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Andrea Schütze: “Die Waldmeisterinnen: Einmal Glück für alle” (Band 2)

Andrea Schütze
Boje Verlag
empfohlenes Alter: ab 7 Jahre
12,00 €

Ein neues Abenteuer für die Waldmeisterinnen

Holly Holunder und Lia Lavendel sind aufgeregt, denn in ihrem Wald gehen merkwürdige Dinge vor sich. Der See wächst zu, die Kicherlinge haben das Lachen verlernt, und die Seegespenster sind traurig. Dabei ist es so wichtig, dass es dem Wald und seinen magischen Bewohnern gut geht! Ohne zu zögern machen Holly und Lia sich auf den Weg tief hinein in den Wildwood Forest. Gemeinsam mit ihren Freunden setzen sie alles daran, das Glück in ihren Wald zurückzubringen… (Klappentext)

Zwei Buchheldinnen für junge Leser zwischen 7 und 9 Jahren

In einem verwunschenen Wald in einem kunterbunten Baumhaus leben die beiden Waldmeisterschwestern Holly und Lia. Lia kann ziemlich gut backen und hat ein Gespür für Gefühle und Stimmungen. Holly dagegen ist eine geniale Erfinderin. Die Schwestern haben einen Laden, in dem sie Erfindungen aller Art anbieten und sich um die großen und kleinen Sorgen der Waldbewohner kümmern.  Im Wald geht es ja immer wunderbar verrückt zu, doch plötzlich scheint das Pech eingezogen zu sein. Der See wächst zu, die Kicherlinge kichern nicht mehr, und die Seegespenster sind traurig. Dabei sind die magischen Wesen so wichtig, denn ohne sie kann kein Glücksglimmer mehr hergestellt werden, und alle haben nur noch Pech. Klar, dass Holly, Lia und ihre Freunde alles daran setzen, das Glück zurückzuholen.

Von der Aufmachung her ist das Buch ein Genuss für die Augen. Kunterbunte Illustrationen auf jeder Seite, eine Karte des Wildwood-Forest und sogar drei leckere Rezepte zum Nachbacken. Die Grundidee der Handlung finde ich großartig, denn sie vermittelt ein erstes Gespür für das Funktionieren eines Ökosystems. Im Buch ist es der Kreislauf des Waldes, der gestört ist und es wird anschaulich erklärt, wie und warum alles zusammenhängt.

Für Erstleser sind die Waldmeisterinnen eine Herausforderung. Nicht nur wegen der englischen Vokabeln, sondern auch wegen der recht komplizierten und vielschichtigen Thematik. Im Wildwood-Forest lebt eine gigantische Vielzahl absonderlicher Wesen. Auch die Art und Weise, wie Holly und Lia sich dem Problem stellen, empfand ich teils verwirrend und zu quirlig. Mein Sohn hat sich beim Zuhören nach einigen Seiten ausgeklinkt, obwohl er Holly mit ihren Erfindungen und die Seegespenster wirklich toll fand.

Insgesamt sind „Die Waldmeisterinnen“ ein empfehlenswertes Buchheldengespann. Die Charaktere wurden liebevoll ausgearbeitet, sie sind pfiffig und stecken voll Erfindungsreichtum, und die Geschichte enthält eine wichtige Botschaft. Zum Vorlesen und intensiven Betrachten der farbenfrohen Illustrationen eignet sich das Buch auf jeden Fall für die empfohlene Altersgruppe. Aber um alle Facetten dieses Fantasyabenteuers aufzunehmen, sollten die Leser wohl etwas älter sein.

Vielen lieben Dank an die Bloggerjury für das kostenlos zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar!  

Andrea Schütze: “Die Waldmeisterinnen” Band 1
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Hörbücher Rezensionen

“Der kleine Waschbär Waschmichnicht und Das kleine Stinktier Riechtsogut” gelesen von Philipp Schepmann

Britta Sabbag
cbj audio
Gesamtspielzeit: ca. 29 Min.
empfohlenes Alter: ab 3 Jahre

„Ein richtiger Waschbär wäscht sich für sein Leben gern”, sagt Mama Waschbär. Doch der kleine Waschbär Waschmichnicht will sich nicht waschen. Auch nicht im Fluss mit dem klarsten Waschwasser der Welt. Das kleine Stinktier Riechtsogut hat es ebenfalls nicht leicht. Alle Stinktiere stinken gerne und verteilen ihren Stinkeduft. Aber Riechtsogut liebt den Duft von Waldblumen und Badeschaum. Können sie dennoch ein waschechter Waschbär und ein richtiges Stinktier sein?

Über Sauberkeit und Anderssein

Dieses Hörbuch enthält die beiden Bestseller „Der kleine Waschbär Waschmichnicht“ und „Das kleine Stinktier Riechtsogut“. In beiden Geschichten geht es um das Thema Sauberkeit und um das Anderssein.

Der kleine Waschbär will sich überhaupt nicht waschen, ganz im Widerspruch zur Natur des Waschbären. Täglich kommt Mama Waschbär ins Zimmer des kleinen Waschbären und lockt ihn mit dem klarsten und reinsten Flusswasser. Doch Waschbär Waschmichnicht hat sich bereits aus dem Staub gemacht und ein Versteck gefunden. Irgendwann ist er so verdreckt und stinkt, dass er mit einem Stinktier verwechselt wird. Das will der kleine Waschbär dann doch und probiert das mit dem Waschen einfach aus…

Im Gegensatz dazu übertreibt es das Stinktier Riechtsogut mit der Körperhygiene und schlägt mit einem anderen Extrem aus der Art. Er liebt Schaumbäder, sich zu parfümieren oder Frisuren auszuprobieren. Letztlich ist das kleine Stinktier so reinlich, dass es doch eigentlich gar kein richtiges Stinktier sein kann, oder?

Zwei sehr schöne Geschichten für alle Eltern, die ihren Kindern spielerisch erklären möchten, wie wichtig es ist, sich zu waschen. In Zeiten von Corona-Hygieneregeln aktueller denn je. Aber den Kindern wird auch ein gesunder Umgang mit Hygiene nähergebracht. Genauso liebevoll wird mit dem Thema des „Anders sein“ umgegangen.

Gelesen wird das Buch von Philipp Schepmann, der alle bisherigen Abenteuer des kleinen Drachen Kokosnuss eingelesen hat. Seine Stimme hat einen angenehmen Klang. Die beiden Lieder haben Ohrwurmqualität, glücklicherweise nicht auf nervige Art. Die Kinder tanzen, singen und lachen dazu und selbst als Erwachsener kann man sehr über die Texte schmunzeln.

Ich bedanke mich bei cbj audio für das Rezensionsexemplar dieses bezaubernden Hörbuchs!

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Frauenromane Rezensionen Romane

Silvia Konnerth: “Heidesommerträume”

Silvia Konnerth
Blanvalet Verlag
10,00 €

Manchmal liegt das große Glück in einem kleinen Dorf in der Lüneburger Heide!

Nach einem vernichtenden Gespräch mit ihrer Lektorin ist für Autorin Carolin die Lage klar: Sie braucht einen Ortswechsel, um auf neue Ideen zu kommen. Das Romantikhotel ihrer Schwester Lola in der Lüneburger Heide scheint dafür wie geschaffen. Doch anders als erhofft, treibt Carolins Aufenthalt bei der Verwandtschaft sie nicht zu schriftstellerischen Höchstleistungen an, sondern zur Weißglut. Schlimmer noch: Lola taucht aus heiterem Himmel ab! Allein mit deren überfordertem Ehemann, einem ausgebuchten Hotel und einer schier endlosen Aufgabenliste, bleibt Carolin nichts anderes übrig, als selbst das Ruder in die Hand zu nehmen. Und dann ist da noch der eigenwillige Gast Till, der ungewollt Teil ihrer Mission wird – und der sie mehr berührt, als ihr lieb ist! (Klappentext)

Ein Roman zum Entspannen und Abschalten

Carolin ist Schriftstellerin, die bereits einen ordentlichen Bekanntheitsgrad durch ihre Romane erlangen konnte. Umso zermürbender, dass sie mit ihrem neuen Projekt nicht vorankommt und die guten Ideen ausbleiben. Ihr Privatleben lief auch schon mal deutlich besser. Da scheint der Tapetenwechsel in die Lüneburger Heide unausweichlich. Aber statt umgeben von Natur zu ihrer gewohnten schriftstellerischen Bestleistung zurückzufinden, muss Carolin im Hotel aushelfen, weil ihre Schwester spurlos verschwindet…

Ich gebe zu, dass ich rein wegen der ansprechenden Covergestaltung zu „Heidesommerträume“ gegriffen habe: Brombeermarmelade und Heidesträußchen. Ein Traum von Spätsommer. Durch den Roman bin ich dann nur recht schwerfällig gekommen. Vielleicht lag es daran, dass ich – typisch Sommer – bereits einige vergleichbare Romane gelesen habe und einfach übersättigt von den seichten Handlungsrahmen war. Im Prinzip lese ich gerne solche Bücher wie ihr anhand meiner letzten Blogbeiträge auch sehen könnt. Carolins Geschichte rund um ihre Schreibkrise und das Hotel mitsamt seinen Bewohnern mitten in der Lüneburger Heide werden sehr warmherzig geschildert. Es ist eine romantische, heimelige Geschichte mit ein bisschen Selbstfindung. Für alle, die die Lüneburger Heide kennen und lieben, ein großartiges Setting zum Abtauchen. Ich persönlich war noch nie da, deshalb hätten es für meinen Geschmack mehr blumige Beschreibungen der Landschaft sein können, um mich richtig in diese Wohlfühlatmosphäre des Hotels einzufinden.

Der Schreibstil von Silvia Konnerth ist flüssig und leicht, gefühlvoll mit einem angenehmen Humor. So richtig wollte der Funke bei mir trotz allem nicht überspringen, aber für alle Freunde des Lokalkolorits Lüneburger Heide dürfte der Roman ein Hochgenuss sein.

Vielen Dank an das Bloggerportal und an den Blanvalet Verlag für das Rezensionsexemplar!

Bereits erschienen:

Wenn die Heide Blüten trägt, ist es Zeit, nach Hause zurückzukehren!

Gerade hat Emma ihre Scheidung hinter sich gebracht, da hat das Leben schon eine neue Herausforderung parat: Sie soll eine Pension in der Lüneburger Heide ankaufen. Eigentlich ein Klacks für die 36-jährige Maklerin, wäre da nicht ein Haken: Das Gebäude steht in Emmas Heimatort – und gehört ausgerechnet ihrer mittlerweile verhassten Jugendliebe Mark. Widerwillig reist Emma zurück nach Hause und wird mit alten Gefühlen konfrontiert. Und dann lernt sie auch noch Pferdewirt Leo kennen, zu dem sie eine besondere Verbindung spürt. Inmitten der idyllischen Heidelandschaft muss sich Emma nun die Frage stellen, was – und vor allem wer – ihr im Leben wirklich wichtig ist. (Klappentext)
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Baby und Kleinkind Geschenkbücher Ratgeber Rezensionen Sachbücher

Aeneas Rooch: “Mein wasserdichtes Baby: Verblüffende Phänomene aus dem Babyversum wissenschaftlich erklärt”

Aeneas Rooch
Heyne Verlag
9,99 €

Wissenschaft am Wickeltisch

Besitzen Babys einen Tauchreflex? Ist es gesund, wenn Eltern den Schnuller ablecken? Und kann man heruntergefallene Lebensmittel, die weniger als fünf Sekunden auf dem Boden lagen, wirklich bedenkenlos essen? Wissenschaftsjournalist und Bestsellerautor Aeneas Rooch lüftet die Rätsel des Elternalltags. Humorvoll, fesselnd und fundiert erzählt er von erstaunlichen Erkenntnissen aus dem Leben mit den Kleinsten. Die perfekte Lektüre für schlaflose Nächte! (Klappentext)

Die Bibel für werdende Eltern

Auf dem Themengebiet “Baby” bin ich kein Neuling. Ich darf die Phänomene, Wunder und Rätsel des Babyversums gerade ein zweites Mal erleben und habe mich über dieses Buch köstlich amüsiert.

Als frisch gebackene Eltern prasseln täglich neue Eindrücke und Informationen auf einen ein. Zumeist in Form guter Ratschläge aus dem Familien- und Bekanntenkreis. Dann ist da dieses kleine Wesen, das zappelt und schreit, und manchmal weiß man beim besten Willen nicht, was es von einem will. Viele Fakten rund ums Baby nimmt man einfach hin. Nach dem Motto: Wie? Das ist schlecht für mein Kind? Okay, mach ich nicht. Oder, mein Baby muss durch zahlreiche Kurse bestmöglich gefördert werden, damit es sein volles Entwicklungspotential ausschöpft? Alles klar, mache ich! Aeneas Roochs Buch liefert nun die Antwort auf die Frage Warum mache ich all das überhaupt?

In einer sehr unterhaltsamen Art erklärt er 14 Alltagsphänomene aus dem Babyversum. 14 teils kuriose Situationen, in denen sich alle Eltern irgendwann wiederfinden. Er erklärt sie in einer flapsigen Erzählweise, bleibt aber dennoch wissenschaftlich. Die vermittelten Erkenntnisse sind gut recherchiert und hilfreich, insbesondere für Erstlingseltern. Mir persönlich gefällt der Humor und ich konnte an vielen Stellen herzlich lachen. Die wissenschaftlichen Fakten eignen sich hervorragend, um als Besserwisser zu glänzen. Damit trifft das Buch genau den Geschmack meines Mannes.

Ich empfehle dieses Buch allen werdenden Eltern und werde es selbst an solche verschenken!

Vielen lieben Dank an das Bloggerportal und besonders an den Heyne Verlag für das kostenlos zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar!

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Frauenromane Rezensionen Romane

Sue Watson: “Mein wunderbarer Eiscremesommer”

Sue Watson
Heyne Verlag
9,99€

Wenn das Leben dir Zitronen gibt, mach Eiscreme draus!

Erst hat sich der Mann aus dem Staub gemacht, dann werden auch noch die Kinder flügge. Das Leben ist kein Zuckerschlecken für Ella: ohne Job, ohne Partner, bald wohnungslos und als Sitterin eines kleinen Hündchens, das besser gekleidet ist als sie selbst. Doch als Ella den alten Eiscremewagen ihrer Tante erbt, ergreift sie kurzerhand die Chance für einen Neuanfang. Sie packt ihre Tasche und macht sich auf den Weg ins malerische Küstenörtchen Appledore. Dort möchte sie die glücklichen Sommer ihrer Kindheit wiederaufleben lassen. Der sympathisch-chaotische Anwalt Ben, der sich um den Nachlass von Ellas Tante kümmert, hat auch schon eine Idee, wie man den Wagen und Ellas Leben wieder in Gang bekommen könnte. So stürzt sich Ella in das Geschäft mit den sahnigen Träumen, bis eines Tages jemand vor ihrer Tür steht, mit dem sie nicht gerechnet hat… (Klappentext)

Gelato gegen Midlife-Crisis

Ellas Leben steht an einem Wendepunkt. Ihre Ehe ist bereits gescheitert. Ellas Ex postet fleißig Bilder von seinem perfekten Luxusleben mit der Neuen auf Instagram. Beide Kinder werden selbstständig und ziehen hinaus in die weite Welt, sodass Ella in einem leeren Nest zurückbleibt. Obendrauf verliert sie ihren Job und schließlich auch noch ihr Haus. Ganz schön viel Drama aus der Klischee-Kiste für Mittvierziger. Die einzige Hoffnung, die Ella hat, ist das überraschende Erbe ihrer verstorbenen Tante. Ein alter Eiswagen, der sie an unbeschwerte Sommer aus Kindheitstagen erinnert. Ella startet einen Neubeginn und kreiert leckere Eissorten, die sie am Strand des Küstenstädtchens Appledore verkaufen möchte. Um all das herum entspinnt sich eine zarte Liebesgeschichte mit dem charmanten Anwalt. Außerdem gibt es noch ein Familiengeheimnis zu lüften. Denn was mag nur der Grund gewesen sein, aus dem sich Ellas Mutter und deren Schwester zeitlebens nicht versöhnen konnten?

Trotz der Bandbreite deprimierender Fehlschläge in Ellas Leben lässt sie sich niemals unterkriegen, bleibt durchweg optimistisch und geht tapfer neue Wege. Man kann sie nur ins Herz schließen und für ihren Mut bewundern. Überhaupt ist sie eine sehr warmherzige und selbstreflektierende Person. Auch die anderen Figuren sind auf unterschiedliche Weise  sympathisch, witzig, schrullig, was sehr dazu beiträgt, dass man sofort in den Roman eintaucht. Dazu kommen das sommerliche Flair des britischen Küstenstädtchens und ein Hauch Italien. Am Ende kommt ein herrlich leichter Gute-Laune-Sommer-Roman heraus, der Lust auf einen großen Becher Eis macht!

Im Mittelpunkt der Handlung steht die Midlife-Problematik von Ella. Ihr Leben wandelt sich von Grund auf und richtet sich neu aus. Vermutlich fühlen sich Leserinnen, die sich in einer ähnlichen Lebensphase befinden, von dem Roman eher angesprochen als andere. Ich persönlich konnte mich zwar nicht mit Ella identifizieren, trotzdem hat es Spaß gemacht, sie auf ihrem Weg zu begleiten. Denn wie gesagt, es ist ein absoluter Wohlfühlroman für den Sommer!

Vielen lieben Dank an das Bloggerportal und den Heyne Verlag für das Rezensionsexemplar!

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Frauenromane Rezensionen Romane

Anne Sanders: “Willkommen im Hotel der Herzen” (Das kleine Hotel, Band 1)

Anne Sanders
Blanvalet Verlag
10,00 €

Willkommen in Cornwall:

Dieses romantische Hotel wird Ihr Herz höher schlagen lassen!

Es ist Sommer in Cornwall, doch von entspannten Stunden am Strand sind Gretchen Wilde und ihre Tochter Nettie weit entfernt! Für sie fängt nun die turbulenteste Zeit des Jahres an, denn es ist Hochsaison im »Wild at Heart«, dem kleinen Hotel auf den Klippen über dem Meer, das die beiden gemeinsam führen. Viele Paare reisen hierher, vor allem, weil sich nahe dem »Wild at Heart« ein berühmter Wallfahrtsort für alle Liebenden befindet – ein herzförmiger Felsen. Doch ausgerechnet Gretchen hat sie noch nicht wiedergefunden, die Liebe. Nettie spielt die Kupplerin – doch damit stiftet sie erst mal ein ordentliches Chaos … (Klappentext)

Etwas leichtes für den Sommer gefällig?

Gretchen Wilde ist seit fünf Jahren verwitwet. Sie steht in der Mitte ihres Lebens, hat eine fast erwachsene Tochter und versucht den Traum ihres Mannes am Leben zu halten, indem sie sich um das kleine Hotel Wild-at-Heart kümmert. Doch die Last, ein solch kleines Hotel zu führen, das kaum die Möglichkeiten hat, mit den steigenden Anforderungen dieser Branche mitzuhalten, wiegt enorm. An allen Ecken und Enden muss Gretchen einspringen, vermitteln, planen, umdenken, die finanzielle Last tragen. Hinzu kommt, dass sie alles auf der winzigen Insel vor der Küste Cornwalls an ihren verstorbenen Mann erinnert. Ihre Tochter Nettie hingegen liebt die Arbeit im Hotel und versucht, ihre Mutter zu verkuppeln, was gehörig nach hinten losgeht.

„Willkommen im Hotel der Herzen“ erzählt Gretchens und Netties Geschichte und die einiger durchaus interessanter Figuren, die auf Port Magdalen mit seinem herzförmigen Felsen leben. Obwohl das Setting wunderbar gewählt ist und die Figuren im ersten Moment ansprechend werscheinen, konnte mich die Handlung nicht wirklich fesseln. Dabei ist der Schreibstil zwar sehr angenehm und leicht, und die Dialoge zeugen von einem gewissen Humor. Dennoch bin ich mit den Charakteren nicht warm geworden. Sie bleiben zu oberflächlich und handeln teils zu übertrieben. Insgesamt würde ich die Handlung als unaufregend, teilweise sogar langweilig und zäh bezeichnen. Schade, weil ich die Idee eigentlich vielversprechend finde.

Mein Dank geht an das Bloggerportal und an den Blanvalet Verlag für das kostenlose Rezensionsexemplar!

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ab 16 Jahre Krimi & Thriller Rezensionen Romane

Guillermo Martínez: “Der Fall Alice im Wunderland”

Guillermo Martínez
Eichborn Verlag
empfohlenes Alter: ab 16 Jahre
16.00 €

Grausam und makaber – eine Mordserie, inspiriert von den Motiven aus “Alice im Wunderland”

Die ehrwürdige Lewis-Carroll-Bruderschaft von Oxford ist einer Sensation auf der Spur: Eine bislang verschollene Seite aus Carrolls Tagebuch ist aufgetaucht – und offenbart brisante Details aus dem Leben des Schöpfers von Alice im Wunderland. Doch bevor die Bruderschaft den Fund veröffentlichen kann, geschehen mehrere makabre Morde – inspiriert von der Symbolik in Carrolls weltberühmtem Buch. Was bezweckt der Mörder mit dieser Botschaft? Arthur Seldom, hoch angesehener Professor für Logik und selbst Mitglied der Bruderschaft, macht sich zusammen mit seinem junger Doktorand aus Argentinien daran, das Motiv hinter der Mordserie zu entlarven. (Klappentext)

Mord im Wunderland

Zum zweiten Mal geraten Professor Arthur Seldom und der argentinische Doktorand, von dem wir immerhin den Anfangsbuchstaben ‚G‘ erfahren, in einen verzwickten Fall.

Die Handlung des Romans spielt im Sommer 1994 in Oxford. Kristen Hill, die ebenfalls eine Doktorandin Seldoms war, ehe sie zu einem Forschungsstipendium kam und sich nun mit den Tagebüchern von Lewis Carroll auseinandersetzt, hat einen sensationellen Fund gemacht. Einige Tagebuchseiten wurden einst von Carrolls Familienangehörigen vernichtet, doch Kristen findet eine Notiz, die den Inhalt besagter Seiten zusammenfasst. Welches brisante Geheimnis vermag diese Notiz zu enthüllen? Was verrät sie über den Schöpfer von „Alice im Wunderland“, das seine Verwandten verschweigen wollten? Die Lewis-Carroll-Bruderschaft gerät aus dem Häuschen. Doch bei der Versammlung, auf der die Nachricht enthüllt werden soll, kommt Kristen niemals an.

In diesem zweiten Kriminalfall rund um Professor Seldom, der gut 16 Jahre nach „Die Oxford-Morde“ publiziert wurde, zeigt sich ein deutlicher Reifegrad von Guillermo Martínez. Die Längen aus Band 1, in denen mathematische Theoreme erläutert wurden, sind zugunsten einer spannenden Handlung gekürzt. Den Leser erwartet ein kniffliger Krimi mit einer Reihe von Morden, die dem weltbekannten Kinderbuch entlehnt sind. Die immer wieder herausgezögerte Enthüllung des Tagebuchinhalts hat mich fast in den Wahnsinn getrieben.

Natürlich kenne ich „Alice im Wunderland“, doch über Lewis Carroll wusste ich bislang nichts. Nicht, dass er eigentlich Charles Dodgson hieß. Dass er ebenfalls Mathematiker war. Und auch nichts über seine – nun ja, heute würde man sagen skandalösen – Fotografien. Mit umso größerem Staunen habe ich die Forschungsergebnisse verfolgt, die im Buch durch die Vertreter der Lewis-Carroll-Bruderschaft erklärt werden. Für dieses umfangreiche Wissen hat sich Guillermo Martínez in die Sekundärliteratur eingearbeitet. Eine gigantische Recherchearbeit, die sich auszahlt.

Schockierend sind die Neigungen Carrolls. Wie gesagt, ich war im Vorfeld völlig unbedarft, was seine Biografie betrifft. Aus diesem Grund konnte der Roman bei mir seine volle Wirkung entfalten.

Der Aufbau der Handlung ist brillant, vielschichtig, wendungsreich. Jedes Detail ist perfekt aufeinander abgestimmt. Seien es die mysteriösen Tagebuchseiten, Carrolls Fotografien, die Morde oder die verschiedenen Blickwinkel, wobei alles mit den Betrachtungen der Logik unterlegt ist.

„Der Fall Alice im Wunderland“ ist ein extrem guter Kriminalroman, der wieder klassische Elemente des Genres aufgreift und gelungen umsetzt. Er ist meisterhaft recherchiert und strukturiert, mit einer spannenden, nicht vorhersehbaren Handlung von Anfang bis Ende.

Vielen Dank an die Bloggerjury und den Eichborn Verlag für das kostenlos zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar!

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Krimi & Thriller Rezensionen

Guillermo Martínez: “Die Oxford Morde”

Guillermo Martínez
Eichborn Verlag
empfohlenes Alter: ab 16 Jahre
14,00 €

Ein brillant konstruierter Kriminalfall rund um die Rätsel der Logik

An einem lauen Sommerabend in Oxford findet ein Mathematik-Gastdoktorand aus Argentinien seine Vermieterin tot auf – offensichtlich wurde sie umgebracht. Kurz darauf erschüttern weitere Morde die kleine Universitätsstadt; jeder von ihnen begleitet von einer rätselhaften Nachricht mit einem einzelnen mathematischen Symbol. Gemeinsam mit Arthur Seldom, einem hoch angesehenen Professor für Logik, muss der junge Doktorand versuchen, das nächste Symbol in der Reihung zu entschlüsseln – bevor ein weiterer Mord geschieht… (Klappentext)

Morde, die keine sind

Oxforduniversität. Ein argentinischer Mathematikstudent findet die Leiche seiner Vermieterin. In seiner Begleitung befindet sich der hochangesehene Professor für Logik, Arthur Seldom. Kurz zuvor erhielt dieser eine merkwürdige Nachricht, eine Uhrzeit und ein Symbol, das Rätsel aufgibt. Alles deutet auf einen Serienmörder hin. Die Frage ist nun: Wer ist der nächste? Schon bald taucht eine weitere Nachricht auf.

Das Duo macht sich daran, die Symbole zu entschlüsseln und die Logik hinter ihnen zu ergründen. Dabei sind sie allerdings so mit wissenschaftlichen Thesen, Mutmaßungen und Warten beschäftigt, dass von einer aktiven Detektivarbeit keine Rede sein kann. Geschweige von einer ernsthaften Absicht, den Mörder zu entlarven.

Wer also aufgrund der Symbolik einen atemlosen Wettlauf gegen die Zeit ganz im Stile diverser Dan-Brown-Romane erwartet, dürfte enttäuscht werden. Seldom und sein junger Student sind Theoretiker, die anhand mathematischer Lösungsansätze das weitere Vorgehen des Mörders analysieren, wobei sie nie konkret genug werden, um tatsächlich ins Geschehen einzugreifen. Die eigentliche Jagd nach dem Mörder ist Sache der Polizei und steht eher im Hintergrund. Aufgrund der weitschweifigen Erörterungen über Mathematik, die zwar verständlich und nicht zu abgehoben waren, empfand ich die Handlung eher als statisch. Der richtige Nervenkitzel wollte nicht aufkommen. Die Morde selbst sind so abstrakt, dass man sie kaum als solche wahrnimmt. Auch die Auflösung des Ganzen fällt eher unbefriedigend aus, da sie mir stellenweise nicht schlüssig genug erklärt wird.

Dabei bedient sich der Autor klassischer Elemente, die den Kriminalroman in meinen Augen sehr ansprechend gestalten. Das Setting zwischen den altehrwürdigen Mauern der Oxforduniversität passt hervorragend. Der Schreibstil liest sich wunderbar gefällig und insbesondere die Figuren tragen ein Potenzial in sich, das sie den Vergleich mit Holmes und Watson nicht scheuen lässt. Selbst die Grundidee mit der symbolischen Reihenfolge ist super. Für meinen Geschmack hätte „Die Oxford Morde“ aber energetischer und einen Tick reißerischer sein können, um mich zu einhundert Prozent zu überzeugen.

„Die Oxford-Morde“ ist eine Neuauflage des bereits 2003 erschienenen Kriminalromans „Die Pythagoras-Morde“, der 2007 mit Elijah Wood verfilmt wurde.

Ich bedanke mich bei der Bloggerjury und dem Verlag für das kostenlos zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar!

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ab 14 Jahre Jugendliteratur Rezensionen Romantasy

Tini Wider: “Zeitenchaos”

Tini Wider
hws 1. Suhler Kinderbuchverlag
empfohlenes Alter: ab 14 Jahre
16,50€

Hals über Kopf flüchtet Pepper vom kleinkarierten, einengenden Dorf und vor allem ihrem Jetzt-Ex-Freund in die Großstadt London, was eigentlich schon immer ihr Plan gewesen war. Doch dann, ohne offensichtlichen Regeln und Gesetzen zu folgen, wird sie von einer scheinbar harmlosen Taschenuhr einen Tag in der Zeit zurückgeschleudert. Was vorerst spannend und aufregend erscheint endet in einer Katastrophe, die Pepper unbedingt wieder rückgängig machen muss. In all dem Chaos trifft sie ständig auf Noah, einem jungen Mann, der definitiv die Schmetterlinge in ihrem Bauch flattern lässt und dem sie irgendwie nie ausweichen kann. Zufall? Bei dem Versuch wieder alles richtig zu stellen, erleben Pepper und Noah ein London in verschieden Jahrzehnten, in welche sie diese seltsame Uhr katapultiert. Nach mehreren Hindernissen schaffen sie es wieder zurück in ihre Zeit, doch jetzt findet Pepper sich unvermutet in den Armen ihres Ex-Freundes wieder … (Klappentext)

Ein gelungenes Debüt

Ich lese gerne Zeitreisegeschichten und freue mich, dass es endlich Nachschub in diesem Genre gibt. „Zeitenchaos“ ist definitiv eine Bereicherung für die Buchwelt und hat mir eine vergnügliche Lesezeit verschafft.

Dabei hatte ich anfangs ein paar Probleme, in die Geschichte hineinzufinden. Pepper verlässt ihren Freund, nachdem sie in seinen E-Mails eindeutige Hinweise für seinen Betrug entdeckt hat. Zu tiefst deprimiert und verbittert sitzt sie im Zug nach London. Diese geballte Gefühlslast war am Anfang echt heftig. Doch sobald sie in London eintrifft und einen Neuanfang startet, war auch ich voll in der Handlung angekommen.

Bei Peppers Zeitreisen geht es nicht um große, geschichtlich bedeutsame Ereignisse, sondern eigentlich nur um eine Kleinigkeit, eine winzige Veränderung in einer gar nicht so entfernt zurückliegenden Vergangenheit, die Peppers Gegenwart völlig auf den Kopf stellt. Die Autorin spielt hier sehr geschickt mit dem Zeitparadoxon und mir gefallen gerade die vielen kleinen Irrungen und Wirrungen, die durch die Zeitreise ausgelöst werden.

Pepper und Noah sind zwei ungemein sympathische Protagonisten. Auch die Nebenfiguren wirken authentisch und greifbar. Es ist spaßig, sie durch ihr Zeitenchaos zu begleiten. Bei dem wundervoll erfrischenden und gekonnt leichten Schreibstil schwebt man geradezu durch das Buch und ist viel zu schnell am Ende angekommen.

Über die Herkunft und genaue Funktionsweise der Taschenuhr wird man allerdings noch sehr im Unklaren gelassen. Es werden ja doch einige Andeutungen im Buch gemacht, die viel Spannung versprechen und „Größeres“ vermuten lassen. Es scheint, als wäre „Zeitenchaos“ nur der Anfang und als hätte es gerade erst begonnen…

Ich durfte Tini Widers Debüt bereits vorab lesen. Vielen lieben Dank dafür und, dass ich Teil eines ganz großartigen Bloggerteams sein darf. Die Mädels sind alle spitzenmäßig und ich habe schon so viel von euch lernen können!

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Kinderbücher Kinderbücher ab 4 Jahre Rezensionen

Britta Teckentrup: “Der kleine Spross”

Britta Teckentrup
Prestel Verlag
empfohlenes Alter: ab 4 Jahre
18,00€

Es ist Frühling und alle Samen in der Erde machen sich bereit zu wachsen. Einer nach dem anderen streckt sich zielstrebig der Sonne entgegen. Nur ein kleiner Spross braucht noch etwas Zeit. Als er so weit ist, muss er sich erst mühevoll seinen eigenen Weg zwischen all den großen Pflanzen suchen…

Eine Geschichte vom Großwerden und über den Mut, seinen eigenen Weg im Leben zu finden. (Klappentext)

Werden und Vergehen

“Der kleine Spross” erzählt die Geschichte eines Samenkorns im Verlauf der Jahreszeiten. Im Frühling, sobald die ersten Sonnenstrahlen die Erde wärmen, erwacht die Natur aus dem Winterschlaf. Die ersten Samen beginnen zu keimen. Nur ein Samenkorn ist noch nicht bereit. Die Ameise und der Marienkäfer sorgen für ihn, bis aus dem Korn schließlich doch ein junger Spross wird. Allerdings sind die anderen Pflanzen schon viel größer, sodass der kleine Spross seinen eigenen Weg in Richtung Sonne finden muss. Eine wunderbare Moral, die sich dahinter verbirgt.

Im Sommer ist der Spross zu einer einzigartigen Pflanze herangewachsen, die vielen Insekten Lebensraum bietet. Als der Herbst Einzug hält und sich das Laub verfärbt, bilden sich neue Samen aus, die von den Herbststürmen verteilt werden. Danach ziehen Frost und Schnee über das Land. Vom einstigen kleinen Spross ist nichts mehr zu erkennen. Nachdem die Pflanze den Winter nicht überstanden hat, wachsen im nächsten Frühling unzählige neue Sprösslinge aus den Samen und der Kreislauf beginnt von vorn.

Wie ihr seht, wird in “Der kleine Spross” der Zyklus des Lebens am Beispiel einer Pflanze erzählt, wobei die Jahreszeiten die verschiedenen Phasen des Lebens versinnbildlichen. Vom Heranwachsen und den Herausforderungen in der Jugend, bis man seinen Platz im Leben gefunden hat. Ein universell gültiges Prinzip, bei dem man gar nicht anders kann als es auf sich selbst zu beziehen.

Britta Teckentrup hat einmal mehr ein wundervolles Kinderbuch geschaffen. Eines von der Sorte, das generationsübergreifend weitergegeben werden kann, da das Thema vom Werden und Vergehen niemals an Bedeutung verlieren wird.

Die Geschichte wird in naturnahen Farben mit kurzen atmosphärischen Texten erzählt. Die großformatigen Collagen aus verschiedenen Farben und Formen entfalten ihre Wirkung bei längerer Betrachtung. Sie sind in sich komplex und entfalten eine facettenreiche Szenerie.

Ein sehr lehrreiches und rührendes Bilderbuch, das ich zu hundert Prozent empfehlen kann!

Vielen lieben Dank an Prestel junior für dieses Rezensionsexemplar!