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Alexander Steffensmeier: “Lieselotte lauert” (Das erste Lieselotte-Abenteuer in der Jubiläumsausgabe)

Alexander Steffensmeier (Autor/ Illustrator)
Fischer Sauerländer Verlag
Lesealter: ab 4 Jahren
32 Seiten
20,00€

Jeden Morgen schaut Lieselotte schon beim Melken ungeduldig auf den Hof hinaus. Es gibt nämlich etwas, das sie mehr liebt als alles andere…

Eine spannende Geschichte über eine pirschende Kuh, einen gejagten Briefträger und eine Bäuerin, die endlich unversehrte Pakete bekommen möchte.

20 Jahre Lieselotte! Diese einzigartige Sonderausgabe hat einen Schutzumschlag, der sich in ein tolles Kinderzimmerposter verwandelt. Und noch ein besonderes Extra: Mit einem Hörbuch zum Runterladen.
(Klappentext)

Postkuh Lieselotte

Manche Kinderbuchfiguren begleiten Familien über Jahre hinweg. Nicht, weil sie übermäßig pädagogisch belehrend sind oder ständig wichtige Botschaften verkünden, sondern weil sie einfach eine unterhaltsame Geschichte erzählen. Lieselotte gehört für mich eindeutig in diese Kategorie. Seit inzwischen zwei Jahrzehnten sorgt die Kuh für gute Laune beim Vorlesen.

In Lieselotte lauert hat sie es ausgerechnet auf den Postboten abgesehen. Sie liebt es, ihm aufzulauern und ihn zu erschrecken. Immer wieder. Und erstaunlich einfallsreich. Während Lieselotte ihren Spaß hat, entwickelt der arme Mann bereits Albträume und auch die Bäuerin verliert langsam die Geduld, weil regelmäßig Pakete zu Bruch gehen.

Die Geschichte braucht dafür keine komplizierte Handlung. Die Idee ist simpel, aber daraus zieht das Buch seinen Humor. Lieselotte versteckt sich, wartet auf den richtigen Moment und bringt den Postboten zuverlässig aus der Fassung. Das ist herrlich albern, kindgerecht und die Sorte Humor, die auch nach mehrmaligem Vorlesen und über Generationen hinweg nicht langweilig wird.

Besonders entgegen kommt mir dieses Buch beim abendlichen Vorlesen. Ich habe nicht immer Lust, kurz vor dem Schlafengehen nach einem anstrengenden Tag noch gefühlt zwanzig Seiten Fließtext mit fünf verschiedenen Stimmen vorzulesen. Wenn die Kinder sich für Lieselotte lauert entscheiden, bin ich immer sehr dankbar. Der Text ist angenehm kurz gehalten, die Handlung klar verständlich und trotzdem hat man nicht das Gefühl, nur schnell das abendliche Vorlesen abgearbeitet zu haben.

Überhaupt tragen die Illustrationen einen riesigen Teil der Geschichte. Die Bilder sind groß, lebendig und voller kleiner Details. Auf vielen Seiten gibt es genug zu entdecken, sodass man beim zweiten, dritten, vierten Lesen noch Kleinigkeiten bemerkt, die vorher untergegangen sind. Für Kinder, die gern länger Bilder anschauen oder noch nicht so lange zuhören möchten, ist das ideal. Der kurze Text lässt viel Raum für eigene Beobachtungen, Fragen und kleine Suchspiele auf den Seiten.

Ganz unkritisch bin ich allerdings nicht. Der Übergang gegen Ende – von Lieselotte zerstört versehentlich das Fahrrad des Postboten zu Lieselotte trägt jetzt selbst Post aus – kommt tatsächlich ziemlich abrupt. Man versteht zwar grundsätzlich, worauf die Geschichte hinausmöchte, aber hier hätte ich mir eine zusätzliche Szene oder einen etwas weicheren Übergang gewünscht. Es wirkt ein wenig so, als würde eine Seite fehlen.

Gleichzeitig finde ich aber auch, dass man dieses Buch nicht unnötig überinterpretieren muss. Lieselotte lauert möchte keine tiefgründige Abhandlung über Konsequenzen, Schuld und Wiedergutmachung sein. Es ist in erster Linie ein Bilderbuch über eine freche Kuh, einen zunehmend verzweifelten Postboten und jede Menge Situationskomik. Meine Kinder und ich haben daran großen Spaß.

Die Jubiläumsausgabe gefällt uns ebenfalls. Der Schutzumschlag lässt sich zu einem Poster ausklappen und das zusätzliche Hörbuch zum Download ist eine schöne Ergänzung. Für uns bleibt Lieselotte lauert ein fröhliches, unkompliziertes Bilderbuch, das besonders durch seine Bilder, seinen Humor und seine angenehme Vorleselänge begeistert. Nicht der textreichste Lieselotte-Band, aber einer, zu dem wir vermutlich genau deshalb immer wieder greifen.

Ein ganz herziges Dankeschön an den Fischer Sauerländer Verlag, der uns diese Jubiläumsausgabe zur Verfügung gestellt hat! Und natürlich: Happy Birthday, Lieselotte! Auf die nächsten 20 Jahre!



Hier die klassischen großformatigen Bilderbücher in chronologischer Reihenfolge:

Lieselotte lauert (2006)

Lieselotte im Schnee (2007)

Lieselotte sucht einen Schatz (2009)

Lieselotte bleibt wach (2010)

Lieselotte macht Urlaub (2011)

Lieselotte versteckt sich (2012)

Lieselotte ist krank (2013)

Lieselotte sucht (2014)

Ein Geburtstagsfest für Lieselotte (2016)

Lieselotte will nicht baden (2017)

Lieselotte hat Langeweile (2018)

Lieselotte macht nicht mit (2019)

Lieselotte im Regen (2020)

Lieselotte macht Ferien (2021)

Zusätzlich gibt es noch:

  • viele Mini-Ausgaben
  • Pappbilderbücher
  • Erstleser
  • Wimmelbücher
  • Adventskalenderbücher
  • Sondereditionen
  • Mitmachbücher
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Ross Montgomery: “Flauschi und Schnuff büxen aus”

Ross Montgomery (Autor)
Sarah Warburton (Illustratorin)
Thienemann Verlag
Lesealter: ab 4 Jahren
40 Seiten
15,00€

Flauschi träumt von Palmen, Papageien und den wilden Meerschweinchen von Peru. Schnuff dagegen liebt seinen gemütlichen Stall. Doch als Flauschi plötzlich verschwindet, muss Schnuff all seinen Mut zusammennehmen, um seine Freundin wiederzufinden. So beginnt eine kunterbunte Reise voller Überraschungen – und voller neuer, wuscheliger Freunde. (Klappentext)

Meerschweinchen auf Abwegen

Flauschi und Schnuff leben eigentlich ein ziemlich behagliches Meerschweinchenleben. Schnuff ist damit auch vollkommen zufrieden. Ein sicherer Stall, genug Futter und Flauschi an seiner Seite. Mehr braucht er nicht zum Glücklichsein. Flauschi sieht das anders. Sie träumt von Peru, von wilden Meerschweinchen, Dschungel, Palmen und einem Leben, das ein bisschen größer ist als der eigene Stall. Als sich die Gelegenheit ergibt, schmuggelt sie sich kurzerhand in den Urlaubskoffer. Schnuff bleibt erst einmal zurück, merkt aber schnell, dass ein gemütlicher Stall nicht mehr ganz so gemütlich ist, wenn Flauschi fehlt.

Flauschi ist eindeutig die Mutigere von beiden. Oder zumindest diejenige, die erst handelt und dann vermutlich darüber nachdenkt, ob Meerschweinchen überhaupt für Fernreisen gemacht sind. Schnuff dagegen ist genügsam und zufrieden mit dem, was er hat. Diese gegensätzlichen Charaktere sind unglaublich sympathisch und süß gezeichnet. Eine will unbedingt hinaus in die Welt, der andere hätte gegen einen ganz normalen Tag im Stall wirklich nichts einzuwenden.

Erzählt wird die Geschichte in Reimen. Bei gereimten Bilderbüchern bin ich immer etwas vorsichtig, weil es schnell holpern kann oder Sätze nur gebaut werden, damit am Ende irgendwie ein passendes Wort steht. Hier liest sich der Text aber angenehm rund. Die Reime haben Tempo, klingen beim Vorlesen lebendig und bleiben trotzdem verständlich. Man stolpert nicht über verdrehte Formulierungen, sondern kommt gut durch die Geschichte. Für Kinder ab vier Jahren passt das auf jeden Fall, wobei ich mir vorstellen kann, dass auch etwas jüngere Kinder schon Freude daran haben, wenn sie gern vorgelesen bekommen.

Die Handlung selbst ist eher einfach gehalten. Flauschi bricht auf, Schnuff folgt ihr, unterwegs gibt es verschiedene Begegnungen und am Ende fügt sich alles fein zusammen. Große Gefahr oder echte Aufregung sollte man nicht erwarten. Schnuffs Weg vom vorsichtigen Stallbewohner zum mutigen kleinen Reisenden hätte für meinen Geschmack ruhig noch etwas mehr Platz bekommen dürfen. Gerade da hätte ich gern noch ein, zwei Stationen mehr gehabt, bei denen man merkt, wie sehr er über seinen eigenen Schatten springen muss.

Dafür sind die Illustrationen ein echtes Vergnügen. Auf den Seiten ist wahnsinnig viel los, ohne dass man sofort den Überblick verliert. Überall sitzen, rennen oder schauen Meerschweinchen. Manche sehen aus wie ganz normale Meerschweinchen, andere eher wie entfernte Verwandte aus einer sehr kreativen Familienchronik. Die Bilder erzählen oft noch mehr als der Text. Besonders die vielen kleinen Meerschweinchen-Varianten machen Spaß. Da entdeckt man schnell Figuren, über die im Text gar nicht gesprochen wird.

Auch der Wechsel vom gemütlichen Stall in die bunte Ferne ist schön umgesetzt. Zu Hause ist alles kuschelig und vertraut, später wird es deutlich lebendiger. Dschungel, Tiere und kleine Details sorgen dafür, dass das Buch optisch deutlich größer wirkt, als die eigentliche Geschichte ist. Der Text bleibt schlicht, aber die Bilder holen aus der Idee noch einmal sehr viel heraus.

Insgesamt ist Flauschi und Schnuff büxen aus ein schönes Vorlesebuch für kleine Leser:innen und alle, die Meerschweinchen grundsätzlich für unterschätzte Hauptfiguren halten. Der Text ist gut vorzulesen, die Geschichte bleibt überschaubar und die Illustrationen machen richtig viel daraus. Für mich liegt die größte Stärke des Buches eindeutig in den Bildern, den vielen kleinen Entdeckungen und den beiden wuscheligen Ausreißern.

Allerliebsten Dank an vorablesen.de und den Verlag für das zur Verfügung gestellte kunterbunte Rezensionsexemplar!

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Ben Mantle: “Der allertollste Bruder der Welt”

Ben Mantle (Autor/ Illustrator)
Penguin Junior Verlag
Lesealter: ab 4 Jahren
40 Seiten
Gebundenes Buch: 15,00 €

Allerbeste Geschwister

Nano hat seinen großen Bruder Felix ganz doll lieb. Und Nano weiß, dass Felix ihn auch lieb hat – meistens jedenfalls. Doch was tut man, wenn der allertollste große Bruder der Welt einfach nur seine Ruhe haben will? Na, alleine spielen, überhaupt gar kein Problem! Oder etwa doch?!
(Klappentext)

Über die besondere Magie zwischen Geschwistern

Geschwisterbeziehungen sind schon etwas ganz Besonderes. Sie sind geprägt von Nähe, Bewunderung, kleinen Streitigkeiten und einem Band, das selbst nach turbulenten Momenten bestehen bleibt. Um dieses Wechselspiel geht es in diesem unglaublich warmherzigen und humorvollen Bilderbuch.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Nano, der seinen großen Bruder Felix über alles liebt. Für Nano ist Felix nicht einfach nur ein Bruder, er ist der allertollste Bruder der Welt. Gemeinsam spielen, Abenteuer erleben und Zeit miteinander verbringen, ist für Nano das Größte. Doch wie es unter Geschwistern nun einmal ist, gibt es auch Momente, in denen der große Bruder einfach seine Ruhe haben möchte. Für Felix wird das Baumhaus zu einem Rückzugsort, zu dem Nano keinen Zutritt hat. Für den kleinen Bruder ist das zunächst schwer zu verstehen. Die Enttäuschung ist groß, denn für Nano gehört Felix zu allem dazu.

Diese recht alltägliche Situation wird auf eine sehr einfühlsame Weise erzählt. Man begleitet Nano dabei, wie er versucht, mit der Situation umzugehen. Er baut sich kurzerhand sein eigenes kleines Reich und versucht, allein zurechtzukommen. Doch als das Wetter umschlägt und sein gemütliches Regenschirmhaus vom Wind davongetragen wird, ohne dass der große Bruder zu Hilfe eilt, ist Nano wütend und traurig.

Meine beiden kleineren Kinder lieben dieses Buch. Beim Vorlesen schlüpfen sie abwechselnd in die Rolle des Nano (ich muss dann mit veränderten Namen vorlesen) und der große Bruder ist selbstverständlich der allertollste überhaupt. Genau daran sieht man doch, wie nahbar diese Geschichte erzählt ist.

Außerdem sind die Illustrationen mein persönliches Highlight. Die Darstellung des regnerischen Gartens und der wechselnden Wetterstimmung ist außergewöhnlich gut gelungen. Man spürt förmlich die Atmosphäre eines warmen, aber regnerischen Tages, riecht die feuchte Erde und hört das Pladder-Pladder und Klonk-Klonk der Regentropfen. Gleichzeitig sind die Figuren so liebevoll gestaltet, dass man ihre Gefühle auch ohne viele Worte sofort erkennt. Die Mimik und Körpersprache der beiden Brüder transportieren Emotionen auf sehr zugängliche und kindgerechte Weise. Auch die kleinen humorvollen Details in den Illustrationen laden zum Entdecken ein und sorgen dafür, dass das Buch nicht nur einmal, sondern immer wieder gerne zur Hand genommen wird.

Inhaltlich vermittelt die Geschichte eine wichtige Botschaft: Geschwister müssen nicht immer alles gemeinsam machen. Es ist völlig in Ordnung, wenn jeder auch einmal Zeit für sich braucht. Gleichzeitig zeigt das Buch, dass Streit und kleine Konflikte dazugehören und dass die Verbindung zwischen Geschwistern oft stärker ist, als man denkt.

Insgesamt also ein warmherziges, humorvolles und zugleich sehr authentisches Bilderbuch über Geschwisterliebe. Die Geschichte überzeugt durch ihren hohen Wiedererkennungswert, die liebevollen Figuren und die beeindruckenden Illustrationen, die besonders die Stimmung eines regnerischen Tages wunderschön einfangen.

Ein wunderbares Vorlesebuch ab etwa vier Jahren, das zeigt, dass Geschwister sich manchmal streiten, aber am Ende immer zusammenhalten. Und dass der große Bruder eben doch (meistens) der allertollste der Welt ist.

Vielen lieben Dank an der Verlag, der uns dieses Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat!

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Andrea Schomburg: “Disko im Zoo”

Andrea Schomburg (Autorin)
Barbara Nascimbeni (Illustratorin)
Tulipan Verlag
Lesealter: ab 4 Jahren
32 Seiten
Gebundenes Buch: 16,00 €

Und endlich wieder Diskonacht! Gerti Gnu schlüpft in die roten Hackenschuh, Löwe Lars föhnt sich die Mähne und die Hyäne putzt die Zähne. Wie in jedem Jahr. Doch dieses Mal kommt alles anders. Denn die Pinguinmännchen Ping und Pong sorgen mit ihrem großen Herzenswunsch für eine ganz besondere Überraschung.

Witzig gereimtes Bilderbuch mit partybunten und fröhlichen Illustrationen.
(Klappentext)

Eine Familie für 2 Pinguine

Einmal im Jahr wird der Zoo zur Disko. Dann werfen sich die Tiere in Schale und veranstalten eine riesige Party. Zwischen Konfetti und Tanz verlieben sich Ping und Pong, zwei Pinguinmännchen, die sich bald nichts sehnlicher wünschen als eine eigene Familie. Nur fehlt dafür etwas EntschEIdendes. Aber dafür findet sich noch in der Diskonacht eine überraschend simple Lösung.

Die Geschichte ist durchgehend gereimt. Allerdings ist der Rhythmus an manchen Stellen etwas komplizierter und so wurde es beim Vorlesen teils etwas holprig. Dazu kommt, dass die Handlung für ein Bilderbuch recht umfangreich ist. Es passiert – abgesehen von der wilden Partynacht – noch einiges mehr und ich habe es bei meiner Vorlesegruppe deutlich gemerkt, wie die Aufmerksamkeit bei einigen Kindern abnahm, auch wenn der Einstieg mit der Diskonacht zunächst große Begeisterung ausgelöst hatte.

Die Illustrationen sind farbenfroh und lebendig. Überall gibt es kleine Szenen zu entdecken. Manche Details fallen erst beim zweiten oder dritten Durchblättern auf.

Neben der bunten Diskostimmung entwickelt sich die eigentliche Geschichte eher nebenbei. Ping und Pong wünschen sich eine eigene Familie. Die Frage ist nur, woher die beiden ein Ei bekommen sollen. Die Lösung kommt recht schnell, denn Pinguindame Marei gibt gerne eines ihrer Eier ab, sie legt schließlich ohnehin immer zwei. Für Kinder ist das völlig stimmig. Sie hat 2, die anderen haben keines, selbstverständlich wird da geteilt. Als Erwachsener stutzt man da doch immerhin kurz. Gleichzeitig passt diese Leichtigkeit wiederum gut zur fröhlichen Grundstimmung des Buches und vermittelt ja auch einen netten Grundgedanken.

Insgesamt also ein farbenfrohes Bilderbuch mit einer ungewöhnlichen Idee und vielen lebendigen Szenen. Die Reime und die etwas längere Handlung machen das Vorlesen nicht immer ganz leicht, bieten aber gleichzeitig genug Stoff zum Reden und Entdecken.

Vielen lieben Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar!

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Christian Merveille: “Eilig, so unglaublich eilig!”

Christian Merveille (Autor)
Lorenzo Sangiò(Illustrator)
Penguin Junior Verlag
Lesealter: ab 4 Jahre
32 Seiten
Gebundenes Buch: 15,00€

Es war einmal ein Hase.
Ein Hase, der es eilig hatte, sehr eilig.
Unglaublich eilig!
Und so rennt er durch die Geschichte.
Rennst du mit ihm?
Oder würdest du dir lieber Zeit lassen und unterwegs viel Schönes entdecken?
Such es dir aus!

(Klappentext)

Ein Bilderbuch, das zum Innehalten einlädt

In diesem Buch geht es um einen Hasen in großer Eile. Er rennt los, hastet durch die Straßen, durch den Tag, immer mit dem Gefühl, dringend irgendwohin zu müssen. Warum? Wieso? Weshalb? Wohin? Das alles bleibt erstmal offen. Wichtig ist nur: Er ist schnell. Sehr schnell. Und während er rennt, geschehen um ihn herum so viele Dinge, die er gar nicht wahrnimmt – Freunde, kleine Wunder, alltägliche Momente. Erst am Ende des Tages, wenn es zu dunkel wird, um schnell zu rennen, wird er gezwungenermaßen langsamer. Am Ende des Weges warten seine Freunde bereits auf ihn. Und plötzlich stellt sich die Frage: War die Eile überhaupt nötig?

Dieses warmherzige Bilderbuch erzählt eine einfache Geschichte. Es gibt keinen großen Konflikt, sondern einfach eine Situation, die man verfolgt. Man begleitet einen Hasen durch einen Tag voller Hast und erkennt nach und nach, was ihm dabei entgeht. Der Text ist knapp gehalten und folgt dem Rhythmus des Laufens. Das Vorlesen fühlt sich zunächst tatsächlich etwas schneller an und spiegelt die Situation des Hasen wider.

Die Illustrationen setzen dazu einen schönen Kontrast. Während der Hase rennt, zeigen sie all das, was am Wegesrand passiert: kleine Szenen, Begegnungen, Details, die man beim ersten Durchgang leicht übersieht. Kinder bleiben an dieser Stelle oft schon länger hängen als der Text es vorgibt. Sie zeigen, erzählen, fragen.

Einzigartig ist das Ende der Geschichte. Die Handlung ist nicht einfach vorbei, nachdem der Hase bei seinen Freunden ankommt. Sondern das Buch richtet sich direkt an die Kinder. Sie dürfen entscheiden, ob sie den Hasen noch einmal begleiten möchten. Nicht noch einmal so schnell, sondern bewusst langsamer. Beim zweiten Lesen verändert sich das Buch spürbar. Plötzlich wird nicht mehr durchgeblättert, sondern verweilt. Man entdeckt Dinge, die vorher keine Rolle gespielt haben. Der Weg wird interessant, nicht nur das Ankommen.

Für Kinder ab etwa vier Jahren funktioniert das insbesondere beim ersten Vorlesen sehr gut, auch wenn sie natürlich an den Illustrationen hängenbleiben. Die Bilder sind detailreich und in warmen, leuchtenden Tönen gehalten. Ein bisschen nostalgisch, aber dadurch strahlen sie eine innere Ruhe aus, die dem Häschen etwas abhanden gekommen ist.

„Eilig, so unglaublich eilig!“ ist ein wirklich warmherziges Bilderbuch, das nicht ausbremst, sondern einlädt. Zum Wiederlesen. Zum Entdecken. Und dazu, den Weg vielleicht einfach ein bisschen bewusster zu gehen.

Allerliebsten Dank an den Penguin Junior Verlag für das Rezensionsexemplar!

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Engelbert Humperdinck: “Hänsel und Gretel: Ein Musik-Bilderbuch zum Hören”

Jessica Courtney-Tickle (Autorin/ Illustratorin)
Prestel Verlag
Lesealter: ab 4 Jahre
24 Seiten
Gebundenes Buch: 26,00€

Die geliebte Kinderoper als Musikbilderbuch

Mit der romantischen Oper »Hänsel und Gretel« schuf Engelbert Humperdinck die wohl bekannteste Märchenoper. Bis heute ist sie die meistgespielte Oper und wird besonders häufig in der Adventszeit aufgeführt. Kinder (und Erwachsene) lieben die märchenhafte Oper, die auf dem bekannten Grimmschen Märchen basiert, vor allem wegen ihrer schönen und eingängigen Melodien. Wer erinnert sich nicht an die geliebten Ohrwürmer »Suse, liebe Suse, was raschelt im Stroh?«, »Brüderchen, komm tanz mit mir«, den gefühlvollen »Abendsegen« und das »Knusper, knusper Knäuschen, wer knuspert mir am Häuschen« der bösen Hexe? Mit ihren bezaubernden Illustrationen erzählt Jessica Courtney-Tickle die Geschichte von Hänsel und Gretel sehr liebevoll nach, sodass auch jüngere Kinder sie verstehen können. Auf jeder Seite findet sich dabei ein Notenzeichen, und wer darauf drückt, hört die allerschönsten Melodien zum jeweiligen Bild. Das Buch bietet einen perfekten Einstieg in die Welt der klassischen Musik und ist die perfekte Ergänzung zu den anderen Titeln der beliebten Reihe wie »Der Nussknacker«, »Peter und der Wolf« oder »Schwanensee«.Besonders hochwertig ausgestattet mit Goldfolienprägung auf dem Einband. (Klappentext)

Stimmiges Gesamtpaket aus Kunst, Klang und klassischer Erzählfreude

Die Prestel-Reihe der Musik-Bilderbücher hat sich längst zu einer kleinen Institution entwickelt, wenn es darum geht, Kindern klassische Musik nahezubringen, ohne dass sie dabei das Gefühl haben, in einem Konzertsaal stillsitzen zu müssen. Nun also Engelbert Humperdincks „Hänsel und Gretel“ – und das in einer Version, die zeigt, dass man Oper auch mit vier Jahren schon genießen kann, wenn man die richtige Verpackung wählt.

Das Buch erzählt die bekannte Geschichte um die Geschwister Hänsel und Gretel, die sich im Wald verirren, das Lebkuchenhaus entdecken und der listigen Hexe begegnen – so reduziert und liebevoll, dass auch jüngere Kinder der Handlung problemlos folgen können. Die Sprache bleibt klar und verständlich und Jessica Courtney-Tickles farbenfrohe Illustrationen schaffen es, das Märchen in eine warme, leuchtende Herbststimmung zu tauchen. Es gibt so viel zu entdecken. Von winzigen Waldtieren bis zu kunstvollen Mustern auf dem Hexenhaus. Besonders die goldene Folienprägung auf dem Cover sorgt dafür, dass das Buch schon rein optisch ein echter Hingucker ist.

Der Clou liegt natürlich in der Musik. Auf jeder Doppelseite findet sich eine kleine Note, die Kinder antippen können – und schon erklingt ein Ausschnitt aus Humperdincks Oper. Klassiker wie „Brüderchen, komm tanz mit mir“, der „Abendsegen“ oder das berühmte „Knusper, knusper Knäuschen“ sind hier in (sehr) kurzen Sequenzen eingebunden. Die Soundqualität ist okay für ein Bilderbuchmodul. Nur jüngere Kinder brauchen anfangs etwas Hilfe beim Drücken – die Noten reagieren besser, wenn man mit etwas Nachdruck tippt.

Ich finde das Gesamtpaket in Bezug auf die Zielgruppe wirklich stimmig. Statt langer Erklärtexte oder angestaubter Musikvermittlung entsteht ein ganz natürliches Zusammenspiel aus Bild, Geschichte und Klang. Kinder erleben die Musik nicht als „etwas Schwieriges“, bei dem man lange stillsitzen und zuhören muss, sondern als Teil des Abenteuers. Die Musikstücke werden zwar nur kurz angerissen, aber als erster Kontakt zur Oper ist es für Kinder völlig ausreichend, zumal Bild und Handlung in diesem Buch auch sehr präsent sind.

Einziger kleiner Kritikpunkt meinerseits: Das Buch ist – wie alle Titel der Reihe – kein Pappbilderbuch, sondern besteht aus nicht reißfestem Papier. Bei sehr kleinen, übereifrigen Kinderhänden ist daher Vorsicht geboten.

Aber das sind Kleinigkeiten in einem sonst hervorragend durchdachten Konzept. „Hänsel und Gretel“ ist ein stimmiges Gesamtpaket aus Kunst, Klang und klassischer Erzählfreude. Für uns ist es ein liebevoll gestaltetes Musikbilderbuch, das Oper greifbar macht. Perfekt für kleine Musikentdecker. Und ja – danach hat man wirklich Lust auf Lebkuchen.

Ein liebevolles Dankeschön an den Prestel Verlag, der uns dieses wunderbare Buch zu Rezensionszwecken zugestellt hat!

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Britta Sabbag: “Der Weihnachtskauz”

Britta Sabbag (Autorin)
Anika Voigt (Illustratorin)
Penguin Junior Verlag
Lesealter: ab 4 Jahre
32 Seiten
Gebundenes Buch: 15,00 €

Endlich wieder Weihnachten?!

Alle Tiere im Wald freuen sich auf das Fest, nur einer motzt sich schlecht gelaunt durch die Adventszeit: der Kauz! Schmücken, singen und basteln? Das ist nichts für ihn! Doch als der Kauz sieht, wie viel Spaß die Tiere zusammen haben und wie der Wald Tag für Tag festlicher wird, würde er doch zu gern bei den anderen sein. Ob der muffelige Kauz etwa doch noch zu einem echten Weihnachtskauz wird? (Klappentext)

Ein kauziger Kauz, der dazugehören will

Im Wald herrscht Weihnachtsstimmung. Es wird gebastelt, gesungen und geschmückt. Nur einer macht nicht mit: der Kauz. Er flattert missmutig umher, motzt über alles und zieht sich schließlich in sein Baumloch zurück. Denn auch die Tiere verspüren wenig Lust, mit so einem übellaunigen Kauz zusammen sein zu wollen. Aber dort oben, allein in seinem Baum fühlt er sich einsam und ausgeschlossen.

Die Figur des Kauzes finde ich herrlich. Er ist ja kein klassischer „Bösewicht“, sondern eher ein Tier, das mit seiner eigenen Stimmung kämpft. Dass er sich fragt, ob es an den anderen oder an ihm selbst liegt, ist eine kleine, aber wichtige Botschaft. Der Kauz reflektiert sich selbst. Er möchte dazugehören, aber er weiß nicht, wie er das anstellen soll. Dass er am Ende nicht plötzlich zum Strahlemann mutiert, sondern seine kauzige Art behält, macht ihn glaubwürdig. Er überwindet sich, geht auf die anderen Tiere zu, feiert mit ihnen, lacht und genießt das Fest, bleibt aber der Typ, der am nächsten Morgen wieder nörgelt. Gerade das macht die Botschaft stark: Man darf sein, wie man ist, und trotzdem Teil der Gemeinschaft sein.

Britta Sabbag erzählt diese Entwicklung in Reimen, die beim Vorlesen leicht über die Zunge gehen und einen schönen Rhythmus haben. Die Illustrationen von Anika Voigt passen wunderbar dazu. Der Kauz mit seiner verschobenen Weihnachtsmütze und den giesgrämigen Augen ist herrlich ausdrucksstark. Man sieht ihm sein Grummeln sofort an, was sehr viel Komik in die Geschichte bringt. Gleichzeitig sind die Szenen im Wald bunt, aber nicht überladen. Es gibt viel Tannengrün, Lichterketten, kleine Tiere, die basteln und tanzen, und man spürt die Vorfreude.

Die Moral der Geschichte ist vielleicht nicht unbedingt neu: Gemeinsam ist schöner als allein. Aber die Verpackung mit dem motzenden Kauz macht sie herrlich frisch und witzig. Und beim Vorlesen spürt man, dass die Geschichte Kinder anspricht, weil sie so nah an ihren eigenen Gefühlen ist: manchmal will man eben mitmachen, manchmal lieber nicht.

Insgesamt ist Der Weihnachtskauz kein zuckersüßes Weihnachtsbuch, sondern eine Geschichte mit Witz, Herz und einem Helden, der gerade durch sein Motzen sympathisch wird. Zum Vorlesen ab vier Jahren sehr empfehlenswert und ein Titel, der sicher mehr als einmal in der Adventszeit aus dem Regal geholt wird.

Vielen lieben Dank an den Verlag für dieses weihnachtliche Buch!

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Nicole Röndigs: “Die Tortenhexe”

Nicole Röndigs (Autorin)
Katja Gehrmann (Illustratorin)
cbj Verlag
Lesealter: ab 4 Jahre
40 Seiten
Gebundenes Buch: 15,00€

Die Hexe hat mal wieder schlechte Laune! Kein Wunder – sie wohnt in einem Lebkuchenhaus. So ein Haus ist zwar prima, um leckere Kinder anzulocken, aber zum drin Wohnen ziemlich unpraktisch. Dauern picken Vögel an den Dachziegeln, und Eichhörnchen knabbern die Wände an! Doch eines Tages tauchen Greta und Henry im Wald auf und stellen der Hexe die entscheidende Frage: »Wenn du ein Haus aus lauter Lebkuchen hast, wieso isst du dann ausgerechnet Kinder?« Und damit beginnt für die Hexe das süße Leben! (Klappentext)

Lieber Kuchen statt Kinder

Mit „Die Tortenhexe“ präsentieren Nicole Röndigs und Katja Gehrmann ein weiteres Bilderbuch, das klassische Märchenmotive aufgreift und dabei herrlich verdreht. Schon beim Vorgänger „Der Marmeladenwolf“ hat das Duo bewiesen, wie viel Spaß es macht, vermeintlich gruselige Gestalten mit einer Portion Humor und einer Vorliebe für Süßes neu zu erfinden.

Die Idee hinter der Geschichte ist genial einfach: Die Hexe aus dem Lebkuchenhaus ist ständig schlecht gelaunt. Aber nicht etwa, weil sie Hunger auf Kinder hätte, sondern weil ihr Häuschen einfach unpraktisch ist. Vögel knabbern am Dach, Eichhörnchen machen sich an den Wänden zu schaffen und dauernd bröselt etwas weg. Dass da die Stimmung im Keller ist, versteht jedes Kind sofort. Erst als Greta und Henry im Wald auftauchen und die eine Frage stellen, die Generationen von Kindern zuvor sich beim Lesen des Märchens immer gestellt haben: „Wenn du ein Haus aus Lebkuchen hast, warum isst du dann Kinder?“, wendet sich das Blatt und für die Hexe beginnt endlich ein süßes Leben.

Statt moralisch schwer oder belehrend zu wirken, bleibt die Geschichte angenehm leichtfüßig. Sie setzt auf Witz und überraschende Wendungen, sodass man beim Vorlesen immer wieder ins Schmunzeln gerät. Gerade diese Mischung aus frechem Humor und kindlicher Logik macht den besonderen Reiz aus.

Sehr interessant sind auch die Illustrationen von Katja Gehrmann. Ihre Bilder sprühen vor Energie, sind bunt, krell und irgendwie speziell. Die Hexe wirkt trotz ihrer Miesepetrigkeit sympathisch, fast sogar ein bisschen liebenswert. Greta und Henry sind frech und ziemlich pfiffig. Sie trauen sich, der Hexe die entscheidende Frage zu stellen und sie mit süßen Rezepten abzulenken. Statt Angst und Schrecken herrscht am Ende Genuss, Lachen und Freude. Das ist nicht nur für Kinder eine schöne Botschaft.

Wer „Der Marmeladenwolf“ mochte, wird auch mit der „Tortenhexe“ seinen Spaß haben. Beide Bücher sind wunderbar geeignet für fröhliche Vorlesestunden, bei denen man garantiert zusammen lacht und Lust bekommt, nach dem Lesen selbst einen Kuchen zu backen.

Ein humorvolles, liebevoll illustriertes Bilderbuch, das bekannte Märchenfiguren in einem neuen Licht zeigt. Es nimmt Kindern die Angst vor der Hexe im Lebkuchenhaus und macht sie stattdessen zu einer herrlich schrulligen Figur, die man einfach gernhaben muss.

Ein Dankeschön an den Tulipan-Verlag für das zuckersüße Rezensionsexemplar!

Kennst du schon?

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Jessica Meserve: “Wir alle geMEINSam!”

Jessica Meserve (Autorin/ Illustratorin)
Penguin Junior Verlag
Lesealter: ab 4 Jahren
32 Seiten
Gebundenes Buch: 15,00€

Alles MEINS!?

Der kleine Herr Rot liebt SEINEN Baum: Er hat so viele Blätter zum Rascheln, einen tollen Stamm zum Hinaufflitzen und die besten Äste zum Schwingen und Springen! Deshalb kann er es gar nicht leiden, dass überall im Baum so viele andere Tiere krabbeln, huschen oder flattern. Doch als dann auch noch Frau Leopard am Fuße des Baums auftaucht, merkt der kleine Herr Rot, wie gut es ist, nicht allein zu sein…

Alles ist besser GEMEINSAM!
(Klappentext)

Ein Baum für alle

Herr Rot ist ein kleines Eichhörnchen mit großen Ansprüchen. Der Baum, den er entdeckt hat, soll bitte nur ihm gehören – Stamm, Äste, Blätter, alles seins. Dass andere Tiere den selben Baum besetzen, passt ihm überhaupt nicht. Erst schimpft er, dann schmollt er und schließlich zieht er los, um einen anderen, besseren Baum ganz für sich allein zu finden. Doch ausgerechnet die Begegnung mit Frau Leopard bringt ihn ins Grübeln und ziemlich in Not. Plötzlich merkt Herr Rot, dass es sich doch viel angenehmer und sicherer lebt, wenn man nicht allein ist, sondern Teil einer Gemeinschaft, die im entscheidenden Moment an seiner Seite steht.

Die Geschichte erzählt eine klassische Lektion über Teilen und Zusammenhalt, allerdings so charmant, dass sie nicht belehrend wirkt. Herr Rot ist eigensinnig, trotzig und dadurch nah an der kindlichen Lebenswelt. Viele Kinder kennen das Alles-meine-Gefühl nur zu gut. Genau deshalb ist die Erzählung ein guter Gesprächsanlass: Warum teilen? Warum Rücksicht nehmen? Und wie fühlt es sich an, wenn man merkt, dass man alleine nicht weiterkommt?

Der Text ist gradlinig erzählt, ohne Schnörkel, dafür mit feinem Humor. Man spürt die leise Ironie, wenn Herr Rot immer finsterer dreinschaut, während sich immer mehr Tiere auf seinem Baum niederlassen. Schön ist auch die Figur des alten Baums, der mit ruhiger Stimme daran erinnert, dass in seinen Ästen Platz für viele ist. Das bringt eine wohltuende Gelassenheit in die Geschichte.

Die Illustrationen sind der große Schatz dieses Buches. Jessica Meserve arbeitet mit weichen, aquarellartigen Farben, die Wärme und Leichtigkeit ausstrahlen. Die Mimik von Herr Rot ist köstlich, von beleidigt bis erleichtert ist alles dabei, und Kinder erkennen sofort, in welcher Stimmung er steckt. Auch die Details rund um die anderen Tiere laden zum längeren Betrachten ein. Die Bilder erzählen fast noch mehr als der Text und verleihen dem Buch eine stimmungsvolle Tiefe.

Obwohl die Botschaft recht deutlich ist, bleibt die Erzählung verspielt und leicht. Das ist wichtig, denn so liest sich das Thema Teilen nicht als Moralpredigt, sondern als positives Erlebnis. Dass die Erkenntnis ausgerechnet in einer brenzligen Situation kommt, macht die Wendung glaubwürdig und bringt Spannung hinein.

Wir alle geMEINSam! zeigt, wie schön es ist, Dinge miteinander zu teilen und füreinander da zu sein. Die Geschichte macht deutlich, dass man mit anderen zusammen nicht nur stärker ist, sondern auch viel mehr Freude erlebt.

Ein liebes Dankeschön an den Penguin Junior Verlag für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar!

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Sven Gerhardt: “Der OktoBus auf großer Fahrt”

Sven Gerhardt (Autor)
Nina Dulleck (Illustratorin)
Penguin Junior Verlag
Lesealter: ab 4 Jahre
40 Seiten
Gebundenes Buch: 15,00 €

“In einer Garage ganz unten am Strand
parkt ein Gefährt seine Räder im Sand.
Sein Besitzer heißt Otto und hält es in Schuss,
frisch geputzt steht er da: der OktoBus.”

Der OktoBus ist das lustigste Verkehrsmittel im Tierreich. Heute steht eine Ausfahrt zum “großen Etwas” an – das klingt besonders aufregend. Was das “große Etwas” ist, weiß Busfahrer Otto allerdings selbst nicht. Ein spannendes Abenteuer beginnt… (Klappentext)

Ein tierisch gutes Bilderbuchabenteuer

Der OktoBus von Otto wirkt schon auf den ersten Seiten wie ein Gefährt, das man sofort in sein Bücherregal aufnehmen möchte. Mit acht Armen am Steuer, die gleichzeitig Tickets knipsen, winken und den Rückspiegel zurechtrücken, ist Otto der wohl entspannteste Busfahrer der Tierwelt. Auf seiner Tour zum geheimnisvollen Großen Etwas sammelt er eine bunt gemischte Reisegesellschaft ein. Giraffe Gerlinde hat Mühe mit der Deckenhöhe, Flamingo Ingo nutzt als Zugvogel meist natürlich die Bahn, aber die ist zu unzuverlässig, und Fanni Faultier lässt sich super viel Zeit. Zusammen sind sie eine herrlich lustige Gruppe.

Die Geschichte entfaltet ihren Reiz nicht durch spektakuläre Wendungen, sondern durch die Freude am Unterwegssein. Der Text ist in Reimen geschrieben, was hier erstaunlich gut funktioniert. Die Verse haben einen leichten Rhythmus, der das Vorlesen angenehm macht und Kinder sofort mitnimmt. Sie klingen weder erzwungen noch überladen, sondern fließen locker dahin wie die Fahrt selbst.

Besonders stark sind die Illustrationen von Nina Dulleck. Ihre Bilder sind farbenfroh und detailreich, ohne jemals überladen zu wirken. Jede Figur ist mit einem Augenzwinkern gezeichnet und beim wiederholten Anschauen entdeckt man immer neue kleine Szenen. Das sorgt dafür, dass das Buch nicht nach einmaligem Lesen zur Seite gelegt wird, sondern immer wieder auf den Schoß wandert.

Das Ende mit dem Großen Etwas ist ein kluger Gedanke, für Erwachsene sofort nachvollziehbar, für Kinder allerdings etwas abstrakt. Die Botschaft, dass das gemeinsame Erleben wichtiger ist als das Ziel, kommt dennoch an, auch wenn die kleinen Leser:innen eher an der fröhlichen Party hängen bleiben als an der philosophischen Ebene.

Alles zusammen ergibt ein Bilderbuch, das Humor, Wärme und ein Stück Lebensweisheit miteinander verbindet. Es erzählt von Freundschaft, vom Spaß am Miteinander und davon, dass der Weg selbst oft das schönste Abenteuer ist.

Ein riesengroßes Dankeschön an Penguin Junior für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar!