Kategorie: Rezensionen

Felix Bork: „Oh, eine Pflanze“

Felix Bork
Eichborn Verlag
30,00€

Hallo lieber Pflanzenfreund.

Pflanzen sind die Grundlage unseres Lebens. Sie machen Sauerstoff und uns glücklich. In diesem Buch findest du Arten, die du in unserer heimischen Natur entdecken kannst. Wie sie aussehen, wo sie leben und wie sie Sex machen. Und dann geh raus und schau sie dir genau an, denn Pflanzen sind beeindruckend und wunderschön! (Klappentext)

Botanisches Fachwissen humorvoll verpackt

Was hätte ich dafür gegeben, wenn es  dieses Buch schon zu meinen Schulzeiten gegeben hätte! Bestimmt wäre im Biologieunterricht vieles leichter gewesen, verständlicher und definitiv hätte das Lernen mit so einem Buch mehr Spaß gemacht. Denn Felix Bork gelingt es, Wissen auf seine spezielle, humoristische Art zu vermitteln.

In „Oh, eine Pflanze“ widmet er sich ganz der Botanik, stellt Pflanzen, Bäume, Blumen, Gräser und Sträucher unserer heimischen Flora vor. Zu jedem Kapitel gibt es einen knappen einleitenden Text mit viel fachlichem Inhalt. Typisch Felix Bork befinden sich erläuternde Kritzeleien  an den Rändern oder werden Fachausdrücke durch ein verständlicheres Vokabular ersetzt, damit auch der letzte Laie versteht, worum es geht. Es folgen seitenweise Bebilderungen zum jeweiligen Kapitel, die eine Mischung aus kindlich naiver Kunst und wissenschaftlicher Pflanzenkunde, gewürzt mit gelegentlichen Comic-Streifen darstellen. Viele Illustrationen erinnern mich sehr an mein eigenes Bio-Heft, beispielsweise die Querschnitte einer Sprossachse oder eine Auflistung der verschiedenen Blattformen.  Ich konnte mein Wissen wieder auffrischen und in Erinnerungen an diverse Schulstunden schwelgen. Durch die witzigen Einschübe macht die Lektüre dieses Buches viel Spaß.

Es wird viel Richtiges gesagt und teilweise auch tiefgründiges Wissen aus der Botanik vermittelt. Die Illustrationen der Pflanzen könnten tatsächlich aus einem Lehrbuch stammen. Ich warte gespannt auf den Moment, an dem ich mit dem Wissen glänzen kann, dass Erdbeeren und Himbeeren im botanischen Sinne gar keine Beeren sind, Bananen und Melonen dagegen schon.

Zwischendrin wird die Thematik immer wieder mit „Spaßbildern“ aufgelockert. Einige Comics sind des Guten zu viel. Bei manchen ist mir nicht einmal klar, was sie darstellen sollen. Doch die vielen Pflanzendarstellungen haben mich restlos von diesem Buch überzeugt. „Oh, eine Pflanze“ ist ein riesiges Kunstwerk, ein kunterbuntes Puzzelbild der Botanik, das sowohl humorvoll als auch pädagogisch wirkt.

Ich danke dem Verlag ganz besonders für dieses Rezensionsexemplar!

„Oh, ein Tier!“ erschien bereits 2017. Wer also sein Wissen über die heimische Fauna erweitern, auffrischen oder überhaupt erst einmal eines aufbauen möchte, ist mit diesem Werk gut beraten.


Von Felix Bork illustriert, ist auch dieses Kochbuch, über das du hier mehr lesen kannst!

Anne Scheller: „Fjelle und Emil – Monstermäßig beste Freunde: Band 1“

Anne Scheller
Baumhaus Verlag
empfohlenes Alter: ab 8 Jahre
10,00€

Fjelle und Emil sind die besten Freunde von ganz Flusenbek. Eigentlich ist bei ihnen alles stinknormal, bis auf eine Kleinigkeit: Fjelle ist ein riesiges, bärenstarkes Monster mit einer Vorliebe für Petersilie, Zimtbrötchen und GROSSE Gefühle. Ist jemand ängstlich, ist Fjelle SUPERängstlich. Ist jemand fröhlich, ist Fjelle SUPERfröhlich. Die Flusenbeker sind daran gewöhnt, schließlich hat ja jeder so seine Macken.

Doch dann kommt ein neuer Direktor an Fjelles und Emils Grundschule. Und das stellt die Freundschaft der beiden auf eine harte Probe. (Klappentext)

Monströser Lesespaß

Emils bester Freund ist ein Monster. Ein richtig echtes. Mit Hauzähnen und Hörnern auf dem Kopf. Und einem moosgrünen Pelz. Die beiden verstehen sich prächtig, sie gehen zusammen zur Schule, spielen, lachen und haben jede Menge Spaß. In dem kleinen Örtchen Flusenbek kennt jeder Fjelle und niemand findet es merkwürdig, dass ein Monster unter ihnen lebt. Fjelle neigt zwar zu monstermäßigen Gefühlsausbrüchen, aber auch mit denen können Emil und seine Klassenkameraden umgehen und Fjelle meist schnell beruhigen. Doch eines Tages bekommt die Grundschule einen neuen Direktor, und der macht ordentlich Stunk. Er grenzt das Monster aus, provoziert Fjelle, bis er die Kontrolle über seine Gefühle verliert und beginnt in Flusenbek eine regelrechte Hetzjagd. Das Monster soll weg! Emils Freundschaft wird auf eine harte Probe gestellt.

Die Geschichte ist zwar sehr niedlich mit Fjelle und Emil umgesetzt, aber an sich nichts Neues. Der Verlauf der Handlung ist vorhersehbar und verzichtet weitestgehend auf einen Spannungsbogen. In Kinderbüchern muss das Rad natürlich nicht neu erfunden werden. Eine klare Erzähllinie und Stereotypen sind meist praktischer, um Kindern Themen wie Ausgrenzung, Mobbing oder Toleranz näherzubringen, so wie es hier der Fall ist. Die Themen sind ja hochaktuell. Jeder kann für sich selbst entscheiden, wofür „das Monster“ sinnbildlich steht. Für Andersartigkeit? Durch Herkunft, Religion, Aussehen? Die Moral in der Geschichte ist eindeutig.

Was mich und meinen Sohn anfangs jedoch verwirrt hat, ist die fehlende Vorgeschichte zu Fjelle. Man bekommt am Anfang lediglich die Fakten mitgeteilt, dass Fjelle ein Monster ist und Emil ein normaler Junge und beide gemeinsam zur Schule gehen. Auch wenn es ein Kinderbuch ist… nein, gerade weil es ein Kinderbuch ist, sollte mehr erklärt werden. Mein Sohn fragt natürlich sofort: Wo kommt das Monster her? Wo sind die Eltern? Wieso lebt das Monster bei den Menschen? Die Erklärungen dazu sind im Buch mehr als dürftig. Das Hauptaugenmerk liegt auf der Moral, die vermittelt werden soll.

Vielen lieben Dank an den Verlag, dass wir ein Rezensionsexemplar lesen durften!

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Beth Reekles: „The Kissing Booth“

Beth Reekles
cbt Verlag
empfohlenes Alter: ab 13 Jahre
9,99€

Ihrem besten Freund kann sie alles erzählen – mit einer Ausnahme…

Als die hübsche und beliebte Elle beschließt, für den Schulfasching eine „Kissing Booth“ einzurichten, denkt sie nicht im Traum daran, selbst einmal darin zu sitzen – und noch viel weniger, dass sie bald ihren ersten Kuss von Bad Boy Noah bekommt, dem großen Bruder ihres besten Freundes. Von da an steht ihr Leben Kopf. Denn Noah ist tabu, so hat sie es mit Lee vereinbart. Nicht so leicht durchzuhalten bei dem Jungen, auf den die ganze Schule steht. Aber kann das ein Happy End geben? (Klappentext)

Supersüße Teenie-Liebeskomödie

Ich gestehe, dass ich zu denen gehöre, die den Film zuerst und auch nicht nur ein- oder zweimal gesehen haben. Endlich einmal eine Teenie-Komödie, in der der Typ wirklich unfassbar heiß ist und das Mädchen nicht die Außenseiterin mit dem goldenen Herzen. Die Dialoge sind flott und frech, die Handlung ist voller Herzschmerz und Peinlichkeiten. Irgendwie war im Film alles stimmig. Dagegen hat mich das Buch ein bisschen enttäuscht.

Natürlich weicht die Buchfassung vom Film ab. Diesen veränderten Handlungsablauf fand ich aber keineswegs störend. Es ist toll, die bekannten Charaktere in neuen Situationen zu erleben. Wenn man den Film kennt, hat man natürlich eine genaue Vorstellung von den Figuren. Ich finde bloß, dass die Figuren im Buch sehr vom Film abweichen. Elle beispielsweise kommt weniger taff, dafür ziemlich naiv rüber. Noahs fürsorglich bevormundende Art ist reichlich übertrieben, fast schon abstoßend und lächerlich. Im Film ist Noah alles andere als abstoßend und immer der locker-lässige Bad Boy, der alles voll im Griff hat. Und leider hatte ich auch meine Probleme mit dem Schreibstil, der es mir schwer gemacht hat, mich richtig in die Geschichte hineinfallen zu lassen, so wie es der Film geschafft hat.

Insgesamt punktet „The Kissing Booth“ mit einer sehr süßen Geschichte, die zwar mit sämtlichen Klischees gespickt ist, die man sich nur vorstellen kann, aber am Ende kommt eine der besten Teenie-Liebeskomödien heraus, die es in den letzten Jahren gegeben hat. Elle und Noah sind ein süßes Liebespaar. Ihre Geschichte hat zwar nicht besonders viel Tiefgang, aber sie unterhält gut.

Ich danke dem Verlag wirklich herzlich für das Rezensionsexemplar!

Und schaut einmal, was ich entdeckt habe. „The Kissing Booth 2“ soll im Frühling 2020 erscheinen. Leider bisher nur in der englischen Version.

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Eva Muszynski: „Trudel Gedudel purzelt vom Zaun“

Eva Muszynski (Autorin)
Karsten Teich (Illustrator)
cbj Verlag
empfohlenes Alter: ab 5 Jahre
12,00€

Trudel Gedudel ist ein Huhn. Sie lebt auf einem Bauernhof und gluckt bei Tee und Gebäck mit anderem Federvieh zusammen. Eines Tages, nach einem Streit mit den Zwillings-Puten Ete und Petete, findet sich Trudel auf dem Zaun wieder. Dort gehören brave Hühner nicht hin, denn der Zaun ist die Grenze zum Wald, ja zur Wildnis überhaupt! Das bringt Trudel so aus dem Gleichgewicht, dass sie stürzt – und zwar auf die andere Seite. Jetzt muss sie sich in der großen, weiten Welt alleine zurechtfinden und dort gibt es nicht nur Freunde: Gräten-Käthe und Herr Klautermann wollen sie loswerden. Doch ein Huhn wie Trudel sollte man nicht unterschätzen … (Klappentext)

Ein Huhn will Meer

Gerade für die Osterzeit ist die Geschichte der unternehmungslustigen Henne eine schöne Idee. Trudel Gedudel ist nämlich kein Durchschnittshuhn. Sie hält sich zwar an Pickordnung und Rangfolge auf ihrem Hühnerhof, aber sie ist auch neugierig und als sich ihr die Gelegenheit bietet, zu sehen, welche Welt jenseits des Zauns wartet, nutzt sie sie. Doch Trudels Unerfahrenheit bringt sie ziemlich schnell in große Not. Sie hält die Buhne für einen Zaun und läuft nichtsahnend der Flut entgegen. Dabei können Hühner überhaupt nicht schwimmen und so ist Trudel auf die Hilfe ihrer Freunde angewiesen.

Die Geschichte ist amüsant und gespickt mit allerlei Wortwitzen und Wortspielereien. Die farbigen Illustrationen konzentrieren sich auf das Wesentliche, daher sind die Seiten nicht überladen und mit den kurzen Textpassagen auch schon zum Vorlesen für jüngere Kinder geeignet. Mein 3-Jähriger möchte das Buch jeden Abend vorgelesen bekommen und folgt der Geschichte bis zum Ende. Gerade die Wortspielereien sind ein tolles Aussprachetraining.

Mir persönlich war Trudel Gedudel stellenweise ein zu treudoofes, naives Huhn und ich frage mich immer noch, wer eigentlich Tante Elli war, deren Lebensweisheiten Trudel doch dermaßen stark beeinflussen. Vielleicht gibt es ja eine Fortsetzung? Schließlich kehrt Trudel Gedudel am Ende auch nicht zurück zum Hühnerhof.

Ich bedanke mich ganz herzlich beim Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplars!

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Graham Moore: „Der Mann, der Sherlock Holmes tötete“

Graham Moore
Eichborn Verlag
empfohlenes Alter: ab 16 Jahre
22,00€

EIN BRUTALER KILLER

Sherlock Holmes‘ berühmter Schöpfer, Sir Arthur Conan Doyle, hat eine neue Obsession: Er jagt einen Serienmörder, der es auf junge Frauen abgesehen hat. Er durchstreift die dunklen Straßen des viktorianischen London – auf der Jagd nach einem Täter, der ihm immer und immer wieder entwischt.

EIN VERSCHOLLENES TAGEBUCH

Conan Doyle hält seine Ermittlungsergebnisse, seine Indizien und Überlegungen in einem Tagebuch fest – ein Tagebuch, das verschwindet und selbst hundert Jahre später noch verschollen ist.

EIN TÖDLICHES GEHEIMNIS

Im London der Gegenwart wird der junge Sherlock-Holmes-Fan Harold in einen Mordfall verwickelt, bei dem es vor Hinweisen auf die Geschichten des berühmten Meisterdetektivs nur so wimmelt. Auch Conan Doyles verschollenes Tagebuch spielt dabei eine wichtige Rolle… (Klappentext)

Elementar…

1893 beschließt Arthur Conan Doyle sich vom Schatten seiner berühmtesten Schöpfung zu befreien und stürzt Sherlock Holmes im Reichenbachfall in den Tod. Die Empörung über den Tod des Meisterdetektives ist enorm. Selbst Jahre später wird Conan Doyle mit Hassschriften und Anfeindungen konfrontiert. Sogar eine Briefbombe wird ihm zugestellt und detoniert an seinem Schreibtisch. Mit enthalten ist ein Zeitungsausschnitt über den Mord an einer jungen Frau im East End, der jedoch von Scotland Yard wenig Beachtung fand. Conan Doyles Aufmerksamkeit ist geweckt und gemeinsam mit seinem Freund Bram Stoker – ja, derselbe, der „Dracula“ geschrieben hat – nimmt er die Ermittlungen auf.

Im Jahre 2010 tritt Harold den Baker Street Irregulars bei, einer Vereinigung von Sherlock Holmes Experten und Gelehrten. Sein versiertestes Mitglied, Alex Cale, behauptet, das verschollene Tagebuch von Sir Arthur Conan Doyle gefunden zu haben. Conan Doyle hat zeitlebens akribisch Tagebuch geführt und aus seinem Nachlass fehlte nur ein einziger Band, der den Zeitraum zwischen Oktober und Dezember 1900 umfasst. Also genau den Zeitraum, in dem Conan Doyle und Stoker auf eigene Faust nach einem Serienkiller suchten.

Die beiden Erzählstränge werden abwechselnd weitergesponnen, sodass durch das gesamte Buch hinweg ein hoher Spannungsbogen aufrecht gehalten wird. Arthur Conan Doyle und sein viktorianisches London werden dermaßen authentisch beschrieben, dass man am Ende das Gefühl hat, wirklich dabei gewesen zu sein. Bisher kannte ich Arthur Conan Doyle nur als Schöpfer von Sherlock Holmes. Der Meisterdetektiv nimmt die Aufmerksamkeit des Lesers so in Anspruch, dass der Mann, der ihn erdachte, traurigerweise ein bisschen zu viel Missachtung erfährt. Umso gefesselter war ich von dem Menschen Arthur Conan Doyle, den Graham Moore – wie ich finde – meisterhaft eingefangen hat. Auch die vielen Zeitgenossen werden unglaublich authentisch dargestellt.

In diesem Erzählstrang steckt wahnsinnig viel Recherchearbeit. Das merkt man. Viele bekannte Persönlichkeiten, die Nähe zu Sherlock Holmes‘ Schöpfer, das düstere London, in dem ein Serienmörder junge Frauen ermordet. Dagegen nimmt sich der Erzählstrang in der Gegenwart deutlich schwächer aus. Mir kam Harold wie eine schwabbelige weiße Masse vor. Wenn er dann noch besser deduziert als Sherlock Holmes es vermocht hätte, kommt das etwas unglaubwürdig rüber. Die Kriminalgeschichte um das Tagebuch ist komplex und leidlich spannend, aber insgesamt habe ich mich mehr auf die Kapitel mit Arthur Conan Doyle gefreut.

Für Sherlockianer – ob Fan der Bücher oder der Serie ist egal – ist dieser Roman auf jeden Fall gutes Lesefutter!

Vielen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar!

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Max & Jakob: „Kann ich nicht sagen, muss ich nackt sehen“

Max & Jakob
Penguin Verlag
10,00€

Max und Jakob begeistern zigtausend Fans. Und zwar indem sie miteinander darüber reden, was sie bewegt, glücklich macht oder runterzieht. Große Überraschung: Das hat vor allem mit Frauen, Sex und Beziehungen zu tun. Dabei sind sie so schonungslos ehrlich und selbstironisch, dass man nicht aufhören kann, ihnen zuzuhören. Weil sie einen zum Lachen und zum Nachdenken bringen. Und weil es in einer Welt voll Selbstoptimierungs-Ratgebern und perfekter Instagram Accounts einfach wunderbar beruhigend ist, dass wir letztlich doch alle dieselben Hoffnungen, Ängste und Probleme haben. (Klappentext)

Geschwafel mit Tiefgang

Max und Jakob, deren wahre Identitäten und Gesichter absolut geheim sind, haben einen Podcast, in dem sie über Liebe, Sex und Partnerschaft plaudern, als säßen sie nur zu zweit auf dem heimischen Sofa. Mit „Beste Freundinnen“ haben die beiden bereits ein Buch zu ihrem Podcast herausgebracht, in dem Fans die Gespräche der beiden noch einmal nachlesen können. Wem das zu öde ist, der sollte lieber weiterhin den Podcast hören. Wer aber einfach nicht genug kriegen kann und sämtliche Feinheiten der Gespräche schwarz auf weiß nachlesen möchte, sollte unbedingt auf „Kann ich nicht sagen, muss ich nackt sehen“ zurückgreifen. Die Themen sind wirklich vielfältig, sodass sich vermutlich jeder an der einen oder anderen Stelle angesprochen fühlt. Für Frauen birgt dieses Buch einen ungeahnten Wissensschatz. Ein bisschen wie eine kleine Bibel über Männer. Von einem erhellenden A-ha! bis zu einem Stirnrunzeln über die Simplizität männlicher Gedanken und Verhaltensmuster ruft dieses Buch doch einige Gefühle hervor. Parallelen zu Dr. Sommer lassen sich durch das Frage-Antwort-Schema natürlich nicht von der Hand weisen. Ist halt so. Max und Jakob wirken durch ihre authentischen Inhalte, die einen gewissen Identifikationswert haben. Sie mixen tiefgründige Themen mit provokanten Aussagen, die teils auch unter die Gürtellinie zielen. „Kann ich nicht sagen, muss ich nackt sehen“ ist für alle Fans des Podcasts sicherlich eine schöne Erweiterung. Alle anderen sollten aber kein Feuerwerk an zotigen Anekdoten erwarten. Hier wird nicht darauf gezielt, möglichst viele Witze über Männer und Frauen unterzubringen. Im Vordergrund stehen Authentizität und das Gefühl, das Leben nicht zu ernst zu nehmen.

Max & Jakob
„Beste Freundinnen“
Bastei Lübbe
10,00€
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Ute Krause: „Die Muskeltiere – Einer für alle, alle für einen“

Ute Krause
cbj Verlag
empfohlenes Alter: ab 8 Jahre
16,00€

Die Muskeltiere zum Hören und Vorlesen

Klink, klink, klonk! Während der Hamster Bertram von Backenbart gelangweilt in seinem goldenen Käfig auf der Terrasse einer noblen Hamburger Penthousewohnung sitzt, fallen zwei Mäuse und eine weiße Ratte von der Dachrinne in sein Zuhause. Die drei stellen sich als Picandou C. Saint Albray, Pomme de Terre und Gruyère vor. Diese Namen erinnern Bertram an die heißgeliebten Geschichten über die „Muskeltiere“, die er von den Hörspiel-CDs seines Besitzers kennt. Und als Bertram erfährt, dass Gruyère ihr Gedächtnis verloren hat, ist er wild entschlossen, seinen neuen Freunden zu helfen und aufregende Muskeltier-Abenteuer zu erleben…(Klappentext)

Wie alles begann….

Diese Sonderausgabe vereint den ersten Band der Muskeltiere „Einer für alle, alle für einen“ und das  Hörbuch „Picandou und der kleine Schreihals“. Für alle Muskeltier-Unerfahrenen dürfte diese Ausgabe eine überlegenswerte Anschaffung für den Einstieg in die Reihe sein. Ich kenne bereits andere Bücher von Ute Krause und auch die Abenteuer der Muskeltiere. Hier lassen sich super zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.

In „Einer für alle, alle für einen“ lernen wir den Feinkostladen Fröhlich kennen und den Mäuserich Picandou, der im Keller des Geschäftes ein angenehmes Leben fristet. Nach und nach fügt sich das Quartett zusammen und die vier Nager erleben ihr erstes gemeinsames Abenteuer, das sie zusammenschweißt. Auf gut 200 Seiten befinden sich zahlreiche Illustrationen, die die Handlung begleiten. Der Verlauf der Geschichte ist spannend, alles baut schön aufeinander auf. Vom Umfang her ist das Buch für Erstleser vermutlich noch eine zu große Herausforderung, daher sollten lieber die Erwachsenen vorlesen. „Einer für alle, alle für einen“ ist nach meinem Empfinden der beste Teil der Reihe. Die Ideen, der Schreibstil, die Illustrationen – das alles vereint sich zu einem unschlagbaren Kinderbuch.

„Picandou und der kleine Schreihals“ ist dagegen eine kürzere Geschichte (die Printausgabe ist für Erstleser gedacht). Hier wird Picandou zum Babysitter für ein Rattenkind. Und so süß die Charaktere wieder einmal sind, irgendwie fehlt der Handlung etwas. Diese Geschichte scheint mehr eine routinierte Arbeit gewesen zu sein, die mal fix aus dem Handgelenk geschüttelt wurde.

Gelesen wird das Hörbuch von Andreas Fröhlich. Er ist einer der bekanntesten deutschen Synchronsprecher, der eine schier endlose Zahl an Hörspielen und Hörbüchern interpretiert hat. Am bekanntesten dürfte er wohl als Stimme von Gollum aus „Der Herr der Ringe“ sein. Aber auch als Stimme von Edward Norton, John Cusack und Ethan Hawke ist er sicher vielen ein Begriff. Diesmal erweckt er „Die Muskeltiere“ zum Leben. Ihm gelingt es wirklich einmalig, die Charaktere in den Köpfen der Zuhörer entstehen zu lassen. Er trifft die Dialekte und fängt das Wesen der Figuren ein. Sich von Andreas Fröhlich durch die Geschichte führen zu lassen, ist das reinste Hörvergnügen!

Zum Schluss sei noch darauf hingewiesen, dass „Die Muskeltiere“ sehr viel Hamburger Lokalkolorit beinhalten. Entsprechende Erklärungen zu einigen Wörtern befinden sich am Ende des Buches. Ute Krauses Bücher sind auf jeden Fall sehr liebevoll und hochwertig gestaltete Kinderbücher zum Thema Freundschaft  – und nicht nur was für Fans von „Ratatouille“!

Hier könnt ihr noch meine Rezension zu „Hamster Bertram lebt gefährlich“ lesen!
Oder falls ihr euch für ein anderes Werk von Ute Krause interssiert: „Theo und das Geheimnis des schwarzen Raben“
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Katja Ludwig: „Das Mauerschweinchen: Ein Wendebuch“

Katja Ludwig
cbj Verlag
empfohlenes Alter: ab 9 Jahre
13,00€

Es waren einmal ein Meerschweinchen und eine Mauer, die die Straße versperrte…

Die wahre Geschichte eines republikflüchtigen Meerschweinchens

Berlin in den 1980er Jahren. Die Mauer teilt Deutschland in Westdeutschland, also in die BRD (Bundesrepublik Deutschland) und Ostdeutschland, die DDR (Deutsche Demokratische Republik). Nirgendwo ist die Teilung deutlicher zu spüren als in Berlin, denn die Mauer zieht sich mitten durch die Stadt und mitten durch die Wolliner Straße.

Auf der Ostseite lebt Aron die meiste Zeit bei seiner Oma. Seine Eltern sind regimetreue Genossen, die viele Monate in Moskau zu Lehrgängen sind. Aron konstruiert am liebsten diverse Flugobjekte. Und mit einem solchen schickt er Bommel, das Meerschweinchen einer Familie, die über Nacht nach Westdeutschland verschwunden ist, über die Mauer, um es vor der hungrigen Fleischersfamilie zu beschützen.

Auf der westlichen Seite der Mauer lebt Nora, die sich nichts sehnlicher als ein Meerschweinchen wünscht. Da sie von ihren Eltern keines bekommt, aber von ihren Freunden nicht ausgeschlossen werden möchte, verstrickt sie sich in Lügengeschichten. Doch eines Tages schwebt ein Meerschweinchen geradewegs über die Mauer und bleibt im Baum über ihrem Kopf hängen.

Für junge Leser ab 9 Jahren ist „Das Mauerschweinchen“ eine einfache Lektüre, um einen Einstieg in die noch nicht zu ferne Vergangenheit Deutschlands zu finden. Anhand von zwei Familien werden die unterschiedlichen Lebensverhältnisse schon ziemlich deutlich. Gerade in Arons Geschichte, die weitaus spannender ist als Noras, wird auf viel Wichtiges und Richtiges aus der DDR angespielt. Themen wie Bespitzelung, Überwachung und Unterdrückung werden angeschnitten, bleiben dabei aber auf einem guten Kinderbuchniveau. Arons Geschichte vermittelt einen guten ersten Eindruck, wie das Leben in der DDR war.

Nachdem man das Buch um 180° gedreht hat, kann man Noras Geschichte von der anderen Seite der Mauer aus lesen. Ein echt toller Effekt, der da die Teilung durch die Mauer symbolisiert! Großartig! Noras Geschichte wiederum dreht sich hauptsächlich um den unerfüllten Meerschweinchenwunsch und ihr Verlangen um Anerkennung im Freundeskreis. Hm. Sie schneidet im direkten Vergleich zu Arons Geschichte eher lahm ab. Aber insgesamt ist „Das Mauerschweinchen“ wohl eines der anspruchsvolleren Kinderbücher und kann jedem daher nur ans Herz gelegt werden!

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Tereza Vostradovská: „Komm mit raus, Entdeckermaus! Ein Bilderbuch über die Wunder der Natur“

Tereza Vostradovská
cbj Verlag
empfohlenes Alter: ab 4 Jahre
15,00€

Die kleine Maus sitzt am liebsten in ihrer gemütlichen Höhle, trinkt Tee und liest Bücher, in denen etwas spannendes erklärt wird. Als eines Tages Wurzeln in ihren Bau hineinwachsenm will sie wissen, woher die kommen, und sie beginnt, die Natur rund um ihren Mausbau zu erkunden. Dabei lernt sie die Tiere und Pflanzen im Wald, am Teich und im Garten kennen, macht Experimente und schreibt darüber selbst ein Buch – dieses hier! (Klappentext)

Sachbilderbuch für kleine Naturforscher

Es ist wohl eine häufig gemachte Beobachtung, dass Kinder heutzutage zwar schon früh wissen, wie ein Computer funktioniert, doch keine Ahnung haben, wie der schwarze Vogel heißt, der im Baum vorm Haus zwitschert. Zusammen mit der neugierigen Maus gehen Kinder mit offenen Augen hinaus in die Natur und entdecken und erforschen deren Wunder.

Die Maus lädt ein zu Streifzügen durch Wald und Garten, erkundet die Umgebung rund um den Mäusebau und taucht sogar in den Teich hinab, um die Lebewesen und sogar die miteinander in Wechselwirkung stehenden Prozesse in der Natur auf einem kindgerechten Niveau vorzustellen.

Die Kinder werden animiert, sich aktiv mit ihrer Umwelt auseinanderzusetzen. Denn die im Buch vorgestellte Artenvielfalt findet sich gleich vor der eigenen Haustür. Es sind für unsere Region typische Tier- und Pflanzenarten, die in diesem Buch wunderbar realitätsnah bebildert werden. Die Maus regt auch immer wieder zu kleinen, leichten Experimenten an. Das Sammeln von Samen und Baumfrüchten beispielsweise macht Kindern viel Spaß. Aber auch die Entnahme einer Wasserprobe aus dem nächsten Teich ist einfach umzusetzen und hilft jungen Entdeckern ein Verständnis für ihre Umwelt zu entwickeln.

Die Entdeckermaus ist als Sachbilderbuch für Kinder im Vorschulalter bestens geeignet. Es vermittelt eine umfangreiche Allgemeinbildung über die heimische Tier- und Pflanzenwelt. Aber auch an das erste Grundlagenwissen für den späteren Biologieunterricht wird herangeführt. Alles natürlich in spielerischer Weise mit bunten Illustrationen und knappen Texten. Die Informationsfülle ist nicht überbordend, obwohl wirklich viele Themenbereiche angeschnitten werden. Dieses Buch regt dazu an, neugierig und aufgeschlossen zu sein, und ist daher ausnahmslos weiterzuempfehlen.


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Anna Basener: „Schund und Sühne“

Anna Basener
Eichborn Verlag
18,00€

Die Komödie mit Krönchen

Ein schwuler Prinz, der für Nachkommen sorgen muss, eine depressive Fürstin, die nicht an Depressionen glaubt, ein Rosenkavalier, der die Welt retten will, eine Prinzessin mit gebrochenem Herzen und Jagdgewehr. Und mittendrin eine junge Groschenromanautorin, die eigentlich aufhören will mit Schund und Kitsch, aber ausgerechnet dafür das Literaturstipendium auf Schloss Rosenbrunn bekommt. Für vier von ihnen brechen herrliche Zeiten an. Der fünfte wird diesen Herbst nicht überleben. (Klappentext)

Ein höfisches Lustspiel

Ein Märchenschloss und eine bedeutende Adelsfamilie, bei der es alles andere als märchenhaft zugeht.

Einblicke hinter die Fassade der höfischen Etikette, glamouröser Feierlichkeiten, Wohltätigkeiten und sogar unter die schicke Kopfbedeckung so mancher Adeligen, das ist es, was Anna Basener uns in ihrem Werk beschert. Hinter dem gepflegten und polierten Image der Familie Schell von Ohlen verbergen sich tiefe Abgründe. Die Prinzessin hat ihren Prinzen nicht bekommen. Ihr Bruder soll die Blutlinie fortführen, indem er seiner wichtigsten Aufgabe nachkommt und viele Nachkommen zeugt. Dem steht jedoch seine Homosexualität im Weg, von der die Familie nichts wissen darf. Die Fürstin selbst leidet sehr unter ihren Depressionen.

In diese Familienkonstellation kommen noch zwei ‚Bürgerliche‘ hinein. Moritz, der eine Rosenart speziell für die Prinzessin gezüchtet hat. Er möchte sich am liebsten selbstständig machen und mit Nachhaltigkeit und Ökostrom die Zukunft und sich selbst retten. Und die Autorin Kat, die mit Groschenromanen ihr Geld verdient. Ihre Schreibtätigkeit ist bloßes Handwerk, nach strikten Regeln, ohne Nachhaltigkeit.

Dass es zwischen diesen Charakteren zu ordentlichen Irrungen und Wirrungen kommt, ist vorprogrammiert. Sowohl Handlung als auch Dialoge lassen einen dann und wann an das Reality-Fernsehen im RTL denken. Rasch aufeinander folgende Schlagabtausche, bei denen offenbar der erstbeste Gedanke sofort verbalisiert wurde. Besonders angenehm zu lesen, war der Text daher nicht, ist aber im Endeffekt Geschmackssache.

Die Figuren folgen dem Typus des Antihelden. Allerdings wirken sie durch ihre Schwächen derart unsympathisch, dass es einem schwerfällt, sich in die Handlung einzufühlen. Sie streben alle nach ihrem persönlichen Glück, aber trotzdem konnte ich keinen Zugang finden. Sehr gefallen hat mir die possenhafte Darstellung des deutschen Adels und das Aufräumen mit dem Klischee des Groschenromans. Es ist eben nicht alles glitzer, funkel, wunderbar. Vermutlich ist  Anna Basener auf diese Art eine ziemlich gute Abbildung der Realität gelungen. Wer weiß das schon so genau? „Schund und Sühne“ ist, denke ich, perfektes Material für ein Bühnenstück. Die flotten Dialoge und die skurrilen Figuren würden auf einer Bühne besser ihre Wirkung entfalten.

Vielen Dank an den Verlag und an Anna Basener für das signierte Buch!

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