Kategorie: Sachbücher

Kathrin Köller: „Das Buch der Zeit“

Kathrin Köller (Autor)
Irmela Schautz (Illustratorin)
Prestel Verlag
empfohlenes Alter: ab 9 Jahre
25,00€

Die Zeit – wer oder was ist das eigentlich?

Die Zeit ist so etwas wie eine unsichtbare Freundin. Sie ist zwar immer da, gesehen hat sie aber noch niemand. Angefasst auch nicht. Man kann Zeit nicht schmecken, riechen oder hören.

Aber was ist Zeit dann überhaupt? Kann man sie fühlen? Vergeht sie immer gleich schnell? Hat sie einen Anfang und ein Ende? Oder ist sie vielleicht eine Illusion?

Komm mit auf eine Zeitreise durch die Geschichte, Philosophie und Wissenschaft! Selbstverständlich in der weltbesten Zeitreisemaschine und mit allem an Bord, was man so braucht: Sonne, Mond und Sterne, jede Menge Uhren, Kalender, ein Schiffschronometer und viele Wecker, aber natürlich auch ein Phoenix und sogar noch ein paar andere Tiere und Pflanzen. (Klappentext)

Zeit zum Lesen

Dieses Sachbuch für Kinder ab neun Jahren widmet sich einer wirklich komplexen Thematik: der Zeit. Seit jeher hat sich der Mensch den Kopf zerbrochen, was es damit auf sich hat. Denn Zeit bestimmt unser aller Leben. Aber nicht nur das des Menschen, sondern auch Tiere und Pflanzen verfügen über ein Zeitempfinden. Was genau es also damit auf sich hat, erklärt „Das Buch der Zeit“ und beleuchtet sämtliche Facetten aus den Bereichen Mythologie, Wissenschaft, Geschichte und Philosophie.

Seid ihr von der Komplexität des Mysteriums Zeit jetzt ein wenig verschreckt? Keine Sorge, der Inhalt wurde auf die empfohlene Altersgruppe abgestimmt. Die Texte triefen nicht vor Fachausdrücken, die in eng beschriebenen Spalten Seite um Seite füllen. Ganz im Gegenteil. Sie sind locker und schwungvoll verfasst, in einem leicht verständlichen Ton, aber nichtsdestotrotz total informativ. Pro Seite gibt es nicht mehr als drei knappe Artikel, große Überschriften und immer wieder passende Illustrationen, die einen in Staunen versetzen. Die Aufmachung des Buches ist der Hammer! Jede Seite ist  individuell und farbig gestaltet. Die Illustrationen befinden sich künstlerisch  auf einem sehr hohen Niveau.

Um das schwierige Thema zu erklären, wird bei den frühen Hochkulturen begonnen, die auf der Grundlage von Beobachtungen der Sterne und Mondphasen versucht haben, Zeit einzuteilen und erste Kalender aufstellten, die überraschenderweise teils schon sehr präzise waren. Die Namen der Wochentage und Monate, wie wir sie heute kennen, lassen sich auf diese frühen Kalender zurückführen. Von den Kalendern geht es weiter zu den Uhren. Wie hat der Mensch bloß ohne Smartphone gewusst, wie spät es war? Die Lösungen strotzten vor Erfindungsreichtum und kommen einem reichlich kurios vor. Dank der bereits angesprochenen Illustrationen hat man gleich ein passendes Bild dieser wundersamen Zeitmesser vor Augen und bekommt gleich noch deren Funktionsweise erklärt.

In den letzten Kapiteln werden die Thesen berühmter Persönlichkeiten zum Thema Zeit vorgestellt. Dabei darf vor allem Einstein nicht fehlen. Seine These, Zeit sei relativ, verleitet zu vielen weiteren Spekulationen über Zeitreisen oder den Schmetterlingseffekt. Und schließlich endet das Buch mit einem Blick in die Zukunft.

„Das Buch der Zeit“ ist nicht nur für Kinder eine Bereicherung, sondern auch als Erwachsener denkt man beim Lesen häufig ‚Oh!‘ und ‚Aha, so ist das also!‘ Das schwierig zu erfassende Thema Zeit wird hier sehr verständlich erklärt, in Wort und Bild.

Vielen lieben Dank an Prestel für das Rezensionsexemplar!

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Peter Tschaikowsky: „Schwanensee: Ein Musik-Bilderbuch zum Hören“

Peter Tschaikowsky
Jessica Courtney-Tickle (Illustratorin)
Prestel Verlag
empfohlenes Alter: ab 5 Jahre
25,00€

Prinzessin Odette wurde vom bösen Zauberer Rotbart in einen Schwan verwandelt. Nur um Mitternacht erscheint sie in ihrer menschlichen Gestalt. Wie kann sie den Zauber jemals brechen? (Klappentext)

Einführung ins klassische Ballett – nicht nur für Kinder

Die märchenhafte Geschichte handelt von Prinzessin Odette, die von einem bösen Zauberer in einen schönen Schwan verwandelt wurde. Wir wissen nicht wann und warum, doch nun lebt sie zwischen vielen anderen Schwänen an einem geheimnisvollen See. Nur nachts wandelt sie für einige Zeit in ihrer menschlichen Gestalt. Um den Zauber zu brechen, bedarf es der bedingungslosen Liebe und Treue eines Prinzen. Doch der böse Zauberer täuscht Prinz Siegfried, sodass dieser sich statt mit Odette mit Odile, der Tochter des Zauberers, die Odette bis auf’s Haar gleicht, verlobt. Prinz Siegfried erkennt seinen Fehler und gemeinsam mit Odette und den Schwanenfreundinnen treiben sie den Zauberer in den Schwanensee, wo er alle seine Kräfte verliert. Beim Ende hat man sich für die kindgerechte Version entschieden, in der Siegfried und Odette glücklich bis an ihr Lebensende zusammen bleiben.

Schwanensee gilt als eines der  berühmtesten und meist aufgeführten Ballette überhaupt. Ich selbst habe bisher nur ein einziges Ballett besucht und das war tatsächlich Schwanensee. Die Motive der Musikstücke von Peter Iljitsch Tschaikowsky sind weltbekannt. Selbst jenen, die behaupten, mit Ballett nichts am Hut zu haben. Die Verkörperung des weißen (Odette) und schwarzen Schwans (Odile) sind die schwierigsten Rollen, die es im Ballett gibt, weil ihre Tanzstile sehr komplex und grundverschieden sind.

In diesem Musik-Bilderbuch wurde das Ballett für Kinder aufbereitet. Wenn ich könnte, würde ich weit mehr als fünf Sterne vergeben, denn diese Ausgabe ist einfach phänomenal. Selbst als Erwachsener bekommt man da strahlende Augen. Die opulenten Illustrationen scheinen von innen heraus zu leuchten. Der mystische Schwanensee, der Mond und die Lichterketten in den Bäumen. Jede Seite zieht einen völlig in seinen Bann. Solch magische Bilder sind mir noch nirgends untergekommen.

Wenn überhaupt, dann kann ich nur einen einzigen Kritikpunkt anmerken. Die Musikstücke sind eindeutig zu kurz. Es wäre schöner, wenn sie wenigstens in etwa so lange andauern würden, wie man braucht, um den kurzen Begleittext zu lesen. Bei knapp zehn Sekunden Laufzeit – gegen die Klangqualität lässt sich absolut nichts sagen – kommt nicht einmal das tragende Motiv zur Entfaltung. Außerdem funktionieren die Klangnoten nur unter starkem Druck, aber das liegt vielleicht auch nur an meiner Ausgabe.

Insgesamt ist das Musik-Bilderbuch jedoch eine tolle Einführung für Kinder in die Welt der Musik und des klassischen Balletts. Die Geschichte von der Schwanenprinzessin lässt sich aber auch prima nur als Bilderbuch lesen. Allein die Illustrationen kann man stundenlang bewundern.

Ich danke dem Prestel Verlag für dieses wundervolle Buch, dass mir zu Rezensionszwecken zugesandt wurde!

Bereits im Prestel Verlag erschienen und von mir rezensiert: „Der Nussknacker“
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Mikel Casal: „Meine ganz (außer) gewöhnlichen Nachbarn“

Mikel Casal
Prestel Verlag
empfohlenes Alter: ab 5 Jahre
15,00€

Niko lebt in einer kleinen Stadt am Meer. Die Stadt und ihre Bewohner sind auf den ersten Blick ganz gewöhnlich – doch Niko hat entdeckt, dass alle etwas Besonderes an sich haben, das sie einzigartig und interessant macht. Willst du Nikos ganz (außer) gewöhnliche Nachbarn und Freunde kennenlernen?

Ein lustiges und poetisches Buch mit der Botschaft „Jeder Mensch ist etwas Besonderes“. (Klappentext)

Künstlerisch und thematisch ein wertvolles Buch

Neunzehn Persönlichkeiten, die facettenreicher kaum sein könnten und dabei in ein und derselben Nachbarschaft leben, werden in diesem farbenfroh illustrierten Kinderbuch vorgestellt. Dank der liebevollen Texte, wird einem schnell bewusst, dass wir unseren Fokus nicht ausschließlich auf jene richten sollten, die nach gesellschaftlichen Maßstäben etwas darstellen. Zum Beispiel, indem sie  jede Menge Follower auf diversen Internetplattformen anhäufen. Oder sich mit großartigen Talenten in den Vordergrund drängen, eine dramatische, politische Botschaft verbreiten oder als Superheld im Kino auftreten. Auch hinter dem scheinbar Normalen kann sich eine außergewöhnliche Persönlichkeit verbergen. Man muss sie nur wahrnehmen.

In „Meine ganz (außer) gewöhnlichen Nachbarn geht es nicht nur um Individualität, sondern auch darum, das Normale – was eventuell auch als langweilig eingestuft wird – mehr wertzuschätzen und die Menschen in unserem näheren Umfeld bewusst wahrzunehmen und ihnen mit mehr Offenheit zu begegnen.

Das Buch animiert dazu an, sich seine eigenen Nachbarn einmal etwas genauer anzusehen und sie nicht nach einem kurzen Blick oder einem knappen Gruß in eine Schublade zu stecken. Für uns Erwachsene ist das natürlich schwerer als für Kinder. Wir wissen, wie viel Dummheit und Bosheit auf der Straße herumläuft. Wir sind häufig mit uns selbst und unseren Terminen beschäftigt. Aber dieses Buch bietet einen kleinen Denkanstoß, doch noch einmal genauer hinzusehen. Wer weiß, was und wen man entdeckt? Vielleicht doch etwas Gutes. Kinder öffnen sich dem Thema noch völlig unvoreingenommen.

An dem Buch begeistern vor allem die Farben und die witzigen Hintergrundgeschichten. Auf die Altersempfehlung von mindestens 5 Jahren sollte schon geachtet werden, denn die Texte sind etwas tiefgründiger und mit allerlei außergewöhnlichem Vokabular gespickt, bei dem die Aufmerksamkeit jüngerer Kinder sich rasch verflüchtigt. Außerdem gibt es keine richtige Geschichte, sondern auf jeder Doppelseite nur eine Person mit der dazugehörigen Charakterisierung.

Ich bedanke mich beim Prestel Verlag für das schöne Rezensionsexemplar!

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Katie Scott: „Die Entstehung des Lebens. Evolution: Eintritt frei!“

Katie Scott (Illustratorin)
Fiona Munro (Autorin)
Prestel Verlag
empfohlenes Alter: ab 8 Jahre
16,00€

Herzlich willkommen zu einer Reise durch die Entstehung des Lebens!

Erkunde eine außergewöhnliche Sammlung von Lebewesen. Von den Algen bis zum Archaeopteryx, von den ersten Säugetieren bis zum frühen Menschen. Jedes Ausstellungsstück erzählt ein Kapitel der Millionen Jahre alten Erdgeschichte. Alle zusammen zeigen, wie die unglaubliche Vielfalt des Lebens entstanden ist. Dieses Museum ist rund um die Uhr geöffnet: Tritt ein und erlebe die faszinierende Geschichte des Lebens auf unserer Erde. (Klappentext)

Evolution kompakt

Das Leben auf der Erde hat sich erhalten können durch ständiges Wiederanpassen an sich verändernde Umweltbedingungen. So vielfältig wie die Lebensbedingungen in der Luft, im Wasser oder auf dem Boden sind, so vielfältig sind auch die Lebensformen. Evolution meint also im Prinzip das Ergebnis einer Unmenge von Entwicklungsprozessen der Organismen vom einfachsten bis zu den heute lebenden. Wer das unglaublich spannend findet und sich schon immer gefragt hat, woher die Tiere und Pflanzen kommen, sollte unbedingt zu „Die Entstehung des Lebens. Evolution“ greifen. Auch dieser Band aus der „Eintritt frei!“-Reihe überzeugt mit seiner Fachkenntnis, Qualität und den künstlerischen Illustrationen von Katie Scott.

Als würde man im Museum von Ausstellungssaal zu Ausstellungssaal gehen, schreitet die Entwicklung der Lebensformen auf unserem Planeten in den Kapiteln voran, die sich jeweils einem Erdzeitalter widmen. Beginnend bei den einzelligen Cyanobakterien des Präkambriums und endend beim Menschen. Wobei anzumerken ist, dass der heutige Mensch wohl kaum das Endergebnis der Evolution darstellt, und hoffentlich auch nicht das Ziel der selbigen war. Dazwischen liegen Entwicklungsstufen, die uns heute mehr als sonderbar erscheinen. Viele der durch Katie Scott hervorragend illustrierten Lebensformen scheinen einem Kabinett der Kuriositäten entsprungen zu sein. Monströs anmutende Wesen, die perfekt an die damaligen Lebensbedingungen angepasst waren. Bei vielen von ihnen ist man froh, dass sie ausgestorben sind.

Vom Verlag wird das Buch für Kinder ab 8 Jahren empfohlen. Nach meiner Auffassung ist das ein bisschen zu jung. Für Dinosaurierliebhaber stellen die Illustrationen vermutlich den größten Reiz dar, doch die Texte, obwohl nicht lang und ausschweifend, sind vollgepackt mit fachspezifischen Zungenbrechern wie Placodermi, Asteroxylon, Ambulocetus und Paraceratherium. Schulkinder können von diesem Buch als ergänzendes und gut erklärendes Werk zum gymnasialen Biologieunterricht,  ab der 5. Klasse,  bestimmt mehr profitieren. Auch Erwachsene, die gern einen Einblick und Gesamtüberblick über die Evolution haben möchten, um ihr Allgemeinwissen aufzufrischen, können mit diesem Buch sehr zufrieden sein.

Wieder einmal bedanke ich mich beim Prestel Verlag für dieses großartige Rezensionsexemplar!

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Britta Teckentrup: „Fische, Fische überall“

Britta Teckentrup
Prestel Junior Verlag
empfohlenes Alter: ab 6 Jahre
20,00€

Ein Natur-Sach-Bilderbuch mit leuchtenden Illustrationen von Britta Teckentrup.

Fische sind überall! Sie leben im Meer, in Süßwasser-Seen, im Eis und sogar in der Wüste. Erkunde Korallenriffe, beobachte, wie Forellen flussaufwärts schwimmen, und reise Tausende Meter in die Tiefsee, wo Fische ihr eigenes Licht machen.

Setz deine Schwimmbrille auf und tauche ein in die faszinierende Welt der Fische. (Klappentext)

Umfangreich, informativ und dabei ein wunderschönes Bilderbuch

Einmal mehr möchte ich euch ein Buch von Britta Teckentrup näherbringen, deren Werke einfach immer eine Bereicherung sind. Ihr neuestes Werk heißt „Fische, Fische überall“ und widmet sich, wie der Titel bereits vermuten lässt, den Wasserbewohnern unseres Planeten. Nach einer einführenden Übersicht  über die Vielfältigkeit der Meerestiere und einer kleinen Suchaufgabe für Kinder, wird ziemlich schnell in die wissenschaftliche Betrachtung übergeleitet. In schematischen Zeichnungen wird der Unterschied zwischen Knochen- und Knorpelfischen dargestellt. Ganz wie in einem Biologiebuch. Sogar die Funktionsweise einer Schwimmblase wird erklärt. Es folgt die evolutionäre Entwicklung der Fische, vom Devon bis heute. Nach diesem knappen historischen Abriss wird eine Kategorisierung in  Süßwasser- und Salzwasserarten vorgenommen. Die Anpassung an ihre besonderen Lebensräume, ihre Nahrungssuche, Fortpflanzung, Überlebensstrategien warten immer mal wieder mit witzigen, aber durchweg spannenden Fakten auf. Auch der Einfluss des Menschen auf den Lebensraum der Fische durch Überfischung und Plastikmüll findet Erwähnung.

„Fische, Fische überall“ ist ein künstlerisches Sach-Bilderbuch und bestens für kleine Entdecker geeignet. Die Illustrationen sind im typischen Stil von Frau Teckentrup gehalten, eher abstrahierte Tier- und Naturdarstellungen, die collagenartig zusammengefügt sind. Sie bringt den Kindern die Artenvielfalt im Wasser und Naturphänomene sachlich korrekt nahe. Auf den Seiten wird unheimlich viel Wissenswertes vermittelt. Zwischendrin gibt es immer wieder Suchaufgaben, die die Neugier der Kinder hoch halten. Die Altersempfehlung würde ich bei diesem Werk auf jeden Fall beachten. Die Seiten sind randvoll mit Illustrationen und jeder Menge erklärendem Text. Als Rundumschlag zum Thema Fische für vom Thema begeisterte Kinder ist „Fische, Fische überall“ allen zu empfehlen.

Vielen Dank an Prestel Junior für das Rezensionsexemplar!

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Raman Prinja: „Das Planetarium: Eintritt frei!“

Raman K. Prinja (Autor)
Chris Wormell (Illustrator)
Prestel Verlag
empfohlenes Alter: ab 8 Jahre
25,00€

Willkommen im Planetarium!

Dieses Museum ist rund um die Uhr für Besucher jeden Alters geöffnet. Es beherbergt eine unglaubliche astronomische Sammlung – von kleinen, eisigen Monden bis hin zu riesigen, wirbelnden Galaxien. Das Planetarium ist das einzige Museum der Welt, das Sterne, Planeten, entfernte Galaxien und geheimnisvolle Dunkle Materie ausstellt.

Tritt ein und entdecke die unfassbaren Wunder des Universums! (Klappentext)

Eine meisterhaft illustrierte Reise bis an die Grenzen des Universums

„Eintritt frei!“, heißt es bei dieser Sachbuchreihe des Prestel Verlags, die wie ein Museum im Buchformat aufgemacht sind. Der neue Band entführt in die unendlichen Weiten des Weltalls. Statt von Kapitel zu Kapitel wandelt der Leser von Saal zu Saal. Je weiter man liest, umso mehr entfernt man sich von der Erde und umso tiefer dringt man in das All vor. Systematisch werden einem das eigene Sonnensystem, die Sterne und weit entfernte Galaxien erklärt. Dabei bleibt kaum eine Frage unbeantwortet. Was ist ein Stern? Wie entstehen Sterne überhaupt? Welche Planeten gibt es? Was ist Licht? Eine Fülle jener Fragen, mit denen Kinder einem den Schweiß auf die Stirn treiben, wird in diesem Buch glücklicherweise erklärt. Und dabei auch noch so verständlich, dass einem als Erwachsenen nicht gleich der Kopf raucht und man sich fragt, wie verkaufe ich dieses Wissen jetzt am besten meinem Kind?

Jeder Saal erweitert die eigene Vorstellungskraft von den Ausmaßen des Universums ein Stückchen mehr, bis wir am Ende versuchen, das All und seine Ausdehnung zu begreifen. Auch wenn es schier das Vorstellungsvermögen des menschlichen Gehirns sprengt, wie groß das Universum tatsächlich ist (und wie winzig in Bezug dazu unser Planet) oder wohin es sich ausdehnt. Dem „Planetarium“ gelingt es hervorragend, einen Eindruck dieser Größe zu vermitteln.

Jedem Thema wird nicht mehr als eine Doppelseite gewidmet. Was vollkommen ausreichend ist. Es gibt einen informativen Text, dessen Wissensfülle enorm ist, aber nicht mit fachspezifischen Ausdrucksweisen vollgestopft ist, bis man am Ende nur noch Bahnhof versteht. Ganz im Gegenteil. Endlich werden einem gut verständliche, schlüssige, nachvollziehbare Antworten gegeben. Dazu kommen die Illustrationen von Chris Wormell, die einfach eine Wucht sind. Kein Wunder, dass das Buch derart großformatig geworden ist. Es musste Raum für die phänomenalen Illustrationen schaffen, in denen man sich stundenlang verlieren kann. In ihrer Machart erinnern sie an Kupferstiche, als hätte man Kunstwerke uralter Meister vor sich.

„Das Planetarium“ ist ein überaus gelungenes Werk und für von der Astronomie begeisterte Kinder sowie Erwachsene geeignet. Es verliert sich nicht in seitenlangen hoch wissenschaftlichen Ergüssen. Der Informationsgehalt ist immer noch sehr hoch, aber er überfordert nicht. Die Texte sind übersichtlich gestaltet und die Illustrationen – wie bereits erwähnt –  ein absoluter Hammer!

Vielen lieben Dank an das Bloggerportal und den Verlag für dieses fantastische Rezensionsexemplar!

Hier eine Auswahl weiterer Bücher der „Eintritt frei!“-Reihe. Das sind bei Weitem nicht alle!

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Mia Cassany: „Wildnis: Wo seltene Tiere und Pflanzen zuhause sind“

Mia Cassany (Autor)
Marcos Navarro (Autor/ Illustrator)
Prestel Verlag
empfohlenes Alter: ab 6 Jahre
22,00 €

Komm mit auf eine Reise in die Wildnis!

Entdecke seltene Lebensräume und vom Aussterben bedrohte Tiere, die in wunderbaren Nadel-, Mangroven- und Kakteenwäldern, tiefen Dschungeln, tropischen Regenwäldern und schillernden Wasserfällen zuhause sind.

In fantastischen Illustrationen werden sechzehn Naturlandschaften vorgestellt, die die Heimat unzähliger Tier- und Pflanzenarten sind. Jede von ihnen ist einzigartig und verdient unseren Schutz.

Ein wunderschönes und nachhaltiges Sachbuch mit einem Such-Spiel am Ende. (Klappentext)

Kunst und Natur

„Wildnis“ ist ein Sachbilderbuch, in dem verschiedene Naturräume weltweit vorgestellt werden mitsamt den wichtigsten dort lebenden, bedrohten Tier- und Pflanzenarten. Für jede der insgesamt 16 Landschaften gibt es eine Doppelseite. Das Format ist gigantisch, die Bilder schillernd bunt. In dem Dickicht der Natur verbirgt sich eine überwältigende Artenvielfalt. Man muss schon sehr genau hinsehen, um auch die Vögel, Raupen oder Käfer zu erkennen, die sich auf den Seiten tummeln. Dies erzeugt einen Wimmelbildcharakter. Die Illustrationen sind genauso wie das Format einfach gigantisch: knallbunte Kunstwerke, die zwischen Fantasie und Wirklichkeit schwanken. In den meisten Bildern wird mit Farben und Kontrasten gespielt, sodass man nicht unbedingt von einer naturgetreuen Abbildung sprechen kann. Es geht mehr um den größtmöglichen Effekt. Manchmal etwas zu Lasten des Sehnervs, denn einige Bilder sind wirklich, wirklich grell. Bei anderen Abbildungen war Mutter Naturs Vorgabe schon künstlerisch genug, wie zum Beispiel bei Paradiesvögeln, Schmetterlingen oder dem Tiger.

Die Verbindung von Natur und Kunst lädt auf jeder Seite zum längeren Verweilen ein. Die kurzen Textpassagen vermitteln knapp die wichtigsten Informationen zu den dargestellten Gebieten, der Flora und der Fauna. Der Grat des vermittelten Wissens ist schon ziemlich anspruchsvoll. Für eine Altersfreigabe ab 6 Jahren vielleicht noch etwas zu viel. Doch das Betrachten der farbenfrohen Bilder und die Suche nach verborgenen Tieren bereitet auch schon jüngeren Kindern viel Vergnügen.

Was ich ein bisschen schade finde, ist, dass nicht von jedem Kontinent wenigstens eine Landschaft vorgestellt wird. Am Anfang des Buches befindet sich eine Weltkarte, in der die wilden Landschaften verortet sind. In Europa herrscht gähnende Leere, was besonders im Vergleich mit Asien ins Auge sticht, das mit gleich 5 spektakulären Landschaften vertreten ist. Aber vielleicht gibt es ja in Europa keine wilde Wildnis nach Definition der Autoren? Ebenfalls keinen Platz hat die Antarktis gefunden – nicht einmal auf der Weltkarte. Dabei wäre eine eisige Landschaft im Kontrast zu den mehrheitlich tropischen Regionen doch  auch recht reizvoll gewesen.

Trotz dieses kleinen Kritikpunktes ist  „Wildnis“ eines jener Bücher, das lange Freude bereitet und durch seine Farbkontraste sehr stimulierend für das Kunstempfinden von Kindern ist. Außerdem macht es auf sehr wichtige Aspekte aufmerksam, wie beispielsweise den Artenschutz und den Erhalt von Lebensräumen oder die Auswirkungen, die der Mensch auf die Natur ausübt. Daher auf jeden Fall ein sehr wertvolles Buch!

Vielen Dank an den Verlag, der mir dieses Buch zu Rezensionszwecken zur Verfügung gestellt hat!

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Felix Bork: „Oh, eine Pflanze“

Felix Bork
Eichborn Verlag
30,00€

Hallo lieber Pflanzenfreund.

Pflanzen sind die Grundlage unseres Lebens. Sie machen Sauerstoff und uns glücklich. In diesem Buch findest du Arten, die du in unserer heimischen Natur entdecken kannst. Wie sie aussehen, wo sie leben und wie sie Sex machen. Und dann geh raus und schau sie dir genau an, denn Pflanzen sind beeindruckend und wunderschön! (Klappentext)

Botanisches Fachwissen humorvoll verpackt

Was hätte ich dafür gegeben, wenn es  dieses Buch schon zu meinen Schulzeiten gegeben hätte! Bestimmt wäre im Biologieunterricht vieles leichter gewesen, verständlicher und definitiv hätte das Lernen mit so einem Buch mehr Spaß gemacht. Denn Felix Bork gelingt es, Wissen auf seine spezielle, humoristische Art zu vermitteln.

In „Oh, eine Pflanze“ widmet er sich ganz der Botanik, stellt Pflanzen, Bäume, Blumen, Gräser und Sträucher unserer heimischen Flora vor. Zu jedem Kapitel gibt es einen knappen einleitenden Text mit viel fachlichem Inhalt. Typisch Felix Bork befinden sich erläuternde Kritzeleien  an den Rändern oder werden Fachausdrücke durch ein verständlicheres Vokabular ersetzt, damit auch der letzte Laie versteht, worum es geht. Es folgen seitenweise Bebilderungen zum jeweiligen Kapitel, die eine Mischung aus kindlich naiver Kunst und wissenschaftlicher Pflanzenkunde, gewürzt mit gelegentlichen Comic-Streifen darstellen. Viele Illustrationen erinnern mich sehr an mein eigenes Bio-Heft, beispielsweise die Querschnitte einer Sprossachse oder eine Auflistung der verschiedenen Blattformen.  Ich konnte mein Wissen wieder auffrischen und in Erinnerungen an diverse Schulstunden schwelgen. Durch die witzigen Einschübe macht die Lektüre dieses Buches viel Spaß.

Es wird viel Richtiges gesagt und teilweise auch tiefgründiges Wissen aus der Botanik vermittelt. Die Illustrationen der Pflanzen könnten tatsächlich aus einem Lehrbuch stammen. Ich warte gespannt auf den Moment, an dem ich mit dem Wissen glänzen kann, dass Erdbeeren und Himbeeren im botanischen Sinne gar keine Beeren sind, Bananen und Melonen dagegen schon.

Zwischendrin wird die Thematik immer wieder mit „Spaßbildern“ aufgelockert. Einige Comics sind des Guten zu viel. Bei manchen ist mir nicht einmal klar, was sie darstellen sollen. Doch die vielen Pflanzendarstellungen haben mich restlos von diesem Buch überzeugt. „Oh, eine Pflanze“ ist ein riesiges Kunstwerk, ein kunterbuntes Puzzelbild der Botanik, das sowohl humorvoll als auch pädagogisch wirkt.

Ich danke dem Verlag ganz besonders für dieses Rezensionsexemplar!

„Oh, ein Tier!“ erschien bereits 2017. Wer also sein Wissen über die heimische Fauna erweitern, auffrischen oder überhaupt erst einmal eines aufbauen möchte, ist mit diesem Werk gut beraten.


Von Felix Bork illustriert, ist auch dieses Kochbuch, über das du hier mehr lesen kannst!

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Silke Neumayer: „Mit Mann ist auch nicht ohne“

Silke Neumayer
Heyne Verlag
14,00€

 

 

 

 

„Ich brauch keinen Traummann, ich will ja auch tagsüber was mit ihm anfangen.“

Es gibt keinen Mädelsabend, bei dem nicht mindestens einmal über Männer gesprochen wird. Oder gelästert. Oder gelacht. Oder geweint. Oder geflucht. Vom Vater über den Kollegen, Exmann und neuen Mann bis hin zu den verliebten Freunden der pubertierenden Tochter: Silke Neumayer, Autorin des Megabestsellers »Ich hatte mich jünger in Erinnerung« und erfolgreiche Drehbuchschreiberin, berichtet in ihrer treffsicheren, ironisch pointierten Art von den erstaunlichen Begegnungen mit Männern in ihrem und unserem Alltag. Und eins steht fest: Mit Mann ist auch nicht ohne! (Klappentext)

Anekdoten aus dem Liebesleben der fortgeschrittenen Frau.

‚Mit Mann ist auch nicht ohne‘ – ein wortwitziger Titel gepaart mit einem amüsanten Bild. Beides zusammen lockt den Leser auf geschickte Weise an. Doch wer auf eine zum Brüllen komische Geschichte über den immerwährenden Zwist zwischen Männern und Frauen hofft, dürfte etwas enttäuscht sein und sollte lieber bei Mario Barth bleiben, dessen Trefferquote in Bezug auf Komik einfach höher liegt. Die Erzählerin berichtet in Anekdoten über ihr Leben mit dem neuen Mann an ihrer Seite und ihre pubertierende Tochter. Die Kapitel sind kurzweilig, beschreiben alltägliche Begebenheiten, wie etwa den Besuch im Baumarkt, lassen dabei aber keinen roten Faden erkennen.

Je nachdem, wie man sich in den beschriebenen Situationen selbst wiedererkennt, fallen die Anekdoten natürlich unterschiedlich witzig aus. Das Kapitel über ‚Männerschnupfen‘ beispielsweise beschreibt ein Phänomen, das wohl jede Frau kennt. Von daher findet man die ironische Erzählweise selbstverständlich ungemein witzig, obwohl ehrlicherweise gesagt werden muss, dass zu dem Thema nichts weltbewegend Neues gesagt wird.

Die Männer gehen im Buch unter. Sie haben gar keine Chance sich gegen diese dominierende Mutter-Tochter-Konstellation zu behaupten. Die Kapitel über das Zusammenleben einer alleinerziehenden Mutter mit ihrer pubertären Tochter fallen dagegen sehr authentisch aus. In ihnen ergibt die ironisch-pointierte Erzählweise ein wirklich stimmiges Bild, weshalb es viel Spaß macht über die beiden zu lesen. Damit schrammt die Autorin nur leider am Titel vorbei und daher rührt vermutlich auch eine gewisse Unzufriedenheit während der Lektüre. Der Leser hat etwas anderes erwartet.

 

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Andrea Harmonika: „Jedem Anfang wohnt ein verdammter Zauber inne. Vom Sinn und Unsinn mit Kindern“

 

Andrea Harmonika
Bastei Lübbe Verlag
10,00€

 

 

 

 

Andrea Harmonika leidet unter emotionaler Inkontinenz, faltet Jugendliche im Schwimmbad zusammen und zieht in ihrer Freizeit liebevoll Gemüse groß, das ihre Kinder dankend ablehnen. Manchmal fragt sie sich, ob aus ihnen wirklich verpimpelte Sitzpinkler werden, wenn sie auf jeden Kratzer ein Piratenpflaster klebt und findet, dass früher alles anders, und nicht besser war. (Klappentext)

Rührend ehrlich und saukomisch!

Dieses unterhaltsame Büchlein ist eine Sammlung kurzer, teilweise als Blogbeiträge entstandener Anekdoten über die vielen bizarren Situationen, die Eltern mit ihren Kleinkindern täglich erleben und meistern. Die Autorin ist selber Mutter von zwei Kindern und beschreibt mit einem herrlich trockenen Humor ihr Familienleben.

Natürlich fühlt man sich als Leser von einigen Passagen mehr angesprochen als von anderen, doch insgesamt habe ich sehr viel Zeit damit zugebracht, dem Buch eifrig zustimmend zuzunicken und mich zu fragen, woher die Frau das alles über mich und meine Familie weiß. Es steckt sehr viel Wahrheit in diesen Seiten. Und so viel Gefühl. Selten hat ein Buch so starke und unterschiedliche Reaktionen bei mir hervorgerufen. Einmal weint man vor lauter Rührung – und da ist sie, die emotionale Inkontinenz, quod erat demonstrandum – aber schon auf der nächsten Seite lacht man Tränen der Freude.

Ich habe dem Buch auch sehr viel Wissenswertes entnehmen können. Und damit meine ich nicht nur, dass ich endlich weiß, warum die Angry Birds so angry auf die Schweinchen sind, obwohl mich die Unwissenheit darüber schon lange gequält hat. Nein, es gibt beispielsweise auch ein Kapitel über ‚Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind‘ aus den 1930er Jahren, das ich mit ungläubiger Faszination und Bestürzung gelesen habe. Doch das Wichtigste, das ich gelernt habe, ist die Tatsache, dass es auch in anderen Familien chaotisch zugeht. Dieser Gedanke ist wirklich tröstlich.

Empfehlenswert ist ‚Jedem Anfang wohnt ein verdammter Zauber inne‘ für alle Eltern und  werdenden Eltern. Wer keine eigenen Kinder hat, wird die Situationskomik und das ganze emotionale Wirrwarr, das Eltern durchmachen, nicht wirklich nachvollziehen können.

Zum Schluss noch einen riesigen Dank an das Bloggerteam von Bastei Lübbe für die Zusendung des Rezensionsexemplares!

 

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