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Markus Heitz: “Irida und die Stadt der Geheimnisse”

Markus Heitz (Autor)
Max Meinzold (Illustrator)
Oetinger Verlag
Lesealter: ab 10 Jahren
368 Seiten
Gebundenes Buch: 18,00€

Ein Abenteuer, das alles verändert

Im beschaulichen Städtchen Hohenburg überschlagen sich die Ereignisse: nächtliche Schatzgräber, ein geheimnisvoller goldener Schlüssel und ein Vermisster in den düsteren Schlossberghöhlen! Gemeinsam machen sich Irida und ihre besten Freunde, die “Furchtlosen”, auf die Suche nach Antworten – und kommen einer verborgenen Anderswelt auf die Spur. Sind hier dunkle Mächte am Werk? Wem kann man noch trauen? Bald erkennt Irida, dass es auch um sie geht – und um ein Familiengeheimnis, von dem sie bisher nichts geahnt hat.

Der fulminante Reihenauftakt in eine fantastische Welt voller Wunder, magischer Wesen und Zauberkräfte – meisterhaft erzählt von Markus Heitz. (Klappentext)

Schön anzusehen – nur fehlt der Zauber im Inneren

Wenn man „Irida und die Stadt der Geheimnisse“ zum ersten Mal in die Hand nimmt, hat man sofort das Gefühl, ein kleines Schmuckstück entdeckt zu haben. Hardcover, fantastischer Buchschnitt, stimmungsvolles Cover. Das Buch schreit regelrecht „Lies mich!“. Also habe ich mich in den Lesesessel gesetzt, Tee eingeschenkt, die Erwartungen hochgedreht und bin dann etwas unsanft gelandet. Inhaltlich hatte ich auf ein stimmiges Leseerlebnis gehofft, wurde aber nicht vollständig überzeugt.

Die Figuren treten von Beginn an als fertiges Gesamtkunstwerk auf. Das Aussehen, Eigenheiten und Rollen innerhalb der Gruppe stehen fest, ohne dass sie sich organisch entwickeln. Diese Fülle und Vielfalt an Details fand ich etwas erschlagend und ließen bei mir auch keine Nähe zu den Figuren aufkommen. Verstärkt wurde der Abstand durch den starken Fokus auf Äußerlichkeiten – Kleidung, Aussehen, Gegenstände – während Gedanken und Gefühle oft blass bleiben.

Dabei hat die Grundidee viel Potenzial: eine Außenseiterin mit eigenen Unsicherheiten, eine eingeschworene Clique, rätselhafte Vorkommnisse in einer Kleinstadt, über der ein Hauch von Magie liegt. Das sind alles gute Zutaten, die üblicherweise total meinen Geschmack treffen. Aber irgendwie wollte der Funke nicht überspringen.

Der Schreibstil wirkt für ein Kinder- und Jugendbuch mitunter schwerfällig. Statt mühelos mitzuziehen, fordert der Text immer wieder Konzentration. Positiv ist, dass die Handlung nicht vorhersehbar ist. Ich konnte bis zum Schluss nicht sagen, wie sich alles fügt. Allerdings bleiben viele Stränge lose und der abrupte Schluss lässt die Geschichte eher unvollständig wirken.

Für die Zielgruppe ab etwa zehn Jahren bietet das Buch dennoch einiges: geheimnisvolle Orte, magische Elemente und eine Gruppe von Freunden, die zusammenhält.

Mein Fazit: Rein optisch ein beeindruckender Auftakt mit spannenden Ansätzen, der erzählerisch nicht ganz die Wirkung entfaltet, die er haben könnte. Vielleicht findet die Reihe in den Folgebänden ihren Ton – und dann passt die Verpackung auch mehr zum Inhalt.

Mein riesengroßer Dank geht an Carina und das Team der Verlagsgruppe Oetinger, die ein liebevolles Buchpaket gepackt haben mit vielen Überraschungen. Und ein ganz spezieller Dank auch an den Autor Markus Heitz: “I’ve got a theory” geht mir seit Tagen nicht mehr aus dem Kopf! 😉

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Jonathan Stroud: “Drachenglut”



Jonathan Stroud
cbt Verlag
empfohlenes Alter: ab 12 Jahre
13,00€

 

 

 

Zwei Brüder, ein mächtiger Drache und der Kampf gegen das Böse

Als der 12-jährige Michael sich an einem heißen Sommernachmittag in den Hügeln herumtreibt, ahnt er nicht, dass tief darunter seit Jahrhunderten ein gewaltiger Drache ruht. Gebannt dorthin durch ein keltisches Steinkreuz. Doch nun regt sich der Drache – er ergreift von Michael Besitz und nicht nur von ihm! Immer mehr unheimliche Ereignisse geschehen in dem kleinen Dorf . Michael zur Seite steht allein sein Bruder, der ihn retten möchte. Ein atemberaubender Kampf zwischen Gut und Böse beginnt … (Klappentext)

Ein früher Stroud…

Jonathan Stroud dürfte wohl allen, die bei diesem Buch landen, als Schöpfer und Autor der Bartimäus-Bücher oder der Lockwood-Reihe wohlbekannt sein. Ich selbst bin ein großer Fan beider Buchreihen und habe mich mit ‘Drachenglut’ einmal an ein anderes Werk Strouds gewagt. Wichtig zu wissen ist hierbei, dass ‘Drachenglut’ lange vor Bartimäus entstand und bereits 1999 erschien. Jonathan Strouds schriftstellerische Raffinesse steckte hier quasi noch in den Kinderschuhen und lässt sich weder mit Bartimäus noch mit Lockwood vergleichen. Das gewisse Etwas, der britische Humor, die Leichtigkeit von Strouds Geschichten und deren vielschichtige Charaktere sind in ‘Drachenglut’ noch nicht so fein herausgearbeitet wie man es von Strouds bekannteren Werken kennt. Obwohl die Geschichte spannend konzipiert ist.

Zur gleichen Zeit als im Kirchhof der Gemeinde Fordrace ein keltisches Steinkreuz ausgegraben wird, regt sich tief unter der Erde ein Drache. Das Kreuz hat ihn all die Jahre gebannt. Doch als es bei den Ausgrabungen beschädigt wird, erwacht die Macht des Drachen. Sie durchdringt die Erde und verleiht dem ganz in der Nähe schlafenden Michael besondere Fähigkeiten. Michael verändert sich und verfällt immer mehr der bösen Macht des Drachen. Denn der will nur eines: aus seinem Gefängnis ausbrechen. Der Pfarrer Tom, der mit Michaels Schwester zusammen ist, beginnt, Nachforschungen über das Kreuz anzustellen und kommt durch alte Überlieferungen dem Geheimnis des Drachen auf die Spur. Zusammen mit Michaels Bruder, versucht er Michael zu retten und die Auferstehung des Drachen zu verhindern.

Mich konnte der Lesefluss leider nicht packen. Ich empfand die Geschichte als äußerst zäh und musste mich bis zum Ende quälen. Die Charaktere blieben die ganze Zeit über oberflächlich und unsympathisch, selbst die ‘Helden’ Tom und Stephen waren unnahbar und keine angenehmen Figuren. Die Handlung hat mich stellenweise einfach nur verwirrt. Ab und an wallte zwar etwas Spannung auf, aber über lange Strecken passiert zu wenig, sodass man automatisch abschaltet.

‘Drachenglut’ ist sicherlich Geschmackssache, auch wenn man sich zuvor von dem Gedanken befreit hat, einen typischen Stroud-Roman vor sich zu haben. Als Vorläufer zu Bartimäus und Lockwood fand ich ihn dahingehend interessant, dass man Strouds Entwicklung als Schriftsteller nachverfolgen konnte.