Kategorie: Kinderbücher

Katharina E. Volk: „Das verrückte Wiesengeflüster“

 

Katharina E. Volk (Autor); Christian und Fabian Jeremies (Illustratoren)
Boje Verlag
empfohlenes Alter: ab 4 Jahren
12,90€

 

 

 

Du musst nicht alles glauben, was du hörst!

Die Häschen haben eins aufs Näschen bekommen. „Unglaublich“, murmelt das Schaf. Auch Fuchs und Dachs staunen. Und die Maus ruft entsetzt: „Ach herrje, die Armen!“
Wie ein Lauffeuer verbreitet sich die Nachricht unter den Tieren. Bis das kleine Wildschwein davon erfährt und beschließt, der Sache auf den Grund zu gehen!

Unerhört liebenswert, wie dieses Bilderbuch dem Entstehen von Gerüchten und Missverständnissen auf die Schliche kommt (Klappentext)

Wenn es in der Gerüchteküche brodelt…

Familie Hase hat Neuigkeiten zu verkünden: ein süßes, kleines Hasenbaby ist geboren. Diese frohe Kunde zwitschern die Amseln im Vorüberfliegen dem Schaf zu. Doch leider versteht das Schaf etwas vollkommen anderes und macht sich auf, seine leicht veränderte Version dem Fuchs zu erzählen. Über das Stille-Post-Prinzip verbreiten sich Gerüchte über Familie Hase, die immer dramatischer werden. Jedes Tier fügt seiner Version eine weitere Ausschmückung hinzu. Aus der einst wunderbaren Nachricht wird am Ende eine richtige Schreckensgeschichte.

Dieses Bilderbuch ist ein Lehrstück über das Verbreiten von Gerüchten. Auf witzige Weise wird den Kindern nähergebracht, wie schnell sich der Informationsgehalt verändern kann, wenn eine Nachricht verbreitet wird, die man nur vom Hörensagen kennt.

Die Illustrationen sind farbenfroh und ansprechend für Kinder gestaltet.

Die Altersempfehlung für Kinder ab 4 Jahren ist gerechtfertigt. Jüngere Kinder haben zum einen Probleme, dieser doch recht ausführlichen Geschichte zu folgen. Der Fließtext pro Seite ist ziemlich umfangreich, so wie auch die darin enthaltenen Informationen. Zum anderen können jüngere Kinder das Prinzip der Stillen Post noch nicht ganz begreifen.

‚Das verrückte Wiesengeflüster‘ widmet sich einem sehr wichtigen Thema. Nicht immer entspricht das, was wir von anderen erzählt bekommen, der Wahrheit. Es zeigt den Kindern, dass man Nachrichten auch einmal hinterfragen muss, statt sie ohne jeden Vorbehalt zu glauben und dann auch noch weiterzutratschen, wobei die Versuchung groß ist, dem Erzählten noch eine eigene Einzelheit hinzuzufügen.

Ich bedanke mich ganz herzlich beim Verlag für das Rezensionsexemplar!

Jennifer Benkau: „Hummelhörnchen – Zaubern müsste man können!“ (Die Hummelhörnchen-Reihe, Band 1)

 Jennifer Benkau
cbj Verlag
empfohlenes Alter: ab 7 Jahren
10,00€

 

 

 

 

Einhörner? Das sind doch diese zierlichen Zauberwesen in Pferdegestalt, die es schon lange nicht mehr gibt!? Falsch! Natürlich gibt es Einhörner! Das stellt auch Lenja fest, als der winzige Möpp dahergeflattert kommt. Einhorn Möpp ist allerdings kein bisschen zierlich, sondern ziemlich pummelig. Und ständig pupst er. Weil er eindeutig zu viel Süßigkeiten futtert! Außerdem ist es mit seinen Zauberkünsten nicht sehr weit her. Was für ein Heidendurcheinander sorgt … Doch nur, wenn Möpp richtig zaubern lernt, kann er zurück ins Goldwolkenland zu den anderen Einhörnern! Ob Lenja ihm dabei helfen kann? (Klappentext)

Ein zauberhafter Humor!

Hummelhörnchen entspricht nicht ganz den Vorstellungen, die man sich von dem mystischen Fabelwesen gemacht hat. Statt von edlem Wuchs ist Möpp kaum größer als ein Kolibri, mit eben solchen Flügelchen, und dazu noch ziemlich pummelig. Abgesehen von den Flügeln ist es überhaupt nicht bunt, und glitzern tut Möpp schon mal gar nicht. Auch die Sache mit der Zauberei beherrscht es nicht. Naja, immerhin einen Trick kann er gut. Von der vielen Schokolade bekommt Möpp ordentlich Flatulenzen, und es ist weder Glitzerstaub noch ein Regenbogen, der ihm dann aus dem Poppes schießt. Außer Lenja kann niemand das winzige Einhorn sehen, was Lenja zu Hause und in der Schule in zahlreiche peinliche Situationen und Erklärungsnöte  bringt.

Hummelhörchen ist empfehlenswert für alle Erstleserinnen, ob sie nun Einhörner lieben oder nicht. Möpp ist ein ganz eigenes Kaliber. Man muss das pupsende Einhorn einfach ins Herz schließen. Die Geschichte ist nicht zu lang, in einer gut lesbaren Schriftgröße verfasst und wird mit putzigen Illustrationen aufgelockert. Den Schreibstil der Autorin empfand ich als überaus angenehm, sehr humorvoll, sehr talentiert. Die Charaktere sind nicht zu stark überzeichnet oder zu überdreht, die Handlung ist witzig und nicht zu komplex für junge Leser. Insgesamt ein rundum gelungenes Buch, das einen zum Lachen bringt und die Vorfreude auf mehr geweckt hat!

Und ich wünschte, ich hätte auch einen Möpp.

 

 

[Top]

Tom Fletcher: „Kleines Monster, komm da raus!“


Tom Fletcher
cbj Verlag
empfohlenes Alter: ab 3 Jahren
13,00€

 

 

 

Ach, du liebes Lieschen! In dieses Buch hat sich ein kleines Monster geschlichen! Wer hilft mit, es zu verscheuchen? Mit Schütteln, Pusten, Wedeln, Drehen und am Ende ganz, ganz viel Lärm gelingt es schließlich, das freche kleine Monster loszuwerden. Doch, schwups, ist es ins Zimmer entwischt – und da hat es ja nun überhaupt nichts zu suchen. Also husch, zurück ins Buch gelockt, über den Kopf gestreichelt … und Gute Nacht, kleines Monster.

Tom Fletchers nächstes wunderbares und überaus witziges Kinderbuch!

Das kleine Monsterchen sitzt im Buch und knabbert an den Seiten. Um es zu verscheuchen, werden sämtliche Register gezogen. Was sich dabei mit einem Buch alles anstellen lässt, ist erstaunlich und unfassbar amüsant. Schütteln, Kitzeln, Pusten, Kippen, Drehen und noch vieles mehr. Mein 2-Jähriger folgt ganz emsig den Anweisungen und erschrickt jedes Mal wieder, wenn das Monster plötzlich in sein Zimmer entwischt. Der Gute-Nacht-Ritus am Ende des Buches lässt sich hervorragend als Überleitung benutzen, um das eigene Monsterchen in sein Bett zu verfrachten.

Ganz besonders mag ich das großzügige und edle Format des Buches. Die Illustrationen sind schlicht und schnörkellos. Der Fokus liegt eben auf dem kleinen Monster, das sich zwischen den Seiten bewegt. Vielleicht hätte man aber über eine Pappbilderbuchausgabe nachdenken können. Ein bisschen sorgenvoll beobachte ich immer, wie die kleinen grobmotorischen Hände an den Seiten zerren oder wie beim Pusten – bei uns leider mehr ein Spucken – das Papier durchnässt wird. Auch beim Wedeln und Schütteln geht es ganz schön zur Sache.

Aber am Wichtigsten, das Buch bereitet jede Menge Freude. Solche Mitmach-Bücher machen einfach Spaß und Tom Fletcher hat’s einfach drauf. Wer den ‚Weihnachtosaurus‘ gelesen hat, weiß, was ich meine.

Zum Schluss noch einen lieben Dank an das Bloggerportal für die Zusendung eines Rezensionsexemplares!

[Top]

Natascha Ochsenknecht: „Perlinchen – Ich bin anders, na und!“

 

Natascha Ochsenknecht
Boje Verlag
empfohlenes Alter: ab 4 Jahre
12,90€

 

 

 

Perlinchen wäre so gern wie alle anderen Marienkäferkinder in ihrer Klasse. Ihre pinken Flügelchen versteckt sie daher lieber unter einem roten Umhang mit schwarzen Punkten. Doch dann plumpst ihr bester Freund Jimi in den Froschteich. Und auf einmal ist es Perlinchen völlig egal, was alle denken… (Klappentext)

Eine neue Kinderbuchheldin!

Das Marienkäfermädchen Perlinchen möchte so sein wie alle anderen Marienkäfer und verbirgt daher ihre pinken Flügel unter einem Umhang. Als sie in die Schule kommt, freundet sie sich mit Jimi an, der von seinen Mitschülern gehänselt wird, weil er nur einen einzigen blauen Punkt hat. Doch im Gegensatz zu Perlinchen ist es Jimi egal, was die anderen von ihm denken.

Die Botschaft des Buches ist klar, und auch die Umsetzung ist sehr drollig und gelungen. Besonders hervorzuheben sind die Illustrationen von Bianca Faltermeyer, die über eine wunderbare Technik verfügt, um die man sie nur beneiden kann. Sie hat ein Käferhausen entstehen lassen, an dem man sich nicht sattsehen kann. Die Figuren sind hinreißend dargestellt, nicht zu abstrakt, liebevoll gezeichnet. Am liebsten möchte man selber als Käferchen in Käferhausen leben oder auf einem Seerosenblatt träumen.

Mir persönlich hat der Erzählstil und die Handlung stellenweise nicht so zugesagt. Manche Textstellen klangen stark nach Mundart statt nach einem fließend lesbaren Text, aber das ist schon Meckern auf hohem Niveau.

Mein Sohn ist noch keine 3 Jahre alt und hat sich auf Anhieb in das Buch verliebt. „Mama Perlinchen lesen!“, heißt es seither jeden Abend vor dem Schlafengehen. Mehr muss zu dem Buch nicht gesagt werden, um es zu empfehlen. Falls noch weitere Abenteuer von Perlinchen folgen würden, wie man durch das Ende im Buch durchaus hoffen kann, wären wir auf jeden Fall als eifrige Leser dabei.

Zum Schluss noch einen ganz lieben Dank an den Verlag für die Zusendung eines Rezensionsexemplares!

 

 

[Top]

Karen Christine Angermayer: „Schnauze, jetzt ist Stille Nacht!“

Karen Christine Angermayer
cbj Verlag
empfohlenes Alter: ab 8 Jahren
10,99€

 

 

 

 

 

„Stihille Nacht, heilige Nacht ….!“, brummt Hund Bruno vor sich hin, der die Ruhe schätzt und Veränderungen so sehr verabscheut wie die Betriebsferien seines Lieblingsmetzgers. Doch mit der stillen Nacht und dem Frieden wird es wohl auch dieses Jahr zu Weihnachten nichts werden: Denn erstens muss er zum Advent vorübergehend bei Katze Soja und ihrem Frauchen einziehen und zweitens stellen sie mit Entsetzen fest, dass die Kamele der Heiligen Drei Könige aus der Krippe am Marktplatz verschwunden sind. Klar, dass Soja den Royals unbedingt helfen will. Und so beginnt für die beiden selbsternannten Spürnasen ein Abenteuer, das weder still noch heilig ist! (Klappentext)

Der zweite Adventskalender in Buchform, den ich euch in dieser Woche vorstellen möchte. Für all diejenigen, die noch unentschlossen auf der Suche sind oder im Supermarkt stehen und feststellen, dass einen Tag vor dem 1. Dezember keine gescheiten Adventskalender mehr übrig sind, habe ich eine frohe Botschaft: Ab ins Buchgeschäft!

Ehrlich gesagt, freue ich mich mit der gleichen kindlichen Begeisterung wie mein Sohn, wenn morgen das erste Türchen geöffnet werden darf. In unserer Familie hat jeder einen eigenen Adventskalender, in den die Wichtel jede Nacht eine Kleinigkeit legen. Für den Mann gibt es meistens was Süßes. Mehr braucht er nicht, um glücklich zu sein, sagt er. Ich – in der Weihnachtszeit doch halbwegs darauf bedacht, nicht den obersten Knopf meiner Jeans zu sprengen – freue mich mehr über einen Badezusatz oder Nagellack. Das Kind macht sich nichts aus Süßigkeiten und noch viel weniger aus Nagellack oder dergleichen. Aber was kommt immer gut an? Wenn Mama vorliest.

Schnauze, jetzt ist stille Nacht ist bereits der dritte Band aus der Reihe und in einer stabilen Hardcoverausgabe zu bekommen, die optisch einiges her macht.  Auch bei diesem Adventskalenderbuch wird jeden Tag eine Doppelseite an der Perforation aufgerissen. Dahinter verbirgt sich dann ein neues Kapitel der Geschichte. Da das Aufreißen für Kinder vermutlich ein sehr entscheidener Faktor ist, und man sie natürlich nicht dieses Vergnügens berauben möchte, stehen Eltern vor dem schon bekannten Problem: Man kann nicht Probelesen. Aber dafür bin ich ja da.

Liebe Eltern, dieses Buch könnt ihr bedenkenlos mitnehmen. Die Handlung schreitet aus der täglich wechselnden Sicht zwischen Hund Bruno und Katze Soja amüsant voran. Die Charaktere sind ganz liebevoll gestaltet. Dank der großzügigen Schriftgröße und eines unkomplizierten Schreibstils ist das Buch für die ersten eigenen Leseversuche eines Kindes bestens geeignet, aber auch jüngere Kinder finden Gefallen an der Geschichte. Die täglichen Kapitel sind nicht zu lang.

Und noch ein Vorteil für alle, die wie wir in der Adventszeit viel herumreisen, dieses Buch passt in jede Handtasche. So muss keinen einzigen Tag auf das Lesevergnügen verzichtet werden.

 

[Top]

Gerlis Zillgens: „Lametta ist weg“

Gerlis Zillgens
cbj Verlag
empfohlenes Alter: ab 8 Jahren
7,99€

 

 

 

Der adelige Kater und ehemalige Zirkusartist von Mauswart findet die Vorweihnachtszeit ziemlich lästig. Die Zweibeiner, die jetzt ständig ins Tierheim Für alle Felle kommen, gehen ihm schrecklich auf die Nerven. Da helfen auch die Freunde Paule, das kleine Meerschweinchen, und Flöckchen, die große Deutsche Dogge, nicht weiter. Wie gut, dass es wenigstens Lametta gibt. Die ist nicht nur die schönste Katze aller Zeiten. Sie riecht auch so unglaublich gut. Doch dann geschieht das Ungeheuerliche: Auf einmal ist Lametta weg! (Klappentext)

Als Alternative zum üblichen Adventskalender mit Süßigkeiten gibt es für Kinder diese Adventsgeschichte in 24 Kapiteln. Jeden Tag wird durch Aufreißen eine Doppelseite geöffnet und die Geschichte spinnt sich fort. Eine schöne Idee, doch mit Schwächen. Ein Probelesen ist durch die verschlossenen Seiten nicht möglich. Man kann zwar versuchen, zwischen die Seiten zu lugen, aber … nein, eigentlich bringt es das nicht. An der Perforation lassen sich die Seiten leicht voneinander trennen, auch ohne Lineal oder Brieföffner (Steht so in der kleinen Gebrauchsanweisung auf der ersten Seite. Wie niedlich.) Ich habe meinen Finger genommen und kann lobend berichten, dass keine einzige Seite beschädigt oder sonst wie in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Das Taschenbuchformat ist für junge Leser vermutlich ganz praktisch, obwohl ich Hardcover bevorzugen würde. Hier erinnert die Buchbindung an ein einfaches Leseheft, dessen Nutzung nicht von Dauer sein soll.  Die Illustrationen sind sicherlich Geschmackssache, zeugen jedoch nicht von großer Kunstfertigkeit.

Einige Grundideen und die Gestaltung der unterschiedlichen Tiercharaktere sind schon witzig. Die Handlung ist zeitweise spannend und amüsant, die Abschnitte sind kurzweilig und enden manchmal ziemlich abrupt. Am Schreibstil gibt es nichts auszusetzen. Nur eine Frage hätte ich: Wie passend sind bitte Formulierungen wie ‚Ich bringe sie alle um‘ in einem Kinderbuch?

[Top]

Tom Fletcher: „Der Weihnachtosaurus“

 

Tom Fletcher
cbt-Verlag
empfohlenes Alter: ab 8 Jahren
14,99€

 

 

 

Die Weihnachtswichtel am Nordpol sind ganz aus dem Häuschen, als sie tief im Eis ein geheimnisvolles Ei entdecken. Der Weihnachtsmann höchstpersönlich brütet das Ei unter seinem dicken Po aus. Zur Verblüffung aller schlüpft ein freundlicher kleiner Dinosaurier: der Weihnachtosaurus. Zufällig schickt zur gleichen Zeit, tausende Kilometer entfernt, ein kleiner Junge namens William seinen Wunschzettel an den Weihnachtsmann ab: Er wünscht sich einen echten Dinosaurier. Als William und der Weihnachtosaurus einander in der Weihnachtsnacht begegnen, erleben die beiden nicht nur ein fantastisches, zum Brüllen komisches Abenteuer, sondern auch, was es heißt, den Wünschen seines Herzens zu folgen. (Klappentext)

Jajaja, ich weiß. Es weihnachtet immer mehr, und das schon im November. Aber vielleicht ist der ein oder andere bereits auf der Suche nach Weihnachtsgeschenken? Den Weihnachtosaurus kann ich jedem ans Herz legen, der eine klassische Weihnachtsgeschichte zu schätzen weiß. Und der Dinosaurier mag.

Nach meiner Auffassung gehört zu einer guten Weihnachtsgeschichte immer eine ordentliche Portion Tragik. Die ist wichtig, damit das Weihnachtswunder umso eindrucksvoller zur Geltung kommt. Beim Weihnachtosaurus verbirgt sich so ziemlich hinter jeder Figur ein tragischer Hintergrund. Die Hauptfigur William Trudel beispielsweise sitzt nach einem schweren Unfall in der frühen Kindheit im Rollstuhl, seine Mutter ist verstorben, der Vater bemüht sich nach Kräften. Ein sensibles Thema, das von Autor und  Verlag einfühlsam erzählt wird. Trotz seiner Beeinträchtigung ist William ein fröhliches, aufgewecktes, in Dinosaurier verliebtes Kind. Selbst als die neue Mitschülerin, mit dem lautmalerischen Namen Brenda Pein, William in der Schule schikaniert und er von seinen Freunden ausgegrenzt wird, lässt William sich nicht unterkriegen.

Derweil haben die Wichtel am Nordpol fleißig Geschenke aus dem Eis gegraben. Ja, richtig gelesen. Ausgegraben. Die Erklärung, dass Geschenke tief unten im Eis an den Wurzeln der magischen Weihnachtsbohnen entstehen, ist gleichermaßen kurios wie amüsant. Auf diese Art finden die Wichtel das tiefgefrorene Dinosaurierei, aus dem später der Weihnachtosaurus schlüpft. Wichtel sprechen übrigens immer in Reimen. Herrlich, und hin und wieder ein wenig unflätig.

Auf vielen Seiten finden sich schwarz-weiß Illustrationen, die mit liebevollen Einzelheiten versehen sind. Mir gefällt der korpulente Weihnachtsmann, insbesondere wenn er das Ei ausbrütet.

In dieses Buch ist sehr viel Liebe geflossen, die Begeisterung für das Weihnachtsfest ist auf jeder Seite spürbar. Die Handlung ist stellenweise etwas langatmig geraten, aber durchaus spannend mit bewährten Figurenkonstellationen. Sehr hübsch für Kinder und als Geschenkidee nicht zu verachten.

[Top]

Anne-Kristin zur Brügge: „Wie kleine Kinder schlafen gehen“

 

Anne-Kristin zur Brügge/ Marina Rachner
Verlagsgruppe Oetinger
empfohlenes Alter: ab 1 Jahr
5,99€

 

 

Sanftes Schlummern und süße Träume! Wie sagt man sich eigentlich in anderen Familien „gute Nacht“? Das erfahren wir in diesem wunderbar warmherzigen Pappbilderbuch. Und die lieb gewonnenen Gewohnheiten sind keineswegs in jeder Familie die gleichen: Mal wird gekuschelt, mal gesungen, es wird gekrault und geküsst. Und am Ende fallen allen Kindern die müden Äuglein zu. Das Buch liefert viele Anregungen für Rituale zur Guten Nacht und animiert zum Nachmachen.Liebevoll gereimt, mit leisem Humor illustriert, regt zum Nachahmen an: Sanfte Einschlafhilfe für unsere Kleinen! (Verlagstext)

Gibt es eigentlich noch ein Kinderzimmer, in dem ‚Wie kleine Tiere schlafen gehen‘ nicht im Bücherregal steht? Unsere Ausgabe ist mittlerweile schon ganz abgegriffen und ich kann sämtliche Reime auswendig. Mein Kleiner kringelt sich vor Lachen, wenn wir die Einschlafrituale nachmachen.

Leider…leider, leider kann ‚Wie kleine Kinder schlafen gehen‚ nicht an den Vorgänger anknüpfen.

Das Buch besteht aus robuster Pappe, gut für grobmotorische Kinderhände. Die Illustrationen sind gewohnt niedlich, in angenehmen Farben gehalten, die die abendliche Einschlafatmosphäre wiederspiegeln. Die abgebildeten Eltern und Großeltern erwecken jedoch den Eindruck, als würden sie am Rande der Erschöpfung krauchen und es kaum erwarten können, dass der Spross endlich die Augen schließt und einschläft. Vielleicht ist das ja der leise Humor?

Den Reimen fehlt es an Einfallsreichtum und diesem gewissen Witz, der sie einprägsam macht. Dafür sind einige Zeilen eins zu eins aus ‚Wie kleine Tiere schlafen gehen‘ übernommen worden. Insgesamt kann mich dieses Buch leider nicht überzeugen. Es wirkt wie ein Abklatsch, bei dem sich nicht sehr viel Mühe gegeben wurde.

[Top]

Tom Booth: „Bloß nicht blinzeln!“

Tom Booth
cbj Verlag
empfohlenes Alter: ab 3 Jahren
12,99€

 

 

 

 

Bloß nicht blinzeln! Dieses Spiel kennt jedes Kind. Doch einem Vogel, einem Elefanten oder einer Giraffe hat bestimmt noch niemand in die Augen gestarrt, bis sie wehtun. In diesem wunderschön illustrierten Bilderbuch kommen immer mehr Tiere dazu, um am Blinzelspiel teilzunehmen – und dabei treten sie nicht gegen irgendwen an, sondern gegen den Leser höchstpersönlich. Als ihnen allen schließlich die Augen zufallen, weiß keiner, wer eigentlich gewonnen hat. Ob es dem kindlichen Leser gelungen ist, nicht zu blinzeln?

Die Rezension dieses Buches macht mir aus mehreren Gründen besonderen Spaß.
Bei Kinderbüchern zählt ja nicht nur meine Meinung allein, sondern auch die des Kindes beziehungsweise die Reaktion auf besagtes Buch.
„Bloß nicht blinzeln!“ ist etwas Besonderes, denn es durchbricht die vierte Wand, indem es den Leser in die Handlung einbezieht und zum gemeinsamen Spielen auffordert. Ein ziemlich kluger Kunstgriff. Und obwohl ich anfangs skeptisch war, inwiefern mein gerade einmal 2 Jahre alter Sohn den Unterschied zwischen Blinzeln und Starren begreift, wurde ich eines Besseren belehrt. Unfassbare vier Mal musste ich das Buch heute Abend vorlesen, es wurde sogar ins Bett mitgenommen – das ist so gut wie ein Ritterschlag! – und als das Licht gelöscht war, erzählte mein Sohn immer noch vom ‚Blinzelspiel‘ und den vielen Tieren.
Mir persönlich gefällt das Format und die Aufmachung des Buches sehr. Die Tierillustrationen sind außergewöhnlich gut, die Seiten sind nicht überladen und für Kinder äußerst ansprechend. Ich hätte mir mehr Text gewünscht, gerade zu Beginn, um einen besseren Einstieg in das Buch zu finden. Dafür ein paar weniger Seiten. Es sind dann doch 48 an der Zahl, viele davon ohne Text oder mit gar nur ein zwei kurzen Sätzen. Dadurch ist man die meiste Zeit mit Umblättern beschäftigt.
Am Schluss des Buches gibt es noch eine amüsante Raffinesse: Nachdem sie sich von Seite zu Seite näher an das kleine Mädchen geschleppt hat, ist auch die Schildkröte endlich angekommen. Und das Spiel kann von vor beginnen.
Mal sehen, ob ich morgen auch einmal gewinne….

 

An dieser Stelle noch einen lieben Dank an den cbj Verlag für das Rezensionsexemplar!

[Top]

Milbourne/ Alvarez: „Guck mal – im Märchenwald. Die Schöne und das Biest“

 

Milbourne/ Alvarez
Usborne Verlag
empfohlenes Alter: ab 3 Jahren
10,95€

 

 

Mein absolutes Lieblingsmärchen, schon immer gewesen!

Gleich beim ersten Blick nach dem Auspacken dachte ich so: Du meine Güte, ist das süß.
Die Bilder sind herzallerliebst, jede Seite ist mit viel Liebe zum Detail gestaltet und mit filigranen Laserschnitten und Gucklöchern versehen. Es hätten gern ein paar Klappen mehr sein können. Insgesamt sind es nur 3. Da sind wir von den ‚Guck mal, wer da ist‘-Büchern vermutlich zu verwöhnt.
Der Text ist natürlich kindgerecht eingekürzt und umgeschrieben. Kurz und knackig, würde ich sagen, und die Bilder sprechen ohnehin für sich.
Mit 10,95€ finde ich das Buch schon ein bisschen teuer. Ich meine, ich sehe die Arbeit dahinter, aber für ein Kinderbuch, mit gerade einmal 14 Seiten Umfang und im Kleinformat, wären ein paar Euros weniger auch in Ordnung gewesen.
Ändert aber nichts daran, dass dies eines der zauberhaftesten Bücher in unserem Regal ist und mein Sohn total darauf abfährt. Und darauf kommt es am Ende doch an, nicht wahr?

 

[Top]