer fantastischen Traumwelt. Hier trägt der Panther Zebrastreifen, die Berge stehen Kopf und aus Zuckerzeug werden Süßsee-Inseln…
Dieser ungewöhnliche Atlas entführt uns in eine Fantasiewelt, eine Welt voller Schönheit und Wunder, stets auf halbem Weg zwischen Wirklichkeit und Traum. Dies ist ein Atlas all der Orte, die es so gar nicht gibt. Oder vielleicht doch? (Klappentext)

Geografie für Träumer!

Der ‚Atlas der wundersamen Orte‘ ist ein hochwertiges Kinderbuch, das Kunst, Poesie und Fantasie vereint und die Grenzen der Vorstellungskraft leichtfüßig überwindet. Die Bilder tragen Elemente aus dem Jugendstil mit flächenhaften Ornamenten, die oft abstrakte oder abstrahierte Muster ergeben. Die Natur wird durch schwungvolle Linien abgebildet, durch Ranken und Wellen. Jegliche Gesetzmäßigkeiten werden aufgegeben und die Fantasie entfaltet sich frei, wohin auch immer sie möchte.

Mein Sohn und ich saßen gleichermaßen staunend über die Seiten gebeugt. Es gibt viel zu entdecken, viele Orte, über die man sich wundern kann. Am Ende des Buches fühlt sich der Verstand wie aufgelockert an, einfach weil man seine eigene eingeschränkte Vorstellungskraft überwunden hat und nun selbst vergnügt vor sich hin träumt. Dieses Buch ist nicht nur etwas für Kinder, sondern auch für Erwachsene. Rundum gelungen.

Vielen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar!

 

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