Kategorie: Rezensionen

Ute Krause: „Hilfe für die Weihnachtsmänner“

Ute Krause
cbj Verlag
empfohlenes Alter: ab 4 Jahre
14,00€

Weihnachten mit Ute Krause – warmherzig, witzig und voller Wunder

Wie ein Lauffeuer geht die Nachricht um die Welt: „Weihnachtsmänner gibt es nicht!“ So hat es ein Journalist in seiner Zeitung geschrieben. Die Kinder sind ganz erschrocken: Wer bringt uns jetzt die Geschenke? Und die Weihnachtsmänner sind beleidigt: Wenn man nicht mehr an sie glaubt, dann wollen sie streiken. Als Anton eine Postkarte in die Hände fällt und er so herausfindet, dass die Weihnachtsmänner in der Südsee Urlaub machen, heuert er kurzerhand als Schiffsjunge an, um sie zurückzuholen. Wird ihm das rechtzeitig vor Weihnachten gelingen? (Klappentext)

Achtung und Aufgepasst! Die Sensationsnachricht: Weihnachtsmänner gibt es nicht!

Was für ein Schock für Groß und Klein, als es in der Zeitung heißt, Weihnachtsmänner wären nicht real und die Geschenke würden von jemand anderem unter den Baum gelegt werden. Dabei wusste der windige Journalist einfach nichts Besseres, worüber er schreiben konnte. Gerade in der Vorweihnachtszeit verbreitet sich die Nachricht wie ein Lauffeuer und dringt sogar bis an den Nordpol vor. Als die Weihnachtsmänner merken, dass die Kinder diese Lüge glauben, sind sie schwer beleidigt und treten in den Streik. Man mag sich gar nicht vorstellen, was passiert wäre, wenn nicht ein kleiner Junge eine Postkarte der Weihnachtsmänner gefunden hätte – mit Urlaubsgrüßen aus der Südsee! Anton begibt sich sofort auf eine abenteuerliche Reise um die ganze Erde, um die Weihnachtsmänner zurückzuholen.

Was für eine amüsante Weihnachtsgeschichte aus der Feder von Ute Krause. Die Illustrationen in dem großformatigen Bilderbuch – im typischen Stil von Frau Krause gehalten – kommen mit vielen witzigen Details daher. Am herrlichsten das Bild der Weihnachtsmänner mitten im Urlaubsmodus, in Badehosen und mit Sonnenbrillen am Strand. Die Geschichte ist originell und unterhaltsam geschrieben. Bloß Richtung Ende gerät sie ziemlich abgehackt, als müsste das Ende schnell herbeigeführt werden. Das bringt Unruhe in den Lesefluss und ist etwas schade. Trotzdem empfehle ich das Buch für die Weihnachtszeit bedenkenlos weiter. Was Handlung, Schreibstil, Aufmachung und Illustrationen anbelangt, ist „Hilfe für die Weihnachtsmänner“ einfach unglaublich gelungen und passend für die besinnliche Jahreszeit.

Vielen Dank an den cbj Verlag und das Bloggerportal für das kostenfreie Rezensionsexemplar!

Helen Peters: „Mein Kätzchen Mia“ (Die-kleine-Tier-Reihe, Band 3)

Helen Peters
cbj Verlag
empfohlenes Alter: ab 7 Jahre
9,00€

Ein Kätzchen unterm Weihnachtsbaum

Jasmin und ihr bester Freund Tom retten ein verlassenes Kätzchen. Und sie wünschen sich nichts mehr, als die kleine Mia behalten zu dürfen. Doch Jasmins Eltern bestehen darauf, dass Mia weggegeben wird. Jetzt setzt Jasmin alles daran, um dem Katzenkind das schönste Weihnachtsgeschenk zu machen, das es gibt: ein liebevolles Zuhause. (Klappentext)

Für kleine Katzenliebhaberinnen

Jasmin ist tierlieb und erkennt schnell, wenn ein Tier ihre Hilfe braucht. In ihrem Zuhause leben bereits einige Tiere, die sie gerettet und aufgenommen hat. Im dritten Band der Kleinen-Tier-Reihe entdecken Jasmin und ihr bester Kumpel in einem alten Schuppen eine Katzenfamilie. Leider vertreibt das Auftauchen der beiden Kinder die Katzenmutter. Zwei ihrer Jungen schafft sie in ein neues Versteck, nur das dritte, schwarze Kätzchen bleibt mutterseelenallein zurück. Da kann Jasmin natürlich nicht wegschauen und nimmt das Kätzchen mit nach Hause. Dort darf Mia vorerst bleiben, bis sich eine Familie für sie findet.

„Mein Kätzchen Mia“ ist nicht nur eine süße Geschichte über zwei Kinder, die ein tierisches Abenteuer erleben, sondern die Geschichte beschreibt realistische Problemfelder und Situationen, die sich ergeben, wenn ein verwildertes Kätzchen gefunden wird. Jasmin und Tom nehmen es nicht einfach nur mit, sondern sie gehen auch den Verpflichtungen nach, die so ein Tier mit sich bringt. Dazu zählt auch, dass Mias Flöhe verschwinden müssen oder sie wie jedes Jungtier alle paar Stunden gefüttert werden muss. Auch Jasmins Eltern akzeptieren nicht einfach den neuen Mitbewohner.

Insgesamt ist „Mein Kätzchen Mia“ eine bezaubernde Tiergeschichte für alle Katzenliebhaber und Erstleser. Der Schreibstil ist flüssig und leicht, die Seiten werden immer wieder von kleinen Illustrationen aufgelockert und die Handlung ist eine runde Sache mit einem wirklich passenden und glücklichen Ende. Gut geeignet für die Vorweihnachtszeit.

Vielen Dank an cbj für das Rezensionsexemplar!

Helen Peters: „Mein Schweinchen Trüffel“ (Die-kleine-Tierreihe, Band 1)
Helen Peters: „Mein kleiner Hund Timmy“ (Die-kleine-Tierreihe, Band 2)

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Sabine Ludwig: „Wenn der Wal Geburtstag hat, wird er von Spinat nicht satt“

Sabine Ludwig (Autorin)
Kerstin Schoene (Illustratorin)
cbj Verlag
empfohlenes Alter: ab 3 Jahre
14,00€

Welches Tier hat heute Geburtstag?

Geburtstag – ein Lieblingsthema bei Groß und Klein! Sabine Ludwig nähert sich ihm auf die ihr eigene hintersinnige Weise, in Reimen voller Sprachwitz. Sieben exotische Geburtstagskinder aus dem Tierreich stellt sie uns vor, jedes mit mehr oder weniger kapriziösen Wünschen. Wer gemeint ist – das erfahren wir erst, wenn wir umgeblättert haben … Mit den zauberhaften, humorvollen Bildern von Kerstin Schoene wird ein Gesamtkunstwerk daraus, das zum Vorlesen, Anschauen, Schmunzeln und Staunen einlädt.

Ein Geschenkbuch in Reimen

Der Geburtstag nimmt bei Kindern ja einen hohen Stellenwert ein. Aber auch im Tierreich wird dieser besondere Tag gefeiert. Die sieben Tiere, die sich in diesem Buch auf poetische Weise zu ihrem Ehrentag hochleben und beschenken lassen, zählen nicht unbedingt zu den „klassischen“ Tieren, die man in einem Kinderbuch erwarten würde. Der Überraschungseffekt, wer sich denn nun als Geburtstagskind entpuppt, funktioniert daher ziemlich gut und auch der Wissensschatz der Kinder wird erweitert. Darüber, ob der Axolotl für ein Kinderbuch ab drei Jahren nicht einen Tick zu exotisch ist, lässt sich an dieser Stelle streiten.

Ganz hervorragend gelungen sind auf jeden Fall die Illustrationen. Sämtliche Seiten erstrahlen in einer farbenfrohen Geburtstagspracht. Die Tiere sind kindlich niedlich, aber immer noch sehr realistisch abgebildet. Die Reime sind an sich nicht schlecht. Sie sind lustig und gut verständlich, aber ich hätte mir gewünscht, dass sie, um hintersinnig zu wirken, mehr Bezug auf das Tier nehmen würden. Zum Beispiel beim Lama, das sich nicht über einen Schal freut, weil dieser aus der Wolle eben jenes Lamas gestrickt wird und der Popo deshalb schon ganz nackig ist. Hier sieht man wenigstens noch einen Zusammenhang. Doch die Verwunderung bei Kind und Erwachsenem wird groß, wenn ein Vogel mit einem Bierglas als Geschenk angeflogen kommt. Oder wenn ein Baby-Milchfläschchen an den Axolotl verschenkt wird. Das ist so abwegig, dass die Reime eher erzwungen und ein bisschen halbherzig wirken. Wirklich künstlerisch und einfallsreich wäre es gewesen, wenn die Reime tatsächlich mit den Eigenschaften, Gewohnheiten etc. dieser ungewöhnlichen Tiere zu tun gehabt hätten.

Als Geschenkbuch zum Geburtstag ist „Wenn der Wal Geburtstag hat“ für die angegebene Altersgruppe aber durchaus zu empfehlen. Aufmachung und Illustrationen sind absolut hochwertig. Außerdem finden es Kinder super, dass sie selbst das Geburtstagskind auf der letzten Seite sind.

Vielen Dank an cbj für das Rezensionsexemplar!

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Sarah Perry: „Melmoth“

Sarah Perry
Eichborn Verlag
empfohlenes Alter: ab 16 Jahre
24,00€

Ein fesselnder und wunderbar unheimlicher Roman

Helen Franklins Leben nimmt eine jähe Wende, als sie in Prag auf ein seltsames Manuskript stößt. Es handelt von Melmoth – einer mysteriösen Frau in Schwarz, der Legende nach dazu verdammt, auf ewig über die Erde zu wandeln. Helen findet immer neue Hinweise auf Melmoth in geheimnisvollen Briefen und Tagebüchern – und sie fühlt sich gleichzeitig verfolgt. Liegt die Antwort, ob es Melmoth wirklich gibt, in Helens eigener Vergangenheit? (Klappentext)

Eine Studie über menschliche Abgründe statt Schauermärchen

Speziell für die Herbstzeit schien mir dieser „fesselnde und wunderbar unheimliche Roman“ bestens geeignet. Doch leider weckt der Klappentext vollkommen falsche Erwartungen. Prag – die Goldene Stadt – war einstmals kulturelles und politisches Zentrum. Mit seinen verwinkelten Gässchen, den historischen Bauten, unzähligen Kirchen und Brücken und einer bewegenden Vergangenheit bietet sich die Stadt als Schauplatz einer Schauergeschichte geradezu an. Und dann wird einem auch noch die Legende um eine Frau in Schwarz versprochen, die auf ewig dazu verdammt ist, auf Erden zu wandeln. Ich war sehr begierig darauf, mich gruseln zu lassen und wollte mich total auf die Handlung einlassen. Allerdings erwies sich dieses Vorhaben als nicht ganz leicht.

Zuerst einmal ist Melmoth keine tschechische Legende. Davon bin ich fälschlicherweise ausgegangen und hatte gedacht, dass Prag daher eine gewichtigere Rolle in der Handlung einnehmen würde. Aber eigentlich hätte die Handlung auch an jedem anderen beliebigen Ort auf der Welt spielen können. Es geht hauptsächlich um ein Manuskript, in dem verschiedene Berichte, Aufzeichnungen und Briefe über die Begegnung mit Melmoth zusammengetragen wurden. Diese Berichte stammen aus unterschiedlichen Ländern und Epochen. Helen Franklin wurde das Manuskript unter unheimlichen Umständen ausgehändigt. Helens Lektüre der Aufzeichnungen nimmt einen Großteil des Buches ein. Immer geht es um Menschen, die eine besonders schwerwiegende Schuld auf sich geladen haben und von Melmoth, der Zeugin, beobachtet wurden, bis sie der Sagengestalt mit den blutigen Füßen tatsächlich begegnet sein sollen. Da auch Helen ein Geheimnis aus der Vergangenheit mit sich herumträgt, verfällt sie bald der paranoiden Vorstellung, selbst in Melmoths Visier geraten zu sein.

Die verschiedenen Figuren und ihre Schilderungen über ihr Leben bis Melmoth sich ihnen offenbart haben soll, sind sehr ausschweifend beschrieben. Insbesondere der Bericht über die Nazizeit und Judenverfolgung wird in allen Schrecknissen ausgeschlachtet und nimmt einen derart hohen Stellenwert ein, dass ich mittendrin dachte, ich bin in einem Buch über den 2. Weltkrieg gelandet. Hier ist die Autorin ziemlich vom Thema abgekommen.

Jedenfalls wartet man mehr oder minder gespannt darauf, mehr über Helen zu erfahren und welche Schuld sie auf sich geladen hat. Die Enthüllung dessen haut einen nach den Bildern der Judenverfolgung echt nicht mehr von den Socken. Dagegen nimmt sie sich sogar ausgesprochen banal aus und erst recht das (Happy) End wirkt schon fast ein bisschen lächerlich.

 Ein anderer Kritikpunkt ist für mich der Schreibstil. Bei Sätzen wie „Schauen Sie!“ oder „Haben Sie den Schatten hinter Helen bemerkt?“ hatte ich das Gefühl, als würde die Autorin mein Kinn packen und in die Richtung rucken, in die ich zu gucken hatte. Es ist definitiv nicht leicht in „Melmoth“ einzutauchen und derartige Wendungen haben mich immer wieder aus der Handlung gerissen. Auch die vielen Figuren, die im Buch vorkommen, sind abstoßend. Selbstverständlich, denn sonst wären sie ja keine Zielscheibe für Melmoth.

Zwar sehe ich den roten Faden, den die Autorin gesponnen hat, aber leider wird der häufig überlagert von den zu ausführlichen Berichterstattungen in den Manuskriptseiten, den zahlreichen Figuren und ihren Problemen, die teils absolut nichts mit Melmoth zu tun haben. Und letztendlich der Schreibstil, der mir die Lektüre einfach zusätzlich erschwert hat.

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„Papanini: Pinguin per Post“ gelesen von Katrin Fröhlich

cbj audio
Gesamtspielzeit: ca. 2 Std. 27 Min.
empfohlenes Alter: ab 8 Jahre
Audio-CD: 12,29€

Emma ist überrascht, als eines Tages eine ziemlich alte und verbeulte Tiefkühltruhe geliefert wird – aber noch überraschender ist deren Inhalt: In der Truhe sitzt ein kleiner Pinguin! Er heißt Papanini, versteht die Sprache der Menschen und liebt es, vorgelesen zu bekommen. Papanini kann sogar sprechen! Er wäre wirklich zu niedlich, wenn er nicht ständig für Chaos sorgen würde … Leider haben auch üble Ganoven von dem sprechenden Pinguin Wind bekommen und plötzlich stecken Emma und Papanini mittendrin in einem aufregenden Abenteuer!

Die abenteuerliche Geschichte eines Pinguins, der sprechen kann

Emmas Vater bestellt ständig bei Ebay, weshalb es Emma nicht weiter verwundert, als erneut eine riesige Kiste per Post angeliefert wird. Allerdings befindet sich darin nicht etwa ein altes Röhrenradio, das aufgemöbelt werden muss, sondern ein waschechter Pinguin. Das sonderbare Tier trägt eine rote Fliegermütze und überreicht Emma ein zerfleddertes Buch. Aber das ist noch nicht das Ungewöhnlichste, denn der Pinguin kann auch sprechen. Zwar mit einem leichten Sprachfehler, doch immerhin! Aus Furcht, Papanini zu verlieren, hält Emma ihn versteckt. Sogar vor ihren Eltern, die sich über den gesteigerten Appetit ihrer Tochter auf Fischstäbchen ziemlich wundern. Da Papanini überall, wo er gerade auftaucht, für Chaos sorgt, gerät Emma immer wieder in die irrwitzigsten Situationen, für die sie die Schuld auf sich nimmt. Um alles noch komplizierter zu machen, tauchen plötzlich zwei mysteriöse Männer auf, die das Haus beobachten.

Ute Krause beweist wieder einmal ihr Gespür für wundervolle Kindergeschichten. „Papanini“ wartet mit einer breitgefächerten Vielfalt an Charakteren und einer überaus spannenden, unvorhersehbaren Handlung auf. Die Geschichte rund um den sprechenden Pinguin strotzt vor Situationskomik, sie ist rasant und wirklich abenteuerlich. Daneben werden auch Themen angesprochen, die Kinder bewegen. Beispielsweise wenn Emma sich nach dem Umzug ihrer Familie allein fühlt und Probleme hat, neue Freunde zu finden, oder wie sie von den anderen Mädchen gehänselt wird. Außerdem liebe ich Ute Krauses sprachliche Spielereien, die sich nicht nur durch „Papanini“, sondern durch all ihre Werke ziehen.

Gelesen wird das Hörbuch von Katrin Fröhlich, die uns Erwachsenen als Synchronstimme von Gwyneth Paltrow und Cameron Diaz ziemlich gut im Gehör geblieben sein dürfte. Die Liste ihrer weiteren Synchronrollen ist ellenlang und umfasst nicht nur Fernsehrollen, sondern bereits eine ordentliche Fülle an Hörbüchern für Kinder. Ich habe Katrin Fröhlichs Stimmer gerne gelauscht. Sie verleiht „Papanini“ einen angenehmen Klang, schafft es aber auch hervorragend sämtliche Charaktere mit ihren speziellen Eigenheiten zum Leben zu erwecken und die Sprachspielereien umzusetzen.

Vielen, vielen Dank an cbj audio für das kostenlos zur Verfügung gestellte Hörbuch!

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Beth Garrod: „Mega Awkward – Voll peinlich, aber gut drauf“

Beth Garrod
cbt Verlag
empfohlenes Alter: ab 12 Jahre
9,99€

LEBEN gegen SELBSTACHTUNG: 1 zu 0

Die 15-jährige Bella ist die Größte – wenn es darum geht, ihr Leben zu versemmeln. Prädestiniert durch ein Mundwerk, das ihrem Hirn nicht gehorcht, und die Fähigkeit, sich binnen Sekunden vor jedem Typen bis auf die Knochen zu blamieren. Doch als sie Zac kennenlernt, steht für Bella fest, er MUSS sie zum Schulball begleiten. Dem entgegen steht allerdings ein Geheimnis, das so mega-awkward ist, dass Bella bei ihrem Hirn am liebsten auf »delete« drücken würde. Was kann da also noch schiefgehen? Oh, ja, genau: absolut alles! (Klappentext)

Der Peinlichkeiten zu viel

Nahtlos schliddert Bella von einer Peinlichkeit zur nächsten. Zeit zum Luftholen bleibt dem Leser zwischendurch wenig. Es wird peinlich, peinlicher, am peinlichsten. Da aus jeder Situation das Maximum an Peinlichkeit herausgepresst werden musste, wirkt die Geschichte für meinen Geschmack extrem konstruiert und künstlich. Dementsprechend schwer fiel es mir, mich in die Protagonistin hineinzuversetzen und sie sympathisch zu finden oder mit ihr mitzufühlen. Leider trug auch der Schreibstil nicht gerade dazu bei, mir den Einstieg in die Handlung zu erleichtern. Er sollte jugendlich und spritzig wirken, doch die sprunghaften Gedankengänge aus Bellas Sicht waren übertrieben, widersprüchlich und verwirrend.

Vermutlich habe ich zu sehr damit gerechnet, etwas Vergleichbares wie die Fernsehserie „Awkward“ zu lesen zu bekommen. Die ähnlichen Titel lassen da ja schon einige Schlüsse zu und es ist auch nicht von der Hand zu weisen, dass es einige wenige Parallelen gibt. In der Serie verarbeitet die ebenfalls 15-jährige Hauptfigur ihre Alltagssorgen in einem Internetblog. Auch ihr Leben strotzt vor Peinlichkeiten und Missverständnissen. Jedoch wird das Thema in der Serie um einiges humorvoller und raffinierter verarbeitet als im Buch. Bei „Mega Awkward“ fehlt mir die Geschmeidigkeit einer wirklich durchdachten Handlung. Bella plumpst von einem Fettnäpfchen ins nächste. Es ist, als würde man jemandem zuschauen, der rückwärts eine Treppe hinunterfällt. Man weiß schon, wie es nach dem nächsten Absatz weitergeht. Es reicht einfach nicht, eine übertrieben komische Situation an die andere zu reihen. Da ich mich wirklich auf das Buch gefreut habe, war meine Enttäuschung natürlich groß. Aber vielleicht war meine Erwartungshaltung eine andere, weil ich nach Ähnlichkeiten mit der Serie gesucht habe.

Am Ende noch ein Dankeschön an den Verlag für die Zusendung eines Rezensionsexemplars!

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Annette Roeder: „Hetty Flattermaus fliegt hoch hinaus“ (Die Hetty Flattermaus-Reihe, Band 1)

Annette Roeder (Autorin)
Julia Christians (Illustratorin)
cbj Verlag
empfohlenes Alter: ab 6 Jahre
13,00€

Die winzigkleine Hummelfledermaus Hetty

wird von ihrer Mama Hulda liebevoll umsorgt und soll vor allen Gefahren beschützt werden, doch Hettys Abenteuerlust ist nur schwer zu bremsen. Nicht einmal gruselige Geschichten über eine gefährliche Gespensterfledermaus halten sie auf. Im Gegenteil: Hettys Neugier auf die spannende Welt außerhalb der heimischen Dachgaube wird nur noch größer … Immer wieder findet die furchtlose und kontaktfreudige Mini-Fledermaus Möglichkeiten, auszubüchsen und mit ihrer besten Freundin Fidelia Fledertier und dem Etruskerspitzmausjungen Möppelchen Pi von Abenteuer zu Abenteuer zu flattern … (Klappentext)

Vom Ungehorsam der Kinder und von Propeller-Mamis

In einem verlassenen Herrenhaus lebt das winzige Fledermäuschen Hetty in einer großen Fledermauskolonie. Sie führen ein beschauliches, fast schon menschliches Dasein mit vielen Verpflichtungen, wie zum Beispiel in Homeoffice arbeiten, Schule und Flötenunterricht. Hettys Mutter Hulda ist zwar eine liebevolle und fürsorgliche Mama, doch sie behütet und beschützt ihr einziges Kind, bis ihr kaum noch genug Luft zum Atmen bleibt. Dabei ist Hetty doch so abenteuerlustig und neugierig auf die Welt außerhalb des Herrenhauses. All den Gruselgeschichten und Verboten zum Trotz entwischt sie aus ihrer sicheren Dachgaube und erkundet das weitläufige Parkgelände. Auf ihrer Erkundungstour trifft Hetty natürlich auf außergewöhnlichen Wesen, erlebt spannende, aber auch gefährliche Abenteuer und findet neue Freunde.

Ich habe das Buch meinem 4jährigen Sohn vorgelesen. Jeden Abend ein bis zwei Kapitel. Vom Umfang und Inhalt ist ‚Hetty Flattermaus‘ bedenkenlos für diese Altersgruppe geeignet. Bei insgesamt 19 Kapiteln ist man außerdem eine ganze Weile mit Lesestoff versorgt. Probleme, der Handlung zu folgen, gab es bei meinem Sohn überhaupt nicht. Die zuckersüßen und sehr abwechslungsreich gestalteten Figuren haben uns von Anfang an verzaubert. Insbesondere über den verknoteten Regenwurm können wir immer noch lachen. Auch die Aufmachung des Buches überzeugt. Auf dem farbigen Lageplan des Anwesens La Rondine lassen sich die Stationen von Hettys Abenteuer nachverfolgen. Alle übrigen Seiten sind liebevoll und passend zur Handlung illustriert.

‚Hetty Flattermaus‘ ist eine schöne Geschichte darüber, dass Kinder Eltern gegenüber manchmal ungehorsam sein müssen, um ihre eigenen Fehler machen zu dürfen. Mama Hulda ist aber auch ein Extremfall: Sie stattet ihre Tochter mit einem Peilsender aus, um immer genau zu wissen, wo sie steckt. Ich fand es ein bisschen Schade, dass am Ende die Einsicht der Mutter fehlte, ihrem Kind mehr Vertrauen zu schenken und einfach mal ein bisschen loszulassen. Aber das kann noch kommen. Immerhin handelt es sich bei diesem Buch um den ersten Band der Reihe. Uns hat es ein großes Lesevergnügen bereitet, bei den Abenteuern der kleinen Hummelfledermaus dabei zu sein.

Vielen Dank an cbj für das Rezensionsexemplar!

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Esi Edugyan: „Washington Black“

Esi Edugyan
Eichborn Verlag
empfohlenes Alter: ab 16 Jahren
24,00€

Die Flucht ist nur der Anfang

Barbados, 1830: Der schwarze Sklavenjunge Washington Black schuftet auf einer Zuckerrohrplantage unter unmenschlichen Bedingungen. Bis er zum Leibdiener Christopher Wildes auserwählt wird, dem Bruder des brutalen Plantagenbesitzers. Christopher ist Erfinder, Entdecker, Naturwissenschaftler – und Gegner der Sklaverei. Das ungleiche Paar entkommt in einem selbst gebauten Luftschiff von der Plantage. Es beginnt eine abenteuerliche Flucht, die die beiden um die halbe Welt führen wird.


Eine Geschichte von Selbstfindung und Verrat, von Liebe und Erlösung. Und eine Geschichte über die Frage: Was bedeutet Freiheit?  (Klappentext)

Ein lebendiger Schreibstil, aber ein Bruch in der Handlung

Washington Black wird als Sklave geboren und kennt nichts anderes, als zu schuften und Misshandlungen und Gräueltaten durch den Plantagenbesitzer und seine Aufseher mitzuerleben und zu fürchten. Als Leser ist man sofort mittendrin in den von Esi Edugyan geschaffenen, emotional aufwühlenden und verstörenden Bildern. Die Autorin schildert die Schrecken der Sklaverei recht unverblümt, jedoch ohne die Seiten mit unnötig schauderhaften und blutrünstigen Details vollzustopfen. Es ist eine gemäßigtere Darstellung der Sklaverei, die dadurch aber nicht weniger bedrückend wirkt. Das scheinbar ausweglose Schicksal des Washington Black, der ja nur ein kleiner Junge ist, zieht einen sofort in seinen Bann.

Als der Bruder des Plantagenbesitzers zu Besuch kommt, wendet sich Washs Leben. Titch wählt ihn zu seinem Leibdiener und bringt dem Jungen Lesen und Schreiben bei. Dabei entdeckt er Washs zeichnerische Begabung die Natur detailgenau einzufangen. Titch selbst ist Wissenschaftler mit einem ausgeprägten Vater-Komplex. Sein Hauptanliegen ist die Fertigstellung eines Luftschiffes, mit dem er und Wash schließlich von der Plantage fliehen müssen. Ab diesem Moment beginnt die abenteuerliche Reise von der tropischen Insel bis ins eisige Polargebiet. Und ab diesem Moment erfährt auch das Buch eine Wendung. Das auf dem Cover gepriesene Luftschiff geht nach nur einem kurzen Flug kaputt und spielt danach im Buch keine Rolle mehr. Schade, denn irgendwie hat man sich mehr erhofft.

In der zweiten Hälfte des Buches soll die Suche nach Freiheit eine zentrale Rolle spielen. Jede Figur sucht sie auf unterschiedliche Weise. Da sämtliche Figuren sehr vielschichtig und einige nicht unbedingt sympathisch sind, muss man schon etwas grübeln, wer seine Freiheit wie zu finden gedenkt. Washington Black hingegen hindert sich im gesamten Verlauf selbst daran, seine persönliche Freiheit zu finden. Natürlich ist seine Situation als Ex-Sklave schwierig, doch er hat eine gewisse Ausbildung erfahren und bewegt sich mühelos in intellektuellen Kreisen. Besonders der letzte Teil der Handlung wird von Washingtons fanatischer Suche nach seinem ehemaligen Wegbegleiter (und unabdingbaren Wegbereiter?) dominiert. Er ergreift keine der Chancen, die ihm gegeben werden, um sich ein eigenes Leben aufzubauen und glücklich zu werden. Dabei bieten sich ihm gerade durch sein künstlerisches Talent und seine Bekanntschaft mit einem berühmten Meeresbiologen zahlreiche Möglichkeiten. Diese unentwegt ungenutzt verstreichenden Entwicklungschancen frustrieren beim Lesen.

Am Ende reiht sich ein absurder Zufall an den anderen, bis Wash endlich Titch wiederbegegnet.  Das lang ersehnte Zusammentreffen dieser beiden Figuren fesselt zwar bis zur letzten Seite, doch am Ende kann ich eine gewisse Unzufriedenheit über den Ausgang der Geschichte nicht verleugnen. Was genau will die Autorin uns damit sagen? Da muss doch noch mehr kommen? So viele Fragen bleiben ungeklärt, so viele Fäden hängen in der Luft, dass der Eindruck entsteht, das Buch musste rasch beendet werden, weil keiner mehr genau wusste, worauf es am Ende hinauszielt.

Am Ende möchte ich mich noch beim Verlag bedanken, der mir „Washington Black“ zu Rezensionszwecken überlassen hat!

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Mikel Casal: „Meine ganz (außer) gewöhnlichen Nachbarn“

Mikel Casal
Prestel Verlag
empfohlenes Alter: ab 5 Jahre
15,00€

Niko lebt in einer kleinen Stadt am Meer. Die Stadt und ihre Bewohner sind auf den ersten Blick ganz gewöhnlich – doch Niko hat entdeckt, dass alle etwas Besonderes an sich haben, das sie einzigartig und interessant macht. Willst du Nikos ganz (außer) gewöhnliche Nachbarn und Freunde kennenlernen?

Ein lustiges und poetisches Buch mit der Botschaft „Jeder Mensch ist etwas Besonderes“. (Klappentext)

Künstlerisch und thematisch ein wertvolles Buch

Neunzehn Persönlichkeiten, die facettenreicher kaum sein könnten und dabei in ein und derselben Nachbarschaft leben, werden in diesem farbenfroh illustrierten Kinderbuch vorgestellt. Dank der liebevollen Texte, wird einem schnell bewusst, dass wir unseren Fokus nicht ausschließlich auf jene richten sollten, die nach gesellschaftlichen Maßstäben etwas darstellen. Zum Beispiel, indem sie  jede Menge Follower auf diversen Internetplattformen anhäufen. Oder sich mit großartigen Talenten in den Vordergrund drängen, eine dramatische, politische Botschaft verbreiten oder als Superheld im Kino auftreten. Auch hinter dem scheinbar Normalen kann sich eine außergewöhnliche Persönlichkeit verbergen. Man muss sie nur wahrnehmen.

In „Meine ganz (außer) gewöhnlichen Nachbarn geht es nicht nur um Individualität, sondern auch darum, das Normale – was eventuell auch als langweilig eingestuft wird – mehr wertzuschätzen und die Menschen in unserem näheren Umfeld bewusst wahrzunehmen und ihnen mit mehr Offenheit zu begegnen.

Das Buch animiert dazu an, sich seine eigenen Nachbarn einmal etwas genauer anzusehen und sie nicht nach einem kurzen Blick oder einem knappen Gruß in eine Schublade zu stecken. Für uns Erwachsene ist das natürlich schwerer als für Kinder. Wir wissen, wie viel Dummheit und Bosheit auf der Straße herumläuft. Wir sind häufig mit uns selbst und unseren Terminen beschäftigt. Aber dieses Buch bietet einen kleinen Denkanstoß, doch noch einmal genauer hinzusehen. Wer weiß, was und wen man entdeckt? Vielleicht doch etwas Gutes. Kinder öffnen sich dem Thema noch völlig unvoreingenommen.

An dem Buch begeistern vor allem die Farben und die witzigen Hintergrundgeschichten. Auf die Altersempfehlung von mindestens 5 Jahren sollte schon geachtet werden, denn die Texte sind etwas tiefgründiger und mit allerlei außergewöhnlichem Vokabular gespickt, bei dem die Aufmerksamkeit jüngerer Kinder sich rasch verflüchtigt. Außerdem gibt es keine richtige Geschichte, sondern auf jeder Doppelseite nur eine Person mit der dazugehörigen Charakterisierung.

Ich bedanke mich beim Prestel Verlag für das schöne Rezensionsexemplar!

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Alan Bradley: „Flavia de Luce 10 – Todeskuss mit Zuckerkuss“

Alan Bradley
Penhaligon Verlag
20,00€

Ein Mord in aller Tortenstille …

Die zwölfjährige Chemikerin und Spürnase Flavia de Luce hat gemeinsam mit Dogger, dem treuen Diener ihrer Familie, ein Detektivbüro gegründet. Die beiden rechnen jedoch nicht damit, dass ihr erster Fall ausgerechnet auf der Hochzeit von Flavias Schwester Feely auf sie wartet. Nach einer turbulenten Zeremonie mit einem vermissten Trauzeugen soll das Anschneiden der riesigen, mehrstöckigen Torte einer der Höhepunkte der Feier werden. Doch kaum hat die Braut das Messer angesetzt, erklingt ein markerschütternder Schrei – denn in dem ersten Kuchenstück verbirgt sich ein abgetrennter Finger … (Klappentext)

Eine Hochzeit und ein Todesfall

Als Fan der ersten Stunde lechzt man nach jedem Wort und würde mit Begeisterung noch hundert weitere Geschichten von Flavia verschlingen. Was den Büchern meines Erachtens jedoch abhanden gekommen ist und weshalb auch viele Leser die späteren Bände als nicht ganz so fesselnd empfinden mögen wie die ersten, ist das große, rätselhafte Endgeheimnis, das mit jedem Band ein bisschen mehr gelüftet wird. Am Anfang rankte sich noch alles um Flavias verschollene Mutter. Danach wurde der Mythos um eine Geheimorganisation aufgebaut. Aber nachdem Flavia aus dem Internat geschmissen wurde, geht es ausschließlich um das Leben auf Buckshaw und in der unmittelbaren Umgebung. Versteht mich nicht falsch, ich liebe sämtliche Figuren und bin ein begeisterter Leser aller Flavia-Geschichten. Aber nach zehn Bänden fragt man sich schon, worauf die Handlung  am Ende hinauslaufen soll, um Flavia einen würdigen Abschluss zu bereiten. Denn dass dieser Band der letzte aus der Reihe sein soll, will und kann ich nicht glauben. Nein, nein, nein.

Mehr noch als das Fehlen eines Zieles, auf das die Bände am Ende hinauslaufen, verdrießt mich jedoch die Stagnation der Entwicklung vieler altbekannter Figuren.  Besonders natürlich die Beziehung von Flavia zu ihren Schwestern. Feely taucht in „Todeskuss mit Zuckerkuss“ lediglich zu Beginn auf und verschwindet wortlos in die Flitterwochen. Daffy wird in die Bibliothek verdammt, wo sie an ihren Memoiren schreibt. Mehr erfahren wir über beide Figuren im gesamten Buch nicht. Obwohl Feelys Hochzeit sogar maßgeblich für die Covergestaltung war, ist das Thema innerhalb der ersten 20 Seiten abgehandelt.

Einzig von Dogger erhält der Leser tiefgründige Einblicke. Und auch Flavia ist wieder ein Stück erwachsener geworden. Gleichzeitig ist es Alan Bradley gelungen, mehr die Flavia aus den Anfangsbänden aufleben zu lassen: Ihren leidenschaftlichen Hang zu allem Morbiden, ihr umfangreiches Wissen über  Chemie und die Experimente in ihrem Labor. Hinter allem steckte wieder mehr Herz, mehr Flavia. Flavia ist im zehnten Band definitiv in Höchstform.

Den Mordfall fand ich dieses Mal stark konstruiert. Einige Wendungen sind schwer nachvollziehbar und das Motiv so mancher Figur erscheint  fragwürdig. Warum der Finger in der Hochzeitstorte landete, ist mir letztendlich immer noch schleierhaft. Die Begründung dafür erscheint fadenscheinig und nur bedingt logisch.

Alan Bradleys Schreibstil schafft es jedoch nach wie vor, von der ersten bis zur letzten Seite zu fesseln. Die Ermittlungen von „Arthur W. Dogger & Partner – Diskrete Ermittlungen“ schreiten rasant voran. Der Fall zählt wohl zu den facettenreichsten der gesamten Reihe. Bradleys Humor ist schwarz, morbide, aber sowas von intelligent. Er unterhält auf höchstem Niveau.

Ein ganz großer Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar!



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