Kategorie: Rezensionen

Kathryn Taylor: „Wo mein Herz dich findet“

 

Kathryn Taylor
Bastei Lübbe
empfohlenes Alter: ab 16 Jahren
10,00€

 

 

 

Ein plötzliches Unwetter zwingt die junge Cara, in einer einsamen Gegend Unterschlupf zu suchen. Ihr Gastgeber Liam scheint ihr jedoch nur widerwillig Obdach zu bieten. Caras Neugier ist geweckt: Warum lebt der attraktive Mann so zurückgezogen? Ihr wird schnell klar, dass seine raue Schale nur Fassade ist. Sie verliebt sich leidenschaftlich in den Außenseiter. Aber Liam kann ihr keine Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft machen – denn sein dunkelstes Geheimnis droht ihre Familie zu zerstören … (Klappentext)

Eine leichte Sommerlektüre – nicht mehr und nicht weniger

Sommerzeit ist Reisezeit! Und zumindest für mich schließt diese Zeit auch immer die Suche nach einer nicht zu anspruchsvollen Lektüre für die Strandliege ein. Außerdem fühle ich mich im Sommer gern wieder wie sechzehn und könnte eine Liebesgeschichte nach der anderen verschlingen. Unterhaltsam soll sie sein, gern ein bisschen Seifenoper, fesselnd, und bloß nicht mit den Stereotypen geizen. Mit Kathryn Taylors ‚Wo mein Herz dich findet‘ habe ich genau so eine Lektüre bekommen.

Junge Hotelerbin entdeckt in einsamer Waldhütte den griesgrämigen, aber unfassbar attraktiven Außenseiter. Beide fühlen sich sofort zueinander hingezogen. Aber oh nein! Er hat ein fürchterliches Geheimnis, das auch noch im Zusammenhang mit der jungen Hotelerbin steht. Perfekt. Was will man mehr.

Überraschenderweise gibt es aber auch noch eine zweite Liebesgeschichte, die für mein Empfinden die erste ziemlich in den Schatten stellt. Die Jugendliebe von Caras Bruder kehrt zurück. Kurz vor dessen Hochzeit. Was in diese Konstellation hineinspielt, ist um Längen spannender als die Geschichte um Cara und Liam. Die Gefühle zwischen Patrick und Amy, ihre Trennung, die Missverständnisse und natürlich die bevorstehende Hochzeit verleihen dem Roman seine Dynamik. Man fiebert bis zum filmreifen Ende mit, ob und wen Patrick heiratet. Die aus dem Klappentext hervorgehenden Hauptfiguren Cara und Liam, deren Gefühle noch frisch und wild sind, wirken dagegen oberflächlich. Ich hatte mir mehr von den beiden versprochen.

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass ‚Wo mein Herz dich findet‘ reichlich gut unterhält. Es liest sich flüssig und die einzelnen Erzählstränge sind angenehm miteinander verwoben. Die verschiedenen Elemente wie Figuren und Intrigen erinnern an die Rosamunde Pilcher-Verfilmungen auf ZDF und die zählen immerhin zu den beliebtesten Sendungen.

 

Ich bedanke mich beim Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

 

Nina Blazon: „Silfur – Die Nacht der silbernen Augen“

 

Nina Blazon
cbt Verlag
empfohlenes Alter: ab 10 Jahren
9,99€

 

 

 

Sommerferien in Island, einem Land, in dem die Menschen sich am Lagerfeuer Geschichten über Elfenwesen und Wiedergänger erzählen. Doch handelt es sich wirklich nur um Geschichten? Die Brüder Fabio und Tom sind sich da zunehmend unsicher. Gemeinsam mit Elín, dem wilden isländischen Mädchen, das ihnen nicht nur die Hauptstadt Reykjavík zeigt, sondern sie auch mit zu einem Reiterhof in der Nähe der berühmten Hraunfossar-Wasserfälle nimmt, stoßen sie auf eine geheimnisvolle Welt im Verborgenen … (Klappentext)

Isländische Märchenwelt

Tom und Fabio, zwei Brüder, die zwar ständig für Zwillinge gehalten werden und doch unterschiedlicher kaum sein könnten. Fabio ist der ältere der Brüder, doch aufgrund einer Krankheit hängt er in seiner Entwicklung zurück. Dagegen wird Tom als hochintelligent eingestuft, er ist sportlich und entdeckungsfreudig. Obwohl er sich seinem Bruder gegenüber immer wieder zurücknimmt, spürt Fabio, dass er mit Tom nicht mehr lange mithalten kann. Besonders deutlich wird das Problem, als Tom auf die quirlige Elín trifft. Immer häufiger brechen die beiden zu abenteuerlichen Unternehmungen auf, während Fabio zurückbleibt. Doch auf seinen Streifzügen durch Reykjavík bemerkt Fabio alsbald, dass er Dinge sehen kann, die anderen verborgen bleiben. Er verfügt über die seltene Gabe der Elfsichtigkeit und ist somit in der Lage, die geheimen Bewohner Islands wahrzunehmen, was ihn in ziemlich große Schwierigkeiten bringt.

Nina Blazon zählt zu meinen Lieblingsautoren. Sobald ein neues Buch von ihr erscheint, stürze ich mich darauf. Denn sie schafft es, einen in ihre Welt hineinzuziehen und erschafft eine schaurige Atmosphäre von der Art, die einen angenehm im Nacken kribbelt. Anders als beispielsweise ‚Fayra‘ oder ‚Laqua‘  ist ‚Silfur‘ aber nicht besonders schaurig. Aus diesem Grund fiel die Handlung auch nicht so fesselnd aus, wie erhofft. Die Landschaftsbeschreibungen entführen einen zwar in das Land von Feuer und Eis, aber die düstere, übernatürliche Ebene, die Nina Blazon in ihren anderen Werken kreiert, kommt in ‚Silfur‘ nicht rüber. Auch wenn die Handlungsstränge vielschichtig und von der nordischen Mythologie durchdrungen sind.

Ein Problem für mich sind die sehr jungen Protagonisten, in die ich mich einfach nicht einfühlen kann. Elín mit ihrem sprunghaften Gefühlswirrwarr bringt eine Unruhe in die Geschichte, die mich beim Lesen stört. Wenn man zu der empfohlenen Altersgruppe gehört, ist einem das vermutlich völlig egal. Obwohl ich dagegen halten muss, dass die Hauptfiguren in ‚Fayra‘ und ‚Laqua‘ ebenfalls Kinder sind, die mich als Charaktere jedoch mehr für sich eingenommen haben als Tom, Fabio und Elín.

Aber ‚Silfur‘ ist für alle Nina Blazon Fans ein zu empfehlendes Buch, das man nicht bereut gelesen zu haben.

Vielen lieben Dank an cbt und das Bloggerportal für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

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„Winnie Puuh: Die schönsten Freundschaftsgeschichten“ gelesen von Roland Hemmo

der Hörverlag
Spieldauer: 1 Stunde und 13 Minuten
empfohlenes Alter: ab 3 Jahren
Audio-CD: 7,95€

 

 

Der Lieblingsbär von Kindern und Eltern

Puuh, der weltberühmte und überall beliebte Bär, ist stets für ein Abenteuer zu haben. Die kurzen Geschichten aus dem Hundert-Morgen-Wald sind auch schon für die ganz kleinen Puuh-Fans geeignet. Der liebenswert-tollpatschige Bär und seine Freunde Christopher Robin, Tigger, I-Ah, Rabbit, Känga und Ruh sind immer füreinander da und erleben gemeinsam mal lustige, mal spannende Abenteuer.

Wer kennt sie denn nicht? Die Geschichten aus dem Hundert-Morgen-Wald rund um Winnie Puh und seine Freunde. Als Kind habe ich sie geliebt und nun bin ich an der Reihe, die Geschichten meinem eigenen Kind näherzubringen. Ein Hörbuch wird bei uns gern im Auto oder manchmal schon zum Frühstück gehört, insbesondere wenn der Start in den Tag und die Aussicht auf die Kita das Kind nicht gerade in Jubelrufe ausbrechen lassen. So ein Hörbuch bringt bei uns die nötige Ruhe rein und dann wird sogar das Brötchen gegessen.

„Winnie Puuh: Die schönsten Freundschaftsgeschichten“ enthält jeweils 4 Geschichten aus den Büchern:
„Die neuen Abenteuer von Winnie Puuh“
„Winnie Puuhs Freundschafts-Geschichten“ und
„Hoppla! Geschichten vom Ausprobieren mit Winnie Puuh“

Die Länge der einzelnen Geschichten ist für Kinder ab einem Alter von 3 Jahren absolut in Ordnung, nicht zu lang und nicht zu umfangreich.

Die Kurzgeschichten sind abwechslungsreich. Ob Rabbit, Tigger oder Ferkel, alle Bewohner des Hundert-Morgen-Waldes erleben ihr eigenes Abenteuer. Gelesen werden die Kapitel von Roland Hemmo, der schon seit 1997 DIE Erzählstimme von Winnie Puuhs Abenteuern ist. Er haucht den Figuren wie kein anderer Leben ein. Der ruhige, tiefe Klang seiner Stimme macht ihn einfach zu einem perfekten Märchenerzähler.

Ein bisschen Schade ist, dass zu Beginn der CD kein Lied eingespielt wird. Auch zwischen den Kurzgeschichten wäre eine kurze Melodie nett gewesen, um den Übergang zu gestalten. Plötzlich ist man mitten in einer neuen Geschichte und hat gar nicht so richtig mitbekommen, dass die andere vorüber war. Ansonsten kann ich das Hörbuch voll und ganz empfehlen.

Vielen lieben Dank an das Bloggerportal für das Rezensionsexemplar!

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Nicola Schmidt: „argerecht – Das andere Kleinkinderbuch“

 

Nicola Schmidt
Kösel-Verlag
22,00€

 

 

 

Entspannt und liebevoll durch die turbulente Kleinkindzeit

Kleinkinder sind zum Fressen süß und entdecken mit großen Augen die Welt. Aber warum essen sie kein Gemüse und schreien im Supermarkt? Nicola Schmidt zeigt mit vielen praktischen Tipps, wie Eltern auch heute der Biologie ihrer Kleinkinder gerecht werden können, obwohl die sich seit der Steinzeit kaum verändert hat.
Wenn Eltern verstehen, was in Körper und Gehirn ihrer Kinder passiert, sehen sie ihren Alltag mit anderen Augen – und wissen, was zu tun ist.

Bedürfnisorientierte Erziehung für Kleinkinder

Nicola Schmidts ‚artgerecht – Das andere Kleinkinderbuch‘ ist die Fortsetzung zu ‚artgerecht – Das andere Baby-Buch‚ und widmet sich der Kleinkindphase zwischen dem 2. und 6. Lebensjahr. Inhaltlich beleuchtet das Buch sämtliche relevanten Themen- bzw. Problemfelder, die Eltern in dieser Entwicklungsphase bewegen, wie etwa die Ernährung, Schlafen, Sauberwerden, Spielen und die Entwicklung der Eigenständigkeit, sowie das Familienleben und die Kinderbetreuung durch Kindertagesstätten.

Schmidt bietet keine Patentlösung an, sondern zeigt anhand von wissenschaftlichen Fakten die grundlegenden Bedürfnisse von Kleinkindern auf. Statt starrer Regeln gibt es jede Menge Informationen aus der Anthropologie, Vergleiche mit Naturvölkern und wissenschaftliche Studien. Wer weniger geschult ist mit biologischen Fachausdrücken wird wahrscheinlich die entsprechenden Kapitel lediglich überfliegen oder gar nicht lesen. Anderen wiederum hilft gerade diese nüchterne Wissenschaft, eine vermeintlich stressige Situation im Zusammenleben mit einem Kleinkind plötzlich mit der nötigen Ruhe zu betrachten und die angebotenen Tipps aufzunehmen und bestenfalls umzusetzen. Welche Tipps und Hinweise umgesetzt werden, bleibt den Familien selbst überlassen, obwohl die Autorin manchmal eine deutlich bewertende Meinung durchblicken lässt.

Insgesamt bietet ‚artgerecht – Das andere Kleinkinderbuch‚ ein umfangreiches Wissen und erklärt tiefgründig den Ursprung und die Ursachen der Bedürfnisse von Kleinkindern. Dies weckt zum einen das Verständnis für viele Situationen und zum anderen bewirkt der ruhige, sachliche Schreibstil, dass auch der Leser (der in diesem Fall höchstwahrscheinlich ein Elternteil auf der Suche nach Rat ist) von einer gewissen Ruhe ergriffen wird.

Ruhe zu bewahren und das Verständnis für das Verhalten unserer Kinder sind die Eckpfeiler dieses Buches. Wer sich darauf einlässt, kann aus ‚artgerecht – Das andere Kleinkinderbuch‚ sehr viel nützliches Wissen und Praxistipps ziehen.

 

Vielen lieben Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar!

 

Weitere Rezensionen
MonerlS-bunte-Welt

 

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Andrew Morton: „Meghan: Von Hollywood in den Buckingham-Palast. Ein modernes Märchen.“

Andrew Morton
Heyne Verlag
20,00€

 

 

 

 

Sie verzaubert nicht nur Prinz Harry

Meghan Markle lebt ein echtes Märchen: Als Frau von Prinz Harry wird sie offizielles Mitglied des britsichen Königshauses. Wie ihre Schwägerin Herzogin Kate und zuvor Lady Di wird sie von nun an und für immer das Bild der britischen Monarchie mit prägen.

Zum ersten Mal erzählt jetzt Bestseller-Autor Andrew Morton, einzigartiger Kenner der Royals, von ihrer Kindheit, ihrer couragierten Persönlichkeit, ihren Träumen und Zielen – und zeigt, was von Meghan in ihrer neuen Rolle zu erwarten ist. (Klappentext)

Die Medien berichten täglich über sie: Harry und Meghan. Der Prinz und die Schauspielerin. Sie sind das Traumpaar des Jahres und könnten doch unterschiedlicher kaum sein. Ihre Beziehung erinnert an ein wahrgewordenes Märchen. Doch wer ist eigentlich Meghan Markle? Wenn überhaupt, ist sie den meisten als Anwaltsgehilfin aus der Fernsehserie Suits bekannt.

Der Autor, Andrew Morton, hat bereits einige Erfahrung im Bereich Biografien gesammelt. Er veröffentlichte beispielsweise die Biografie von Prinzessin Diana mit pikanten Details aus ihrem Eheleben und Prinz Charles‘ Affäre mit Camilla Parker Bowles, wobei seine Hauptquelle niemand geringeres als Diana selbst gewesen war. Und nun schreibt derselbe Mann über eine junge Frau, die im Prinzip Lady Dis Schwiegertochter ist. Mortons Biografie zeichnet das Bild einer sympathischen, zielstrebigen jungen Frau, die aufgrund ihrer Abstammung immer wieder mit Diskriminierung und Vorurteilen kämpfen muss. Nun muss man auch berücksichtigen, dass Meghan gerade einmal 36 Jahre jung ist und bis zu ihrer Rolle als Rachel Zane als Schauspielerin wenig Erfolg hatte. Es wundert daher nicht, dass in der ersten Hälfte des Buches ausschließlich von diversen Castings und Wohltätigkeitsveranstaltungen die Rede ist, die Meghan besuchte. Die zweite Hälfte widmet sich ausgiebig der Beziehung zu Prinz Harry, der jahrelang in dem Ruf stand, ein streitsüchtiger Trunkenbold zu sein, bis er nach seinem Militärdienst zu dem Mann wurde, den jemand wie Meghan lieben konnte.

Meghan ist insofern eine interessante Persönlichkeit, da sie eine sehr charakterstarke Frau ist, die sich aus eigener Kraft etwas aufgebaut hat und viel Medienerfahrung mitbringt. Sie kämpft für die Gleichberechtigung der Frau, hält intelligente Reden, veröffentlicht Aufsätze zu politischen Themen. Sie hat stets ein gewisses Image gepflegt, zeigt sich beherrscht, kultiviert und mit viel Charme. Die nächste Biografie über ihr Leben als Prinzessin dürfte noch um einiges spannender werden, denn die große Frage, die man sich nach der Lektüre dieses Buches stellt, ist doch, welchen Einfluss diese kluge Frau, die Morton hier schildert, auf die Monarchie hat.

Es ist eine sehr wohlwollende Biografie, in der kaum ein kritisches Wort über Meghan verloren wird.  Sie erscheint absolut Markle-los.

 

 

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Julie Lawson Timmer: „Ein halbes Jahr zum Glück“

 

Julie Lawson Timmer
Bastei Lübbe
14,00€

 

 

Die frisch geschiedene Markie Bryant zieht mit ihrem Sohn Jesse in einen heruntergekommenen Vorort. Hier will sie sich vor der Welt verkriechen, aber sie hat die Rechnung ohne ihre neue Nachbarin gemacht: Die resolute Mrs Saint erklärt es zu ihrer Mission, Markie aus ihrem Schneckenhaus zu holen. Diese wehrt sich mit Händen und Füßen gegen Mrs Saints Einmischungen. Doch schließlich muss sie zugeben, dass die Maßnahmen ihrer Nachbarin tatsächlich helfen. Und dann kommt der Tag, an dem Mrs Saint auf einmal Markies Hilfe braucht… (Klappentext)

Markie kann die Fassade eines Bilderbuchlebens nicht länger aufrecht erhalten, als herauskommt, dass ihr Mann eine Affäre hat. Plötzlich alleinerziehend und hoch verschuldet, versucht sie sich vor der Welt zu verstecken. Doch ihre Nachbarin Mrs Saint drängt sich mit ihren gutgemeinten, aber nicht unbedingt erwünschten Ratschlägen immer wieder auf.

An dieser Stelle haben Cover und Klappentext bei mir vollkommen andere Erwartungen geweckt, worum es im weiteren Verlauf der Handlung geht. Ich dachte an eine Sommerlektüre über eine starke Frau, die zu sich selbst findet und einen Neuanfang wagt, aufgemuntert von der schrulligen alten Nachbarin, die das schwermütige Thema der Selbstfindung auf amüsante Art auflockert. Aber Markie ist ein durchweg träger Charakter, mit dem man als Leser nicht warm wird. Sie badet im Selbstmitleid und lässt an keiner Stelle die Stärke durchblicken, von der man lesen möchte. Dagegen fällt Mrs Saint schon tiefgründiger aus. Sie ist schwierig und komplexer angelegt, natürlich vor allem aufgrund ihrer Vergangenheit, die am Ende aufgeklärt wird. Dennoch ist es im Verlauf des Romans nicht immer eindeutig, warum Mrs Saint die Dinge tut, die sie tut. In ihrem Haus nimmt sie Menschen auf, die auf irgendeine Weise am Leben gescheitert sind und die auch – so vermittelte es jedenfalls der Roman – nirgendwo in der Welt einen neuen Platz finden würden, wenn nicht als Hilfskräfte auf Mrs Saints Anwesen. Dann werden diese Menschen auch noch als ‚Mängelexemplare‘ bezeichnet. Angesichts des Hintergrundes von Mrs Saint ist diese Bezeichnung unglücklich gewählt und hat mir auch überhaupt nicht gefallen.

Die Handlung zieht sich zäh in die Länge bis am Ende die große, dramatische Wendung beziehungsweise Enthüllung kommt. Die versetzt einen umso mehr in Erstaunen, da sie nicht zum übrigen Roman passt. Aus Mrs Saints Geschichte hätte ein eigenes Buch gemacht werden können oder zumindest hätten Rückblicke, die Licht in ihr bewegtes Leben bringen, schon eher in die Handlung eingestreut werden können.

‚Ein halbes Jahr zum Glück‘ hat mich leider nicht überzeugen können, auch wenn die Grundidee gar nicht so übel war.

Zum Schluss noch einen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar!

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Heike Eva Schmidt: „Der zauberhafte Eisladen. Vanille, Erdbeer & Magie. Band 1“

Heike Eva Schmidt
Boje Verlag
empfohlenes Alter: ab 8 Jahre
10,00€

 

 

 

Elli spürte ein Kribbeln auf der Kopfhaut, als würden sich ihre Locken ganz von alleine kringeln. Und das konnte nur eines bedeuten: Sie war einem Geheimnis auf der Spur.

Elli ist samt Familie und den drei Familienhühnern umgezogen – und verbringt seitdemn ihre Freizeit am liebsten im Eisladen ihres Großvaters. Bei Sorten wie Vanikirsch, Krokantuss oder Banandel fällt die Auswahl im ‚Leonardos‘ schwer. Aber warum macht das Eis mal glücklich, und ein andermal fühlt man sich auf zauberhafte Weise plötzlich albern oder mutig? Als Elli dann noch ein Geheimfach unter der Eistheke entdeckt und das Karamelleis in ihrem Mund plötzlich bitter schmeckt, wird sie stutzig. Könnte es sein, dass in Leonardos Eisladen Magie im Spiel ist? (Klappentext)

Kindgerechtes Lesevergnügen für den Sommer

Elli Sonntag zieht mit ihrer Familie – Mama, Papa, zwei Brüder und drei Hühner – in eine neue Wohnung, die erfreulicherweise nahe an Opa Leonardos Eisdiele liegt. Leonardo ist bekannt für seine schmackhaften Eigenkreationen und Elli entdeckt bald, dass ihr Nonno ein Familiengeheimnis hütet und auch sie selbst eine ganz besondere Gabe besitzt.

‚Der zauberhafte Eisladen‘ lockt nicht nur mit dem gelato magico, sondern auch mit einer ganzen Reihe warmherziger und leicht schrulliger Charaktere, die in einem alltäglichen Umfeld agieren. Durch zahlreiche zauberhafte Details, wie beispielsweise die drei Familienhühner, von denen sich eines am liebsten im Backofen versteckt, oder Ellis Vorliebe für kunterbunte, selbstgenähte Klamotten, entsteht eine angenehme Leseatmosphäre. Das Familienleben der Sonntags, so turbulent es mit drei Kindern und ebenso vielen Hühnern manchmal sein mag, ist dennoch sehr harmonisch. Auch die Situationen in der Schule sind bekannte Szenarien, in denen wir uns alle wiederfinden.

Für Erstleser ist dieses Buch unter Umständen ein ambitioniertes Vorhaben. Die Kapitel sind doch relativ lang und werden nur selten von Illustrationen unterbrochen. Leseratten werden an dieser Stelle die Augen verdrehen. Für euch ist dieses Buch sicherlich keine Herausforderung und verspricht viele Stunden magisches Lesevergnügen.

Als Erwachsener, dem die unschuldige Sichtweise eines Kindes doch mit den Jahren etwas abhanden gekommen ist, lässt es sich bei diesem Buch stellenweise herzlich schmunzeln. Essenzen, die die Stimmung aufhellen? Die in zu hoher Dosis bewirken, dass man mit dem Nudelsieb auf dem Kopf im Kreis rennt? Und alberne Wortwitze reißt? (Von denen einige so gut sind, dass ich sie mir unbedingt merken muss!) Meiner Meinung nach führt es aber zu weit, an dieser Stelle den Zeigefinger mahnend zu erheben, weil etwa unterschwellig der Drogenkonsum oder etwas Derartiges verherrlicht wird. ‚Der zauberhafte Eisladen‘ ist für eine Altersgruppe ab 8 Jahren vorgesehen und sollte daher nicht zu kritisch auseinander gepflückt werden. Sehr viel deutlicher betont werden Eigenschaften wie Geduld, Verantwortungsbewusstsein und Einfühlungsvermögen.

Ich bedanke mich wieder einmal ganz herzlich beim Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

 

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Silke Neumayer: „Mit Mann ist auch nicht ohne“

Silke Neumayer
Heyne Verlag
14,00€

 

 

 

 

„Ich brauch keinen Traummann, ich will ja auch tagsüber was mit ihm anfangen.“

Es gibt keinen Mädelsabend, bei dem nicht mindestens einmal über Männer gesprochen wird. Oder gelästert. Oder gelacht. Oder geweint. Oder geflucht. Vom Vater über den Kollegen, Exmann und neuen Mann bis hin zu den verliebten Freunden der pubertierenden Tochter: Silke Neumayer, Autorin des Megabestsellers »Ich hatte mich jünger in Erinnerung« und erfolgreiche Drehbuchschreiberin, berichtet in ihrer treffsicheren, ironisch pointierten Art von den erstaunlichen Begegnungen mit Männern in ihrem und unserem Alltag. Und eins steht fest: Mit Mann ist auch nicht ohne! (Klappentext)

Anekdoten aus dem Liebesleben der fortgeschrittenen Frau.

‚Mit Mann ist auch nicht ohne‘ – ein wortwitziger Titel gepaart mit einem amüsanten Bild. Beides zusammen lockt den Leser auf geschickte Weise an. Doch wer auf eine zum Brüllen komische Geschichte über den immerwährenden Zwist zwischen Männern und Frauen hofft, dürfte etwas enttäuscht sein und sollte lieber bei Mario Barth bleiben, dessen Trefferquote in Bezug auf Komik einfach höher liegt. Die Erzählerin berichtet in Anekdoten über ihr Leben mit dem neuen Mann an ihrer Seite und ihre pubertierende Tochter. Die Kapitel sind kurzweilig, beschreiben alltägliche Begebenheiten, wie etwa den Besuch im Baumarkt, lassen dabei aber keinen roten Faden erkennen.

Je nachdem, wie man sich in den beschriebenen Situationen selbst wiedererkennt, fallen die Anekdoten natürlich unterschiedlich witzig aus. Das Kapitel über ‚Männerschnupfen‘ beispielsweise beschreibt ein Phänomen, das wohl jede Frau kennt. Von daher findet man die ironische Erzählweise selbstverständlich ungemein witzig, obwohl ehrlicherweise gesagt werden muss, dass zu dem Thema nichts weltbewegend Neues gesagt wird.

Die Männer gehen im Buch unter. Sie haben gar keine Chance sich gegen diese dominierende Mutter-Tochter-Konstellation zu behaupten. Die Kapitel über das Zusammenleben einer alleinerziehenden Mutter mit ihrer pubertären Tochter fallen dagegen sehr authentisch aus. In ihnen ergibt die ironisch-pointierte Erzählweise ein wirklich stimmiges Bild, weshalb es viel Spaß macht über die beiden zu lesen. Damit schrammt die Autorin nur leider am Titel vorbei und daher rührt vermutlich auch eine gewisse Unzufriedenheit während der Lektüre. Der Leser hat etwas anderes erwartet.

 

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Sonja Kaiblinger: „Auf den ersten Blick verzaubert“

 

Sonja Kaiblinger
Dressler Verlag
empfohlenes Alter: ab 12 Jahren
17,00€

 

 

 

Ein kurzer Blick in den Spiegel und Ophelias Welt steht Kopf. Ihr wächst ein Bart! Offensichtlich hat sie die Verwandlungsgabe (oder wohl eher den Fluch!) ihrer Familie geerbt. Dabei hat Ophelia wirklich schon genug Ärger mit dem Chaos, das ihre drei Tanten und ihre Zwillingsschwester Lora damit anrichten. Nun soll sie auch noch beweisen, dass sie ihre Verwandlungen kontrollieren kann. Anstatt also ihren Schwarm Adrian endlich zu ihrer Geburtstagsparty einzuladen, muss Ophelia lernen, die Gestalt des beliebten, aber leider todlangweiligen Cliff anzunehmen. Und höllisch aufpassen, sich bei all dem nicht zu verlie…ren. (Klappentext)

Hat auch mich auf den ersten Blick verzaubert.

Sonja Kaiblingers ‚Verliebt in Serie‘ habe ich verschlungen, somit war ich natürlich auch erpicht auf den Auftakt ihrer neuen Trilogie. Angefixt vom Cover, das dem Stil von’Verliebt in Serie‘ treu geblieben ist, bin ich wie eine Wespe um das Buch gekreist.

Zugegeben, der Einstieg in die Geschichte verläuft ziemlich holterdiepolter. Zeit für einführendes Geplänkel wird jedenfalls nicht verschwendet, sondern zielstrebig auf die eigentliche Thematik zugerast. Zügig hintereinander werden die Figuren eingeführt, Konflikte angedeutet und aufgebaut. Dadurch entsteht am Anfang natürlich eine gewisse Hektik. Viele Anspielungen und Verbindungen habe ich erst beim zweiten Lesen mitbekommen, weil die Informationsfülle einen zu Beginn schlicht überflutet. Aber sobald die Handlung dann einmal ihren Flow gefunden hat und den Figuren mehr Raum gelassen wird, liest sich das Buch wie von selbst. Einmal, zweimal, gerne noch einmal…

Die Figuren sind sehr gewissenhaft erdachte Charaktere, über die es Spaß macht zu lesen. Von denen man auch immer mehr lesen möchte. Seien es nun die grundverschiedenen Zwillingsschwestern Ophelia und Lora oder scheinbare Randfiguren. Am Ende des Buches standen mir die Haare zu Berge, weil einen die Handlung so gepackt hat. Weil man wissen muss, wie es weitergeht. Weil man verzweifelt die letzten Seiten nach einem Ausblick auf den nächsten Band durchforstet.

Die Charaktere und das Thema bringen viel Potenzial für die Folgebände mit und ich hoffe, dass dieses Potenzial ausgeschöpft wird. Gerne können die Bücher immer dicker werden. Stört mich nicht, viel zu lesen. Finde ich sogar richtig spitze bei einer Geschichte, die so spannend ist mit einem Hauch Magie und geheimnisvollen Machenschaften in den schottischen Highlands.

In einigen Grundzügen erinnert „Auf den ersten Blick verzaubert“ an die Edelsteinreihe von Kerstin Gier, weshalb die Fans dieser Serie glücklich sein dürften, etwas Vergleichbares gefunden zu haben.

Und nicht zuletzt einen ganz lieben Dank an die Verlagsgruppe Oetinger für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

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Emma Sternberg: „Azurblau für zwei“

 

Emma Sternberg
Heyne Verlag
9,99€

 

 

 

„Ein Sommer auf Capri. Persönliche Assistentin für Recherche- und Schreibarbeiten gesucht“ Isa ist an einem Tiefpunkt angekommen, als sie diese Anzeige liest. Also packt sie ihre Koffer, fliegt nach Italien und trifft die glamouröse Schriftstellerin Mitzi, die mit 75 Jahren ihre Memoiren aufschreiben will. Im Schatten der Zitronenbäume findet Isa langsam ihre Leichtigkeit wieder – und vielleicht ein neues Glück. Mitzi dagegen wird immer aufgewühlter. Denn in ihrer Erinnerung wird ein Sommer vor sechzig Jahren lebendig. Und eine große Liebe, die immer unerfüllt blieb. (Klappentext)

Sehnsuchtsort Capri, zwei ungleiche Frauen und die Launen des Lebens.

Isas Leben hat gerade den ultimativen Tiefpunkt erreicht. Ihre Freundinnen haben wegen der Kinder keine Zeit, sie hat keinen Job mehr und dann will ihr Ex auch noch in die unmittelbare Nachbarschaft ziehen, zusammen mit seiner hochschwangeren Neuen. Das ist zu viel für Isa. Aber was für ein Glücksfall, dass ihr just in dieser Situation eine Stellenanzeige den Fluchtweg weist. Einen Sommer lang auf Capri, um der Schriftstellerin Mitzi  Hauptmann beim Verfassen ihrer Memoiren zu helfen.

Die alte Dame ist ein starker und schwieriger Charakter. Aufgrund ihrer Lebenserfahrung – immerhin musste die Autorin ein 75 Jahre andauerndes Künstlerleben entwerfen – lässt sie die eigentliche Hauptfigur Isa blass aussehen. Die rückblickend erzählte tragische Liebesgeschichte, die Mitzis gesamtes Leben beeinflusste, liest sich um Längen spannender als die sich um Isa entspinnende Liebelei mit einem Capresen. Wunderbar gelungen sind die Schilderungen der Insel Capri, des azurblauen Meeres, der Klippen und kleinen Städtchen, des Dufts von Zitronenbäumen und der Menschen. Dadurch wird der Roman zu einer leichten Sommerlektüre für den Urlaub, aber auch für zu Hause, denn es lässt sich damit prima in die Ferne träumen.

Was dem Roman fehlt, ist meiner persönlichen Empfindung nach, eine gewisse Leichtigkeit, etwas mehr Witz und Charme. Die Geschichte um Mitzi fesselt, sie vermittelt starke Emotionen wie Liebe, aber auch Enttäuschung, das Auf und Ab eines langen Lebens, aber ohne zu sehr ins kitschige zu verfallen. Die Passagen rund um Isa dagegen lesen sich zäh. Ihre Geschichte endet ziemlich abrupt und lässt zu viele Fragen offen. Dort hätte ich mir wenigstens einen kleinen Ausblick gewünscht. Trotzdem ist das Buch eine nette, nicht zu anspruchsvolle Unterhaltung, das schönes italienisches Urlaubsflair vermittelt.

Vielen lieben Dank an das Blogger-Portal für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

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