
Jutta Wetzel (Illustratorin)
Tulipan Verlag
Lesealter: ab 7 Jahren
48 Seiten
Gebundenes Buch: 10,00€
Wer ist hier das Monster?!
Der kleine Vampir Viktor schleicht sich mitten am Tag aus dem Haus. Seine Eltern schlafen natürlich noch tief und fest. Etwas aufgeregt ist er natürlich – schließlich treiben um diese Uhrzeit Menschen ihr Unwesen, diese vampirfressenden Monster, die er aus den Horrorfilmen seiner großen Schwester kennt.Doch aller Vorsicht zum Trotz, gerät Viktor in die Fänge eines Menschenmädchens! Sicher wird er gleich zu Wurst verarbeitet! Ihm wird vor Angst ganz übel. Doch dann erfährt er etwas, was ihn fast aus den Socken haut: Menschen fressen gar keine Vampire! Ganz im Gegenteil, sie haben sogar eine Riesenangst vor ihnen – als ob Vampire Menschenblut trinken würden, uah… wie ekelig. Und in Särgen schlafen sie schon mal gar nicht. Wie Menschen nur auf so etwas kommen? (Klappentext)
Spannende Kinderliteratur zum Festigen der Lesefertigkeit
Der kleine Vampir Viktor schleicht sich heimlich aus dem Haus, während alle anderen schlafen. Er will unbedingt in den Botanischen Garten, um die seltene Königin der Nacht blühen zu sehen. Ein Vorhaben, das mich sofort schmunzeln ließ, denn meine eigene Oma hatte früher auch so einen Kaktus. Ich weiß noch genau, wie meine Mutti und ich damals mitten in der Nacht zu ihr gefahren sind, nur um dieses botanische Spektakel nicht zu verpassen! Für Viktor ist der Ausflug bei Tageslicht allerdings ein echter Horror-Trip. Durch die Gruselfilme seiner großen Schwester ist er nämlich fest davon überzeugt, dass Menschen blutrünstige Vampirfresser sind, die ihn auf dem Markt direkt beim Metzger zu Wurst verarbeiten wollen. Als er dann ausgerechnet an ein Menschenmädchens gerät, ist die Panik groß, bis er eine Entdeckung macht, die ihn komplett aus den Socken haut. Menschen fressen ja gar keine Vampire, sondern haben im Gegenteil selbst eine Heidenangst vor ihnen.
Stephanie Runge gelingt in diesem Buch ein richtig charmanter und humorvoller Perspektivwechsel. Es macht einfach Spaß zu sehen, wie die typischen Grusel-Klischees einmal komplett umgedreht werden. Während wir Menschen uns schaurige Geschichten über Särge und das Trinken von Blut ausmalen, schüttelt sich Viktor darüber nur angeekelt. Er findet die Vorstellung absurd und bleibt lieber bei seiner gewohnten tierischen Kost, während er im Gegenzug erstaunt feststellt, dass Menschen sich von Gebäck ernähren. Aus der Sicht von Kindern ab sieben Jahren ist dieses Verwechslungsspiel ein absoluter Volltreffer, der durch die liebevollen und farbenfrohen Illustrationen von Jutta Wetzel perfekt untermalt wird. Besonders die Szenen, in denen die beiden Welten aufeinanderprallen, sind optisch toll umgesetzt.
Man sollte das Buch trotz der großen Schrift und der vielen Bilder aber nicht als reines, superleichtes Erstlesefutter abstempeln. Der Text hat durchaus seine Ansprüche und fordert die Konzentration der Kids. Für die zweite Klasse ist der Umfang schon ein ordentliches Stück Arbeit, bei dem man ein bisschen Durchhaltevermögen braucht. Schön finde ich dabei, dass die Autorin den jungen Lesern sprachlich einiges zutraut. Zwischen den Zeilen verstecken sich immer wieder echte Zungenbrecher und längere Fachbegriffe wie Venusfliegenfalle, Grottenolm, Schwanzlurch oder Lichtschutzfaktor. Das ist grandios, um den Wortschatz spielerisch zu erweitern, ohne dass es trocken wirkt. Durch die clevere und witzige Herangehensweise an das Thema Vorurteile eignet sich das Buch nicht nur zum Selberlesen, sondern ist auch ein toller Kandidat für die Klassenbibliothek, zum gemeinsamen Vorlesen am Abend oder als Geschichte rund um die Halloween-Zeit. Am Ende bleibt ein richtig schönes Stück Kinderliteratur, das zeigt, dass man vor dem Unbekannten keine Angst haben muss.
Ein riesengroßes Dankeschön an den Tulipan Verlag für dieses wunderbare Rezensionsexemplar!











