Monat: Oktober 2017

Anne-Kristin zur Brügge: „Wie kleine Kinder schlafen gehen“

 

Anne-Kristin zur Brügge/ Marina Rachner
Verlagsgruppe Oetinger
empfohlenes Alter: ab 1 Jahr
5,99€

 

 

Sanftes Schlummern und süße Träume! Wie sagt man sich eigentlich in anderen Familien „gute Nacht“? Das erfahren wir in diesem wunderbar warmherzigen Pappbilderbuch. Und die lieb gewonnenen Gewohnheiten sind keineswegs in jeder Familie die gleichen: Mal wird gekuschelt, mal gesungen, es wird gekrault und geküsst. Und am Ende fallen allen Kindern die müden Äuglein zu. Das Buch liefert viele Anregungen für Rituale zur Guten Nacht und animiert zum Nachmachen.Liebevoll gereimt, mit leisem Humor illustriert, regt zum Nachahmen an: Sanfte Einschlafhilfe für unsere Kleinen! (Verlagstext)

Gibt es eigentlich noch ein Kinderzimmer, in dem ‚Wie kleine Tiere schlafen gehen‘ nicht im Bücherregal steht? Unsere Ausgabe ist mittlerweile schon ganz abgegriffen und ich kann sämtliche Reime auswendig. Mein Kleiner kringelt sich vor Lachen, wenn wir die Einschlafrituale nachmachen.

Leider…leider, leider kann ‚Wie kleine Kinder schlafen gehen‚ nicht an den Vorgänger anknüpfen.

Das Buch besteht aus robuster Pappe, gut für grobmotorische Kinderhände. Die Illustrationen sind gewohnt niedlich, in angenehmen Farben gehalten, die die abendliche Einschlafatmosphäre wiederspiegeln. Die abgebildeten Eltern und Großeltern erwecken jedoch den Eindruck, als würden sie am Rande der Erschöpfung krauchen und es kaum erwarten können, dass der Spross endlich die Augen schließt und einschläft. Vielleicht ist das ja der leise Humor?

Den Reimen fehlt es an Einfallsreichtum und diesem gewissen Witz, der sie einprägsam macht. Dafür sind einige Zeilen eins zu eins aus ‚Wie kleine Tiere schlafen gehen‘ übernommen worden. Insgesamt kann mich dieses Buch leider nicht überzeugen. Es wirkt wie ein Abklatsch, bei dem sich nicht sehr viel Mühe gegeben wurde.

Catherine Rider: „Kiss me in Paris“

Catherine Rider
cbt-Verlag
ISBN: 9783570164785
12,99€

 

 

 

 

New Yorkerin Serena Fuentes hatte es sich alles so schön vorgestellt: Paris, die Stadt der Liebe, 21. Dezember, auf den Spuren der Hochzeitsreise ihrer Eltern, gemeinsam mit der Schwester – Romantik pur! Doch die Schwester düst mit ihrer neuesten Flamme nach Madrid ab, während Serena bei einem komplett Fremden unterkommen muss. Quelle horreur! Jean-Luc Thayer ist nur mäßig begeistert von der Aussicht, eine amerikanische Touristin babysitten zu müssen. Umso irritierter ist er, als Serena ihn auf eine von A bis Z durchgeplante Tour durch die Stadt mitzerrt. Jean-Luc improvisiert lieber, vorzugsweise mit der Kamera. Aber irgendwann auf dem langen Spaziergang durch Paris merken Serena und Jean-Luc, dass Gegensätze sich anziehen … (Klappentext)

So, meine Lieben, heute habe ich einen kleinen Vorgeschmack auf Weihnachten für euch. In den Geschäften stehen nun schon seit Anfang September die ersten Lebkuchen. Kommt es euch nicht auch so vor, als würden sie jedes Jahr ein bisschen eher in den Regalen auftauchen? Bisher habe ich tapfer allen Versuchungen widerstanden und nichts gekauft, doch der Mann brachte jüngst eine Packung Lebkuchen mit nach Hause. Spätestens wenn morgen der Wetterumschwung kommt und es draußen kalt und regnerisch ist, wird meine Selbstdisziplin auf eine harte Probe gestellt werden. Der Kaffee mit Milchhäubchen und braunem Zucker oben drauf würde sich ohne Lebkuchen vermutlich soweiso einsam fühlen und nur halb so gut schmecken. Kann ich das wirklich verantworten?

Seid ihr jetzt ein bisschen in Schmuse-Kuschel-Vorweihnachtsstimmung? Wäre praktisch, denn in diesem Beitrag geht es um eine romantische Geschichte im vorweihnachtlichen Paris.

‚Kiss me in Paris‘ ist eine kurzweilige Lektüre. Am Anfang sträubten sich bei mir zwar die Nackenhaare, aber je länger man liest, umso besser wird es. Spätestens wenn ab Mitte des Buches der Champagner fließt.

Das Cover ist wunderbar weihnachtlich gestaltet und weckt damit gewisse Erwartungen an die Handlung, die – ich muss es leider sagen – nicht erfüllt werden. Ein verschneites, weihnachtlich illuminiertes Paris mit Weihnachtsmarktbesuch taucht nicht auf. Aber es gibt jede Menge Nebel auf der Seine.

Die Protagonistin Serena ist eine strukturierte New Yorkerin, die die gesamte Reise peinlich genau durchorganisiert hat. Sie hat eine Agenda, die sie innerhalb von 24 Stunden abarbeiten will. Auf den Spuren der Hochzeitsreise ihrer Eltern, um ein Scrapbook zu basteln. Da rollen sich bei mir ja schon die Zehennägel auf. Er soll den tiefgründigen Typ mit Bindungsängsten und Fotoapperat darstellen, der ihr das wahre Paris näherbringt.
Die gesamte Handlung ist vorhersehbar. Natürlich muss der durchorganisierte Plan scheitern. Natürlich fängt er mit seiner Kamera die unterdrückte Traurigkeit in ihr ein und natürlich ist sie sein 1A Projekt für die Uni.

Dank des  Schreibstils und des unaufregenden Handlungsverlaufs plätschert die Geschichte angenehm flüssig vor sich hin. Ich mag es zwar nicht, wenn Geschichten im Präsens geschrieben sind, aber das ist meine ganz persönliche Empfindung und nicht zwangsläufig negativ. Was mich wirklich gestört hat, waren die vielen kursiv gedruckten Wörter, um zu verdeutlichen, dass eine Figur etwas besonders betont. Teilweise wurde gefühlt jedes zweite Wort betont. Was echt nicht notwendig ist. Ich bin nämlich durchaus in der Lage, mich in die Handlung hineinzuversetzen und selbst zu merken, worauf die Figur hinaus möchte. Da brauche ich nicht so überdeutliche Hinweise durch den Autor.

Insgesamt ist das Buch eine nette, seichte Unterhaltung. Die Handlung wird im Verlauf besser und am Ende fand ich sie dann doch ganz niedlich und stellenweise sogar amüsant.

Vielen Dank an den Verlag für die Zusendung eines Rezensionsexemplars!

 

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Kathrin Lange: „Die Fabelmacht-Chroniken. Flammende Zeichen.“

 

Kathrin Lange
Arena Verlag
ISBN: 9783401603391
18,00€

 

 

 

 

Schon seit Langem existiert sie in den Gassen und Straßen von Paris: die Fabelmacht, eine seit Generationen sorgsam gehütete Gabe. Jeder, der sie besitzt, kann die Wirklichkeit umschreiben. Doch davon ahnt Mila nichts, als sie nach einem Streit mit ihrer Mutter nach Paris flüchtet. Bis sie auf den geheimnisvollen Nicholas trifft, der die Gabe wie kein anderer beherrscht. Und obwohl Mila ihn noch nie gesehen hat, kennt sie sein Innerstes. Denn sie schreibt schon über ihn, solange sie denken kann. Als Nicholas‘ Familie beginnt, Jagd auf sie zu machen, erfährt sie, dass auch er über sie geschrieben hat – mit gefährlichen Folgen. Ein Kampf der Geschichten um Liebe und Tod entbrennt! (Klappentext)

Ich habe von Kathrin Lange bereits die ‚Herz aus Glas‘ – Reihe gelesen und war restlos begeistert, weshalb ich natürlich bei der neuen Buchreihe nicht gezögert habe. Die Aufmachung des Buches ist fantastisch und der Klappentext klingt leidlich interessant. Ein bisschen zu viel ‚Sie trifft ihn und es ist die ganz große Liebe‘, die Idee mit der Fabelmacht allerdings ist wirklich genial. Dahinter steht ein sehr komplexer Grundgedanke: Fabelmächtige können die Wirklichkeit verändern, sie erschaffen neue Universen und können von einem ins nächste wechseln, wenn sie die Fabelmacht benutzen. Eine wundervolle Vorstellung, die ungeahnte Möglichkeiten eröffnet.

Leider erfährt der Leser relativ wenig über die Gesetzmäßigkeiten der Fabelmacht. Wir wissen, dass Nicholas, der derzeit mächtigste Fabelmächtige, eine Geschichte geschrieben hat, die auf dramatische Weise enden wird. Und diese Geschichte wird mit Milas Ankunft in Paris in Gang gesetzt. Soweit so spannend. Nicholas‘ Vater setzt ein paar Auftragskiller auf Mila an und die Verfolgungsjagd durch Paris beginnt. Eigentlich besteht das ganze Buch nur aus der Verfolgungsjagd, wodurch die Fabelmacht zweitrangig wird. Doch was geschieht eigentlich in Nicholas‘ Geschichte? Darüber kann man nur Mutmaßungen anstellen. Inwiefern soll Milas Tod etwas an deren Ausgang ändern? Dieser Umstand ist mir nach dem Lesen des Buches absolut unverständlich. Genauso wenig kann ich die Liebesbeziehung zwischen Mila und Nicholas nachvollziehen. Es gibt kaum Szenen mit den beiden. Der eine hat über den jeweils anderen geschrieben. Schön, aber was? Und als müsste auf Krampf noch jedes Liebesgeschichtenklischee erfüllt werden, gibt es eine Dreiecksbeziehung. Davon bin ich seit Team Edward und Team Jakob leider übersättigt. Überhaupt konnte ich mit den Figuren wenig anfangen. Es wird zu wenig über sie preisgegeben. Dazu bleibt auch keine Zeit bei der turbulenten Handlung.

Am Ende bin ich also echt enttäuscht. Der Fokus liegt für meinen Geschmack zu stark auf der Verfolgungsjagd, ein bisschen zu sehr Thriller. Daneben geht alles andere unter, was sehr schade ist. Bleibt nur zu hoffen, dass Teil 2 die Lücken füllt, die Teil 1 hinterlassen hat.

 

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Nina Blazon: „Fayra – Das Herz der Phönixtochter“

Nina Blazon
cbt-Verlag
Altersempfehlung ab 10 Jahren
16,99€

 

 

 

Die 12-jährige Anna-Fee hat mit ihren Eltern vor Kurzem eine schicke Wohnung in einem alten Herrenhaus bezogen. Im verwunschenen Garten des Anwesens begegnet sie nach einer Sturmnacht einem rätselhaften Mädchen. Fayra wurde von einem durchtriebenen Jäger aus einer Parallelwelt hierher gelockt, denn als Tochter eines von Phönixdrachen abstammenden Königs besitzt sie begehrte magische Kräfte. In einem Wettlauf gegen die Zeit suchen die Mädchen nach einem Feuertor, das Fayra wieder nach Hause und in Sicherheit bringt … (Klappentext)

Nina Blazon ist eine dieser Autorinnen, deren Schaffen ich regelmäßig verfolge. Zugegeben, ich lese nicht jedes einzelne ihrer Werke, doch alle paar Jahre geschieht es, dass sie ein Buch veröffentlicht, das einfach dieses gewisse Etwas hat. Das mich an den Lesesessel bindet. Und das ich am liebsten gar nicht mehr aus der Hand legen möchte. So bereits geschehen bei ‚Faunblut‘, ‚Zweilicht‘ und ‚Laqua‘. ‚Fayra‘ reiht sich nahtlos in die Liste dieser Werke ein.
Was mir besonders gefällt, ist die Vermischung von Realität und Fantasie. Es ist immer noch unsere Realität, unsere Wirklichkeit, aber durchzogen von einer schillernden und teilweise sehr düsteren Fantasie. Gerade die unheimlichen, nicht greifbaren Gestalten in Frau Blazons Werken erinnern mich häufig an Charles Dickens Romane. Oder an E.T.A. Hoffmann. ‚Nussknacker und Mäusekönig‘ fällt mir dazu ein. Der Übergang von der Realität in ein fantastisches Märchenreich geschieht fließend, fast unbemerkt. Frau Blazon schafft es wie keine andere das Märchenhafte in unserer Welt hervorzubringen. Eigentlich eine Fähigkeit, die uns Erwachsenen abhanden gekommen ist.

‚Fayra‘ war das ideale Buch für die goldenen Oktobertage. Jedes Mal, wenn ich unter dem rotgoldenen Blätterdach spazieren gehe und meine Füße durch das abgefallene Laub rascheln, über mir der wolkenlose, blaue Himmel, denke ich, dass es so auch in Fayras Welt aussehen muss. Lest das Buch. Es ist spannend, bietet eine märchenhafte Unterhaltung und ist nicht unbedingt nur etwas für Kinder.

Und zum Abschluss noch ein paar lobende Worte an den Verlag: Was für ein edel gebundenes Buch mit einer wundervollen Covergestaltung. SO sieht für mich der Leseherbst aus!

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Barry Jonsberg: „Das ist kein Spiel“

Barry Jonsberg
cbt-Verlag
Altersempfehlung: ab 14 Jahre
14,99€

 

 

 

Jamie ist 16 Jahre alt und ein Mathe-Genie. Verblüffend logisch und ehrlich ist sein Blick auf seine eigene Familie – und darauf, dass da etwas schief läuft. Zum Beispiel bei Summerlee, seiner rebellischen älteren Schwester. Als die an ihrem 18. Geburtstag mehrere Millionen im Lotto gewinnt, sagt sie sich endgültig von der Familie los – und provoziert eine Kettenreaktion von Unheil. Jamies kleine Schwester Phoebe wird entführt und der Kidnapper verlangt zwei Millionen. Ausschließlich mit Jamie will er darüber verhandeln. Warum? Wieso weiß der Täter so viel über Jamie? Und weshalb fühlt sich das Ganze wie ein einziges Duell an, bei dem Jamies Kombinationsgabe auf eine tödliche Probe gestellt wird? (Klappentext)

Ein recht spannender Thriller für Jugendliche.

Doch, wirklich. Ihr seht es zwar nicht, aber ich sitze wohlwollend nickend vor dem Computer, während ich diese Zeilen tippe. Für Jugendliche ist dieses Buch absolut empfehlenswert. Die Geschichte packt einen von der ersten Seite an und man rauscht – wie es sich für einen guten Thriller gehört – durch das gesamte Buch, weil einen die Spannung nicht mehr loslässt. Dazu trägt nicht zuletzt der Schreibstil des Autors bei. Flüssig, jugendlich, von Anfang bis Ende gleichbleibend fesselnd und stilsicher.

Die Schwächen liegen für mich in der Konzeption der Figuren, die allesamt zu sehr Stereotype sind. Da haben wir die rebellische große Schwester, die an der Grenze zum Erwachsensein und von ihrer Unabhängigkeit überfordert im Sumpf von Alkohol und Drogen versinkt. Sie lässt bei ihrem Absturz wirklich kein Klischee aus. Die Eltern sind in allen Situationen überfordert, hilflos und doch eher untätig. Zum Glück gibt es da den sympathischen Außenseiter, der eigentlich ein mathematisches Genie ist, auf den sich alle verlassen und der die Familie zusammenhält. Natürlich ist nur er mit seinem scharfen, logischen Verstand in der Lage, die kleine Schwester zu retten.

Am meisten betroffen macht mich die Geschichte der kleinen Phoebe, die durch die Entführung und die lange Zeit mit ihrem Kidnapper frühzeitig  der Unschuld ihrer  Kindheit beraubt wird. Ihr Schicksal ist hart und lässt den Leser nachdenklich zurück. Und auf diesen Effekt am Ende kommt es doch an. Wie häufig lesen wir Bücher, legen sie weg und denken nicht mehr darüber nach? „Das ist kein Spiel“ von Barry Jonsberg wirkt auf jeden Fall nach und ist deshalb lesenswert.

Es ist nicht der aufregendste Thriller, den ich gelesen habe, aber nach all den Krimiserien, die im Fernsehen auf uns einprasseln, ist es schwierig geworden, einen mit dramatischen Handlungen noch vom Lesesessel zu reißen.

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