Monat: September 2017

Sarah Adler: „Knochenjob!“

Sarah Adler
Drachenmond-Verlag
ISBN: 9783959911924
12,90€

 

 

 

Drei wissenswerte Tatsachen

1. Dies ist eine Geschichte über den Tod.
2. Dies ist eine Geschichte über den Tod, der das Nasenbein gestrichen voll hat von rostigen Sensen und kratzigen Umhängen.
3. Dies ist eine Geschichte über den Tod, die folgende Dinge beinhaltet:
Das Leben
Das Schicksal
Eine Reise zur Zeit
Den todesmutigen Versuch, ein paar Menschen zu retten
Und ein zufällig gelüftetes Geheimnis, das alles über den Haufen wirft.

Aber lest selbst.

(Klappentext)

Die Memoiren des Todes…

…sind alles andere als seichte Unterhaltung.

Tod ist cool. Tod kennt sich aus. Er weiß, wie der Hase läuft. Tod macht keiner etwas vor.
Nach Abermillionen von Jahren Evolutionsgeschichte hat er es nur einfach satt, der Buhmann zu sein, der keine Anerkennung für seine Arbeit erhält. Im Gegensatz zu seinen Kollegen, Leben, Schicksal, Glück und Zufall, leistet er schwerste Knochenarbeit. Er beschließt also, sein Image zu ändern und mit Zeit ein paar bessere Arbeitsbedingungen auszuhandeln.  Während Tod uns so an seinen Anekdoten teilhaben lässt und sich durch den Blätterteig der Realitäten wühlt auf der Suche nach einem Schokoladendrops schwankt seine Erzählweise stets zwischen Sarkasmus und Zynismus. Herrlich! Was für ein Lesegenuss!
In jedem verschachtelten Satz, jeder feinsinnigen Metapher und Redewendung ist das Herzblut der Autorin zu spüren. Dabei ist das Thema nun wahrlich kein leicht verdauliches. Immerhin geht es um den Tod. Und trotz der vielen, vielen amüsanten Stellen verliert die Geschichte nie an Ernsthaftigkeit. Es gibt einige Passagen, nach denen man sich als Mensch recht unbedeutend und klein fühlt. Die Betrachtungen über Werden und Vergehen rufen schon ein paar tiefgründige Gedanken über unser eigenes Dasein hervor. Aber so ist der Kreislauf nun einmal und der Tod ist, wenn wir diesem Buch Glauben schenken, eigentlich ein ganz sympathischer Typ.
Das Einzige, womit ich Probleme hatte, ist die Formatierung des Textes. Manch einer mag es für eine liebevolle Gestaltung halten. Dem stimme ich bis zu einem gewissen Punkt sogar zu, die Sterne und gekreuzten Knochen vom Cover finden sich im Buch wieder. Das ist eine schöne runde Sache. Aber… abgesehen davon wird die Geschichte von zu vielen Zwischenüberschriften innerhalb der Kapitel unterbrochen. Es gibt zu viele Absätze, zu viele unterschiedliche Arten von Auflistungen, Fußnoten, die eigentlich nicht nötig sind, da sie nichts enthalten, das nicht auch in den normalen Fließtext gepasst hätte. Das alles zusammen stört den Lesefluss. Ich habe sehr häufig den Faden verloren. Die Geschichte an sich ist komplex genug. Da fand ich es schade, dass mich solche formellen Dinge vom Lesen abgelenkt haben.
Trotzdem ist dieses Buch eine absolute Leseempfehlung! Wenn jemand schreiben kann und uns unbedingt mit weiteren Geschichten versorgen sollte, dann Sarah Adler!

Tom Booth: „Bloß nicht blinzeln!“

Tom Booth
cbj Verlag
empfohlenes Alter: ab 3 Jahren
12,99€

 

 

 

 

Bloß nicht blinzeln! Dieses Spiel kennt jedes Kind. Doch einem Vogel, einem Elefanten oder einer Giraffe hat bestimmt noch niemand in die Augen gestarrt, bis sie wehtun. In diesem wunderschön illustrierten Bilderbuch kommen immer mehr Tiere dazu, um am Blinzelspiel teilzunehmen – und dabei treten sie nicht gegen irgendwen an, sondern gegen den Leser höchstpersönlich. Als ihnen allen schließlich die Augen zufallen, weiß keiner, wer eigentlich gewonnen hat. Ob es dem kindlichen Leser gelungen ist, nicht zu blinzeln?

Die Rezension dieses Buches macht mir aus mehreren Gründen besonderen Spaß.
Bei Kinderbüchern zählt ja nicht nur meine Meinung allein, sondern auch die des Kindes beziehungsweise die Reaktion auf besagtes Buch.
„Bloß nicht blinzeln!“ ist etwas Besonderes, denn es durchbricht die vierte Wand, indem es den Leser in die Handlung einbezieht und zum gemeinsamen Spielen auffordert. Ein ziemlich kluger Kunstgriff. Und obwohl ich anfangs skeptisch war, inwiefern mein gerade einmal 2 Jahre alter Sohn den Unterschied zwischen Blinzeln und Starren begreift, wurde ich eines Besseren belehrt. Unfassbare vier Mal musste ich das Buch heute Abend vorlesen, es wurde sogar ins Bett mitgenommen – das ist so gut wie ein Ritterschlag! – und als das Licht gelöscht war, erzählte mein Sohn immer noch vom ‚Blinzelspiel‘ und den vielen Tieren.
Mir persönlich gefällt das Format und die Aufmachung des Buches sehr. Die Tierillustrationen sind außergewöhnlich gut, die Seiten sind nicht überladen und für Kinder äußerst ansprechend. Ich hätte mir mehr Text gewünscht, gerade zu Beginn, um einen besseren Einstieg in das Buch zu finden. Dafür ein paar weniger Seiten. Es sind dann doch 48 an der Zahl, viele davon ohne Text oder mit gar nur ein zwei kurzen Sätzen. Dadurch ist man die meiste Zeit mit Umblättern beschäftigt.
Am Schluss des Buches gibt es noch eine amüsante Raffinesse: Nachdem sie sich von Seite zu Seite näher an das kleine Mädchen geschleppt hat, ist auch die Schildkröte endlich angekommen. Und das Spiel kann von vor beginnen.
Mal sehen, ob ich morgen auch einmal gewinne….

 

An dieser Stelle noch einen lieben Dank an den cbj Verlag für das Rezensionsexemplar!

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Dies ist ein Herbststag…

…wie ich keinen sah!
Die Luft ist still, als atmete man kaum,
Und dennoch fallen raschelnd, fern und nah,
Die schönsten Früchte ab von jedem Baum.

O stört sie nicht, die Feier der Natur!
Dies ist die Lese, die sie selber hält,
Denn heute löst sich von den Zweigen nur,
Was von dem milden Strahl der Sonne fällt.

Christian Friedrich Hebbel (1813-1863)

Ach ja, der Herbst. Eigentlich eine schöne Jahreszeit, wenn die Sonne ihr goldenes Licht verbreitet, sich die ersten Blätter bunt färben – an dieser Stelle würde meine frühere Biologielehrerin mit dem Schlüsselbund nach mir werfen. Also schnell eine kurze Biologiestunde eingeschoben, damit auch ihr bei der nächstbesten Gelegenheit klugscheißern und mit dem Wissen glänzen könnt, dass Laubblätter sich nicht einfach nur verfärben. Sobald die Tage kürzer werden, kommt es zum Abbau des Chlorophylls in den Blättern. Was übrig bleibt, sind die Carotine mit den charakteristischen Orange-, Rot- und Gelbtönen. Wer noch einen drauflegen möchte, erzählt dann von stickstoffhaltigen Komponenten und Proteinen, die über den Winter gespeichert werden.

Aber genug dazu, wir schlagen einen Bogen zurück zum Thema Herbst. Wenn er so golden und lind daher kommt wie in diesen Tagen, ist der Herbst richtig schön. Ich habe dann immer Lust, gebrauchte Gedichtbände zu kaufen und Marmelade zu kochen. Und ihr?

Apfel-Minz-Marmelade 2017

 

 

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Milbourne/ Alvarez: „Guck mal – im Märchenwald. Die Schöne und das Biest“

 

Milbourne/ Alvarez
Usborne Verlag
empfohlenes Alter: ab 3 Jahren
10,95€

 

 

Mein absolutes Lieblingsmärchen, schon immer gewesen!

Gleich beim ersten Blick nach dem Auspacken dachte ich so: Du meine Güte, ist das süß.
Die Bilder sind herzallerliebst, jede Seite ist mit viel Liebe zum Detail gestaltet und mit filigranen Laserschnitten und Gucklöchern versehen. Es hätten gern ein paar Klappen mehr sein können. Insgesamt sind es nur 3. Da sind wir von den ‚Guck mal, wer da ist‘-Büchern vermutlich zu verwöhnt.
Der Text ist natürlich kindgerecht eingekürzt und umgeschrieben. Kurz und knackig, würde ich sagen, und die Bilder sprechen ohnehin für sich.
Mit 10,95€ finde ich das Buch schon ein bisschen teuer. Ich meine, ich sehe die Arbeit dahinter, aber für ein Kinderbuch, mit gerade einmal 14 Seiten Umfang und im Kleinformat, wären ein paar Euros weniger auch in Ordnung gewesen.
Ändert aber nichts daran, dass dies eines der zauberhaftesten Bücher in unserem Regal ist und mein Sohn total darauf abfährt. Und darauf kommt es am Ende doch an, nicht wahr?

 

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Milbourne/ Dimitri: „Guck mal, wer da ist. Im Zoo“

 

Milbourne/ Dimitri
Usborne Verlag
empfohlenes Alter: ab 3 Jahren
8,95€

 

Klappen und Gucklöcher erfreuen irgendwie nicht nur die Kleinen, sondern auch uns Erwachsene. Von den ‚Guck mal, wer da ist‘ – Büchern gibt es eine ganze Reihe. Und sie sind allesamt liebevoll und kreativ gestaltet. Die Farben sind kräftig und leuchtend, die Gestalten und Tiere wirken ein bisschen abstrakt, sind aber nicht derart verfremdet, dass man rätseln muss, was sie darstellen. Das vom Hersteller empfohlene Alter finde ich ein wenig hoch gegriffen. Mein Sohn guckt sich die Bücher schon mit 2 Jahren gern an. Die Klappen sind aus dünner Pappe, die leider sehr schnell knickt und einreißt, aber gut … für grobmotorische Kleinkinder müssten sie wahrscheinlich aus geschmiedetem Stahl sein, was wiederum der Handlichkeit der Bücher schaden würde.

Seit Neuestem gibt es die Reihe ‚Guck mal – im Märchenwald‘ . Eine sehr schöne Idee, um die Märchen auch schon den Kleinsten zugänglich zu machen. Ich habe eins bestellt und dann werden wir sehen, ob die Bücher den Erwartungen gerecht werden.

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Britta Teckentrup: „Wunderdinge der Natur“

Britta Teckentrup
Ars Edition
empfohlenes Alter: 24 Monate – 4 Jahre
10,00€

 

 

 

Dies ist ein sehr liebevoll gestaltetes Buch mit ansprechenden Bildern und nicht zu überladenen Seiten. Hinter den Klappen verbergen sich allerlei Wunderdinge zu den Themen:

Es grünt und blüht

Aus klein wird groß

Hier wohne ich

Sonne, Schnee und Regen

Hier bin ich sicher

Aus Tag wird Nacht.

Zu jedem Bild gibt es einen kleinen Text, der, zugegeben, nicht sonderlich einfallsreich ist. Aber für die Bedürfnisse eines Kindes dieser Altersgruppe ist das Buch vollkommen passend. Auch eine schöne Geschenkidee.

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