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Robin Dix: “Die Schule des Meeres – Ruf aus der Tiefe” (Band1)

Robin Dix (Autor)
Helge Vogt (Illustrator)
Baumhaus Verlag
Lesealter: ab 8 Jahren
208 Seiten
Gebundenes Buch: 14,00 €

“Ich glaube, dass dich das Schicksal aus einem guten Grund zu uns gebracht hat”, sagte der Wassermann.

“Na ja, eigentlich”, erwiderte Fynn, “war es ein grantiger alter Kapitän, der mich über Bord geworfen hat.”

Ein geheimnisvoller schwarzer Stein als einzige Erinnerung an seine Eltern, ein unfreiwilliger Stoß von einem alten Kutter und schon landet der elfjährige Fynn in einer anderen Welt – und im größten Abenteuer seines Lebens. Er wurde nach Akademar berufen, einer magischen Schule tief unten im Meer, auf der seit Jahrtausenden Meereshüter ausgebildet werden. In einer abenteuerlichen Prüfung findet Fynn sein Seelentier, Oktopus Loki. Doch ausgerechnet diese besondere Verbindung birgt eine große Gefahr…
Kann Fynn beweisen, dass er den Mut hat, ein neues Leben tief unten im Meer zu beginnen?

(Klappentext)

Fantasy mit Tiefgang

Der elfjährige Fynn hat es wahrlich nicht leicht im Leben. Seine Kindheit verbringt er in einem Waisenhaus, wo er vergeblich darauf wartet, dass ihn jemand adoptiert. Diese bedrückende Ausgangslage mit den trostlosen Bedingungen und der Sehnsucht nach Dazugehörigkeit erinnert irgendwie an einen Charles-Dickens-Roman. Als Fynn schließlich von einem schroffen Kapitän mitgenommen wird, schöpft er Hoffnung. Allerdings nur um kurz darauf mitten auf dem offenen Meer über Bord geworfen zu werden. Doch anstatt zu ertrinken, landet Fynn an einer uralten, verborgenen Schule für Meereshüter direkt am Grund des Ozeans.

Zugegeben, unter einer magischen Unterwasserschule hatte ich mir im Vorfeld vielleicht etwas anderes ausgemalt, aber die Umsetzung von Robin Dix ist richtig gut gelungen. Die Welt unter den Wellen ist fantasievoll aufgebaut und lebendig beschrieben. Besonders schön ist die Idee mit den Seelentieren, die jedem Schüler zur Seite stehen. Fynn bekommt anstelle eines eindrucksvollen Hais oder eines majestätischen Delfins den frechen Oktopus Loki als Begleiter. Eine Verbindung, die an der Schule auf großes Misstrauen stößt.

Genau hier entfaltet das Buch eine erstaunliche inhaltliche Tiefe, die weit über das typische Internats-Abenteuer hinausgeht. Im Kern dreht sich die Geschichte nämlich um ernste Themen wie Vorurteile, Schuld und Strafe. Die Kraken werden in Akademar als einfache Arbeiter abgewertet und müssen schwere Dienste verrichten, um für die vermeintlichen Fehler ihrer Vorfahren zu büßen. Dass eine ganze Tierart so behandelt wird und selbst kleine Oktopusse mit dieser Verachtung aufwachsen, ist beim Lesen spürbar bitter. Es zeigt sehr anschaulich, wie unfair Ausgrenzung funktioniert. Das gibt Eltern und Kindern beim gemeinsamen Lesen einen super Aufhänger, um darüber zu sprechen, wie schnell man andere zu Unrecht verurteilt.

Auch die Gestaltung des Buches passt wunderbar zum Text. Die Schwarz-Weiß-Illustrationen von Helge Vogt machen die Welt unter Wasser greifbar und lockern das Lesen angenehm auf. Fynn ist dazu ein unheimlich sympathischer Protagonist. Trotz aller Rückschläge verstellt er sich nicht, bewahrt seinen starken Gerechtigkeitssinn und setzt sich für andere ein.

Der Schreibstil ist flott, bildhaft und für Kinder ab 9 Jahren genau richtig dosiert. Die Kapitel fliegen rasch dahin, und das Abenteuer hält einen bis zum spannenden Finale durchgehend auf Trab. Nach den Ereignissen am Ende bleibt man mit einigen ungelösten Rätseln um Fynns Herkunft zurück. Ein erfrischender, kluger und richtig gut geschriebener Reihenauftakt, der absolut Lust auf den zweiten Band macht!

Und so geht es weiter:

Band 2 erscheint am 2. November 2026

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