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Kinderbücher Kinderbücher ab 10 Jahre Rezensionen

Anne Bodinka: “Olympia Magica – Kommst du ins Team?”

Anne Bodinka (Autorin)
Bente Schlick (Illustrator)
Planet! in der Thienemann-Esslinger Verlag GmbH
Lesealter: ab 10 Jahren
192 Seiten
Gebundenes Buch: 13,00 €

Nur eine Woche! So viel Zeit hat Linna, um im geheimen Sportinternat Olympia Magica ihr magisches Talent zu beweisen. Die begeisterte Schwimmerin stürzt sich sofort ins Training. Doch es ist hart, sich bei der großen Konkurrenz zu behaupten, und zwei von Linnas Mitschülern scheinen mit unfairen Mitteln zu kämpfen. Gemeinsam mit ihren neuen Freunden Kajam und Margot kommt Linna einem gefährlichen Geheimnis auf die Spur. Kann sie die Wahrheit aufdecken, ohne ihren Platz im Internat zu gefährden? (Klappentext)

Magische Sportarten

Die Idee, Sport und Magie in einem Internat zu verbinden, ist für ein Kinderbuch erfrischend unverbraucht. In Olympia Magica geht es genau an so eine Schule, an der Disziplinen wie Wellenzähmen, Sternenschießen oder Wahrheitstauchen auf dem Stundenplan stehen. Die zwölfjährige Linna ist eigentlich eine ganz normale, begeisterte Schwimmerin, landet aber durch Zufall an diesem geheimen Ort und darf eine Probewoche lang testen, ob in ihr vielleicht doch ein magisches Talent schlummert. Dass sie dabei mit ihren neuen Freunden Kajam und Margot zwei unfairen Mitschülern auf die Schliche kommt, bringt die nötige Spannung in die Geschichte.

Linna ist eine sympathische Figur, deren absolute Begeisterung für das Wasser man beim Lesen sofort merkt. Man spürt auch deutlich den sportwissenschaftlichen Hintergrund der Autorin, denn die Mischung aus Ehrgeiz, dem harten Kampf gegen den eigenen Schweinehund und dem Frust nach einer Niederlage ist richtig authentisch beschrieben. Magie wird hier nicht einfach aus dem Ärmel geschüttelt, sondern ist an körperliche Anstrengung und Willenskraft gekoppelt. Ich finde, das bringt frischen Wind in das typische Fantasy-Genre. Das Buch liest sich angenehm flüssig und vermittelt Werte wie Fairness und echten Teamgeist.

Allerdings macht es einem der Einstieg in die Geschichte nicht ganz leicht. Der Konflikt zu Hause mit der scheinbar überstrengen Stiefmutter eskaliert so schnell, dass man kaum Zeit hat, Linna überhaupt erst einmal in ihrer normalen Welt kennenzulernen. Dass das junge Mädchen dann direkt aus dem fahrenden Auto flüchtet, nur damit die Handlung ganz schnell den magischen Schalter umlegen kann, ist doch ein bisschen heftig und wirkt arg konstruiert. Da hätte ein bisschen mehr erzählerische Ruhe im Vorfeld gutgetan. Sobald Linna im Internat ankommt, läuft die Geschichte dann sehr geradlinig und für erfahrene Leser:innen ein bisschen vorhersehbar ab. Warum die beiden Fieslinge Jupiter und Neptun der Neuen das Leben so schwer machen, bleibt motivationstechnisch ziemlich blass. Auch über eine Trainingsstrafe für Linna schüttelt man als Leser:in kurz den Kopf, weil sich die Erwachsenen dort nicht sonderlich logisch verhalten. Das Buch ist eventuell ein bisschen zu kurz geraten, um der eigentlich genialen Welt und den Nebenfiguren den Platz zu geben, den sie verdient hätten.

Unterm Strich ist es aber ein unterhaltsamer, fantasievoller Reihenauftakt, der Sport und Zauberei knackig miteinander verknüpft. Wer Lust auf eine magische Wasserwelt hat, wird sich hier gut unterhalten fühlen. Außerdem schaue ich durchaus schon neugierig in Richtung des zweiten Bandes, der im Herbst 2026 erscheinen soll.

Ein herzliches Dankeschön an die Autorin Anne Bodinka für das Rezensionsexemplar und den lieben Austausch dazu!

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ab 12 Jahre Fantasy Fantasy Jugendliteratur Kinderbücher Kinderbücher ab 12 Jahre Rezensionen

Amelia Mellor: “Magic Bookshop – Im Bann des dunklen Magiers”

Amelia Mellor (Autorin)
Katrin Weingran (Illustratorin)
Penguin Junior Verlag
Lesealter: ab 11 Jahre
352 Seiten
Gebundenes Buch: 16,00 €

Magie tut nicht immer das, was sie sollte. Magie ist unberechenbar.

Pearl and Vally Cole leben in der größten Buchhandlung der Welt, einem ganz besonderen Ort voller Bücher, exotischer Tiere und Pflanzen und zahlloser Überraschungen, die ihr Vater mithilfe von Fantasie und Magie erschaffen hat. Bis plötzlich nichts mehr ist, wie es vorher war: Pa Cole hat sich auf einen gefährlichen Handel mit einem geheimnisvollen dunklen Magier eingelassen. Um ihn und die Buch-Arkade zu retten, müssen sich die Geschwister nun einem atemlosen Wettkampf gegen die Zeit stellen. Werden sie es schaffen, die sieben Aufgaben des Magiers zu lösen, um ihre Familie und alles, was ihnen wichtig ist, vor dem Verschwinden zu bewahren? (Klappentext)

Tiefgründig und düster

Wenn ein Buch in der größten Buchhandlung der Welt spielt, greife ich natürlich automatisch danach. In Amelia Mellors Roman landen wir nämlich in den riesigen Buch-Arkaden der Familie Cole. Doch über dem Paradies voller Bücher und exotischer Pflanzen liegt ein dunkler Schatten. Seit dem Tod der Schwester Ruby liegt eine traurige Stimmung über der Familie und die Geschwister leben ziemlich aneinander vorbei. Aus reiner Verzweiflung lässt sich der Vater auf einen gefährlichen Deal mit einem unheimlichen dunklen Magier – einem sogenannten Obskuristen – ein. Um ihren Vater und die Buchhandlung zu retten, müssen die zehnjährige Pearl und ihr Bruder Vally sieben knifflige Aufgaben des Magiers lösen. Ein ziemlich rasanter Wettlauf gegen die Zeit quer durch die verschiedenen Abteilungen beginnt.

Man braucht für diese Geschichte anfangs etwas Geduld. Selbst mir als erwachsener Vielleserin fiel der Einstieg schwer, weil die Welt und ihre magischen Regeln, die viel mit Vorstellungskraft zu tun haben, anfangs schwer greifbar sind. Die Autorin nimmt sich Zeit, um die große Familie Cole vorzustellen. Es dauert einfach lange, bis die Handlung Fahrt aufnimmt. Auch die vielen Figuren muss man erst einmal sortieren und im Kopf behalten. Die Rätseljagd durch den Spielzeugladen oder die Süßwarenabteilung ist originell und wird trotz des einen Schauplatzes überhaupt nicht langweilig.

Die Altersempfehlung ab 11 Jahren finde ich etwas niedrig. Das Buch ist stellenweise richtig düster und unheimlich. Der Tod der Schwester, die Auftritte des Obskuristen und Momente, in denen den Kindern die Verwandlung in leblose Puppen droht, sorgen für echte Gänsehaut. Neben dem Gruselfaktor bringt das Buch durch Themen wie Trauer und Verlust eine emotionale Schwere mit, die für manche Elfjährige vielleicht noch zu viel ist. Im Kern der Handlung steht eigentlich gar nicht der Magier als Endgegner, sondern die Tatsache, dass sich die Familie innerlich schon fast verloren hatte. Es ist richtig gut beschrieben, wie die Geschwister durch die Prüfungen gezwungen sind, als Team zusammenzuarbeiten, und dadurch endlich wieder zueinanderfinden. Richtig cool ist übrigens der historische Hintergrund am Ende: Die Coles und ihre Buch-Arkaden im Melbourne des späten 19. Jahrhunderts gab es wirklich. Eine tolle Idee, diese reale Vergangenheit in so ein Fantasy-Abenteuer zu verpacken.

Trotz des zähen Starts ist Magic Bookshop ein tiefgründiges und atmosphärisch starkes Buch. Es fordert junge Leser:innen heraus, zeigt aber auch, was Familienzusammenhalt bedeutet.

Ein riesengroßes Dankeschön an den Verlag für das Rezensionsexemplar!

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Bilderbücher Kinderbücher ab 5 Jahre Kinderbücher ab 6 Jahre Rezensionen Vorlesebücher

Karsten Teich: “Es fährt ein Bus durchs ABC”

Karsten Teich (Autor/ Illustrator)
Tulipan Verlag
Lesealter: ab 4 Jahren
48 Seiten
Gebundenes Buch: 16,00€

Eine bunte Truppe voll fantastischer Figuren fährt gemeinsam durchs Buchstabenland: Ein Bär mit Bus-Billett und ein Barsch mit Bügelbrett, eine Elefantengruppe mit ‘nem Eimer Erbsensuppe, eine schicke Cowboy-Clique, dünne Dackel und auch dicke…
Wo die Reise wohl hingeht?

(Klappentext)

Eine ziemlich schräge Reise durchs Alphabet

Ein Busfahrer fährt quer durchs Buchstabenland und sammelt unterwegs die unterschiedlichsten Fahrgäste ein. Den Anfang macht ein Alligator mit Antenne, später steigen unter anderem ein Bär mit Bus-Billett, ein Barsch mit Bügelbrett, eine Cowboy-Clique, Dackel und eine ganze Elefantengruppe mit Erbsensuppe zu. Gemeinsam geht es über abenteuerliche Straßen, durch Tunnel und vorbei an allerlei Hindernissen bis zu einem ganz besonderen Ziel.

ABC-Bücher gehören zu den Klassikern im Bilderbuchregal. Viele setzen dabei auf möglichst klare Zuordnungen und vertraute Begriffe, damit Kinder die Buchstaben nach und nach kennenlernen können. Es fährt ein Bus durchs ABC schlägt dagegen einen deutlich verspielteren Weg ein.

Die gereimten Texte haben mir beim Vorlesen gut gefallen. Sie lesen sich flüssig und haben einen angenehmen Rhythmus, auch wenn der bereimte Inhalt ziemlich absurd ist. Besonders auffällig sind die Illustrationen von Karsten Teich. Auf den Doppelseiten gibt es unglaublich viel zu entdecken. Neben den Figuren und Gegenständen aus dem Text verstecken sich zahlreiche weitere Dinge, die ebenfalls mit dem jeweiligen Buchstaben beginnen. Dadurch laden die Bilder zum gemeinsamen Suchen und Entdecken ein. Gleichzeitig entstehen aber keine stimmigen Alltagsszenen, sondern eher wimmelige, teilweise ziemlich absurde Bildwelten.

Genau das dürfte auch darüber entscheiden, ob dieses Buch begeistert oder eher weniger anspricht. Die fantasievollen Einfälle und die vielen kleinen Details machen großen Spaß. Manche Illustrationen empfand ich allerdings auch als etwas zu schräg. Einige Figuren und Szenen haben auf mich auch eine echt gruselige Wirkung gehabt.

Auch die Wortauswahl ist stellenweise anspruchsvoll. Begriffe wie Auerhahn, Bus-Billett, Chicorée oder Sympathie erweitern zwar ganz nebenbei den Wortschatz, gehören aber vermutlich nicht zu den ersten Wörtern, die Vorschulkinder mit dem jeweiligen Buchstaben verbinden würden.

Insgesamt ist dies ein originelles Bilderbuch, das sich deutlich von vielen anderen ABC-Büchern abhebt. Die Reime, die detailreichen Illustrationen und die ungewöhnlichen Ideen bleiben im Gedächtnis. Gleichzeitig ist es sicherlich kein Buch für jedes Kind und nicht unbedingt die erste Wahl, wenn Buchstaben möglichst strukturiert eingeführt werden sollen. Wer jedoch Lust auf eine fantasievolle, leicht schräge und sprachverliebte Busfahrt hat, findet hier eine ungewöhnliche Reise durchs Alphabet.

Ein liebes Dankeschön an den Tulipan Verlag für das Rezensionsexemplar!

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Erstleser Geschenkbücher Kinderbücher Kinderbücher ab 5 Jahre Kinderbücher ab 6 Jahre Rezensionen Vorlesebücher

Katharina E. Volk: ” Eine kleine Katze für Anton”

Katharina E. Volk (Autorin)
Sarah Garbers (Illustratorin)
Ravensburger Verlag
Lesealter: ab 5 Jahren
48 Seiten
Gebundenes Buch: 8,99€

Lesen lernen wie im Flug!

Anton und seine Eltern ziehen in eine neue Stadt. Alles ist anders, Anton ist traurig. Eines Tages findet er ein Kätzchen im Garten. Jetzt ist er nicht mehr allein! Dummerweise hat Antons Papa diese blöde Katzenhaarallergie. Zum Glück stellt sich heraus, dass die Familie, der die Katze gehört, gleich um die Ecke wohnt. So hat Anton nicht nur eine kleine Katze, sondern auch neue Freunde gefunden! (Klappentext)

Schritt für Schritt zum ersten Leseerfolg

Anton zieht mit seinen Eltern in eine völlig fremde Stadt, kennt dort noch keine Menschenseele und vermisst verständlicherweise sein altes Zuhause. Die anfängliche Traurigkeit verfliegt jedoch schlagartig, als er im Garten ein zuckersüßes Kätzchen entdeckt. Endlich ein kleiner Trostspender! Die Sache hat allerdings einen gewaltigen Haken, denn Antons Papa leidet unter einer extrem lästigen Katzenhaarallergie. Das Haustier auf Dauer zu behalten, fällt damit flach. Glücklicherweise entpuppt sich der vermeintliche tierische Ausreißer als der Schlüssel zur Rettung gegen die Einsamkeit. Die Familie, die das Kätzchen schmerzlich vermisst, wohnt nämlich direkt um die Ecke. Am Ende verliert Anton zwar den flauschigen Dauergast, gewinnt dafür aber eine tolle Anlaufstelle zum Katzenstreicheln und – was noch viel wichtiger ist – neue Freunde in der Nachbarschaft.

Katharina E. Volk greift hier genau das auf, was wohl fast jedes Kind absolut nachvollziehen kann: den großen Wunsch nach einem eigenen Haustier. Es ist eine bodenständige Erzählung aus dem echten Leben, die sich durch die vier kurzen Kapitel prima einteilen lässt. Weil die Hauptwörter im Text konsequent durch kleine Bilder ersetzt wurden, können schon Vorschulkinder ab fünf Jahren beim gemeinsamen Lesen aktiv mitmachen, selbst wenn sie noch gar keine Buchstaben kennen. Es ist eine schöne Möglichkeit, die Kinder spielerisch einzubinden und erste kleine Erfolgserlebnisse zu sammeln, weil sie die Sätze ganz alleine beenden dürfen.

Das gesamte Konzept ist absolut durchdacht und die Symbole im Text sind durchweg verständlich und altersgerecht gewählt. Sollte bei dem einen oder anderen Bildsymbol doch mal ein kleines Fragezeichen auftauchen, haben die Macher perfekt mitgedacht: Am Ende des Buches gibt es eine praktische, ausklappbare Wörterliste. So lässt sich jedes Bild im Handumdrehen nachschlagen, was den Lesefluss kaum stört und ganz nebenbei eine schöne Gelegenheit bietet, den eigenen Wortschatz spielerisch zu erweitern.

Die Illustrationen von Sarah Garbers bedienen mit dem übergroßen Kopf des Kätzchens perfekt das Kindchenschema und lösen sofort den ultimativen Knuddel-Impuls aus. Die anschließenden Rätsel runden das Paket wunderbar ab, weil Eltern so ganz nebenbei prüfen können, ob beim Mitlesen auch wirklich etwas vom Inhalt hängengeblieben ist.

Insgesamt ist dieses Buch eine rundum gelungene Kombination aus einfühlsamer Erzählung und interaktiver Leseförderung. Es nimmt die Ängste vor Veränderungen ernst und zeigt den Kindern auf Augenhöhe, dass aus einer vermeintlichen Enttäuschung etwas richtig Tolles entstehen kann. Ein absolut hochwertiges Wohlfühlbuch für den Übergang vom Kindergarten zur Grundschule, das man immer wieder gerne zur Hand nimmt.

Ein riesengroßes Dankeschön an den Ravensburger Verlag für dieses wunderbare Rezensionsexemplar!

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Jugendliteratur Kinderbücher Kinderbücher ab 10 Jahre Rezensionen

Heike Abidi: “Meine schrecklich chaotische (Alb-)Traumfamilie: Der Schlamassel beginnt”(Band 1)

Heike Abidi (Autorin)
cbj Verlag
Lesealter: ab 10 Jahre
272 Seiten
Gebundenes Buch: 14,00€


Hilfe!! Meine chaotische Großfamilie gibt mir echt den Rest: Stiefzicke hier, nerviger Bonusbruder da – und als Extra gehören zu dem Albtraum noch haufenweise Erwachsene, die einem Patchwork als das neue Must-have verkaufen wollen. Holt mich hier raus!

Als wäre Erwachsenwerden nicht schon kompliziert genug, wird die zwölfjährige Nelly dabei von ganz schön viel Familie begleitet. Denn nachdem sich ihre Eltern getrennt haben, steht nun der Umzug zu den jeweils neuen Partnern an. Alarmstufe dunkelrot!
Mittendrin im neuen Geschwister-Chaos ist es gar nicht so leicht, die Nerven zu behalten. Vor allem nicht, wenn die wegen eines verdammt süßen Jungen ohnehin schon ziemlich blank liegen …
(Klappentext)

Ein tröstlicher Roman mit etwas zu viel Harmonie

Nellys Leben steht komplett Kopf. Denn nachdem sich ihre Eltern getrennt haben, steht für die Zwölfjährige nun der große Umzug an. Beide Elternteile leben inzwischen mit neuen Partnern zusammen, die jeweils eine riesige Schar an Kindern mit in die Beziehung bringen. Statt dem entspannten Leben als Einzelkind heißt es für Nelly ab sofort Koffer packen und im wöchentlichen Rhythmus zwischen zwei völlig unterschiedlich chaotischen Großfamilien hin- und herpendeln. Als ob das laute Patchwork-Chaos, die zickige Stiefschwester, mit der sie sich das Zimmer teilen muss, und die nervigen Zwillinge nicht schon reichen würden, ist zu allem Überfluss auch noch ihre beste Freundin Antonia ans andere Ende der Welt gezogen. Einziger Lichtblick im unüberschaubaren Gefühlschaos ist Lounis, der Kumpel ihres neuen Bonusbruders, der bei Nelly trotz des ganzen familiären Schlamassels für mächtiges Herzklopfen sorgt.

Heike Abidi beweist in ihrem Auftaktband, dass sie ein echtes Händchen für die Sorgen und Nöte von Teenagern hat. Der lockere und angenehm flüssige Schreibstil zieht einen sofort in Nellys Gedankenwelt. Man spürt auf jeder Seite, wie authentisch die emotionale Achterbahnfahrt der Zwölfjährigen beschrieben ist. Diese Mischung aus Wut, dem Gefühl, von den Erwachsenen vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden, und dem gleichzeitigen Wunsch, der eigenen Mutter nicht die mühsam aufgebaute Harmonie kaputtzumachen, ist absolut lebensnah eingefangen. Besonders für Kinder ab zehn Jahren, die sich vielleicht in einer ähnlichen Situation befinden, ist das Buch ein echter Trostspender, weil sie sich hier mit ihren Sorgen komplett verstanden und abgeholt fühlen. Großartig gelöst ist übrigens das Personenverzeichnis zu Beginn des Buches. Bei diesem gigantischen XXL-Familienkosmos verliert man sonst nämlich verdammt schnell den Überblick und ertappt sich dabei, wie man beim Lesen doch das eine oder andere Mal zurückblättert, um nachzuschauen, wer jetzt eigentlich zu wem gehört.

Betrachtet man das Ganze jedoch mit etwas kritischeren Augen, gibt es bei all der spürbaren Herzenswärme auch ein paar Punkte, bei denen die Geschichte mich nicht ganz abholen konnte. So sensibel und wichtig die Thematik rund um Trennungskinder und neue Familienstrukturen auch ist, plätschert die eigentliche Handlung über weite Strecken auf einem sehr gleichbleibenden Niveau vor sich hin. Ein echter, packender Spannungsbogen, der einen das Buch gar nicht mehr weglegen lässt, fehlt hier leider. Stattdessen dümpelt das Geschehen in Episoden aus dem turbulenten Alltag vor sich hin, ohne dass sich die Konflikte einmal so richtig zuspitzen. Zudem drückt die Autorin für meinen Geschmack etwas zu sehr auf die Friede-Freude-Eierkuchen-Taste. Dass sich alle Beteiligten so dermaßen schnell einig sind und die anfänglichen, tiefen Gräben sich fast schon zu reibungslos in Luft auflösen, wirkt ein wenig unrealistisch und nimmt der Geschichte etwas von ihrer Tiefe. Hier hätte der Handlung ein bisschen mehr Ecken und Kanten und weniger krampfhafte Harmonie definitiv gutgetan.

Trotz dieses kleinen Durchhängers beim Spannungsbogen bleibt das Buch ein lesenswerter und vor allem sehr tröstlicher Familienroman. Es transportiert mit viel Humor eine wichtige Botschaft über Toleranz, das langsame Zusammenwachsen und die Erkenntnis, dass man auch in der größten Großfamilie das Recht hat, für die eigenen Bedürfnisse einzustehen. Ein schönes, sommerliches Buch über die erste große Liebe und das ganz normale Chaos des Erwachsenwerdens.

Ein riesengroßes Dankeschön an den Verlag für dieses Rezensionsexemplar!

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Erstleser Halloween Kinderbücher Kinderbücher ab 7 Jahren Rezensionen Vorlesebücher

Stephanie Runge: “Vampire und Monster” (Ein Erstlesebuch mit Spaßgarantie für Jungs und Mädchen ab 7 Jahren)

Stephanie Runge (Autorin)
Jutta Wetzel (Illustratorin)
Tulipan Verlag
Lesealter: ab 7 Jahren
48 Seiten
Gebundenes Buch: 10,00€

Wer ist hier das Monster?!

Der kleine Vampir Viktor schleicht sich mitten am Tag aus dem Haus. Seine Eltern schlafen natürlich noch tief und fest. Etwas aufgeregt ist er natürlich – schließlich treiben um diese Uhrzeit Menschen ihr Unwesen, diese vampirfressenden Monster, die er aus den Horrorfilmen seiner großen Schwester kennt.Doch aller Vorsicht zum Trotz, gerät Viktor in die Fänge eines Menschenmädchens! Sicher wird er gleich zu Wurst verarbeitet! Ihm wird vor Angst ganz übel. Doch dann erfährt er etwas, was ihn fast aus den Socken haut: Menschen fressen gar keine Vampire! Ganz im Gegenteil, sie haben sogar eine Riesenangst vor ihnen – als ob Vampire Menschenblut trinken würden, uah… wie ekelig. Und in Särgen schlafen sie schon mal gar nicht. Wie Menschen nur auf so etwas kommen? (Klappentext)

Spannende Kinderliteratur zum Festigen der Lesefertigkeit

Der kleine Vampir Viktor schleicht sich heimlich aus dem Haus, während alle anderen schlafen. Er will unbedingt in den Botanischen Garten, um die seltene Königin der Nacht blühen zu sehen. Ein Vorhaben, das mich sofort schmunzeln ließ, denn meine eigene Oma hatte früher auch so einen Kaktus. Ich weiß noch genau, wie meine Mutti und ich damals mitten in der Nacht zu ihr gefahren sind, nur um dieses botanische Spektakel nicht zu verpassen! Für Viktor ist der Ausflug bei Tageslicht allerdings ein echter Horror-Trip. Durch die Gruselfilme seiner großen Schwester ist er nämlich fest davon überzeugt, dass Menschen blutrünstige Vampirfresser sind, die ihn auf dem Markt direkt beim Metzger zu Wurst verarbeiten wollen. Als er dann ausgerechnet an ein Menschenmädchens gerät, ist die Panik groß, bis er eine Entdeckung macht, die ihn komplett aus den Socken haut. Menschen fressen ja gar keine Vampire, sondern haben im Gegenteil selbst eine Heidenangst vor ihnen.

Stephanie Runge gelingt in diesem Buch ein richtig charmanter und humorvoller Perspektivwechsel. Es macht einfach Spaß zu sehen, wie die typischen Grusel-Klischees einmal komplett umgedreht werden. Während wir Menschen uns schaurige Geschichten über Särge und das Trinken von Blut ausmalen, schüttelt sich Viktor darüber nur angeekelt. Er findet die Vorstellung absurd und bleibt lieber bei seiner gewohnten tierischen Kost, während er im Gegenzug erstaunt feststellt, dass Menschen sich von Gebäck ernähren. Aus der Sicht von Kindern ab sieben Jahren ist dieses Verwechslungsspiel ein absoluter Volltreffer, der durch die liebevollen und farbenfrohen Illustrationen von Jutta Wetzel perfekt untermalt wird. Besonders die Szenen, in denen die beiden Welten aufeinanderprallen, sind optisch toll umgesetzt.

Man sollte das Buch trotz der großen Schrift und der vielen Bilder aber nicht als reines, superleichtes Erstlesefutter abstempeln. Der Text hat durchaus seine Ansprüche und fordert die Konzentration der Kids. Für die zweite Klasse ist der Umfang schon ein ordentliches Stück Arbeit, bei dem man ein bisschen Durchhaltevermögen braucht. Schön finde ich dabei, dass die Autorin den jungen Lesern sprachlich einiges zutraut. Zwischen den Zeilen verstecken sich immer wieder echte Zungenbrecher und längere Fachbegriffe wie Venusfliegenfalle, Grottenolm, Schwanzlurch oder Lichtschutzfaktor. Das ist grandios, um den Wortschatz spielerisch zu erweitern, ohne dass es trocken wirkt. Durch die clevere und witzige Herangehensweise an das Thema Vorurteile eignet sich das Buch nicht nur zum Selberlesen, sondern ist auch ein toller Kandidat für die Klassenbibliothek, zum gemeinsamen Vorlesen am Abend oder als Geschichte rund um die Halloween-Zeit. Am Ende bleibt ein richtig schönes Stück Kinderliteratur, das zeigt, dass man vor dem Unbekannten keine Angst haben muss.

Ein riesengroßes Dankeschön an den Tulipan Verlag für dieses wunderbare Rezensionsexemplar!

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Smilla Blau: “Biber Justin – Auf der dunklen Seite des Pools”

Smilla Blau (Autorin)
Nikolai Renger (Illustrator)
Fischer Sauerländer Verlag
Lesealter: ab 8 Jahren
240 Seiten
Gebundenes Buch: 13,90€

Hilfe! Keiner glaubt mir, nicht mal mein bester Kumpel

Gestern ist mein Opa bei uns eingezogen, und er hat seinen neuen Hund Justin mitgebracht. Aber Leute, das ist kein Hund, sondern ein BIBER! Leider merkt das niemand, außer mir. Nichts ist vor seinen krassen gelben Zähnen sicher: Kabel, Tischbeine – und mein geliebter Pool. Ständig hängt Justin im Wasser ab, und ich kann nicht mehr darin trainieren. (Dabei will ich doch Profiwassersportler werden!) Und das alles macht er mit voller Absicht! Woher ich das weiß? Dieses Biest spricht (allerdings nur mit mir) und will den Pool für sich allein! Ich muss Justin so schnell wie möglich wieder loswerden. Nur wie? Dieser Typ ist echt clever!
(Klappentext)

Abenteuer mit Biber

Als Opa mit seinem Therapiehund bei Lenny einzieht, ist die Freude groß. Immerhin war Opa früher Wasserballtrainer und Lenny steht kurz vor der wichtigen Qualifikation für das Jugendnationalteam. Das Problem ist nur, dass sich der angebliche Hund als ein ziemlich vorlauter Biber namens Justin entpuppt. Statt Stöckchen zu holen, knabbert er mit Vorliebe Türrahmen und Gartenmöbel an. Schlimmer noch ist für Lenny, dass Justin kurzerhand den heimischen Trainingspool besetzt und ihn zu seiner privaten Festung umbaut. Da für Lenny ohne Pool das dringend notwendige Schwimmtraining ins Wasser fällt, lautet der Plan: Der Biber muss weg. Irgendwie. Was als erbitterter Revierkampf um das kühle Nass beginnt, entwickelt sich jedoch im Laufe der Zeit zu einer unerwarteten Freundschaft, bei der Justin für Lenny zu einer ganz besonderen Unterstützung wird, als es beim Wasserball um alles oder nichts geht.

Schon beim ersten Blick auf das Cover, das von Nikolai Renger dynamisch und witzig gestaltet wurde, und auf den Titel erkennt man den Humor des Buches. Die namentliche Nähe zu einem gewissen Popstar ist ein genialer, saukomischer Geniestreich von Smilla Blau. Und wer bei der „dunklen Seite des Pools“ sofort an Darth Vader und Star Wars denkt, liegt wohl goldrichtig. Es ist eine herrliche filmische Anspielung, die zeigt, dass hier mit viel Augenzwinkern gearbeitet wird. Als erwachsener Leser:in stolpert man anfangs vielleicht über die Tatsache, dass dieser Biber nicht nur munter mit Lenny spricht, sondern nebenbei auch noch einen eigenen Social-Media-Account betreibt, von dem die Erwachsenen und Lennys Freunde auf magische Weise überhaupt nichts mitbekommen. Ja, das ist schon sehr vermenschlicht und mag dem logischen Elterngehirn erst einmal etwas befremdlich vorkommen. Aber betrachtet man das Ganze aus der Sicht der Zielgruppe ab acht oder neun Jahren, ist es vermutlich genau das, was die Geschichte so cool macht. Diese exklusive Verbindung zwischen einem Kind und einem Tier, von der die Erwachsenen keinen blassen Schimmer haben.

Hinter dem ganzen Chaos, dem Slapstick und den verstopften Wasserleitungen verbirgt sich aber auch eine tiefgründigere Ebene. Justin ist nämlich kein böswilliger Saboteur, er folgt einfach nur seinem natürlichen Instinkt. In einer Welt, in der natürliche Flussläufe und Wildnisse immer knapper werden, baut er sich seine Burg eben dort, wo er klares Wasser findet: in Lennys Pool. Smilla Blau gelingt hier das Kunststück, ganz leise das Thema Naturschutz und schwindenden Lebensraum bedrohter Arten anklingen zu lassen. Lenny (und mit ihm die jungen Leser:innen) begreift nach und nach, welchen unschätzbaren Nutzen Biber in der freien Natur eigentlich haben. Aus dem nervigen Pool-Besetzer wird ein schützenswertes Wesen, das man am Ende der Geschichte gar nicht mehr gehen lassen möchte.

Diese neu gewonnene Empathie spiegelt sich auch in Lennys sportlicher Entwicklung wider. Er leidet unter einer klassischen Blockade. Er trainiert zwar extrem hart, aber sobald er im Spiel unter Druck gerät, kommen die Selbstzweifel. Wie das Buch diese mentale Krise löst, ist psychologisch vielleicht nicht ganz lehrbuchmäßig, aber dafür unglaublich witzig, effektiv und kindgerecht. Am Ende steht eine herzerwärmende Botschaft über Leistungsdruck, Versagensängste und die Erkenntnis, dass Unterstützung manchmal aus der unerwartetsten, pelzigsten Ecke kommt. Eine absolute Empfehlung für alle Kids, die Lust auf ein witziges Abenteuer haben, das im Kern zeigt, wie wichtig es ist, die Natur und ihre eigensinnigen Bewohner zu verstehen und zu schützen.

Ein riesengroßes Dankeschön an Fischer Sauerländer für dieses Rezensionsexemplar!

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Alexander Steffensmeier: “Lieselotte lauert” (Das erste Lieselotte-Abenteuer in der Jubiläumsausgabe)

Alexander Steffensmeier (Autor/ Illustrator)
Fischer Sauerländer Verlag
Lesealter: ab 4 Jahren
32 Seiten
20,00€

Jeden Morgen schaut Lieselotte schon beim Melken ungeduldig auf den Hof hinaus. Es gibt nämlich etwas, das sie mehr liebt als alles andere…

Eine spannende Geschichte über eine pirschende Kuh, einen gejagten Briefträger und eine Bäuerin, die endlich unversehrte Pakete bekommen möchte.

20 Jahre Lieselotte! Diese einzigartige Sonderausgabe hat einen Schutzumschlag, der sich in ein tolles Kinderzimmerposter verwandelt. Und noch ein besonderes Extra: Mit einem Hörbuch zum Runterladen.
(Klappentext)

Postkuh Lieselotte

Manche Kinderbuchfiguren begleiten Familien über Jahre hinweg. Nicht, weil sie übermäßig pädagogisch belehrend sind oder ständig wichtige Botschaften verkünden, sondern weil sie einfach eine unterhaltsame Geschichte erzählen. Lieselotte gehört für mich eindeutig in diese Kategorie. Seit inzwischen zwei Jahrzehnten sorgt die Kuh für gute Laune beim Vorlesen.

In Lieselotte lauert hat sie es ausgerechnet auf den Postboten abgesehen. Sie liebt es, ihm aufzulauern und ihn zu erschrecken. Immer wieder. Und erstaunlich einfallsreich. Während Lieselotte ihren Spaß hat, entwickelt der arme Mann bereits Albträume und auch die Bäuerin verliert langsam die Geduld, weil regelmäßig Pakete zu Bruch gehen.

Die Geschichte braucht dafür keine komplizierte Handlung. Die Idee ist simpel, aber daraus zieht das Buch seinen Humor. Lieselotte versteckt sich, wartet auf den richtigen Moment und bringt den Postboten zuverlässig aus der Fassung. Das ist herrlich albern, kindgerecht und die Sorte Humor, die auch nach mehrmaligem Vorlesen und über Generationen hinweg nicht langweilig wird.

Besonders entgegen kommt mir dieses Buch beim abendlichen Vorlesen. Ich habe nicht immer Lust, kurz vor dem Schlafengehen nach einem anstrengenden Tag noch gefühlt zwanzig Seiten Fließtext mit fünf verschiedenen Stimmen vorzulesen. Wenn die Kinder sich für Lieselotte lauert entscheiden, bin ich immer sehr dankbar. Der Text ist angenehm kurz gehalten, die Handlung klar verständlich und trotzdem hat man nicht das Gefühl, nur schnell das abendliche Vorlesen abgearbeitet zu haben.

Überhaupt tragen die Illustrationen einen riesigen Teil der Geschichte. Die Bilder sind groß, lebendig und voller kleiner Details. Auf vielen Seiten gibt es genug zu entdecken, sodass man beim zweiten, dritten, vierten Lesen noch Kleinigkeiten bemerkt, die vorher untergegangen sind. Für Kinder, die gern länger Bilder anschauen oder noch nicht so lange zuhören möchten, ist das ideal. Der kurze Text lässt viel Raum für eigene Beobachtungen, Fragen und kleine Suchspiele auf den Seiten.

Ganz unkritisch bin ich allerdings nicht. Der Übergang gegen Ende – von Lieselotte zerstört versehentlich das Fahrrad des Postboten zu Lieselotte trägt jetzt selbst Post aus – kommt tatsächlich ziemlich abrupt. Man versteht zwar grundsätzlich, worauf die Geschichte hinausmöchte, aber hier hätte ich mir eine zusätzliche Szene oder einen etwas weicheren Übergang gewünscht. Es wirkt ein wenig so, als würde eine Seite fehlen.

Gleichzeitig finde ich aber auch, dass man dieses Buch nicht unnötig überinterpretieren muss. Lieselotte lauert möchte keine tiefgründige Abhandlung über Konsequenzen, Schuld und Wiedergutmachung sein. Es ist in erster Linie ein Bilderbuch über eine freche Kuh, einen zunehmend verzweifelten Postboten und jede Menge Situationskomik. Meine Kinder und ich haben daran großen Spaß.

Die Jubiläumsausgabe gefällt uns ebenfalls. Der Schutzumschlag lässt sich zu einem Poster ausklappen und das zusätzliche Hörbuch zum Download ist eine schöne Ergänzung. Für uns bleibt Lieselotte lauert ein fröhliches, unkompliziertes Bilderbuch, das besonders durch seine Bilder, seinen Humor und seine angenehme Vorleselänge begeistert. Nicht der textreichste Lieselotte-Band, aber einer, zu dem wir vermutlich genau deshalb immer wieder greifen.

Ein ganz herziges Dankeschön an den Fischer Sauerländer Verlag, der uns diese Jubiläumsausgabe zur Verfügung gestellt hat! Und natürlich: Happy Birthday, Lieselotte! Auf die nächsten 20 Jahre!



Hier die klassischen großformatigen Bilderbücher in chronologischer Reihenfolge:

Lieselotte lauert (2006)

Lieselotte im Schnee (2007)

Lieselotte sucht einen Schatz (2009)

Lieselotte bleibt wach (2010)

Lieselotte macht Urlaub (2011)

Lieselotte versteckt sich (2012)

Lieselotte ist krank (2013)

Lieselotte sucht (2014)

Ein Geburtstagsfest für Lieselotte (2016)

Lieselotte will nicht baden (2017)

Lieselotte hat Langeweile (2018)

Lieselotte macht nicht mit (2019)

Lieselotte im Regen (2020)

Lieselotte macht Ferien (2021)

Zusätzlich gibt es noch:

  • viele Mini-Ausgaben
  • Pappbilderbücher
  • Erstleser
  • Wimmelbücher
  • Adventskalenderbücher
  • Sondereditionen
  • Mitmachbücher
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Bilderbücher Kinderbücher Kinderbücher ab 3 Jahre Kinderbücher ab 4 Jahre Rezensionen

Ross Montgomery: “Flauschi und Schnuff büxen aus”

Ross Montgomery (Autor)
Sarah Warburton (Illustratorin)
Thienemann Verlag
Lesealter: ab 4 Jahren
40 Seiten
15,00€

Flauschi träumt von Palmen, Papageien und den wilden Meerschweinchen von Peru. Schnuff dagegen liebt seinen gemütlichen Stall. Doch als Flauschi plötzlich verschwindet, muss Schnuff all seinen Mut zusammennehmen, um seine Freundin wiederzufinden. So beginnt eine kunterbunte Reise voller Überraschungen – und voller neuer, wuscheliger Freunde. (Klappentext)

Meerschweinchen auf Abwegen

Flauschi und Schnuff leben eigentlich ein ziemlich behagliches Meerschweinchenleben. Schnuff ist damit auch vollkommen zufrieden. Ein sicherer Stall, genug Futter und Flauschi an seiner Seite. Mehr braucht er nicht zum Glücklichsein. Flauschi sieht das anders. Sie träumt von Peru, von wilden Meerschweinchen, Dschungel, Palmen und einem Leben, das ein bisschen größer ist als der eigene Stall. Als sich die Gelegenheit ergibt, schmuggelt sie sich kurzerhand in den Urlaubskoffer. Schnuff bleibt erst einmal zurück, merkt aber schnell, dass ein gemütlicher Stall nicht mehr ganz so gemütlich ist, wenn Flauschi fehlt.

Flauschi ist eindeutig die Mutigere von beiden. Oder zumindest diejenige, die erst handelt und dann vermutlich darüber nachdenkt, ob Meerschweinchen überhaupt für Fernreisen gemacht sind. Schnuff dagegen ist genügsam und zufrieden mit dem, was er hat. Diese gegensätzlichen Charaktere sind unglaublich sympathisch und süß gezeichnet. Eine will unbedingt hinaus in die Welt, der andere hätte gegen einen ganz normalen Tag im Stall wirklich nichts einzuwenden.

Erzählt wird die Geschichte in Reimen. Bei gereimten Bilderbüchern bin ich immer etwas vorsichtig, weil es schnell holpern kann oder Sätze nur gebaut werden, damit am Ende irgendwie ein passendes Wort steht. Hier liest sich der Text aber angenehm rund. Die Reime haben Tempo, klingen beim Vorlesen lebendig und bleiben trotzdem verständlich. Man stolpert nicht über verdrehte Formulierungen, sondern kommt gut durch die Geschichte. Für Kinder ab vier Jahren passt das auf jeden Fall, wobei ich mir vorstellen kann, dass auch etwas jüngere Kinder schon Freude daran haben, wenn sie gern vorgelesen bekommen.

Die Handlung selbst ist eher einfach gehalten. Flauschi bricht auf, Schnuff folgt ihr, unterwegs gibt es verschiedene Begegnungen und am Ende fügt sich alles fein zusammen. Große Gefahr oder echte Aufregung sollte man nicht erwarten. Schnuffs Weg vom vorsichtigen Stallbewohner zum mutigen kleinen Reisenden hätte für meinen Geschmack ruhig noch etwas mehr Platz bekommen dürfen. Gerade da hätte ich gern noch ein, zwei Stationen mehr gehabt, bei denen man merkt, wie sehr er über seinen eigenen Schatten springen muss.

Dafür sind die Illustrationen ein echtes Vergnügen. Auf den Seiten ist wahnsinnig viel los, ohne dass man sofort den Überblick verliert. Überall sitzen, rennen oder schauen Meerschweinchen. Manche sehen aus wie ganz normale Meerschweinchen, andere eher wie entfernte Verwandte aus einer sehr kreativen Familienchronik. Die Bilder erzählen oft noch mehr als der Text. Besonders die vielen kleinen Meerschweinchen-Varianten machen Spaß. Da entdeckt man schnell Figuren, über die im Text gar nicht gesprochen wird.

Auch der Wechsel vom gemütlichen Stall in die bunte Ferne ist schön umgesetzt. Zu Hause ist alles kuschelig und vertraut, später wird es deutlich lebendiger. Dschungel, Tiere und kleine Details sorgen dafür, dass das Buch optisch deutlich größer wirkt, als die eigentliche Geschichte ist. Der Text bleibt schlicht, aber die Bilder holen aus der Idee noch einmal sehr viel heraus.

Insgesamt ist Flauschi und Schnuff büxen aus ein schönes Vorlesebuch für kleine Leser:innen und alle, die Meerschweinchen grundsätzlich für unterschätzte Hauptfiguren halten. Der Text ist gut vorzulesen, die Geschichte bleibt überschaubar und die Illustrationen machen richtig viel daraus. Für mich liegt die größte Stärke des Buches eindeutig in den Bildern, den vielen kleinen Entdeckungen und den beiden wuscheligen Ausreißern.

Allerliebsten Dank an vorablesen.de und den Verlag für das zur Verfügung gestellte kunterbunte Rezensionsexemplar!

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Alexander Steffensmeier: “Ein Geburtstagsfest für Lieselotte”

Alexander Steffensmeier (Autor/ Illustrator)
Fischer Sauerländer Verlag
Lesealter: ab 2 Jahren

26 Seiten
Pappbilderbuch: 11,00€

Herzlichen Glückwunsch, Lieselotte!

Lieselotte freut sich riesig auf ihren Geburtstag. Doch auf dem Bauernhof bleibt es seltsam still. Wo sind denn alle geblieben? Die Bäuerin ist weg, die Hühner lassen sich auch nicht blicken. Niemand hat einen Kuchen gebacken. Im Garten hängen keine Luftballons. Haben etwa alle Lieselottes Geburtstag vergessen?
(Klappentext)

Alles Gute zum 20. Geburtstag, Lieselotte

Zwei Jahrzehnte Lieselotte müssen gefeiert werden. Passend dazu gibt es “Ein Geburtstagsfest für Lieselotte” nun als Pappbilderbuch mit witzigem Farbschnitt. Kleine Fans ab 2 Jahren können gemeinsam mit Lieselotte feiern. Dabei sieht es in der Geschichte so aus, als hätten alle Lieselottes Geburtstag vergessen.

Die aufgeweckte Kuh weiß natürlich ganz genau, wie so ein Ehrentag normalerweise abläuft: Kuchen, Girlanden, Aufregung, Hühnergewusel. Nur leider scheint auf dem Bauernhof niemand mit Partyvorbereitungen beschäftigt zu sein. Auf dem Bauernhof wird gearbeitet wie immer, die Bäuerin backt keinen Kuchen und selbst die Hühner wirken nicht besonders feierlich. Für Lieselotte ist die Sache eigentlich eindeutig. Geburtstage laufen schließlich nach einem festen Prinzip ab. Erst wird dekoriert, dann gibt es Kuchen und am Ende eine Party. So war es schließlich auch beim Huhn letzte Woche. Nur hält sich diesmal offenbar niemand an den Plan.

Je länger der Tag dauert, desto weniger subtil werden Lieselottes Bemühungen, die anderen auf ihren Geburtstag hinzuweisen. Und das ist wirklich ziemlich lustig anzusehen. Etwas tragisch ist es am Ende schon, als sie mit ihrem alten Partyhut, einem Kaktus und Zwieback am Fluss sitzt und alleine feiert.

Aber es ist diese Mischung aus kindlicher Tragik und kuhtastischer Komik, die die Geschichte so unterhaltsam macht. Die Hühner und Küken machen im Hintergrund wieder ihren eigenen Unsinn. Irgendwo stolpert immer eines durchs Bild oder beschäftigt sich mit etwas komplett anderem als dem eigentlichen Geschehen. Man bleibt ständig an irgendwelchen Kleinigkeiten hängen. Die badenden Küken am Wasser, die Würmer im Hintergrund oder die vielen kleinen Reaktionen der Tiere machen beim Anschauen fast genauso viel Spaß wie die eigentliche Geschichte.

Der Text bleibt kurz und passt gut zum Pappbilderbuchformat. Vieles erzählen ohnehin die Illustrationen. Deshalb eignet sich das Buch auch wunderbar nur zum gemeinsamen Anschauen, weil man auf den Seiten ständig irgendetwas entdeckt oder weitererzählen kann.

Dass am Ende natürlich doch noch eine Überraschungsparty wartet, dürfte niemanden ernsthaft überraschen. Eigentlich geht es die ganze Zeit eher darum, wie sehr sich Lieselotte in diesen Geburtstag hineinsteigert.

Zum 20. Geburtstag zeigt Lieselotte jedenfalls ziemlich deutlich, warum sie seit so vielen Jahren zu den beliebtesten Bilderbuchkühen gehört. Sie ist neugierig, leicht dramatisch und dabei einfach unglaublich sympathisch. Auch dieses kleine Pappbilderbuch lebt wieder von den vielen lustigen Details, den herrlichen Gesichtsausdrücken und dem ganz normalen Bauernhofchaos. Eine wirklich schöne Jubiläumsausgabe für kleine und große Lieselotte-Fans.

Ein riesengroßes Dankeschön an den Verlag für dieses Jubiläumsbuch!