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Alex Bauermeister: “Hände vors Herz: Achtsamkeit und Entspannung für Groß und Klein”

Alex Bauermeister (Autorin)
Flora Waycott (Illustratorin)
cbj Verlag
empfohlenes Alter: für alle interessierten Yogis
13,00€

Setzt euch hin, liebe Freunde, ob groß oder klein, hebt die Hände vors Herz und atmet tief ein.

Bist du bereit? Deine Tierfreunde zeigen dir einfache Entspannungsübungen, die glücklich machen. Sie sind leicht in den Alltag zu integrieren und steigern die Konzentration und das Wohlbefinden. Wie fühlt sich dein Körper dabei an? Merkst du, wie du langsam ruhiger wirst? (Klappentext)

Ab auf die Matte, ihr Yogis

Die tägliche Yoga-Praxis ist bereits fester Bestandteil meines Alltags. Klar, dass mein Kind unbedingt mitmachen möchte, sobald Mama die Yoga-Matte ausrollt. Dabei vollführt er jede Menge akrobatischer Kunststücke, die eine Gefahr für jedermann, der das Pech hat, zwischen die fliegenden Gliedmaßen zu geraten, sind. An das Risiko für Mobiliar und Köpfe will ich gar nicht denken. Mit Entspannung hat das nicht viel zu tun. Also musste etwas her, das dem Kind Yoga auf spielerische Weise näher bringt.

Die Übungen in ‚Hände vors Herz‘ beginnen mit einer bewussten Wahrnehmung der Atmung. Die kurzen Reime hat man als Erwachsener relativ schnell im Kopf, sodass man mit dem Kind gemeinsam atmet und zur Ruhe kommt und einfach auf der Matte ankommt. Es folgt ein wohltuender Ganzkörper-Flow durch gängige Asanas,  Katze-Kuh, der herabschauende Hund und die Kobra. (Hierbei muss das Buch schon danebenliegen, um auf die Reime zu spicken.) Dieser Flow lässt sich beliebig oft wiederholen, abhängig von Lust und Laune des Kindes. Am Ende gibt es eine schöne Schlussentspannung mit der liegenden Drehung und nochmaliger Konzentration auf den Atemfluss.

Als Einstieg für kleine Yogis ist das Buch gut geeignet. Die Asanas sind nicht schwer und dank der niedlichen Illustrationen können sich die Kinder die Entspannungsübungen mit Katze, Kuh, Hund und Maus leicht einprägen und nachmachen. Gerade in dieser Jahreszeit mit dem durchwachsenen Wetter kann man nicht immer mit den Kindern an die frische Luft. Die Folge sind Bewegungsmangel und ein zappeliges und überdrehtes Kind. Durch die bewusste Atmung konnten wir erst einmal eine ruhige Atmosphäre schaffen, in der die Konzentration für die Übungen aufgebaut wird. Der Bewegungsablauf bereitet den Kindern sehr viel Vergnügen. Ich finde Yoga für Kinder grundsätzlich wunderbar, um die Ausgeglichenheit, Konzentration und Selbstwahrnehmung zu fördern. Ein wunderschönes Kinderbuch! Den nächsten Band dann gerne mit Sonnengruß, beispielsweise.

Vielen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar!

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Sabine Ludwig: “Wenn der Wal Geburtstag hat, wird er von Spinat nicht satt”

Sabine Ludwig (Autorin)
Kerstin Schoene (Illustratorin)
cbj Verlag
empfohlenes Alter: ab 3 Jahre
14,00€

Welches Tier hat heute Geburtstag?

Geburtstag – ein Lieblingsthema bei Groß und Klein! Sabine Ludwig nähert sich ihm auf die ihr eigene hintersinnige Weise, in Reimen voller Sprachwitz. Sieben exotische Geburtstagskinder aus dem Tierreich stellt sie uns vor, jedes mit mehr oder weniger kapriziösen Wünschen. Wer gemeint ist – das erfahren wir erst, wenn wir umgeblättert haben … Mit den zauberhaften, humorvollen Bildern von Kerstin Schoene wird ein Gesamtkunstwerk daraus, das zum Vorlesen, Anschauen, Schmunzeln und Staunen einlädt.

Ein Geschenkbuch in Reimen

Der Geburtstag nimmt bei Kindern ja einen hohen Stellenwert ein. Aber auch im Tierreich wird dieser besondere Tag gefeiert. Die sieben Tiere, die sich in diesem Buch auf poetische Weise zu ihrem Ehrentag hochleben und beschenken lassen, zählen nicht unbedingt zu den „klassischen“ Tieren, die man in einem Kinderbuch erwarten würde. Der Überraschungseffekt, wer sich denn nun als Geburtstagskind entpuppt, funktioniert daher ziemlich gut und auch der Wissensschatz der Kinder wird erweitert. Darüber, ob der Axolotl für ein Kinderbuch ab drei Jahren nicht einen Tick zu exotisch ist, lässt sich an dieser Stelle streiten.

Ganz hervorragend gelungen sind auf jeden Fall die Illustrationen. Sämtliche Seiten erstrahlen in einer farbenfrohen Geburtstagspracht. Die Tiere sind kindlich niedlich, aber immer noch sehr realistisch abgebildet. Die Reime sind an sich nicht schlecht. Sie sind lustig und gut verständlich, aber ich hätte mir gewünscht, dass sie, um hintersinnig zu wirken, mehr Bezug auf das Tier nehmen würden. Zum Beispiel beim Lama, das sich nicht über einen Schal freut, weil dieser aus der Wolle eben jenes Lamas gestrickt wird und der Popo deshalb schon ganz nackig ist. Hier sieht man wenigstens noch einen Zusammenhang. Doch die Verwunderung bei Kind und Erwachsenem wird groß, wenn ein Vogel mit einem Bierglas als Geschenk angeflogen kommt. Oder wenn ein Baby-Milchfläschchen an den Axolotl verschenkt wird. Das ist so abwegig, dass die Reime eher erzwungen und ein bisschen halbherzig wirken. Wirklich künstlerisch und einfallsreich wäre es gewesen, wenn die Reime tatsächlich mit den Eigenschaften, Gewohnheiten etc. dieser ungewöhnlichen Tiere zu tun gehabt hätten.

Als Geschenkbuch zum Geburtstag ist „Wenn der Wal Geburtstag hat“ für die angegebene Altersgruppe aber durchaus zu empfehlen. Aufmachung und Illustrationen sind absolut hochwertig. Außerdem finden es Kinder super, dass sie selbst das Geburtstagskind auf der letzten Seite sind.

Vielen Dank an cbj für das Rezensionsexemplar!

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Joanne Liu: “Abenteuer in der Stadt”

Joanne Liu (Autorin/ Illustratorin)
Prestel Junior Verlag
empfohlenes Alter: ab 3 Jahre
12,00€

Max darf heute ganz alleine einen Brief zum Briefkasten bringen. Auf seinem Weg durch die Stadt entdeckt er viele wunderbare Dinge: Bunte Wäsche-Wirbel im Waschsalon, sein eigenes Spiegelbild in einer Pfütze oder tanzende Blätter im Wind. (Klappentext)

Das Wundersame im Alltäglichen

Der kleine Max erhält einen wichtigen Auftrag. Er soll für seine Mama einen Brief in den nächsten Briefkasten werfen. Sein Weg führt ihn durch die ganze Stadt und dabei begegnen ihm lauter Dinge, die alltäglich erscheinen, doch Max bringen sie zum Staunen. Aus der Sicht eines Kindes werden so die banalsten Kleinigkeiten zu etwas Besonderem. Insbesondere da die Erwachsenen blind für ihre Umwelt geworden sind. Sie starren wie hypnotisiert auf ihre Smartphones oder hetzen zum nächsten Termin, gehen ihren Freizeitbeschäftigungen nach, aber sie sehen eben nicht so hin wie ein Kind. Aus diesem Grund entgeht ihnen die Spiegelung des Himmels mit seinen Wolkenkratzern und Flugzeugen in der Pfütze am Rinnstein. Sie sehen auch nicht die bunten Blätter, die der Herbstwind aufwirbelt. Oder das Farbenspiel einer untergehenden Sonne.

Die Illustrationen von Joanne Liu sind zwar farbenfroh, dafür aber ziemlich einfach gehalten. Sie scheinen geradewegs aus dem Malkasten eines Kindes entsprungen zu sein. Aber sie passen sehr gut zu Max‘ Geschichte. Die Illustrationen bilden die Welt ab, so wie sie der kleine Junge wahrnimmt und vermutlich selbst wiedergeben würde.  

Bis auf den Anfang („Max darf einen Brief zum Briefkasten bringen“) und das Ende („Jetzt kann er Mama von seinen Abenteuern erzählen“) gibt es im Buch keinen Text. Natürlich sprechen die Illustrationen für sich und ich persönlich unterstütze es immer, dass Kinder lernen, selbst zu erzählen und zu beschreiben. Aber stellenweise wäre ein bisschen geschriebene Handlung nicht verkehrt gewesen. Auch, um die Aufmerksamkeit der Kinder zu fesseln, die die Seiten sonst nur schnell durchblättern. Erwachsene regt das Buch schon eher zum Nachdenken an. Dass man seinen Alltag einmal entschleunigt, die Augen für seine Umgebung öffnet und die Welt mit kindlicher Neugier betrachtet. Was man da nicht alles für wunderbare Dinge entdecken kann?

Vielen Dank an Prestel für das Rezensionsexemplar!