Kategorie: ab 16 Jahre

Petra Hülsmann: „Meistens kommt es anders, wenn man denkt“

Petra Hülsmann
Bastei Lübbe
empfohlenes Alter: ab 16 Jahre
12,00€

So’n Herz hält ganz schön viel aus. Das ist zäh.

Nele hat von der Liebe die Nase gestrichen voll. Ihr neuer Job bei einer angesagten Hamburger PR-Agentur soll ab jetzt an erster Stelle stehen. Inhaber Claas betraut sie mit der Imagekampagne für den Politiker Rüdiger Hofmann-Klasing, dessen Umfragewerte tief im Keller sind – aus gutem Grund, wie sie bald herausfindet. Darüber hinaus beschließt ihr kleiner Bruder Lenny, der das Down-Syndrom hat, sich eine eigene Wohnung zu suchen. Ausgerechnet Nele soll ihn im Kampf mit den besorgten Eltern unterstützen, dabei ist sie doch insgeheim die größte Glucke von allen. Um das Chaos perfekt zu machen, stellt Nele fest, dass Claas mehr als nur ein netter Chef für sie ist und dass er ihr Herz ganz schön zum Stolpern bringt. Aber soll sie sich von der Liebe etwa schon wieder einen Strich durch die Rechnung machen lassen? (Klappentext)

Ein bisschen Kitsch muss manchmal sein

Nele hat schon einige Beziehungen hinter sich, in die sie viel investiert hat. Sie hat sich verbogen und verrenkt, um es ihrem Partner recht zu machen, wurde am Ende jedoch nur enttäuscht, betrogen oder abgeschossen. Damit ist jetzt Schluss. An oberster Stelle steht fortan ihre Karriere in einer Hamburger PR-Agentur. Dass Neles Prinzipien auf die Probe gestellt werden, dafür sorgt ihr charmanter Chef.

Mir gefällt Nele als junge Frau, die sich auf ihre Karriere konzentriert, gute Ideen für Kampagnen einbringt und dafür die Anerkennung bekommt, die sie verdient. Sie ist eine sehr liebenswürdige Figur, die für alles Verständnis aufbringt und immer ihr Bestes gibt. Über so viel Liebenswürdigkeit konnte ich manchmal nur den Kopf schütteln. Bei einer Liebesgeschichte wie dieser muss es keinen zu tiefst komplexen Charakter geben, aber Nele ist in ihrer Perfektion irgendwie eindimensional.  Egal,  was es ist, sie mischt bei allem mit. Ob es die Hochzeitsvorbereitungen ihrer Eltern sind, sie ihren Bruder bei der Suche nach einer Wohnung und Arbeit unterstützt oder ob es die Erstellung von Kampagnen ist. Nele schafft alles mit Bravour. Wie nebenbei erledigt sie die Arbeit ihrer Kollegen, näht die Hochzeitsoutfits, kocht Marmelade und bleibt – abgesehen von den enormen Minderwertigkeitskomplexen, die sie bei mir hervorruft – ein äußerst sympathischer Charakter.

Die Handlung ist nicht so vorhersehbar, wie man vermuten möchte. Viele Klischees, die man bei einer Liebelei zwischen Angestellter und Chef erwartet, werden nicht erfüllt. Das ist sehr erfrischend und sorgt auch für ein gewisses Suchtpotential. Schließlich lässt es einem keine Ruhe, wie es mit den Figuren denn nun wirklich weitergeht. Claas ist definitiv kein Bad Boy, der erobert werden muss. Die Liebesgeschichte zwischen ihm und Nele wird sehr zartfühlend beschrieben. Auch die Nebenfiguren und -handlungen sind detailliert herausgearbeitet und ergeben ein wunderbares Gesamtbild.

„Meistens kommt es anders, wenn man denkt“ ist ein unterhaltsamer Sommerroman, leicht wie eine laue Brise und erzeugt beim Lesen eine wunderbare Sommeratmosphäre von Hamburg und Spaziergängen an der Elbe.

Vielen Dank an Bastei Lübbe und die Lesejury für das Rezensionsexemplar!

Caroline Kepnes: „YOU – Du wirst mich lieben“

Karoline Kepnes
LYX Verlag
empfohlenes Alter: ab 16 Jahre
12,90€

Joe Goldberg ist gutaussehend, charmant – und bereit, sich endlich zu verlieben. Als die angehende Autorin Guinevere Beck die Buchhandlung betritt, in der er arbeitet, ist er augenblicklich von ihr hingerissen. Er weiß, dass er sie wiedersehen muss, und tut, was jeder in seiner Situation tun würde: Er googelt ihren Namen und findet alles über sie heraus, was er kann, um ihr „zufällig“ ein zweites Mal zu begegnen. Beide spüren die Verbindung, die zwischen ihnen herrscht – es ist die perfekte Liebesgeschichte.

…oder?

Denn Joe ist nicht der, der er vorgibt zu sein. Und auch hinter Becks unschuldigem Lächeln verbirgt sich mehr als gedacht. Bald schon gerät ihre Beziehung außer Kontrolle – und die Abgründe, die sich dabei auftun, haben tödliche Konsequenzen… (Klappentext)

Die Geschichte eines Stalkers

Er ist der nette Typ hinter der Ladentheke in der Buchhandlung. Ein smartes Lächeln, ein paar charmante Sprüche; er ist intelligent und gutaussehend. Als Joe die junge Studentin Guinevere Beck kennenlernt, sieht anfangs alles nach einem harmlosen Flirt aus. Doch für Joe ist es mehr. Da Beck ihren Einkauf mit Kreditkarte bezahlt, kennt Joe ihren vollen Namen. Routiniert beginnt er Nachforschungen über Becks Leben, Familie und Freunde im Netz anzustellen. Ihre öffentlichen Profile in den sozialen Medien machen es ihm leicht, ihre Adresse herauszufinden und ihre Gewohnheiten zu erforschen.

Es ist interessant, diese obsessive Verfolgung einer Person aus der Sicht des Stalkers zu erleben. Denn die einzelne Handlung, um mehr über Beck herauszufinden, kommt einem anfangs  noch gar nicht so unheimlich vor. Jeder, der sich schon einmal durch die Profile anderer auf Instagram oder Facebook geklickt hat, wird das sicher auch so sehen. Allein die Summe dieser Taten macht sie so krank. Und letztendlich die deutliche Grenzüberschreitung, als Joe in Becks Wohnung einbricht und diverse Souvenirs mitnimmt. Ab diesem Zeitpunkt nimmt die Sympathie rasch ab und das restliche Verständnis, das man zuvor – mit Hühneraugen zukneifen – noch für Joe aufbrachte, ist dahin.

Dabei erscheint mir Joe wie ein Bilderbuch-Stalker. Er geht präzise und systematisch vor, versucht zunächst, alles und jeden aus Becks Umfeld kennenzulernen und die perfekte Situation zu konstruieren, ehe er sich ihr ein weiteres Mal nähert. Er will der perfekte Mann sein. Dass Joe bei all seinen Bemühungen auch Rückschläge einstecken muss, führt auch zu komischen Situationen und lockert die Geschichte zwischendrin immer wieder auf. Doch schließlich ist er ein hochintelligenter Charakter mit einer wirklich krankhaften Obsession, der andere Menschen lediglich als Hindernisse wahrnimmt, die beseitigt werden müssen. All sein Denken und Handeln ist auf das Objekt seiner Begierde ausgerichtet. Und dieses Thema dominiert das gesamte Buch. Was fehlt, ist ein Gegenpart zu Joe. Irgendjemand, der ihm auf die Schliche kommen könnte und die Spannung dadurch anfacht. Doch es gibt keine einzige Figur, die ihm gewachsen zu sein scheint. Über 500 Seiten lang manipuliert und mordet Joe vor sich hin.

So aufregend es ist, in die verzerrte Logik eines Stalkers abzutauchen und so sehr ich die psychoanalytische Leistung der Autorin auch bewundere, im Endeffekt war es eine langatmige Geschichte mit vielen Wiederholungen und einem leider vorhersehbaren Ende.

Vielleicht wird Joe jedoch in der Fortsetzung endlich mit seinenVerbrechen konfrontiert? „Hidden Bodies – Ich werde dich finden“ erschien bereits 2016 bei LYX.

Ich bedanke mich ganz herzlich beim Verlag für das Rezensionsexemplar!

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April Dawson: „Still Broken“

 

April Dawson
LYX Verlag
empfohlenes Alter: ab 16 Jahren
10,00€

 

 

Eine Liebe, die alles wert ist…

Als Norah sich am College in den unnahbaren Max verliebt, beginnt die aufregendste Zeit ihres Lebens. Die Gefühle zwischen ihnen sind leidenschaftlich, echt und so völlig anders als alles, was sie zuvor erlebt hat – auch wenn alle sie vor Max gewarnt haben. Je näher sie sich kommen, desto deutlicher spürt Norah allerdings, dass Max etwas vor ihr verbirgt – aber auch, dass ihre Liebe jeden Kampf wert ist, selbst wenn Max Geheimnis ihr Leben für immer auf den Kopf stellen könnte… (Klappentext)

Stark konstruiert, überladen und wirr.

Eine schlechte Rezension zu verfassen, macht nicht so viel Spaß, wie man vielleicht denkt. Irgendjemand fühlt sich trotz aller Meinungsfreiheit und Kritikfähigkeit immer angegriffen und ist beleidigt. Meistens sind es die eingefleischten Fans, die meinen, ihre Lieblingsautorin in Schutz nehmen zu müssen. Aber jeder hat nun einmal seine eigene Meinung und in diesem Fall tut es mir auch echt leid, aber „Still Broken“ trifft überhaupt nicht meinen Geschmack. Das ist leider so. Dabei klang der Klappentext vielversprechend und in Teilen fand ich die Liebesgeschichte sogar recht süß. Wäre sie nur nicht so spürbar konstruiert gewesen…

Gleich zu Beginn sieht Norah auf einer Party diesen unfassbar heißen Typen, ihre Blicke begegnen sich und sofort ist da diese magische Anziehung. Natürlich entpuppt sich der heiße Typ als Bruder von Norahs Mitbewohnerin. Und natürlich wird sie ihm auch noch in der Redaktion zugeteilt. Von Anfang an prallen die beiden Protagonisten aufeinander. Diese ständigen Begegnungen wirken sehr erzwungen und übertrieben. Genauso die ach so leidenschaftlichen Gefühle zwischen den beiden, die plupp! einfach da sind, alles überwältigen, aber für mich nicht nachvollziehbar waren. Außerdem ist Max alles, aber definitiv kein Bad Boy. Er zieht sich bloß wie einer an.

Die Handlung besteht hauptsächlich aus abrupten Szenensprüngen und starken Gefühlsaufwallungen, die weder zur Geschichte noch zu den Charakteren passen wollen. Den Figuren hätte mehr Homogenität gutgetan. Die dramatischen Höhepunkte sind zahlreich – und wie! Lügen, Tod, Vergewaltigung, Familientragödien und die Mafia! Es ist schwer, das alles in eine einheitliche Story zu verpacken. Die unvorhergesehenen Dramen stiften einiges an Verwirrung. In der großen Rahmenhandlung steckt doch genug Spannung, die völlig ausgereicht hätte für einen aufregenden Roman. Insgesamt ist die Geschichte überladen mit Dramatik und Gefühlen, dadurch wirkt sie unrealistisch. Und bei den vielen Nebensträngen ist es letztlich auch kein Wunder mehr, dass am Ende die ein oder andere Lücke offen bleibt. Oder weiß einer, was aus Drew geworden ist? Eben war er noch am Telefon, und dann?

Ich empfand „Still Broken“ als sehr unstimmig, mit unlogischen Handlungssträngen und einer zu plumpen Verarbeitung von Klischees. Es ist schade und tut mir wie gesagt wirklich leid, aber in den Roman wurde zu viel hineingesteckt. Manchmal ist weniger halt doch mehr.

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