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Britta Sabbag: “Lucy Hell: Immer brav sein ist die Hölle” (Band 1)

Britta Sabbag (Autorin)
Sarah Friede (Illustratorin)
cbj Verlag
Lesealter: ab 8 Jahren
144 Seiten
Gebundenes Buch: 14,00€

Gute Mädchen kommen in den Himmel, starke Mädchen kommen überallhin!

Bei Lucy Hell, Tochter des Teufels, stehen die Zeichen auf Alarm: Sie darf seine Nachfolge auf dem Höllenthron nicht antreten, WEIL. SIE. EIN. MÄDCHEN. IST!
Um dem Höllenvorstand und ihrem Vater zu beweisen, dass sie sich falsch entschieden haben, wandert Lucy auf die Erde aus. Wenn die Höllenherren sehen, wie böse sie den Chaosplaneten im Griff hat, müssen sie einfach zugeben, dass Lucy die geborene Teufelin ist! Womit Lucy allerdings nicht gerechnet hat: Dass es ihr auf der Erde so höllisch gut gefallen könnte…

(Klappentext)

Teuflische Girlpower mit ordentlich Wortwitz

In der Hölle herrschen erstaunlich verstaubte Ansichten. Als Friedrich-Luzifer nach tausend Jahren endlich reif für den Ruhestand ist, steht seine Tochter Lucy bereit. Sie ist schlagfertig, feurig und brennt darauf, das Kommando zu übernehmen. Doch der alte Höllenvorstand schiebt ihren Plänen einen Riegel vor und wählt stattdessen ihren ängstlichen Cousin Lutz-Uwe zum Nachfolger. Einzig und allein, weil Lucy ein Mädchen ist, darf sie nicht auf den Höllenthron. Das lässt die Teufelstochter natürlich nicht auf sich sitzen. Kurzerhand schnappt sie sich ihren treuen Begleiter Schnups und haut ab auf die Erde. Dort will sie den verkrusteten Herren der Unterwelt beweisen, wie viel Bösartigkeit wirklich in ihr steckt.

Kaum in der Menschenwelt angekommen, gerät Lucys teuflischer Plan jedoch gehörig ins Wanken. Ausgerechnet beim herzensguten Gabriel, dem Sohn eines Pfarrers, findet sie Anschluss, und auch die etwas schrullige Nachbarin Marla wirft ihre Vorstellungen vom menschlichen Alltag komplett über den Haufen. In der Geschichte steckt erstaunlich viel clever verpackte Gesellschaftskritik. Britta Sabbag nutzt das überdrehte Szenario, um Themen wie Chancengleichheit und überholte Rollenbilder greifbar zu machen. Wann immer Lucy krampfhaft versucht, fies und gemein zu sein, trifft ihre teuflische Tat am Ende doch die Richtigen und bewirkt im Ergebnis etwas durchweg Positives.

Über das empfohlene Lesealter ab 8 Jahren kann man natürlich streiten. Begriffe wie Autokratie, Oligarch oder diverses anderes politisches Fachvokabular sind Grundschülern wohl eher unbekannt. Andererseits würde ich junge Leseratten nicht unterschätzen. Spätestens seit Harry Potter weiß praktisch jedes Kind, was für ein Fabelwesen ein Basilisk ist. Kinder bleiben beim Lesen selten an einzelnen Fremdwörtern hängen, solange die Gesamthandlung sie mitreißt. Die vielen Anspielungen und die feine Ironie rund um Kuraufenthalte in Schwefelbrunn oder bürokratische Gremien wissen da vermutlich dennoch eher ältere Kinder sowie die vorlesenden Erwachsenen zu schätzen.

Lucy überzeugt als herrlich unperfekte, selbstbewusste Protagonistin, die nicht lange jammert, sondern die Dinge selbst anpackt. Ihr Begleiter Schnups, eine Mischung aus Babydrachen, Kuscheltier, Leuchtkäfer und Basilisk, sorgt für viel Spaß und bildet den perfekten Gegenpol zu Lucys feurigem Temperament. Covergestaltung und Illustrationen sind farblich stimmig und witzig. Am Ende bleibt ein rundum gelungener, herrlich frecher Reihenauftakt, der schlagfertige Mädchen stärkt und einfach richtig Spaß macht.

Vielen Dank an den Verlag, der uns diese höllisch gute Lektüre zu Rezensionszwecken überlassen hat!

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Claudia Schaumann: “Maries Glücksküche – Die geheimnisvolle Lehrerin” (Band 2)

Claudia Schaumann (Autorin)
Fischer Sauerländer Verlag
Lesealter: ab 9 Jahren
192 Seiten
Gebundenes Buch: 14,00€

Das Geheimnis um Madame Flamant

Marie hat eine Einladung zu einem magischen Kochkurs in Paris erhalten. Das ist die Chance, eine richtige Zauberköchin zu werden! Doch die Zeit drängt: In nur wenigen Tagen muss Marie mehrere magische Kochaufgaben meistern – und leider geht dabei mal wieder einiges schief. Als wäre das nicht genug, verhält sich die neue Lehrerin Madame Flamant äußerst seltsam. Sie schnüffelt in der Schulküche herum, interessiert sich sehr für Maries Familie und führt heimliche Telefonate. Ob sie etwas zu verbergen hat? Marie muss all ihren Mut zusammennehmen, um dieses Geheimnis zu lüften und ihre Chance auf den Kochkurs zu retten! (Klappentext)

Französischer Charme und zauberhaftes Küchen-Chaos

Maries Glücksküche startet in die zweite Runde und schickt uns direkt wieder an die französische Atlantikküste mitten ins magische Küchen-Chaos. Wer den ersten Band mochte, fühlt sich auch im zweiten Abenteuer sofort wie zu Hause und taucht tiefer in die gemütliche Dorfgemeinschaft ein.

Die Geschichte nimmt schnell an Fahrt auf. Marie erhält eine begehrte Einladung zu einem exklusiven Zauberkochkurs in Paris. Das ist die Chance ihres Lebens, um endlich eine echte Zauberköchin zu werden. Um sich diesen Traum zu erfüllen, muss sie allerdings erst eine Reihe kniffliger Aufgaben meistern und unter Beweis stellen, was kulinarisch und magisch wirklich in ihr steckt. Dass dabei in der Schulküche so manches schiefgeht, versteht sich von selbst. Von fliegenden, blubberigen Mousse-Versuchen bis hin zu plötzlichen Zauberpannen ist alles dabei. Als wären dieser Prüfungsdruck und das knappe Zeitlimit nicht schon aufregend genug, taucht an der Schule eine neue Lehrerin auf. Madame Flamant schnüffelt auffällig in den Töpfen herum und stellt ungewöhnlich viele Fragen zu Maries Familie. Was mag sie nur im Schilde führen?

Was die Geschichte für uns so sympathisch macht, ist ihr enormer Wohlfühlcharakter. Die Dorfgemeinschaft, das familiäre Miteinander und das Kochen in der Schulküche werden unheimlich warmherzig und voller stimmungsvoller Details erzählt. Man riecht die geschmolzene Schokolade und den süßen Vanilleduft beim Lesen förmlich durch die Buchseiten. Auch die magischen Ideen rund um die Zubereitung der verschiedenen Gerichte bringen extrem viel Witz in die einzelnen Kapitel und machen Kindern ab 9 Jahren beim Selbstlesen richtig viel Freude.

Wer bei der mysteriösen neuen Lehrerin allerdings ein großes, dramatisches Hexenduell oder eine fiese Gegenspielerin erwartet, wird überrascht sein. Die Auflösung rund um Madame Flamants Schnüffeleien fällt schlussendlich nämlich recht bodenständig und absolut ohne düstere Bedrohung aus. Für uns Erwachsene mag sich dieser Ausgang im ersten Moment vielleicht etwas schlicht anfühlen, weil man als geübte:r Leser:in automatisch mit einer bösen Absicht rechnet. Für die Zielgruppe ab 9 Jahren ist genau diese sanfte Auflösung aber eigentlich ideal. Die Spannung bleibt die ganze Zeit über greifbar, unterhaltsam und rätselhaft, ohne dass jemals Angst oder übermäßige Hektik aufkommen.

Claudia Schaumann bleibt ihrer Linie aus dem ersten Band treu und liefert eine durchweg gemütliche, humorvolle Mischung aus Magie, Freundschaft, Mut und kulinarischer Leidenschaft. Ein schönes, leichtes Buch für alle Kinder, die entspannte Geschichten mit Urlaubsflair mögen.

Vielen lieben Dank an den Verlag, der uns dieses Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

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Tani Sawitzki: “Villa Wundertier – Ein Capybara zum Knuddeln” (Band 1)

Tani Sawitzki (Autor)
Nataša Kaiser (Illustratorin)
Fischer Sauerländer Verlag
Lesealter: ab 8 Jahren
224 Seiten
Gebundenes Buch: 13,00€

Kann ein spuckendes Lama Wünsche erfüllen? Ein tierisch schräges Abenteuer mit Wunsch-Garantie!

Schon wieder umziehen! Fine ist genervt, auch wenn ihr neues Zuhause eine Villa mit eigenem Zoo ist. Doch der “Zoo” entpuppt sich als baufälliges Gehege für ausrangierte Tiere: ein Lama, das nicht spuckt, ein stummer Beo und ein farbloses Chamäleon. Na toll!

Nach einem miesen Schultag lässt Fine ihren Frust beim Lama ab: Warum kann sie nicht einmal richtig beliebt sein? Die Antwort folgt prompt: Das Lama spuckt sie mitten ins Gesicht. Igitt! Doch am nächsten Morgen ist alles anders: Plötzlich ist Fine der absolute Star der Schule – sogar die Lehrer wollen ihre Autogramme. Steckt etwa magische Lama-Spucke dahinter? Oder hat der Neuzugang des Zoos, ein verfressenes Capybara, seine Pfoten im Spiel? Gemeinsam mit ihrem Freund Jan muss Fine das Rätsel der Wundertiere lösen, bevor ihr der ganze Trubel endgültig über den Kopf wächst! (Klappentext)

Wunschzauber und Wasserschweine

Schon wieder Kisten zu packen und erneut an eine fremde Schule wechseln zu müssen, hängt der zehnjährigen Fine gewaltig zum Halse heraus. Die Versprechungen ihrer Mutter klingen allerdings erst einmal nach einem echten Hauptgewinn, das muss Fine zugeben. Auf dem Gelände eines Zoos zu leben, wird bestimmt cool. Doch die Ernüchterung folgt auf dem Fuß. Statt majestätischer Raubkatzen und moderner Gehege erwartet sie ein reichlich baufälliges Gelände für ausrangierte Tiere. Ein Lama mit Spuckhemmung, ein stummer Beo und ein farbloses Chamäleon sind nun wirklich nicht das, was man sich unter einer aufregenden Tierwelt vorstellt.

Richtig turbulent wird es erst, als Fine dem sturen Lama ihren Frust über den blöden ersten Schultag klagt. Das Tier fackelt nicht lange und spuckt ihr zielsicher mitten ins Gesicht. Der anfängliche Ekel schlägt am nächsten Morgen allerdings in blankes Staunen um, denn auf dem Pausenhof drehen plötzlich alle durch. Die Mitschüler suchen Fines Nähe und der verhasste Schulalltag verwandelt sich von jetzt auf gleich in ein einziges Spektakel. Während Fine mit ihrem neuen Kumpel Jan zu durchschauen versucht, ob die Spucke tatsächlich magische Kräfte besitzt oder ob das neu eingezogene, dauerhungrige Capybara seine Pfoten im Spiel hat, wird die plötzliche Aufregung schnell mehr Fluch als Segen.

Dazu kommen die Zeichnungen im Buch, die die Handlung mit Leben und Bewegung füllen. Das sind keine langweiligen Illustrationen, die einfach nur den Text abbilden. Wörter werden groß, dick oder schief gedruckt, Pfeile zeigen auf lustige Details in den Bildern und zwischendrin gibt es immer wieder kleine Comic-Schnipsel. Das lockert die Seiten so stark auf, dass auch Kinder, die sonst eher lesefaul sind, ruckzuck durch die Kapitel kommen. Gleichzeitig ist es nicht so reizüberflutend wie in anderen comicartigen Büchern. Der Text bleibt im Vordergrund, alles andere sind kreative Auflockerungen.

Besonders schön ist aber, dass hinter all dem Getöse um Lama-Spucke und Wasserschweine eine richtig gute Botschaft steckt. Es geht darum, wie anstrengend es ist, wenn man krampfhaft versucht, von allen gemocht zu werden. Manchmal ist es doch viel cooler, wenn man den einen richtigen Freund an seiner Seite hat.

Eine herrlich schräge Tiergeschichte, die man im Grunde an einem Nachmittag durchschmökert und die einfach Lust auf den nächsten Band macht.

Vielen lieben Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar!

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Marie Braner: “Vier Hexen – und ein Zufallszauber” (Band 1)

Marie Braner (Autorin/ Illustratorin)
Penguin Junior Verlag
Lesealter: ab 9 Jahren
272 Seiten
Gebundenes Buch: 15,00 €

Tessa, Devi, Cleo und Liz sind beste Freundinnen – und sie alle wurden in derselben Nacht geboren. Doch das ist nur der erste von sieben verhexten Zufällen, die genau dreizehn Jahre später einen uralten Bannzauber brechen. Plötzlich haben die Mädchen magische Kräfte – leider ohne Gebrauchsanweisung, was zu jeder Menge Chaos führt. Währenddessen häufen sich in ihrer Heimatstadt Fuchsstein die seltsamen Ereignisse. Dunkle Mächte treiben ihr Unwesen und stellen die Freundschaft der Mädchen auf die Probe. Können sie das Geheimnis des Zaubers rechtzeitig lüften und ihre Kräfte kontrollieren, bevor es zu spät ist? (Klappentext)

Hexenmagie und echte Gänsehaut-Momente

An einem Freitag, dem Dreizehnten, feiern Tessa, Devi und Cleo zusammen ihren dreizehnten Geburtstag. Die drei sind unzertrennlich, seit sich ihre Mütter in der Geburtsnacht im Krankenhaus kennengelernt haben. Doch diesmal ist etwas anders. Mit Liz zieht ein neues Mädchen in die Stadt, das exakt in derselben Nacht geboren wurde. Bei einer nächtlichen Schnitzeljagd zu einer alten Spukvilla geraten die vier auf eine verlassene Lichtung und lösen durch eine Verkettung seltsamer Zufälle einen jahrhundertealten Bann. Plötzlich besitzen alle vier magische Fähigkeiten. Blöd nur, dass Zauberkräfte ohne Anleitung geliefert werden und in ihrer Heimatstadt Fuchsstein prompt ein bedrohlicher, dunkler Nebel aufzieht.

Die Geschichte verbindet den normalen Schul- und Familienalltag der Mädchen mit teils wirklich unheimlichen Mystery-Elementen. Schattenwesen, unheimliche Nebelschwaden und die bedrohliche Stimmung rund um die alte Villa sorgen für ordentlich Nervenkitzel. Dadurch bekommt die Handlung eine tolle Dynamik.

In der Vierer-Gruppe fliegen auch mal gehörig die Fetzen. Dass Neuzugang Liz von Tessa erst einmal als lästiger Eindringling empfunden wird und Neid das Gefüge unter den Freundinnen belastet, wirkt absolut lebensnah. Jedes der Mädchen bringt eigene Ecken, Kanten und familiäre Päckchen mit. Ganz besonders spannend sind die diversen magischen Fähigkeiten. Sie sind ungewöhnlich und unterschiedlich und bieten so viele Facetten, dass in dem Buch gar nicht genug Platz ist, um sie genau kennenzulernen.

Inhaltlich schwächelt die erste Hälfte des Buches für meinen Geschmack allerdings etwas. Obwohl das Ereignis auf der Lichtung recht früh passiert, stockt die Handlung danach spürbar. Statt den Schulalltag der Mädchen weiter zu begleiten, verliert sich die Geschichte etwas im zähen Hadern mit den neuen Kräften. Erst im letzten Drittel entschädigt das Buch vollkommen. Das Tempo zieht drastisch an, die Rätsel spitzen sich zu und das Ganze gipfelt in einem fiesen Cliffhanger.

Die grafische Gestaltung fügt sich hervorragend ein. Marie Braner hat als Autorin und Zeichnerin ihre eigene Geschichte mit stimmungsvollen Schwarz-Weiß-Illustrationen versehen, die den Charakteren viel Leben einhauchen. Die etwas verschachtelte Satzstruktur fordert beim Selbstlesen durchaus heraus. Für Vielleser:innen ab 9 Jahren ist es aber ein wunderbares Leseabenteuer mit Gänsehautgarantie und einer zauberhaften Mädchenfreundschaft.