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Skye McKenna: “Cassandra Morgan – Der goldene Schlüssel”(Band 1)

Skye McKenna (Autorin)
Viktoria Gavrilenko (Illustratorin)
Ravensburger Verlag
Lesealter: ab 10 Jahren
416 Seiten
Gebundenes Buch: 15,99€

Mächtige Hexen schützen England vor den fantastischen Wesen aus dem Land Faerie. Doch hüte dich davor, den Wald zwischen den Reichen zu betreten …
Cassandra Morgan hat es geahnt: Die Geschichten in ihren Büchern sind nicht nur Märchen. Was sie jedoch nicht wusste: Sie gehört einer Familie von Hexen an. Mit dem Umzug nach Hartwood Hall, in das Haus ihrer Tante, beginnt für Cassandra ein Leben voller Magie. Sie findet jedoch schnell heraus, dass sie das einzige Verbot, das ihre Tante ausgesprochen hat, übertreten muss, wenn sie ihre verschollene Mutter wiederfinden will: Sie muss in den gefährlichen Wald an der Grenze zum Land Faerie …
(Klappentext)

Fantasy für Jung und Alt

Cassandra Morgan startet nicht gerade mit Rückenwind ins Leben. Ein trostloses Internat, eine Mutter, die seit Jahren verschwunden ist, und dann auch noch die Nachricht, dass sie offiziell für tot erklärt wurde. Als Cassandra kurz davorsteht, im nächsten Waisenhaus zu landen, bleibt ihr nur die Flucht – und ein merkwürdiger Schlüssel, den ihre Mutter ihr einst anvertraut hat. Ab diesem Moment kippt die Geschichte sehr schnell von realistischer Tristesse in eine Welt, in der Märchen ziemlich reale Gefahren bergen.

Der Umzug nach Hartwood Hall zu Tante Miranda bringt zwar ein Dach über dem Kopf, aber keine Geborgenheit. Miranda ist kühl, streng und Hexe mit klaren Regeln. Die wichtigste davon lautet, den Wald zwischen den Welten nicht zu betreten. Dass Cassandra genau dieses Verbot missachtet, ist wenig überraschend, schließlich treibt sie die Suche nach ihrer Mutter an, und Antworten scheint es nur jenseits der Grenze zu geben.

Der Wald, der an Faerie grenzt, ist düster, unberechenbar und bevölkert von Wesen, bei denen man nie sicher sein kann, ob sie helfen oder schaden wollen. Goblins, sprechende Tiere, seltsame Wächter und uralte Magie sorgen dafür, dass jede Begegnung eine gewisse Spannung mit sich bringt.

Cassandra selbst ist keine makellos schillernde Heldin, die auf Anhieb als begabte Hexe brilliert. Sie handelt oft impulsiv, ignoriert Warnungen und bringt sich wiederholt in Gefahr. Aber das passt zu ihrer Situation: Sie ist allein, verzweifelt und klammert sich an die Hoffnung, ihre Mutter zu finden. Aber sie ist auch loyal, offenherzig und eine gute Freundin.

Die Geschichte wird von zahlreichen Nebenfiguren besiedelt, die aber nicht alle gleich stark ausgearbeitet sind. Tante Miranda bleibt lange schwer greifbar. Ihr Verhalten wirkt distanziert, teilweise sogar herzlos, und erst spät bekommt man eine Ahnung davon, was sie innerlich bewegt. Das sorgt für Reibung, lässt aber auch Fragen offen. Deutlich wärmer fallen die Freundschaften aus, die Cassandra im Laufe der Geschichte knüpft – allen voran zu Rue.

Der Plot hält einige Wendungen bereit, die man nicht kommen sieht. Intrigen, falsches Vertrauen und moralisch fragwürdige Entscheidungen spielen eine größere Rolle, als man es von einer Fantasygeschichte ab zehn Jahren vielleicht erwarten würde. Gleichzeitig bleiben manche Aspekte bewusst vage. Über Faerie selbst erfährt man nur bruchstückhaft etwas, was klar neugierig macht, aber auch ein wenig unbefriedigt zurücklässt.

Auch handwerklich ist das Buch auf junge Vielleser:innen zugeschnitten: kurze Kapitel, große Schrift und eine klare Struktur sorgen dafür, dass sich die rund 400 Seiten erstaunlich flott lesen. Die Ausstattung ist hochwertig, mit verziertem Cover, bedrucktem Buchschnitt und kleinen Illustrationen zu Kapitelbeginn, die gut zur Stimmung passen.

„Der goldene Schlüssel“ ist ein spannender Auftakt. Die Geschichte hat Ecken und Kanten, lässt bewusst Fragen offen und traut sich, ihre junge Protagonistin Fehler machen zu lassen. Wer Geschichten über Hexen, geheimnisvolle Wälder, ungelöste Familienrätsel und Mut mag, wird hier gut abgeholt. Ich bin sooooo neugierig auf das, was Cassandra als Nächstes erwartet.

Ein herziges Dankeschön an den Verlag und Grüße an die Leserunde auf LovelyBooks!

Auf Nachschub muss man zum Glück nicht lange warten

Band 2 erscheint am 1. März 2026

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Engelbert Humperdinck: “Hänsel und Gretel: Ein Musik-Bilderbuch zum Hören”

Jessica Courtney-Tickle (Autorin/ Illustratorin)
Prestel Verlag
Lesealter: ab 4 Jahre
24 Seiten
Gebundenes Buch: 26,00€

Die geliebte Kinderoper als Musikbilderbuch

Mit der romantischen Oper »Hänsel und Gretel« schuf Engelbert Humperdinck die wohl bekannteste Märchenoper. Bis heute ist sie die meistgespielte Oper und wird besonders häufig in der Adventszeit aufgeführt. Kinder (und Erwachsene) lieben die märchenhafte Oper, die auf dem bekannten Grimmschen Märchen basiert, vor allem wegen ihrer schönen und eingängigen Melodien. Wer erinnert sich nicht an die geliebten Ohrwürmer »Suse, liebe Suse, was raschelt im Stroh?«, »Brüderchen, komm tanz mit mir«, den gefühlvollen »Abendsegen« und das »Knusper, knusper Knäuschen, wer knuspert mir am Häuschen« der bösen Hexe? Mit ihren bezaubernden Illustrationen erzählt Jessica Courtney-Tickle die Geschichte von Hänsel und Gretel sehr liebevoll nach, sodass auch jüngere Kinder sie verstehen können. Auf jeder Seite findet sich dabei ein Notenzeichen, und wer darauf drückt, hört die allerschönsten Melodien zum jeweiligen Bild. Das Buch bietet einen perfekten Einstieg in die Welt der klassischen Musik und ist die perfekte Ergänzung zu den anderen Titeln der beliebten Reihe wie »Der Nussknacker«, »Peter und der Wolf« oder »Schwanensee«.Besonders hochwertig ausgestattet mit Goldfolienprägung auf dem Einband. (Klappentext)

Stimmiges Gesamtpaket aus Kunst, Klang und klassischer Erzählfreude

Die Prestel-Reihe der Musik-Bilderbücher hat sich längst zu einer kleinen Institution entwickelt, wenn es darum geht, Kindern klassische Musik nahezubringen, ohne dass sie dabei das Gefühl haben, in einem Konzertsaal stillsitzen zu müssen. Nun also Engelbert Humperdincks „Hänsel und Gretel“ – und das in einer Version, die zeigt, dass man Oper auch mit vier Jahren schon genießen kann, wenn man die richtige Verpackung wählt.

Das Buch erzählt die bekannte Geschichte um die Geschwister Hänsel und Gretel, die sich im Wald verirren, das Lebkuchenhaus entdecken und der listigen Hexe begegnen – so reduziert und liebevoll, dass auch jüngere Kinder der Handlung problemlos folgen können. Die Sprache bleibt klar und verständlich und Jessica Courtney-Tickles farbenfrohe Illustrationen schaffen es, das Märchen in eine warme, leuchtende Herbststimmung zu tauchen. Es gibt so viel zu entdecken. Von winzigen Waldtieren bis zu kunstvollen Mustern auf dem Hexenhaus. Besonders die goldene Folienprägung auf dem Cover sorgt dafür, dass das Buch schon rein optisch ein echter Hingucker ist.

Der Clou liegt natürlich in der Musik. Auf jeder Doppelseite findet sich eine kleine Note, die Kinder antippen können – und schon erklingt ein Ausschnitt aus Humperdincks Oper. Klassiker wie „Brüderchen, komm tanz mit mir“, der „Abendsegen“ oder das berühmte „Knusper, knusper Knäuschen“ sind hier in (sehr) kurzen Sequenzen eingebunden. Die Soundqualität ist okay für ein Bilderbuchmodul. Nur jüngere Kinder brauchen anfangs etwas Hilfe beim Drücken – die Noten reagieren besser, wenn man mit etwas Nachdruck tippt.

Ich finde das Gesamtpaket in Bezug auf die Zielgruppe wirklich stimmig. Statt langer Erklärtexte oder angestaubter Musikvermittlung entsteht ein ganz natürliches Zusammenspiel aus Bild, Geschichte und Klang. Kinder erleben die Musik nicht als „etwas Schwieriges“, bei dem man lange stillsitzen und zuhören muss, sondern als Teil des Abenteuers. Die Musikstücke werden zwar nur kurz angerissen, aber als erster Kontakt zur Oper ist es für Kinder völlig ausreichend, zumal Bild und Handlung in diesem Buch auch sehr präsent sind.

Einziger kleiner Kritikpunkt meinerseits: Das Buch ist – wie alle Titel der Reihe – kein Pappbilderbuch, sondern besteht aus nicht reißfestem Papier. Bei sehr kleinen, übereifrigen Kinderhänden ist daher Vorsicht geboten.

Aber das sind Kleinigkeiten in einem sonst hervorragend durchdachten Konzept. „Hänsel und Gretel“ ist ein stimmiges Gesamtpaket aus Kunst, Klang und klassischer Erzählfreude. Für uns ist es ein liebevoll gestaltetes Musikbilderbuch, das Oper greifbar macht. Perfekt für kleine Musikentdecker. Und ja – danach hat man wirklich Lust auf Lebkuchen.

Ein liebevolles Dankeschön an den Prestel Verlag, der uns dieses wunderbare Buch zu Rezensionszwecken zugestellt hat!

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Nicole Röndigs: “Die Tortenhexe”

Nicole Röndigs (Autorin)
Katja Gehrmann (Illustratorin)
cbj Verlag
Lesealter: ab 4 Jahre
40 Seiten
Gebundenes Buch: 15,00€

Die Hexe hat mal wieder schlechte Laune! Kein Wunder – sie wohnt in einem Lebkuchenhaus. So ein Haus ist zwar prima, um leckere Kinder anzulocken, aber zum drin Wohnen ziemlich unpraktisch. Dauern picken Vögel an den Dachziegeln, und Eichhörnchen knabbern die Wände an! Doch eines Tages tauchen Greta und Henry im Wald auf und stellen der Hexe die entscheidende Frage: »Wenn du ein Haus aus lauter Lebkuchen hast, wieso isst du dann ausgerechnet Kinder?« Und damit beginnt für die Hexe das süße Leben! (Klappentext)

Lieber Kuchen statt Kinder

Mit „Die Tortenhexe“ präsentieren Nicole Röndigs und Katja Gehrmann ein weiteres Bilderbuch, das klassische Märchenmotive aufgreift und dabei herrlich verdreht. Schon beim Vorgänger „Der Marmeladenwolf“ hat das Duo bewiesen, wie viel Spaß es macht, vermeintlich gruselige Gestalten mit einer Portion Humor und einer Vorliebe für Süßes neu zu erfinden.

Die Idee hinter der Geschichte ist genial einfach: Die Hexe aus dem Lebkuchenhaus ist ständig schlecht gelaunt. Aber nicht etwa, weil sie Hunger auf Kinder hätte, sondern weil ihr Häuschen einfach unpraktisch ist. Vögel knabbern am Dach, Eichhörnchen machen sich an den Wänden zu schaffen und dauernd bröselt etwas weg. Dass da die Stimmung im Keller ist, versteht jedes Kind sofort. Erst als Greta und Henry im Wald auftauchen und die eine Frage stellen, die Generationen von Kindern zuvor sich beim Lesen des Märchens immer gestellt haben: „Wenn du ein Haus aus Lebkuchen hast, warum isst du dann Kinder?“, wendet sich das Blatt und für die Hexe beginnt endlich ein süßes Leben.

Statt moralisch schwer oder belehrend zu wirken, bleibt die Geschichte angenehm leichtfüßig. Sie setzt auf Witz und überraschende Wendungen, sodass man beim Vorlesen immer wieder ins Schmunzeln gerät. Gerade diese Mischung aus frechem Humor und kindlicher Logik macht den besonderen Reiz aus.

Sehr interessant sind auch die Illustrationen von Katja Gehrmann. Ihre Bilder sprühen vor Energie, sind bunt, krell und irgendwie speziell. Die Hexe wirkt trotz ihrer Miesepetrigkeit sympathisch, fast sogar ein bisschen liebenswert. Greta und Henry sind frech und ziemlich pfiffig. Sie trauen sich, der Hexe die entscheidende Frage zu stellen und sie mit süßen Rezepten abzulenken. Statt Angst und Schrecken herrscht am Ende Genuss, Lachen und Freude. Das ist nicht nur für Kinder eine schöne Botschaft.

Wer „Der Marmeladenwolf“ mochte, wird auch mit der „Tortenhexe“ seinen Spaß haben. Beide Bücher sind wunderbar geeignet für fröhliche Vorlesestunden, bei denen man garantiert zusammen lacht und Lust bekommt, nach dem Lesen selbst einen Kuchen zu backen.

Ein humorvolles, liebevoll illustriertes Bilderbuch, das bekannte Märchenfiguren in einem neuen Licht zeigt. Es nimmt Kindern die Angst vor der Hexe im Lebkuchenhaus und macht sie stattdessen zu einer herrlich schrulligen Figur, die man einfach gernhaben muss.

Ein Dankeschön an den Tulipan-Verlag für das zuckersüße Rezensionsexemplar!

Kennst du schon?

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Sandra Grimm: “Luna Libella und der Zauber auf der Feenwiese”

Sandra Grimm (Autorin)
Winona Kieslich (Illustratorin)
Penguin Junior Verlag
Lesealter: ab 4 Jahre
128 Seiten
Gebundenes Buch: 15,00€

Kleine Feen, große Abenteuer!

Pst, hier kommt ein Geheimnis! Alle Jubeljahre wird in einer klaren Vollmondnacht eine ganz besondere Fee geboren: eine klitzekleine, federleichte, funkelfröhliche Insektenfee, mit schillernden Flügeln und einem guten Herzen. Und die Jüngste von allen ist die Libellenfee Luna Libella! Gemeinsam mit ihren Freunden erlebt sie jeden Tag magische Abenteuer: Sie helfen Tieren in der Nachbarschaft, gehen auf Entdeckungstour, feiern zauberhafte Feste und vieles mehr. Aber egal, welches Abenteuer auf die fünf Feenkinder wartet: Zusammen macht es noch mehr Spaß! (Klappentext)

Glitzerbuntes Wiesenabenteuer

Zwischen Pusteblumen, Tautropfen und Feenstaub schwirrt Luna Libella durch die Seiten. Sie ist eine kleine Libellenfee mit großen Ideen und einem Händchen für magisches Durcheinander.

Zusammen mit ihren Freunden lebt sie mitten in einer verwunschenen Wiesenwelt: in Pilzhäuschen, Seerosen oder anderen kleinen Naturverstecken. Die Feen und Wiesenwesen erleben allerlei kleine Abenteuer, die nie größer sind als nötig, aber genau die richtige Portion Zauber, Witz und Wärme mitbringen, um Herzen zu berühren.

Mal ist es ein geheimnisvoller Mondscheinabend, mal sorgt eine Glitzerwolke für Aufregung und manchmal ist es einfach nur ein besonderes Gefühl, das zwischen Freunden entsteht beim Feentanz, beim Basteln oder wenn jemand sich plötzlich ganz klein und mutlos fühlt.

Dass die Geschichten in 3, 5 oder 10 Minuten vorgelesen werden können, macht das Buch zu einem wahren Alltagsliebling. Ob für die letzte kleine Geschichte am Abend, für eine kurze Auszeit am Nachmittag oder als gemütliche Pause im turbulenten Familienleben, die Geschichten können passend zum Moment gewählt werden.

Auch optisch ist das Buch ein kleines Kunstwerk. Die stimmungsvollen und liebevoll gezeichneten Illustrationen von Winona Kieslich tragen viel dazu bei, dass Luna und ihre Welt beim Vorlesen sofort lebendig werden. Überall glitzert, flattert und wuselt es, wie ein kleines Wimmelparadies voller Details, in das man sich gerne vertieft.

Sehr gelungen ist die Figurenvielfalt. Schlecki Schneck flitzt in seinem angebrochenen Schneckenhaus mit Flügelantrieb durch die Gegend und backt die besten Kuchen, Mini Marini ist winzig, aber mutig wie ein Riese, Gigi Grasimir fürchtet sich vor fast allem und wächst oft über sich hinaus, und Holla Hummelchen braucht zwar eine große Brille auf der Nase, sieht damit aber auch ohne oft mehr als alle anderen zusammen.

Und wenn Lunas Feenstaub mal wieder verrückt spielt? Keine Sorge. Schlecki hat meistens ein Stück Torte zur Hand und irgendwer hat immer eine Idee, wie aus dem Durcheinander wieder etwas Gutes wird.

Ein wunderbares Vorlesebuch für Kinder ab 4 Jahren. Es ist liebevoll und fantasievoll. Genau richtig für alle, die sich gern verzaubern lassen mit Geschichten, die kurz genug für müde Augen und bunt genug für lebhafte Köpfe sind.

Ein glitzerbuntes Dankeschön an den Penguin Junior Verlag, der uns dieses Buch zur Rezension zur Verfügung gestellt hat.

Alle Bände der Minuten-Vorlesegeschichten-Reihe

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Tini Malina: “Mut und Marmelade”

Tini Malina (Autorin/ Illustratorin)
Tulipan Verlag
Lesealter: ab 3 Jahre
48 Seiten
Gebundenes Buch: 16,00€

Eine Geschichte über den Mut, der im Verborgenen in uns schlummert

Püssen wäre so gerne mutig! Denn obwohl er ein Hexenkater ist, hat er schreckliche Angst im Dunkeln. Und vor Spinnen. Und schwindelfrei ist er auch nicht. Also bittet er die Hexe Tilda ihm mit einem Zaubertrunk zu helfen. Als Tilda ihn beauftragt tote Fliegen und Hagebutten zu besorgen, ist sich Püssen sicher: Die sind für seinen Mutigtrunk. Er zögert keine Sekunde und macht sich auf in den Wald. Er kann es kaum erwarten, endlich mutig zu werden! Und selbst als es zu dämmern beginnt, lässt er von seiner Suche nicht ab. Wenn das mal nicht mutig ist. (Klappentext)

Kleiner Kater ganz groß

Mut ist eine seltsame Sache. Manchmal versteckt er sich genau dort, wo wir ihn am wenigsten vermuten: nämlich tief in uns selbst. Dieses Bilderbuch ab 4 Jahren erzählt von einem kleinen Hexenkater namens Püssen, der sich fürchterlich vor der Dunkelheit fürchtet, sich vor Spinnen gruselt und dem schon beim Gedanken an große Höhen schwindelig wird. Dabei wäre er doch so gerne mutig!

Püssen ist sich sicher, dass Hexe Tilda ihm helfen kann. Die elf toten Fliegen und der Sack voll Hagebutten, die Püssen besorgen muss, sind zwar nicht unbedingt die leckersten Zutaten für seinen Zaubertrank, aber was tut man nicht alles, um endlich mutig zu werden. Als der kleine Kater im Wald vor einem riesigen Spinnennetz mit Fliegen steht und plötzlich bemerkt, wie tief die Sonne bereits am Horizont steht, wird ihm klar, dass hier genau die Dinge lauern, vor denen er sich fürchtet. Aber er will seinen Mutigtrunk um jeden Preis. Und so springt er schließlich in die Tiefe und sammelt mutig weiter Hagebutten, bis die Nacht hereinbricht. Er rennt um sein Leben, als ihn zwei leuchtende Augen verfolgen – nur um dann festzustellen, dass es zwei harmlose Glühwürmchen sind. Am Ende stellt sich heraus: Hexe Tilde brauchte die Zutaten gar nicht für Püssens Mutigtrunk. Und mittlerweile braucht auch Püssen den Mutigtrunk nicht mehr. Denn wahrer Mut zeigt sich nicht durch Zauberei, sondern in den Entscheidungen, die wir treffen, auch wenn wir Angst haben.

Was an diesem Bilderbuch besonders begeistert, ist die Art, wie es mit dem Thema Mut umgeht. Es geht nicht um Draufgängertum oder darum, Angst einfach zu überwinden. Vielmehr zeigt die Geschichte, dass Mut oft in kleinen Schritten entsteht. Dass er sich nicht laut ankündigt, sondern sich erst im Rückblick zeigt. Gerade für Kinder, die selbst manchmal vor Herausforderungen stehen, ist diese Botschaft wertvoll. Mut ist kein angeborenes Talent, sondern ein Prozess.

Die Illustrationen unterstreichen diese Geschichte auf interessante Weise. Mit einfachen geometrischen Formen und kindlichen Kritzeleien wirken sie fast so, als hätte ein Kind sie selbst gezeichnet. Die starken Kontraste zwischen warmen Gelb- und Erdtönen und tiefem Schwarz fangen die Atmosphäre des Waldes und Püssens innere Spannung wunderbar ein. Mein fünfjähriges Kind hat die Bilder mit großer Begeisterung betrachtet und immer wieder neue Details entdeckt.

Wenn überhaupt, hätte das Ende noch etwas mehr Raum bekommen können. Der Moment, in dem Püssen realisiert, dass er den Trunk gar nicht braucht, ist zwar stark, allerdings hätte ich mir gewünscht, noch etwas mehr vom mutig werdenden Hexenkater erleben zu dürfen.

Mut und Marmelade ist eine warmherzige, kluge Geschichte über Selbstvertrauen, über den Mut, der oft leise beginnt, und über die kleinen großen Abenteuer, die uns wachsen lassen. Eine klare Empfehlung für Kinder ab vier Jahren und für alle, die sich manchmal noch einen Mutigtrunk wünschen. Ein sehr gelungenes Buch.

Ein liebevolles Dankeschön an den Tulipan Verlag für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar!

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Sven Gerhardt: “Zara Zylinder – Die sagenhafte Reise durch das Jemandsland” (Die Minna-Melone-Reihe, Band 2)

Sven Gerhardt (Autor)
Mareike Ammersken (Illustratorin)
cbj Verlag
Lesealter: ab 6 Jahre
128 Seiten
Gebundenes Buch: 15,00€

»Ich muss gehen. Der Mond weist mir den Weg.«

Als Minna Melone eines Tages in den Wahrlichwald zurückkehrt, ist dort nichts mehr, wie es war: Die Bühne am Waldrand ist verwildert und Zara Zylinder, das kleine Eichhörnchen, hat die Siedlung verlassen. Sie ist Hals über Kopf in den dunklen Wald marschiert, aus dem bisher nie jemand zurückgekehrt war.

Doch Minna macht den Tieren der Siedlung Hoffnung. Sie glaubt, dass Zara losgegangen ist, um eigene Abenteuer zu erleben. Und tatsächlich: Zara hatte schon lange den Wunsch verspürt, die große Welt kennenzulernen, von der sie auf der Bühne erzählte. Mutig ist sie dem Mond und ihrem Herzen gefolgt und wird reich belohnt – mit neuen Freunden und sagenhaften Erlebnissen! Als sie sich am Ziel ihrer Reise glaubt, steht Zara plötzlich vor einer Entscheidung, die nur sie allein treffen kann. (Klappentext)

Über das Glück, das in uns wohnt

“Zara Zylinder – Die sagenhafte Reise durch das Jemandsland” ist der 2. Band der poetischen Vorlesereihe von Sven Gerhardt. Obwohl das Buch eine abgeschlossene Geschichte erzählt, empfiehlt es sich, mit dem 1. Band “Minna Melone – Wundersame Geschichten aus dem Wahrlichwald” zu beginnen. Die beiden Bücher sind wie zwei Hälften eines Ganzen, die man zusammen auf sich einwirken lassen sollte.

In diesem Teil kehrt Minna Melone in den Wahrlichwald zurück und entdeckt, dass die Bühne am Waldrand verwildert ist und Zara die Siedlung verlassen hat. Während die Bewohner des Wahrlichwaldes groß in Sorge sind, glaubt Minna, dass Zara eigene Abenteuer erleben will. Tatsächlich hegte Zara schon lange den Wunsch, die große Welt kennenzulernen, von der sie auf der Bühne erzählt hat. Mutig folgt sie dem Mond und ihrem Herzen und wird reich belohnt – mit vielen neuen Freunden und sagenhaften Erlebnissen! Als sie sich am Ziel ihrer Reise glaubt, steht Zara plötzlich vor einer Entscheidung, die nur sie allein treffen kann.

Im Gegensatz zum ersten Band, in dem Minna allabendlich ihre Abenteuer auf einer Bühne präsentiert, begleiten wir diesmal Zara auf ihrer Reise durch das Jemandsland. Der Erzählstil ist dabei ebenso fantasievoll und poetisch wie im ersten Band und zieht einen völlig in seinen Bann. Auf ihrer Reise erlebt Zara ihre ganz eigenen Abenteuer, die sich aber durchaus mit Minnas Erzählungen messen können.

Ein weiteres Highlight sind die wunderschönen Illustrationen von Mareike Ammersken. Sie sind einfach traumhaft und entführen einen in ein Reich farbensprühender Fantasie. Sie verleihen der Geschichte zusätzlich Tiefe, machen das Buch zu einem optischen Erlebnis und lassen die Welt von Zara noch lebendiger erscheinen.

Insgesamt ist “Zara Zylinder” ein zauberhaftes Vorleseerlebnis, das die ganze Familie begeistert. Geübte Lesemäuse können sich sogar schon selbst ans Lesen wagen, aber tatsächlich finde ich diese Reihe sehr schön für das gemeinsame Kuscheln und Vorlesen. Die Geschichte von Zara und ihrer abenteuerlichen Reise regt die Vorstellungskraft von Kindern und Erwachsenen gleichermaßen an und lädt zum gemeinsamen Wegträumen ein. Natürlich nicht zuletzt unterstützt durch die herrlichen Illustrationen.

Liebsten Dank an den cbj Verlag für das wunderbare Rezensionsexemplar!

Verpasst nicht den 1. Band:

Hier geht’s zu meiner Rezension von “Minna Melone”
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Kinderbücher Kinderbücher ab 5 Jahre Klassiker Literaturklassiker für Kinder Märchen Rezensionen Vorlesebücher

“In einem Land vor langer Zeit: Die schönsten Märchen und Geschichten der Weltliteratur”

Kate Davies (Autorin)
Lucille Clerc (Illustratorin)
Prestel Verlag
Lesealter: ab 5 Jahre
112 Seiten
Gebundenes Buch: 26,00€

Willkommen in den verwunschenen Welten der schönsten Märchen und Klassiker!

Tauche mit der kleinen Meerjungfrau durch das Königreich ihres Vaters, folge Hänsel und Gretel durch den tiefen, dunklen Pinienwald und suche mit Jim Hawkins nach dem Schatz auf der Insel.

Ein prachtvoll ausgestattetes Märchen- und Hausbuch mit phantasieanregenden, detailreich gezeichneten Märchenlandschaften für die ganze Familie! (Klappentext)

Ein Schmuckstück unter den Märchenbüchern

Im Prestel Verlag ist diese Prachtausgabe gesammelter Märchen und Kinderbuchklassiker erschienen, verkürzt nacherzählt von Kate Davies und mit Bildern der französischen Illustratorin Lucille Clerc versehen. Allein die Goldprägungen auf dem Cover lassen einen das Buch ehrfürchtig in Händen halten. Wie in einem Wimmelbild tummeln sich bereits hier alle Märchenfiguren, die im Buch Erwähnung finden, und bereiten einem große Freude, noch bevor man das Buch überhaupt aufgeschlagen hat. Insgesamt beinhaltet diese Ausgabe 12 bekannte Märchen und Literaturklassiker für Kinder:

  • Die kleine Meerjungfrau
  • Hänsel und Gretel
  • Die Schöne und das Biest
  • Aschenputtel
  • Das Dschungelbuch
  • Der Nussknacker
  • Die Schatzinsel
  • Der Zauberer von Oz
  • Die Schneekönigin
  • Robin Hood
  • Schneewittchen
  • Alice im Wunderland

Jedes Märchen beginnt einführend mit einer doppelseitigen Illustration und einem knappen Textschnipsel. Die Geschichten selbst wurden auf 2 bis 3 Doppelseiten eingekürzt. Das ist für so umfangreiche Romane wie “Das Dschungelbuch” oder “Die Schatzinsel” eine wirklich bemerkenswerte Leistung und hat beim Vorlesen für kleine Kinder einen großen Vorteil.

Bei manchen Geschichten verwunderte mich die Handlung, die von den mir bekannten Fassungen abweichen. Gerade von der kleinen Meerjungfrau habe ich in der Form noch nicht gelesen, finde das Ende aber sehr viel schöner als bei Hans Christian Andersen und weniger kitschig als bei Disney. Auch bei “Die Schöne und das Biest” solltet ihr nicht die Disney-Variante erwarten. Formulierungen wie Bubblegum-Ballsaal aus “Der Nussknacker” sind wohl ebenfalls Geschmackssache.

An manchen Stellen wirken die Einkürzungen arg holprig und erschweren das Verständnis des Handlungsverlaufs. Dann geht es Hals über Kopf durch die Handlung und binnen eines Absatzes gibt es mehrere Wendungen. Es ist allerdings auch eine enorme Herausforderung, solch umfassende Romane zusammenzufassen, ohne die wichtigsten Wendepunkte zu unterschlagen. Und auch als Vorlesegeschichte für Kinder ist es großartig, wenn die Handlung knackig und kompakt voranschreitet. Von daher meine ich meine Kritik gar nicht so negativ.

Die Illustrationen sind regelrechte Kunstwerke, bei denen man aus dem Staunen nicht mehr herauskommt. Panoramaartige Märchenlandschaften mit Wimmelbildcharakter. Unglaublich detailliert, künstlerisch, märchenhaft. Sie sind von beeindruckender Machart, verzaubern den Betrachter und ziehen einen in die phantastischsten Reiche, die ihr euch vorstellen könnt.

Wir sind gänzlich hin und weg von dieser Prachtausgabe, die jede heimische Bibliothek bereichert.

Unser Dank geht an den Prestel Verlag für dieses märchenhafte Rezensionsexemplar!