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Nico Sternbaum: “Hilf den Fahrzeugen – Ein MINI-Mitmachbuch”

Nico Sternbaum (Autor)
Penguin Junior Verlag
Lesealter: ab 18 Monate
22 Seiten
Pappbilderbuch: 7,99 €

Die Fahrzeuge brauchen dringend deine Hilfe!

Oje, die Polizei hat vergessen, das Blaulicht einzuschalten! Durch Rufen, Zeigen, Pusten oder Schütteln des Buchs hilfst du den Fahrzeugen und sie können sicher weiterfahren. (Klappentext)

Mitmachen statt nur Zuschauen – ein erstes Fahrzeugbuch zum Aktivwerden

„Hilf den Fahrzeugen“ ist ein sehr reduziertes, aber bewusst gestaltetes Mitmachbuch für die ganz Kleinen. Hier passiert nichts von selbst: Es gibt keine Klappen, keine Schieber, keine Soundknöpfe. Stattdessen fordert das Buch die Kinder direkt auf, selbst aktiv zu werden – zu pusten, zu zeigen, zu rufen oder das Buch zu schütteln. Genau darin liegt auch seine Stärke.

Die Situationen sind klar und schnell erfasst. Ein Blaulicht ist aus, ein Fahrzeug steckt fest, etwas funktioniert nicht so, wie es soll. Die Aufgabe des Kindes besteht darin, mit einer einfachen Handlung zu helfen. Das ist für Kinder ab etwa 18 Monaten gut verständlich und sorgt dafür, dass sie nicht nur zuhören, sondern wirklich eingebunden sind. Gerade für diese Altersgruppe ist das ein großer Pluspunkt, weil Aufmerksamkeitsspannen noch kurz sind und Beteiligung viel besser funktioniert als reines Vorlesen.

Die Illustrationen sind sehr minimalistisch gehalten. Fahrzeuge, wenige Elemente, klare Farben, keine überladenen Hintergründe. Der Fokus liegt eindeutig auf dem Problem und der Aktion. Das wirkt ruhig und übersichtlich und überfordert nicht. Kinder wissen sofort, worum es geht, und können sich ganz auf die Aufgabe konzentrieren. Mir gefällt diese Reduktion sehr, auch wenn sie natürlich Geschmackssache ist.

Inhaltlich darf man keine Geschichte im klassischen Sinn erwarten. Es gibt keinen Spannungsbogen und keine Entwicklung, sondern mehrere kurze Mitmachmomente. Das Buch lebt davon, dass es gemeinsam gelesen und gespielt wird. Erwachsene müssen mitmachen, mitsprechen und die Aktionen begleiten. Allein angeschaut verliert es schnell an Reiz.

Das handliche Mini-Format passt gut zu kleinen Händen und macht das Buch auch unterwegs praktikabel. Insgesamt ist „Hilf den Fahrzeugen“ kein Buch für lange Vorlesezeiten, sondern für kurze, aktive Momente. Als erstes Mitmachbuch erfüllt es seinen Zweck sehr gut. Es animiert zum Sprechen, Mitdenken und Mitlachen, ist schlicht, klar und altersgerecht.

Vielen lieben Dank an vorablesen.de und Penguin Junior für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

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Wieso? Weshalb? Warum? – Mein erstes Fahrrad

Carola von Kessel (Autorin)
Susanne Szesny (Illustratorin)
Ravensburger Verlag
Lesealter: ab 2 Jahre
16 Seiten
Spiralbindung: 11,99€
  • Erstes Wissen für Kinder rund ums Radfahren, Bremsen und Üben
  • Liebevoll illustriertes Kinderbuch zum Thema Fahrrad
  • Fahrrad-Buch ab 2 Jahre mit vielen Klappen zum Entdecken rund um Kinderfahrräder
  • Kinderbuch zum ersten eigenen Fahrrad – kindgerecht aufbereitet und kompetent recherchiert
  • Ideales Geschenk für Mädchen und Jungen zum Geburtstag, zu Weihnachten oder zu Ostern

Oh, wie liebe ich mein Fahrrad, warum, das weiß ich ganz genau!
Wie lerne ich Fahrrad fahren? Warum brauche ich einen Helm? Was passiert, wenn ich hinfalle? Dieses Buch begleitet Kinder beim Radfahren-Lernen. Es richtet sich sowohl an solche, die bereits Laufrad fahren können, als auch an völlige Neulinge auf dem Rad. Vom Aussuchen des Rads und Helms, über das Üben von Aufsteigen, Anfahren und Bremsen bis zu Slalom-Parcours und ersten Abenteuern im Park – jeden Schritt können die Kinder mit spannenden Klappen im Buch verfolgen, bevor es wirklich aufs Rad geht.
(Klappentext)

Spielerisch Fahrradfahren lernen

Fahrradfahren lernen ist kein einmaliger Moment, sondern ein Prozess. Einer mit vielen kleinen Erfolgen, vielleicht sogar ein paar Tränen, schmutzigen Knien und natürlich sehr vielen Fragen. Genau in dieser Phase setzt Wieso? Weshalb? Warum? junior – Mein erstes Fahrrad an. Und zwar nicht theoretisch, sondern sehr nah an dem, was Kinder und Eltern tatsächlich erleben.

Das Buch begleitet Kinder Schritt für Schritt durch alles, was rund ums erste Fahrrad wichtig wird. Nicht abstrakt, sondern konkret: Wie sieht ein passendes Fahrrad aus? Warum brauche ich einen Helm? Was mache ich, wenn ich hinfalle? Wie starte ich überhaupt richtig? Beim Lesen merkt man schnell, dass hier jemand genau beobachtet hat, wie Kinder lernen und wo Unsicherheiten entstehen. Viele Situationen kommen einem sofort bekannt vor. Besonders dann, wenn man gerade selbst ein Kind beim Üben begleitet.

Sehr gelungen finde ich, wie das Thema Sicherheit vermittelt wird. Helm, Licht, Bremsen und Aufmerksamkeit im Straßenverkehr werden erklärt, ohne Angst zu erzeugen. Es geht nicht um Warnungen, sondern um Verständnis. Kinder erfahren, warum etwas wichtig ist, nicht nur, dass es so sein muss. Das wirkt ernsthaft und respektvoll gegenüber der kindlichen Perspektive.

Auch die motorischen Abläufe werden klar dargestellt. Anfahren, Treten, Lenken, Kurven fahren oder Slalom üben. All das wird in kleinen, überschaubaren Schritten gezeigt. Gerade für Kinder, die sich schnell verunsichern lassen, ist das hilfreich. Sie sehen: Man muss nicht alles auf einmal können. Übung gehört dazu. Und wenn man hinfällt, darf man wieder aufsteigen.

Die vielen Klappen sind sinnvoll eingesetzt. Sie zeigen Bewegungen, Veränderungen und Abläufe und laden dazu ein, genauer hinzusehen. Das Buch eignet sich dadurch nicht nur zum Vorlesen, sondern auch zum gemeinsamen Anschauen, Nachfragen und Erklären.

Das Buch spricht auch darüber, dass ein Fahrrad gepflegt werden will: Reifen aufpumpen, sauber machen, darauf achten, ob alles funktioniert. Für Kinder ist das oft ein wichtiger Schritt, weil es ihnen zeigt, dass ihr Fahrrad etwas Eigenes ist, um das sie sich kümmern dürfen und sollten.

Die Illustrationen sind klar, freundlich und kindlich. Sie überfordern nicht, sondern helfen beim Verstehen. Besonders schön ist das große Wimmelbild am Ende, in dem verschiedene Fahrzeuge entdeckt werden können. Das erweitert den Blick über das eigene Fahrrad hinaus und lädt zum Erzählen und Suchen ein.

Für Kinder, die noch gar kein Interesse am Fahrrad haben, könnte es allerdings stellenweise zu viel Information sein. Für alle, die gerade mitten im Lernprozess stecken, ist genau das aber die große Stärke. Man kann einzelne Punkte aus dem Buch aufgreifen und sich anschauen. Als reines Vorlesebuch ist es weniger geeignet. Es gibt zwar wiederkehrende Figuren, aber eben nicht den klassischen Spannungsbogen.

Unterm Strich ist Mein erstes Fahrrad ein begleitendes und sehr hilfreiches Sachbuch. Es beantwortet viele Fragen, bevor sie laut gestellt werden, und nimmt Kindern wie Eltern ein Stück Druck aus einer Phase, die aufregend, aber manchmal auch anstrengend sein kann.

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Engelbert Humperdinck: “Hänsel und Gretel: Ein Musik-Bilderbuch zum Hören”

Jessica Courtney-Tickle (Autorin/ Illustratorin)
Prestel Verlag
Lesealter: ab 4 Jahre
24 Seiten
Gebundenes Buch: 26,00€

Die geliebte Kinderoper als Musikbilderbuch

Mit der romantischen Oper »Hänsel und Gretel« schuf Engelbert Humperdinck die wohl bekannteste Märchenoper. Bis heute ist sie die meistgespielte Oper und wird besonders häufig in der Adventszeit aufgeführt. Kinder (und Erwachsene) lieben die märchenhafte Oper, die auf dem bekannten Grimmschen Märchen basiert, vor allem wegen ihrer schönen und eingängigen Melodien. Wer erinnert sich nicht an die geliebten Ohrwürmer »Suse, liebe Suse, was raschelt im Stroh?«, »Brüderchen, komm tanz mit mir«, den gefühlvollen »Abendsegen« und das »Knusper, knusper Knäuschen, wer knuspert mir am Häuschen« der bösen Hexe? Mit ihren bezaubernden Illustrationen erzählt Jessica Courtney-Tickle die Geschichte von Hänsel und Gretel sehr liebevoll nach, sodass auch jüngere Kinder sie verstehen können. Auf jeder Seite findet sich dabei ein Notenzeichen, und wer darauf drückt, hört die allerschönsten Melodien zum jeweiligen Bild. Das Buch bietet einen perfekten Einstieg in die Welt der klassischen Musik und ist die perfekte Ergänzung zu den anderen Titeln der beliebten Reihe wie »Der Nussknacker«, »Peter und der Wolf« oder »Schwanensee«.Besonders hochwertig ausgestattet mit Goldfolienprägung auf dem Einband. (Klappentext)

Stimmiges Gesamtpaket aus Kunst, Klang und klassischer Erzählfreude

Die Prestel-Reihe der Musik-Bilderbücher hat sich längst zu einer kleinen Institution entwickelt, wenn es darum geht, Kindern klassische Musik nahezubringen, ohne dass sie dabei das Gefühl haben, in einem Konzertsaal stillsitzen zu müssen. Nun also Engelbert Humperdincks „Hänsel und Gretel“ – und das in einer Version, die zeigt, dass man Oper auch mit vier Jahren schon genießen kann, wenn man die richtige Verpackung wählt.

Das Buch erzählt die bekannte Geschichte um die Geschwister Hänsel und Gretel, die sich im Wald verirren, das Lebkuchenhaus entdecken und der listigen Hexe begegnen – so reduziert und liebevoll, dass auch jüngere Kinder der Handlung problemlos folgen können. Die Sprache bleibt klar und verständlich und Jessica Courtney-Tickles farbenfrohe Illustrationen schaffen es, das Märchen in eine warme, leuchtende Herbststimmung zu tauchen. Es gibt so viel zu entdecken. Von winzigen Waldtieren bis zu kunstvollen Mustern auf dem Hexenhaus. Besonders die goldene Folienprägung auf dem Cover sorgt dafür, dass das Buch schon rein optisch ein echter Hingucker ist.

Der Clou liegt natürlich in der Musik. Auf jeder Doppelseite findet sich eine kleine Note, die Kinder antippen können – und schon erklingt ein Ausschnitt aus Humperdincks Oper. Klassiker wie „Brüderchen, komm tanz mit mir“, der „Abendsegen“ oder das berühmte „Knusper, knusper Knäuschen“ sind hier in (sehr) kurzen Sequenzen eingebunden. Die Soundqualität ist okay für ein Bilderbuchmodul. Nur jüngere Kinder brauchen anfangs etwas Hilfe beim Drücken – die Noten reagieren besser, wenn man mit etwas Nachdruck tippt.

Ich finde das Gesamtpaket in Bezug auf die Zielgruppe wirklich stimmig. Statt langer Erklärtexte oder angestaubter Musikvermittlung entsteht ein ganz natürliches Zusammenspiel aus Bild, Geschichte und Klang. Kinder erleben die Musik nicht als „etwas Schwieriges“, bei dem man lange stillsitzen und zuhören muss, sondern als Teil des Abenteuers. Die Musikstücke werden zwar nur kurz angerissen, aber als erster Kontakt zur Oper ist es für Kinder völlig ausreichend, zumal Bild und Handlung in diesem Buch auch sehr präsent sind.

Einziger kleiner Kritikpunkt meinerseits: Das Buch ist – wie alle Titel der Reihe – kein Pappbilderbuch, sondern besteht aus nicht reißfestem Papier. Bei sehr kleinen, übereifrigen Kinderhänden ist daher Vorsicht geboten.

Aber das sind Kleinigkeiten in einem sonst hervorragend durchdachten Konzept. „Hänsel und Gretel“ ist ein stimmiges Gesamtpaket aus Kunst, Klang und klassischer Erzählfreude. Für uns ist es ein liebevoll gestaltetes Musikbilderbuch, das Oper greifbar macht. Perfekt für kleine Musikentdecker. Und ja – danach hat man wirklich Lust auf Lebkuchen.

Ein liebevolles Dankeschön an den Prestel Verlag, der uns dieses wunderbare Buch zu Rezensionszwecken zugestellt hat!

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Annette Moser: “Jetzt schon? Schlummerzeit für kleine Tiere”

Annette Moser (Autorin)
Sonja Schweiger (Illustratorin)
Penguin Junior Verlag
Lesealter: ab 2 Jahre
16 Seiten
Pappbilderbuch: 11,00 €

Schlaft gut, kleine Tiere!

Max Meise, Ella Eichhörnchen, Samu Siebenschläfer und Franzi Fuchs spielen gerade so schön, da sollen sie ins Bett gehen. Jetzt schon? Die Mamas und Papas müssen Überzeugungsarbeit leisten, doch irgendwann schlummert auch das vorwitzigste Tierkind glücklich und zufrieden. (Klappentext)

Liebevoll illustrierte Schlummergeschichte

Ich habe mich auf dieses Buch wirklich gefreut. Schon das Cover ist so einladend in weichen Farben gehalten, mit niedlich gezeichneten Tierkindern. Der warme Lichtschein erinnert sofort an eine Abendstimmung, in der man sich am liebsten selbst in eine Decke kuscheln würde. Ein schöner Rahmen für ein gemütliches Abendritual. Und tatsächlich hält das Buch, was es verspricht – zumindest optisch.

Die Illustrationen von Sonja Schweiger sind wunderschön. Sie wirken fast, als würden sie von innen heraus leuchten. Jedes Bild strahlt Ruhe, Geborgenheit und Wärme aus. Besonders schön sind die vielen Details, die kleinen Leser:innen beim wiederholten Anschauen auffallen: winzige Insekten, versteckte Pilze, liebevoll eingerichtete Tierbehausungen. Ganz nebenbei lernen Kinder, wo ein Eichhörnchen schläft, wo sich ein Siebenschläfer einkuschelt oder wie das Nest einer Meise aussieht.

Inhaltlich begleitet man vier kleine Tierfreunde – Fuchs, Eichhörnchen, Siebenschläfer und Meise – durch ihren Tag. Sie spielen, haben Spaß und möchten, wie Kinder nun mal sind, nicht aufhören, als der Abend naht. Einer nach dem anderen wird von Mama oder Papa abgeholt und ins Bett gebracht. Und jedes Mal ertönt der kleine Protest: „Jetzt schon?“ Das ist charmant, liebevoll und für Kinder ab zwei Jahren wunderbar nachvollziehbar.

Was mich allerdings nicht ganz überzeugt hat, ist der Textfluss. Die Idee, kurze Reimpassagen einzubauen, ist schön, wirkt aber etwas unausgegoren. Es reimen sich immer nur zwei Verse, der Rest ist prosaisch erzählt. Das unterbricht beim Vorlesen den Rhythmus. Gerade kleine Zuhörer:innen reagieren stark auf Wiederholungen und Klangmuster. Hier fehlt ein durchgehender, harmonischer Sprachfluss, wie man ihn sich bei einer Einschlafgeschichte wünschen würde.

Insgesamt ist das Buch sehr ruhig. Es passiert nicht viel, was natürlich zum Thema passt, aber mir fehlte zwischendurch ein kleiner Spannungsbogen oder etwas, das die Aufmerksamkeit hält. Mein Kind hat beim Vorlesen mehrfach abgelenkt umgeblättert oder sich anderen Dingen zugewandt – ein Zeichen dafür, dass der Text nicht ganz fesselt.

Trotzdem: Für die Abendroutine ist das Buch schön geeignet. Es vermittelt Geborgenheit, Nähe und Vertrautheit. Wir finden, es ist ein warmherzig illustriertes Pappbilderbuch mit einer liebevollen Botschaft, textlich aber leider etwas unrund.

Vielen lieben Dank an Penguin Junior für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar!

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Britta Sabbag: “Der Weihnachtskauz”

Britta Sabbag (Autorin)
Anika Voigt (Illustratorin)
Penguin Junior Verlag
Lesealter: ab 4 Jahre
32 Seiten
Gebundenes Buch: 15,00 €

Endlich wieder Weihnachten?!

Alle Tiere im Wald freuen sich auf das Fest, nur einer motzt sich schlecht gelaunt durch die Adventszeit: der Kauz! Schmücken, singen und basteln? Das ist nichts für ihn! Doch als der Kauz sieht, wie viel Spaß die Tiere zusammen haben und wie der Wald Tag für Tag festlicher wird, würde er doch zu gern bei den anderen sein. Ob der muffelige Kauz etwa doch noch zu einem echten Weihnachtskauz wird? (Klappentext)

Ein kauziger Kauz, der dazugehören will

Im Wald herrscht Weihnachtsstimmung. Es wird gebastelt, gesungen und geschmückt. Nur einer macht nicht mit: der Kauz. Er flattert missmutig umher, motzt über alles und zieht sich schließlich in sein Baumloch zurück. Denn auch die Tiere verspüren wenig Lust, mit so einem übellaunigen Kauz zusammen sein zu wollen. Aber dort oben, allein in seinem Baum fühlt er sich einsam und ausgeschlossen.

Die Figur des Kauzes finde ich herrlich. Er ist ja kein klassischer „Bösewicht“, sondern eher ein Tier, das mit seiner eigenen Stimmung kämpft. Dass er sich fragt, ob es an den anderen oder an ihm selbst liegt, ist eine kleine, aber wichtige Botschaft. Der Kauz reflektiert sich selbst. Er möchte dazugehören, aber er weiß nicht, wie er das anstellen soll. Dass er am Ende nicht plötzlich zum Strahlemann mutiert, sondern seine kauzige Art behält, macht ihn glaubwürdig. Er überwindet sich, geht auf die anderen Tiere zu, feiert mit ihnen, lacht und genießt das Fest, bleibt aber der Typ, der am nächsten Morgen wieder nörgelt. Gerade das macht die Botschaft stark: Man darf sein, wie man ist, und trotzdem Teil der Gemeinschaft sein.

Britta Sabbag erzählt diese Entwicklung in Reimen, die beim Vorlesen leicht über die Zunge gehen und einen schönen Rhythmus haben. Die Illustrationen von Anika Voigt passen wunderbar dazu. Der Kauz mit seiner verschobenen Weihnachtsmütze und den giesgrämigen Augen ist herrlich ausdrucksstark. Man sieht ihm sein Grummeln sofort an, was sehr viel Komik in die Geschichte bringt. Gleichzeitig sind die Szenen im Wald bunt, aber nicht überladen. Es gibt viel Tannengrün, Lichterketten, kleine Tiere, die basteln und tanzen, und man spürt die Vorfreude.

Die Moral der Geschichte ist vielleicht nicht unbedingt neu: Gemeinsam ist schöner als allein. Aber die Verpackung mit dem motzenden Kauz macht sie herrlich frisch und witzig. Und beim Vorlesen spürt man, dass die Geschichte Kinder anspricht, weil sie so nah an ihren eigenen Gefühlen ist: manchmal will man eben mitmachen, manchmal lieber nicht.

Insgesamt ist Der Weihnachtskauz kein zuckersüßes Weihnachtsbuch, sondern eine Geschichte mit Witz, Herz und einem Helden, der gerade durch sein Motzen sympathisch wird. Zum Vorlesen ab vier Jahren sehr empfehlenswert und ein Titel, der sicher mehr als einmal in der Adventszeit aus dem Regal geholt wird.

Vielen lieben Dank an den Verlag für dieses weihnachtliche Buch!

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Lena Walde: “Morgen kommt der Weihnachts-Schneemann!”

Lena Walde (Autorin)
Anastasia Zababashkina (Illustratorin)
Penguin Junior Verlag
Lesealter: ab 2 Jahre
14 Seiten
Pappbilderbuch: 11,00 €

Wenn der Weihnachtsmann nicht kann…
… dann muss wohl der Schneemann ran!

Oje, dieses Jahr ist der Weihnachtsmann genau zum Fest krank geworden. Wer bringt denn nun den Kindern die Geschenke? Welch ein Glück: die drei kleinen, fleißigen Schneemänner springen gerne ein! Mit ihrer Hilfe gelingt ein ganz besonderes Weihnachtsfest. (Klappentext)

Wenn drei kleine Schneemänner Weihnachten retten

Der Weihnachtsmann ist krank und trotzdem versucht er, sich zunächst noch mit dem Schlitten auf den Weg zu machen. Kein Wunder, dass er unterwegs einschläft und kurzerhand die drei kleinen Schneemänner einspringen müssen. Diese übernehmen das Verteilen der Geschenke und sorgen dafür, dass das Fest nicht ins Wasser fällt. Am Ende ist der Weihnachtsmann aber wieder munter und feiert mit. (Eine Wendung, die Kinder zum Schmunzeln bringt und Erwachsenen gleichzeitig zeigt, wie wichtig Pausen sind.)

Der Text ist in Reimen verfasst, die das Vorlesen flüssig und eingängig machen. Illustratorin Anastasia Zababashkina setzt die Handlung in leuchtenden Winterbildern um. Der Kontrast aus kühlen Blautönen und warmen Rot- und Orangetönen macht die Seiten lebendig. Die Schneemänner wirken fröhlich, quirlig und ein bisschen tollpatschig.

Besonders beliebt sind die Klappen, die kleine Überraschungen bereithalten. Hinter ihnen verbergen sich Geschenke, Tiere oder witzige Szenen. Allerdings sind einige Klappen sehr klein oder so angebracht, dass Kinderhände sie nur schwer erwischen können. Da ist ein bisschen Unterstützung durch einen Erwachsenen gefragt. Die Seiten bestehen aus mattem, leicht angerautem Papier. Das fühlt sich wertig an, zeigt aber schnell Knicke, wenn kleine Hände allzu eifrig an den Klappen werkeln.

Die Handlung selbst ist leicht verständlich und in wenigen Minuten vorgelesen. Kinder ab zwei Jahren können der Geschichte gut folgen. Nebenbei vermittelt die Geschichte spielerisch, dass man nicht alles allein schaffen muss und manchmal Hilfe von anderen braucht.

Insgesamt ein fröhliches, charmant illustriertes Buch mit Reimen und Klappen, das für Vorlesespaß in der Adventszeit sorgt.

Liebsten Dank an den Verlag, der uns dieses Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

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Nicole Röndigs: “Die Tortenhexe”

Nicole Röndigs (Autorin)
Katja Gehrmann (Illustratorin)
cbj Verlag
Lesealter: ab 4 Jahre
40 Seiten
Gebundenes Buch: 15,00€

Die Hexe hat mal wieder schlechte Laune! Kein Wunder – sie wohnt in einem Lebkuchenhaus. So ein Haus ist zwar prima, um leckere Kinder anzulocken, aber zum drin Wohnen ziemlich unpraktisch. Dauern picken Vögel an den Dachziegeln, und Eichhörnchen knabbern die Wände an! Doch eines Tages tauchen Greta und Henry im Wald auf und stellen der Hexe die entscheidende Frage: »Wenn du ein Haus aus lauter Lebkuchen hast, wieso isst du dann ausgerechnet Kinder?« Und damit beginnt für die Hexe das süße Leben! (Klappentext)

Lieber Kuchen statt Kinder

Mit „Die Tortenhexe“ präsentieren Nicole Röndigs und Katja Gehrmann ein weiteres Bilderbuch, das klassische Märchenmotive aufgreift und dabei herrlich verdreht. Schon beim Vorgänger „Der Marmeladenwolf“ hat das Duo bewiesen, wie viel Spaß es macht, vermeintlich gruselige Gestalten mit einer Portion Humor und einer Vorliebe für Süßes neu zu erfinden.

Die Idee hinter der Geschichte ist genial einfach: Die Hexe aus dem Lebkuchenhaus ist ständig schlecht gelaunt. Aber nicht etwa, weil sie Hunger auf Kinder hätte, sondern weil ihr Häuschen einfach unpraktisch ist. Vögel knabbern am Dach, Eichhörnchen machen sich an den Wänden zu schaffen und dauernd bröselt etwas weg. Dass da die Stimmung im Keller ist, versteht jedes Kind sofort. Erst als Greta und Henry im Wald auftauchen und die eine Frage stellen, die Generationen von Kindern zuvor sich beim Lesen des Märchens immer gestellt haben: „Wenn du ein Haus aus Lebkuchen hast, warum isst du dann Kinder?“, wendet sich das Blatt und für die Hexe beginnt endlich ein süßes Leben.

Statt moralisch schwer oder belehrend zu wirken, bleibt die Geschichte angenehm leichtfüßig. Sie setzt auf Witz und überraschende Wendungen, sodass man beim Vorlesen immer wieder ins Schmunzeln gerät. Gerade diese Mischung aus frechem Humor und kindlicher Logik macht den besonderen Reiz aus.

Sehr interessant sind auch die Illustrationen von Katja Gehrmann. Ihre Bilder sprühen vor Energie, sind bunt, krell und irgendwie speziell. Die Hexe wirkt trotz ihrer Miesepetrigkeit sympathisch, fast sogar ein bisschen liebenswert. Greta und Henry sind frech und ziemlich pfiffig. Sie trauen sich, der Hexe die entscheidende Frage zu stellen und sie mit süßen Rezepten abzulenken. Statt Angst und Schrecken herrscht am Ende Genuss, Lachen und Freude. Das ist nicht nur für Kinder eine schöne Botschaft.

Wer „Der Marmeladenwolf“ mochte, wird auch mit der „Tortenhexe“ seinen Spaß haben. Beide Bücher sind wunderbar geeignet für fröhliche Vorlesestunden, bei denen man garantiert zusammen lacht und Lust bekommt, nach dem Lesen selbst einen Kuchen zu backen.

Ein humorvolles, liebevoll illustriertes Bilderbuch, das bekannte Märchenfiguren in einem neuen Licht zeigt. Es nimmt Kindern die Angst vor der Hexe im Lebkuchenhaus und macht sie stattdessen zu einer herrlich schrulligen Figur, die man einfach gernhaben muss.

Ein Dankeschön an den Tulipan-Verlag für das zuckersüße Rezensionsexemplar!

Kennst du schon?

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Christine Kugler: “(K)ein Puuups!”

Christine Kugler (Autorin/ Illustratorin)
Penguin Junior Verlag
Lesealter: ab 2 Jahre
14 Seiten
Pappbilderbuch: 11,00€

Ups, kein Pups!?

Prinz Johann hat ein drückendes Problem: Sein Bauch zwickt und zwackt, er muss dringend pupsen! Einhorn, Ungeheuer, Pirat und Hexe haben viele Tipps auf Lager, doch nichts hilft. Wie gut, dass Prinzessin Gwendolin ihn auf dem Trampolin ein wenig ablenken kann. Da pupst es sich plötzlich ganz von alleine! Und wenn sie nicht gestorben sind, dann pupsen sie noch heute … (Klappentext)

Alltagsnahes Problem witzig verpackt

Ein Kinderbuch über Pupse. Das klingt für manche Eltern vielleicht nach einer waghalsigen Gratwanderung zwischen Klamauk und Geschmacklosigkeit. Christine Kugler gelingt es mit „(K)ein Puuups!“, die Sache erstaunlich charmant zu verpacken.

Im Mittelpunkt steht Prinz Johann, der nach einem üppigen Mittagessen mit Bohnen, Rosenkohl und Lauch ein drückendes Problem hat: Er möchte pupsen, doch es klappt einfach nicht. Auf seiner Suche nach Erleichterung trifft er auf verschiedene Figuren, die ihm gut gemeinte Ratschläge geben. Doch egal, was er versucht, das große „Pffffft“ lässt auf sich warten. Erst, als er mit Prinzessin Gwendolin auf dem Trampolin hüpft, löst sich das Problem wie von selbst.

Die Reime sind eingängig und haben einen Rhythmus, der sich beim Vorlesen ganz von allein ergibt. Ich habe mich mehr als einmal dabei ertappt, laut loszulachen. Und meine Kinder waren ebenfalls mit Begeisterung dabei. Gerade weil das Thema so „alltagsnah“ ist, kommt die Geschichte bei ihnen hervorragend an. Kinder ab zwei Jahren verstehen natürlich nicht alle Feinheiten, aber sie lieben die Wiederholung des Wortes „Pups“ und zerkringeln sich über die Geräusche, die sich beim Vorlesen fast automatisch einschleichen.

Die Illustrationen sind farbenfroh, klar und humorvoll, ohne ins Geschmacklose abzurutschen. Obwohl es hier um ein sehr körperliches Thema geht, bleibt die Darstellung kindgerecht. Es gibt keine peinlichen Bilder, sondern kleine Szenen, die eher mit Augenzwinkern arbeiten.

Natürlich muss man als Elternteil wissen, worauf man sich einlässt. Nach der Lektüre ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass „Furz“ zum neuen Lieblingswort wird und das dazugehörige Geräuschspiel über Stunden anhält. Wer damit leben kann, findet in diesem Buch eine kurzweilige und sehr lustige Vorlesegeschichte. Das Buch nimmt ein Thema auf, das Kinder ohnehin fasziniert und das im Alltag ständig vorkommt. Statt es peinlich zu verschweigen, macht die Autorin daraus eine kleine, gereimte Geschichte, die für Lacher sorgt und gleichzeitig zeigt, dass alle Körper manchmal ein Eigenleben haben.

Wie ich finde, ein freches, witziges Pappbilderbuch, das mit Reimen und Illustrationen überzeugt. Für Familien mit Humor und Gelassenheit ist es ein Riesenspaß.

Vielen lieben Dank an Penguin Junior für dieses sehr unterhaltsame und lehrreiche Buch! 😉

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Maike Harel: “Zehn freche Mümmelhasen”

Maike Harel (Autorin)
Yayo Kawamura (Illustratorin)
Tulipan Verlag
Lesealter: ab 3 Jahre
32 Seiten
Gebundenes Buch: 16,00€

Zehn freche Mümmelhasen
hüpften über grünen Rasen,
Möhrchenduft in ihren Nasen,
wollten grad zum Angriff blasen:
Kam der Gärtner schon ums Eck –
husch, da waren alle weg!


Na, so was! Erst Blödsinn aushecken und dann einfach verduften! Ob neun Zottelziegen, acht Ringeltauben, sieben Wiesenkröten, sechs Silberreiher, fünf Weinbergschnecken, vier Piekse-Mücken, drei Grizzlybären und zwei Honigbienen genauso frech sind? Und was sagt der eine Lieblingsjunge dazu? (Klappentext)

Zählen macht Spaß

In diesem Buch begleiten Kinder die zehn frechen Mümmelhasen und viele weitere tierische Freunde auf eine fröhliche Zählreise. Jede Doppelseite stellt eine neue Gruppe vor: von den Zottelziegen über Ringeltauben zu den Wiesenkröten, von den Grizzlybären bis zu den Honigbienen. Jede Tierart hat ihren eigenen Reim, der leicht zu verstehen ist und beim Vorlesen richtig Freude macht.

Die Besonderheit liegt in den Illustrationen von Yayo Kawamura. Immer eine Figur taucht auf der nächsten Seite wieder auf, oft in kleinen Szenen im Hintergrund. Kinder entdecken beim genaueren Hinsehen, dass sich die einzelnen Geschichten auf den Bildern miteinander verknüpfen. So entsteht ein zusätzliches Mitmach-Erlebnis. Man sucht nach bekannten Tieren und verfolgt kleine, versteckte Details.

Die Reime sind locker und humorvoll gestaltet. Manchmal etwas bemüht, aber schon schön. Sie helfen nicht nur beim Zählen, sondern geben dem Vorlesen eine schöne Dynamik. Kinder werden zum Mitsprechen animiert. So entsteht eine spielerische Verbindung zwischen Zahlen, Sprache und Bildern.

Besonders auffällig sind die liebevollen Details: Eine Schnecke trägt gleich zwei kleine Häuschen, ein Bär hängt kopfüber im Zirkuszelt und Popcorn landet direkt in seinem Maul. Jede Seite lädt zum Verweilen ein, sodass Kinder immer wieder neue Szenen entdecken und ihre eigene Fantasie beim Erzählen einbringen können.

Am Ende versammelt sich alles um den kleinen Jungen, der nach all den tierischen Begegnungen ins Bett geht. So bekommt das Buch einen sanften Abschluss, der die Reise der Tiere abrundet.

Zehn freche Mümmelhasen ist ein Bilderbuch, das Kinder motiviert mitzuzählen, Details in den Illustrationen zu entdecken und eigene Geschichten zu erfinden. Es verbindet Zahlen, Sprache und Fantasie auf eine sehr ansprechende Weise und macht Vorlesen zu einem aktiven Erlebnis für Kinder ab drei Jahren.

Ein liebes Dankeschön an den Tulipan Verlag, der uns dieses Buch als Rezensionsexemplar zugesandt hat!

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Hendrik Jonas: “Der Fuchs geht auf die Reise”

Hendrik Jonas (Autor/ Illustrator)
Tulipan Verlag
Lesealter: ab 3 Jahren
40 Seiten
Gebundenes Buch: 16,00€

Dies ist das Reisetagebuch vom kleinen Fuchs, der sagt: “Ich such,
damit ich nicht alleine bin,
ne Reisefuchsbegleiterin,
mit der ich auch mal dann und wann
zum Beispiel Karten spielen kann.”

So geht der fuchs auf die Reise: Und was für eine!
Er gerät in die abenteuerlichsten Situationen, ob unter Wasser, im Dschungel oder auf den höchsten Bergen – und er trifft dabei die unterschiedlichsten Tiere, die sich der Reise anschließen. Nach vielen Abenteuern kehren die Freunde schließlich todmüde zum Fuchsbau zurück, wo sie eine überraschende Entdeckung machen.

(Klappentext)

Ein Fuchs sucht Begleitung

Der kleine Fuchs hat ein Ziel, das gar nicht so ungewöhnlich ist: Er sucht jemanden, damit er nicht mehr allein ist. Dass er dafür einmal quer durch die Welt marschiert, wirkt herrlich übertrieben, und genau deshalb macht es Spaß, ihm zu folgen. Ob im Dschungel, auf schneebedeckten Bergen oder unter Wasser, er stolpert von einer Szene in die nächste und sammelt eine bunte Schar Reisegefährten ein.

Die Reime begleiten ihn dabei wie eine schwungvolle Erzählerstimme. Sie lassen sich flüssig lesen und haben Witz, manchmal auch eine kleine Überraschung im Versmaß, die mich beim Vorlesen grinsen ließ.

Besonders schön ist, wie sich der Fuchs unterwegs Gesellschaft zusammensammelt. Da entsteht fast eine kleine Karawane aus Tieren, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Ich fand das sehr charmant, weil es zeigt, dass Begegnungen oft wichtiger sind als das eigentliche Ziel. Kinder merken schnell: Gemeinsam reist es sich besser.

Die Illustrationen sind kräftig und voller Details. Ich habe oft länger auf den Seiten verweilt, um Kleinigkeiten zu entdecken. Gerade im Dschungelbild gibt es so viel zu sehen, dass man beinahe vergisst, den Text weiterzulesen. Die Schreibschrift als Schriftart fand ich interessant – sie passt optisch sehr gut, allerdings könnte sie für jüngere Kinder, die schon selbst lesen möchten, eine kleine Hürde sein. Das ist für mich der einzige Punkt, den ich ein wenig unpraktisch fand.

Das Ende ist fast schon ein kleiner Witz: Die gesuchte Füchsin lebt die ganze Zeit nebenan. Erwachsene schmunzeln, Kinder sind erst erstaunt, dann zufrieden. Die Botschaft liegt auf der Hand, ohne dass sie mit erhobenem Zeigefinger serviert wird: Manchmal liegt das Gute direkt vor der Tür, aber ohne Umwege und Abenteuer wüsste man es vielleicht gar nicht zu schätzen.

Insgesamt ist „Der Fuchs geht auf die Reise“ ein Bilderbuch, das Lust auf Unterwegssein macht, gleichzeitig aber deutlich zeigt, wie wertvoll Freundschaften sind. Mir hat die Mischung aus humorvollen Reimen, abenteuerlichen Stationen und der leisen Weisheit am Schluss gut gefallen. Ein Buch, das man gern mehrmals anschaut, weil jede Reiseetappe etwas Neues bereithält.

Ein herziges Dankeschön an den Tulipan Verlag für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar!