Kategorie: Rezensionen

Jessica Brody: „Eine Woche voller Montage“

Jessica Brody
cbt Verlag
empfohlenes Alter: ab 12 Jahre
9,99€

Ellie erlebt den schrecklichsten Montag aller Zeiten.

Eine Katastrophe jagt die nächste, und als wären Pech und Peinlichkeiten nicht schon genug, macht auch noch ihr Freund Tristan aus heiterem Himmel mit ihr Schluss! Ellie hat nur einen Wunsch: Alles noch mal auf Anfang mit diesem miesen Montag! Tja, und am nächsten Morgen ist er dann da: der Montag. Und alles geht wieder von vorne los. Und dann noch einmal und noch einmal. Und mittendrin Ellie auf der Suche nach dem ultimativen Happy End … (Klappentext)

Und täglich grüßt der Montag …

„Eine Woche voller Montage“ war meine Urlaubslektüre in diesem Sommer und hat mich ideal unterhalten. Es ist sozusagen leichte Kost, ein flotter Jugendroman, der kein zu tiefgründiges Thema bereithält, aber auch nicht langweilig wird.

Nachdem Ellie einen Montag durchlebt hat, an dem alles schiefging, was nur schiefgehen konnte, geschieht das, was wir uns vermutlich selbst manchmal wünschen würden: Der Tag beginnt noch einmal von vorn und für Ellie bietet sich die Gelegenheit, ihre Fehler vom ersten Montag auszubessern. Doch das ist leichter gesagt als getan. Ellie bemüht sich nach Leibeskräften, es allen Menschen in ihrem Umfeld rechtzumachen. Sie verbiegt und verändert sich, vor allem, um ihren Freund Tristan daran zu hindern, mit ihr Schluss zu machen. Die Entwicklung, die Ellie im Laufe all dieser Montage durchmacht, ist wirklich unterhaltsam und auch nachvollziehbar. Anfangs möchte sie natürlich den Montag erschaffen, an dem alles wie geschmiert läuft. Denn dann müsste es doch endlich Dienstag werden, oder? Nach einigen gescheiterten Versuchen, gelingt Ellie das Meisterstück: der ideale Montag. Doch trotzdem beginnt am nächsten Morgen alles wieder von vorn. Verständlich, dass Ellie zunehmend frustrierter wird und beginnt sämtliche Wege auszutesten, um aus dieser Spirale auszubrechen.

Als Hauptfigur ist Ellie sehr sympathisch und glaubwürdig dargestellt. Sie ist ein junges Mädchen, das dem Erwartungsdruck durch Schule, Eltern und Freunde ausgesetzt ist. Ständig ist sie bestrebt, bloß keine Fehler zu machen, alle Erwartungen und Aufgaben zur Zufriedenheit anderer zu erfüllen, bis sie sich selbst in all diesen Pflichten verliert. In dieser Woche voller Montage lernt Ellie, zu sich selbst zu finden und ihre eigenen Entscheidungen zu treffen. Es macht sehr viel Spaß, ihr auf diesem Weg zu folgen.

Die Handlung ist vielleicht nicht die abwechslungsreichste und mancher Montag hätte ein wenig überraschender verlaufen können, doch insgesamt ergibt das Buch eine in sich stimmige Struktur. Es unterhält, und das ist doch am Wichtigsten.

Vielen lieben Dank an den Verlag, dass ich das Buch zu Rezensionszwecken lesen durfte!

Maggie Hall: „Society – Der Kreis der Zwölf“ (Die Society-Reihe, Band 1)

Maggie Hall
cbt Verlag
empfohlenes Alter: ab 14 Jahre
10,00€

Avery Wests Familie kann eigentlich alles möglich machen

Sie gehört nämlich einer mächtigen Geheimgesellschaft namens »Circle« an. Und sie alle denken, Avery sei das fehlende Bindeglied einer uralten Prophezeiung. Ein paar wollen sie als Pfand. Einige möchten ihren Tod. Um ihr Leben zu retten, muss Avery einer Spur folgen, die sie von den Pariser Boulevards in die Gässchen Istanbuls führt. An ihrer Seite der wunderschöne, unberechenbare Stellan und der so mysteriöse wie faszinierende Jack. Doch kann sie ihnen trauen? (Klappentext)

Verschwörungstheorien, Intrigen, eine Schatzsuche, Romantik und dazu eine Spur Glamour

Avery West hat einen PLAN. Sie lässt niemanden an sich heran und geht keine Freundschaften ein, denn sie weiß, dass sie früher oder später alles zurücklassen muss, sobald ihre Mutter wieder einmal mit ihr umzieht. Dabei wünscht Avery sich nichts sehnlicher als eine richtige Familie, die ihr Halt gibt. Dann tauchen plötzlich zwei mysteriöse und unglaublich gutaussehende Jungs an ihrer Schule auf und erzählen Avery, sie sei eine entfernte Verwandte einer bedeutenden Familie. Um mehr über sich selbst herauszufinden oder vielleicht sogar die Familie zu finden, nach der sie sich sehnt, begleitet Avery Stellan nach Frankreich.

Hinter all dem steht eine gigantische Verschwörungstheorie. Beginnend bei Alexander dem Großen, der keine blutsverwandten Nachkommen hatte und sein Reich daher seinen zwölf Feldherren hinterließ. Diese zwölf Familien regieren nun im Hintergrund die ganze Welt und glauben an eine uralte Prophezeihung. Avery könnte ein Teil dieser Prophezeihung sein, aber die Bestimmungen, die mit dieser verknüpft sind, sind mehr als empörend. Und was, wenn die Wahrheit hinter der Prophezeihung eigentlich eine ganz andere ist?

Zusammen mit dem geheimnisvollen Jack folgt Avery einer Spur aus Hinweisen, die sie von Frankreich in die Türkei führen. Eine actionreiche Schnitzeljagd an historischen Schauplätzen und auf Napoleons und Alexanders Spuren beginnt.

Die ganze Handlung ist so actiongeladen, dass man das Buch kaum aus der Hand legen kann. Avery sitzt ständig die Gefahr im Nacken, sie ist auf der Flucht oder entschlüsselt rätselhafte Hinweise. Dazu gibt es einen Hauch verbotener Romantik, Fashion und Glamour. Also wirklich ein Rundumschlag fesselnder Themen.

Ein bisschen verstörend fand ich die Kaltblütigkeit unter den Mitgliedern der zwölf Familien. Sie bekriegen und ermorden sich gegenseitig, geben irgendwelche mittelalterlichen Regeln vor, wer mit wem verheiratet werden soll und sind auch sonst fest im Patriarchat verankert. Dann gibt es noch einen ominösen Orden, dessen Rolle mir noch nicht ganz klar geworden ist. Er sorgt hauptsächlich dafür, Avery über die Landesgrenzen hinaus zu jagen oder urplötzlich in der Nähe aufzutauchen, damit sie –  und der Leser – keine Verschnaufpause haben.  

 „Society – Der Kreis der Zwölf“ ist einer der spannendsten Romane, die ich in letzter Zeit gelesen habe. Verschwörungstheoretiker werden natürlich schmunzeln. Mir gefällt die historische Komponente und dass die Liebesgeschichte nicht im Vordergrund steht. Maggie Hall hat sich eine unglaublich komplexe Handlung ausgedacht und ich kann es kaum erwarten zu erfahren, wie sich all die Fäden miteinander verbinden.

Vielen lieben Dank an den Verlag, dass ich das Buch zu Rezensionszwecken lesen durfte!

Maggie Hall: „Society – Die Karte des Schicksals“ (Die Society-Reihe, Band 2)
erscheint am 10. Februar 2020
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Sarah Schocke: „Mittsommer, Lagerfeuer und Blaubeerkuchen: Skandinaviens Glücksgeheimnisse“

Sarah Schocke
Goldmann Verlag
10,00€

Nordische Ideen

Rezepte vom Lande

für jede Jahreszeit

Das Schweden der Bullerbü-Romantik steht für einen Sehnsuchtsort: gemütliche Holzhäuser, idyllische Gärten, Beeren sammeln, Marmelade Kochen, Blumenkränze winden. Ein Ort, an dem man am liebsten verweilen möchte, weil er nach Zimtschnecken duftet und Geborgenheit schenkt. (Klappentext)

Nordische Glückseligkeit für zu Hause

Hygge, Lykke, Lagom und wie sie alle heißen, die Trendbewegungen aus Skandinavien. Sie stehen für alles, was Gemütlichkeit, Wohlbefinden und Heimeligkeit verspricht. Seien es stilvolle Holzmöbel, auf denen sich Duftkerzen aneinander reihen,  die dicken selbstgestrickten Wollsocken auf dem Bärenfell vor dem Kamin oder der Duft von Zimtschnecken. Verbringt doch einmal einen ganzen Nachmittag bei IKEA, dann gewinnt ihr einen guten Eindruck vom skandinavischen Lebensstil.

In Skandinavien sind Hygge und Co keine Neuerfindung. Alle diese Begriffe gibt es bereits seit Jahrhunderten. Sich ein gemütliches, warmes zu Hause zu schaffen und sich mit Freunden, Familie und anderen Dingen zu umgeben, die einem Freude bereiten, ist gerade in den Wintermonaten besonders wichtig, wenn die Sonne nur kurz oder gar nicht aufgeht.  Aber Skandinavien zeichnet sich auch durch die wunderschöne Landschaft, eine unberührte Natur mit faszinierenden Fjorden und Vulkanlandschaften aus. Mittsommer, wenn die Sonne gar nicht erst untergeht und man die Ruhe in der Natur genießen kann.

Wer sich von all dem angesprochen fühlt, der findet in „Mittsommer, Lagerfeuer und Blaubeerkuchen“ ein passendes Begleitbuch. Die Autorinnen haben die Glückskonzepte Skandinaviens mit Zitaten, Bastelanleitungen und Rezepten eingefangen. Damit kann man sich zu Hause ganz einfach selbst eine hyggelige Atmosphäre schaffen.

Die Kapitel sind nach Jahreszeiten aufgeteilt und werden in den Texten noch einmal wunderschön geschildert. Was ist typisch für diese Jahreszeit? Wie verläuft das Leben in Skandinavien in diesen Monaten? Was kann aus dem saisonalen Obst- und Gemüseangebot gemacht werden? Die Rezepte sind abwechslungsreich. Es gibt viele Anleitungen für Snacks, aber auch Hauptgerichte mit Fleisch und Fisch, Nachspeisen, saure Drops oder Öle. Also wirklich breit gefächert und nicht so kompliziert, dass man sie nicht nachmachen kann.

 „Mittsommer, Lagerfeuer und Blaubeerkuchen“ ist zwar ein vergleichsweise dünnes Taschenbuch, aber es entführt einen während des Lesens nach Skandinavien, mitten hinein in die langen Tage des Mittsommers und bietet viele Ideen und Rezepte zum Nachmachen. Gerade zu dieser Zeit, wo es im eigenen Garten grünt und blüht, ist das natürlich toll. Auch wer sich von der positiven Lebenseinstellungen, die als typisch nordisch erachtet wird, eine Scheibe abschneiden möchte, macht mit diesem Buch einen großen Schritt auf dem Pfad der Work-Life-Balance.

Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

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Charlotte Lucas: „Fünf Sterne für dich“

Charlotte Lucas
Bastei Lübbe Verlag
empfohlenes Alter: ab 16 Jahre
18,00€

Für ein gutes Leben gibt es ein simples Rezept: Man muss nur alles Schlechte vermeiden.

Davon ist Konrad fest überzeugt, denn er hat schon genug Schlimmes erlebt. Seinen Lebensunterhalt verdient er, indem er bezahlte Rezensionen nach Kundenwunsch schreibt. Auch privat versieht er alles mit Sternen: die flinke Kassiererin, den lauwarmen Kaffee … und Pia, die neue Klassenlehrerin seiner Tochter. Zu hübsch, zu unsicher, nicht geeignet für den Lehrberuf. Gerade mal zwei knappe Sterne von fünf.

Als Pia davon Wind bekommt, will sie Konrad eine Lehre erteilen. Dass er zum neuen Elternvertreter gewählt wird, passt ihr da bestens ins Konzept. So kann sie ihn mit lästigen Aufgaben ordentlich ins Schwitzen bringen. Doch als einer ihrer Schüler gemobbt wird, erweist sich ausgerechnet Konrad als Hilfe… (Klappentext)

Leider nur drei Sterne für dich

Dies ist mein erstes Buch von der Autorin, die unter dem Pseudonym Charlotte Lucas veröffentlicht. Zuerst einmal macht natürlich der Name neugierig. Alle Jane Austen Fans wissen, wovon ich rede. Man fliegt also wie eine Biene zum Honig, angelockt von der süßen Erwartung auf Unterhaltung, die es vielleicht doch ansatzweise mit „Stolz und Vorurteil“ aufnehmen kann. Da auch die anderen Bücher  derselben Autorin gute Rezensionen erhalten haben, war ich zu Beginn der Lektüre mehr als positiv eingestimmt.

Konrad ist alleinerziehend und mit seiner 12jährigen Tochter frisch nach Hamburg gezogen. Sein Talent, Rezensionen zu Produkten zu verfassen, die er weder benutzt noch benötigt, ist beeindruckend. Seine Rezensionen lesen sich amüsant … und ja, irgendwie geht einem ein Licht auf, wenn man sich selbst durch Produktbewertungen klickt und auf gewisse Standardformulierungen trifft. Ansonsten ist Konrad ein überfürsorglicher, absolut gluckenhafter Vater, der seine Tochter Mathilda wie ein Kleinkind behandelt. Alles und jeden packt er in sein Fünf-Sterne-Bewertungsschema. So auch die junge, unerfahrene Klassenlehrerin seiner Tochter, Pia, der selbstverständlich diese gering schmeichelhafte Bewertung ihrer selbst in die Finger fällt. Daraufhin schikaniert sie Konrad, der sich versehentlich als Elternsprecher aufstellen ließ, mit jeder Menge organisatorischer Aufgaben.

Diese Konstellation verspricht einiges an Unterhaltungswert, einen schlagfertigen Kleinkrieg zwischen Vater und Lehrerin, ehe sich die beiden auf romantische Weise einander annähern. Doch leider wird das Potenzial nicht ausgeschöpft. Die Handlung verliert sich in den schulischen Belangen der Klasse 7d, oberflächlichen WhatsApp-Gruppenchats und kindischen Mobbing-Aktionen. Viele Charaktere und Situationen sind überzeichnet. Wenn sie ansatzweise den Charme von „Fack ju Göhte“ gehabt hätte, wäre die Schulgeschichte vielleicht ansprechender gewesen.

So aber wartet man vergebens auf eine charmante Liebesgeschichte. Am Ende kommt kurz ein bisschen Dramatik auf, als das Geheimnis um Mathildas Mutter gelüftet wird. Allerdings finde ich diese Aufklärung nicht stimmig mit der Gesamthandlung. Das alles dominierende Thema ist nun mal die Schulgeschichte. Zwischendrin flammt zaghaft die Liebesgeschichte zwischen Konrad und Pia auf. Das Thriller-Element über den Verbleib von Mathildas Mutter ist zwar aufregend, aber es passt nicht richtig in einen Roman, der von banalen Pausenhofgeschichten beherrscht wird. Von daher frage ich mich am Ende, wer die Zielgruppe von „Fünf Sterne für dich“ sein sollte? Offenbar sollte die ziemlich breit gefächert sein. Leider gibt es von mir nur drei Sterne, die sich hauptsächlich auf die liebevoll gestaltete Aufmachung des Buches beziehen.

Charlotte Lucas: „Dein perfektes Jahr“
Charlotte Lucas: „Wir sehen uns beim Happy End“
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Joanne Liu: „Abenteuer in der Stadt“

Joanne Liu (Autorin/ Illustratorin)
Prestel Junior Verlag
empfohlenes Alter: ab 3 Jahre
12,00€

Max darf heute ganz alleine einen Brief zum Briefkasten bringen. Auf seinem Weg durch die Stadt entdeckt er viele wunderbare Dinge: Bunte Wäsche-Wirbel im Waschsalon, sein eigenes Spiegelbild in einer Pfütze oder tanzende Blätter im Wind. (Klappentext)

Das Wundersame im Alltäglichen

Der kleine Max erhält einen wichtigen Auftrag. Er soll für seine Mama einen Brief in den nächsten Briefkasten werfen. Sein Weg führt ihn durch die ganze Stadt und dabei begegnen ihm lauter Dinge, die alltäglich erscheinen, doch Max bringen sie zum Staunen. Aus der Sicht eines Kindes werden so die banalsten Kleinigkeiten zu etwas Besonderem. Insbesondere da die Erwachsenen blind für ihre Umwelt geworden sind. Sie starren wie hypnotisiert auf ihre Smartphones oder hetzen zum nächsten Termin, gehen ihren Freizeitbeschäftigungen nach, aber sie sehen eben nicht so hin wie ein Kind. Aus diesem Grund entgeht ihnen die Spiegelung des Himmels mit seinen Wolkenkratzern und Flugzeugen in der Pfütze am Rinnstein. Sie sehen auch nicht die bunten Blätter, die der Herbstwind aufwirbelt. Oder das Farbenspiel einer untergehenden Sonne.

Die Illustrationen von Joanne Liu sind zwar farbenfroh, dafür aber ziemlich einfach gehalten. Sie scheinen geradewegs aus dem Malkasten eines Kindes entsprungen zu sein. Aber sie passen sehr gut zu Max‘ Geschichte. Die Illustrationen bilden die Welt ab, so wie sie der kleine Junge wahrnimmt und vermutlich selbst wiedergeben würde.  

Bis auf den Anfang („Max darf einen Brief zum Briefkasten bringen“) und das Ende („Jetzt kann er Mama von seinen Abenteuern erzählen“) gibt es im Buch keinen Text. Natürlich sprechen die Illustrationen für sich und ich persönlich unterstütze es immer, dass Kinder lernen, selbst zu erzählen und zu beschreiben. Aber stellenweise wäre ein bisschen geschriebene Handlung nicht verkehrt gewesen. Auch, um die Aufmerksamkeit der Kinder zu fesseln, die die Seiten sonst nur schnell durchblättern. Erwachsene regt das Buch schon eher zum Nachdenken an. Dass man seinen Alltag einmal entschleunigt, die Augen für seine Umgebung öffnet und die Welt mit kindlicher Neugier betrachtet. Was man da nicht alles für wunderbare Dinge entdecken kann?

Vielen Dank an Prestel für das Rezensionsexemplar!

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Katie Scott: „Die Entstehung des Lebens. Evolution: Eintritt frei!“

Katie Scott (Illustratorin)
Fiona Munro (Autorin)
Prestel Verlag
empfohlenes Alter: ab 8 Jahre
16,00€

Herzlich willkommen zu einer Reise durch die Entstehung des Lebens!

Erkunde eine außergewöhnliche Sammlung von Lebewesen. Von den Algen bis zum Archaeopteryx, von den ersten Säugetieren bis zum frühen Menschen. Jedes Ausstellungsstück erzählt ein Kapitel der Millionen Jahre alten Erdgeschichte. Alle zusammen zeigen, wie die unglaubliche Vielfalt des Lebens entstanden ist. Dieses Museum ist rund um die Uhr geöffnet: Tritt ein und erlebe die faszinierende Geschichte des Lebens auf unserer Erde. (Klappentext)

Evolution kompakt

Das Leben auf der Erde hat sich erhalten können durch ständiges Wiederanpassen an sich verändernde Umweltbedingungen. So vielfältig wie die Lebensbedingungen in der Luft, im Wasser oder auf dem Boden sind, so vielfältig sind auch die Lebensformen. Evolution meint also im Prinzip das Ergebnis einer Unmenge von Entwicklungsprozessen der Organismen vom einfachsten bis zu den heute lebenden. Wer das unglaublich spannend findet und sich schon immer gefragt hat, woher die Tiere und Pflanzen kommen, sollte unbedingt zu „Die Entstehung des Lebens. Evolution“ greifen. Auch dieser Band aus der „Eintritt frei!“-Reihe überzeugt mit seiner Fachkenntnis, Qualität und den künstlerischen Illustrationen von Katie Scott.

Als würde man im Museum von Ausstellungssaal zu Ausstellungssaal gehen, schreitet die Entwicklung der Lebensformen auf unserem Planeten in den Kapiteln voran, die sich jeweils einem Erdzeitalter widmen. Beginnend bei den einzelligen Cyanobakterien des Präkambriums und endend beim Menschen. Wobei anzumerken ist, dass der heutige Mensch wohl kaum das Endergebnis der Evolution darstellt, und hoffentlich auch nicht das Ziel der selbigen war. Dazwischen liegen Entwicklungsstufen, die uns heute mehr als sonderbar erscheinen. Viele der durch Katie Scott hervorragend illustrierten Lebensformen scheinen einem Kabinett der Kuriositäten entsprungen zu sein. Monströs anmutende Wesen, die perfekt an die damaligen Lebensbedingungen angepasst waren. Bei vielen von ihnen ist man froh, dass sie ausgestorben sind.

Vom Verlag wird das Buch für Kinder ab 8 Jahren empfohlen. Nach meiner Auffassung ist das ein bisschen zu jung. Für Dinosaurierliebhaber stellen die Illustrationen vermutlich den größten Reiz dar, doch die Texte, obwohl nicht lang und ausschweifend, sind vollgepackt mit fachspezifischen Zungenbrechern wie Placodermi, Asteroxylon, Ambulocetus und Paraceratherium. Schulkinder können von diesem Buch als ergänzendes und gut erklärendes Werk zum gymnasialen Biologieunterricht,  ab der 5. Klasse,  bestimmt mehr profitieren. Auch Erwachsene, die gern einen Einblick und Gesamtüberblick über die Evolution haben möchten, um ihr Allgemeinwissen aufzufrischen, können mit diesem Buch sehr zufrieden sein.

Wieder einmal bedanke ich mich beim Prestel Verlag für dieses großartige Rezensionsexemplar!

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Victor Medina: „Am Hafen: Von Hongkong bis Hamburg“

Victor Medina (Autor/ Illustrator)
Mia Cassany (Autor)
Prestel Verlag
empfohlenes Alter: ab 5 Jahre
15,00€

Von der Antarktis bis nach Hawaii und Hamburg, von New York über Hongkong bis in den afrikanischen Dschungel: Es gibt viel zu entdecken! Ein Hafen ist ein ganz besonderer Ort.

In jeder Ecke verbirgt sich ein Geheimnis, jeder Winkel erzählt von sagenhaften Geschichten und aufregenden Abenteuern. (Klappentext)

Alle Mann an Bord!

Seit Menschengedenken sind Häfen wichtige Dreh- und Angelpunkte für Handel und Wirtschaft. Dort prallen Kulturen aufeinander, vermischen sich und tauschen sich aus. Es sind Orte, an denen alles und jeder ankommt, ohne länger verweilen zu wollen. Es gibt sie überall auf der Welt und gab sie bereits vor vielen tausend Jahren. Um solche pulsierenden Knotenpunkte geht es in dem Buch. 15 verschiedene Häfen rund um den Globus verteilt werden hier großformatig porträtiert. Jeder Hafen könnte sich kaum mehr von den anderen unterscheiden. Vom düsteren, verregneten Londoner Hafen ins satte Grün der Urwälder und bis in die eisigen Polargebiete.

Die Illustrationen stammen von Victor Medina, einem freischaffenden, spanischen Illustrator. Seine Arbeiten sind geprägt vom Stil der 50er Jahre. Sie umfassen eine Fülle von Details und Texturen in leuchtenden Farben. So manche Kuriosität mischt sich unter das hektische Hafentreiben. Mia Cassany, die ebenfalls eine spanische Autorin ist, steuert zu jedem Hafen eine Textpassage bei. Kurz und knapp, gewürzt mit interessanten sowie amüsanten Fakten.

Die Illustrationen erzählen viele kleine Geschichten. Kinder können viel entdecken und lernen spielerisch landestypische Klischees, die in den Bildern versteckt sind. Viel Vorzulesen gibt es nicht. Es sind die Illustrationen, die zum Sprechen animieren und die Fantasie anregen. Kindern wird die Vielfalt der Welt nähergebracht in einer farbenfrohen Reise von Hafen zu Hafen.

Insgesamt ist „Am Hafen“ wieder einmal ein sehr gelungenes Werk aus dem Prestel Verlag mit zeitlosen Illustrationen, in denen es durch ihren Wimmelcharakter viel zu entdecken gibt.

Ich bedanke mich beim Verlag für dieses wunderbare Rezensionsexemplar.

Siehe hier noch mehr von Mia Cassany auf meinem Blog:

„Atlas der wundersamen Orte“
„Wildnis: Wo seltene Tiere und Pflanzen zuhause sind“
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Britta Teckentrup: „Fische, Fische überall“

Britta Teckentrup
Prestel Junior Verlag
empfohlenes Alter: ab 6 Jahre
20,00€

Ein Natur-Sach-Bilderbuch mit leuchtenden Illustrationen von Britta Teckentrup.

Fische sind überall! Sie leben im Meer, in Süßwasser-Seen, im Eis und sogar in der Wüste. Erkunde Korallenriffe, beobachte, wie Forellen flussaufwärts schwimmen, und reise Tausende Meter in die Tiefsee, wo Fische ihr eigenes Licht machen.

Setz deine Schwimmbrille auf und tauche ein in die faszinierende Welt der Fische. (Klappentext)

Umfangreich, informativ und dabei ein wunderschönes Bilderbuch

Einmal mehr möchte ich euch ein Buch von Britta Teckentrup näherbringen, deren Werke einfach immer eine Bereicherung sind. Ihr neuestes Werk heißt „Fische, Fische überall“ und widmet sich, wie der Titel bereits vermuten lässt, den Wasserbewohnern unseres Planeten. Nach einer einführenden Übersicht  über die Vielfältigkeit der Meerestiere und einer kleinen Suchaufgabe für Kinder, wird ziemlich schnell in die wissenschaftliche Betrachtung übergeleitet. In schematischen Zeichnungen wird der Unterschied zwischen Knochen- und Knorpelfischen dargestellt. Ganz wie in einem Biologiebuch. Sogar die Funktionsweise einer Schwimmblase wird erklärt. Es folgt die evolutionäre Entwicklung der Fische, vom Devon bis heute. Nach diesem knappen historischen Abriss wird eine Kategorisierung in  Süßwasser- und Salzwasserarten vorgenommen. Die Anpassung an ihre besonderen Lebensräume, ihre Nahrungssuche, Fortpflanzung, Überlebensstrategien warten immer mal wieder mit witzigen, aber durchweg spannenden Fakten auf. Auch der Einfluss des Menschen auf den Lebensraum der Fische durch Überfischung und Plastikmüll findet Erwähnung.

„Fische, Fische überall“ ist ein künstlerisches Sach-Bilderbuch und bestens für kleine Entdecker geeignet. Die Illustrationen sind im typischen Stil von Frau Teckentrup gehalten, eher abstrahierte Tier- und Naturdarstellungen, die collagenartig zusammengefügt sind. Sie bringt den Kindern die Artenvielfalt im Wasser und Naturphänomene sachlich korrekt nahe. Auf den Seiten wird unheimlich viel Wissenswertes vermittelt. Zwischendrin gibt es immer wieder Suchaufgaben, die die Neugier der Kinder hoch halten. Die Altersempfehlung würde ich bei diesem Werk auf jeden Fall beachten. Die Seiten sind randvoll mit Illustrationen und jeder Menge erklärendem Text. Als Rundumschlag zum Thema Fische für vom Thema begeisterte Kinder ist „Fische, Fische überall“ allen zu empfehlen.

Vielen Dank an Prestel Junior für das Rezensionsexemplar!

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Raman Prinja: „Das Planetarium: Eintritt frei!“

Raman K. Prinja (Autor)
Chris Wormell (Illustrator)
Prestel Verlag
empfohlenes Alter: ab 8 Jahre
25,00€

Willkommen im Planetarium!

Dieses Museum ist rund um die Uhr für Besucher jeden Alters geöffnet. Es beherbergt eine unglaubliche astronomische Sammlung – von kleinen, eisigen Monden bis hin zu riesigen, wirbelnden Galaxien. Das Planetarium ist das einzige Museum der Welt, das Sterne, Planeten, entfernte Galaxien und geheimnisvolle Dunkle Materie ausstellt.

Tritt ein und entdecke die unfassbaren Wunder des Universums! (Klappentext)

Eine meisterhaft illustrierte Reise bis an die Grenzen des Universums

„Eintritt frei!“, heißt es bei dieser Sachbuchreihe des Prestel Verlags, die wie ein Museum im Buchformat aufgemacht sind. Der neue Band entführt in die unendlichen Weiten des Weltalls. Statt von Kapitel zu Kapitel wandelt der Leser von Saal zu Saal. Je weiter man liest, umso mehr entfernt man sich von der Erde und umso tiefer dringt man in das All vor. Systematisch werden einem das eigene Sonnensystem, die Sterne und weit entfernte Galaxien erklärt. Dabei bleibt kaum eine Frage unbeantwortet. Was ist ein Stern? Wie entstehen Sterne überhaupt? Welche Planeten gibt es? Was ist Licht? Eine Fülle jener Fragen, mit denen Kinder einem den Schweiß auf die Stirn treiben, wird in diesem Buch glücklicherweise erklärt. Und dabei auch noch so verständlich, dass einem als Erwachsenen nicht gleich der Kopf raucht und man sich fragt, wie verkaufe ich dieses Wissen jetzt am besten meinem Kind?

Jeder Saal erweitert die eigene Vorstellungskraft von den Ausmaßen des Universums ein Stückchen mehr, bis wir am Ende versuchen, das All und seine Ausdehnung zu begreifen. Auch wenn es schier das Vorstellungsvermögen des menschlichen Gehirns sprengt, wie groß das Universum tatsächlich ist (und wie winzig in Bezug dazu unser Planet) oder wohin es sich ausdehnt. Dem „Planetarium“ gelingt es hervorragend, einen Eindruck dieser Größe zu vermitteln.

Jedem Thema wird nicht mehr als eine Doppelseite gewidmet. Was vollkommen ausreichend ist. Es gibt einen informativen Text, dessen Wissensfülle enorm ist, aber nicht mit fachspezifischen Ausdrucksweisen vollgestopft ist, bis man am Ende nur noch Bahnhof versteht. Ganz im Gegenteil. Endlich werden einem gut verständliche, schlüssige, nachvollziehbare Antworten gegeben. Dazu kommen die Illustrationen von Chris Wormell, die einfach eine Wucht sind. Kein Wunder, dass das Buch derart großformatig geworden ist. Es musste Raum für die phänomenalen Illustrationen schaffen, in denen man sich stundenlang verlieren kann. In ihrer Machart erinnern sie an Kupferstiche, als hätte man Kunstwerke uralter Meister vor sich.

„Das Planetarium“ ist ein überaus gelungenes Werk und für von der Astronomie begeisterte Kinder sowie Erwachsene geeignet. Es verliert sich nicht in seitenlangen hoch wissenschaftlichen Ergüssen. Der Informationsgehalt ist immer noch sehr hoch, aber er überfordert nicht. Die Texte sind übersichtlich gestaltet und die Illustrationen – wie bereits erwähnt –  ein absoluter Hammer!

Vielen lieben Dank an das Bloggerportal und den Verlag für dieses fantastische Rezensionsexemplar!

Hier eine Auswahl weiterer Bücher der „Eintritt frei!“-Reihe. Das sind bei Weitem nicht alle!

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Petra Hülsmann: „Meistens kommt es anders, wenn man denkt“

Petra Hülsmann
Bastei Lübbe
empfohlenes Alter: ab 16 Jahre
12,00€

So’n Herz hält ganz schön viel aus. Das ist zäh.

Nele hat von der Liebe die Nase gestrichen voll. Ihr neuer Job bei einer angesagten Hamburger PR-Agentur soll ab jetzt an erster Stelle stehen. Inhaber Claas betraut sie mit der Imagekampagne für den Politiker Rüdiger Hofmann-Klasing, dessen Umfragewerte tief im Keller sind – aus gutem Grund, wie sie bald herausfindet. Darüber hinaus beschließt ihr kleiner Bruder Lenny, der das Down-Syndrom hat, sich eine eigene Wohnung zu suchen. Ausgerechnet Nele soll ihn im Kampf mit den besorgten Eltern unterstützen, dabei ist sie doch insgeheim die größte Glucke von allen. Um das Chaos perfekt zu machen, stellt Nele fest, dass Claas mehr als nur ein netter Chef für sie ist und dass er ihr Herz ganz schön zum Stolpern bringt. Aber soll sie sich von der Liebe etwa schon wieder einen Strich durch die Rechnung machen lassen? (Klappentext)

Ein bisschen Kitsch muss manchmal sein

Nele hat schon einige Beziehungen hinter sich, in die sie viel investiert hat. Sie hat sich verbogen und verrenkt, um es ihrem Partner recht zu machen, wurde am Ende jedoch nur enttäuscht, betrogen oder abgeschossen. Damit ist jetzt Schluss. An oberster Stelle steht fortan ihre Karriere in einer Hamburger PR-Agentur. Dass Neles Prinzipien auf die Probe gestellt werden, dafür sorgt ihr charmanter Chef.

Mir gefällt Nele als junge Frau, die sich auf ihre Karriere konzentriert, gute Ideen für Kampagnen einbringt und dafür die Anerkennung bekommt, die sie verdient. Sie ist eine sehr liebenswürdige Figur, die für alles Verständnis aufbringt und immer ihr Bestes gibt. Über so viel Liebenswürdigkeit konnte ich manchmal nur den Kopf schütteln. Bei einer Liebesgeschichte wie dieser muss es keinen zu tiefst komplexen Charakter geben, aber Nele ist in ihrer Perfektion irgendwie eindimensional.  Egal,  was es ist, sie mischt bei allem mit. Ob es die Hochzeitsvorbereitungen ihrer Eltern sind, sie ihren Bruder bei der Suche nach einer Wohnung und Arbeit unterstützt oder ob es die Erstellung von Kampagnen ist. Nele schafft alles mit Bravour. Wie nebenbei erledigt sie die Arbeit ihrer Kollegen, näht die Hochzeitsoutfits, kocht Marmelade und bleibt – abgesehen von den enormen Minderwertigkeitskomplexen, die sie bei mir hervorruft – ein äußerst sympathischer Charakter.

Die Handlung ist nicht so vorhersehbar, wie man vermuten möchte. Viele Klischees, die man bei einer Liebelei zwischen Angestellter und Chef erwartet, werden nicht erfüllt. Das ist sehr erfrischend und sorgt auch für ein gewisses Suchtpotential. Schließlich lässt es einem keine Ruhe, wie es mit den Figuren denn nun wirklich weitergeht. Claas ist definitiv kein Bad Boy, der erobert werden muss. Die Liebesgeschichte zwischen ihm und Nele wird sehr zartfühlend beschrieben. Auch die Nebenfiguren und -handlungen sind detailliert herausgearbeitet und ergeben ein wunderbares Gesamtbild.

„Meistens kommt es anders, wenn man denkt“ ist ein unterhaltsamer Sommerroman, leicht wie eine laue Brise und erzeugt beim Lesen eine wunderbare Sommeratmosphäre von Hamburg und Spaziergängen an der Elbe.

Vielen Dank an Bastei Lübbe und die Lesejury für das Rezensionsexemplar!

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