Kategorie: Rezensionen

Natascha Ochsenknecht: „Perlinchen – Mein größter Schatz“

Natascha Ochsenknecht
Boje Verlag
empfohlenes Alter: ab 4 Jahre
12,90€

Ein Schatz ist gestohlen worden!

Ganz Käferhausen ist in heller Aufregung. Perlinchen, ihr Bruder Charly Schlaufuchs und ihr bester Freund Jimi Blaupunkt begeben sich auf die Suche, bei Kapitän Hüpf, dem alten Grashüpfer, bei Piks, der Biene, bei der dicken Hummel Bärbel Brumm und bei all den anderen Bewohnern von Käferhausen. Dabei finden sie Erstaunliches heraus: Ein Schatz muss nicht immer glänzen wie Gold… (Klappentext)

Neues aus Käferhausen

Perlinchen, das Käfermädchen mit den rosa Flügeln und silbernen Glitzerpunkten, kommt mir einem zweiten Abenteuer daher, was viele begeisterte Leser des ersten Buches sehr freuen wird. Im Vordergrund steht diesmal nicht Perlinchens Andersartigkeit, die sie so besonders macht. Stattdessen geht es um die Bedeutung von ideellen Werten.

In Käferhausen wurde ein Diebstahl begangen. Ein wertvoller Schatz ist verschwunden und das mutige Käfermädchen begibt sich zusammen mit ihrem Bruder und ihrem besten Freund sofort auf die Suche. Bei der Befragung der Bewohner Käferhausens lernen die Käferkinder schnell, dass ein Schatz nicht automatisch eine Kiste ist, die bis zum Rand mit Gold und Edelsteinen gefüllt ist.

Der Leser taucht mitten hinein in die kunterbunte Käferwelt. Die Illustratorin Bianca Faltermeyer konnte sich einmal richtig austoben und setzt eine Vielzahl von Käfern und Insekten zauberhaft und abwechslungsreich in Szene. Kapitän Hüpf, die Kakerlake Flitzo oder die Glühwürmchendame Lora Lämpchen – um nur drei zu nennen – sind sehr liebevoll ausgearbeitete Charaktere. Man spürt, wie viel Mühe sich gegeben wurde. Auch bei der Gestaltung des Textes.

Jedem Bewohner, dem Perlinchen auf der Suche nach dem Schatz begegnet, wird eine Doppelseite in wunderschön kolorierten Panoramabildern gewidmet. Die Textabschnitte pro Seite sind in Länge und Inhalt perfekt, damit kleine Kinder der Geschichte folgen können. Auch der Schreibstil ist angenehm flüssig. An sich bringt jeder Bewohner von Käferhausen das Potenzial mit, Held seines eigenen Kinderbuchabenteuers zu sein.

Perlinchen und ihre Freunde lassen sich von allen berichten, welcher ‚Schatz‘ für sie die größte Bedeutung hat. Häufig sind dies persönliche Gegenstände, ganz kleine Dinge, die dem einen wertlos erscheinen, für den anderen jedoch von unschätzbarem Wert sind, weil sie mit Erinnerungen, Erlebnissen und Gefühlen verbunden sind. Dieses Thema wird den Kindern hier spielerisch nähergebracht und regt zu Überlegungen an, was denn eigentlich der größte Schatz des Kindes ist.

Uns hat Perlinchens Fortsetzung auf jeden Fall überzeugt und wird immer wieder gelesen.

Wir sind dem Verlag so dankbar für das Rezensionsexemplar!

„Perlinchen – Ich bin anders, na und!“
Lies hier meine Rezension!

Michael Engler: „Wie sagt man eigentlich: Ich liebe dich“

Michael Engler (Autor), Martina Matos (Illustratorin)
Boje Verlag
empfohlenes Alter: ab 4 Jahre
12,90€

Roberto ist verliebt, zum allerersten Mal! Aber wie soll er Isabella nur sagen, was er ihr so gerne sagen möchte?

Ein zauberhaftes Bilderbuch für alle großen und kleinen Verliebten

An die erste große Liebe erinnert man sich ein Leben lang

In unserer Erinnerung nimmt die erste Liebe einen ganz besonderen Stellenwert ein. All diese Gefühle sind noch so neu und unbekannt, so zart und zauberhaft. Das erste ‚Ich liebe dich‘ hinterlässt einen nachhaltigen Eindruck, häufig für den Rest des Lebens. Und um diesen zarten Moment geht es in „Wie sagt man eigentlich: Ich liebe dich“.

Roberto ist ein glücklicher kleiner Junge, der den lieben langen Tag mit seinen Freunden herumtobt und sich die kühnsten Abenteuer erträumt. Dann begegnet ihm eines Frühlingstages Isabella und sofort ist ihm klar, sie ist das schönste Mädchen der Welt. Alle seine Gedanken kreisen nur noch darum, wie er ihr seine Gefühle gestehen kann. Anfangs soll es eine große Geste, damit die ganze Welt erfährt, wie stark seine Gefühle sind. Doch dann besinnt er sich. Nicht die ganze Welt soll es wissen, sondern einzig und allein Isabella. Also überlegt Roberto und findet einen schlichten, rührenden Weg…

Dieses Buch ist wirklich hinreißend und eine klare Empfehlung für alle Romantiker. Eine hervorragende Geschenkidee für den nahenden Valentinstag. Als Kinderbuch würde ich es nur bedingt weiterempfehlen. Mit einem zarten Gefühl im Bauch oder vielsagenden Blicken können Kinder ab vier Jahren noch nicht allzu viel anfangen. Sie befinden sich dann doch eher in der Phase, in der gerne mit Spielzeugraketen zu den Sternen geflogen wird oder Bücher über Schmetterlinge total angesagt sind. Diese Feinheiten im Text sind nur für erwachsenere Leser verständlich, die diese erste Liebe selbst schon erlebt haben oder mittendrin stecken. Allerdings sind die Illustrationen von Martina Matos ein Magnet für Kinderaugen und erzählen die Geschichte auch ohne große Worte.

Vielen Dank an den Verlag für die Zusendung eines Rezensionsexemplars!

[Top]

Christopher Paolini: „Die Gabel, die Hexe und der Wurm. Geschichten aus Alagaësia. Band 1: Eragon: Die Eragon-Saga“

Christopher Paolini
cbj Verlag
empfohlenes Alter: ab 14 Jahre
18,00€

Ein Wanderer und ein verfluchtes Kind. Zaubersprüche und Magie. Und natürlich Drachen. Willkommen zurück in Eragons Welt! (Klappentext)

Nette Zugabe für Fans von Eragon

Fans der Weltbestsellerreihe „Eragon“ sind an ein umfangreiches Lesevergnügen gewöhnt. Der erste Blick in das neue Werk fällt dementsprechend enttäuschend aus. Durch eine großzügige Randgestaltung und eine gutgemeinte Schriftgröße wurde das Buch auf die doppelte Länge gestreckt. Leider kann der Inhalt damit nicht Schritt halten. Der Preis ist … der Hammer. Kann man so wenige Worte auf so viel Papier noch mit gutem Gewissen drucken?

Naja. Zurück zum Buch:„Die Geschichten aus Alagaësia“sind eine Sammlung von drei Kurzgeschichten, die nur indirekt mit Eragon und seiner Drachendame Saphira zusammenhängen. Sie lesen sich zwar gut und flüssig, sind aufgrund der Kürze aber eben auch sehr schnell durchgelesen. Der Spannungsbogen ist eher dürftig. Ich hatte erwartet, dass alle drei Geschichten am Ende irgendwie zusammenkommen, oder dass sich ein neues, größeres Abenteuer entspinnt. Beides war nicht der Fall. Die drei Geschichten sind nett, aber im Endeffekt etwas enttäuschend und weisen allesamt ein offenes Ende auf. Sowas ist für Leser schon ziemlich unbefriedigend.

Für eingefleischte Fans sind „Die Gabel, die Hexe und der Wurm“ drei schöne, kurzweilige Ergänzungen. Die Geschichten bieten immerhin tiefere Einblicke in Alagaësia, die alle Fans zu schätzen wissen und dankbar verschlingen, die voll in der Materie drin sind. Alle, die „Eragon“ zuvor nicht gelesen haben, sollten die Finger von diesem Buch lassen. Es wird zu viel Vorkenntnis vorausgesetzt. Unerfahrene Alagaësier finden sich hier nicht zurecht.

[Top]

Alan Bradley: „Flavie de Luce 9 – Der Tod sitzt mit im Boot“

Alan Bradley
Penhaligon Verlag
20,00€

Ein Mord macht noch keinen Sommer…

Es ist ein heißer Sommer in England, und um die leeren Tage zu füllen, organisiert der treue Diener Dogger einen Bootsausflug für Flavia und ihre Schwestern. Träge liegt Flavia an Bord und lässt ihre Hand ins kühle Wasser baumeln, da hat sie plötzlich eine Leiche am Haken beziehungsweise am Finger. Der tote Mann ist in blaue Seide gehüllt und trägt einen einzelnen roten Ballettschuh. Doch dies ist nicht der einzige mysteriöse Todesfall. Unweit vom Fundort der Leiche mussten vor einiger Zeit drei Klatschtanten in der ortsansässigen Kirche ebenfalls dran glauben. Flavias Spürnase läuft zur Hochform auf, denn die kleine Hobbydetektivin muss nicht nur eine Vielzahl verwirrender Hinweise entschlüsseln, sondern auch ihre Schwestern vor einer großen Gefahr beschützen. (Klappentext)

So angelt man sich einen Mörder…

Ein halbes Jahr ist es her, seit Flavias Vater an einer Lungenentzündung starb. Die Schwestern de Luce befinden sich irgendwo zwischen Gefühlsleere und dem Beginn eines neuen Lebens nach dem Tod des Vaters. Ihre Tante Felicity hat tiefgreifende Veränderungen angekündigt. Doch ehe diese umgesetzt werden, sollen die Schwestern ein paar friedliche Ferientage verleben. Nun ist Flavia nun einmal Flavia und zieht Leichen an wie ein Magnet. Da reicht es, bei einer Bootstour die Hand in die Themse zu halten und schon hat sie eine Wasserleiche am Haken.

Sofort ist Flavia in ihrem Element und nimmt die Ermittlungen auf. Von da an hetzt sie von einem Schauplatz zum nächsten. Praktischerweise laufen ihr sofort allerlei mögliche Verdächtige über den Weg, die Hinweise fliegen ihr nur so zu und sie schafft es, die halbe Bevölkerung des Dörfchens zu befragen, noch ehe ihre Schwester ein Orgelspiel beendet hat. Der Mordfall wirkt nicht ganz so inszeniert wie in Band 8, doch Flavias Nachforschungen nehmen teils absurde Züge an und sind schwer nachzuvollziehen. Die Chemie und Experimente werden zur Zufriedenheit des Lesers wieder mehr in den Vordergrund gerückt.

Überrascht war ich von den Entwicklungen der einzelnen Figuren. Dogger ist nicht wiederzuerkennen. In den vorangegangenen Bänden war er das ruhige Faktotum der Familie de Luce, das von den Geistern der Vergangenheit gequält wurde. Auf einmal erscheint er voll Tatendrang und beteiligt sich aktiv an der Auflösung des Mordes. Auch die Beziehung der Schwestern untereinander, die im letzten Band viel zu kurz gekommen ist und anfangs auch immer noch festgefahren und voll Abneigung erscheint, ist eine andere geworden. Da staunt man nicht schlecht, wenn zwischen Flavia und Daffy plötzlich gesittete Dialoge stattfinden und man sogar eine Art Zusammenarbeit erkennt. Nur Feely bleibt nach wie vor blass und wird auf ihre Selbstverliebtheit und die Verlobung mit Dieter beschränkt. Flavias charakterliche Weiterentwicklung wird auch fortgesetzt. Sie erscheint wieder ein Stück erwachsener. Ihr Umgang mit anderen Menschen ist einfühlsamer und sie weiß auch, wann es klüger ist, zu schweigen, obwohl sie sehr genau weiß, dass sie den meisten Leuten überlegen ist.

Wie gewohnt wunderbar sind der Schreibstil, die scharfsinnigen Dialoge, die unzähligen Bezüge und  Flavias Gedankengänge. In „Der Tod sitzt mit im Boot“ wurden spürbar die Schwächen des Vorgängerbandes ausgebügelt. Endlich scheint sich auch im verstaubten Buckshaw eine Veränderung anzukündigen, weshalb ich den 10. Band der Reihe mit Spannung erwarte!

Ich bedanke mich ganz herzlich beim Verlag, dass das Rezensionsexemplar letztendlich doch den Weg zu mir gefunden hat!

[Top]

Ute Krause: „Die Muskeltiere – Hamster Bertram lebt gefährlich“ (Die Muskeltiere-Reihe zum Selberlesen, Band 2)

Ute Krause
cbj Verlag
empfohlenes Alter: ab 7 Jahre
11,00€

Nicht ohne unseren Bertram!

Hamster Bertram ist in letzter Zeit ganz melancholisch zumute. Seit er aus seinem alten Zuhause bei Tassilo ausgebüxt ist, hat er nichts mehr von dem Jungen gehört. Ob er mal nachschauen soll, wie es ihm geht? Die anderen finden das keine gute Idee, schließlich war Tassilo nicht gerade nett zu Bertram gewesen. Als Bertram eines Morgens verschwunden ist, machen sich die Muskeltiere auf die Suche nach ihrem Freund und geraten in große Gefahr… (Klappentext)

Einer für alle und alle für einen

Im Keller des Feinkostgeschäftes von Frau Fröhlich leben zwei Mäuse, eine Rattendame und ein Goldhamster von edlem Geblüt zusammen. Sie schmausen von den täglich anfallenden Essensresten und führen eigentlich ein zufriedenes Nagetierdasein. Bloß Hamster Bertram ist melancholisch. Der Duft von Karamell lässt ihn an sein früheres Leben bei Tassilo denken. Einem verwöhnten, kleinen Bengel, der Bertram in einem goldenen Käfig eingesperrt hatte.

Doch wie es manchmal mit der Vergangenheit ist, sie verklärt sich. Schlechte Dinge verblassen. Was bleibt, sind die guten Erinnerungen. So bricht Hamster Bertram auf, um Tassilo zu besuchen. Zum Glück haben seine Freunde nicht vergessen, wie schlecht Tassilo Bertram behandelte und brechen sogleich zu seiner Rettung auf.

Die Rettungsaktion ist eine witzige Abenteuerreise quer durch Hamburg. Wie sich herausstellt, ist Tassilo ein richtiger Satansbraten, der nicht nur Tiere drangsaliert, sondern auch dem armen Hausmädchen Serafina das Leben zu Hölle macht. Die Muskeltiere greifen ein!

„Hamster Bertram lebt gefährlich“ ist unser erster Band der Muskeltier-Bücher, von denen bereits fünf erschienen sind. Man muss die anderen Bände aber nicht zwingend zuerst gelesen haben. Zu Beginn des Buches werden die Figuren vorgestellt und die Geschichte ist in sich geschlossen. Für die jungen Selbstleser bietet das Buch eine angenehme Schriftgröße, einen nicht zu anspruchsvollen Fließtext, der immer wieder von den niedlichen Illustrationen aufgelockert wird.

Mir gefallen die Namen der Muskeltiere, die nach Käsesorten benannt sind. Eine kindgerechte Ausspracheempfehlung in Lautschrift befindet sich ebenfalls im Buch. Also kann man da gar nicht meckern, sondern hat sogar noch mehr zu lachen, wenn man quasi in fließendem Französisch Pomm dö Terr näselt.

Die Geschichte ist zwar süß, aber keine überwältigende Neuerfindung. Ich hatte eher das Gefühl, eine sehr routinierte Arbeit vor mir zu haben mit bewährten Charakteren und einem vorhersehbaren Handlungsablauf. Dass Hamster Bertram ein Handy bedienen und Nachrichten tippen kann, fand ich etwas zu viel des Guten. Trotzdem halte ich die Muskeltiere für eine gelungene Kinderbuchreihe, die vom Verlag unglaublich toll in Szene gesetzt wurde.

Vielen, vielen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar!

Ute Krause: „Die Muskeltiere – Picandou und der kleine Schreihals“ (Die Muskeltiere-Reihe zum Selberlesen, Band 1)

Eine Übersicht aller Bücher der Autorin

[Top]

William Ritter: „Jackaby – Der leichenbleiche Mann“ (Die Jackaby-Reihe, Band 3)

William Ritter
cbt Verlag
empfohlenes Alter: ab 13 Jahre
9,99€

New Fiddleham, 1892: Es ist zehn Jahre her, dass Jenny Cavanaugh ermordet wurde, doch sie hat noch lange keine Ruhe gefunden und lebt als Geist in Jackabys Haus weiter. Als sich in New Fiddleham auf einmal Mordfälle ereignen, die Jennys Fall verblüffend ähneln, nehmen Jackaby und seine Assistentin Abigail den Fall von damals wieder auf – mit der Absicht, den aktuellen Fall dabei ebenfalls zu lösen. Ihre Suche treibt sie in die Arme eines leichenbleichen Feindes … (Klappentext)

Schaurig-spannend und entzückend schrullig…

Seit dem ersten Band ist die Geisterdame in Jackabys Haus ein ungelöstes Geheimnis. Jenny Cavanaugh wurde vor zehn Jahren in diesem Haus ermordet und findet seither keine Ruhe. Immer wieder versinkt ihr Geist in den Echos der Vergangenheit und durchleidet die schlimmsten Stunden ihres Lebens. Jackabys Assistentin Abigail möchte Jenny helfen und gestattet ihr, von ihrem Körper Besitz zu ergreifen, mit weitreichenden Folgen.

Als eine weitere junge Frau auf ähnliche Weise getötet wird wie einst Jenny, beginnen Jackaby und Abigail zu ermitteln. Sie stoßen auf ein Geheimnis aus der Vergangenheit, eine geheime Forschungseinheit, zu der die klügsten Köpfe des Landes gehören und mit gefährlichen Strippenziehern im Hintergrund.

Der dritte Band der Jackaby-Reihe ist deutlich spannender und verzwickter gestaltet als der zweite Band, sodass keine Sekunde Langeweile aufkommt. Viele Fäden aus den Vorgängerbänden, doch auch zahllose neue Verstrickungen, vereinen sich zu einer übernatürlichen Verschwörung. Fabelwesen sämtlicher Mythologien spazieren über die Seiten. Es ist der reinste Zirkus des Übernatürlichen.

Endlich gewährt der Autor auch ein paar tiefere Einblicke in Jackabys Vergangenheit. Allerdings nicht zu viele; Jackaby bleibt eine geheimnisumwitterte Person, deren Gefühle sich überhaupt nicht einschätzen lassen. Seine Gabe, die ich bislang eher schwammig umschrieben fand, wird verständlicher erklärt. Das Zusammenspiel zwischen ihm und Abigail ist diesmal deutlich enger. Es bereitet viel Freude, den beiden auf ihren gemeinsamen Ermittlungen zu folgen. Die Dialoge sind spritzig und pointiert, herrlich schräg und amüsant. Jackaby, der mit seiner skurrilen Art und seinen übernatürlichen Fachausdrücken häufig auf das Unverständnis seiner Mitmenschen trifft, und dagegen die charmante Abigail, die zwischen ihm und der Meute mit den Mistgabeln steht und vermittelt. Aber es wird auch ernst und ich bin gespannt, wie sich die Geschichte zwischen den beiden fortspinnt.

Insgesamt hat mir ‚Jackaby – der leichenbleiche Mann‘ ein uneingeschränkt vergnügliches Lesererlebnis beschert. Von daher vielen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar!

William Ritter: „Jackaby“, Band 1
„Jackaby – Die verschwundenen Knochen“, Band 2

Band 4 ist bisher nur im Englischen erschienen.
[Top]

Caroline Kepnes: „YOU – Du wirst mich lieben“

Karoline Kepnes
LYX Verlag
empfohlenes Alter: ab 16 Jahre
12,90€

Joe Goldberg ist gutaussehend, charmant – und bereit, sich endlich zu verlieben. Als die angehende Autorin Guinevere Beck die Buchhandlung betritt, in der er arbeitet, ist er augenblicklich von ihr hingerissen. Er weiß, dass er sie wiedersehen muss, und tut, was jeder in seiner Situation tun würde: Er googelt ihren Namen und findet alles über sie heraus, was er kann, um ihr „zufällig“ ein zweites Mal zu begegnen. Beide spüren die Verbindung, die zwischen ihnen herrscht – es ist die perfekte Liebesgeschichte.

…oder?

Denn Joe ist nicht der, der er vorgibt zu sein. Und auch hinter Becks unschuldigem Lächeln verbirgt sich mehr als gedacht. Bald schon gerät ihre Beziehung außer Kontrolle – und die Abgründe, die sich dabei auftun, haben tödliche Konsequenzen… (Klappentext)

Die Geschichte eines Stalkers

Er ist der nette Typ hinter der Ladentheke in der Buchhandlung. Ein smartes Lächeln, ein paar charmante Sprüche; er ist intelligent und gutaussehend. Als Joe die junge Studentin Guinevere Beck kennenlernt, sieht anfangs alles nach einem harmlosen Flirt aus. Doch für Joe ist es mehr. Da Beck ihren Einkauf mit Kreditkarte bezahlt, kennt Joe ihren vollen Namen. Routiniert beginnt er Nachforschungen über Becks Leben, Familie und Freunde im Netz anzustellen. Ihre öffentlichen Profile in den sozialen Medien machen es ihm leicht, ihre Adresse herauszufinden und ihre Gewohnheiten zu erforschen.

Es ist interessant, diese obsessive Verfolgung einer Person aus der Sicht des Stalkers zu erleben. Denn die einzelne Handlung, um mehr über Beck herauszufinden, kommt einem anfangs  noch gar nicht so unheimlich vor. Jeder, der sich schon einmal durch die Profile anderer auf Instagram oder Facebook geklickt hat, wird das sicher auch so sehen. Allein die Summe dieser Taten macht sie so krank. Und letztendlich die deutliche Grenzüberschreitung, als Joe in Becks Wohnung einbricht und diverse Souvenirs mitnimmt. Ab diesem Zeitpunkt nimmt die Sympathie rasch ab und das restliche Verständnis, das man zuvor – mit Hühneraugen zukneifen – noch für Joe aufbrachte, ist dahin.

Dabei erscheint mir Joe wie ein Bilderbuch-Stalker. Er geht präzise und systematisch vor, versucht zunächst, alles und jeden aus Becks Umfeld kennenzulernen und die perfekte Situation zu konstruieren, ehe er sich ihr ein weiteres Mal nähert. Er will der perfekte Mann sein. Dass Joe bei all seinen Bemühungen auch Rückschläge einstecken muss, führt auch zu komischen Situationen und lockert die Geschichte zwischendrin immer wieder auf. Doch schließlich ist er ein hochintelligenter Charakter mit einer wirklich krankhaften Obsession, der andere Menschen lediglich als Hindernisse wahrnimmt, die beseitigt werden müssen. All sein Denken und Handeln ist auf das Objekt seiner Begierde ausgerichtet. Und dieses Thema dominiert das gesamte Buch. Was fehlt, ist ein Gegenpart zu Joe. Irgendjemand, der ihm auf die Schliche kommen könnte und die Spannung dadurch anfacht. Doch es gibt keine einzige Figur, die ihm gewachsen zu sein scheint. Über 500 Seiten lang manipuliert und mordet Joe vor sich hin.

So aufregend es ist, in die verzerrte Logik eines Stalkers abzutauchen und so sehr ich die psychoanalytische Leistung der Autorin auch bewundere, im Endeffekt war es eine langatmige Geschichte mit vielen Wiederholungen und einem leider vorhersehbaren Ende.

Vielleicht wird Joe jedoch in der Fortsetzung endlich mit seinenVerbrechen konfrontiert? „Hidden Bodies – Ich werde dich finden“ erschien bereits 2016 bei LYX.

Ich bedanke mich ganz herzlich beim Verlag für das Rezensionsexemplar!

[Top]

Eva Völler: „Auf ewig uns: Time School. Band 3“



Eva Völler
ONE Verlag
empfohlenes Alter: ab 14 Jahre
15,00€

 

 

 

Ein mächtiger Feind, eine schwere Prüfung und eine wahre Liebe

Immer kam etwas dazwischen, aber nun hat es endlich geklappt: Anna und Sebastiano haben sich das Jawort gegeben! Doch auf der Party nach ihrer standesamtlichen Hochzeit geschieht das Unfassbare: Ein Zeitportal öffnet sich, und Sebastiano wird vor Annas Augen entführt! Anna muss sich großen Hindernissen entgegenstellen, um ihn wiederzufinden, doch dabei ahnt sie nicht, dass die Schwierigkeiten gerade erst begonnen haben … (Klappentext)

Ein Abschluss, der nicht überrascht.

Band 3 der Time-School-Reihe beziehungsweise Band 6, wenn man die Zeitenzauber-Reihe dazu zählen möchte. Sechs Mal prinzipiell dasselbe Schema, wenn ich ehrlich sein soll. In den Zeitenzauber-Büchern empfand ich den sich ständig wiederholenden Ablauf der Handlung und die gleiche Figurenkonstellation noch nicht so störend. Doch da nun auch der Abschluss der Time-School-Reihe wenig abwechslungsreiche Wendungen bietet, bin ich im Endeffekt echt enttäuscht.

Manche Leser lieben das altbewährte Muster ja und könnten sicherlich noch einmal so viele Bände über Anna und Sebastiano mit Begeisterung verschlingen. Nicht grundlos, wie ich durchaus nachvollziehen kann. Zeitreisen in der Lagunenstadt Venedig, erzählt in dem wunderbaren Schreibstil von Eva Völler. Natürlich sind die Bücher gut! Aber es lässt sich ebenfalls nicht leugnen, dass ‚Auf ewig uns‘ erhebliche Parallelen zu ‚Zeitenzauber – Die goldene Brücke‘ aufweist mit nur geringfügigen Abweichungen. Sebastiano hat mal wieder sein Gedächtnis verloren und Anna muss seine Erinnerung zurückbringen. Diesmal allerdings mit Babybauch. Bei vielen Dialogen hatte ich das Gefühl, sie schon einmal gelesen zu haben. Anna verliert sich ständig in schmachtender Bewunderung, sobald sie Sebastianos ansichtig wird, was nach meinem Empfinden einfach zu viel des Anschmachtens war. Auch das ewige Gezänk zwischen Fatima und Ole verliert seinen Reiz, je häufiger es vorkommt.

Die Figuren sind mittlerweile eine richtig große Gruppe geworden. Schwierig, sich da noch an jede Einzelheit aus der Vergangenheit zu erinnern und sie auseinander halten zu können. Das Zeitreisemysterium mit den sogenannten Alten, die unsterbliche Wesen sind und in verschiedenen Universen mitmischen, ist schon komplex genug. Mich haben die Nebencharaktere und ihre eigenen Geschichten nur noch verwirrt.

Der große Kampf gegen den Endgegner ist ziemlich spannend und schlägt noch einmal einen guten Bogen zur Zeitenzauber-Trilogie. Das Ende wird die Fans definitiv glücklich machen, ich persönlich hätte mir aber einfach mehr Abwechslung gewünscht.

Ich bedanke mich ganz herzlich beim Verlag, der mir dieses Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat!

Weitere Bände der Time-School-Reihe:

 

 

 

 

 

 

Die Zeitenzauber-Trilogie:

 

 

 

 

 

 

 

[Top]

Jonathan Stroud: „Drachenglut“



Jonathan Stroud
cbt Verlag
empfohlenes Alter: ab 12 Jahre
13,00€

 

 

 

Zwei Brüder, ein mächtiger Drache und der Kampf gegen das Böse

Als der 12-jährige Michael sich an einem heißen Sommernachmittag in den Hügeln herumtreibt, ahnt er nicht, dass tief darunter seit Jahrhunderten ein gewaltiger Drache ruht. Gebannt dorthin durch ein keltisches Steinkreuz. Doch nun regt sich der Drache – er ergreift von Michael Besitz und nicht nur von ihm! Immer mehr unheimliche Ereignisse geschehen in dem kleinen Dorf . Michael zur Seite steht allein sein Bruder, der ihn retten möchte. Ein atemberaubender Kampf zwischen Gut und Böse beginnt … (Klappentext)

Ein früher Stroud…

Jonathan Stroud dürfte wohl allen, die bei diesem Buch landen, als Schöpfer und Autor der Bartimäus-Bücher oder der Lockwood-Reihe wohlbekannt sein. Ich selbst bin ein großer Fan beider Buchreihen und habe mich mit ‚Drachenglut‘ einmal an ein anderes Werk Strouds gewagt. Wichtig zu wissen ist hierbei, dass ‚Drachenglut‘ lange vor Bartimäus entstand und bereits 1999 erschien. Jonathan Strouds schriftstellerische Raffinesse steckte hier quasi noch in den Kinderschuhen und lässt sich weder mit Bartimäus noch mit Lockwood vergleichen. Das gewisse Etwas, der britische Humor, die Leichtigkeit von Strouds Geschichten und deren vielschichtige Charaktere sind in ‚Drachenglut‘ noch nicht so fein herausgearbeitet wie man es von Strouds bekannteren Werken kennt. Obwohl die Geschichte spannend konzipiert ist.

Zur gleichen Zeit als im Kirchhof der Gemeinde Fordrace ein keltisches Steinkreuz ausgegraben wird, regt sich tief unter der Erde ein Drache. Das Kreuz hat ihn all die Jahre gebannt. Doch als es bei den Ausgrabungen beschädigt wird, erwacht die Macht des Drachen. Sie durchdringt die Erde und verleiht dem ganz in der Nähe schlafenden Michael besondere Fähigkeiten. Michael verändert sich und verfällt immer mehr der bösen Macht des Drachen. Denn der will nur eines: aus seinem Gefängnis ausbrechen. Der Pfarrer Tom, der mit Michaels Schwester zusammen ist, beginnt, Nachforschungen über das Kreuz anzustellen und kommt durch alte Überlieferungen dem Geheimnis des Drachen auf die Spur. Zusammen mit Michaels Bruder, versucht er Michael zu retten und die Auferstehung des Drachen zu verhindern.

Mich konnte der Lesefluss leider nicht packen. Ich empfand die Geschichte als äußerst zäh und musste mich bis zum Ende quälen. Die Charaktere blieben die ganze Zeit über oberflächlich und unsympathisch, selbst die ‚Helden‘ Tom und Stephen waren unnahbar und keine angenehmen Figuren. Die Handlung hat mich stellenweise einfach nur verwirrt. Ab und an wallte zwar etwas Spannung auf, aber über lange Strecken passiert zu wenig, sodass man automatisch abschaltet.

‚Drachenglut‘ ist sicherlich Geschmackssache, auch wenn man sich zuvor von dem Gedanken befreit hat, einen typischen Stroud-Roman vor sich zu haben. Als Vorläufer zu Bartimäus und Lockwood fand ich ihn dahingehend interessant, dass man Strouds Entwicklung als Schriftsteller nachverfolgen konnte.

[Top]

Maja Lunde: „Die Schneeschwester: Eine Weihnachtsgeschichte“

 

Maja Lunde
btb Verlag
empfohlenes Alter: ab 10 Jahre
15,oo€

 

 

 

„Weihnachtsregel Nummer eins: Es kann nie genug Weihnachten geben“, sagte Hedvig. „Selbst die Besenkammer muss geschmückt werden. Wenn man dann die Tür öffnet, um so etwas Langweiliges wie einen Besen herauszuholen, vergisst man trotzdem nicht, dass Weihnachten ist.“

Bald ist Heiligabend. Für Julian ist das der schönste Tag des Jahres. Lebkuchen und Klementinen, das Knistern und Knacken im Kamin, das flackernde Licht der Kerzen. Außerdem wird er an Weihnachten zehn Jahre alt. Doch dieses Jahr ist alles anders. Ein tiefer Schatten liegt über der Familie. Und Julian hat eigentlich nur ein Gefühl: Weihnachten ist abgesagt.

Bis Julian Hedvig begegnet. Hedvig hat grüne Augen, redet schneller als der Wind und liebt Weihnachten über alles. Ganz langsam glaubt Julian, dass es doch ein Weihnachten für ihn geben könnte. Allerdings hat Hedvig ein großes Geheimnis… (Klappentext)

Eine Geistergeschichte zur Weihnachtszeit.

Zuerst einmal sollte ich darauf hinweisen, dass „Die Schneeschwester“ trotz der Altersempfehlung und der umwerfenden Aufmachung des Buches nicht unbedingt das Kinderbuch darstellt, das Eltern ihrem Kind ohne Weiteres unter den Weihnachtsbaum legen. Ohne Frage handelt es sich um eine tiefgründige Geschichte für die Weihnachtszeit, wundervoll erzählt und von märchenhaften Illustrationen perfekt in Szene gesetzt, doch sowas von traurig! Ich konnte das Buch kaum zu Ende lesen, weil meine Sicht von Tränen verschleiert war. Eine wirklich herzzerreißende Geschichte.

Julians Familie ist von der Trauer über den Verlust der ältesten Tochter wie gelähmt und sprachlos. Selbst Julian kann mit seinem besten Freund nicht mehr so umgehen wie zuvor. Erst als er die quirlige Hedvig trifft, kehrt der Lebensfunke in ihn zurück und Julian erinnert sich an die Vorfreuden der Weihnachtszeit und an die schönen Momente mit seiner großen Schwester. Dass auch mit Hedvig etwas nicht stimmt, wird ziemlich schnell klar und letztendlich muss Julian auch sie gehen lassen.

Maja Lunde erzählt diese tragische Geschichte in 24 Kapiteln. Ein bisschen wie ein Adventskalender, nur dass man nicht einen Tag auf das nächste Kapitel warten kann, weil einen die Handlung so fesselt. Die Emotionen sind sehr stark. Wie soll eine Familie, die ein Kind verloren hat, ein fröhliches Weihnachtsfest verbringen können? Nachdem Julian seine eigene Trauer verarbeitet hat, hilft er seiner ganzen Familie bei der Trauerbewältigung. In diesen Seiten steckt so viel Traurigkeit, aber auch so viel Hoffnung, dass man am Ende zwar weint, aber auch ein bisschen lächeln muss. Ich war von diesem Buch sehr beeindruckt und gerührt. Als Kinderbuch würde ich „Die Schneeschwester“ nicht vorbehaltlos weiterempfehlen. Die vordergründigen Themen Tod und Trauer sind schon sehr heftig.

Ich bedanke mich beim Verlag für die Zusendung eines Rezensionsexemplars!

 

[Top]