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Nat Amoore: “Ich will doch keinen kleinen Bruder!”

Nat Amoore (Autor)
Nathaniel Eckstrom (Illustrator)
cbj Verlag
Lesealter: ab 3 Jahren
40 Seiten
Gebundenes Buch: 15,00€

Ich will keinen kleinen Bruder! Der nervt total! Was ich auch versuche, um ihn loszuwerden – er kommt immer wieder zurück. Und dann tut er plötzlich etwas ziemlich Nützliches. Vielleicht ist es doch gar nicht so doof, einen Bruder zu haben …? (Klappentext)

Von kleinen Geschwistern

Zwei Jahre hat der große Bruder nun geduldig gewartet. Seine Mutter hatte schließlich behauptet, irgendwann würde er schon merken, wie toll so ein kleiner Bruder ist. Tja. Bislang gibt es dafür wenig Anzeichen. Der Kleine kann nicht richtig klettern, nicht malen und eigene Freunde hat er offenbar ebenfalls nicht. Dafür hängt er ständig an seinem großen Bruder und nervt. Also steht fest: Er muss weg.

Und an Ideen mangelt es nicht. Der kleine Bruder wird kurzerhand nach Frankreich geschickt, im Zoo untergebracht und schließlich sogar mit einer Rakete zum Mond befördert. Nur leider besitzt er eine erstaunliche Begabung dafür, immer wieder zurückzufinden. Erst als Bruno, der heißgeliebte Teddy des großen Bruders, plötzlich verschwunden ist und sämtliche Erwachsenen bei der Suche erfolglos bleiben, schlägt die große Stunde des bislang völlig nutzlosen kleinen Bruders.

Ich habe bei diesem Buch wirklich herzlich gelacht. Gerade weil hier nicht versucht wird, Geschwisterliebe als dauerharmonisch zu verkaufen. Kleine Geschwister können nerven. Gewaltig sogar. Sie wollen genau das haben, womit man selbst gerade spielt, laufen einem hinterher, mischen sich ein und sind aus Sicht eines älteren Kindes erstaunlich oft dort, wo man sie überhaupt nicht gebrauchen kann.

Bei uns trifft die Geschwisterkonstellation aus dem Buch komplett zu. Dementsprechend hoch ist der Wiedererkennungswert bei meinem Großen. Natürlich verschickt hier niemand jemanden nach Frankreich (obwohl wir die Drohung mit dem Mond regelmäßig hören). Die Grundstimmung dürfte vielen Familien mit mehreren Kindern sehr bekannt vorkommen. Gerade die völlig überzogenen Ideen, den kleinen Bruder wieder loszuwerden, machen die Geschichte so witzig. Gleichzeitig wirkt der Ärger des Großen erstaunlich echt. Und dass der Kleine am Ende nicht plötzlich zum Lieblingsmenschen erklärt wird, sondern sich einfach als ziemlich nützlich erweist, passt perfekt zum Ton des Buches.

Nathaniel Eckstroms Illustrationen machen aus den absurden Ideen absolute Höhepunkte. Besonders der kleine Bruder im Briefkasten ist herrlich. Während der Große seine Pläne offenbar vollkommen ernst nimmt, sitzt der Kleine in vielen Situationen so zufrieden mittendrin, dass die Bilder einen ganz eigenen Witz bekommen. Dazu kommt angenehm wenig Text. Schon Dreijährige können der Geschichte gut folgen, und auch ohne Vorlesen lässt sich anhand der Bilder ziemlich genau erkennen, was gerade passiert.

„Ich will doch keinen kleinen Bruder!“ trifft dieses ganz besondere Verhältnis zwischen Geschwistern erstaunlich gut. Man kann sich gegenseitig fürchterlich auf die Nerven gehen und im entscheidenden Moment trotzdem füreinander da sein. Vor allem aber ist das Buch unglaublich witzig.

Ein riesengroßes Dankeschön an den Verlag für das Rezensionsexemplar. Für meinen großen Sohn bietet es reichlich kreative Anregung um Umgang mit seinen Geschwistern 😉

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