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Gundi Herget: “Bella Karamella – Achtung, zauberhafte Freundin”

Gundi Herget (Autorin)
Barbara Korthues (Illustratorin)
Fischer Sauerländer Verlag
Lesealter: ab 8 Jahre
176 Seiten
Gebundenes Buch: 14,90 €

Meine zauberhafte Freundin Karamella

Bei Elfie zu Hause stimmt was nicht: Ihre Schokolade ist weg! Eines Nachts hört sie es knuspern und schmatzen – und entdeckt einen Gast in der Kommode: Bella Karamella Limonella Krokantia von Nasch! Die kleine Naschhexe mit dem großen Namen hat Elfies Süßkram und aus Versehen sogar ihren eigenen Zauberstab aufgegessen. Jetzt braucht sie Elfies Hilfe! Im Gegenzug verspricht sie Süßigkeiten, die niemals alle werden. Ein bisschen Magie können Elfie und ihre Mama gerade gut gebrauchen. Denn bei ihnen ist das Geld knapp, und in der Schule läuft es für Elfie auch nicht toll. Ein wenig Glitzerstaub hier, etwas Zauberei dort – bald wollen alle Elfies Bonbons haben! Doch ausgerechnet die Klassen-Bullys Michi und Murat und die doofe Bianca drohen ihrem Geheimnis auf die Schliche zu kommen … (Klappentext)

Zucker, Zauber, Alltagsnöte

In diesem Kinderbuch beginnt eine Freundschaft mit einem Diebstahl. Aber nicht etwa Gold oder Juwelen, sondern etwas, das für viele bestimmt mindestens ebenso wertvoll ist: Schokolade! Und zwar ausgerechnet Elfies Schokolade, auf die sie lange gespart hat. Als sie eines Nachts das Rascheln in der Kommode hört und der Übeltäter sich als winzige Naschhexe mit einem Namen entpuppt, der fast ein Zungenbrecher ist – Bella Karamella Limonella Krokantia von Nasch – nimmt das Chaos seinen Lauf.

Was Gundi Herget hier gelingt, ist ein Balanceakt zwischen frechem Witz, zauberhaftem Unsinn und erstaunlich viel Bodenhaftung. Die Geschichte liest sich leichtfüßig, aber nie belanglos. Zwischen Zuckerwatte und Zauberei steckt eine ordentliche Portion Alltag und Realität: eine alleinerziehende Mutter, knappes Einkommen, Schulstress, Freundschaften, die bröckeln und wachsen dürfen. Das alles wird ohne Pathos erzählt, aber mit warmem Humor und einer klugen Beobachtungsgabe, die man in Kinderbüchern dieser Altersklasse nicht immer findet.

Elfie ist kein typisches Kinderbuchmädchen, das alles sofort richtig macht. Sie ist wütend, eifersüchtig, manchmal trotzig und dabei herrlich echt. Und Bella Karamella ist keine glatte Märchenhexe, sondern eher wie eine überzuckerte WG-Mitbewohnerin. Sie redet zu viel, futtert alles auf, was süß ist. Mit ihrer unkontrollierten Magie sorgt sie regelmäßig für kleine Katastrophen, sehr zum Leidwesen von Elfie. Dass die beiden sich trotzdem zusammentun, macht ihre Freundschaft umso schöner.

Ganz großartig ist, dass die Autorin auf Kitsch verzichtet. Die Magie entsteht nicht durch übertriebene Feenwelten oder glitzernde Portale, sondern im Alltäglichen. Gerade das macht die Geschichte so sympathisch.

Die Dialoge sind spritzig, modern und pointiert. Es gibt keine holprigen Belehrungen, sondern klug dosierte Momente, in denen man schmunzeln und kurz nicken möchte.

Ein großes Kompliment verdient Barbara Korthues, deren Illustrationen der Geschichte den letzten Schliff geben. Sie fängt Bellas Energie und Elfies Zweifel in kleinen, liebevollen Details ein. Ihre Bilder sind pastellig-bunt, aber nicht überladen oder zu abstrakt. Sie erzählen mit, statt nur zu schmücken, und man kann den Zuckerduft förmlich riechen.

Bella Karamella – Achtung, zauberhafte Freundin! ist eine zuckersüße Geschichte über Freundschaft, Mut und kleine Alltagswunder. Es zeigt, dass auch in dem kleinsten Kinderzimmer Platz für große Gefühle ist – und dass eine ordentliche Portion Humor manchmal das Beste ist, was man zaubern kann.

Kurzum ein Kinderroman, der wie seine Protagonistin ist – süß und frech, aber ganz sicher zum Verlieben.

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Erstleser Geschenkbücher Kinderbücher Kinderbücher ab 5 Jahre Rezensionen Vorlesebücher Weihnachten Winter

Barbara Rose: “Das Geheimnis der Weihnachtsbaumkugeln – Ein Abenteuer mit 24 Kapiteln”

Barbara Rose (Autorin)
Elena Cavion (Illustratorin)
Penguin Junior Verlag
Lesealter: ab 5 Jahre
144 Seiten
Gebundenes Buch: 15,00 €

Die Überraschung ist groß, als Emil und seine Schwester Lio in der neuen Weihnachtsbaumkugel einen waschechten Weihnachtskobold entdecken. Der kleine Herr Weibold braucht dringend ihre Hilfe: Er wurde von einem richtigen Weihnachtsmuffel in die Kugel gesperrt und dieser verfolgt einen fiesen Plan, jedem das Fest zu vermiesen! Emil, Lio und Herr Weibold stürzen sich ins Abenteuer, um allen doch noch wunderbare Weihachten zu bescheren. (Klappentext)

Ein Weihnachtsabenteuer voller Glitzer und Chaos

Das Geheimnis der Weihnachtsbaumkugeln ist so ein Buch, das man aufschlägt und sofort ist da dieses Gefühl von Advent. Überall schimmert es, alles leuchtet und man spürt: Hier wird’s gemütlich.

Jeden Winter dürfen Emil und Lio eine neue Kugel für den Baum aussuchen. Doch dieses Jahr läuft alles ein bisschen anders. In Emils Kugel steckt nämlich ein echter Weihnachtskobold – Herr Weibold – und der braucht dringend Hilfe. Der fiese Standbesitzer Herr Mufflig hat ihn gefangen genommen und wenn niemand eingreift, ist Weihnachten in Gefahr. Also stürzen sich Emil, Lio und ihr neuer Freund in ein turbulentes Abenteuer voller Zauberkugeln, Chaos und einer guten Portion Weihnachtsmagie.

Was das Buch sofort besonders macht, ist seine Stimmung. Schon das Cover ist ein kleiner Blickfang und im Inneren funkeln die Illustrationen von Elena Cavion. Sie fangen den Lichterglanz, die Schneeflocken und den warmen Kerzenschein so schön ein, dass man sich fast selbst im Weihnachtsmarktgetümmel wähnt.

Die Geschichte ist in 24 Kapitel unterteilt. Also perfekt, um sie in der Adventszeit Stück für Stück zu lesen, aber ohne dass man Seiten auftrennen müsste. Es ist kein Adventskalenderbuch im klassischen Sinn, sondern einfach eine fortlaufende Geschichte, die sich wunderbar zum Vorlesen oder Selberlesen eignet.

Barbara Rose schreibt leicht, warmherzig und mit Humor. Emil und Lio streiten, staunen und retten Weihnachten und man merkt, dass hier der Spaß im Vordergrund steht. Dabei hat die Geschichte trotzdem eine kleine Botschaft: Dass Weihnachten vor allem dann funktioniert, wenn man zusammenhält.

Am Ende bleibt einfach dieses typische Gefühl, das gute Weihnachtsbücher hinterlassen: Man klappt das Buch zu, sieht den Baum an und hat wieder ein bisschen mehr Lust auf Kerzenschein und Zimtduft.

Vielen lieben Dank an Penguin Junior für das magische Rezensionsexemplar!

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Erstleser Kinderbücher Kinderbücher ab 6 Jahre Kinderbücher ab 8 Jahre Rezensionen Vorlesebücher

Michael Petrowitz: “Die unendliche Klassenfahrt: Spuk auf Burg Hammelstein”

Michael Petrowitz (Autor)
Stefanie Klaßen (Illustratorin)
Ravensburger Verlag
Lesealter: ab 7 Jahre
128 Seiten
Gebundenes Buch: 11,99 €

Wie genial ist das denn bitte? Weil Herr Vogelsang unser Klassenzimmer versehentlich in die Luft gesprengt hat, gehen wir mit ihm auf Klassenfahrt. Genauer gesagt: auf eine unendliche Klassenfahrt! Eigentlich wollten wir ja ans Meer, aber dann sind wir auf einer alten Burg gelandet. Die Menschen hier sehen alle aus wie in einem Fantasy-Film. Und angeblich soll es hier sogar spuken … (Klappentext)

Abenteuer zwischen Ritterburg und Geisterspuk

Mit Die unendliche Klassenfahrt: Spuk auf Burg Hammelstein eröffnet Michael Petrowitz eine Reihe, die Abenteuerlust und Fantasie wunderbar verbindet. Eigentlich wollte die 4a an die Ostsee, doch der Bus ROSINE hat eigene Pläne und so landen die Kinder mitten im Mittelalter. Dort warten ein Turnier, ein Lehrer im Kerker und ein unheimlicher Spuk, den es zu beenden gilt.

Die Mischung aus Humor und Spannung funktioniert gut. Während man über den chaotischen Lehrer schmunzeln kann, spürt man beim Geisterspuk durchaus ein leichtes Gruseln. Gerade diese Kombination fanden wir an dem Buch besonders gelungen. Es ist witzig genug, um locker zu bleiben, und spannend genug, damit man unbedingt weiterlesen will.

Die Illustrationen von Stefanie Klaßen machen einen großen Teil des Buches aus. Sie zeigen die Klasse vielfältig und individuell: Kinder mit Gipsbein, gefärbter Strähne, in Fußballklamotten oder mit langen Haaren. Diese Vielfalt wirkt selbstverständlich und macht die Figuren greifbar. Außerdem sind die Bilder so detailreich, dass Kinder gerne durch das ganze Buch blättern, um sie sich wieder und wieder anzusehen.

Die Sprache ist leicht zugänglich, mit großer Schrift und kurzen Sätzen. Das nimmt Leseanfängern die Angst vor dicken Büchern. Wer schon geübter liest, ist allerdings schnell durch. Dafür eignet sich die Geschichte hervorragend zum Vorlesen, gerade weil die Dialoge lebendig klingen und sich gut laut lesen lassen.

Mein einziger Kritikpunkt ist der Einstieg. Er wirkt zunächst gemächlich, bis deutlich wird, welche Rolle der Bus wirklich spielt. Ab diesem Moment gewinnt die Geschichte an Tempo und hält die Spannung bis zum Schluss.

Insgesamt ist der Auftakt zur unendlichen Klassenfahrt gelungen. Es ist eine bunte Mischung aus Humor, Abenteuer und einem Hauch Grusel. Kinder werden sicher gespannt sein, wohin ROSINE die Klasse als Nächstes bringt.

Wir bedanken uns bei Lovelybooks für diesen magischen Buchgewinn!

Das nächste Abenteuer mit ROSINE steht schon in den Startlöchern:

erscheint voraussichtlich
am 1. März 2026

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Nicole Röndigs: “Die Tortenhexe”

Nicole Röndigs (Autorin)
Katja Gehrmann (Illustratorin)
cbj Verlag
Lesealter: ab 4 Jahre
40 Seiten
Gebundenes Buch: 15,00€

Die Hexe hat mal wieder schlechte Laune! Kein Wunder – sie wohnt in einem Lebkuchenhaus. So ein Haus ist zwar prima, um leckere Kinder anzulocken, aber zum drin Wohnen ziemlich unpraktisch. Dauern picken Vögel an den Dachziegeln, und Eichhörnchen knabbern die Wände an! Doch eines Tages tauchen Greta und Henry im Wald auf und stellen der Hexe die entscheidende Frage: »Wenn du ein Haus aus lauter Lebkuchen hast, wieso isst du dann ausgerechnet Kinder?« Und damit beginnt für die Hexe das süße Leben! (Klappentext)

Lieber Kuchen statt Kinder

Mit „Die Tortenhexe“ präsentieren Nicole Röndigs und Katja Gehrmann ein weiteres Bilderbuch, das klassische Märchenmotive aufgreift und dabei herrlich verdreht. Schon beim Vorgänger „Der Marmeladenwolf“ hat das Duo bewiesen, wie viel Spaß es macht, vermeintlich gruselige Gestalten mit einer Portion Humor und einer Vorliebe für Süßes neu zu erfinden.

Die Idee hinter der Geschichte ist genial einfach: Die Hexe aus dem Lebkuchenhaus ist ständig schlecht gelaunt. Aber nicht etwa, weil sie Hunger auf Kinder hätte, sondern weil ihr Häuschen einfach unpraktisch ist. Vögel knabbern am Dach, Eichhörnchen machen sich an den Wänden zu schaffen und dauernd bröselt etwas weg. Dass da die Stimmung im Keller ist, versteht jedes Kind sofort. Erst als Greta und Henry im Wald auftauchen und die eine Frage stellen, die Generationen von Kindern zuvor sich beim Lesen des Märchens immer gestellt haben: „Wenn du ein Haus aus Lebkuchen hast, warum isst du dann Kinder?“, wendet sich das Blatt und für die Hexe beginnt endlich ein süßes Leben.

Statt moralisch schwer oder belehrend zu wirken, bleibt die Geschichte angenehm leichtfüßig. Sie setzt auf Witz und überraschende Wendungen, sodass man beim Vorlesen immer wieder ins Schmunzeln gerät. Gerade diese Mischung aus frechem Humor und kindlicher Logik macht den besonderen Reiz aus.

Sehr interessant sind auch die Illustrationen von Katja Gehrmann. Ihre Bilder sprühen vor Energie, sind bunt, krell und irgendwie speziell. Die Hexe wirkt trotz ihrer Miesepetrigkeit sympathisch, fast sogar ein bisschen liebenswert. Greta und Henry sind frech und ziemlich pfiffig. Sie trauen sich, der Hexe die entscheidende Frage zu stellen und sie mit süßen Rezepten abzulenken. Statt Angst und Schrecken herrscht am Ende Genuss, Lachen und Freude. Das ist nicht nur für Kinder eine schöne Botschaft.

Wer „Der Marmeladenwolf“ mochte, wird auch mit der „Tortenhexe“ seinen Spaß haben. Beide Bücher sind wunderbar geeignet für fröhliche Vorlesestunden, bei denen man garantiert zusammen lacht und Lust bekommt, nach dem Lesen selbst einen Kuchen zu backen.

Ein humorvolles, liebevoll illustriertes Bilderbuch, das bekannte Märchenfiguren in einem neuen Licht zeigt. Es nimmt Kindern die Angst vor der Hexe im Lebkuchenhaus und macht sie stattdessen zu einer herrlich schrulligen Figur, die man einfach gernhaben muss.

Ein Dankeschön an den Tulipan-Verlag für das zuckersüße Rezensionsexemplar!

Kennst du schon?

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Maike Harel: “Zehn freche Mümmelhasen”

Maike Harel (Autorin)
Yayo Kawamura (Illustratorin)
Tulipan Verlag
Lesealter: ab 3 Jahre
32 Seiten
Gebundenes Buch: 16,00€

Zehn freche Mümmelhasen
hüpften über grünen Rasen,
Möhrchenduft in ihren Nasen,
wollten grad zum Angriff blasen:
Kam der Gärtner schon ums Eck –
husch, da waren alle weg!


Na, so was! Erst Blödsinn aushecken und dann einfach verduften! Ob neun Zottelziegen, acht Ringeltauben, sieben Wiesenkröten, sechs Silberreiher, fünf Weinbergschnecken, vier Piekse-Mücken, drei Grizzlybären und zwei Honigbienen genauso frech sind? Und was sagt der eine Lieblingsjunge dazu? (Klappentext)

Zählen macht Spaß

In diesem Buch begleiten Kinder die zehn frechen Mümmelhasen und viele weitere tierische Freunde auf eine fröhliche Zählreise. Jede Doppelseite stellt eine neue Gruppe vor: von den Zottelziegen über Ringeltauben zu den Wiesenkröten, von den Grizzlybären bis zu den Honigbienen. Jede Tierart hat ihren eigenen Reim, der leicht zu verstehen ist und beim Vorlesen richtig Freude macht.

Die Besonderheit liegt in den Illustrationen von Yayo Kawamura. Immer eine Figur taucht auf der nächsten Seite wieder auf, oft in kleinen Szenen im Hintergrund. Kinder entdecken beim genaueren Hinsehen, dass sich die einzelnen Geschichten auf den Bildern miteinander verknüpfen. So entsteht ein zusätzliches Mitmach-Erlebnis. Man sucht nach bekannten Tieren und verfolgt kleine, versteckte Details.

Die Reime sind locker und humorvoll gestaltet. Manchmal etwas bemüht, aber schon schön. Sie helfen nicht nur beim Zählen, sondern geben dem Vorlesen eine schöne Dynamik. Kinder werden zum Mitsprechen animiert. So entsteht eine spielerische Verbindung zwischen Zahlen, Sprache und Bildern.

Besonders auffällig sind die liebevollen Details: Eine Schnecke trägt gleich zwei kleine Häuschen, ein Bär hängt kopfüber im Zirkuszelt und Popcorn landet direkt in seinem Maul. Jede Seite lädt zum Verweilen ein, sodass Kinder immer wieder neue Szenen entdecken und ihre eigene Fantasie beim Erzählen einbringen können.

Am Ende versammelt sich alles um den kleinen Jungen, der nach all den tierischen Begegnungen ins Bett geht. So bekommt das Buch einen sanften Abschluss, der die Reise der Tiere abrundet.

Zehn freche Mümmelhasen ist ein Bilderbuch, das Kinder motiviert mitzuzählen, Details in den Illustrationen zu entdecken und eigene Geschichten zu erfinden. Es verbindet Zahlen, Sprache und Fantasie auf eine sehr ansprechende Weise und macht Vorlesen zu einem aktiven Erlebnis für Kinder ab drei Jahren.

Ein liebes Dankeschön an den Tulipan Verlag, der uns dieses Buch als Rezensionsexemplar zugesandt hat!

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Hendrik Jonas: “Der Fuchs geht auf die Reise”

Hendrik Jonas (Autor/ Illustrator)
Tulipan Verlag
Lesealter: ab 3 Jahren
40 Seiten
Gebundenes Buch: 16,00€

Dies ist das Reisetagebuch vom kleinen Fuchs, der sagt: “Ich such,
damit ich nicht alleine bin,
ne Reisefuchsbegleiterin,
mit der ich auch mal dann und wann
zum Beispiel Karten spielen kann.”

So geht der fuchs auf die Reise: Und was für eine!
Er gerät in die abenteuerlichsten Situationen, ob unter Wasser, im Dschungel oder auf den höchsten Bergen – und er trifft dabei die unterschiedlichsten Tiere, die sich der Reise anschließen. Nach vielen Abenteuern kehren die Freunde schließlich todmüde zum Fuchsbau zurück, wo sie eine überraschende Entdeckung machen.

(Klappentext)

Ein Fuchs sucht Begleitung

Der kleine Fuchs hat ein Ziel, das gar nicht so ungewöhnlich ist: Er sucht jemanden, damit er nicht mehr allein ist. Dass er dafür einmal quer durch die Welt marschiert, wirkt herrlich übertrieben, und genau deshalb macht es Spaß, ihm zu folgen. Ob im Dschungel, auf schneebedeckten Bergen oder unter Wasser, er stolpert von einer Szene in die nächste und sammelt eine bunte Schar Reisegefährten ein.

Die Reime begleiten ihn dabei wie eine schwungvolle Erzählerstimme. Sie lassen sich flüssig lesen und haben Witz, manchmal auch eine kleine Überraschung im Versmaß, die mich beim Vorlesen grinsen ließ.

Besonders schön ist, wie sich der Fuchs unterwegs Gesellschaft zusammensammelt. Da entsteht fast eine kleine Karawane aus Tieren, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Ich fand das sehr charmant, weil es zeigt, dass Begegnungen oft wichtiger sind als das eigentliche Ziel. Kinder merken schnell: Gemeinsam reist es sich besser.

Die Illustrationen sind kräftig und voller Details. Ich habe oft länger auf den Seiten verweilt, um Kleinigkeiten zu entdecken. Gerade im Dschungelbild gibt es so viel zu sehen, dass man beinahe vergisst, den Text weiterzulesen. Die Schreibschrift als Schriftart fand ich interessant – sie passt optisch sehr gut, allerdings könnte sie für jüngere Kinder, die schon selbst lesen möchten, eine kleine Hürde sein. Das ist für mich der einzige Punkt, den ich ein wenig unpraktisch fand.

Das Ende ist fast schon ein kleiner Witz: Die gesuchte Füchsin lebt die ganze Zeit nebenan. Erwachsene schmunzeln, Kinder sind erst erstaunt, dann zufrieden. Die Botschaft liegt auf der Hand, ohne dass sie mit erhobenem Zeigefinger serviert wird: Manchmal liegt das Gute direkt vor der Tür, aber ohne Umwege und Abenteuer wüsste man es vielleicht gar nicht zu schätzen.

Insgesamt ist „Der Fuchs geht auf die Reise“ ein Bilderbuch, das Lust auf Unterwegssein macht, gleichzeitig aber deutlich zeigt, wie wertvoll Freundschaften sind. Mir hat die Mischung aus humorvollen Reimen, abenteuerlichen Stationen und der leisen Weisheit am Schluss gut gefallen. Ein Buch, das man gern mehrmals anschaut, weil jede Reiseetappe etwas Neues bereithält.

Ein herziges Dankeschön an den Tulipan Verlag für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar!

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Jessica Meserve: “Wir alle geMEINSam!”

Jessica Meserve (Autorin/ Illustratorin)
Penguin Junior Verlag
Lesealter: ab 4 Jahren
32 Seiten
Gebundenes Buch: 15,00€

Alles MEINS!?

Der kleine Herr Rot liebt SEINEN Baum: Er hat so viele Blätter zum Rascheln, einen tollen Stamm zum Hinaufflitzen und die besten Äste zum Schwingen und Springen! Deshalb kann er es gar nicht leiden, dass überall im Baum so viele andere Tiere krabbeln, huschen oder flattern. Doch als dann auch noch Frau Leopard am Fuße des Baums auftaucht, merkt der kleine Herr Rot, wie gut es ist, nicht allein zu sein…

Alles ist besser GEMEINSAM!
(Klappentext)

Ein Baum für alle

Herr Rot ist ein kleines Eichhörnchen mit großen Ansprüchen. Der Baum, den er entdeckt hat, soll bitte nur ihm gehören – Stamm, Äste, Blätter, alles seins. Dass andere Tiere den selben Baum besetzen, passt ihm überhaupt nicht. Erst schimpft er, dann schmollt er und schließlich zieht er los, um einen anderen, besseren Baum ganz für sich allein zu finden. Doch ausgerechnet die Begegnung mit Frau Leopard bringt ihn ins Grübeln und ziemlich in Not. Plötzlich merkt Herr Rot, dass es sich doch viel angenehmer und sicherer lebt, wenn man nicht allein ist, sondern Teil einer Gemeinschaft, die im entscheidenden Moment an seiner Seite steht.

Die Geschichte erzählt eine klassische Lektion über Teilen und Zusammenhalt, allerdings so charmant, dass sie nicht belehrend wirkt. Herr Rot ist eigensinnig, trotzig und dadurch nah an der kindlichen Lebenswelt. Viele Kinder kennen das Alles-meine-Gefühl nur zu gut. Genau deshalb ist die Erzählung ein guter Gesprächsanlass: Warum teilen? Warum Rücksicht nehmen? Und wie fühlt es sich an, wenn man merkt, dass man alleine nicht weiterkommt?

Der Text ist gradlinig erzählt, ohne Schnörkel, dafür mit feinem Humor. Man spürt die leise Ironie, wenn Herr Rot immer finsterer dreinschaut, während sich immer mehr Tiere auf seinem Baum niederlassen. Schön ist auch die Figur des alten Baums, der mit ruhiger Stimme daran erinnert, dass in seinen Ästen Platz für viele ist. Das bringt eine wohltuende Gelassenheit in die Geschichte.

Die Illustrationen sind der große Schatz dieses Buches. Jessica Meserve arbeitet mit weichen, aquarellartigen Farben, die Wärme und Leichtigkeit ausstrahlen. Die Mimik von Herr Rot ist köstlich, von beleidigt bis erleichtert ist alles dabei, und Kinder erkennen sofort, in welcher Stimmung er steckt. Auch die Details rund um die anderen Tiere laden zum längeren Betrachten ein. Die Bilder erzählen fast noch mehr als der Text und verleihen dem Buch eine stimmungsvolle Tiefe.

Obwohl die Botschaft recht deutlich ist, bleibt die Erzählung verspielt und leicht. Das ist wichtig, denn so liest sich das Thema Teilen nicht als Moralpredigt, sondern als positives Erlebnis. Dass die Erkenntnis ausgerechnet in einer brenzligen Situation kommt, macht die Wendung glaubwürdig und bringt Spannung hinein.

Wir alle geMEINSam! zeigt, wie schön es ist, Dinge miteinander zu teilen und füreinander da zu sein. Die Geschichte macht deutlich, dass man mit anderen zusammen nicht nur stärker ist, sondern auch viel mehr Freude erlebt.

Ein liebes Dankeschön an den Penguin Junior Verlag für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar!

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Sven Gerhardt: “Der OktoBus auf großer Fahrt”

Sven Gerhardt (Autor)
Nina Dulleck (Illustratorin)
Penguin Junior Verlag
Lesealter: ab 4 Jahre
40 Seiten
Gebundenes Buch: 15,00 €

“In einer Garage ganz unten am Strand
parkt ein Gefährt seine Räder im Sand.
Sein Besitzer heißt Otto und hält es in Schuss,
frisch geputzt steht er da: der OktoBus.”

Der OktoBus ist das lustigste Verkehrsmittel im Tierreich. Heute steht eine Ausfahrt zum “großen Etwas” an – das klingt besonders aufregend. Was das “große Etwas” ist, weiß Busfahrer Otto allerdings selbst nicht. Ein spannendes Abenteuer beginnt… (Klappentext)

Ein tierisch gutes Bilderbuchabenteuer

Der OktoBus von Otto wirkt schon auf den ersten Seiten wie ein Gefährt, das man sofort in sein Bücherregal aufnehmen möchte. Mit acht Armen am Steuer, die gleichzeitig Tickets knipsen, winken und den Rückspiegel zurechtrücken, ist Otto der wohl entspannteste Busfahrer der Tierwelt. Auf seiner Tour zum geheimnisvollen Großen Etwas sammelt er eine bunt gemischte Reisegesellschaft ein. Giraffe Gerlinde hat Mühe mit der Deckenhöhe, Flamingo Ingo nutzt als Zugvogel meist natürlich die Bahn, aber die ist zu unzuverlässig, und Fanni Faultier lässt sich super viel Zeit. Zusammen sind sie eine herrlich lustige Gruppe.

Die Geschichte entfaltet ihren Reiz nicht durch spektakuläre Wendungen, sondern durch die Freude am Unterwegssein. Der Text ist in Reimen geschrieben, was hier erstaunlich gut funktioniert. Die Verse haben einen leichten Rhythmus, der das Vorlesen angenehm macht und Kinder sofort mitnimmt. Sie klingen weder erzwungen noch überladen, sondern fließen locker dahin wie die Fahrt selbst.

Besonders stark sind die Illustrationen von Nina Dulleck. Ihre Bilder sind farbenfroh und detailreich, ohne jemals überladen zu wirken. Jede Figur ist mit einem Augenzwinkern gezeichnet und beim wiederholten Anschauen entdeckt man immer neue kleine Szenen. Das sorgt dafür, dass das Buch nicht nach einmaligem Lesen zur Seite gelegt wird, sondern immer wieder auf den Schoß wandert.

Das Ende mit dem Großen Etwas ist ein kluger Gedanke, für Erwachsene sofort nachvollziehbar, für Kinder allerdings etwas abstrakt. Die Botschaft, dass das gemeinsame Erleben wichtiger ist als das Ziel, kommt dennoch an, auch wenn die kleinen Leser:innen eher an der fröhlichen Party hängen bleiben als an der philosophischen Ebene.

Alles zusammen ergibt ein Bilderbuch, das Humor, Wärme und ein Stück Lebensweisheit miteinander verbindet. Es erzählt von Freundschaft, vom Spaß am Miteinander und davon, dass der Weg selbst oft das schönste Abenteuer ist.

Ein riesengroßes Dankeschön an Penguin Junior für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar!

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Rouven Stenneken: “Ruppi Rüpelfisch”

Rouven Stenneken (Autor)
Simone Leiss-Bohn (Illustratorin)
Baumhaus
Lesealter: ab 4 Jahre
32 Seiten
Pappbilderbuch: 15,00€

Der Fisch Ruppi ist ein kleiner Rüpel, der es liebt, andere zu ärgern. Kein Wunder, dass Seestern, Seepferdchen und die Fischkinder ihm irgendwann nur noch die Schwanzflosse zukehren. Erst als Ruppi auf einem seiner Streifzüge dem gefährlichen Hai aus der Patsche hilft, bemerkt er: Es fühlt sich so viel schöner an, nett zu sein! (Klappentext)

Ein Bilderbuch, das Streit in der Kita klug anpackt

Ruppi Rüpelfisch verkörpert den Typ Kind, den man wohl in jeder Kita kennt: quirlig, energiegeladen und nicht böse gemeint, aber eben auch mit einem Talent dafür, andere zu nerven. Ruppi stänkert, kneift und pikst und irgendwann reicht es den anderen Meereskindern. Sie zeigen ihm die kalte Flosse. Pädagogisch gesehen ist das ein wertvoller Ansatz, weil er ohne erhobenen Zeigefinger auskommt und Kindern ermöglicht, die Folgen eines solchen Verhaltens nachzuvollziehen.

Besonders spannend finde ich, dass der Autor nicht die übliche „Jetzt bist du selbst das Opfer und lernst daraus“-Schiene fährt. Stattdessen bringt eine bedrohliche Situation – in diesem Fall ein hungriger Hai – Ruppi dazu, über sich hinauszuwachsen. Er handelt mutig, hilft anderen und merkt: Freundlich sein fühlt sich besser an als provozieren. Diese Wendung macht die Geschichte lebendig und vermeidet Klischees.

Für die Arbeit in der Kita ist das Buch gleich aus mehreren Gründen interessant. Zum einen ist der Text durchgängig gereimt und hat einen flüssigen Rhythmus. Das macht das Vorlesen angenehm und die Kinder merken sich den Inhalt leichter. Sprachförderung gibt’s da gleich mit dazu. Zum anderen ist die Unterwasserwelt farbenfroh und detailreich gestaltet. Das ist nicht nur hübsch anzusehen, sondern auch ein Gesprächsanlass. Kinder entdecken ständig Neues, was sich wunderbar für Bildgespräche eignet. Über einen QR-Code bekommt man acht Lieder zum Mitsingen. Das ist als Einstieg in den Morgenkreis, als Bewegungslied oder einfach, um eine kleine Streitgeschichte musikalisch aufzulockern super.

Wer erwartet, dass das Buch komplexe Streitlösungsstrategien vermittelt, wird merken, dass es auf einer einfachen Ebene bleibt. Aber für Kinder ab etwa vier Jahren ist das genau richtig. Die Geschichte zeigt Gefühle, Konsequenzen und die Möglichkeit, das eigene Verhalten zu ändern, ohne sie mit zu viel Theorie zu überfrachten.

Der Autor arbeitet selbst im Kindergarten und ist Rockmusiker. Diese Mischung merkt man. Die Texte sind kindgerecht und die Musik ist kein beiläufiges Extra, sondern durchdacht ins Konzept eingebunden.

Insgesamt ist Ruppi ein Bilderbuch, das nicht nur erzählt, dass Freundlichkeit wichtig ist, sondern es durch Rhythmus, Bilder und Musik erlebbar macht. In der Kita kann es helfen, über Streit zu sprechen, ohne die Kinder moralisch zu ermüden. Und zu Hause funktioniert es genauso.

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Nina Müller: “Der magische Kater Schnurrifluff und das Wegwünsch-Gewusel (Band 1)”

Nina Müller (Autorin/ Illustratorin)
Coppenrath Verlag
Lesealter: ab 5 Jahren
144 Seiten
Gebundenes Buch: 15,00€

POFF!

Mit einem Schreck bis in die Schnurrhaarspitzen findet sich der magische Kater Schnurrifluff plötzlich in einer seltsamen Welt wieder: WODERPFEFFERWÄCHST. Wie ist er bloß hier gelandet, weit weg von der Hexe Zwiederwurz und seinem kuscheligen Katzenkörbchen?

Schnurrifluff will nur eines: so schnell wie möglich wieder nach Hause! Doch beim Versuch, sich zurückzuzaubern, passieren ihm lauter lustige Missgeschicke. Zum Glück trifft er bald auf den schlagfertigen Vogel Papperlapapp und die süße Pfefferkuchenschnecke Snelli. Ob sie gemeinsam einen Weg zurück in den Wunderwald finden? (Klappentext)

Flauschig, frech und kunterbunt

Manche Bücher beginnen mit einem Knall, dieses hier mit einem POFF!
Und ehe man sich’s versieht, steckt man mittendrin im magischen Chaos. Schnurrifluff, der flauschige Held der Geschichte, findet sich mit einem Schreck bis in die Schnurrhaarspitzen in einer Welt wieder, die wie das sprichwörtliche Woderpfefferwächst heißt.

Was genau passiert ist? Gute Frage. Schnurrifluff weiß es selbst nicht so genau. Man taumelt gemeinsam mit ihm in diese kunterbunte Anderswelt und ist genauso verwirrt wie der Kater. Alles ist bunt, wuselig, verwirrend, aber auch unglaublich charmant, auf seine skurrile Art. Wo ist seine Hexe? Warum ist plötzlich eine Pfefferkuchenschnecke sein Reisebegleiter? Und wie kann ein Vogel eigentlich so viel plappern? So muss es sich anfühlen, wenn man ins Kaninchenloch fällt.

Nina Müller erzählt warmherzig, witzig und mit einem feinen Gespür für kindliche Logik. Ihre Sprache hat Rhythmus, Klang und eine Prise Schalk, die das Vorlesen zum Vergnügen macht, nicht nur für kleine, sondern auch für große Ohren. Besonders gelungen sind die Figuren, die mit kleinen Eigenheiten und viel Persönlichkeit glänzen.

Und ob Schnurrifluff den Weg zurück zur Hexe findet? Das bleibt spannend. Nur so viel sei gesagt: Nicht alles ist so, wie es zunächst scheint. Manches ändert sich. Und manchmal bedeutet ein Ende auch den Beginn von etwas Neuem.

Im Herzen dieser Geschichte liegt eine Botschaft, die ganz nebenbei berührt: Zuhause ist nicht unbedingt ein fester Ort, sondern ein Gefühl. Etwas, das entsteht, wenn man sich wohlfühlt und Menschen (oder Schnecken und Vögel) um sich hat, mit denen man lachen und Pfefferküchlein essen kann.

Die detailreichen, liebevoll gezeichneten Illustrationen runden das Buch perfekt ab. Schnurrifluffs Gesichtsausdrücke sind eine Klasse für sich und bringen Kinder und Erwachsene immer wieder zum Kichern, aber auch zum Mitfühlen.

Insgesamt ist Schnurrifluff ein magisches, regenbogenfarbenes Vorlesebuch. Es bietet ein quirliges, herzerwärmendes Abenteuer mit einem pelzigen Helden, der einem schnell ans Herz wächst. Ein echter Vorleseschatz für Kinder ab fünf und alle, die gern zusammen lachen, staunen und sich ein bisschen verzaubern lassen möchten. Band zwei darf gern mit einem weiteren POFF! erscheinen – wir schnurren schon mal erwartungsvoll vor uns hin.