Monat: November 2017

Karen Christine Angermayer: „Schnauze, jetzt ist Stille Nacht!“

Karen Christine Angermayer
cbj Verlag
empfohlenes Alter: ab 8 Jahren
10,99€

 

 

 

 

 

„Stihille Nacht, heilige Nacht ….!“, brummt Hund Bruno vor sich hin, der die Ruhe schätzt und Veränderungen so sehr verabscheut wie die Betriebsferien seines Lieblingsmetzgers. Doch mit der stillen Nacht und dem Frieden wird es wohl auch dieses Jahr zu Weihnachten nichts werden: Denn erstens muss er zum Advent vorübergehend bei Katze Soja und ihrem Frauchen einziehen und zweitens stellen sie mit Entsetzen fest, dass die Kamele der Heiligen Drei Könige aus der Krippe am Marktplatz verschwunden sind. Klar, dass Soja den Royals unbedingt helfen will. Und so beginnt für die beiden selbsternannten Spürnasen ein Abenteuer, das weder still noch heilig ist! (Klappentext)

Der zweite Adventskalender in Buchform, den ich euch in dieser Woche vorstellen möchte. Für all diejenigen, die noch unentschlossen auf der Suche sind oder im Supermarkt stehen und feststellen, dass einen Tag vor dem 1. Dezember keine gescheiten Adventskalender mehr übrig sind, habe ich eine frohe Botschaft: Ab ins Buchgeschäft!

Ehrlich gesagt, freue ich mich mit der gleichen kindlichen Begeisterung wie mein Sohn, wenn morgen das erste Türchen geöffnet werden darf. In unserer Familie hat jeder einen eigenen Adventskalender, in den die Wichtel jede Nacht eine Kleinigkeit legen. Für den Mann gibt es meistens was Süßes. Mehr braucht er nicht, um glücklich zu sein, sagt er. Ich – in der Weihnachtszeit doch halbwegs darauf bedacht, nicht den obersten Knopf meiner Jeans zu sprengen – freue mich mehr über einen Badezusatz oder Nagellack. Das Kind macht sich nichts aus Süßigkeiten und noch viel weniger aus Nagellack oder dergleichen. Aber was kommt immer gut an? Wenn Mama vorliest.

Schnauze, jetzt ist stille Nacht ist bereits der dritte Band aus der Reihe und in einer stabilen Hardcoverausgabe zu bekommen, die optisch einiges her macht.  Auch bei diesem Adventskalenderbuch wird jeden Tag eine Doppelseite an der Perforation aufgerissen. Dahinter verbirgt sich dann ein neues Kapitel der Geschichte. Da das Aufreißen für Kinder vermutlich ein sehr entscheidener Faktor ist, und man sie natürlich nicht dieses Vergnügens berauben möchte, stehen Eltern vor dem schon bekannten Problem: Man kann nicht Probelesen. Aber dafür bin ich ja da.

Liebe Eltern, dieses Buch könnt ihr bedenkenlos mitnehmen. Die Handlung schreitet aus der täglich wechselnden Sicht zwischen Hund Bruno und Katze Soja amüsant voran. Die Charaktere sind ganz liebevoll gestaltet. Dank der großzügigen Schriftgröße und eines unkomplizierten Schreibstils ist das Buch für die ersten eigenen Leseversuche eines Kindes bestens geeignet, aber auch jüngere Kinder finden Gefallen an der Geschichte. Die täglichen Kapitel sind nicht zu lang.

Und noch ein Vorteil für alle, die wie wir in der Adventszeit viel herumreisen, dieses Buch passt in jede Handtasche. So muss keinen einzigen Tag auf das Lesevergnügen verzichtet werden.

 

Gerlis Zillgens: „Lametta ist weg“

Gerlis Zillgens
cbj Verlag
empfohlenes Alter: ab 8 Jahren
7,99€

 

 

 

Der adelige Kater und ehemalige Zirkusartist von Mauswart findet die Vorweihnachtszeit ziemlich lästig. Die Zweibeiner, die jetzt ständig ins Tierheim Für alle Felle kommen, gehen ihm schrecklich auf die Nerven. Da helfen auch die Freunde Paule, das kleine Meerschweinchen, und Flöckchen, die große Deutsche Dogge, nicht weiter. Wie gut, dass es wenigstens Lametta gibt. Die ist nicht nur die schönste Katze aller Zeiten. Sie riecht auch so unglaublich gut. Doch dann geschieht das Ungeheuerliche: Auf einmal ist Lametta weg! (Klappentext)

Als Alternative zum üblichen Adventskalender mit Süßigkeiten gibt es für Kinder diese Adventsgeschichte in 24 Kapiteln. Jeden Tag wird durch Aufreißen eine Doppelseite geöffnet und die Geschichte spinnt sich fort. Eine schöne Idee, doch mit Schwächen. Ein Probelesen ist durch die verschlossenen Seiten nicht möglich. Man kann zwar versuchen, zwischen die Seiten zu lugen, aber … nein, eigentlich bringt es das nicht. An der Perforation lassen sich die Seiten leicht voneinander trennen, auch ohne Lineal oder Brieföffner (Steht so in der kleinen Gebrauchsanweisung auf der ersten Seite. Wie niedlich.) Ich habe meinen Finger genommen und kann lobend berichten, dass keine einzige Seite beschädigt oder sonst wie in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Das Taschenbuchformat ist für junge Leser vermutlich ganz praktisch, obwohl ich Hardcover bevorzugen würde. Hier erinnert die Buchbindung an ein einfaches Leseheft, dessen Nutzung nicht von Dauer sein soll.  Die Illustrationen sind sicherlich Geschmackssache, zeugen jedoch nicht von großer Kunstfertigkeit.

Einige Grundideen und die Gestaltung der unterschiedlichen Tiercharaktere sind schon witzig. Die Handlung ist zeitweise spannend und amüsant, die Abschnitte sind kurzweilig und enden manchmal ziemlich abrupt. Am Schreibstil gibt es nichts auszusetzen. Nur eine Frage hätte ich: Wie passend sind bitte Formulierungen wie ‚Ich bringe sie alle um‘ in einem Kinderbuch?

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Shrabani Basu: „Victoria & Abdul“

Shrabani Basu
Goldmann-Verlag
ISBN: 9783442159369
10,00€

 

 

 

Der stattliche, gut aussehende Abdul Karim war gerade vierundzwanzig Jahre alt, als er seine große Reise von Indien nach England antrat. Als Gesandter der indischen Kolonien kam er an den Königlichen Hof in London, um Ihrer Majestät Queen Victoria (Judi Dench), der Kaiserin von Indien, anlässlich ihres 50. Thronjubiläums (1887) im Haushalt zu dienen. Eine Begegnung mit dem jungen Muslim aus Agra, der Stadt des Taj Mahal, entflammte Victorias Neugier. Die auf die siebzig zugehende Monarchin erhob Abdul in den Stand des königlichen Lehrers und Sekretärs, es entwickelte sich eine intensive Freundschaft. Im Königshaus sorgte das für Spannungen, doch gegen alle Widerstände und Intrigen bestand die Queen darauf, sich auch auf Reisen stets von ihrem indischen Vertrauten begleiten zu lassen. Abdul sollte bis zu Victorias Tod nicht mehr von ihrer Seite weichen. Ein Skandal und zugleich eine zarte Liebesgeschichte. (Umschlagtext)

Die Geschichte von Queen Victoria und ihrem Munshi (Sprachlehrer) beruht auf wahren Begebenheiten. Es ist eine ganz bezaubernde Geschichte zwischen der Monarchin, die ein ganzes Zeitalter geprägt hat, und dem sehr viel jüngeren Inder, der sie in Hindustani unterrichtete und ihr von dem Land berichtete, dessen Kaiserin Victoria war und das sie selbst nie bereist hat. Zwei Menschen hätten nie unterschiedlicher sein können und dennoch entspinnt sich zwischen ihnen eine tiefe Freundschaft und Verbundenheit.

Shrabani Basu widmet sich diesen beiden Figuren in ihrem Buch mit sehr viel Respekt und erzählt ihre Geschichte mit viel Feingefühl. Basu erfasst die Vielschichtigkeit dieser Charaktere und macht sie für den Leser greifbar.

Die Lesart ist ein wenig schwierig zu bestimmen. Ist es eine historische Dokumentation? Oder ein Sachbuch? Um das ganze Werk abzurunden, hätte es mir besser gefallen, wenn die Darstellungsform mehr in Richtung Roman gegangen wäre. Ansatzweise geschieht das sogar, beispielsweise, wenn wir in Victorias Alltag eintauchen, doch dann reihen sich Jahreszahlen und Ereignisse  aneinander, die Geschichte wird aus der kühlen Distanz eines Historikers geschildert. Ich fürchte, wer hier einen historischen Roman erwartet, wird enttäuscht sein.

Aber da mir die Geschichte gefällt, werde ich vermutlich als nächstes den Film gucken. Judi Dench als Queen Victoria scheint ja zu passen wie die Faust auf’s Auge.

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Jane Austen: „Stolz und Vorurteil“

Jane Austen
Penguin Verlag
ISBN: 978-3328101666
10,00€ (Taschenbuch)

 

 

 

Nicht weniger als fünf Töchter haben die Bennets standesgemäß unter die Haube zu bringen. Kein leichtes Unterfangen für eine Familie auf dem Land, die nur über ein bescheidenes Vermögen verfügt. Ausgerechnet die intelligente Elizabeth, das Lieblingskind des Vaters, erweist sich als besonders schwieriger Fall. Zum allgemeinen Unverständnis hat sie die Stirn, den Antrag eines wohlsituierten Pfarrers auszuschlagen. Statt dem Drängen der Familie nachzugeben, folgt Elizabeth hartnäckig ihrem eigenen Urteil… (Verlagstext)

Stolz und Vorurteil ist der wohl bekannteste Roman der britischen Schriftstellerin Jane Austen. Er erschien im Jahre 1813. Seither wurden über 20 Millionen Exemplare verkauft. Es ist ein Sittenroman, in dem die Irrungen und Wirrungen bei der Partnerwahl zu Jane Austens Zeit mit ihrem unvergleichlichen Wortwitz, Ironie und Scharfblick porträtiert werden.

Die existenzielle Problematik, in der sich Jane Austens weibliche Protagonistinnen und wahrscheinlich viele junge Damen in England um 1800 befunden haben, war die Suche nach einem Ehemann. Frauen besaßen zu jener Zeit nur eingeschränkte Möglichkeiten, ihren Lebensunterhalt abzusichern. Vorzugsweise durch die Heirat mit einem Mann, der über ein beträchtliches Vermögen verfügte. Zu jener Zeit wurden Ehen zumeist unter dem Gesichtspunkt der materiellen Absicherung geschlossen, nicht aus Liebe.

Jane Austen benutzt die titelgebenden Leitmotive für ein wechselseitiges Spiel in der Entwicklung der Liebesgeschichte zwischen Elizabeth Bennet und Fitzwilliam Darcy. Beide müssen zahlreiche Missverständnisse, Verleumdungen und Vorurteile überwinden, ehe sie zueinander finden. Es gibt kaum ein anderes Buch, in dem die Figuren so tiefgründig sind, so häufig Selbstanalyse betreiben und sich derart weiterentwickeln.

Stolz und Vorurteil entführt uns in ein Jahrhundert, das geprägt ist von Konventionen, gesellschaftlichen Regeln und strengen sozialen Strukturen, und trotzdem ist die Liebesgeschichte zwischen Elizabeth und Mr. Darcy zeitlos, was die zahllosen Adaptionen beweisen.

Wer einen Einstieg in Jane Austens Romane finden möchte, ist mit Stolz und Vorurteil am besten beraten. Der Ausgabe vom Penguin Verlag möchte ich eine besondere Empfehlung aussprechen. Ich habe häufig gelesen, dass Probleme bestehen, Jane Austens Ausdrucksweise beziehungsweise ihren Schreibstil zu verstehen. Bei der vorliegenden Übersetzung dürfte es die wenigsten Schwierigkeiten geben. Ich habe verschiedene Übersetzungen und diese auch mehrmals gelesen, um sie miteinander vergleichen zu können. In diesem Taschenbuch ist die Sprache deutlich leichter verständlich, moderner, etwas geraffter. Außerdem erleichtert einem die Schriftgröße das Lesen ungmein.

Vielen Dank an das Bloggerportal der Random House Verlagsgruppe, das mir diese Ausgabe als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

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Terry Brooks: „Die Shannara-Chroniken: Die Erben von Shannara 1. Heldensuche“

Terry Brooks
Blanvalet-Verlag
ISBN: 978-3734161391
9,99€

 

 

 

Der letzte Druide Allanon ist bereits seit drei Jahrhunderten tot. Inzwischen ist in den Vier Ländern Magie verboten, und die sogenannten Sucher verfolgen jeden, der ihre Gesetze missachtet. Da erhält Par Ohmsford von Allanons Schatten den Auftrag, das Schwert von Shannara zu finden und die Vier Länder von der Unterdrückung der Sucher zu befreien. Doch als er die mächtige Waffe endlich in den Händen hält, macht Par eine grausame Entdeckung – und steht vor der schwersten Entscheidung seines Lebens. (Klappentext)

Für diesen Beitrag musste ich einiges recherchieren, schon während des Lesens und besonders jetzt im Nachhinein. Denn ich gestehe, mich hat schlicht das Cover angezogen wie das Licht die Motte. Den Klappentext habe ich vollkommen übergangen. Alles, was mir ins Auge sprang, war der große Schriftzug SHANNARA. Da knüpften die Synapsen in meinem Hirn sofort eine Verbindung: das war doch diese viel beworbene Serie auf Amazon Prime, von der ich sogar eins zwei Folgen gesehen hatte! Wegen der Jungdarsteller, deren schauspielerisches Talent mich leider nicht überzeugen konnte, bin ich aber ausgestiegen. Vielleicht wäre das Buch ja besser? Diese vermeintlich neue Ausgabe hat ja auch ein schöneres Cover. Hm. Ja. Mein Irrtum.

‚Die Erben von Shannara‘ ist der 4. Band der Shannara-Chroniken und gleichzeitig der Beginn einer neuen, eigenständigen Reihe. Die Handlung startet 300 Jahre nach dem Ende des 3. Bands. Dem Klappentext nach zu schließen, schien mir diese fortführende Geschichte vielversprechend und ich war wirklich willens, mich in diese Fantasy-Welt hineinzuversetzen. Aber leider konnte mich das Buch ganz und gar nicht fesseln. Zu einem großen Teil liegt das an Terry Brooks Schreibstil, der sich am besten mit langatmig und staubtrocken beschreiben lässt. Es fehlt an Witz und Schwung. Die Figuren sind farblose Gestalten, die unmotiviert durch die Handlung schlurfen. Gut, die Handlung bietet ja auch wenig Abwechslung.

Ich fühlte mich stellenweise an Tolkiens Herr der Ringe erinnert, was vermutlich daran liegt, dass häufig von den Gefährten die Rede ist. Die Landschaftsbeschreibungen sind sehr gelungen und schaffen einen Hauch der düsteren Atmosphäre. Kurz denkt man, jetzt ist man endlich in der Geschichte angekommen. Allerdings wäre eine Landkarte der ‚Vier Länder‘ wirklich nützlich gewesen. So ließ sich der Weg der Gefährten schlecht verfolgen und die vielen geografischen Beschreibungen verwirrten. Und damit war man aus der Handlung wieder raus.

Den größten Respekt habe ich vor der Schreibleistung als solche. 542 Buchseiten zu füllen, ist beachtlich.

Und sich durch sie hindurch zu quälen, finde ich noch viel beachtlicher.

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Holly Ivins: „Jane Austen. Eine Entdeckungsreise durch ihre Welt“

 

Holly Ivins
Deutsche Verlags-Anstalt
ISBN: 9783421047694
14,99€

 

 

 

 

Haben Sie schon einmal von Mr. Darcy geträumt? Wären Sie nicht auch gern die Auserwählte, der ein Gentleman wie Mr Knightley beim Contredanse sehnsüchtige Blicke zuwirft? Wie es im Herzen der Frauen aussieht, weiß keine Autorin so gut wie Jane Austen. Noch heute lieben und leiden viele Leserinnen mit den Schwestern Bennet und Dashwood, und die Welt der englischen Klassikerin fasziniert nicht weniger als vor 200 Jahren. Holly Ivins gewährt uns Blicke hinter die Fassaden der prunkvollen Herrenhäuser und beschreibt mit großer Lust am Detail, wie man sich als Dame schicklich kleidete und wie ein Gentleman seiner Angebeteten formvollendet den Hof machte. Sie erzählt davon, was Mann durfte, Frau aber nicht, für die es sich vor allem nicht ziemte, Romane zu schreiben. Lassen Sie sich entführen in den Alltag in der Regency-Zeit – Holly Ivins weiht Sie ein in die Geheimnisse von Jane Austen. (Klappentext)

Ich kann es einfach nicht fassen!
Aber es gibt sie.
Menschen, die nicht wissen, wer Jane Austen ist.
Menschen, die noch nie von Mr. Darcy gehört haben.
Die noch nicht einmal durch Zufall, Schicksal oder das einseitige Fernsehprogramm auf irgendeine Verfilmung der Romane gestoßen sind.
Für diese Menschen hätte ich gerne immer eine Ausgabe dieses Buches parat.

Holly Ivins‘ Buch ist eine kompakte, handliche Ausgabe, die eine Übersicht über alle wichtigen Themen rund um Jane Austen enthält. Es beschreibt Janes Leben und Wirken eingebettet ins Zeitgeschehen gespickt mit witzigen Fakten und Einschüben. Die Texte sind komprimiert, unterhaltsam und leicht verständlich.

Ich denke, man hat bei diesem Buch versucht, einen Mittelweg zu finden, um eingefleischte Jane-Austen-Fans und Neulinge gleichermaßen anzusprechen. Deshalb bin ich auch ein wenig zwiegespalten. Mich selbst zähle ich zur ersten Kategorie. Einen Roman von Jane Austen lese ich immer (zurzeit mal wieder Northanger Abbey). Ich kaufe unterschiedliche Ausgaben der Romane, um die Übersetzungen miteinander zu vergleichen und mache kleine Randnotizen. Und ich stürze mich auf jede Filmadaption. Holly Ivins‘ Entdeckungsreise erweckt am Anfang den Anschein von wissenschaftlicher Integrität, kann dem Anspruch jedoch nur wenige Seiten genügen. Manche Themen werden mir zu oberflächlich angerissen, dafür ist die Zusammenfassung der einzelnen Romane sehr ausschweifend. Neulinge wiederum werden gerade diese Übersicht der Romane als praktisch empfinden.

Nichtsdestotrotz habe ich viel Wissenswertes über Jane erfahren und finde, dass dieses Buch bei jedem ins Regal gehört.

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Tom Fletcher: „Der Weihnachtosaurus“

 

Tom Fletcher
cbt-Verlag
empfohlenes Alter: ab 8 Jahren
14,99€

 

 

 

Die Weihnachtswichtel am Nordpol sind ganz aus dem Häuschen, als sie tief im Eis ein geheimnisvolles Ei entdecken. Der Weihnachtsmann höchstpersönlich brütet das Ei unter seinem dicken Po aus. Zur Verblüffung aller schlüpft ein freundlicher kleiner Dinosaurier: der Weihnachtosaurus. Zufällig schickt zur gleichen Zeit, tausende Kilometer entfernt, ein kleiner Junge namens William seinen Wunschzettel an den Weihnachtsmann ab: Er wünscht sich einen echten Dinosaurier. Als William und der Weihnachtosaurus einander in der Weihnachtsnacht begegnen, erleben die beiden nicht nur ein fantastisches, zum Brüllen komisches Abenteuer, sondern auch, was es heißt, den Wünschen seines Herzens zu folgen. (Klappentext)

Jajaja, ich weiß. Es weihnachtet immer mehr, und das schon im November. Aber vielleicht ist der ein oder andere bereits auf der Suche nach Weihnachtsgeschenken? Den Weihnachtosaurus kann ich jedem ans Herz legen, der eine klassische Weihnachtsgeschichte zu schätzen weiß. Und der Dinosaurier mag.

Nach meiner Auffassung gehört zu einer guten Weihnachtsgeschichte immer eine ordentliche Portion Tragik. Die ist wichtig, damit das Weihnachtswunder umso eindrucksvoller zur Geltung kommt. Beim Weihnachtosaurus verbirgt sich so ziemlich hinter jeder Figur ein tragischer Hintergrund. Die Hauptfigur William Trudel beispielsweise sitzt nach einem schweren Unfall in der frühen Kindheit im Rollstuhl, seine Mutter ist verstorben, der Vater bemüht sich nach Kräften. Ein sensibles Thema, das von Autor und  Verlag einfühlsam erzählt wird. Trotz seiner Beeinträchtigung ist William ein fröhliches, aufgewecktes, in Dinosaurier verliebtes Kind. Selbst als die neue Mitschülerin, mit dem lautmalerischen Namen Brenda Pein, William in der Schule schikaniert und er von seinen Freunden ausgegrenzt wird, lässt William sich nicht unterkriegen.

Derweil haben die Wichtel am Nordpol fleißig Geschenke aus dem Eis gegraben. Ja, richtig gelesen. Ausgegraben. Die Erklärung, dass Geschenke tief unten im Eis an den Wurzeln der magischen Weihnachtsbohnen entstehen, ist gleichermaßen kurios wie amüsant. Auf diese Art finden die Wichtel das tiefgefrorene Dinosaurierei, aus dem später der Weihnachtosaurus schlüpft. Wichtel sprechen übrigens immer in Reimen. Herrlich, und hin und wieder ein wenig unflätig.

Auf vielen Seiten finden sich schwarz-weiß Illustrationen, die mit liebevollen Einzelheiten versehen sind. Mir gefällt der korpulente Weihnachtsmann, insbesondere wenn er das Ei ausbrütet.

In dieses Buch ist sehr viel Liebe geflossen, die Begeisterung für das Weihnachtsfest ist auf jeder Seite spürbar. Die Handlung ist stellenweise etwas langatmig geraten, aber durchaus spannend mit bewährten Figurenkonstellationen. Sehr hübsch für Kinder und als Geschenkidee nicht zu verachten.

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