
Daniela Kohl (Illustratorin)
Fischer Sauerländer Verlag
Lesealter: ab 8 Jahren
160 Seiten
Gebundenes Buch: 13,00€
Basti ist ein Angsthase! Zumindest, wenn er Blut sieht – dann kippt er einfach um. Und das sogar vor seiner ganzen Klasse, echt peinlich. Leider passt das so gar nicht zu dem Geheimnis, das ihm sein Vater eines Tages offenbart: Basti stammt aus einem waschechten Vampirclan! Beim Familientreffen auf Schloss Morgengrauen darf Basti das Leben als Vampir testen. Plötzlich kann er als Fledermaus durch die Nacht fliegen und Menschen per Gedankenkraft kontrollieren – das klingt verlockend! Doch bis Mitternacht muss Basti sich entscheiden: Will er für immer ein Blutsauger sein? Und wie, bitte schön, übersteht Basti ein ganzes Wochenende mit zu vielen Vampiren? (Klappentext)
Vampir auf Probe
Der Schultag beginnt für Basti eigentlich gut. Er ist bester Laune, weil das lang ersehnte Wochenende mit seinem Vater ansteht. Selbst das Referat über den Blutkreislauf schreckt ihn nicht ab. Zumindest nicht bis zu dem Moment, bis er vorn an der Tafel steht, in die teilnahmslosen Gesichter seiner Mitschüler blickt und ins Stocken gerät. Als sich dann ausgerechnet Tommy die Fingerkuppe an einer Coladose aufschlitzt und überraschend viel Blut spritzt, ist es vorbei. Basti kippt vor der versammelten Klasse 4B bewusstlos auf den Boden.
Wegen des Ohnmachtsanfalls und der Sorgen seiner Mutter steht das geplante Vater-Sohn-Wochenende auf der Kippe. Aber ein kurzes Flüstern des Vaters reicht aus, um Bastis Mama umzustimmen. Die Reise geht zum Familientreffen auf Schloss Morgengrauen. Dort offenbart der Vater ein wohlgehütetes Geheimnis. Bastis Verwandtschaft gehört zu einer alten Vampirdynastie. Ein Wochenende lang darf Basti das Blutsaugerleben auf Probe testen. Inklusive Nachtflügen als Fledermaus, Ultraschallgehör und Gedankenkontrolle. Der Haken an der Sache ist, dass er sich bis Sonntagmitternacht entscheiden muss, ob er für immer Vampir werden oder ein normaler Mensch bleiben möchte.
Nach dem ersten Band rund um Zoas Eulenschwärme hatte ich mich eigentlich darauf gefreut, wieder mehr von der Klasse 4B zu lesen. Die bunte Truppe an der Henriette-Haumichnich-Schule war im Auftakt schließlich das Herzstück der Geschichte. Umso überraschender ist es, dass die Mitschüler diesmal kaum eine Rolle spielen. Das Blut-Fiasko in der ersten Szene dient nur als Aufhänger, um Basti aus dem Schulalltag herauszulösen und in sein Familiendrama zu verfrachten. Das Buch ist fast ausschließlich Bastis ganz persönliche Familiengeschichte.
Dafür überzeugt die Geschichte auf einer ganz anderen Ebene, nämlich als treffende Metapher für das Leben als Scheidungskind. Basti lebt im Alltag bei seiner Mutter, während der Vater für die besonderen Highlights zuständig ist. Der Wochenend-Papa residiert im übertragenen Sinne auf einem Abenteuerschloss. Bei ihm gibt es keine lästigen Pflichten, sondern Action, Ausflüge und das Gefühl, etwas völlig Außergewöhnliches zu sein. Auf der anderen Seite steht Mama, die unaufgeregt den Haushalt schmeißt, Basti bei Krankheit umsorgt und ihm die Verlässlichkeit gibt, die ein Kind im Alltag braucht.
Wie Basti mit diesem Ultimatum umgeht, zeigt viel Feingefühl des Autors. Es geht nicht primär darum, ob Fledermaus-Kräfte cooler sind als der Schulalltag, sondern um eine tiefere Frage: Wo gehöre ich hin und was bedeutet Verlässlichkeit? Die Zerrissenheit zwischen dem abenteuerlustigen Papa und dem vertrauten Zuhause bei der Mutter fängt der Autor wunderbar ein. Basti muss herausfinden, worauf es ihm im Leben wirklich ankommt und wo sein echter Platz ist. Das ist für ein Kinderbuch ab 8 Jahren ein erstaunlich kluger Blick auf die Innenwelt von Kindern in Trennungsfamilien, ohne ihnen eine fertige Moral aufzudrängen.
Mars-Leo Frei erzählt das mit viel Situationskomik, flüssig und nah an den Kindern. Die Verwandtschaft auf Schloss Morgengrauen ist wunderbar schräg, und die Dialoge machen einfach Spaß. Daniela Kohl liefert dazu wieder Schwarz-Weiß-Illustrationen ab. Ihre Fledermäuse, Vampironkel und gequälten Gesichter passen gut zum Geschehen und lockern den Text auf. Man muss sich allerdings darauf einstellen, dass die Geschichte genau wie der erste Band recht unvermittelt endet. Sobald die Entscheidung ansteht, wird die Handlung recht flott zum Abschluss gebracht, und man bleibt mit ein paar offenen Fragen zurück.
Hilfe, zu viele Vampire! verpackt den Spagat zwischen zwei Elternwelten mit viel Leichtigkeit und Witz. Es bringt schwere Themen überraschend leicht auf den Punkt.
Ein riesengroßes Dankeschön an den Verlag, der uns dieses Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

























