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Alexander Steffensmeier: “Lieselotte lauert” (Das erste Lieselotte-Abenteuer in der Jubiläumsausgabe)

Alexander Steffensmeier (Autor/ Illustrator)
Fischer Sauerländer Verlag
Lesealter: ab 4 Jahren
32 Seiten
20,00€

Jeden Morgen schaut Lieselotte schon beim Melken ungeduldig auf den Hof hinaus. Es gibt nämlich etwas, das sie mehr liebt als alles andere…

Eine spannende Geschichte über eine pirschende Kuh, einen gejagten Briefträger und eine Bäuerin, die endlich unversehrte Pakete bekommen möchte.

20 Jahre Lieselotte! Diese einzigartige Sonderausgabe hat einen Schutzumschlag, der sich in ein tolles Kinderzimmerposter verwandelt. Und noch ein besonderes Extra: Mit einem Hörbuch zum Runterladen.
(Klappentext)

Postkuh Lieselotte

Manche Kinderbuchfiguren begleiten Familien über Jahre hinweg. Nicht, weil sie übermäßig pädagogisch belehrend sind oder ständig wichtige Botschaften verkünden, sondern weil sie einfach eine unterhaltsame Geschichte erzählen. Lieselotte gehört für mich eindeutig in diese Kategorie. Seit inzwischen zwei Jahrzehnten sorgt die Kuh für gute Laune beim Vorlesen.

In Lieselotte lauert hat sie es ausgerechnet auf den Postboten abgesehen. Sie liebt es, ihm aufzulauern und ihn zu erschrecken. Immer wieder. Und erstaunlich einfallsreich. Während Lieselotte ihren Spaß hat, entwickelt der arme Mann bereits Albträume und auch die Bäuerin verliert langsam die Geduld, weil regelmäßig Pakete zu Bruch gehen.

Die Geschichte braucht dafür keine komplizierte Handlung. Die Idee ist simpel, aber daraus zieht das Buch seinen Humor. Lieselotte versteckt sich, wartet auf den richtigen Moment und bringt den Postboten zuverlässig aus der Fassung. Das ist herrlich albern, kindgerecht und die Sorte Humor, die auch nach mehrmaligem Vorlesen und über Generationen hinweg nicht langweilig wird.

Besonders entgegen kommt mir dieses Buch beim abendlichen Vorlesen. Ich habe nicht immer Lust, kurz vor dem Schlafengehen nach einem anstrengenden Tag noch gefühlt zwanzig Seiten Fließtext mit fünf verschiedenen Stimmen vorzulesen. Wenn die Kinder sich für Lieselotte lauert entscheiden, bin ich immer sehr dankbar. Der Text ist angenehm kurz gehalten, die Handlung klar verständlich und trotzdem hat man nicht das Gefühl, nur schnell das abendliche Vorlesen abgearbeitet zu haben.

Überhaupt tragen die Illustrationen einen riesigen Teil der Geschichte. Die Bilder sind groß, lebendig und voller kleiner Details. Auf vielen Seiten gibt es genug zu entdecken, sodass man beim zweiten, dritten, vierten Lesen noch Kleinigkeiten bemerkt, die vorher untergegangen sind. Für Kinder, die gern länger Bilder anschauen oder noch nicht so lange zuhören möchten, ist das ideal. Der kurze Text lässt viel Raum für eigene Beobachtungen, Fragen und kleine Suchspiele auf den Seiten.

Ganz unkritisch bin ich allerdings nicht. Der Übergang gegen Ende – von Lieselotte zerstört versehentlich das Fahrrad des Postboten zu Lieselotte trägt jetzt selbst Post aus – kommt tatsächlich ziemlich abrupt. Man versteht zwar grundsätzlich, worauf die Geschichte hinausmöchte, aber hier hätte ich mir eine zusätzliche Szene oder einen etwas weicheren Übergang gewünscht. Es wirkt ein wenig so, als würde eine Seite fehlen.

Gleichzeitig finde ich aber auch, dass man dieses Buch nicht unnötig überinterpretieren muss. Lieselotte lauert möchte keine tiefgründige Abhandlung über Konsequenzen, Schuld und Wiedergutmachung sein. Es ist in erster Linie ein Bilderbuch über eine freche Kuh, einen zunehmend verzweifelten Postboten und jede Menge Situationskomik. Meine Kinder und ich haben daran großen Spaß.

Die Jubiläumsausgabe gefällt uns ebenfalls. Der Schutzumschlag lässt sich zu einem Poster ausklappen und das zusätzliche Hörbuch zum Download ist eine schöne Ergänzung. Für uns bleibt Lieselotte lauert ein fröhliches, unkompliziertes Bilderbuch, das besonders durch seine Bilder, seinen Humor und seine angenehme Vorleselänge begeistert. Nicht der textreichste Lieselotte-Band, aber einer, zu dem wir vermutlich genau deshalb immer wieder greifen.

Ein ganz herziges Dankeschön an den Fischer Sauerländer Verlag, der uns diese Jubiläumsausgabe zur Verfügung gestellt hat! Und natürlich: Happy Birthday, Lieselotte! Auf die nächsten 20 Jahre!



Hier die klassischen großformatigen Bilderbücher in chronologischer Reihenfolge:

Lieselotte lauert (2006)

Lieselotte im Schnee (2007)

Lieselotte sucht einen Schatz (2009)

Lieselotte bleibt wach (2010)

Lieselotte macht Urlaub (2011)

Lieselotte versteckt sich (2012)

Lieselotte ist krank (2013)

Lieselotte sucht (2014)

Ein Geburtstagsfest für Lieselotte (2016)

Lieselotte will nicht baden (2017)

Lieselotte hat Langeweile (2018)

Lieselotte macht nicht mit (2019)

Lieselotte im Regen (2020)

Lieselotte macht Ferien (2021)

Zusätzlich gibt es noch:

  • viele Mini-Ausgaben
  • Pappbilderbücher
  • Erstleser
  • Wimmelbücher
  • Adventskalenderbücher
  • Sondereditionen
  • Mitmachbücher
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Ross Montgomery: “Flauschi und Schnuff büxen aus”

Ross Montgomery (Autor)
Sarah Warburton (Illustratorin)
Thienemann Verlag
Lesealter: ab 4 Jahren
40 Seiten
15,00€

Flauschi träumt von Palmen, Papageien und den wilden Meerschweinchen von Peru. Schnuff dagegen liebt seinen gemütlichen Stall. Doch als Flauschi plötzlich verschwindet, muss Schnuff all seinen Mut zusammennehmen, um seine Freundin wiederzufinden. So beginnt eine kunterbunte Reise voller Überraschungen – und voller neuer, wuscheliger Freunde. (Klappentext)

Meerschweinchen auf Abwegen

Flauschi und Schnuff leben eigentlich ein ziemlich behagliches Meerschweinchenleben. Schnuff ist damit auch vollkommen zufrieden. Ein sicherer Stall, genug Futter und Flauschi an seiner Seite. Mehr braucht er nicht zum Glücklichsein. Flauschi sieht das anders. Sie träumt von Peru, von wilden Meerschweinchen, Dschungel, Palmen und einem Leben, das ein bisschen größer ist als der eigene Stall. Als sich die Gelegenheit ergibt, schmuggelt sie sich kurzerhand in den Urlaubskoffer. Schnuff bleibt erst einmal zurück, merkt aber schnell, dass ein gemütlicher Stall nicht mehr ganz so gemütlich ist, wenn Flauschi fehlt.

Flauschi ist eindeutig die Mutigere von beiden. Oder zumindest diejenige, die erst handelt und dann vermutlich darüber nachdenkt, ob Meerschweinchen überhaupt für Fernreisen gemacht sind. Schnuff dagegen ist genügsam und zufrieden mit dem, was er hat. Diese gegensätzlichen Charaktere sind unglaublich sympathisch und süß gezeichnet. Eine will unbedingt hinaus in die Welt, der andere hätte gegen einen ganz normalen Tag im Stall wirklich nichts einzuwenden.

Erzählt wird die Geschichte in Reimen. Bei gereimten Bilderbüchern bin ich immer etwas vorsichtig, weil es schnell holpern kann oder Sätze nur gebaut werden, damit am Ende irgendwie ein passendes Wort steht. Hier liest sich der Text aber angenehm rund. Die Reime haben Tempo, klingen beim Vorlesen lebendig und bleiben trotzdem verständlich. Man stolpert nicht über verdrehte Formulierungen, sondern kommt gut durch die Geschichte. Für Kinder ab vier Jahren passt das auf jeden Fall, wobei ich mir vorstellen kann, dass auch etwas jüngere Kinder schon Freude daran haben, wenn sie gern vorgelesen bekommen.

Die Handlung selbst ist eher einfach gehalten. Flauschi bricht auf, Schnuff folgt ihr, unterwegs gibt es verschiedene Begegnungen und am Ende fügt sich alles fein zusammen. Große Gefahr oder echte Aufregung sollte man nicht erwarten. Schnuffs Weg vom vorsichtigen Stallbewohner zum mutigen kleinen Reisenden hätte für meinen Geschmack ruhig noch etwas mehr Platz bekommen dürfen. Gerade da hätte ich gern noch ein, zwei Stationen mehr gehabt, bei denen man merkt, wie sehr er über seinen eigenen Schatten springen muss.

Dafür sind die Illustrationen ein echtes Vergnügen. Auf den Seiten ist wahnsinnig viel los, ohne dass man sofort den Überblick verliert. Überall sitzen, rennen oder schauen Meerschweinchen. Manche sehen aus wie ganz normale Meerschweinchen, andere eher wie entfernte Verwandte aus einer sehr kreativen Familienchronik. Die Bilder erzählen oft noch mehr als der Text. Besonders die vielen kleinen Meerschweinchen-Varianten machen Spaß. Da entdeckt man schnell Figuren, über die im Text gar nicht gesprochen wird.

Auch der Wechsel vom gemütlichen Stall in die bunte Ferne ist schön umgesetzt. Zu Hause ist alles kuschelig und vertraut, später wird es deutlich lebendiger. Dschungel, Tiere und kleine Details sorgen dafür, dass das Buch optisch deutlich größer wirkt, als die eigentliche Geschichte ist. Der Text bleibt schlicht, aber die Bilder holen aus der Idee noch einmal sehr viel heraus.

Insgesamt ist Flauschi und Schnuff büxen aus ein schönes Vorlesebuch für kleine Leser:innen und alle, die Meerschweinchen grundsätzlich für unterschätzte Hauptfiguren halten. Der Text ist gut vorzulesen, die Geschichte bleibt überschaubar und die Illustrationen machen richtig viel daraus. Für mich liegt die größte Stärke des Buches eindeutig in den Bildern, den vielen kleinen Entdeckungen und den beiden wuscheligen Ausreißern.

Allerliebsten Dank an vorablesen.de und den Verlag für das zur Verfügung gestellte kunterbunte Rezensionsexemplar!

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Lena Anlauf: “Räuberbuch”

Lena Anlauf (Autorin)
Judith Auer (Illustratorin)
Tulipan Verlag
Lesealter: ab 3 Jahren
40 Seiten
Gebundenes Buch: 16,00 €

Was passiert, wenn ein Räuber aus einem Bilderbuch herauspurzelt? Er begibt sich gleich auf Beutezug? Weit gefehlt! Er braucht einen neuen Job. Kein Problem, mit seinen Fähigkeiten! Schließlich kann er klettern, verschlossene Dinge öffnen, mit Messern jonglieren und er kennt sich mit Gold aus! Doch die Jobsuche gestaltet sich schwieriger als gedacht …
(Klappentext)

Wenn ein Räuber plötzlich zum Fall für die Agentur für Arbeit wird

Dieses Bilderbuch kommt mit einer ziemlich schrägen Ausgangsidee daher: Ein Räuber purzelt einfach aus einem Buch heraus und landet in einer ziemlich profanen Realität. Kein Wald, kein Beutezug, keine Räuberbande. Stattdessen steht die Frage im Raum, was man mit so einem Räuber eigentlich anfängt. Ehe der Räuber irgendein krummes Ding drehen kann, beschließt das Mädchen, aus dessen Buch er gefallen ist, die Sache pragmatisch anzugehen und bringt ihn zur Agentur für Arbeit.

Dort wird dann erstaunlich optimistisch geprüft, wofür der Räuber geeignet sein könnte. Auf seiner Liste mit besonderen Fähigkeiten hat er eingetragen, dass er klettern kann, verschlossene Dinge öffnen, mit Messern jonglieren und Kenntnisse über Goldschätze besitzt. Für einen Räuber ist das natürlich ein tadelloser Lebenslauf. Für die reguläre Arbeitswelt sieht das schon etwas komplizierter aus.

Gerade diese nüchterne Gegenüberstellung von Räuberkompetenzen und Berufsalltag ist herrlich witzig. Der Räuber versucht sich als Dachdecker, doch das Ergebnis sieht eher nach Sturmschäden als nach professionellem Handwerk aus. Beim Schlüsseldienst zeigt sich schnell, dass sein Verständnis von Öffnen nicht ganz dem entspricht, was man unter professionellem Kundenservice versteht. Auch als Koch ist er weniger eine Bereicherung als ein Sicherheitsrisiko, und bei der Bank scheitert es letztlich nicht nur am Umfeld, sondern auch daran, dass ein Räuber in voller Montur zwischen geschniegelt auftretenden Angestellten einfach denkbar fehl am Platz wirkt.

Das Schöne ist aber, dass das Buch sich nicht damit begnügt, eine lustige Szene an die nächste zu reihen. Der Räuber ist keine bloße Witzfigur. Er ist traurig, als keiner dieser Jobs wirklich passt, wodurch die Geschichte eine ganz andere Wärme bekommt. Hinter dem Humor steckt eben auch die Frage, wohin jemand gehört, dessen Fähigkeiten zwar echt sind, aber nirgendwo so recht hineinpassen.

Als das namenlose Mädchen ihn dann mit in die Schule nimmt, ist das mehr als nur die nächste Station. Dort öffnet sich endlich eine Tür, die nicht nur für eine Pointe gut ist, sondern tatsächlich zu ihm passt. In der Bibliothek wird Personal gesucht und ausgerechnet dort findet dieser Räuber, der ursprünglich aus einem Buch gefallen ist, seinen Platz wieder zwischen Geschichten. Das ist als Idee so schön rund, dass man beim Vorlesen automatisch schmunzeln muss. Und dass am Ende offenbar ein paar zusätzliche Bücher in der Bibliothek gelandet sind, setzt der Geschichte noch so ein freches kleines Augenzwinkern auf.

Auch die Gestaltung passt hervorragend dazu. Die Illustrationen haben etwas Eigenwilliges und Unaufgeregtes, das sehr gut mit dem Humor des Textes harmoniert. Sie wollen nicht geschniegelt niedlich sein, sondern tragen diesen trockenen, leicht schrägen Ton mit. Gerade dadurch wirken sie passend. Man spürt in ihnen Bewegung, Komik und zugleich etwas angenehm Altmodisches, das der Geschichte gut steht.

Insgesamt ist Räuberbuch für mich vor allem eine sehr unterhaltsame, kurze Vorlesegeschichte mit einer ungewöhnlichen Idee, die nicht auf Klamauk reduziert wird. Der Humor funktioniert, weil der Räuber nicht bloß Chaos anrichtet, sondern mit ernsthafter Überzeugung versucht, irgendwo unterzukommen. Unterhaltsam, originell und mit einem sehr schönen, augenzwinkernden Ende.

Vielen lieben Dank an den Verlag für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar!

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Ben Mantle: “Der allertollste Bruder der Welt”

Ben Mantle (Autor/ Illustrator)
Penguin Junior Verlag
Lesealter: ab 4 Jahren
40 Seiten
Gebundenes Buch: 15,00 €

Allerbeste Geschwister

Nano hat seinen großen Bruder Felix ganz doll lieb. Und Nano weiß, dass Felix ihn auch lieb hat – meistens jedenfalls. Doch was tut man, wenn der allertollste große Bruder der Welt einfach nur seine Ruhe haben will? Na, alleine spielen, überhaupt gar kein Problem! Oder etwa doch?!
(Klappentext)

Über die besondere Magie zwischen Geschwistern

Geschwisterbeziehungen sind schon etwas ganz Besonderes. Sie sind geprägt von Nähe, Bewunderung, kleinen Streitigkeiten und einem Band, das selbst nach turbulenten Momenten bestehen bleibt. Um dieses Wechselspiel geht es in diesem unglaublich warmherzigen und humorvollen Bilderbuch.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Nano, der seinen großen Bruder Felix über alles liebt. Für Nano ist Felix nicht einfach nur ein Bruder, er ist der allertollste Bruder der Welt. Gemeinsam spielen, Abenteuer erleben und Zeit miteinander verbringen, ist für Nano das Größte. Doch wie es unter Geschwistern nun einmal ist, gibt es auch Momente, in denen der große Bruder einfach seine Ruhe haben möchte. Für Felix wird das Baumhaus zu einem Rückzugsort, zu dem Nano keinen Zutritt hat. Für den kleinen Bruder ist das zunächst schwer zu verstehen. Die Enttäuschung ist groß, denn für Nano gehört Felix zu allem dazu.

Diese recht alltägliche Situation wird auf eine sehr einfühlsame Weise erzählt. Man begleitet Nano dabei, wie er versucht, mit der Situation umzugehen. Er baut sich kurzerhand sein eigenes kleines Reich und versucht, allein zurechtzukommen. Doch als das Wetter umschlägt und sein gemütliches Regenschirmhaus vom Wind davongetragen wird, ohne dass der große Bruder zu Hilfe eilt, ist Nano wütend und traurig.

Meine beiden kleineren Kinder lieben dieses Buch. Beim Vorlesen schlüpfen sie abwechselnd in die Rolle des Nano (ich muss dann mit veränderten Namen vorlesen) und der große Bruder ist selbstverständlich der allertollste überhaupt. Genau daran sieht man doch, wie nahbar diese Geschichte erzählt ist.

Außerdem sind die Illustrationen mein persönliches Highlight. Die Darstellung des regnerischen Gartens und der wechselnden Wetterstimmung ist außergewöhnlich gut gelungen. Man spürt förmlich die Atmosphäre eines warmen, aber regnerischen Tages, riecht die feuchte Erde und hört das Pladder-Pladder und Klonk-Klonk der Regentropfen. Gleichzeitig sind die Figuren so liebevoll gestaltet, dass man ihre Gefühle auch ohne viele Worte sofort erkennt. Die Mimik und Körpersprache der beiden Brüder transportieren Emotionen auf sehr zugängliche und kindgerechte Weise. Auch die kleinen humorvollen Details in den Illustrationen laden zum Entdecken ein und sorgen dafür, dass das Buch nicht nur einmal, sondern immer wieder gerne zur Hand genommen wird.

Inhaltlich vermittelt die Geschichte eine wichtige Botschaft: Geschwister müssen nicht immer alles gemeinsam machen. Es ist völlig in Ordnung, wenn jeder auch einmal Zeit für sich braucht. Gleichzeitig zeigt das Buch, dass Streit und kleine Konflikte dazugehören und dass die Verbindung zwischen Geschwistern oft stärker ist, als man denkt.

Insgesamt also ein warmherziges, humorvolles und zugleich sehr authentisches Bilderbuch über Geschwisterliebe. Die Geschichte überzeugt durch ihren hohen Wiedererkennungswert, die liebevollen Figuren und die beeindruckenden Illustrationen, die besonders die Stimmung eines regnerischen Tages wunderschön einfangen.

Ein wunderbares Vorlesebuch ab etwa vier Jahren, das zeigt, dass Geschwister sich manchmal streiten, aber am Ende immer zusammenhalten. Und dass der große Bruder eben doch (meistens) der allertollste der Welt ist.

Vielen lieben Dank an der Verlag, der uns dieses Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat!

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Dirk Pope: “Grossmaul!”

Dirk Pope (Autor)
Sabine Kranz (Illustratorin)
Tulipan Verlag
Lesealter: ab 3 Jahren
32 Seiten
Gebundenes Buch: 16,00 €

Wer am lautesten prahlt, hat nicht immer das letzte Wort.

Der Frosch ist stolz auf sein riesiges Maul – und verschluckt mit einem Happs die Fliege, die summend ihre Kreise zieht. Doch der angeberische Frosch ist nichts gegen den Storch, der erst groß tönt und dann den Frosch verspeist. Aber es gibt immer ein noch größeres Großmaul und so geht es prahlerisch quer durch das Tierreich, bis ausgerechnet der mit dem größten Maul überhaupt keine Lust auf Angebereien hat und dem Treiben ein Ende bereitet. (Klappentext)

Das größte Maul vom Seerosenteich

Der Frosch ist sich sicher: Am Seerosenteich hat niemand ein größeres Maul als er. Also schnappt er sich kurzerhand eine Fliege und fühlt sich dabei ziemlich cool. Doch lange kann er seinen Triumph nicht auskosten. Denn kurz darauf taucht ein Storch auf und verschluckt den Frosch, der die Fliege verschluckt hat. Und dann kommt der Fuchs. Und danach ein noch größeres Tier. So steigert sich die Geschichte von Seite zu Seite, bis schließlich jemand auftaucht, der zwar das größte Maul hat, aber mit der Angeberei wenig anfangen kann und dem Ganzen endlich ein Ende setzt.

Das Prinzip der Handlung ist ziemlich simpel: Immer kommt noch ein Tier dazu, das größer ist als das vorherige. Meine Kinder sind mit Begeisterung dabei, weil sich die Geschichte durch dieses einfache Schema leicht erschließt und schnell ein Mitsprech-Rhythmus entsteht. Besonders witzig fanden sie außerdem, dass man das nächste Tier häufig schon auf den Bildern entdecken kann, bevor es überhaupt ins Geschehen eingreift. Dieses gemeinsame Suchen und Entdecken hat beim Vorlesen fast noch mehr Spaß gemacht als der eigentliche Text.

Der Text selbst ist knapp gehalten und arbeitet viel mit Wiederholungen. Das sorgt dafür, dass Kinder schnell ein Gefühl für den Aufbau bekommen und sich die Passagen einprägen. Nach kurzer Zeit konnten meine Kinder die „Verschluck-Kette“ schon mitsprechen und hatten sichtlich Freude daran, die Reihenfolge selbst weiterzuführen. Insbesondere für das empfohlene Alter ab drei Jahren passt das sehr gut.

Die Illustrationen von Sabine Kranz greifen den Humor der Geschichte schön auf. Sie sind farbenfroh, etwas frech gestaltet und bieten einige Details. Besonders die Gesichtsausdrücke der Tiere haben uns immer wieder schmunzeln lassen. Inhaltlich bleibt die Geschichte bewusst einfach. Die Handlung konzentriert sich ganz auf die sich steigernde Kette der „Großmäuler“. Das reicht den Kiddies, auch wenn ich mir an manchen Stellen ein wenig mehr gewünscht hätte. Die Geschichte ist recht schnell erzählt und auch das Ende kommt zügig.

Schön ist außerdem, dass trotz des „Verschluckens“ der Tiere alles leicht und humorvoll bleibt. Es entsteht keine unangenehme Spannung, sondern vielmehr ein spielerischer Wettstreit, der am Ende freundlich aufgelöst wird. Die kleine Pointe zum Schluss sorgt zusätzlich noch einmal für ein Schmunzeln.

„Großmaul“ ist ein kurzweiliges Bilderbuch, das besonders durch seinen wiederkehrenden Aufbau und die humorvollen Illustrationen überzeugt. Beim Vorlesen mit meinen Kindern hat die Geschichte vor allem durch das Mitsprechen und Entdecken der verschiedenen Tiere funktioniert. Ein unkomplizierter Bilderbuchspaß für zwischendurch.

Vielen lieben Dank an den Tulipan Verlag, der uns dieses Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat!

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Christian Merveille: “Eilig, so unglaublich eilig!”

Christian Merveille (Autor)
Lorenzo Sangiò(Illustrator)
Penguin Junior Verlag
Lesealter: ab 4 Jahre
32 Seiten
Gebundenes Buch: 15,00€

Es war einmal ein Hase.
Ein Hase, der es eilig hatte, sehr eilig.
Unglaublich eilig!
Und so rennt er durch die Geschichte.
Rennst du mit ihm?
Oder würdest du dir lieber Zeit lassen und unterwegs viel Schönes entdecken?
Such es dir aus!

(Klappentext)

Ein Bilderbuch, das zum Innehalten einlädt

In diesem Buch geht es um einen Hasen in großer Eile. Er rennt los, hastet durch die Straßen, durch den Tag, immer mit dem Gefühl, dringend irgendwohin zu müssen. Warum? Wieso? Weshalb? Wohin? Das alles bleibt erstmal offen. Wichtig ist nur: Er ist schnell. Sehr schnell. Und während er rennt, geschehen um ihn herum so viele Dinge, die er gar nicht wahrnimmt – Freunde, kleine Wunder, alltägliche Momente. Erst am Ende des Tages, wenn es zu dunkel wird, um schnell zu rennen, wird er gezwungenermaßen langsamer. Am Ende des Weges warten seine Freunde bereits auf ihn. Und plötzlich stellt sich die Frage: War die Eile überhaupt nötig?

Dieses warmherzige Bilderbuch erzählt eine einfache Geschichte. Es gibt keinen großen Konflikt, sondern einfach eine Situation, die man verfolgt. Man begleitet einen Hasen durch einen Tag voller Hast und erkennt nach und nach, was ihm dabei entgeht. Der Text ist knapp gehalten und folgt dem Rhythmus des Laufens. Das Vorlesen fühlt sich zunächst tatsächlich etwas schneller an und spiegelt die Situation des Hasen wider.

Die Illustrationen setzen dazu einen schönen Kontrast. Während der Hase rennt, zeigen sie all das, was am Wegesrand passiert: kleine Szenen, Begegnungen, Details, die man beim ersten Durchgang leicht übersieht. Kinder bleiben an dieser Stelle oft schon länger hängen als der Text es vorgibt. Sie zeigen, erzählen, fragen.

Einzigartig ist das Ende der Geschichte. Die Handlung ist nicht einfach vorbei, nachdem der Hase bei seinen Freunden ankommt. Sondern das Buch richtet sich direkt an die Kinder. Sie dürfen entscheiden, ob sie den Hasen noch einmal begleiten möchten. Nicht noch einmal so schnell, sondern bewusst langsamer. Beim zweiten Lesen verändert sich das Buch spürbar. Plötzlich wird nicht mehr durchgeblättert, sondern verweilt. Man entdeckt Dinge, die vorher keine Rolle gespielt haben. Der Weg wird interessant, nicht nur das Ankommen.

Für Kinder ab etwa vier Jahren funktioniert das insbesondere beim ersten Vorlesen sehr gut, auch wenn sie natürlich an den Illustrationen hängenbleiben. Die Bilder sind detailreich und in warmen, leuchtenden Tönen gehalten. Ein bisschen nostalgisch, aber dadurch strahlen sie eine innere Ruhe aus, die dem Häschen etwas abhanden gekommen ist.

„Eilig, so unglaublich eilig!“ ist ein wirklich warmherziges Bilderbuch, das nicht ausbremst, sondern einlädt. Zum Wiederlesen. Zum Entdecken. Und dazu, den Weg vielleicht einfach ein bisschen bewusster zu gehen.

Allerliebsten Dank an den Penguin Junior Verlag für das Rezensionsexemplar!

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Ben Clanton: “Dieses Buch ist gefährlich”

Ben Clanton (Autor/ Illustrator)
cbj Verlag
Lesealter: ab 3 Jahren
52 Seiten
Gebundenes Buch: 15,00€

Dieses Buch ist gefährlich

In diesem Buch lauern auf jeder Seite Gefahren – aber die kleine Qualle darin mag gefährliche Dinge überhaupt nicht! Am liebsten möchte sie aus dem Buch heraus… oder zumindest sicher bis ans Ende kommen. Komm mit und begleite die kleine Qualle auf ihrer gefährlichen Reise. Aber wehe, du weckst die schlafenden Wasserschlangen, spielst an der versunkenen Kanone herum, oder machst irgendetwas anderes, dass dieses gefährliche Buch für die kleine Qualle noch gefährlicher macht! (Klappentext)

Für kleine Unruhestifter

In diesem Buch geht es um eine kleine Qualle, die eigentlich nur eines möchte: sicher und unauffällig bis zur letzten Seite kommen. Leider hat sie Pech, denn sie steckt ausgerechnet in einem Buch, das voller Warnschilder, und Gefahren steckt. Schlafende Seeschlangen, Kanonen, spitze Dinge und hungrige Haie. Alles, was man lieber meiden sollte, taucht hier auf. Und während die Qualle verzweifelt versucht, Schaden abzuwenden, sitzen auf der anderen Seite die Kinder, die entscheiden können, ob sie leise sind, die Kanone anfassen, weiterblättern oder das Buch schütteln.

Der Reiz dieses Buches liegt im Miteinander zwischen der Qualle und den kleinen Leser:innen. Die Qualle kommentiert, protestiert, bittet, schimpft und gerät zunehmend aus der Fassung. Sie weiß genau, was schiefgehen kann, und kündigt das Unheil meist schon im Voraus an. Gerade dadurch wird jede Seite spannend, denn natürlich will man ausprobieren, was passiert, wenn man sich nicht an die Regeln hält.

Der Text arbeitet viel mit direkter Ansprache und kurzen, klaren Aufforderungen. Kinder werden nicht belehrt, sondern angesprochen. Sie dürfen Entscheidungen treffen, auch wenn diese Entscheidungen für die Qualle ausgesprochen unangenehm sind. Das sorgt für allerhand Gelächter (auch bei uns Vorlesenden).

Die Illustrationen unterstützen die Handlung hervorragend. Sie sind grafisch stark, mit kontrastreichen Farben und sehr deutlichen Ausdrücken. Die Qualle ist in ihrer Körpersprache extrem gut lesbar: Angst, Wut, Panik, Hoffnung. Alle Emotionen sind deutlich erkennbar. Dazu kommen die vielen Schilder, Pfeile und Warnhinweise, die fast schon überfordern und genau dieses Gefühl von „Hier läuft alles schief“ visuell verstärken. Man bleibt automatisch hängen und sucht Details.

Was mir besonders gefallen hat, ist, dass das Buch keine Spielereien braucht, keine Klappen, keine Pop-ups, keine Extras. Alles passiert über Sprache, Bild und das aktive Mitmachen der Kinder. Das fördert das aktive Zuhören, das Wahrnehmen und zeigt erste Reaktionsketten: Wenn ich dies tue, dann passiert das.

„Dieses Buch ist gefährlich“ eignet sich hervorragend für Kinder ab etwa drei Jahren, die Spaß daran haben, Dinge auszuprobieren, Regeln zu ‘hinterfragen’ und Reaktionen auszulösen. Und die kleine Qualle muss das irgendwie aushalten.

Vielen lieben Dank an vorablesen.de und den Verlag, die uns dieses brandgefährliche Buch zu Rezensionszwecken überlassen haben!

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Maike Harel: “Zehn freche Mümmelhasen”

Maike Harel (Autorin)
Yayo Kawamura (Illustratorin)
Tulipan Verlag
Lesealter: ab 3 Jahre
32 Seiten
Gebundenes Buch: 16,00€

Zehn freche Mümmelhasen
hüpften über grünen Rasen,
Möhrchenduft in ihren Nasen,
wollten grad zum Angriff blasen:
Kam der Gärtner schon ums Eck –
husch, da waren alle weg!


Na, so was! Erst Blödsinn aushecken und dann einfach verduften! Ob neun Zottelziegen, acht Ringeltauben, sieben Wiesenkröten, sechs Silberreiher, fünf Weinbergschnecken, vier Piekse-Mücken, drei Grizzlybären und zwei Honigbienen genauso frech sind? Und was sagt der eine Lieblingsjunge dazu? (Klappentext)

Zählen macht Spaß

In diesem Buch begleiten Kinder die zehn frechen Mümmelhasen und viele weitere tierische Freunde auf eine fröhliche Zählreise. Jede Doppelseite stellt eine neue Gruppe vor: von den Zottelziegen über Ringeltauben zu den Wiesenkröten, von den Grizzlybären bis zu den Honigbienen. Jede Tierart hat ihren eigenen Reim, der leicht zu verstehen ist und beim Vorlesen richtig Freude macht.

Die Besonderheit liegt in den Illustrationen von Yayo Kawamura. Immer eine Figur taucht auf der nächsten Seite wieder auf, oft in kleinen Szenen im Hintergrund. Kinder entdecken beim genaueren Hinsehen, dass sich die einzelnen Geschichten auf den Bildern miteinander verknüpfen. So entsteht ein zusätzliches Mitmach-Erlebnis. Man sucht nach bekannten Tieren und verfolgt kleine, versteckte Details.

Die Reime sind locker und humorvoll gestaltet. Manchmal etwas bemüht, aber schon schön. Sie helfen nicht nur beim Zählen, sondern geben dem Vorlesen eine schöne Dynamik. Kinder werden zum Mitsprechen animiert. So entsteht eine spielerische Verbindung zwischen Zahlen, Sprache und Bildern.

Besonders auffällig sind die liebevollen Details: Eine Schnecke trägt gleich zwei kleine Häuschen, ein Bär hängt kopfüber im Zirkuszelt und Popcorn landet direkt in seinem Maul. Jede Seite lädt zum Verweilen ein, sodass Kinder immer wieder neue Szenen entdecken und ihre eigene Fantasie beim Erzählen einbringen können.

Am Ende versammelt sich alles um den kleinen Jungen, der nach all den tierischen Begegnungen ins Bett geht. So bekommt das Buch einen sanften Abschluss, der die Reise der Tiere abrundet.

Zehn freche Mümmelhasen ist ein Bilderbuch, das Kinder motiviert mitzuzählen, Details in den Illustrationen zu entdecken und eigene Geschichten zu erfinden. Es verbindet Zahlen, Sprache und Fantasie auf eine sehr ansprechende Weise und macht Vorlesen zu einem aktiven Erlebnis für Kinder ab drei Jahren.

Ein liebes Dankeschön an den Tulipan Verlag, der uns dieses Buch als Rezensionsexemplar zugesandt hat!

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Hendrik Jonas: “Der Fuchs geht auf die Reise”

Hendrik Jonas (Autor/ Illustrator)
Tulipan Verlag
Lesealter: ab 3 Jahren
40 Seiten
Gebundenes Buch: 16,00€

Dies ist das Reisetagebuch vom kleinen Fuchs, der sagt: “Ich such,
damit ich nicht alleine bin,
ne Reisefuchsbegleiterin,
mit der ich auch mal dann und wann
zum Beispiel Karten spielen kann.”

So geht der fuchs auf die Reise: Und was für eine!
Er gerät in die abenteuerlichsten Situationen, ob unter Wasser, im Dschungel oder auf den höchsten Bergen – und er trifft dabei die unterschiedlichsten Tiere, die sich der Reise anschließen. Nach vielen Abenteuern kehren die Freunde schließlich todmüde zum Fuchsbau zurück, wo sie eine überraschende Entdeckung machen.

(Klappentext)

Ein Fuchs sucht Begleitung

Der kleine Fuchs hat ein Ziel, das gar nicht so ungewöhnlich ist: Er sucht jemanden, damit er nicht mehr allein ist. Dass er dafür einmal quer durch die Welt marschiert, wirkt herrlich übertrieben, und genau deshalb macht es Spaß, ihm zu folgen. Ob im Dschungel, auf schneebedeckten Bergen oder unter Wasser, er stolpert von einer Szene in die nächste und sammelt eine bunte Schar Reisegefährten ein.

Die Reime begleiten ihn dabei wie eine schwungvolle Erzählerstimme. Sie lassen sich flüssig lesen und haben Witz, manchmal auch eine kleine Überraschung im Versmaß, die mich beim Vorlesen grinsen ließ.

Besonders schön ist, wie sich der Fuchs unterwegs Gesellschaft zusammensammelt. Da entsteht fast eine kleine Karawane aus Tieren, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Ich fand das sehr charmant, weil es zeigt, dass Begegnungen oft wichtiger sind als das eigentliche Ziel. Kinder merken schnell: Gemeinsam reist es sich besser.

Die Illustrationen sind kräftig und voller Details. Ich habe oft länger auf den Seiten verweilt, um Kleinigkeiten zu entdecken. Gerade im Dschungelbild gibt es so viel zu sehen, dass man beinahe vergisst, den Text weiterzulesen. Die Schreibschrift als Schriftart fand ich interessant – sie passt optisch sehr gut, allerdings könnte sie für jüngere Kinder, die schon selbst lesen möchten, eine kleine Hürde sein. Das ist für mich der einzige Punkt, den ich ein wenig unpraktisch fand.

Das Ende ist fast schon ein kleiner Witz: Die gesuchte Füchsin lebt die ganze Zeit nebenan. Erwachsene schmunzeln, Kinder sind erst erstaunt, dann zufrieden. Die Botschaft liegt auf der Hand, ohne dass sie mit erhobenem Zeigefinger serviert wird: Manchmal liegt das Gute direkt vor der Tür, aber ohne Umwege und Abenteuer wüsste man es vielleicht gar nicht zu schätzen.

Insgesamt ist „Der Fuchs geht auf die Reise“ ein Bilderbuch, das Lust auf Unterwegssein macht, gleichzeitig aber deutlich zeigt, wie wertvoll Freundschaften sind. Mir hat die Mischung aus humorvollen Reimen, abenteuerlichen Stationen und der leisen Weisheit am Schluss gut gefallen. Ein Buch, das man gern mehrmals anschaut, weil jede Reiseetappe etwas Neues bereithält.

Ein herziges Dankeschön an den Tulipan Verlag für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar!

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Anja Kiel: “tiptoi® Kira Katze und die Sache mit dem Streit”

Anja Kiel (Autorin)
Simone Leiss-Bohn (Illustratorin)
Ravensburger Verlag
Lesealter: ab 3 Jahren
16 Seiten
Gebundenes Buch: 12,99€

Streiten will gelernt sein!

Kira Katze freut sich auf das Begrüßungsfest für Familie Meerschweinchen, die neu auf den Sonnenblumenhof gezogen ist. Bei den Vorbereitungen, dem Aufbau und der Feier kommt es zu vielen großen und kleinen Streitigkeiten, die ganz unterschiedlich ablaufen. Manche Tiere werden laut, manche ziehen sich zurück, andere versuchen den Streit zu schlichten. Kira merkt, dass Streit zum Zusammenleben dazugehört. Eine interaktive Bildergeschichte über den Umgang mit Gefühlen. (Klappentext)

Zum Thema Streiten und Vertragen

Kira Katze ist mittendrin, als auf dem Sonnenblumenhof die Vorbereitungen für das Willkommensfest von Familie Meerschweinchen beginnen. Doch wo viele mitmischen, fliegen auch mal die Fetzen: Missverständnisse, Ungeduld, verschiedene Vorstellungen. Eine Fülle von typischen Konfliktauslösern im Kleinen, wie Kinder sie aus ihrem Alltag nur zu gut kennen. Kira merkt, dass Streiten zum Zusammenleben dazugehört, solange man wieder zueinander findet.

Dieses tiptoi®-Buch erzählt eine durchgehende Geschichte, die Kinder ab vier Jahren durch die Höhen und Tiefen des Miteinanders begleitet. Kira ist dabei eine Figur mit hohem Identifikationspotenzial. Sie ist sensibel, aber nicht konfliktscheu, freundlich, aber auch mal überfordert. Sie zeigt, wie man Gefühle ernst nimmt, ohne sich dafür zu schämen oder die anderen zu übergehen.

Die Geschichte entfaltet sich schrittweise über Doppelseiten. Viele Bereiche der Seiten reagieren ebenfalls auf den Stift und laden zum spielerischen Entdecken ein. Besonders schön sind die liebevollen Kleinigkeiten, die nicht direkt zur Haupthandlung gehören. Kinder können so nicht nur den Hauptfiguren zuhören, sondern auch Umgebungsgeräusche hören, kurze Zusatzinformationen erhalten und sich kleine Nebenkommentare berichten lassen.

Dennoch ist die Geschichte stellenweise etwas lang geraten, insbesondere, wenn man das Buch in einem Rutsch durchgehen möchte. In Etappen funktioniert es deutlich besser, gerade für jüngere Kinder mit kürzerer Aufmerksamkeitsspanne.

Insgesamt ist das Buch eine gelungene Ergänzung im tiptoi®-Universum. Statt Sachwissen über Bagger oder Tiere steht hier das emotionale Miteinander im Mittelpunkt. Und das ist für Kinder mindestens so wertvoll, wenn nicht sogar wichtiger. Ein schönes, kluges Buch für alle, die lernen möchten, dass Streiten kein Weltuntergang ist, sondern eine Chance, sich besser zu verstehen.

Vielen lieben Dank an vorablesen.de und den Ravensburger Verlag!