Monat: Juli 2019

Maggie Hall: „Society – Der Kreis der Zwölf“ (Die Society-Reihe, Band 1)

Maggie Hall
cbt Verlag
empfohlenes Alter: ab 14 Jahre
10,00€

Avery Wests Familie kann eigentlich alles möglich machen

Sie gehört nämlich einer mächtigen Geheimgesellschaft namens »Circle« an. Und sie alle denken, Avery sei das fehlende Bindeglied einer uralten Prophezeiung. Ein paar wollen sie als Pfand. Einige möchten ihren Tod. Um ihr Leben zu retten, muss Avery einer Spur folgen, die sie von den Pariser Boulevards in die Gässchen Istanbuls führt. An ihrer Seite der wunderschöne, unberechenbare Stellan und der so mysteriöse wie faszinierende Jack. Doch kann sie ihnen trauen? (Klappentext)

Verschwörungstheorien, Intrigen, eine Schatzsuche, Romantik und dazu eine Spur Glamour

Avery West hat einen PLAN. Sie lässt niemanden an sich heran und geht keine Freundschaften ein, denn sie weiß, dass sie früher oder später alles zurücklassen muss, sobald ihre Mutter wieder einmal mit ihr umzieht. Dabei wünscht Avery sich nichts sehnlicher als eine richtige Familie, die ihr Halt gibt. Dann tauchen plötzlich zwei mysteriöse und unglaublich gutaussehende Jungs an ihrer Schule auf und erzählen Avery, sie sei eine entfernte Verwandte einer bedeutenden Familie. Um mehr über sich selbst herauszufinden oder vielleicht sogar die Familie zu finden, nach der sie sich sehnt, begleitet Avery Stellan nach Frankreich.

Hinter all dem steht eine gigantische Verschwörungstheorie. Beginnend bei Alexander dem Großen, der keine blutsverwandten Nachkommen hatte und sein Reich daher seinen zwölf Feldherren hinterließ. Diese zwölf Familien regieren nun im Hintergrund die ganze Welt und glauben an eine uralte Prophezeihung. Avery könnte ein Teil dieser Prophezeihung sein, aber die Bestimmungen, die mit dieser verknüpft sind, sind mehr als empörend. Und was, wenn die Wahrheit hinter der Prophezeihung eigentlich eine ganz andere ist?

Zusammen mit dem geheimnisvollen Jack folgt Avery einer Spur aus Hinweisen, die sie von Frankreich in die Türkei führen. Eine actionreiche Schnitzeljagd an historischen Schauplätzen und auf Napoleons und Alexanders Spuren beginnt.

Die ganze Handlung ist so actiongeladen, dass man das Buch kaum aus der Hand legen kann. Avery sitzt ständig die Gefahr im Nacken, sie ist auf der Flucht oder entschlüsselt rätselhafte Hinweise. Dazu gibt es einen Hauch verbotener Romantik, Fashion und Glamour. Also wirklich ein Rundumschlag fesselnder Themen.

Ein bisschen verstörend fand ich die Kaltblütigkeit unter den Mitgliedern der zwölf Familien. Sie bekriegen und ermorden sich gegenseitig, geben irgendwelche mittelalterlichen Regeln vor, wer mit wem verheiratet werden soll und sind auch sonst fest im Patriarchat verankert. Dann gibt es noch einen ominösen Orden, dessen Rolle mir noch nicht ganz klar geworden ist. Er sorgt hauptsächlich dafür, Avery über die Landesgrenzen hinaus zu jagen oder urplötzlich in der Nähe aufzutauchen, damit sie –  und der Leser – keine Verschnaufpause haben.  

 „Society – Der Kreis der Zwölf“ ist einer der spannendsten Romane, die ich in letzter Zeit gelesen habe. Verschwörungstheoretiker werden natürlich schmunzeln. Mir gefällt die historische Komponente und dass die Liebesgeschichte nicht im Vordergrund steht. Maggie Hall hat sich eine unglaublich komplexe Handlung ausgedacht und ich kann es kaum erwarten zu erfahren, wie sich all die Fäden miteinander verbinden.

Vielen lieben Dank an den Verlag, dass ich das Buch zu Rezensionszwecken lesen durfte!

Maggie Hall: „Society – Die Karte des Schicksals“ (Die Society-Reihe, Band 2)
erscheint am 10. Februar 2020

Sarah Schocke: „Mittsommer, Lagerfeuer und Blaubeerkuchen: Skandinaviens Glücksgeheimnisse“

Sarah Schocke
Goldmann Verlag
10,00€

Nordische Ideen

Rezepte vom Lande

für jede Jahreszeit

Das Schweden der Bullerbü-Romantik steht für einen Sehnsuchtsort: gemütliche Holzhäuser, idyllische Gärten, Beeren sammeln, Marmelade Kochen, Blumenkränze winden. Ein Ort, an dem man am liebsten verweilen möchte, weil er nach Zimtschnecken duftet und Geborgenheit schenkt. (Klappentext)

Nordische Glückseligkeit für zu Hause

Hygge, Lykke, Lagom und wie sie alle heißen, die Trendbewegungen aus Skandinavien. Sie stehen für alles, was Gemütlichkeit, Wohlbefinden und Heimeligkeit verspricht. Seien es stilvolle Holzmöbel, auf denen sich Duftkerzen aneinander reihen,  die dicken selbstgestrickten Wollsocken auf dem Bärenfell vor dem Kamin oder der Duft von Zimtschnecken. Verbringt doch einmal einen ganzen Nachmittag bei IKEA, dann gewinnt ihr einen guten Eindruck vom skandinavischen Lebensstil.

In Skandinavien sind Hygge und Co keine Neuerfindung. Alle diese Begriffe gibt es bereits seit Jahrhunderten. Sich ein gemütliches, warmes zu Hause zu schaffen und sich mit Freunden, Familie und anderen Dingen zu umgeben, die einem Freude bereiten, ist gerade in den Wintermonaten besonders wichtig, wenn die Sonne nur kurz oder gar nicht aufgeht.  Aber Skandinavien zeichnet sich auch durch die wunderschöne Landschaft, eine unberührte Natur mit faszinierenden Fjorden und Vulkanlandschaften aus. Mittsommer, wenn die Sonne gar nicht erst untergeht und man die Ruhe in der Natur genießen kann.

Wer sich von all dem angesprochen fühlt, der findet in „Mittsommer, Lagerfeuer und Blaubeerkuchen“ ein passendes Begleitbuch. Die Autorinnen haben die Glückskonzepte Skandinaviens mit Zitaten, Bastelanleitungen und Rezepten eingefangen. Damit kann man sich zu Hause ganz einfach selbst eine hyggelige Atmosphäre schaffen.

Die Kapitel sind nach Jahreszeiten aufgeteilt und werden in den Texten noch einmal wunderschön geschildert. Was ist typisch für diese Jahreszeit? Wie verläuft das Leben in Skandinavien in diesen Monaten? Was kann aus dem saisonalen Obst- und Gemüseangebot gemacht werden? Die Rezepte sind abwechslungsreich. Es gibt viele Anleitungen für Snacks, aber auch Hauptgerichte mit Fleisch und Fisch, Nachspeisen, saure Drops oder Öle. Also wirklich breit gefächert und nicht so kompliziert, dass man sie nicht nachmachen kann.

 „Mittsommer, Lagerfeuer und Blaubeerkuchen“ ist zwar ein vergleichsweise dünnes Taschenbuch, aber es entführt einen während des Lesens nach Skandinavien, mitten hinein in die langen Tage des Mittsommers und bietet viele Ideen und Rezepte zum Nachmachen. Gerade zu dieser Zeit, wo es im eigenen Garten grünt und blüht, ist das natürlich toll. Auch wer sich von der positiven Lebenseinstellungen, die als typisch nordisch erachtet wird, eine Scheibe abschneiden möchte, macht mit diesem Buch einen großen Schritt auf dem Pfad der Work-Life-Balance.

Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

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Charlotte Lucas: „Fünf Sterne für dich“

Charlotte Lucas
Bastei Lübbe Verlag
empfohlenes Alter: ab 16 Jahre
18,00€

Für ein gutes Leben gibt es ein simples Rezept: Man muss nur alles Schlechte vermeiden.

Davon ist Konrad fest überzeugt, denn er hat schon genug Schlimmes erlebt. Seinen Lebensunterhalt verdient er, indem er bezahlte Rezensionen nach Kundenwunsch schreibt. Auch privat versieht er alles mit Sternen: die flinke Kassiererin, den lauwarmen Kaffee … und Pia, die neue Klassenlehrerin seiner Tochter. Zu hübsch, zu unsicher, nicht geeignet für den Lehrberuf. Gerade mal zwei knappe Sterne von fünf.

Als Pia davon Wind bekommt, will sie Konrad eine Lehre erteilen. Dass er zum neuen Elternvertreter gewählt wird, passt ihr da bestens ins Konzept. So kann sie ihn mit lästigen Aufgaben ordentlich ins Schwitzen bringen. Doch als einer ihrer Schüler gemobbt wird, erweist sich ausgerechnet Konrad als Hilfe… (Klappentext)

Leider nur drei Sterne für dich

Dies ist mein erstes Buch von der Autorin, die unter dem Pseudonym Charlotte Lucas veröffentlicht. Zuerst einmal macht natürlich der Name neugierig. Alle Jane Austen Fans wissen, wovon ich rede. Man fliegt also wie eine Biene zum Honig, angelockt von der süßen Erwartung auf Unterhaltung, die es vielleicht doch ansatzweise mit „Stolz und Vorurteil“ aufnehmen kann. Da auch die anderen Bücher  derselben Autorin gute Rezensionen erhalten haben, war ich zu Beginn der Lektüre mehr als positiv eingestimmt.

Konrad ist alleinerziehend und mit seiner 12jährigen Tochter frisch nach Hamburg gezogen. Sein Talent, Rezensionen zu Produkten zu verfassen, die er weder benutzt noch benötigt, ist beeindruckend. Seine Rezensionen lesen sich amüsant … und ja, irgendwie geht einem ein Licht auf, wenn man sich selbst durch Produktbewertungen klickt und auf gewisse Standardformulierungen trifft. Ansonsten ist Konrad ein überfürsorglicher, absolut gluckenhafter Vater, der seine Tochter Mathilda wie ein Kleinkind behandelt. Alles und jeden packt er in sein Fünf-Sterne-Bewertungsschema. So auch die junge, unerfahrene Klassenlehrerin seiner Tochter, Pia, der selbstverständlich diese gering schmeichelhafte Bewertung ihrer selbst in die Finger fällt. Daraufhin schikaniert sie Konrad, der sich versehentlich als Elternsprecher aufstellen ließ, mit jeder Menge organisatorischer Aufgaben.

Diese Konstellation verspricht einiges an Unterhaltungswert, einen schlagfertigen Kleinkrieg zwischen Vater und Lehrerin, ehe sich die beiden auf romantische Weise einander annähern. Doch leider wird das Potenzial nicht ausgeschöpft. Die Handlung verliert sich in den schulischen Belangen der Klasse 7d, oberflächlichen WhatsApp-Gruppenchats und kindischen Mobbing-Aktionen. Viele Charaktere und Situationen sind überzeichnet. Wenn sie ansatzweise den Charme von „Fack ju Göhte“ gehabt hätte, wäre die Schulgeschichte vielleicht ansprechender gewesen.

So aber wartet man vergebens auf eine charmante Liebesgeschichte. Am Ende kommt kurz ein bisschen Dramatik auf, als das Geheimnis um Mathildas Mutter gelüftet wird. Allerdings finde ich diese Aufklärung nicht stimmig mit der Gesamthandlung. Das alles dominierende Thema ist nun mal die Schulgeschichte. Zwischendrin flammt zaghaft die Liebesgeschichte zwischen Konrad und Pia auf. Das Thriller-Element über den Verbleib von Mathildas Mutter ist zwar aufregend, aber es passt nicht richtig in einen Roman, der von banalen Pausenhofgeschichten beherrscht wird. Von daher frage ich mich am Ende, wer die Zielgruppe von „Fünf Sterne für dich“ sein sollte? Offenbar sollte die ziemlich breit gefächert sein. Leider gibt es von mir nur drei Sterne, die sich hauptsächlich auf die liebevoll gestaltete Aufmachung des Buches beziehen.

Charlotte Lucas: „Dein perfektes Jahr“
Charlotte Lucas: „Wir sehen uns beim Happy End“
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Joanne Liu: „Abenteuer in der Stadt“

Joanne Liu (Autorin/ Illustratorin)
Prestel Junior Verlag
empfohlenes Alter: ab 3 Jahre
12,00€

Max darf heute ganz alleine einen Brief zum Briefkasten bringen. Auf seinem Weg durch die Stadt entdeckt er viele wunderbare Dinge: Bunte Wäsche-Wirbel im Waschsalon, sein eigenes Spiegelbild in einer Pfütze oder tanzende Blätter im Wind. (Klappentext)

Das Wundersame im Alltäglichen

Der kleine Max erhält einen wichtigen Auftrag. Er soll für seine Mama einen Brief in den nächsten Briefkasten werfen. Sein Weg führt ihn durch die ganze Stadt und dabei begegnen ihm lauter Dinge, die alltäglich erscheinen, doch Max bringen sie zum Staunen. Aus der Sicht eines Kindes werden so die banalsten Kleinigkeiten zu etwas Besonderem. Insbesondere da die Erwachsenen blind für ihre Umwelt geworden sind. Sie starren wie hypnotisiert auf ihre Smartphones oder hetzen zum nächsten Termin, gehen ihren Freizeitbeschäftigungen nach, aber sie sehen eben nicht so hin wie ein Kind. Aus diesem Grund entgeht ihnen die Spiegelung des Himmels mit seinen Wolkenkratzern und Flugzeugen in der Pfütze am Rinnstein. Sie sehen auch nicht die bunten Blätter, die der Herbstwind aufwirbelt. Oder das Farbenspiel einer untergehenden Sonne.

Die Illustrationen von Joanne Liu sind zwar farbenfroh, dafür aber ziemlich einfach gehalten. Sie scheinen geradewegs aus dem Malkasten eines Kindes entsprungen zu sein. Aber sie passen sehr gut zu Max‘ Geschichte. Die Illustrationen bilden die Welt ab, so wie sie der kleine Junge wahrnimmt und vermutlich selbst wiedergeben würde.  

Bis auf den Anfang („Max darf einen Brief zum Briefkasten bringen“) und das Ende („Jetzt kann er Mama von seinen Abenteuern erzählen“) gibt es im Buch keinen Text. Natürlich sprechen die Illustrationen für sich und ich persönlich unterstütze es immer, dass Kinder lernen, selbst zu erzählen und zu beschreiben. Aber stellenweise wäre ein bisschen geschriebene Handlung nicht verkehrt gewesen. Auch, um die Aufmerksamkeit der Kinder zu fesseln, die die Seiten sonst nur schnell durchblättern. Erwachsene regt das Buch schon eher zum Nachdenken an. Dass man seinen Alltag einmal entschleunigt, die Augen für seine Umgebung öffnet und die Welt mit kindlicher Neugier betrachtet. Was man da nicht alles für wunderbare Dinge entdecken kann?

Vielen Dank an Prestel für das Rezensionsexemplar!

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