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Engelbert Humperdinck: “Hänsel und Gretel: Ein Musik-Bilderbuch zum Hören”

Jessica Courtney-Tickle (Autorin/ Illustratorin)
Prestel Verlag
Lesealter: ab 4 Jahre
24 Seiten
Gebundenes Buch: 26,00€

Die geliebte Kinderoper als Musikbilderbuch

Mit der romantischen Oper »Hänsel und Gretel« schuf Engelbert Humperdinck die wohl bekannteste Märchenoper. Bis heute ist sie die meistgespielte Oper und wird besonders häufig in der Adventszeit aufgeführt. Kinder (und Erwachsene) lieben die märchenhafte Oper, die auf dem bekannten Grimmschen Märchen basiert, vor allem wegen ihrer schönen und eingängigen Melodien. Wer erinnert sich nicht an die geliebten Ohrwürmer »Suse, liebe Suse, was raschelt im Stroh?«, »Brüderchen, komm tanz mit mir«, den gefühlvollen »Abendsegen« und das »Knusper, knusper Knäuschen, wer knuspert mir am Häuschen« der bösen Hexe? Mit ihren bezaubernden Illustrationen erzählt Jessica Courtney-Tickle die Geschichte von Hänsel und Gretel sehr liebevoll nach, sodass auch jüngere Kinder sie verstehen können. Auf jeder Seite findet sich dabei ein Notenzeichen, und wer darauf drückt, hört die allerschönsten Melodien zum jeweiligen Bild. Das Buch bietet einen perfekten Einstieg in die Welt der klassischen Musik und ist die perfekte Ergänzung zu den anderen Titeln der beliebten Reihe wie »Der Nussknacker«, »Peter und der Wolf« oder »Schwanensee«.Besonders hochwertig ausgestattet mit Goldfolienprägung auf dem Einband. (Klappentext)

Stimmiges Gesamtpaket aus Kunst, Klang und klassischer Erzählfreude

Die Prestel-Reihe der Musik-Bilderbücher hat sich längst zu einer kleinen Institution entwickelt, wenn es darum geht, Kindern klassische Musik nahezubringen, ohne dass sie dabei das Gefühl haben, in einem Konzertsaal stillsitzen zu müssen. Nun also Engelbert Humperdincks „Hänsel und Gretel“ – und das in einer Version, die zeigt, dass man Oper auch mit vier Jahren schon genießen kann, wenn man die richtige Verpackung wählt.

Das Buch erzählt die bekannte Geschichte um die Geschwister Hänsel und Gretel, die sich im Wald verirren, das Lebkuchenhaus entdecken und der listigen Hexe begegnen – so reduziert und liebevoll, dass auch jüngere Kinder der Handlung problemlos folgen können. Die Sprache bleibt klar und verständlich und Jessica Courtney-Tickles farbenfrohe Illustrationen schaffen es, das Märchen in eine warme, leuchtende Herbststimmung zu tauchen. Es gibt so viel zu entdecken. Von winzigen Waldtieren bis zu kunstvollen Mustern auf dem Hexenhaus. Besonders die goldene Folienprägung auf dem Cover sorgt dafür, dass das Buch schon rein optisch ein echter Hingucker ist.

Der Clou liegt natürlich in der Musik. Auf jeder Doppelseite findet sich eine kleine Note, die Kinder antippen können – und schon erklingt ein Ausschnitt aus Humperdincks Oper. Klassiker wie „Brüderchen, komm tanz mit mir“, der „Abendsegen“ oder das berühmte „Knusper, knusper Knäuschen“ sind hier in (sehr) kurzen Sequenzen eingebunden. Die Soundqualität ist okay für ein Bilderbuchmodul. Nur jüngere Kinder brauchen anfangs etwas Hilfe beim Drücken – die Noten reagieren besser, wenn man mit etwas Nachdruck tippt.

Ich finde das Gesamtpaket in Bezug auf die Zielgruppe wirklich stimmig. Statt langer Erklärtexte oder angestaubter Musikvermittlung entsteht ein ganz natürliches Zusammenspiel aus Bild, Geschichte und Klang. Kinder erleben die Musik nicht als „etwas Schwieriges“, bei dem man lange stillsitzen und zuhören muss, sondern als Teil des Abenteuers. Die Musikstücke werden zwar nur kurz angerissen, aber als erster Kontakt zur Oper ist es für Kinder völlig ausreichend, zumal Bild und Handlung in diesem Buch auch sehr präsent sind.

Einziger kleiner Kritikpunkt meinerseits: Das Buch ist – wie alle Titel der Reihe – kein Pappbilderbuch, sondern besteht aus nicht reißfestem Papier. Bei sehr kleinen, übereifrigen Kinderhänden ist daher Vorsicht geboten.

Aber das sind Kleinigkeiten in einem sonst hervorragend durchdachten Konzept. „Hänsel und Gretel“ ist ein stimmiges Gesamtpaket aus Kunst, Klang und klassischer Erzählfreude. Für uns ist es ein liebevoll gestaltetes Musikbilderbuch, das Oper greifbar macht. Perfekt für kleine Musikentdecker. Und ja – danach hat man wirklich Lust auf Lebkuchen.

Ein liebevolles Dankeschön an den Prestel Verlag, der uns dieses wunderbare Buch zu Rezensionszwecken zugestellt hat!

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Britta Sabbag: “Der Weihnachtskauz”

Britta Sabbag (Autorin)
Anika Voigt (Illustratorin)
Penguin Junior Verlag
Lesealter: ab 4 Jahre
32 Seiten
Gebundenes Buch: 15,00 €

Endlich wieder Weihnachten?!

Alle Tiere im Wald freuen sich auf das Fest, nur einer motzt sich schlecht gelaunt durch die Adventszeit: der Kauz! Schmücken, singen und basteln? Das ist nichts für ihn! Doch als der Kauz sieht, wie viel Spaß die Tiere zusammen haben und wie der Wald Tag für Tag festlicher wird, würde er doch zu gern bei den anderen sein. Ob der muffelige Kauz etwa doch noch zu einem echten Weihnachtskauz wird? (Klappentext)

Ein kauziger Kauz, der dazugehören will

Im Wald herrscht Weihnachtsstimmung. Es wird gebastelt, gesungen und geschmückt. Nur einer macht nicht mit: der Kauz. Er flattert missmutig umher, motzt über alles und zieht sich schließlich in sein Baumloch zurück. Denn auch die Tiere verspüren wenig Lust, mit so einem übellaunigen Kauz zusammen sein zu wollen. Aber dort oben, allein in seinem Baum fühlt er sich einsam und ausgeschlossen.

Die Figur des Kauzes finde ich herrlich. Er ist ja kein klassischer „Bösewicht“, sondern eher ein Tier, das mit seiner eigenen Stimmung kämpft. Dass er sich fragt, ob es an den anderen oder an ihm selbst liegt, ist eine kleine, aber wichtige Botschaft. Der Kauz reflektiert sich selbst. Er möchte dazugehören, aber er weiß nicht, wie er das anstellen soll. Dass er am Ende nicht plötzlich zum Strahlemann mutiert, sondern seine kauzige Art behält, macht ihn glaubwürdig. Er überwindet sich, geht auf die anderen Tiere zu, feiert mit ihnen, lacht und genießt das Fest, bleibt aber der Typ, der am nächsten Morgen wieder nörgelt. Gerade das macht die Botschaft stark: Man darf sein, wie man ist, und trotzdem Teil der Gemeinschaft sein.

Britta Sabbag erzählt diese Entwicklung in Reimen, die beim Vorlesen leicht über die Zunge gehen und einen schönen Rhythmus haben. Die Illustrationen von Anika Voigt passen wunderbar dazu. Der Kauz mit seiner verschobenen Weihnachtsmütze und den giesgrämigen Augen ist herrlich ausdrucksstark. Man sieht ihm sein Grummeln sofort an, was sehr viel Komik in die Geschichte bringt. Gleichzeitig sind die Szenen im Wald bunt, aber nicht überladen. Es gibt viel Tannengrün, Lichterketten, kleine Tiere, die basteln und tanzen, und man spürt die Vorfreude.

Die Moral der Geschichte ist vielleicht nicht unbedingt neu: Gemeinsam ist schöner als allein. Aber die Verpackung mit dem motzenden Kauz macht sie herrlich frisch und witzig. Und beim Vorlesen spürt man, dass die Geschichte Kinder anspricht, weil sie so nah an ihren eigenen Gefühlen ist: manchmal will man eben mitmachen, manchmal lieber nicht.

Insgesamt ist Der Weihnachtskauz kein zuckersüßes Weihnachtsbuch, sondern eine Geschichte mit Witz, Herz und einem Helden, der gerade durch sein Motzen sympathisch wird. Zum Vorlesen ab vier Jahren sehr empfehlenswert und ein Titel, der sicher mehr als einmal in der Adventszeit aus dem Regal geholt wird.

Vielen lieben Dank an den Verlag für dieses weihnachtliche Buch!

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Nicole Röndigs: “Die Tortenhexe”

Nicole Röndigs (Autorin)
Katja Gehrmann (Illustratorin)
cbj Verlag
Lesealter: ab 4 Jahre
40 Seiten
Gebundenes Buch: 15,00€

Die Hexe hat mal wieder schlechte Laune! Kein Wunder – sie wohnt in einem Lebkuchenhaus. So ein Haus ist zwar prima, um leckere Kinder anzulocken, aber zum drin Wohnen ziemlich unpraktisch. Dauern picken Vögel an den Dachziegeln, und Eichhörnchen knabbern die Wände an! Doch eines Tages tauchen Greta und Henry im Wald auf und stellen der Hexe die entscheidende Frage: »Wenn du ein Haus aus lauter Lebkuchen hast, wieso isst du dann ausgerechnet Kinder?« Und damit beginnt für die Hexe das süße Leben! (Klappentext)

Lieber Kuchen statt Kinder

Mit „Die Tortenhexe“ präsentieren Nicole Röndigs und Katja Gehrmann ein weiteres Bilderbuch, das klassische Märchenmotive aufgreift und dabei herrlich verdreht. Schon beim Vorgänger „Der Marmeladenwolf“ hat das Duo bewiesen, wie viel Spaß es macht, vermeintlich gruselige Gestalten mit einer Portion Humor und einer Vorliebe für Süßes neu zu erfinden.

Die Idee hinter der Geschichte ist genial einfach: Die Hexe aus dem Lebkuchenhaus ist ständig schlecht gelaunt. Aber nicht etwa, weil sie Hunger auf Kinder hätte, sondern weil ihr Häuschen einfach unpraktisch ist. Vögel knabbern am Dach, Eichhörnchen machen sich an den Wänden zu schaffen und dauernd bröselt etwas weg. Dass da die Stimmung im Keller ist, versteht jedes Kind sofort. Erst als Greta und Henry im Wald auftauchen und die eine Frage stellen, die Generationen von Kindern zuvor sich beim Lesen des Märchens immer gestellt haben: „Wenn du ein Haus aus Lebkuchen hast, warum isst du dann Kinder?“, wendet sich das Blatt und für die Hexe beginnt endlich ein süßes Leben.

Statt moralisch schwer oder belehrend zu wirken, bleibt die Geschichte angenehm leichtfüßig. Sie setzt auf Witz und überraschende Wendungen, sodass man beim Vorlesen immer wieder ins Schmunzeln gerät. Gerade diese Mischung aus frechem Humor und kindlicher Logik macht den besonderen Reiz aus.

Sehr interessant sind auch die Illustrationen von Katja Gehrmann. Ihre Bilder sprühen vor Energie, sind bunt, krell und irgendwie speziell. Die Hexe wirkt trotz ihrer Miesepetrigkeit sympathisch, fast sogar ein bisschen liebenswert. Greta und Henry sind frech und ziemlich pfiffig. Sie trauen sich, der Hexe die entscheidende Frage zu stellen und sie mit süßen Rezepten abzulenken. Statt Angst und Schrecken herrscht am Ende Genuss, Lachen und Freude. Das ist nicht nur für Kinder eine schöne Botschaft.

Wer „Der Marmeladenwolf“ mochte, wird auch mit der „Tortenhexe“ seinen Spaß haben. Beide Bücher sind wunderbar geeignet für fröhliche Vorlesestunden, bei denen man garantiert zusammen lacht und Lust bekommt, nach dem Lesen selbst einen Kuchen zu backen.

Ein humorvolles, liebevoll illustriertes Bilderbuch, das bekannte Märchenfiguren in einem neuen Licht zeigt. Es nimmt Kindern die Angst vor der Hexe im Lebkuchenhaus und macht sie stattdessen zu einer herrlich schrulligen Figur, die man einfach gernhaben muss.

Ein Dankeschön an den Tulipan-Verlag für das zuckersüße Rezensionsexemplar!

Kennst du schon?

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Jessica Meserve: “Wir alle geMEINSam!”

Jessica Meserve (Autorin/ Illustratorin)
Penguin Junior Verlag
Lesealter: ab 4 Jahren
32 Seiten
Gebundenes Buch: 15,00€

Alles MEINS!?

Der kleine Herr Rot liebt SEINEN Baum: Er hat so viele Blätter zum Rascheln, einen tollen Stamm zum Hinaufflitzen und die besten Äste zum Schwingen und Springen! Deshalb kann er es gar nicht leiden, dass überall im Baum so viele andere Tiere krabbeln, huschen oder flattern. Doch als dann auch noch Frau Leopard am Fuße des Baums auftaucht, merkt der kleine Herr Rot, wie gut es ist, nicht allein zu sein…

Alles ist besser GEMEINSAM!
(Klappentext)

Ein Baum für alle

Herr Rot ist ein kleines Eichhörnchen mit großen Ansprüchen. Der Baum, den er entdeckt hat, soll bitte nur ihm gehören – Stamm, Äste, Blätter, alles seins. Dass andere Tiere den selben Baum besetzen, passt ihm überhaupt nicht. Erst schimpft er, dann schmollt er und schließlich zieht er los, um einen anderen, besseren Baum ganz für sich allein zu finden. Doch ausgerechnet die Begegnung mit Frau Leopard bringt ihn ins Grübeln und ziemlich in Not. Plötzlich merkt Herr Rot, dass es sich doch viel angenehmer und sicherer lebt, wenn man nicht allein ist, sondern Teil einer Gemeinschaft, die im entscheidenden Moment an seiner Seite steht.

Die Geschichte erzählt eine klassische Lektion über Teilen und Zusammenhalt, allerdings so charmant, dass sie nicht belehrend wirkt. Herr Rot ist eigensinnig, trotzig und dadurch nah an der kindlichen Lebenswelt. Viele Kinder kennen das Alles-meine-Gefühl nur zu gut. Genau deshalb ist die Erzählung ein guter Gesprächsanlass: Warum teilen? Warum Rücksicht nehmen? Und wie fühlt es sich an, wenn man merkt, dass man alleine nicht weiterkommt?

Der Text ist gradlinig erzählt, ohne Schnörkel, dafür mit feinem Humor. Man spürt die leise Ironie, wenn Herr Rot immer finsterer dreinschaut, während sich immer mehr Tiere auf seinem Baum niederlassen. Schön ist auch die Figur des alten Baums, der mit ruhiger Stimme daran erinnert, dass in seinen Ästen Platz für viele ist. Das bringt eine wohltuende Gelassenheit in die Geschichte.

Die Illustrationen sind der große Schatz dieses Buches. Jessica Meserve arbeitet mit weichen, aquarellartigen Farben, die Wärme und Leichtigkeit ausstrahlen. Die Mimik von Herr Rot ist köstlich, von beleidigt bis erleichtert ist alles dabei, und Kinder erkennen sofort, in welcher Stimmung er steckt. Auch die Details rund um die anderen Tiere laden zum längeren Betrachten ein. Die Bilder erzählen fast noch mehr als der Text und verleihen dem Buch eine stimmungsvolle Tiefe.

Obwohl die Botschaft recht deutlich ist, bleibt die Erzählung verspielt und leicht. Das ist wichtig, denn so liest sich das Thema Teilen nicht als Moralpredigt, sondern als positives Erlebnis. Dass die Erkenntnis ausgerechnet in einer brenzligen Situation kommt, macht die Wendung glaubwürdig und bringt Spannung hinein.

Wir alle geMEINSam! zeigt, wie schön es ist, Dinge miteinander zu teilen und füreinander da zu sein. Die Geschichte macht deutlich, dass man mit anderen zusammen nicht nur stärker ist, sondern auch viel mehr Freude erlebt.

Ein liebes Dankeschön an den Penguin Junior Verlag für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar!

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Sven Gerhardt: “Der OktoBus auf großer Fahrt”

Sven Gerhardt (Autor)
Nina Dulleck (Illustratorin)
Penguin Junior Verlag
Lesealter: ab 4 Jahre
40 Seiten
Gebundenes Buch: 15,00 €

“In einer Garage ganz unten am Strand
parkt ein Gefährt seine Räder im Sand.
Sein Besitzer heißt Otto und hält es in Schuss,
frisch geputzt steht er da: der OktoBus.”

Der OktoBus ist das lustigste Verkehrsmittel im Tierreich. Heute steht eine Ausfahrt zum “großen Etwas” an – das klingt besonders aufregend. Was das “große Etwas” ist, weiß Busfahrer Otto allerdings selbst nicht. Ein spannendes Abenteuer beginnt… (Klappentext)

Ein tierisch gutes Bilderbuchabenteuer

Der OktoBus von Otto wirkt schon auf den ersten Seiten wie ein Gefährt, das man sofort in sein Bücherregal aufnehmen möchte. Mit acht Armen am Steuer, die gleichzeitig Tickets knipsen, winken und den Rückspiegel zurechtrücken, ist Otto der wohl entspannteste Busfahrer der Tierwelt. Auf seiner Tour zum geheimnisvollen Großen Etwas sammelt er eine bunt gemischte Reisegesellschaft ein. Giraffe Gerlinde hat Mühe mit der Deckenhöhe, Flamingo Ingo nutzt als Zugvogel meist natürlich die Bahn, aber die ist zu unzuverlässig, und Fanni Faultier lässt sich super viel Zeit. Zusammen sind sie eine herrlich lustige Gruppe.

Die Geschichte entfaltet ihren Reiz nicht durch spektakuläre Wendungen, sondern durch die Freude am Unterwegssein. Der Text ist in Reimen geschrieben, was hier erstaunlich gut funktioniert. Die Verse haben einen leichten Rhythmus, der das Vorlesen angenehm macht und Kinder sofort mitnimmt. Sie klingen weder erzwungen noch überladen, sondern fließen locker dahin wie die Fahrt selbst.

Besonders stark sind die Illustrationen von Nina Dulleck. Ihre Bilder sind farbenfroh und detailreich, ohne jemals überladen zu wirken. Jede Figur ist mit einem Augenzwinkern gezeichnet und beim wiederholten Anschauen entdeckt man immer neue kleine Szenen. Das sorgt dafür, dass das Buch nicht nach einmaligem Lesen zur Seite gelegt wird, sondern immer wieder auf den Schoß wandert.

Das Ende mit dem Großen Etwas ist ein kluger Gedanke, für Erwachsene sofort nachvollziehbar, für Kinder allerdings etwas abstrakt. Die Botschaft, dass das gemeinsame Erleben wichtiger ist als das Ziel, kommt dennoch an, auch wenn die kleinen Leser:innen eher an der fröhlichen Party hängen bleiben als an der philosophischen Ebene.

Alles zusammen ergibt ein Bilderbuch, das Humor, Wärme und ein Stück Lebensweisheit miteinander verbindet. Es erzählt von Freundschaft, vom Spaß am Miteinander und davon, dass der Weg selbst oft das schönste Abenteuer ist.

Ein riesengroßes Dankeschön an Penguin Junior für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar!

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Rouven Stenneken: “Ruppi Rüpelfisch”

Rouven Stenneken (Autor)
Simone Leiss-Bohn (Illustratorin)
Baumhaus
Lesealter: ab 4 Jahre
32 Seiten
Pappbilderbuch: 15,00€

Der Fisch Ruppi ist ein kleiner Rüpel, der es liebt, andere zu ärgern. Kein Wunder, dass Seestern, Seepferdchen und die Fischkinder ihm irgendwann nur noch die Schwanzflosse zukehren. Erst als Ruppi auf einem seiner Streifzüge dem gefährlichen Hai aus der Patsche hilft, bemerkt er: Es fühlt sich so viel schöner an, nett zu sein! (Klappentext)

Ein Bilderbuch, das Streit in der Kita klug anpackt

Ruppi Rüpelfisch verkörpert den Typ Kind, den man wohl in jeder Kita kennt: quirlig, energiegeladen und nicht böse gemeint, aber eben auch mit einem Talent dafür, andere zu nerven. Ruppi stänkert, kneift und pikst und irgendwann reicht es den anderen Meereskindern. Sie zeigen ihm die kalte Flosse. Pädagogisch gesehen ist das ein wertvoller Ansatz, weil er ohne erhobenen Zeigefinger auskommt und Kindern ermöglicht, die Folgen eines solchen Verhaltens nachzuvollziehen.

Besonders spannend finde ich, dass der Autor nicht die übliche „Jetzt bist du selbst das Opfer und lernst daraus“-Schiene fährt. Stattdessen bringt eine bedrohliche Situation – in diesem Fall ein hungriger Hai – Ruppi dazu, über sich hinauszuwachsen. Er handelt mutig, hilft anderen und merkt: Freundlich sein fühlt sich besser an als provozieren. Diese Wendung macht die Geschichte lebendig und vermeidet Klischees.

Für die Arbeit in der Kita ist das Buch gleich aus mehreren Gründen interessant. Zum einen ist der Text durchgängig gereimt und hat einen flüssigen Rhythmus. Das macht das Vorlesen angenehm und die Kinder merken sich den Inhalt leichter. Sprachförderung gibt’s da gleich mit dazu. Zum anderen ist die Unterwasserwelt farbenfroh und detailreich gestaltet. Das ist nicht nur hübsch anzusehen, sondern auch ein Gesprächsanlass. Kinder entdecken ständig Neues, was sich wunderbar für Bildgespräche eignet. Über einen QR-Code bekommt man acht Lieder zum Mitsingen. Das ist als Einstieg in den Morgenkreis, als Bewegungslied oder einfach, um eine kleine Streitgeschichte musikalisch aufzulockern super.

Wer erwartet, dass das Buch komplexe Streitlösungsstrategien vermittelt, wird merken, dass es auf einer einfachen Ebene bleibt. Aber für Kinder ab etwa vier Jahren ist das genau richtig. Die Geschichte zeigt Gefühle, Konsequenzen und die Möglichkeit, das eigene Verhalten zu ändern, ohne sie mit zu viel Theorie zu überfrachten.

Der Autor arbeitet selbst im Kindergarten und ist Rockmusiker. Diese Mischung merkt man. Die Texte sind kindgerecht und die Musik ist kein beiläufiges Extra, sondern durchdacht ins Konzept eingebunden.

Insgesamt ist Ruppi ein Bilderbuch, das nicht nur erzählt, dass Freundlichkeit wichtig ist, sondern es durch Rhythmus, Bilder und Musik erlebbar macht. In der Kita kann es helfen, über Streit zu sprechen, ohne die Kinder moralisch zu ermüden. Und zu Hause funktioniert es genauso.

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Silke Siefert: “Mister O’Lui sucht das Glück”

Silke Siefert (Autorin/ Illustratorin)
Baumhaus
Lesealter: ab 4 Jahren
32 Seiten
Gebundenes Buch: 15,00€

Von der Suche nach dem Glück

Mister O’Lui hat ein schönes Zuhause, ein Käsebrot mit Marmelade und seinen geliebten Kakaobecher. Doch als er eines Tages nach dem Glück gefragt wird, stutzt er. Ist er wirklich rundum glücklich? Der Biberbär beschließt, das Glück zu suchen! Als das kleine Wildschwein Rupert sich ihm anschließen möchte, winkt er nur ab. Für Schweine hat Mister O’Lui jetzt wirklich keine Zeit, zumal Rupert leider kein Glücksschwein ist. Doch der kleine Frischling lässt sich so schnell nicht abschütteln und stört bei der Glückssuche, wo er nur kann. Wie soll Mister O’Lui da nur das Glück finden? Oder hat er es etwa schon längst gefunden?

Eine warmherzige Geschichte darüber, dass das Glück oft so nah liegt. (Klappentext)

Eine Glücksgeschichte für die Kleinsten

Glücklich ist, wer Käsebrot mit Marmelade hat, oder? Der Biberbär, Mister O’Lui, ist davon überzeugt, dass es ihm gut geht. Sein Alltag ist ruhig, sein Kakao dampft zuverlässig in der Lieblingstasse, und die Welt scheint in Ordnung. Doch dann liest er in einer Zeitung die Frage: Bist du eigentlich glücklich?

Was für Erwachsene wie eine Einladung zur Selbstreflexion klingt, ist für Kindergartenkinder ein eher abstraktes Konzept. „Glück“ – das ist kein Wort, das Vierjährige im Alltag benutzen, jedenfalls nicht bewusst. In der ersten Buchhälfte wirkt dieses Thema daher fast etwas zu verkopft für die Zielgruppe. Aber sobald sich Mister O’Lui auf seine Suche begibt, wird das Ganze spürbar kindgerechter. Denn nun tauchen sie auf, die Glückssymbole, die Kindern vertraut oder wenigstens gut erklärbar sind: der Glückspilz, das Glücksschwein, der Glückskäfer. Und plötzlich wird ein großes Wort greifbar.

Dabei begegnet uns auch Rupert, ein kleines, eigensinniges Wildschwein, das sich an Mister O’Luis Fersen heftet. Einfach so, ohne sich vorzustellen, ohne großes Tamtam. Dass es „Rupert“ heißt, erfahren wir irgendwann mitten im Text. Zwar steht sein Name auf einem kleinen Steckbrief zu Beginn, doch im eigentlichen Geschehen bleibt sein Hintergrund etwas nebulös. Wo kommt dieses Schwein her? Was will es? Und warum lässt es sich nicht abschütteln?

Vielleicht liegt gerade in dieser Offenheit der Reiz. Er will dazugehören, koste es, was es wolle. Und weil er so hartnäckig ist, wächst er einem schnell ans Herz. Deutlich schneller als Mister O’Lui selbst, der eher kühl, abweisend und einzelgängerisch daherkommt. Sein Umgang mit Rupert ist nicht gerade herzlich, was beim Vorlesen durchaus für Gesprächsstoff sorgt. Manche Kinder könnten Mitleid mit Rupert empfinden oder sich sogar mit ihm identifizieren.

Die Illustrationen unterstreichen den Text wunderbar. In gedeckten Farben gehalten, vermitteln sie Ruhe, ohne langweilig zu wirken. Kleine Details wie Pilze, Käfer oder Vögel laden zum Entdecken ein und animieren die Kinder dazu, sich mit den Bildern auseinanderzusetzen. Der Vintage-Stil wirkt charmant und bewusst reduziert, aber nicht altbacken. Für wache Kinderaugen gibt es immer noch genug zu sehen. Ein besonderes Extra sind die letzten Seiten. Dort finden sich eine Bastelanleitung für Glückskäfer aus Walnussschalen und ein QR-Code, der zu einem Biberbärenkekse-Backrezept führt.

Für Kinder im Kindergartenalter ist das Thema „Glück“ noch schwer zu fassen und genau deshalb ist es spannend, wie das Buch daran heranführt. Die kleinen Zuhörer:innen begegnen Glückskäfern, Glückspilzen und anderen bekannten Symbolen, die das abstrakte Gefühl greifbarer machen. Sie erleben mit, wie jemand sich auf die Suche nach dem Glück macht und dürfen sich dabei ganz spielerisch fragen: Was macht mich eigentlich glücklich? Ist es der leckere Kakao von Mama? Das Lieblingskuscheltier oder neue Spielzeug? Oder vielleicht doch der Keks, den man teilt?

Das Buch bietet viele Anlässe, mit Kindern ins Gespräch zu kommen, über schöne Momente, über Wohlfühlen, über Dinge, die das Herz hüpfen lassen. Es geht nicht darum, eine Definition von Glück zu lernen, sondern eigene Vorstellungen davon zu entdecken.

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Sandra Grimm: “Luna Libella und der Zauber auf der Feenwiese”

Sandra Grimm (Autorin)
Winona Kieslich (Illustratorin)
Penguin Junior Verlag
Lesealter: ab 4 Jahre
128 Seiten
Gebundenes Buch: 15,00€

Kleine Feen, große Abenteuer!

Pst, hier kommt ein Geheimnis! Alle Jubeljahre wird in einer klaren Vollmondnacht eine ganz besondere Fee geboren: eine klitzekleine, federleichte, funkelfröhliche Insektenfee, mit schillernden Flügeln und einem guten Herzen. Und die Jüngste von allen ist die Libellenfee Luna Libella! Gemeinsam mit ihren Freunden erlebt sie jeden Tag magische Abenteuer: Sie helfen Tieren in der Nachbarschaft, gehen auf Entdeckungstour, feiern zauberhafte Feste und vieles mehr. Aber egal, welches Abenteuer auf die fünf Feenkinder wartet: Zusammen macht es noch mehr Spaß! (Klappentext)

Glitzerbuntes Wiesenabenteuer

Zwischen Pusteblumen, Tautropfen und Feenstaub schwirrt Luna Libella durch die Seiten. Sie ist eine kleine Libellenfee mit großen Ideen und einem Händchen für magisches Durcheinander.

Zusammen mit ihren Freunden lebt sie mitten in einer verwunschenen Wiesenwelt: in Pilzhäuschen, Seerosen oder anderen kleinen Naturverstecken. Die Feen und Wiesenwesen erleben allerlei kleine Abenteuer, die nie größer sind als nötig, aber genau die richtige Portion Zauber, Witz und Wärme mitbringen, um Herzen zu berühren.

Mal ist es ein geheimnisvoller Mondscheinabend, mal sorgt eine Glitzerwolke für Aufregung und manchmal ist es einfach nur ein besonderes Gefühl, das zwischen Freunden entsteht beim Feentanz, beim Basteln oder wenn jemand sich plötzlich ganz klein und mutlos fühlt.

Dass die Geschichten in 3, 5 oder 10 Minuten vorgelesen werden können, macht das Buch zu einem wahren Alltagsliebling. Ob für die letzte kleine Geschichte am Abend, für eine kurze Auszeit am Nachmittag oder als gemütliche Pause im turbulenten Familienleben, die Geschichten können passend zum Moment gewählt werden.

Auch optisch ist das Buch ein kleines Kunstwerk. Die stimmungsvollen und liebevoll gezeichneten Illustrationen von Winona Kieslich tragen viel dazu bei, dass Luna und ihre Welt beim Vorlesen sofort lebendig werden. Überall glitzert, flattert und wuselt es, wie ein kleines Wimmelparadies voller Details, in das man sich gerne vertieft.

Sehr gelungen ist die Figurenvielfalt. Schlecki Schneck flitzt in seinem angebrochenen Schneckenhaus mit Flügelantrieb durch die Gegend und backt die besten Kuchen, Mini Marini ist winzig, aber mutig wie ein Riese, Gigi Grasimir fürchtet sich vor fast allem und wächst oft über sich hinaus, und Holla Hummelchen braucht zwar eine große Brille auf der Nase, sieht damit aber auch ohne oft mehr als alle anderen zusammen.

Und wenn Lunas Feenstaub mal wieder verrückt spielt? Keine Sorge. Schlecki hat meistens ein Stück Torte zur Hand und irgendwer hat immer eine Idee, wie aus dem Durcheinander wieder etwas Gutes wird.

Ein wunderbares Vorlesebuch für Kinder ab 4 Jahren. Es ist liebevoll und fantasievoll. Genau richtig für alle, die sich gern verzaubern lassen mit Geschichten, die kurz genug für müde Augen und bunt genug für lebhafte Köpfe sind.

Ein glitzerbuntes Dankeschön an den Penguin Junior Verlag, der uns dieses Buch zur Rezension zur Verfügung gestellt hat.

Alle Bände der Minuten-Vorlesegeschichten-Reihe

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Anja Kiel: “tiptoi® Kira Katze und die Sache mit dem Streit”

Anja Kiel (Autorin)
Simone Leiss-Bohn (Illustratorin)
Ravensburger Verlag
Lesealter: ab 3 Jahren
16 Seiten
Gebundenes Buch: 12,99€

Streiten will gelernt sein!

Kira Katze freut sich auf das Begrüßungsfest für Familie Meerschweinchen, die neu auf den Sonnenblumenhof gezogen ist. Bei den Vorbereitungen, dem Aufbau und der Feier kommt es zu vielen großen und kleinen Streitigkeiten, die ganz unterschiedlich ablaufen. Manche Tiere werden laut, manche ziehen sich zurück, andere versuchen den Streit zu schlichten. Kira merkt, dass Streit zum Zusammenleben dazugehört. Eine interaktive Bildergeschichte über den Umgang mit Gefühlen. (Klappentext)

Zum Thema Streiten und Vertragen

Kira Katze ist mittendrin, als auf dem Sonnenblumenhof die Vorbereitungen für das Willkommensfest von Familie Meerschweinchen beginnen. Doch wo viele mitmischen, fliegen auch mal die Fetzen: Missverständnisse, Ungeduld, verschiedene Vorstellungen. Eine Fülle von typischen Konfliktauslösern im Kleinen, wie Kinder sie aus ihrem Alltag nur zu gut kennen. Kira merkt, dass Streiten zum Zusammenleben dazugehört, solange man wieder zueinander findet.

Dieses tiptoi®-Buch erzählt eine durchgehende Geschichte, die Kinder ab vier Jahren durch die Höhen und Tiefen des Miteinanders begleitet. Kira ist dabei eine Figur mit hohem Identifikationspotenzial. Sie ist sensibel, aber nicht konfliktscheu, freundlich, aber auch mal überfordert. Sie zeigt, wie man Gefühle ernst nimmt, ohne sich dafür zu schämen oder die anderen zu übergehen.

Die Geschichte entfaltet sich schrittweise über Doppelseiten. Viele Bereiche der Seiten reagieren ebenfalls auf den Stift und laden zum spielerischen Entdecken ein. Besonders schön sind die liebevollen Kleinigkeiten, die nicht direkt zur Haupthandlung gehören. Kinder können so nicht nur den Hauptfiguren zuhören, sondern auch Umgebungsgeräusche hören, kurze Zusatzinformationen erhalten und sich kleine Nebenkommentare berichten lassen.

Dennoch ist die Geschichte stellenweise etwas lang geraten, insbesondere, wenn man das Buch in einem Rutsch durchgehen möchte. In Etappen funktioniert es deutlich besser, gerade für jüngere Kinder mit kürzerer Aufmerksamkeitsspanne.

Insgesamt ist das Buch eine gelungene Ergänzung im tiptoi®-Universum. Statt Sachwissen über Bagger oder Tiere steht hier das emotionale Miteinander im Mittelpunkt. Und das ist für Kinder mindestens so wertvoll, wenn nicht sogar wichtiger. Ein schönes, kluges Buch für alle, die lernen möchten, dass Streiten kein Weltuntergang ist, sondern eine Chance, sich besser zu verstehen.

Vielen lieben Dank an vorablesen.de und den Ravensburger Verlag!

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Ute Krause: “Das Muskeltiere ABC”

Ute Krause (Autorin, Illustratorin)
cbj Verlag
Lesealter: ab 4 Jahren
40 Seiten
Gebundenes Buch: 15,00€

Riesenspaß von A bis Z

Die Muskeltiere planen die perfekte Party und marschieren dabei munter durchs ganze Abc!

So machen die ersten Schritte zum Lesenlernen und der spielerische Umgang mit Wörtern, Begriffen und Sprache schon den Kleinsten einen Riesenspaß! (Klappentext)

Mäusestarkes Lesenlernen

Wenn vier Nagetiere durchs Alphabet marschieren, darf man sich sicher sein: Es wird nicht langweilig, es wird nicht leise und schon gar nicht gewöhnlich. Das Muskeltiere-ABC ist kein trockenes Lehrbuch mit A wie Apfel und B wie Ball, sondern ein waschechtes Abenteuer mit Sprachwitz, Käsekrümeln und dem wohl lautesten Schnarcher der Kinderbuchwelt. Ein Bilderbuch, das sich anschickt, dem Alphabet Leben einzuhauchen mit ordentlich Schwung und einem charmanten Augenzwinkern.

Der Handlungsrahmen ist schnell zusammengefasst: Die Muskeltiere wollen ein Fest feiern. Wer eingeladen wird, wird natürlich in alphabetischer Reihenfolge diskutiert. Leider kommen zuerst die frechen Ratten vorbei, entdecken den gefüllten Müllsack und verputzen kurzerhand alles. Als die anderen Gäste eintreffen, ist nichts mehr übrig. Zum Glück wissen die Mäuse Rat. Schließlich tanzen alle Gäste im Mondlicht um das improvisierte Festmahl.

Besonders gelungen sind die Darstellungen der Buchstaben selbst. Ob als Parade am oberen Seitenrand oder als Teil der Illustration. Sie begegnen den Leser:innen auf mehreren Ebenen. Das erleichtert Kindern ab vier Jahren den Zugang, fördert das Wiedererkennen und macht das Ganze einfach anschaulich. Wer genau hinschaut, entdeckt auch Sonderlaute wie ‘ä’, ‘ei’ oder ‘sch’. Manchmal ziehen oder balancieren die Muskeltiere diese Buchstaben höchstpersönlich durch die Seiten. Spracherwerb mit Muskelkraft, sozusagen.

Auch grafisch überzeugt das Buch auf ganzer Linie. Ute Krauses Illustrationen sind gewohnt charmant, liebevoll verspielt und voller kleiner Details, die entdeckt werden wollen. Die Mimik der Figuren ist herrlich komisch und die Einbindung der Buchstaben in die Handlung funktioniert nicht nur pädagogisch, sondern auch ästhetisch hervorragend. Auch ohne lange Textpassagen entsteht eine vollständige Geschichte, die beim Vorlesen ebenso gut funktioniert wie beim eigenständigen Entdecken.

Hilft das Ganze nun beim Lesenlernen? Ja, und zwar auf die beste Art, nämlich mit Spaß. Das Muskeltiere-ABC ist kein klassisches Lehrbuch, sondern weckt die Freude an Sprache und Buchstaben auf kreative Weise. Es regt zum Mitsprechen, Nachdenken und Erfinden eigener Wörter an. Am Ende dürfen Kinder sogar selbst weitere Wortbeispiele sammeln.

Insgesamt ein fröhliches, kluges ABC-Buch mit warmherzigen Helden. Für alle, die Buchstaben nicht nur erkennen, sondern auch feiern wollen – am besten bei Mondschein und mit einer ordentlichen Portion Futter.

Wir bedanken uns beim Verlag für das mäusestarke Rezensionsexemplar!