Neil Gaiman: „Anansi Boys“


Neil Gaiman
Eichborn Verlag
14,00€

 

 

 

 

Für Fat Charlie Nancy gibt es nichts Schlimmeres als Peinlichkeiten. Seinen Vater – das Peinlichste in seinem bisherigen Leben – hat er schon lange aus seinem Alltag verbannt. Doch dann erreicht ihn die Nachricht, dass dieser verstorben ist. Und damit nicht genug! Sein Vater soll ein Gott gewesen sein und Fat Charlie einen Bruder haben, von dem er bislang nichts wusste.

In einem alkoholisierten Moment nimmt Fat Charlie Kontakt auf – und verflucht sich bald dafür. Denn mit seinem Bruder Spider hält das Chaos Einzug in sein geordnetes Leben. Spider ist nicht nur arrogant und egozentrisch, er hat auch die göttlichen Fähigkeiten ihres Vaters geerbt… (Klappentext)

Göttlich abgedrehte Geschichte

Ein ganzer Ozean, mehr als 6000 Kilometer tiefblaues Wasser trennen Fat Charlie Nancy von seinem Vater, der ihn in seiner Kindheit häufig blamiert hat. In London führt Charlie ein geordnetes Leben, nicht besonders spektakulär, eigentlich sogar ziemlich langweilig. Genauso wie Charlie selbst. Als er der Versuchung nicht wiederstehen kann und einer Spinne eine Nachricht für seinen Bruder ins Ohr flüstert, ahnt er nicht, dass mit Spider das Chaos in sein Leben Einzug hält. Denn Spider ähnelt stark ihrem Vater, dem Spinnengott Anansi. Er verfügt über gewisse göttliche Fähigkeiten, ist überheblich, selbstverliebt, charmant… all das, was Charlie nicht ist. „Anansi Boys“ erzählt die Geschichte eines stinknormalen, langweiligen Typen, in dessen Leben plötzlich mehrere Götter mitmischen.

Der Vorläufer dieses Buches heißt „American Gods“. Darin spielt Anansi bereits eine wichtige Nebenrolle. Man kann „Anansi Boys“ jedoch lesen, ohne den Vorgänger zu kennen. Das Buch ist allein schon deshalb lesenswert, weil es von Neil Gaiman ist. Setzt aber voraus, dass man Neil Gaiman und seinen Stil mag. Die Handlung ist ziemlich verworren und komplex. Es geht um Götter und Ursprungsmythen aus der westafrikanischen Mythologie, die vielen vermutlich unbekannt sein dürfte und die auch im Buch nicht groß erklärt wird. Anansi ist ein Gott des Schabernacks, gerissen und listig. Er spinnt den Sagenschatz der Welt, was hier von Neil Gaiman aufgenommen und modern aufgearbeitet wurde. Es geht um die Macht von Geschichten und Liedern.

Gaimans Figuren sind typische Antihelden, mit denen man nur durch ihre Schwächen sympathisieren kann. Sie geraten in aberwitzige Situationen, die nicht immer logisch sind. Aber der Ideenreichtum ist einfach grandios. Man muss Gaimans bizarren Einfallsreichtum zu schätzen wissen, andernfalls wird man mit seinen Büchern wohl nicht glücklich.