Alan Bradley: „Flavie de Luce 9 – Der Tod sitzt mit im Boot“

Alan Bradley
Penhaligon Verlag
20,00€

Ein Mord macht noch keinen Sommer…

Es ist ein heißer Sommer in England, und um die leeren Tage zu füllen, organisiert der treue Diener Dogger einen Bootsausflug für Flavia und ihre Schwestern. Träge liegt Flavia an Bord und lässt ihre Hand ins kühle Wasser baumeln, da hat sie plötzlich eine Leiche am Haken beziehungsweise am Finger. Der tote Mann ist in blaue Seide gehüllt und trägt einen einzelnen roten Ballettschuh. Doch dies ist nicht der einzige mysteriöse Todesfall. Unweit vom Fundort der Leiche mussten vor einiger Zeit drei Klatschtanten in der ortsansässigen Kirche ebenfalls dran glauben. Flavias Spürnase läuft zur Hochform auf, denn die kleine Hobbydetektivin muss nicht nur eine Vielzahl verwirrender Hinweise entschlüsseln, sondern auch ihre Schwestern vor einer großen Gefahr beschützen. (Klappentext)

So angelt man sich einen Mörder…

Ein halbes Jahr ist es her, seit Flavias Vater an einer Lungenentzündung starb. Die Schwestern de Luce befinden sich irgendwo zwischen Gefühlsleere und dem Beginn eines neuen Lebens nach dem Tod des Vaters. Ihre Tante Felicity hat tiefgreifende Veränderungen angekündigt. Doch ehe diese umgesetzt werden, sollen die Schwestern ein paar friedliche Ferientage verleben. Nun ist Flavia nun einmal Flavia und zieht Leichen an wie ein Magnet. Da reicht es, bei einer Bootstour die Hand in die Themse zu halten und schon hat sie eine Wasserleiche am Haken.

Sofort ist Flavia in ihrem Element und nimmt die Ermittlungen auf. Von da an hetzt sie von einem Schauplatz zum nächsten. Praktischerweise laufen ihr sofort allerlei mögliche Verdächtige über den Weg, die Hinweise fliegen ihr nur so zu und sie schafft es, die halbe Bevölkerung des Dörfchens zu befragen, noch ehe ihre Schwester ein Orgelspiel beendet hat. Der Mordfall wirkt nicht ganz so inszeniert wie in Band 8, doch Flavias Nachforschungen nehmen teils absurde Züge an und sind schwer nachzuvollziehen. Die Chemie und Experimente werden zur Zufriedenheit des Lesers wieder mehr in den Vordergrund gerückt.

Überrascht war ich von den Entwicklungen der einzelnen Figuren. Dogger ist nicht wiederzuerkennen. In den vorangegangenen Bänden war er das ruhige Faktotum der Familie de Luce, das von den Geistern der Vergangenheit gequält wurde. Auf einmal erscheint er voll Tatendrang und beteiligt sich aktiv an der Auflösung des Mordes. Auch die Beziehung der Schwestern untereinander, die im letzten Band viel zu kurz gekommen ist und anfangs auch immer noch festgefahren und voll Abneigung erscheint, ist eine andere geworden. Da staunt man nicht schlecht, wenn zwischen Flavia und Daffy plötzlich gesittete Dialoge stattfinden und man sogar eine Art Zusammenarbeit erkennt. Nur Feely bleibt nach wie vor blass und wird auf ihre Selbstverliebtheit und die Verlobung mit Dieter beschränkt. Flavias charakterliche Weiterentwicklung wird auch fortgesetzt. Sie erscheint wieder ein Stück erwachsener. Ihr Umgang mit anderen Menschen ist einfühlsamer und sie weiß auch, wann es klüger ist, zu schweigen, obwohl sie sehr genau weiß, dass sie den meisten Leuten überlegen ist.

Wie gewohnt wunderbar sind der Schreibstil, die scharfsinnigen Dialoge, die unzähligen Bezüge und  Flavias Gedankengänge. In „Der Tod sitzt mit im Boot“ wurden spürbar die Schwächen des Vorgängerbandes ausgebügelt. Endlich scheint sich auch im verstaubten Buckshaw eine Veränderung anzukündigen, weshalb ich den 10. Band der Reihe mit Spannung erwarte!

Ich bedanke mich ganz herzlich beim Verlag, dass das Rezensionsexemplar letztendlich doch den Weg zu mir gefunden hat!