Monat: August 2019

Mikel Casal: „Meine ganz (außer) gewöhnlichen Nachbarn“

Mikel Casal
Prestel Verlag
empfohlenes Alter: ab 5 Jahre
15,00€

Niko lebt in einer kleinen Stadt am Meer. Die Stadt und ihre Bewohner sind auf den ersten Blick ganz gewöhnlich – doch Niko hat entdeckt, dass alle etwas Besonderes an sich haben, das sie einzigartig und interessant macht. Willst du Nikos ganz (außer) gewöhnliche Nachbarn und Freunde kennenlernen?

Ein lustiges und poetisches Buch mit der Botschaft „Jeder Mensch ist etwas Besonderes“. (Klappentext)

Künstlerisch und thematisch ein wertvolles Buch

Neunzehn Persönlichkeiten, die facettenreicher kaum sein könnten und dabei in ein und derselben Nachbarschaft leben, werden in diesem farbenfroh illustrierten Kinderbuch vorgestellt. Dank der liebevollen Texte, wird einem schnell bewusst, dass wir unseren Fokus nicht ausschließlich auf jene richten sollten, die nach gesellschaftlichen Maßstäben etwas darstellen. Zum Beispiel, indem sie  jede Menge Follower auf diversen Internetplattformen anhäufen. Oder sich mit großartigen Talenten in den Vordergrund drängen, eine dramatische, politische Botschaft verbreiten oder als Superheld im Kino auftreten. Auch hinter dem scheinbar Normalen kann sich eine außergewöhnliche Persönlichkeit verbergen. Man muss sie nur wahrnehmen.

In „Meine ganz (außer) gewöhnlichen Nachbarn geht es nicht nur um Individualität, sondern auch darum, das Normale – was eventuell auch als langweilig eingestuft wird – mehr wertzuschätzen und die Menschen in unserem näheren Umfeld bewusst wahrzunehmen und ihnen mit mehr Offenheit zu begegnen.

Das Buch animiert dazu an, sich seine eigenen Nachbarn einmal etwas genauer anzusehen und sie nicht nach einem kurzen Blick oder einem knappen Gruß in eine Schublade zu stecken. Für uns Erwachsene ist das natürlich schwerer als für Kinder. Wir wissen, wie viel Dummheit und Bosheit auf der Straße herumläuft. Wir sind häufig mit uns selbst und unseren Terminen beschäftigt. Aber dieses Buch bietet einen kleinen Denkanstoß, doch noch einmal genauer hinzusehen. Wer weiß, was und wen man entdeckt? Vielleicht doch etwas Gutes. Kinder öffnen sich dem Thema noch völlig unvoreingenommen.

An dem Buch begeistern vor allem die Farben und die witzigen Hintergrundgeschichten. Auf die Altersempfehlung von mindestens 5 Jahren sollte schon geachtet werden, denn die Texte sind etwas tiefgründiger und mit allerlei außergewöhnlichem Vokabular gespickt, bei dem die Aufmerksamkeit jüngerer Kinder sich rasch verflüchtigt. Außerdem gibt es keine richtige Geschichte, sondern auf jeder Doppelseite nur eine Person mit der dazugehörigen Charakterisierung.

Ich bedanke mich beim Prestel Verlag für das schöne Rezensionsexemplar!

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Alan Bradley: „Flavia de Luce 10 – Todeskuss mit Zuckerkuss“

Alan Bradley
Penhaligon Verlag
20,00€

Ein Mord in aller Tortenstille …

Die zwölfjährige Chemikerin und Spürnase Flavia de Luce hat gemeinsam mit Dogger, dem treuen Diener ihrer Familie, ein Detektivbüro gegründet. Die beiden rechnen jedoch nicht damit, dass ihr erster Fall ausgerechnet auf der Hochzeit von Flavias Schwester Feely auf sie wartet. Nach einer turbulenten Zeremonie mit einem vermissten Trauzeugen soll das Anschneiden der riesigen, mehrstöckigen Torte einer der Höhepunkte der Feier werden. Doch kaum hat die Braut das Messer angesetzt, erklingt ein markerschütternder Schrei – denn in dem ersten Kuchenstück verbirgt sich ein abgetrennter Finger … (Klappentext)

Eine Hochzeit und ein Todesfall

Als Fan der ersten Stunde lechzt man nach jedem Wort und würde mit Begeisterung noch hundert weitere Geschichten von Flavia verschlingen. Was den Büchern meines Erachtens jedoch abhanden gekommen ist und weshalb auch viele Leser die späteren Bände als nicht ganz so fesselnd empfinden mögen wie die ersten, ist das große, rätselhafte Endgeheimnis, das mit jedem Band ein bisschen mehr gelüftet wird. Am Anfang rankte sich noch alles um Flavias verschollene Mutter. Danach wurde der Mythos um eine Geheimorganisation aufgebaut. Aber nachdem Flavia aus dem Internat geschmissen wurde, geht es ausschließlich um das Leben auf Buckshaw und in der unmittelbaren Umgebung. Versteht mich nicht falsch, ich liebe sämtliche Figuren und bin ein begeisterter Leser aller Flavia-Geschichten. Aber nach zehn Bänden fragt man sich schon, worauf die Handlung  am Ende hinauslaufen soll, um Flavia einen würdigen Abschluss zu bereiten. Denn dass dieser Band der letzte aus der Reihe sein soll, will und kann ich nicht glauben. Nein, nein, nein.

Mehr noch als das Fehlen eines Zieles, auf das die Bände am Ende hinauslaufen, verdrießt mich jedoch die Stagnation der Entwicklung vieler altbekannter Figuren.  Besonders natürlich die Beziehung von Flavia zu ihren Schwestern. Feely taucht in „Todeskuss mit Zuckerkuss“ lediglich zu Beginn auf und verschwindet wortlos in die Flitterwochen. Daffy wird in die Bibliothek verdammt, wo sie an ihren Memoiren schreibt. Mehr erfahren wir über beide Figuren im gesamten Buch nicht. Obwohl Feelys Hochzeit sogar maßgeblich für die Covergestaltung war, ist das Thema innerhalb der ersten 20 Seiten abgehandelt.

Einzig von Dogger erhält der Leser tiefgründige Einblicke. Und auch Flavia ist wieder ein Stück erwachsener geworden. Gleichzeitig ist es Alan Bradley gelungen, mehr die Flavia aus den Anfangsbänden aufleben zu lassen: Ihren leidenschaftlichen Hang zu allem Morbiden, ihr umfangreiches Wissen über  Chemie und die Experimente in ihrem Labor. Hinter allem steckte wieder mehr Herz, mehr Flavia. Flavia ist im zehnten Band definitiv in Höchstform.

Den Mordfall fand ich dieses Mal stark konstruiert. Einige Wendungen sind schwer nachvollziehbar und das Motiv so mancher Figur erscheint  fragwürdig. Warum der Finger in der Hochzeitstorte landete, ist mir letztendlich immer noch schleierhaft. Die Begründung dafür erscheint fadenscheinig und nur bedingt logisch.

Alan Bradleys Schreibstil schafft es jedoch nach wie vor, von der ersten bis zur letzten Seite zu fesseln. Die Ermittlungen von „Arthur W. Dogger & Partner – Diskrete Ermittlungen“ schreiten rasant voran. Der Fall zählt wohl zu den facettenreichsten der gesamten Reihe. Bradleys Humor ist schwarz, morbide, aber sowas von intelligent. Er unterhält auf höchstem Niveau.

Ein ganz großer Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar!



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Jessica Brody: „Eine Woche voller Montage“

Jessica Brody
cbt Verlag
empfohlenes Alter: ab 12 Jahre
9,99€

Ellie erlebt den schrecklichsten Montag aller Zeiten.

Eine Katastrophe jagt die nächste, und als wären Pech und Peinlichkeiten nicht schon genug, macht auch noch ihr Freund Tristan aus heiterem Himmel mit ihr Schluss! Ellie hat nur einen Wunsch: Alles noch mal auf Anfang mit diesem miesen Montag! Tja, und am nächsten Morgen ist er dann da: der Montag. Und alles geht wieder von vorne los. Und dann noch einmal und noch einmal. Und mittendrin Ellie auf der Suche nach dem ultimativen Happy End … (Klappentext)

Und täglich grüßt der Montag …

„Eine Woche voller Montage“ war meine Urlaubslektüre in diesem Sommer und hat mich ideal unterhalten. Es ist sozusagen leichte Kost, ein flotter Jugendroman, der kein zu tiefgründiges Thema bereithält, aber auch nicht langweilig wird.

Nachdem Ellie einen Montag durchlebt hat, an dem alles schiefging, was nur schiefgehen konnte, geschieht das, was wir uns vermutlich selbst manchmal wünschen würden: Der Tag beginnt noch einmal von vorn und für Ellie bietet sich die Gelegenheit, ihre Fehler vom ersten Montag auszubessern. Doch das ist leichter gesagt als getan. Ellie bemüht sich nach Leibeskräften, es allen Menschen in ihrem Umfeld rechtzumachen. Sie verbiegt und verändert sich, vor allem, um ihren Freund Tristan daran zu hindern, mit ihr Schluss zu machen. Die Entwicklung, die Ellie im Laufe all dieser Montage durchmacht, ist wirklich unterhaltsam und auch nachvollziehbar. Anfangs möchte sie natürlich den Montag erschaffen, an dem alles wie geschmiert läuft. Denn dann müsste es doch endlich Dienstag werden, oder? Nach einigen gescheiterten Versuchen, gelingt Ellie das Meisterstück: der ideale Montag. Doch trotzdem beginnt am nächsten Morgen alles wieder von vorn. Verständlich, dass Ellie zunehmend frustrierter wird und beginnt sämtliche Wege auszutesten, um aus dieser Spirale auszubrechen.

Als Hauptfigur ist Ellie sehr sympathisch und glaubwürdig dargestellt. Sie ist ein junges Mädchen, das dem Erwartungsdruck durch Schule, Eltern und Freunde ausgesetzt ist. Ständig ist sie bestrebt, bloß keine Fehler zu machen, alle Erwartungen und Aufgaben zur Zufriedenheit anderer zu erfüllen, bis sie sich selbst in all diesen Pflichten verliert. In dieser Woche voller Montage lernt Ellie, zu sich selbst zu finden und ihre eigenen Entscheidungen zu treffen. Es macht sehr viel Spaß, ihr auf diesem Weg zu folgen.

Die Handlung ist vielleicht nicht die abwechslungsreichste und mancher Montag hätte ein wenig überraschender verlaufen können, doch insgesamt ergibt das Buch eine in sich stimmige Struktur. Es unterhält, und das ist doch am Wichtigsten.

Vielen lieben Dank an den Verlag, dass ich das Buch zu Rezensionszwecken lesen durfte!

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