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Marie Braner: “Vier Hexen – und ein Zufallszauber” (Band 1)

Marie Braner (Autorin/ Illustratorin)
Penguin Junior Verlag
Lesealter: ab 9 Jahren
272 Seiten
Gebundenes Buch: 15,00 €

Tessa, Devi, Cleo und Liz sind beste Freundinnen – und sie alle wurden in derselben Nacht geboren. Doch das ist nur der erste von sieben verhexten Zufällen, die genau dreizehn Jahre später einen uralten Bannzauber brechen. Plötzlich haben die Mädchen magische Kräfte – leider ohne Gebrauchsanweisung, was zu jeder Menge Chaos führt. Währenddessen häufen sich in ihrer Heimatstadt Fuchsstein die seltsamen Ereignisse. Dunkle Mächte treiben ihr Unwesen und stellen die Freundschaft der Mädchen auf die Probe. Können sie das Geheimnis des Zaubers rechtzeitig lüften und ihre Kräfte kontrollieren, bevor es zu spät ist? (Klappentext)

Hexenmagie und echte Gänsehaut-Momente

An einem Freitag, dem Dreizehnten, feiern Tessa, Devi und Cleo zusammen ihren dreizehnten Geburtstag. Die drei sind unzertrennlich, seit sich ihre Mütter in der Geburtsnacht im Krankenhaus kennengelernt haben. Doch diesmal ist etwas anders. Mit Liz zieht ein neues Mädchen in die Stadt, das exakt in derselben Nacht geboren wurde. Bei einer nächtlichen Schnitzeljagd zu einer alten Spukvilla geraten die vier auf eine verlassene Lichtung und lösen durch eine Verkettung seltsamer Zufälle einen jahrhundertealten Bann. Plötzlich besitzen alle vier magische Fähigkeiten. Blöd nur, dass Zauberkräfte ohne Anleitung geliefert werden und in ihrer Heimatstadt Fuchsstein prompt ein bedrohlicher, dunkler Nebel aufzieht.

Die Geschichte verbindet den normalen Schul- und Familienalltag der Mädchen mit teils wirklich unheimlichen Mystery-Elementen. Schattenwesen, unheimliche Nebelschwaden und die bedrohliche Stimmung rund um die alte Villa sorgen für ordentlich Nervenkitzel. Dadurch bekommt die Handlung eine tolle Dynamik.

In der Vierer-Gruppe fliegen auch mal gehörig die Fetzen. Dass Neuzugang Liz von Tessa erst einmal als lästiger Eindringling empfunden wird und Neid das Gefüge unter den Freundinnen belastet, wirkt absolut lebensnah. Jedes der Mädchen bringt eigene Ecken, Kanten und familiäre Päckchen mit. Ganz besonders spannend sind die diversen magischen Fähigkeiten. Sie sind ungewöhnlich und unterschiedlich und bieten so viele Facetten, dass in dem Buch gar nicht genug Platz ist, um sie genau kennenzulernen.

Inhaltlich schwächelt die erste Hälfte des Buches für meinen Geschmack allerdings etwas. Obwohl das Ereignis auf der Lichtung recht früh passiert, stockt die Handlung danach spürbar. Statt den Schulalltag der Mädchen weiter zu begleiten, verliert sich die Geschichte etwas im zähen Hadern mit den neuen Kräften. Erst im letzten Drittel entschädigt das Buch vollkommen. Das Tempo zieht drastisch an, die Rätsel spitzen sich zu und das Ganze gipfelt in einem fiesen Cliffhanger.

Die grafische Gestaltung fügt sich hervorragend ein. Marie Braner hat als Autorin und Zeichnerin ihre eigene Geschichte mit stimmungsvollen Schwarz-Weiß-Illustrationen versehen, die den Charakteren viel Leben einhauchen. Die etwas verschachtelte Satzstruktur fordert beim Selbstlesen durchaus heraus. Für Vielleser:innen ab 9 Jahren ist es aber ein wunderbares Leseabenteuer mit Gänsehautgarantie und einer zauberhaften Mädchenfreundschaft.

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Pari Thomson: “Die Hüter der Blütenmagie – Das Wunderlicht” (Blütenmagie-Trilogie, Band 1)

Pari Thomson (Autorin)
Elisa Paganelli (Illustratorin)
Fischer Sauerländer Verlag
Lesealter: ab 10 Jahren
384 Seiten
Gebundenes Buch: 16,00 €

Als Daisy durch die geheimnisvolle Tür im Londoner Botanischen Garten tritt, stolpert sie in eine andere Welt: In eine Natur, so geheim und wild und vor Magie sprühend, wie sie sich es nie hätte erträumen können. Hier gibt es Speisekammer-Bäume und Blumen, die Wünsche erfüllen oder – wie die Geistermotten-Orchidee – großes Unheil anrichten können.

Die Hüter der Blütenmagie pflegen und beschützen die wundersamen Gewächse, und Daisy findet schnell neue Freunde an der Schule. War Daisys Mutter etwa auch eine Hüterin? Warum hat sie nie davon erzählt, ehe sie spurlos verschwand? Tief im Herzen spürt sie, dass ihre Mutter in Gefahr schwebt. Und dass sie den Zauber der Blütenmagie braucht, wenn sie sie je wiedersehen will. Aber dann erfährt Daisy, dass dunkle Mächte die grüne Magie stehlen wollen … (Klappentext)

Gänseblümchen, Wunderlicht und grüne Magie

Das Leben der elfjährigen Daisy Disteldorn ist so gar nicht gewöhnlich. Anstatt an einem festen Wohnort aufzuwachsen, zieht sie mit ihrer Mutter Laila, einer engagierten Umweltjournalistin mit iranischen Wurzeln, kreuz und quer durch die Weltgeschichte. Doch als Laila während einer gefährlichen Recherche im Amazonasgebiet spurlos verschwindet, findet sich Daisy plötzlich auf sich allein gestellt im tristen Londoner Internat wieder. Zum Glück hat sie nicht nur ihren treuen Kater Napoleon im Gepäck, sondern auch ein geheimnisvolles Pusteblumen-Wunderlicht. Auf der Flucht vor finsteren Verfolgern stolpert Daisy mitten im Botanischen Garten durch ein verstecktes Portal und landet im Malvental.

Diese verborgene Parallelwelt ist ein absolutes Paradies für alle, die Natur und Magie lieben. Hier kümmern sich die sogenannten Hüter der Blütenmagie um fantastische Gewächse und einzigartige Kreaturen. Besonders genial gelingt der Autorin Pari Thomson die Erfindung dieser botanischen Wunderwelt: Welcher Pflanzenfan würde nicht gerne mal an einem Speisekammer-Baum höflich um Snacks bitten oder Früchte von einem echten Schokoladenbaum pflücken? Zwischen all den faszinierenden Gewächsen erfährt Daisy jedoch schnell, dass auch das Malvental in höchster Gefahr schwebt. Finstere Mächte haben es auf die grüne Magie abgesehen, und Daisys Mutter scheint tiefer in die Geschehnisse verstrickt zu sein, als Daisy ahnen konnte.

In der Geschichte steckt eine wunderbare Mischung aus Internats-Flair, packenden Krimi-Elementen und echten Abenteuer-Momenten. Pari Thomson verwebt ernste Themen wie Umweltschutz, Artensterben und den achtsamen Umgang mit Ressourcen ganz natürlich in die Handlung. Selbst gesellschaftliche Zwischentöne klingen unaufdringlich an, wenn Daisy im Malvental nicht sofort von allen freudig aufgenommen, sondern erst einmal als Fremde misstrauisch beäugt wird.

Richtig schön gelungen ist auch der Zusammenhalt unter den Kindern. Daisy wächst Schritt für Schritt über sich hinaus und lernt, dass Mut auch darin besteht, Vertrauen zu fassen. Trotz der stellenweise bedrohlichen Stimmung sorgen spritzige Nebenfiguren und humorvolle Momente immer wieder für Leichtigkeit.

Unterstützt wird die Geschichte durch wunderschöne Schwarz-Weiß-Illustrationen von Elisa Paganelli, die das Geschehen toll begleiten. Das farbenprächtige Cover fängt die zauberhafte Dschungel-Stimmung mit den Orchideen und Sittichen bereits vor dem Aufschlagen perfekt ein.

Pari Thomson ist hier ein richtig schönes Abenteuer-Buch gelungen, mitreißend, berührend und voller Fantasie. Es ist eine große Leseempfehlung für alle, die Geschichten über Freundschaft, Zusammenhalt und Naturmagie lieben, und macht auch Erwachsenen beim (Vor-)Lesen großen Spaß. Ich bin schon sehr gespannt auf den nächsten Band.

Und so geht es weiter:

erscheint am 26. August 2026
erscheint am 23. September 2026

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Robin Dix: “Die Schule des Meeres – Ruf aus der Tiefe” (Band1)

Robin Dix (Autor)
Helge Vogt (Illustrator)
Baumhaus Verlag
Lesealter: ab 8 Jahren
208 Seiten
Gebundenes Buch: 14,00 €

“Ich glaube, dass dich das Schicksal aus einem guten Grund zu uns gebracht hat”, sagte der Wassermann.

“Na ja, eigentlich”, erwiderte Fynn, “war es ein grantiger alter Kapitän, der mich über Bord geworfen hat.”

Ein geheimnisvoller schwarzer Stein als einzige Erinnerung an seine Eltern, ein unfreiwilliger Stoß von einem alten Kutter und schon landet der elfjährige Fynn in einer anderen Welt – und im größten Abenteuer seines Lebens. Er wurde nach Akademar berufen, einer magischen Schule tief unten im Meer, auf der seit Jahrtausenden Meereshüter ausgebildet werden. In einer abenteuerlichen Prüfung findet Fynn sein Seelentier, Oktopus Loki. Doch ausgerechnet diese besondere Verbindung birgt eine große Gefahr…
Kann Fynn beweisen, dass er den Mut hat, ein neues Leben tief unten im Meer zu beginnen?

(Klappentext)

Fantasy mit Tiefgang

Der elfjährige Fynn hat es wahrlich nicht leicht im Leben. Seine Kindheit verbringt er in einem Waisenhaus, wo er vergeblich darauf wartet, dass ihn jemand adoptiert. Diese bedrückende Ausgangslage mit den trostlosen Bedingungen und der Sehnsucht nach Dazugehörigkeit erinnert irgendwie an einen Charles-Dickens-Roman. Als Fynn schließlich von einem schroffen Kapitän mitgenommen wird, schöpft er Hoffnung. Allerdings nur um kurz darauf mitten auf dem offenen Meer über Bord geworfen zu werden. Doch anstatt zu ertrinken, landet Fynn an einer uralten, verborgenen Schule für Meereshüter direkt am Grund des Ozeans.

Zugegeben, unter einer magischen Unterwasserschule hatte ich mir im Vorfeld vielleicht etwas anderes ausgemalt, aber die Umsetzung von Robin Dix ist richtig gut gelungen. Die Welt unter den Wellen ist fantasievoll aufgebaut und lebendig beschrieben. Besonders schön ist die Idee mit den Seelentieren, die jedem Schüler zur Seite stehen. Fynn bekommt anstelle eines eindrucksvollen Hais oder eines majestätischen Delfins den frechen Oktopus Loki als Begleiter. Eine Verbindung, die an der Schule auf großes Misstrauen stößt.

Genau hier entfaltet das Buch eine erstaunliche inhaltliche Tiefe, die weit über das typische Internats-Abenteuer hinausgeht. Im Kern dreht sich die Geschichte nämlich um ernste Themen wie Vorurteile, Schuld und Strafe. Die Kraken werden in Akademar als einfache Arbeiter abgewertet und müssen schwere Dienste verrichten, um für die vermeintlichen Fehler ihrer Vorfahren zu büßen. Dass eine ganze Tierart so behandelt wird und selbst kleine Oktopusse mit dieser Verachtung aufwachsen, ist beim Lesen spürbar bitter. Es zeigt sehr anschaulich, wie unfair Ausgrenzung funktioniert. Das gibt Eltern und Kindern beim gemeinsamen Lesen einen super Aufhänger, um darüber zu sprechen, wie schnell man andere zu Unrecht verurteilt.

Auch die Gestaltung des Buches passt wunderbar zum Text. Die Schwarz-Weiß-Illustrationen von Helge Vogt machen die Welt unter Wasser greifbar und lockern das Lesen angenehm auf. Fynn ist dazu ein unheimlich sympathischer Protagonist. Trotz aller Rückschläge verstellt er sich nicht, bewahrt seinen starken Gerechtigkeitssinn und setzt sich für andere ein.

Der Schreibstil ist flott, bildhaft und für Kinder ab 9 Jahren genau richtig dosiert. Die Kapitel fliegen rasch dahin, und das Abenteuer hält einen bis zum spannenden Finale durchgehend auf Trab. Nach den Ereignissen am Ende bleibt man mit einigen ungelösten Rätseln um Fynns Herkunft zurück. Ein erfrischender, kluger und richtig gut geschriebener Reihenauftakt, der absolut Lust auf den zweiten Band macht!

Und so geht es weiter:

Band 2 erscheint am 2. November 2026

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Fantasy Feen Feen Kinderbücher Kinderbücher ab 10 Jahre Rezensionen

Farnanda Vergissmein: “Die Schule der außergewöhnlichen Feen”

Piper CJ (Autor)
Farnanda Vergissmein (Autor)
Coppenrath Verlag
Lesealter: ab 10 Jahren
288 Seiten
Gebundenes Buch: 16,00 €

Entschuldigung. Bist du ein Mensch?
Bist du dir sicher?

Tief verborgen hinter dem Verlorenen Wald liegt eine Schule für jene, die nirgends sonst hingehören, halb Mensch und halb … etwas anderes!
Elvas Gabe ist faszinierend und beängstigend zugleich: Sie kann sehen, wie Menschen sterben werden. Das macht sie in der Menschenwelt zur Außenseiterin, doch an Fernandas Schule fühlt sie sich zum ersten Mal zu Hause. Aber das Internat steckt voller Mysterien und hinter den Mauern schwelt ein alter Konflikt. Als ein Mitschüler plötzlich verschwindet, muss Elva eine Entscheidung treffen.
Um ihn zu retten, muss sie sich ihrer größten Angst stellen: ihrer eigenen Magie.

(Klappentext)

Über das Anderssein, Freundschaft und Mut

Der Einstieg in diesen Reihenauftakt ist für ein Kinderbuch überraschend düster und bedrückend. Wir lernen die 12-jährige Protagonistin Elva kennen, die in sich zurückgezogen wirkt und sogar in eine Klinik transportiert werden soll. Ihre vermeintliche „Gabe“ ist nämlich eher ein Fluch. Bei Berührung sieht sie den Tod von Menschen voraus. Da niemand in der Menschenwelt – nicht einmal ihre eigene Mutter – damit umgehen kann, verarbeitet Elva diese Visionen in düsteren Bildern und gilt als absolute Außenseiterin. Dieser ernste, melancholische Ton sorgt von Beginn an für eine sehr dichte, greifbare Atmosphäre.

Die Wendung kommt, als die Fee Farnanda, die das Buch in Prolog und Epilog auch als Erzählerin einrahmt, Elva ins magische Nimmerreich holt. An der Schule der außergewöhnlichen Feen ist sie plötzlich unter Gleichgesinnten, denn hier werden Halbfeen unterschiedlichster Art (von Dschinns über Vampire bis hin zu Banshees) unterrichtet. Besonders spannend ist Elvas unnahbare Zimmernachbarin Trym, eine Banshee, die im Gegensatz zu Elva nicht das Wie, sondern das Wann eines Todes sieht. Die beiden ergänzen sich perfekt, auch wenn die Wohngemeinschaft aufgrund von Tryms gefährlichem Todesschrei nicht ganz ohne Risiko ist.

Als Elvas erster echter Freund, der Dschinn Essie, plötzlich spurlos verschwindet und die Lehrer sich merkwürdig passiv verhalten, begibt sich eine bunt zusammengewürfelte Truppe auf Rettungsmission in den Verlorenen Wald.

Das Buch ist eine tolle Mutmach-Geschichte für alle Kinder, die irgendwie von der “Norm” abweichen oder sich unverstanden fühlen. Die Themen Akzeptanz, Toleranz, Mut und die Kraft der Freundschaft stehen absolut im Fokus. Außerdem ist das Buch wunderschön gestaltet. Nicht nur das Cover, auch im Inneren kann man mit den Illustrationen von Matt Rockefeller wunderbar in die Geschichte eintauchen.

Obwohl das Worldbuilding und die Vielfalt der Wesen sehr viel Potenzial bieten, bleibt die Umsetzung stellenweise etwas spärlich. Manche Orte und Handlungsstränge im Verlorenen Wald werden zu schnell abgehandelt, um ihre volle atmosphärische Wirkung zu entfalten. Auch Elvas Charakterentwicklung ab der Mitte der Geschichte wirkt nach dem schüchternen Start fast ein wenig zu rasant. Zudem trüben leider einige auffällige Tipp- und Grammatikfehler im Text das ansonsten sehr schöne Leseerlebnis.

Ein fantasievoller und spannender Reihenauftakt, der am Ende mit Absicht viele Fragen offen und die Leser mit einem Cliffhanger zurücklässt. Da im Original bereits vier Bände existieren, bleibt zu hoffen, dass die Folgebände (Band 2 ist für Februar 2027 geplant) das volle Potenzial der Welt noch tiefer ausschöpfen. Für Fans von magischen Schulen ab 10 Jahren durchaus eine Leseempfehlung. Ich persönlich hätte mir dennoch gewünscht, dass Band 1 eine in sich geschlossenere Geschichte ist, statt einen mit einem Berg von Fragezeichen zurückzulassen.

Vielen lieben Dank an Lovelybooks für das Leseexemplar!

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ab 12 Jahre Fantasy Fantasy Jugendliteratur Kinderbücher Kinderbücher ab 12 Jahre Rezensionen

Amelia Mellor: “Magic Bookshop – Im Bann des dunklen Magiers”

Amelia Mellor (Autorin)
Katrin Weingran (Illustratorin)
Penguin Junior Verlag
Lesealter: ab 11 Jahre
352 Seiten
Gebundenes Buch: 16,00 €

Magie tut nicht immer das, was sie sollte. Magie ist unberechenbar.

Pearl and Vally Cole leben in der größten Buchhandlung der Welt, einem ganz besonderen Ort voller Bücher, exotischer Tiere und Pflanzen und zahlloser Überraschungen, die ihr Vater mithilfe von Fantasie und Magie erschaffen hat. Bis plötzlich nichts mehr ist, wie es vorher war: Pa Cole hat sich auf einen gefährlichen Handel mit einem geheimnisvollen dunklen Magier eingelassen. Um ihn und die Buch-Arkade zu retten, müssen sich die Geschwister nun einem atemlosen Wettkampf gegen die Zeit stellen. Werden sie es schaffen, die sieben Aufgaben des Magiers zu lösen, um ihre Familie und alles, was ihnen wichtig ist, vor dem Verschwinden zu bewahren? (Klappentext)

Tiefgründig und düster

Wenn ein Buch in der größten Buchhandlung der Welt spielt, greife ich natürlich automatisch danach. In Amelia Mellors Roman landen wir nämlich in den riesigen Buch-Arkaden der Familie Cole. Doch über dem Paradies voller Bücher und exotischer Pflanzen liegt ein dunkler Schatten. Seit dem Tod der Schwester Ruby liegt eine traurige Stimmung über der Familie und die Geschwister leben ziemlich aneinander vorbei. Aus reiner Verzweiflung lässt sich der Vater auf einen gefährlichen Deal mit einem unheimlichen dunklen Magier – einem sogenannten Obskuristen – ein. Um ihren Vater und die Buchhandlung zu retten, müssen die zehnjährige Pearl und ihr Bruder Vally sieben knifflige Aufgaben des Magiers lösen. Ein ziemlich rasanter Wettlauf gegen die Zeit quer durch die verschiedenen Abteilungen beginnt.

Man braucht für diese Geschichte anfangs etwas Geduld. Selbst mir als erwachsener Vielleserin fiel der Einstieg schwer, weil die Welt und ihre magischen Regeln, die viel mit Vorstellungskraft zu tun haben, anfangs schwer greifbar sind. Die Autorin nimmt sich Zeit, um die große Familie Cole vorzustellen. Es dauert einfach lange, bis die Handlung Fahrt aufnimmt. Auch die vielen Figuren muss man erst einmal sortieren und im Kopf behalten. Die Rätseljagd durch den Spielzeugladen oder die Süßwarenabteilung ist originell und wird trotz des einen Schauplatzes überhaupt nicht langweilig.

Die Altersempfehlung ab 11 Jahren finde ich etwas niedrig. Das Buch ist stellenweise richtig düster und unheimlich. Der Tod der Schwester, die Auftritte des Obskuristen und Momente, in denen den Kindern die Verwandlung in leblose Puppen droht, sorgen für echte Gänsehaut. Neben dem Gruselfaktor bringt das Buch durch Themen wie Trauer und Verlust eine emotionale Schwere mit, die für manche Elfjährige vielleicht noch zu viel ist. Im Kern der Handlung steht eigentlich gar nicht der Magier als Endgegner, sondern die Tatsache, dass sich die Familie innerlich schon fast verloren hatte. Es ist richtig gut beschrieben, wie die Geschwister durch die Prüfungen gezwungen sind, als Team zusammenzuarbeiten, und dadurch endlich wieder zueinanderfinden. Richtig cool ist übrigens der historische Hintergrund am Ende: Die Coles und ihre Buch-Arkaden im Melbourne des späten 19. Jahrhunderts gab es wirklich. Eine tolle Idee, diese reale Vergangenheit in so ein Fantasy-Abenteuer zu verpacken.

Trotz des zähen Starts ist Magic Bookshop ein tiefgründiges und atmosphärisch starkes Buch. Es fordert junge Leser:innen heraus, zeigt aber auch, was Familienzusammenhalt bedeutet.

Ein riesengroßes Dankeschön an den Verlag für das Rezensionsexemplar!

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Fantasy Garten Kinderbücher Kinderbücher ab 10 Jahre Kinderbücher ab 9 Jahre Natur Rezensionen

Nina Blazon: ” Die magische Villa – Eine Freundschaft voller Zauber”

Nina Blazon (Autorin)
Tobias Goldschalt (Illustrator)
Penguin Junior Verlag
Lesealter: ab 9 Jahren
272 Seiten
14,00€

Scheinbar verlassen steht die alte Villa da.
Was niemand ahnt: Unter ihr verbirgt sich ein magisches Geheimnis. Doch wer den Zauber verstehen will, muss über sich hinauswachsen.


Eine nächtliche Beobachtung lässt Lucy nicht mehr los. Zusammen mit ihrer besten Freundin Maya und dem neuen Mitschüler Tim geht sie den rätselhaften Ereignissen im Nachbargarten auf den Grund – und findet etwas Unglaubliches heraus: Dort wurde ein unterirdischer Zufluchtsort für fantastische Wesen in Not eröffnet. Und nicht nur das, die Besitzerin braucht die Hilfe der Kinder für die Rettung einer Nixenfamilie! Doch um Teil des Teams zu werden, müssen die drei beweisen, dass sie der Aufgabe gewachsen sind. Kann ihnen das gelingen?
(Klappentext)

Fabelheim goes Nina Blazon

Nina Blazon lese ich schon bedeutend länger, als die Protagonisten in diesem Buch alt sind. Ihre Bücher sind immer ein Garant für großartige Lesezeit. Und auch hier gelingt es ihr wieder, uns in eine magische Welt zu ziehen, die mitten in unserem Alltag genau so existieren könnte. Alles beginnt mit einem Donnerschlag und einem Anblick, der so gar nicht in eine ordentliche Nachbarschaft passt: Lucy beobachtet mitten in der Nacht ihre Nachbarin Frau Schmitt, die im goldenen Rüschenkleid im Garten der alten Villa sitzt. Über dem verwilderten Grundstück tanzen grüne Lichter durch den Nebel. Natürlich halten Lucys Eltern alles für einen Traum ihrer fantasiebegabten Tochter. Doch Lucy lässt das Rätsel nicht los. Zusammen mit ihrer besten Freundin Maya und dem neuen Mitschüler Tim schleicht sie sich auf das verbotene Grundstück und entdeckt etwas Unglaubliches.

Unter der Villa liegt ein geheimes Hotel, ein Zufluchtsort für magische Wesen in Not. Die drei Freunde landen schneller in ihrem ersten echten Abenteuer, als ihnen lieb ist, denn sie sollen der Hotelbesitzerin helfen, eine Nixenfamilie zu retten, deren Gewässer verschmutzt ist. Dafür müssen die Kinder erst einmal beweisen, dass sie als Team überhaupt funktionieren.

Das magische Hotel unter der Villa ist kein glitzerndes Wellness-Resort für Einhörner ist. Es ist ein Zufluchtsort für Wesen, die echte Probleme haben. Das gibt der ganzen Geschichte einen Tiefgang, den man in Kinderfantasy nicht allzu oft findet, ohne dass es sich zu sehr nach Schulunterricht anhört. Es geht um verschmutztes Wasser und was passiert, wenn Lebensräume zerstört werden. Hinter all den schrägen und wirklich einfallsreichen Kreaturen steckt dadurch deutlich mehr Ernsthaftigkeit, als man anfangs vermuten würde.

Überhaupt liest sich das Buch rundum richtig gut. Diese Mischung aus Alltagswelt und versteckter Magie beherrscht Nina Blazon einfach. Gleichzeitig hätte die Geschichte an manchen Stellen ruhig noch etwas mehr Tempo vertragen können. Gerade wenn es besonders spannend wird oder man noch tiefer in diese Welt eintauchen möchte, ist manches schon wieder vorbei. Die Ideen dafür wären auf jeden Fall da gewesen.

Die alte Villa, der Nebel, die verborgenen Räume unter der Erde. Das alles wirkt genau wie die Orte, von denen man als Kind gehofft hat, sie irgendwo hinter dem nächsten Gartenzaun zu entdecken. Über ein paar mehr Illustrationen vom Grittel, Sumpfgrunzling oder all den anderen Figuren hätte ich mich zwar gefreut, andererseits ist wahrscheinlich genau das Teil des Reizes. Man baut sich diese Welt zwangsläufig selbst im Kopf zusammen.

Am Ende bleibt ein semi-spannendes Abenteuer mit einer starken Freundschaft.

Ein riesengroßes Dankeschön an den Verlag, der uns dieses Buch zu Rezensionszwecken zugesandt hat.

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Ryan Graudin: “Faye Fableheart – Das magischen Schloss” (Band 1)

Ryan Graudin (Autor)
Geraldine Rodríguez (Illustratorin)
Ravensburger Verlag
Lesealter: ab 9 Jahren
416 Seiten
Gebundenes Buch: 15,99 €

Faye hat ein Herz für Fabelwesen und ein großes Geheimnis: Sie ist eine Magierin. Niemand darf davon erfahren. Denn im Königreich Solum dürfen nur Jungen zaubern.

Faye liebt das magische Schloss, in dem sie aufgewachsen ist. Launische Keksdrachen surren durch die Lüfte, singende Orchideen veranstalten Konzerte im Gewächshaus und die Wasserspeier sind immer für ein Gespräch zu haben. Als der Zauberer des Schlosses nach einem Nachfolger sucht, lässt er ein Turnier ausrichten. Nur Jungen sind eingeladen. Dabei wäre Faye die perfekte Wahl! Denn nur sie allein kann das Schloss und seine Bewohner vor der Schattenkönigin retten …
(Klappentext)

Ein skurriler Zauberer und eine unterschätzte Heldin

Faye wächst in einem ziemlich ungewöhnlichen Zuhause auf. Zusammen mit ihrem Vater bewohnt sie ein Baumhaus voller Bücher und leuchtender Pilze. Faye und ihr Vater kümmern sich um die Ländereien von Schloss Celudur, einem magischen Schloss, das ein Eigenleben zu führen scheint. Als der zuständige Zauberer stirbt (was er selbst nicht wahrhaben will), muss schnell ein Nachfolger her, und zwar per Turnier. Total ungerecht, dass daran ausschließlich Jungen teilnehmen dürfen. Dabei wäre Faye eigentlich die deutlich bessere Wahl.

Faye ist diejenige, die den Laden am Laufen hält. Seit ihr Vater verschwunden ist, ist sie das Mädchen für alles, sie kümmert sich um alles, und denkt vor allem mit. Genau deshalb fühlt es sich beim Lesen die ganze Zeit ein bisschen sehr gemein an, dass sie außen vor bleiben soll.

Mit dem Turnier wird die Geschichte deutlich lebendiger. Neue Figuren tauchen auf, jeder bringt seine eigene Portion Selbstbewusstsein mit, und die Prüfungen sind … überraschend. Man merkt schnell, wer mehr Schein als Sein ist und wer vielleicht doch mehr draufhat, als es zunächst wirkt.

Parallel dazu wird immer deutlicher, womit Faye zusätzlich zu kämpfen hat. Ihre Verwandlung sorgt nicht nur für Aufmerksamkeit, sondern auch für blöde Kommentare und spürbare Ausgrenzung. Außerdem greift die böse Schattenkönigin nach der Herrschaft und nur Faye ist ihr gewachsen.

Der Schreibstil ist angenehm direkt. Nicht oberflächlich, sondern eher mit einigem schwarzen Humor. Die Kapitel sind kurz gehalten, allerdings ist das Thema und die Handlung schon so komplex, dass es eher für erfahrenere Leseratten eine passende Lektüre ist. Selbst als Erwachsener mit einer Vorliebe für Fantasy kommt man hier auf seine Kosten.

Bei den Illustrationen bin ich etwas hin- und hergerissen. Die Figuren sind im Manga-Stil geeignet und eigentlich ganz passend. Bei den größeren Illustrationen stimmt aber die Atmosphäre nicht. Da haben die Bilder nichts mit der Geschichte zu tun und lassen Tiefe missen.

Am Ende ist das ein gelungener Auftakt mit vielen guten Ideen, einer starken Hauptfigur, einem echt schrägen untoten Zauberer und genug Spannung, um dranzubleiben.

Vielen lieben Dank an Lovelybooks!

Ab September 2026 geht es weiter mit Faye!

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Marcus Raffel: “Flora Brimble und der verlorene Frühling”

Marcus Raffel (Autor)
Maximilian Meinzold (Illustrator)
Thienemann Verlag
Lesealter: ab 10 Jahren
336 Seiten
Gebundenes Buch: 15,00 €

Flora Brimble liebt es, spannende Geschichten zu erfinden – doch dann stolpert sie Hals über Kopf selbst in eine: Der Frühling ist verschwunden und nur die geheimnisvolle Maikönigin kann ihn retten. Flora begibt sich auf die Suche nach ihr und trifft dabei auf einen schrulligen Kobold und ein sprechendes Eichhörnchen. Schon bald ahnen die drei gar nicht heldenhaften Gefährten, dass bei dieser fantastischen Reise nicht weniger als das Schicksal der ganzen Welt auf dem Spiel steht. Und spätestens als eine Hexe und Floras eigentlich nur ausgedachte Romanheldin auftauchen, wird klar: Hier wartet ein Abenteuer, das selbst Flora niemals hätte erfinden können. (Klappentext)

Zwischen Fantasie und Wirklichkeit: Floras Reise in eine seltsame Welt

Im englischen Küstenort Rye scheint der Winter einfach nicht enden zu wollen. Alles wirkt grau, nieselig und still – und genauso fühlt sich auch Flora Brimble. Als sie sich an ihrem 13. Geburtstag eine besondere Tinte kauft, wird eine Reihe seltsamer Geschehnisse in Gang gesetzt. Flora macht sich auf die Suche nach der geheimnisvollen Maikönigin, die den Frühling zurückbringen soll. Auf ihrem Weg begegnet sie unter anderem einem eigenwilligen Kobold und einem sprechenden Eichhörnchen. Schnell merkt man, dass dieses Abenteuer komplizierter ist, als Flora sich das in ihren selbst erfundenen Geschichten je ausgedacht hätte.

Beim Lesen hat mich überrascht, dass dieses Buch deutlich ungewöhnlicher ist, als Cover und Klappentext vermuten lassen. Wer hier ein klassisches Fantasyabenteuer erwartet, bei dem eine Heldin eine Reihe von Herausforderungen meistert, wird wohl verwundert sein. Die Geschichte bewegt sich oft zwischen Realität, Fantasie und Intertextualität. Manchmal fühlt es sich ein bisschen so an, als wäre man ins Kaninchenloch gefallen.

Die Sprache passt aber gut zu dieser Stimmung. Marcus Raffel schreibt bildreich und teilweise sehr poetisch. Manche Szenen lesen sich wie kleine Märchen, andere eher wie nachdenkliche Gedanken. Gleichzeitig sorgt Floras Reisegesellschaft immer wieder für humorvolle Momente. Das sprechende Eichhörnchen und der schrullige Kobold sollten vermutlich verhindern, dass die Handlung zu schwer wird. Allerdings gelingt das nur in sehr flüchtigen Momenten.

Man merkt einfach, dass dieses Buch mehr will als nur ein Abenteuer erzählen. Vieles dreht sich um Floras Gedanken, ihre Ängste und ihre Fantasie, ein großer Part ist aber auch ihrer erfundenen Heldin Harriet zugedacht. Immer wieder verschwimmen dabei die Grenzen zwischen dem, was wirklich passiert, und dem, was vielleicht nur aus einer Geschichte stammt, die Flora sich selbst erzählt.

Genau hier liegt für mich auch der Punkt, an dem das Buch ein bisschen herausfordernd wird. Offiziell richtet es sich an Kinder ab zehn Jahren. Beim Lesen hatte ich allerdings öfter das Gefühl, dass manche Ebenen der Geschichte für jüngere Leser:innen schwer zu greifen sein könnten. Die Handlung springt gelegentlich zwischen verschiedenen Wirklichkeitsebenen hin und her und nicht alles wird sofort erklärt. Für erwachsene Fantasyfans wohl eine Freude haben. Kinder, die einfach ein geradliniges Abenteuer erwarten, könnten sich zwischendurch fragen, was hier eigentlich gerade passiert.

Wunderbar gelungen ist dagegen die Gestaltung des Buches. Die Illustrationen von Maximilian Meinzold umrahmen die märchenhafte Atmosphäre ganz herrlich, und der Farbschnitt macht das Buch optisch zu einem Hingucker im Regal.

Flora Brimble und der verlorene Frühling ist für mich kein typisches Kinder-Fantasybuch. Es ist eher eine geheimnisvolle Geschichte über Fantasie, Hoffnung und darüber, wie mächtig Geschichten sein können. Wer poetische Fantasy mag und sich gern auf eine etwas ungewöhnlich erzählte Welt einlässt, kann hier eine spannende Entdeckung machen – auch wenn sie vielleicht anders ausfällt, als man zunächst erwartet.

Ich danke vorablesen.de für die Möglichkeit, dieses Buch lesen und rezensieren zu dürfen!

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Skye McKenna: “Cassandra Morgan – Der goldene Schlüssel”(Band 1)

Skye McKenna (Autorin)
Viktoria Gavrilenko (Illustratorin)
Ravensburger Verlag
Lesealter: ab 10 Jahren
416 Seiten
Gebundenes Buch: 15,99€

Mächtige Hexen schützen England vor den fantastischen Wesen aus dem Land Faerie. Doch hüte dich davor, den Wald zwischen den Reichen zu betreten …
Cassandra Morgan hat es geahnt: Die Geschichten in ihren Büchern sind nicht nur Märchen. Was sie jedoch nicht wusste: Sie gehört einer Familie von Hexen an. Mit dem Umzug nach Hartwood Hall, in das Haus ihrer Tante, beginnt für Cassandra ein Leben voller Magie. Sie findet jedoch schnell heraus, dass sie das einzige Verbot, das ihre Tante ausgesprochen hat, übertreten muss, wenn sie ihre verschollene Mutter wiederfinden will: Sie muss in den gefährlichen Wald an der Grenze zum Land Faerie …
(Klappentext)

Fantasy für Jung und Alt

Cassandra Morgan startet nicht gerade mit Rückenwind ins Leben. Ein trostloses Internat, eine Mutter, die seit Jahren verschwunden ist, und dann auch noch die Nachricht, dass sie offiziell für tot erklärt wurde. Als Cassandra kurz davorsteht, im nächsten Waisenhaus zu landen, bleibt ihr nur die Flucht – und ein merkwürdiger Schlüssel, den ihre Mutter ihr einst anvertraut hat. Ab diesem Moment kippt die Geschichte sehr schnell von realistischer Tristesse in eine Welt, in der Märchen ziemlich reale Gefahren bergen.

Der Umzug nach Hartwood Hall zu Tante Miranda bringt zwar ein Dach über dem Kopf, aber keine Geborgenheit. Miranda ist kühl, streng und Hexe mit klaren Regeln. Die wichtigste davon lautet, den Wald zwischen den Welten nicht zu betreten. Dass Cassandra genau dieses Verbot missachtet, ist wenig überraschend, schließlich treibt sie die Suche nach ihrer Mutter an, und Antworten scheint es nur jenseits der Grenze zu geben.

Der Wald, der an Faerie grenzt, ist düster, unberechenbar und bevölkert von Wesen, bei denen man nie sicher sein kann, ob sie helfen oder schaden wollen. Goblins, sprechende Tiere, seltsame Wächter und uralte Magie sorgen dafür, dass jede Begegnung eine gewisse Spannung mit sich bringt.

Cassandra selbst ist keine makellos schillernde Heldin, die auf Anhieb als begabte Hexe brilliert. Sie handelt oft impulsiv, ignoriert Warnungen und bringt sich wiederholt in Gefahr. Aber das passt zu ihrer Situation: Sie ist allein, verzweifelt und klammert sich an die Hoffnung, ihre Mutter zu finden. Aber sie ist auch loyal, offenherzig und eine gute Freundin.

Die Geschichte wird von zahlreichen Nebenfiguren besiedelt, die aber nicht alle gleich stark ausgearbeitet sind. Tante Miranda bleibt lange schwer greifbar. Ihr Verhalten wirkt distanziert, teilweise sogar herzlos, und erst spät bekommt man eine Ahnung davon, was sie innerlich bewegt. Das sorgt für Reibung, lässt aber auch Fragen offen. Deutlich wärmer fallen die Freundschaften aus, die Cassandra im Laufe der Geschichte knüpft – allen voran zu Rue.

Der Plot hält einige Wendungen bereit, die man nicht kommen sieht. Intrigen, falsches Vertrauen und moralisch fragwürdige Entscheidungen spielen eine größere Rolle, als man es von einer Fantasygeschichte ab zehn Jahren vielleicht erwarten würde. Gleichzeitig bleiben manche Aspekte bewusst vage. Über Faerie selbst erfährt man nur bruchstückhaft etwas, was klar neugierig macht, aber auch ein wenig unbefriedigt zurücklässt.

Auch handwerklich ist das Buch auf junge Vielleser:innen zugeschnitten: kurze Kapitel, große Schrift und eine klare Struktur sorgen dafür, dass sich die rund 400 Seiten erstaunlich flott lesen. Die Ausstattung ist hochwertig, mit verziertem Cover, bedrucktem Buchschnitt und kleinen Illustrationen zu Kapitelbeginn, die gut zur Stimmung passen.

„Der goldene Schlüssel“ ist ein spannender Auftakt. Die Geschichte hat Ecken und Kanten, lässt bewusst Fragen offen und traut sich, ihre junge Protagonistin Fehler machen zu lassen. Wer Geschichten über Hexen, geheimnisvolle Wälder, ungelöste Familienrätsel und Mut mag, wird hier gut abgeholt. Ich bin sooooo neugierig auf das, was Cassandra als Nächstes erwartet.

Ein herziges Dankeschön an den Verlag und Grüße an die Leserunde auf LovelyBooks!

Auf Nachschub muss man zum Glück nicht lange warten

Band 2 erscheint am 1. März 2026

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Fantasy Kinderbücher Kinderbücher ab 10 Jahre Rezensionen

Jordan Lees: “Whisperwicks – Die Suche nach den Flüsterflammen”

Jordan Lees (Autor)
Vivienne To (Illustratorin)
Penguin Junior Verlag
Lesealter: ab 9 Jahre
480 Seiten
Gebundenes Buch: 17,00€

“Alles begann mit dem Riss in der Wand …

Benjamiah liebt es, seiner Oma in der Buchhandlung auszuhelfen. Er glaubt an Wissenschaft, Logik und die Macht der Vernunft. Er glaubt nicht an Magie. Doch als er mit der Post ein mysteriöses Geschenk erhält, wird er in die Parallelwelt von Winkelwald geführt, wo sich dunkle Geheimnisse in einem riesigen Straßenlabyrinth verbergen, aus dem es kein Entkommen gibt. Zusammen mit Elizabella, von deren Vater er in dem fremden Ort aufgenommen wird, nimmt er eine Reihe von magischen Prüfungen auf sich, um das Verschwinden ihres Zwillingsbruders aufzuklären. Er hofft dabei, mit Hilfe der Flüsterflammen selbst einen Weg aus Winkelwald zurück nach Hause zu finden. Vor Elizabella und Ben liegt eine gefährliche Suche nach der Wahrheit. (Klappentext)

Eine kluge und ein bisschen unheimliche Fantasygeschichte

Whisperwicks ist eine Geschichte, die etwas Zeit braucht, um sich zu entfalten und eventuell auch, um zu fesseln. Benjamiah Creek (ständig bin ich über diesen und andere Namen gestolpert) ist kein klassischer Heldentyp. Er glaubt an Logik, Wissenschaft und Beweise, nicht an Zauberei oder unerklärliche Dinge. Umso größer ist sein Erstaunen, als er in die Parallelwelt Winkelwald gerät.

Winkelwald ist eine merkwürdige, teils düstere Welt. Sie erinnert ein bisschen an ein viktorianisches Labyrinth aus Licht und Schatten, in dem jedes Geräusch zu viel bedeutet und jede Abzweigung ein neues Geheimnis birgt. Jordan Lees hat eine Atmosphäre geschaffen, die einen sofort gefangen nimmt, aber nicht durch laute Effekte, sondern durch das leise Unbehagen, das zwischen den Zeilen mitschwingt. Man spürt förmlich, dass in dieser Welt etwas nicht stimmt.

Die Figuren sind glaubwürdig und vielschichtig. Benjamiah ist neugierig, etwas unbeholfen, aber sehr sympathisch. Er will verstehen, nicht einfach glauben, und genau das bringt ihn ständig in Schwierigkeiten. Elizabella (noch so ein Name), die ihn zunächst abweisend behandelt, zeigt schnell, dass hinter ihrer Schroffheit Verletzlichkeit steckt. Ihre Gegensätze sorgen für Reibung, aber auch für Entwicklung. Vor allem ihre Freundschaft wächst sehr natürlich.

Inhaltlich balanciert das Buch geschickt zwischen Abenteuer und Nachdenklichkeit. Es geht um Mut, um Vertrauen, aber auch um die Frage, was wir für „wahr“ halten. Benjamiah, der sich so sehr an Fakten klammert, muss lernen, dass Wissen und Intuition sich nicht ausschließen.

Das Erzähltempo bleibt ausgeglichen ruhig, stellenweise für meinen Geschmack leider auch ein bisschen zäh. Lees schreibt bildhaft und lässt manches Geheimnis bewusst offen, um die Spannung zu erhöhen. Für mich hätte der Erzählfluss ruhig etwas dichter sein können. Die wenigen Illustrationen sind aber gut gewählt und unterstützen die Stimmung.

Für Kinder ab etwa elf Jahren ist das Buch eine anspruchsvolle, aber lohnende Lektüre. Wer klassische Abenteuer mag, wird hier vielleicht überrascht sein. Whisperwicks ist komplexer, leiser und stellenweise doch recht melancholisch. Gleichzeitig vermittelt es Hoffnung und Zusammenhalt.

Am Ende bleibt der Eindruck einer Geschichte, die viel größer wirkt, als sie erzählt wird. Whisperwicks ist ein schöner, atmosphärischer Reihenauftakt. Geheimnisvoll, ein bisschen unheimlich, aber mit viel Herzblut erzählt.

Ein riesengroßes Dankeschön an Penguin Junior und dieses magische Rezensionsexemplar!