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Madlen Ottenschläger: “Das Krawallkehlchen – Kann’s schon ganz alleine!”

Madlen Ottenschläger (Autorin)
Ramona Wultschner (Illustratorin)
Fischer Sauerländer Verlag
Lesealter: ab 4 Jahren
32 Seiten
Gebundenes Buch: 15,00 €

Mika ist sauer. Die große Schwester Jule darf schon alleine zu Tante Trudi fliegen, aber Mika nicht. Und dann sind auch noch die weltbesten Futterknödel alle. Wenn das mal kein Grund ist zu krawallen! Kurzerhand beschließt Mika, ganz allein für neue Futterknödel zu sorgen. Wie gut, dass Mika so gute Freunde im Stadtpark hat, die zu Hilfe kommen: Eichhörnchen Ebbe zeigt Mika, wo es die besten Körner gibt, Annie Amsel steuert Kokosfett bei, und von Krawumm bekommt Mika die Schnur zum Aufhängen. Am Ende helfen alle zusammen und feiern, was Mika jetzt schon alleine kann! (Klappentext)

Wenn kleine Vögel große Gefühle haben

Wer Kinder im Kindergartenalter hat, kennt diese Situationen nur zu gut. Eben war noch alles in bester Ordnung und im nächsten Augenblick kocht die Wut über wie ein kleiner Vulkan. Genau so ergeht es dem Rotkehlchen Mika. Mika ist nämlich mächtig sauer. Die ältere Schwester Jule darf schon ganz alleine zu Tante Trudi fliegen, aber Mika ist dafür angeblich noch viel zu klein. Das ist doch komplett unfair! Als dann auch noch die geliebten Futterknödel aufgebraucht sind, wird aus dem kleinen Piepmatz schlagartig das Krawallkehlchen. Doch anstatt nur wütend mit den Füßen zu stampfen, reift ein Entschluss: Dann werden die Futterknödel eben ganz alleine selbst gemacht.

Madlen Ottenschläger fängt das Thema Autonomie und die typische Geschwisterdynamiken sehr treffend und lebensnah ein. Kleine Kinder wollen nun einmal am liebsten schon genauso groß sein wie die Älteren und stoßen dabei regelmäßig an ihre eigenen Grenzen. Dass das frustriert und man da auch mal laut wird, ist absolut nachvollziehbar. Die Geschichte vermittelt dabei eine herrlich entlastende Botschaft: Jedes Gefühl hat seine Berechtigung, und Wut ist keine Schwäche oder eine Unart, sondern schlichtweg verständliche Energie, die rausgelassen werden muss. Genauso wichtig ist aber auch die Einsicht, dass man nicht alles im Leben völlig alleine schaffen muss und Unterstützung von Freunden eine echte Hilfe ist.

Die farbenfrohen Illustrationen von Ramona Wultschner fangen die Wutausbrüche und die Mimik der Tiere treffend ein. Bei der Textmenge sollte man allerdings einplanen, dass die Geschichte recht ausführlich geraten ist. Gerade für jüngere Kinder ab 4 Jahren kann das Durchhalten am Stück manchmal etwas lang werden. Hier lohnt es sich, das Buch einfach in kleinen Lese-Etappen zu genießen. Auch die Fülle an verschiedenen Tiernamen von Ebbe bis Annie fordert beim Vorlesen etwas Aufmerksamkeit, damit die Kleinen im trubeligen Parkgeschehen nicht den Überblick verlieren. Wenn man die Figuren beim Vorlesen einfach schlicht als Amsel oder Eichhörnchen bezeichnet, erleichtert das den Lesefluss für die ganz Kleinen oft ungemein.

Ein gelungenes Extra wartet am Ende des Buches: Das integrierte Gefühlsrad bietet einen super Aufhänger, um nach dem Lesen ganz ungezwungen über eigene Emotionen zu sprechen und Worte für das zu finden, was im Bauch manchmal so heftig zwickt und zwackt. Es lädt Kinder und Eltern gleichermaßen dazu ein, über den eigenen Alltag nachzudenken.

Das Krawallkehlchen – Kann’s schon ganz alleine! ist ein richtig schönes, humorvolles und stärkendes Bilderbuch. Eine tolle Empfehlung voller Verständnis für die großen Emotionen der Kleinsten, die zeigt, dass man gemeinsam meistens viel weiter kommt als ganz allein.

Vielen lieben Dank an den Verlag, der mir dieses Buch zur Verfügung gestellt hat!

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