
Nikolai Renger (Illustrator)
Fischer Sauerländer Verlag
Lesealter: ab 8 Jahren
240 Seiten
Gebundenes Buch: 13,90€
Hilfe! Keiner glaubt mir, nicht mal mein bester Kumpel
Gestern ist mein Opa bei uns eingezogen, und er hat seinen neuen Hund Justin mitgebracht. Aber Leute, das ist kein Hund, sondern ein BIBER! Leider merkt das niemand, außer mir. Nichts ist vor seinen krassen gelben Zähnen sicher: Kabel, Tischbeine – und mein geliebter Pool. Ständig hängt Justin im Wasser ab, und ich kann nicht mehr darin trainieren. (Dabei will ich doch Profiwassersportler werden!) Und das alles macht er mit voller Absicht! Woher ich das weiß? Dieses Biest spricht (allerdings nur mit mir) und will den Pool für sich allein! Ich muss Justin so schnell wie möglich wieder loswerden. Nur wie? Dieser Typ ist echt clever!
(Klappentext)
Abenteuer mit Biber
Als Opa mit seinem Therapiehund bei Lenny einzieht, ist die Freude groß. Immerhin war Opa früher Wasserballtrainer und Lenny steht kurz vor der wichtigen Qualifikation für das Jugendnationalteam. Das Problem ist nur, dass sich der angebliche Hund als ein ziemlich vorlauter Biber namens Justin entpuppt. Statt Stöckchen zu holen, knabbert er mit Vorliebe Türrahmen und Gartenmöbel an. Schlimmer noch ist für Lenny, dass Justin kurzerhand den heimischen Trainingspool besetzt und ihn zu seiner privaten Festung umbaut. Da für Lenny ohne Pool das dringend notwendige Schwimmtraining ins Wasser fällt, lautet der Plan: Der Biber muss weg. Irgendwie. Was als erbitterter Revierkampf um das kühle Nass beginnt, entwickelt sich jedoch im Laufe der Zeit zu einer unerwarteten Freundschaft, bei der Justin für Lenny zu einer ganz besonderen Unterstützung wird, als es beim Wasserball um alles oder nichts geht.
Schon beim ersten Blick auf das Cover, das von Nikolai Renger dynamisch und witzig gestaltet wurde, und auf den Titel erkennt man den Humor des Buches. Die namentliche Nähe zu einem gewissen Popstar ist ein genialer, saukomischer Geniestreich von Smilla Blau. Und wer bei der „dunklen Seite des Pools“ sofort an Darth Vader und Star Wars denkt, liegt wohl goldrichtig. Es ist eine herrliche filmische Anspielung, die zeigt, dass hier mit viel Augenzwinkern gearbeitet wird. Als erwachsener Leser:in stolpert man anfangs vielleicht über die Tatsache, dass dieser Biber nicht nur munter mit Lenny spricht, sondern nebenbei auch noch einen eigenen Social-Media-Account betreibt, von dem die Erwachsenen und Lennys Freunde auf magische Weise überhaupt nichts mitbekommen. Ja, das ist schon sehr vermenschlicht und mag dem logischen Elterngehirn erst einmal etwas befremdlich vorkommen. Aber betrachtet man das Ganze aus der Sicht der Zielgruppe ab acht oder neun Jahren, ist es vermutlich genau das, was die Geschichte so cool macht. Diese exklusive Verbindung zwischen einem Kind und einem Tier, von der die Erwachsenen keinen blassen Schimmer haben.
Hinter dem ganzen Chaos, dem Slapstick und den verstopften Wasserleitungen verbirgt sich aber auch eine tiefgründigere Ebene. Justin ist nämlich kein böswilliger Saboteur, er folgt einfach nur seinem natürlichen Instinkt. In einer Welt, in der natürliche Flussläufe und Wildnisse immer knapper werden, baut er sich seine Burg eben dort, wo er klares Wasser findet: in Lennys Pool. Smilla Blau gelingt hier das Kunststück, ganz leise das Thema Naturschutz und schwindenden Lebensraum bedrohter Arten anklingen zu lassen. Lenny (und mit ihm die jungen Leser:innen) begreift nach und nach, welchen unschätzbaren Nutzen Biber in der freien Natur eigentlich haben. Aus dem nervigen Pool-Besetzer wird ein schützenswertes Wesen, das man am Ende der Geschichte gar nicht mehr gehen lassen möchte.
Diese neu gewonnene Empathie spiegelt sich auch in Lennys sportlicher Entwicklung wider. Er leidet unter einer klassischen Blockade. Er trainiert zwar extrem hart, aber sobald er im Spiel unter Druck gerät, kommen die Selbstzweifel. Wie das Buch diese mentale Krise löst, ist psychologisch vielleicht nicht ganz lehrbuchmäßig, aber dafür unglaublich witzig, effektiv und kindgerecht. Am Ende steht eine herzerwärmende Botschaft über Leistungsdruck, Versagensängste und die Erkenntnis, dass Unterstützung manchmal aus der unerwartetsten, pelzigsten Ecke kommt. Eine absolute Empfehlung für alle Kids, die Lust auf ein witziges Abenteuer haben, das im Kern zeigt, wie wichtig es ist, die Natur und ihre eigensinnigen Bewohner zu verstehen und zu schützen.
Ein riesengroßes Dankeschön an Fischer Sauerländer für dieses Rezensionsexemplar!


























