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Jasmin Schaudinn: “Simsalapokus, Rina! – Die wilde Buchstaben-Hexerei”

Jasmin Schaudinn (Autorin)
Alina Spiekermann (Illustratorin)
Penguin Junior Verlag
Lesealter: ab 5 Jahren
32 Seiten
Gebundenes Buch: 15,00 €

Hexe Rina möchte so gern einmal aufs Hexenfest. Doch das geht nur mit dem geheimnisvollen Zauberwort! Also schwingt sie sich mit ihrem besten Freund, Fledermaus Rudi, auf den Besen und fliegt los, um das Rätsel des Zauberwortes zu lösen. Unterwegs lernen sie die ersten Buchstaben – und am Ende feiern Rina und Rudi mit den großen Hexen ein rauschendes Fest. (Klappentext)

Zauberhafte Buchstaben-Magie zum Mitmachen und Staunen

Hexe Rina wünscht sich nichts sehnlicher, als endlich am großen Hexenfest teilzunehmen und mit den anderen Waldhexen durch die Lüfte zu sausen. Doch der Zutritt zu diesem besonderen Ereignis ist gar nicht so einfach. Um mitfeiern zu dürfen, muss Rina ein geheimnisvolles Zauberwort knacken. Gemeinsam mit ihrem treuen Begleiter, der niedlichen Fledermaus Rudi, schwingt sie sich kurzerhand auf ihren Besen und macht sich im Knisterwald auf die Suche nach den Hinweisen. Unterwegs begegnen die beiden verschiedenen Fabelwesen, die ihnen Rätselaufgaben stellen.

Jasmin Schaudinn verwebt hier eine richtig süße Vorlesegeschichte mit ersten spielerischen Berührungspunkten zur Welt der Buchstaben. Allerdings nimmt das Buch nicht das komplette Alphabet durch, sondern konzentriert sich ganz gezielt auf vier ausgewählte Buchstaben: R, L, S und M. Diese ziehen sich als roter Faden durch Rinas kleines Abenteuer und sind direkt in die Handlung eingebunden.

Optisch ist das Kinderbuch von Alina Spiekermann schlichtweg fantastisch in Szene gesetzt. Die Farben strahlen förmlich von den Seiten und schaffen von der ersten Seite an eine wunderschöne, magische Kulisse. Überall auf den großformatigen Bildern entdecken kleine und große Betrachter liebevolle Details, wie schimmernde Edelsteine, funkelnden Magiestaub, leuchtende Fliegenpilze und verwunschene Waldpflanzen, die die Fantasie sofort anregen.

Richtig cool gelungen ist der interaktive Charakter des Buches. Auf den bunten Doppelseiten finden sich immer wieder Zettel mit der Aufschrift „Für dich:“. Hier wird das mitlesende Kind direkt angesprochen und zum aktiven Mitmachen eingeladen. Die Aufgaben sind wunderbar kreativ und abwechslungsreich. Mal geht es darum, Laute wie das wilde Schnurren beim Buchstaben R nachzuahmen, mal werden die Kleinen angeregt, Buchstaben selbst mit den Händen zu legen, zum Beispiel aus Stöckchen, Löffeln, Salzstangen oder Bausteinen und mal gibt es etwas kniffligere Worträtsel.

Durch dieses gelungene Zusammenspiel aus aktivem Mitmachen und einer magischen Geschichte prägen sich die ersten Laute fast wie von selbst ein. Ein rundum gelungenes, farbenfrohes Bilderbuch für Kinder ab 5 Jahren, das ganz ohne schulischen Druck und mit viel Magie die Neugier auf das spätere Lesenlernen weckt. Ganz toll für die Vorschule.

Ein magisches Dankeschön an den Verlag für dieses wunderbare Rezensionsexemplar!

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Naomi Tipping: “Bring alle Katzen ins Bett”

Naomi Tipping (Autorin/ Illustratorin)
Oetinger Verlag
Lesealter: ab 2 Jahren
12 Seiten

Wenn kleine Kätzchen schlafen gehen

Miau, wer ist denn da schon müde? In diesem interaktiven Pappbilderbuch warten 5 große, stabile Papp-Spielfiguren darauf, ins Bett gebracht zu werden. Welche Mieze gehört in welches Bett? Und was machen die Samtpfoten, um einzuschlummern? Noch schnell ins Bad, oder die Spielzeuge aufräumen? (Klappentext)

Wenn kleine Katzen schlafen gehen

Das abendliche Zubettgehen ist in vielen Familien ein ganz besonderer, manchmal aber auch unruhiger Moment. Ein Buch, das diesen Übergang spielerisch begleitet und die Kinder aktiv einbindet, kommt da oft wie gerufen. Mit Bring alle Katzen ins Bett! hat Naomi Tipping ein interaktives Pappbilderbuch geschaffen, das die klassische Gute-Nacht-Geschichte mit einem Spielkonzept verbindet.

Im Buch warten fünf Kätzchen darauf, nach ihren jeweiligen Abendritualen schlafen gelegt zu werden. Das Besondere daran sind die fünf robusten Pappfiguren. Auf der Vorderseite sind die kleinen Samtpfoten noch hellwach, dreht man sie jedoch um, tragen sie bereits ihren Pyjama und haben die Augen geschlossen. Die Aufgabe der Kinder ist es nun, das jeweilige Kätzchen in das passende Bettchen im Buch zu schieben, das wie eine kleine Tasche gestaltet ist.

Dieses scheinbar einfache Steckspiel ist für Zweijährige eine hervorragende Übung für die Entwicklung. Das gezielte Greifen der Figuren, das Wenden und das feinfühlige Einführen in die Schlitze erfordern Konzentration und trainieren die Hand-Auge-Koordination sowie die Feinmotorik auf ganz spielerische Weise. Gleichzeitig regt das Buch das logische Kombinieren an. Auf den Seiten verstecken sich kleine visuelle Hinweise, welche Katze in welches Bett gehört, wie etwa ein passendes Muster auf der Bettdecke.

Die kurzen Reime begleiten die typischen Schritte vor dem Einschlafen wie das Waschen, Essen oder das Vorlesen. Kinder erkennen ihre eigenen Abläufe wieder und können durch das aktive Schlafenlegen der Figuren selbst einmal die Großen sein, die jemanden ins Bett bringen. Es ist ein süßes Mitmachbuch, das Spielspaß und Einschlafbegleitung harmonisch vereint und eine wunderbare Bereicherung für das abendliche Ritual darstellt.

Auch erhältlich:

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Andreas König: “Hase Hibiskus und die Herbstsause”

Andreas König (Autor)
Günther Jakobs (Illustrator)
Ravensburger Verlag
Lesealter: ab 3 Jahren
32 Seiten
Gebundenes Buch: 14,99€

Der Herbst ist da!

Hase Hibiskus und seine Freunde freuen sich auf die große Herbstsause. Denn da gibt es einen Laternenumzug, ein Lagerfeuer und das beste Essen! Doch bis zum Fest gibt es noch viele kleine Abenteuer zu bestehen. Ob verlorene Mausharmonika, ein umgestürzter Baum oder ein Freund in Not: Gemeinsam meistern sie jede Herausforderung mit Herz, Humor und Musik. (Klappentext)

Hase Hibiskus feiert den Herbst

Wenn die Tage kürzer werden, die Blätter sich bunt färben und wir es uns drinnen gemütlich machen, schlägt die große Stunde der Herbstbücher! Mit Hase Hibiskus und die Herbstsause ist dem Erfolgsduo ein absolut herzerwärmendes Bilderbuch gelungen, das ab der ersten Seite pure Vorfreude auf Drachensteigen, gebackene Waffeln und gemütliche Nachmittage weckt.

Im Mittelpunkt steht die Dorfgemeinschaft von Waldhausen, die sich mitten in den Vorbereitungen für die große Herbstsause befindet. Es soll das Fest der Feste werden, inklusive Laternenumzug, gemütlichem Lagerfeuer, Basteln und leckeren Köstlichkeiten. Hase Hibiskus, Tom Bär und Maxi Maus haben sich für diesen Tag einiges vorgenommen und wollen fleißig anpacken. Doch ihre Vorbereitungen kommen ständig ins Stocken. Immer wieder kommt den dreien etwas dazwischen. Ein umgestürzter Baum versperrt den Weg und überall wird eine helfende Pfote gebraucht. Ohne lange zu zögern, lassen die drei Freunde ihre eigenen Aufgaben links liegen, um den anderen Waldbewohnern unter die Arme zu greifen. Die Freunde helfen einfach, weil es sich in dem Moment richtig anfühlt. Dass sie darüber ihre eigenen Aufgaben völlig vergessen, macht sie unglaublich sympathisch.

Diese Hilfsbereitschaft zieht sich als roter Faden durch das ganze Buch, wird aber auf eine sehr unbeschwerte Weise erzählt. Die Tiere helfen sich einfach gegenseitig, weil sie Freunde und Nachbarn sind. Dass sie dabei ihre eigene To-do-Liste komplett vergessen und die Zeit bis zur großen Party immer knapper wird, sorgt für eine kindgerechte Spannung. Kinder können gut mitfiebern, ob die Freunde es am Ende trotz all der Unterbrechungen noch rechtzeitig zur Herbstsause schaffen. Am Ende zeigt sich auf sehr süße Art und Weise, dass sich die Vorbereitungen durch die vielen kleinen Umwege und das gemeinsame Anpacken eigentlich schon selbst erfüllt haben.

Die Geschichte lässt sich wunderbar flüssig vorlesen. Andreas König nutzt kurze, einprägsame Sätze, die für Kinder ab drei Jahren leicht zu verstehen sind. Der Humor entsteht vor allem durch die lebendigen Dialoge und die lustigen Situationen, in die die Tiere geraten. So macht das Vorlesen auch uns Erwachsenen Spaß.

Die warmen Zeichnungen von Günther Jakobs passen perfekt zu dieser gemütlichen Stimmung. Seine herbstlichen Landschaften leuchten in warmen Tönen, und die Tiere sind mit ihren Mützen und Schals liebevoll auf die Jahreszeit eingestimmt.

Am Ende des Buches möchte man am liebsten selbst eine Herbstsause feiern und freut sich auf Kastaniensammeln, Laternenbasteln und Waffelnbacken. Es ist eine rundum gemütliche Geschichte, die zeigt, wie schön der Herbst sein kann.

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Karsten Teich: “Es fährt ein Bus durchs ABC”

Karsten Teich (Autor/ Illustrator)
Tulipan Verlag
Lesealter: ab 4 Jahren
48 Seiten
Gebundenes Buch: 16,00€

Eine bunte Truppe voll fantastischer Figuren fährt gemeinsam durchs Buchstabenland: Ein Bär mit Bus-Billett und ein Barsch mit Bügelbrett, eine Elefantengruppe mit ‘nem Eimer Erbsensuppe, eine schicke Cowboy-Clique, dünne Dackel und auch dicke…
Wo die Reise wohl hingeht?

(Klappentext)

Eine ziemlich schräge Reise durchs Alphabet

Ein Busfahrer fährt quer durchs Buchstabenland und sammelt unterwegs die unterschiedlichsten Fahrgäste ein. Den Anfang macht ein Alligator mit Antenne, später steigen unter anderem ein Bär mit Bus-Billett, ein Barsch mit Bügelbrett, eine Cowboy-Clique, Dackel und eine ganze Elefantengruppe mit Erbsensuppe zu. Gemeinsam geht es über abenteuerliche Straßen, durch Tunnel und vorbei an allerlei Hindernissen bis zu einem ganz besonderen Ziel.

ABC-Bücher gehören zu den Klassikern im Bilderbuchregal. Viele setzen dabei auf möglichst klare Zuordnungen und vertraute Begriffe, damit Kinder die Buchstaben nach und nach kennenlernen können. Es fährt ein Bus durchs ABC schlägt dagegen einen deutlich verspielteren Weg ein.

Die gereimten Texte haben mir beim Vorlesen gut gefallen. Sie lesen sich flüssig und haben einen angenehmen Rhythmus, auch wenn der bereimte Inhalt ziemlich absurd ist. Besonders auffällig sind die Illustrationen von Karsten Teich. Auf den Doppelseiten gibt es unglaublich viel zu entdecken. Neben den Figuren und Gegenständen aus dem Text verstecken sich zahlreiche weitere Dinge, die ebenfalls mit dem jeweiligen Buchstaben beginnen. Dadurch laden die Bilder zum gemeinsamen Suchen und Entdecken ein. Gleichzeitig entstehen aber keine stimmigen Alltagsszenen, sondern eher wimmelige, teilweise ziemlich absurde Bildwelten.

Genau das dürfte auch darüber entscheiden, ob dieses Buch begeistert oder eher weniger anspricht. Die fantasievollen Einfälle und die vielen kleinen Details machen großen Spaß. Manche Illustrationen empfand ich allerdings auch als etwas zu schräg. Einige Figuren und Szenen haben auf mich auch eine echt gruselige Wirkung gehabt.

Auch die Wortauswahl ist stellenweise anspruchsvoll. Begriffe wie Auerhahn, Bus-Billett, Chicorée oder Sympathie erweitern zwar ganz nebenbei den Wortschatz, gehören aber vermutlich nicht zu den ersten Wörtern, die Vorschulkinder mit dem jeweiligen Buchstaben verbinden würden.

Insgesamt ist dies ein originelles Bilderbuch, das sich deutlich von vielen anderen ABC-Büchern abhebt. Die Reime, die detailreichen Illustrationen und die ungewöhnlichen Ideen bleiben im Gedächtnis. Gleichzeitig ist es sicherlich kein Buch für jedes Kind und nicht unbedingt die erste Wahl, wenn Buchstaben möglichst strukturiert eingeführt werden sollen. Wer jedoch Lust auf eine fantasievolle, leicht schräge und sprachverliebte Busfahrt hat, findet hier eine ungewöhnliche Reise durchs Alphabet.

Ein liebes Dankeschön an den Tulipan Verlag für das Rezensionsexemplar!

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Alexander Steffensmeier: “Lieselotte lauert” (Das erste Lieselotte-Abenteuer in der Jubiläumsausgabe)

Alexander Steffensmeier (Autor/ Illustrator)
Fischer Sauerländer Verlag
Lesealter: ab 4 Jahren
32 Seiten
20,00€

Jeden Morgen schaut Lieselotte schon beim Melken ungeduldig auf den Hof hinaus. Es gibt nämlich etwas, das sie mehr liebt als alles andere…

Eine spannende Geschichte über eine pirschende Kuh, einen gejagten Briefträger und eine Bäuerin, die endlich unversehrte Pakete bekommen möchte.

20 Jahre Lieselotte! Diese einzigartige Sonderausgabe hat einen Schutzumschlag, der sich in ein tolles Kinderzimmerposter verwandelt. Und noch ein besonderes Extra: Mit einem Hörbuch zum Runterladen.
(Klappentext)

Postkuh Lieselotte

Manche Kinderbuchfiguren begleiten Familien über Jahre hinweg. Nicht, weil sie übermäßig pädagogisch belehrend sind oder ständig wichtige Botschaften verkünden, sondern weil sie einfach eine unterhaltsame Geschichte erzählen. Lieselotte gehört für mich eindeutig in diese Kategorie. Seit inzwischen zwei Jahrzehnten sorgt die Kuh für gute Laune beim Vorlesen.

In Lieselotte lauert hat sie es ausgerechnet auf den Postboten abgesehen. Sie liebt es, ihm aufzulauern und ihn zu erschrecken. Immer wieder. Und erstaunlich einfallsreich. Während Lieselotte ihren Spaß hat, entwickelt der arme Mann bereits Albträume und auch die Bäuerin verliert langsam die Geduld, weil regelmäßig Pakete zu Bruch gehen.

Die Geschichte braucht dafür keine komplizierte Handlung. Die Idee ist simpel, aber daraus zieht das Buch seinen Humor. Lieselotte versteckt sich, wartet auf den richtigen Moment und bringt den Postboten zuverlässig aus der Fassung. Das ist herrlich albern, kindgerecht und die Sorte Humor, die auch nach mehrmaligem Vorlesen und über Generationen hinweg nicht langweilig wird.

Besonders entgegen kommt mir dieses Buch beim abendlichen Vorlesen. Ich habe nicht immer Lust, kurz vor dem Schlafengehen nach einem anstrengenden Tag noch gefühlt zwanzig Seiten Fließtext mit fünf verschiedenen Stimmen vorzulesen. Wenn die Kinder sich für Lieselotte lauert entscheiden, bin ich immer sehr dankbar. Der Text ist angenehm kurz gehalten, die Handlung klar verständlich und trotzdem hat man nicht das Gefühl, nur schnell das abendliche Vorlesen abgearbeitet zu haben.

Überhaupt tragen die Illustrationen einen riesigen Teil der Geschichte. Die Bilder sind groß, lebendig und voller kleiner Details. Auf vielen Seiten gibt es genug zu entdecken, sodass man beim zweiten, dritten, vierten Lesen noch Kleinigkeiten bemerkt, die vorher untergegangen sind. Für Kinder, die gern länger Bilder anschauen oder noch nicht so lange zuhören möchten, ist das ideal. Der kurze Text lässt viel Raum für eigene Beobachtungen, Fragen und kleine Suchspiele auf den Seiten.

Ganz unkritisch bin ich allerdings nicht. Der Übergang gegen Ende – von Lieselotte zerstört versehentlich das Fahrrad des Postboten zu Lieselotte trägt jetzt selbst Post aus – kommt tatsächlich ziemlich abrupt. Man versteht zwar grundsätzlich, worauf die Geschichte hinausmöchte, aber hier hätte ich mir eine zusätzliche Szene oder einen etwas weicheren Übergang gewünscht. Es wirkt ein wenig so, als würde eine Seite fehlen.

Gleichzeitig finde ich aber auch, dass man dieses Buch nicht unnötig überinterpretieren muss. Lieselotte lauert möchte keine tiefgründige Abhandlung über Konsequenzen, Schuld und Wiedergutmachung sein. Es ist in erster Linie ein Bilderbuch über eine freche Kuh, einen zunehmend verzweifelten Postboten und jede Menge Situationskomik. Meine Kinder und ich haben daran großen Spaß.

Die Jubiläumsausgabe gefällt uns ebenfalls. Der Schutzumschlag lässt sich zu einem Poster ausklappen und das zusätzliche Hörbuch zum Download ist eine schöne Ergänzung. Für uns bleibt Lieselotte lauert ein fröhliches, unkompliziertes Bilderbuch, das besonders durch seine Bilder, seinen Humor und seine angenehme Vorleselänge begeistert. Nicht der textreichste Lieselotte-Band, aber einer, zu dem wir vermutlich genau deshalb immer wieder greifen.

Ein ganz herziges Dankeschön an den Fischer Sauerländer Verlag, der uns diese Jubiläumsausgabe zur Verfügung gestellt hat! Und natürlich: Happy Birthday, Lieselotte! Auf die nächsten 20 Jahre!



Hier die klassischen großformatigen Bilderbücher in chronologischer Reihenfolge:

Lieselotte lauert (2006)

Lieselotte im Schnee (2007)

Lieselotte sucht einen Schatz (2009)

Lieselotte bleibt wach (2010)

Lieselotte macht Urlaub (2011)

Lieselotte versteckt sich (2012)

Lieselotte ist krank (2013)

Lieselotte sucht (2014)

Ein Geburtstagsfest für Lieselotte (2016)

Lieselotte will nicht baden (2017)

Lieselotte hat Langeweile (2018)

Lieselotte macht nicht mit (2019)

Lieselotte im Regen (2020)

Lieselotte macht Ferien (2021)

Zusätzlich gibt es noch:

  • viele Mini-Ausgaben
  • Pappbilderbücher
  • Erstleser
  • Wimmelbücher
  • Adventskalenderbücher
  • Sondereditionen
  • Mitmachbücher
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Ross Montgomery: “Flauschi und Schnuff büxen aus”

Ross Montgomery (Autor)
Sarah Warburton (Illustratorin)
Thienemann Verlag
Lesealter: ab 4 Jahren
40 Seiten
15,00€

Flauschi träumt von Palmen, Papageien und den wilden Meerschweinchen von Peru. Schnuff dagegen liebt seinen gemütlichen Stall. Doch als Flauschi plötzlich verschwindet, muss Schnuff all seinen Mut zusammennehmen, um seine Freundin wiederzufinden. So beginnt eine kunterbunte Reise voller Überraschungen – und voller neuer, wuscheliger Freunde. (Klappentext)

Meerschweinchen auf Abwegen

Flauschi und Schnuff leben eigentlich ein ziemlich behagliches Meerschweinchenleben. Schnuff ist damit auch vollkommen zufrieden. Ein sicherer Stall, genug Futter und Flauschi an seiner Seite. Mehr braucht er nicht zum Glücklichsein. Flauschi sieht das anders. Sie träumt von Peru, von wilden Meerschweinchen, Dschungel, Palmen und einem Leben, das ein bisschen größer ist als der eigene Stall. Als sich die Gelegenheit ergibt, schmuggelt sie sich kurzerhand in den Urlaubskoffer. Schnuff bleibt erst einmal zurück, merkt aber schnell, dass ein gemütlicher Stall nicht mehr ganz so gemütlich ist, wenn Flauschi fehlt.

Flauschi ist eindeutig die Mutigere von beiden. Oder zumindest diejenige, die erst handelt und dann vermutlich darüber nachdenkt, ob Meerschweinchen überhaupt für Fernreisen gemacht sind. Schnuff dagegen ist genügsam und zufrieden mit dem, was er hat. Diese gegensätzlichen Charaktere sind unglaublich sympathisch und süß gezeichnet. Eine will unbedingt hinaus in die Welt, der andere hätte gegen einen ganz normalen Tag im Stall wirklich nichts einzuwenden.

Erzählt wird die Geschichte in Reimen. Bei gereimten Bilderbüchern bin ich immer etwas vorsichtig, weil es schnell holpern kann oder Sätze nur gebaut werden, damit am Ende irgendwie ein passendes Wort steht. Hier liest sich der Text aber angenehm rund. Die Reime haben Tempo, klingen beim Vorlesen lebendig und bleiben trotzdem verständlich. Man stolpert nicht über verdrehte Formulierungen, sondern kommt gut durch die Geschichte. Für Kinder ab vier Jahren passt das auf jeden Fall, wobei ich mir vorstellen kann, dass auch etwas jüngere Kinder schon Freude daran haben, wenn sie gern vorgelesen bekommen.

Die Handlung selbst ist eher einfach gehalten. Flauschi bricht auf, Schnuff folgt ihr, unterwegs gibt es verschiedene Begegnungen und am Ende fügt sich alles fein zusammen. Große Gefahr oder echte Aufregung sollte man nicht erwarten. Schnuffs Weg vom vorsichtigen Stallbewohner zum mutigen kleinen Reisenden hätte für meinen Geschmack ruhig noch etwas mehr Platz bekommen dürfen. Gerade da hätte ich gern noch ein, zwei Stationen mehr gehabt, bei denen man merkt, wie sehr er über seinen eigenen Schatten springen muss.

Dafür sind die Illustrationen ein echtes Vergnügen. Auf den Seiten ist wahnsinnig viel los, ohne dass man sofort den Überblick verliert. Überall sitzen, rennen oder schauen Meerschweinchen. Manche sehen aus wie ganz normale Meerschweinchen, andere eher wie entfernte Verwandte aus einer sehr kreativen Familienchronik. Die Bilder erzählen oft noch mehr als der Text. Besonders die vielen kleinen Meerschweinchen-Varianten machen Spaß. Da entdeckt man schnell Figuren, über die im Text gar nicht gesprochen wird.

Auch der Wechsel vom gemütlichen Stall in die bunte Ferne ist schön umgesetzt. Zu Hause ist alles kuschelig und vertraut, später wird es deutlich lebendiger. Dschungel, Tiere und kleine Details sorgen dafür, dass das Buch optisch deutlich größer wirkt, als die eigentliche Geschichte ist. Der Text bleibt schlicht, aber die Bilder holen aus der Idee noch einmal sehr viel heraus.

Insgesamt ist Flauschi und Schnuff büxen aus ein schönes Vorlesebuch für kleine Leser:innen und alle, die Meerschweinchen grundsätzlich für unterschätzte Hauptfiguren halten. Der Text ist gut vorzulesen, die Geschichte bleibt überschaubar und die Illustrationen machen richtig viel daraus. Für mich liegt die größte Stärke des Buches eindeutig in den Bildern, den vielen kleinen Entdeckungen und den beiden wuscheligen Ausreißern.

Allerliebsten Dank an vorablesen.de und den Verlag für das zur Verfügung gestellte kunterbunte Rezensionsexemplar!

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Alexander Steffensmeier: “Ein Geburtstagsfest für Lieselotte”

Alexander Steffensmeier (Autor/ Illustrator)
Fischer Sauerländer Verlag
Lesealter: ab 2 Jahren

26 Seiten
Pappbilderbuch: 11,00€

Herzlichen Glückwunsch, Lieselotte!

Lieselotte freut sich riesig auf ihren Geburtstag. Doch auf dem Bauernhof bleibt es seltsam still. Wo sind denn alle geblieben? Die Bäuerin ist weg, die Hühner lassen sich auch nicht blicken. Niemand hat einen Kuchen gebacken. Im Garten hängen keine Luftballons. Haben etwa alle Lieselottes Geburtstag vergessen?
(Klappentext)

Alles Gute zum 20. Geburtstag, Lieselotte

Zwei Jahrzehnte Lieselotte müssen gefeiert werden. Passend dazu gibt es “Ein Geburtstagsfest für Lieselotte” nun als Pappbilderbuch mit witzigem Farbschnitt. Kleine Fans ab 2 Jahren können gemeinsam mit Lieselotte feiern. Dabei sieht es in der Geschichte so aus, als hätten alle Lieselottes Geburtstag vergessen.

Die aufgeweckte Kuh weiß natürlich ganz genau, wie so ein Ehrentag normalerweise abläuft: Kuchen, Girlanden, Aufregung, Hühnergewusel. Nur leider scheint auf dem Bauernhof niemand mit Partyvorbereitungen beschäftigt zu sein. Auf dem Bauernhof wird gearbeitet wie immer, die Bäuerin backt keinen Kuchen und selbst die Hühner wirken nicht besonders feierlich. Für Lieselotte ist die Sache eigentlich eindeutig. Geburtstage laufen schließlich nach einem festen Prinzip ab. Erst wird dekoriert, dann gibt es Kuchen und am Ende eine Party. So war es schließlich auch beim Huhn letzte Woche. Nur hält sich diesmal offenbar niemand an den Plan.

Je länger der Tag dauert, desto weniger subtil werden Lieselottes Bemühungen, die anderen auf ihren Geburtstag hinzuweisen. Und das ist wirklich ziemlich lustig anzusehen. Etwas tragisch ist es am Ende schon, als sie mit ihrem alten Partyhut, einem Kaktus und Zwieback am Fluss sitzt und alleine feiert.

Aber es ist diese Mischung aus kindlicher Tragik und kuhtastischer Komik, die die Geschichte so unterhaltsam macht. Die Hühner und Küken machen im Hintergrund wieder ihren eigenen Unsinn. Irgendwo stolpert immer eines durchs Bild oder beschäftigt sich mit etwas komplett anderem als dem eigentlichen Geschehen. Man bleibt ständig an irgendwelchen Kleinigkeiten hängen. Die badenden Küken am Wasser, die Würmer im Hintergrund oder die vielen kleinen Reaktionen der Tiere machen beim Anschauen fast genauso viel Spaß wie die eigentliche Geschichte.

Der Text bleibt kurz und passt gut zum Pappbilderbuchformat. Vieles erzählen ohnehin die Illustrationen. Deshalb eignet sich das Buch auch wunderbar nur zum gemeinsamen Anschauen, weil man auf den Seiten ständig irgendetwas entdeckt oder weitererzählen kann.

Dass am Ende natürlich doch noch eine Überraschungsparty wartet, dürfte niemanden ernsthaft überraschen. Eigentlich geht es die ganze Zeit eher darum, wie sehr sich Lieselotte in diesen Geburtstag hineinsteigert.

Zum 20. Geburtstag zeigt Lieselotte jedenfalls ziemlich deutlich, warum sie seit so vielen Jahren zu den beliebtesten Bilderbuchkühen gehört. Sie ist neugierig, leicht dramatisch und dabei einfach unglaublich sympathisch. Auch dieses kleine Pappbilderbuch lebt wieder von den vielen lustigen Details, den herrlichen Gesichtsausdrücken und dem ganz normalen Bauernhofchaos. Eine wirklich schöne Jubiläumsausgabe für kleine und große Lieselotte-Fans.

Ein riesengroßes Dankeschön an den Verlag für dieses Jubiläumsbuch!

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Ute Krause:” Herwig & Elsie – Wo ist der große Zauberer”

Ute Krause (Autorin/ Illustratorin)
cbj Verlag
Lesealter: ab 5 Jahren
128 Seiten
Gebundenes Buch: 16,00€

Wo ist Hokus van Pokus?

Herwig, ein Hase, der jahrelang vom Zauberer Hokus van Pokus in den Hut hinein- und wieder herausgezaubert wurde, findet sich eines Tages alleine wieder. Der wichtigste Mensch in seinem Leben hat ihm eine magische Brille (damit können Tiere lesen), einen Zauberstab, seinen Hut und einen Brief hinterlassen. Natürlich macht sich Herwig auf die Suche nach Hokus und trifft dabei auf Elsie, die Elefantendame. Elsie sucht ebenfalls ihren besten Freund, der wurde nämlich an einen anderen Zoo abgegeben. Die beiden beschließen, erst einmal aus der Not heraus, gemeinsame Sache zu machen und finden auf ihrem Weg viele Abenteuer und eine tiefe Freundschaft …
(Klappentext)

Ein Zauberer, der nicht zurückkommt

Herwig hat sein ganzes Leben in ziemlich klaren Verhältnissen verbracht: Er gehört zum Zauberer Hokus van Pokus, wird aus dem Hut gezaubert, wieder hineingesetzt und wieder herausgezaubert. Er hat eine eingeschliffene Routine, die ihm Sicherheit und einen festen Platz bietet. Bis genau das plötzlich wegfällt. Hokus ist verschwunden, zurück bleiben ein Brief, ein paar Zauberutensilien und vor allem eine ziemlich große Lücke. Herwig macht sich auf die Suche. Aber statt seines Zauberers taucht erst einmal Elsie auf, eine Elefantendame mit ganz eigenen Sorgen.

Im Kern des Buches geht es um den Umgang mit dem Thema Verlust. Es wird nicht dramatisch ausgeschmückt, aber auch nicht weggelächelt. Der Tod des Zauberers steht im Raum, wird angedeutet, aber nicht komplett erklärt. Das kann irritieren, gerade wenn Kinder konkret nachfragen. Gleichzeitig schafft es Raum für Gespräche, was ja auch gut sein kann.

Herwig ist keine Figur, die sofort an der neuen Herausforderung wächst und alles meistert. Er bleibt lange vorsichtig, teilweise ängstlich und muss sich erst an die Welt außerhalb seines bisherigen Lebens gewöhnen. Elsie bringt etwas mehr Entschlossenheit mit, ohne dabei überzeichnet zu sein. Ihre Freundschaft entwickelt sich über das gemeinsame Unterwegssein.

Die Geschichte selbst bleibt eher ruhig. Es gibt kleine Episoden, Begegnungen, auch mal chaotische Zauberversuche, die nicht ganz so laufen wie gedacht. Das sorgt für leichte, oft auch witzige Momente, ohne dass das Buch seinen ernsteren Kern verliert. Es passiert nicht ständig etwas Neues und manche Abschnitte ziehen sich ein wenig. Dafür bleibt genug Zeit, die Figuren wirken zu lassen.

Die Illustrationen von Ute Krause passen sehr gut zur Geschichte. Sie sind warm, leicht schräg und greifen genau die Momente auf, die den Text tragen. Gerade Herwig wirkt oft ein bisschen verloren.

Insgesamt ein Vorlesebuch, das sich mehr traut, als man zunächst erwartet. Es erzählt nicht nur eine Geschichte über Freundschaft, sondern auch über Verlust und Neuanfang.

Vielen lieben Dank an den Verlag für dieses warmherzige Buch als Rezensionsexemplar!

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Lena Anlauf: “Räuberbuch”

Lena Anlauf (Autorin)
Judith Auer (Illustratorin)
Tulipan Verlag
Lesealter: ab 3 Jahren
40 Seiten
Gebundenes Buch: 16,00 €

Was passiert, wenn ein Räuber aus einem Bilderbuch herauspurzelt? Er begibt sich gleich auf Beutezug? Weit gefehlt! Er braucht einen neuen Job. Kein Problem, mit seinen Fähigkeiten! Schließlich kann er klettern, verschlossene Dinge öffnen, mit Messern jonglieren und er kennt sich mit Gold aus! Doch die Jobsuche gestaltet sich schwieriger als gedacht …
(Klappentext)

Wenn ein Räuber plötzlich zum Fall für die Agentur für Arbeit wird

Dieses Bilderbuch kommt mit einer ziemlich schrägen Ausgangsidee daher: Ein Räuber purzelt einfach aus einem Buch heraus und landet in einer ziemlich profanen Realität. Kein Wald, kein Beutezug, keine Räuberbande. Stattdessen steht die Frage im Raum, was man mit so einem Räuber eigentlich anfängt. Ehe der Räuber irgendein krummes Ding drehen kann, beschließt das Mädchen, aus dessen Buch er gefallen ist, die Sache pragmatisch anzugehen und bringt ihn zur Agentur für Arbeit.

Dort wird dann erstaunlich optimistisch geprüft, wofür der Räuber geeignet sein könnte. Auf seiner Liste mit besonderen Fähigkeiten hat er eingetragen, dass er klettern kann, verschlossene Dinge öffnen, mit Messern jonglieren und Kenntnisse über Goldschätze besitzt. Für einen Räuber ist das natürlich ein tadelloser Lebenslauf. Für die reguläre Arbeitswelt sieht das schon etwas komplizierter aus.

Gerade diese nüchterne Gegenüberstellung von Räuberkompetenzen und Berufsalltag ist herrlich witzig. Der Räuber versucht sich als Dachdecker, doch das Ergebnis sieht eher nach Sturmschäden als nach professionellem Handwerk aus. Beim Schlüsseldienst zeigt sich schnell, dass sein Verständnis von Öffnen nicht ganz dem entspricht, was man unter professionellem Kundenservice versteht. Auch als Koch ist er weniger eine Bereicherung als ein Sicherheitsrisiko, und bei der Bank scheitert es letztlich nicht nur am Umfeld, sondern auch daran, dass ein Räuber in voller Montur zwischen geschniegelt auftretenden Angestellten einfach denkbar fehl am Platz wirkt.

Das Schöne ist aber, dass das Buch sich nicht damit begnügt, eine lustige Szene an die nächste zu reihen. Der Räuber ist keine bloße Witzfigur. Er ist traurig, als keiner dieser Jobs wirklich passt, wodurch die Geschichte eine ganz andere Wärme bekommt. Hinter dem Humor steckt eben auch die Frage, wohin jemand gehört, dessen Fähigkeiten zwar echt sind, aber nirgendwo so recht hineinpassen.

Als das namenlose Mädchen ihn dann mit in die Schule nimmt, ist das mehr als nur die nächste Station. Dort öffnet sich endlich eine Tür, die nicht nur für eine Pointe gut ist, sondern tatsächlich zu ihm passt. In der Bibliothek wird Personal gesucht und ausgerechnet dort findet dieser Räuber, der ursprünglich aus einem Buch gefallen ist, seinen Platz wieder zwischen Geschichten. Das ist als Idee so schön rund, dass man beim Vorlesen automatisch schmunzeln muss. Und dass am Ende offenbar ein paar zusätzliche Bücher in der Bibliothek gelandet sind, setzt der Geschichte noch so ein freches kleines Augenzwinkern auf.

Auch die Gestaltung passt hervorragend dazu. Die Illustrationen haben etwas Eigenwilliges und Unaufgeregtes, das sehr gut mit dem Humor des Textes harmoniert. Sie wollen nicht geschniegelt niedlich sein, sondern tragen diesen trockenen, leicht schrägen Ton mit. Gerade dadurch wirken sie passend. Man spürt in ihnen Bewegung, Komik und zugleich etwas angenehm Altmodisches, das der Geschichte gut steht.

Insgesamt ist Räuberbuch für mich vor allem eine sehr unterhaltsame, kurze Vorlesegeschichte mit einer ungewöhnlichen Idee, die nicht auf Klamauk reduziert wird. Der Humor funktioniert, weil der Räuber nicht bloß Chaos anrichtet, sondern mit ernsthafter Überzeugung versucht, irgendwo unterzukommen. Unterhaltsam, originell und mit einem sehr schönen, augenzwinkernden Ende.

Vielen lieben Dank an den Verlag für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar!

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Ben Mantle: “Der allertollste Bruder der Welt”

Ben Mantle (Autor/ Illustrator)
Penguin Junior Verlag
Lesealter: ab 4 Jahren
40 Seiten
Gebundenes Buch: 15,00 €

Allerbeste Geschwister

Nano hat seinen großen Bruder Felix ganz doll lieb. Und Nano weiß, dass Felix ihn auch lieb hat – meistens jedenfalls. Doch was tut man, wenn der allertollste große Bruder der Welt einfach nur seine Ruhe haben will? Na, alleine spielen, überhaupt gar kein Problem! Oder etwa doch?!
(Klappentext)

Über die besondere Magie zwischen Geschwistern

Geschwisterbeziehungen sind schon etwas ganz Besonderes. Sie sind geprägt von Nähe, Bewunderung, kleinen Streitigkeiten und einem Band, das selbst nach turbulenten Momenten bestehen bleibt. Um dieses Wechselspiel geht es in diesem unglaublich warmherzigen und humorvollen Bilderbuch.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Nano, der seinen großen Bruder Felix über alles liebt. Für Nano ist Felix nicht einfach nur ein Bruder, er ist der allertollste Bruder der Welt. Gemeinsam spielen, Abenteuer erleben und Zeit miteinander verbringen, ist für Nano das Größte. Doch wie es unter Geschwistern nun einmal ist, gibt es auch Momente, in denen der große Bruder einfach seine Ruhe haben möchte. Für Felix wird das Baumhaus zu einem Rückzugsort, zu dem Nano keinen Zutritt hat. Für den kleinen Bruder ist das zunächst schwer zu verstehen. Die Enttäuschung ist groß, denn für Nano gehört Felix zu allem dazu.

Diese recht alltägliche Situation wird auf eine sehr einfühlsame Weise erzählt. Man begleitet Nano dabei, wie er versucht, mit der Situation umzugehen. Er baut sich kurzerhand sein eigenes kleines Reich und versucht, allein zurechtzukommen. Doch als das Wetter umschlägt und sein gemütliches Regenschirmhaus vom Wind davongetragen wird, ohne dass der große Bruder zu Hilfe eilt, ist Nano wütend und traurig.

Meine beiden kleineren Kinder lieben dieses Buch. Beim Vorlesen schlüpfen sie abwechselnd in die Rolle des Nano (ich muss dann mit veränderten Namen vorlesen) und der große Bruder ist selbstverständlich der allertollste überhaupt. Genau daran sieht man doch, wie nahbar diese Geschichte erzählt ist.

Außerdem sind die Illustrationen mein persönliches Highlight. Die Darstellung des regnerischen Gartens und der wechselnden Wetterstimmung ist außergewöhnlich gut gelungen. Man spürt förmlich die Atmosphäre eines warmen, aber regnerischen Tages, riecht die feuchte Erde und hört das Pladder-Pladder und Klonk-Klonk der Regentropfen. Gleichzeitig sind die Figuren so liebevoll gestaltet, dass man ihre Gefühle auch ohne viele Worte sofort erkennt. Die Mimik und Körpersprache der beiden Brüder transportieren Emotionen auf sehr zugängliche und kindgerechte Weise. Auch die kleinen humorvollen Details in den Illustrationen laden zum Entdecken ein und sorgen dafür, dass das Buch nicht nur einmal, sondern immer wieder gerne zur Hand genommen wird.

Inhaltlich vermittelt die Geschichte eine wichtige Botschaft: Geschwister müssen nicht immer alles gemeinsam machen. Es ist völlig in Ordnung, wenn jeder auch einmal Zeit für sich braucht. Gleichzeitig zeigt das Buch, dass Streit und kleine Konflikte dazugehören und dass die Verbindung zwischen Geschwistern oft stärker ist, als man denkt.

Insgesamt also ein warmherziges, humorvolles und zugleich sehr authentisches Bilderbuch über Geschwisterliebe. Die Geschichte überzeugt durch ihren hohen Wiedererkennungswert, die liebevollen Figuren und die beeindruckenden Illustrationen, die besonders die Stimmung eines regnerischen Tages wunderschön einfangen.

Ein wunderbares Vorlesebuch ab etwa vier Jahren, das zeigt, dass Geschwister sich manchmal streiten, aber am Ende immer zusammenhalten. Und dass der große Bruder eben doch (meistens) der allertollste der Welt ist.

Vielen lieben Dank an der Verlag, der uns dieses Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat!