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Detektive Kinderbücher Kinderbücher ab 10 Jahre Natur Rezensionen

Beate Dölling: “Das schwarze Huhn von Hohenbutzen”

Beate Dölling (Autorin)
Tine Schulz (Illustratorin)
Tulipan Verlag
Lesealter: ab 10 Jahre
192 Seiten
Gebundenes Buch: 16,00€

Ein spektakulärer Diamantenraub hält das beschauliche Dorf Hohenbutzen in Atem. Der Sohn der alten Rabenschlag wurde mit der Beute geschnappt. Wundern tut das niemanden, denn der ist ja schon immer ein eigenartiger Kauz gewesen. Und seine Mutter erst – eindeutig eine Hexe! Milena und ihre Geschwister, die in Hohenbutzen einen Ökourlaub ohne Strom und fließendes Wasser verbringen wollen, finden das alles mehr als spannend! Was, wenn sie den immer noch vermissten Diamanten finden würden, der ein Vermögen wert sein soll? Sie ahnen nicht, dass sie bald schon mitten hinein geraten in das Geschehen und einer hundsgemeinen Intrige auf die Spur kommen. (Klappentext)

Ein moderner Kinderkrimi mit Herz, Witz und wichtigen Themen

Das schwarze Huhn von Hohenbutzen ist eine Detektivgeschichte, die mit Witz, Tempo und einem modernen Blick erzählt wird. Statt Großstadt und Hightech gibt’s ein Ökohaus ohne Strom, ein verschwundenes Juwel und ein schwarzes Huhn, das es in sich hat.

Milena und ihre Geschwister Bruno und Catia verbringen ihre Ferien in Hohenbutzen, einem Dorf, das so ruhig wirkt, dass kaum jemand an einen echten Kriminalfall glauben würde. Doch dann verschwindet ein wertvoller Diamant und plötzlich scheint die Beschaulichkeit sehr trügersich. Herr von Kniebeltreu, der örtliche Geschäftsmann, wittert seine Chance: Er will das Land der alten Frau Rabenschlag kaufen, die mit ihrem schwarzen Huhn Lilo in einer kleinen Butze lebt – angeblich eine Hexe, sagen die Dorfbewohner. Schon bald merken Milena und ihre Freunde, dass mehr hinter der Geschichte steckt, als Gerede und Aberglaube.

Beate Dölling hat ein gutes Gespür für Kinderfiguren. Ihre Dialoge klingen natürlich, die Dynamik zwischen den Geschwistern ist echt und Catia mit Down-Syndrom ist wunderbar unaufgeregt integriert. Sie ist kein „besonderer Fall“, sondern einfach ein Teil der Familie. Sie ist neugierig, schlagfertig und mutig. Überhaupt gelingt es Dölling, Themen wie Inklusion, Klimaschutz oder Identität ganz selbstverständlich einzubauen. Wenn die Kinder über alternative Energieformen oder über Transgender sprechen, wirkt das weder erzwungen noch pädagogisch, sondern so, wie Kinder heute eben sprechen.

Der Krimiteil bleibt dabei spannend und leichtfüßig. Das Tempo stimmt, die Auflösung ist überraschend und Huhn Lilo sorgt für genau die richtige Portion Absurdität. Herr von Kniebeltreu als Gegenspieler ist wunderbar überzeichnet, gierig und skrupellos, wie man es in einem Kinderkrimi gern hat.

Besonders schön ist die Haltung, die das Buch vermittelt: dass man Dinge hinterfragen darf, statt einfach zu glauben, was andere sagen. Und dass es manchmal Mut braucht, um zu erkennen, wer hier eigentlich ein „komisches Huhn“ ist.

Insgesamt ist dieses Buch witzig, modern und voller Leben. Es verbindet einen unterhaltsamen Kriminalfall mit Themen, die Kinder wirklich beschäftigen. Ein Buch, das zeigt, dass gute Geschichten Haltung haben dürfen und nicht zwangsläufig schwer im Magen liegen.

Vielen lieben Dank an den Tulipan Verlag, der uns dieses Buch zu Rezensionszwecken überlassen hat!

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Engelbert Humperdinck: “Hänsel und Gretel: Ein Musik-Bilderbuch zum Hören”

Jessica Courtney-Tickle (Autorin/ Illustratorin)
Prestel Verlag
Lesealter: ab 4 Jahre
24 Seiten
Gebundenes Buch: 26,00€

Die geliebte Kinderoper als Musikbilderbuch

Mit der romantischen Oper »Hänsel und Gretel« schuf Engelbert Humperdinck die wohl bekannteste Märchenoper. Bis heute ist sie die meistgespielte Oper und wird besonders häufig in der Adventszeit aufgeführt. Kinder (und Erwachsene) lieben die märchenhafte Oper, die auf dem bekannten Grimmschen Märchen basiert, vor allem wegen ihrer schönen und eingängigen Melodien. Wer erinnert sich nicht an die geliebten Ohrwürmer »Suse, liebe Suse, was raschelt im Stroh?«, »Brüderchen, komm tanz mit mir«, den gefühlvollen »Abendsegen« und das »Knusper, knusper Knäuschen, wer knuspert mir am Häuschen« der bösen Hexe? Mit ihren bezaubernden Illustrationen erzählt Jessica Courtney-Tickle die Geschichte von Hänsel und Gretel sehr liebevoll nach, sodass auch jüngere Kinder sie verstehen können. Auf jeder Seite findet sich dabei ein Notenzeichen, und wer darauf drückt, hört die allerschönsten Melodien zum jeweiligen Bild. Das Buch bietet einen perfekten Einstieg in die Welt der klassischen Musik und ist die perfekte Ergänzung zu den anderen Titeln der beliebten Reihe wie »Der Nussknacker«, »Peter und der Wolf« oder »Schwanensee«.Besonders hochwertig ausgestattet mit Goldfolienprägung auf dem Einband. (Klappentext)

Stimmiges Gesamtpaket aus Kunst, Klang und klassischer Erzählfreude

Die Prestel-Reihe der Musik-Bilderbücher hat sich längst zu einer kleinen Institution entwickelt, wenn es darum geht, Kindern klassische Musik nahezubringen, ohne dass sie dabei das Gefühl haben, in einem Konzertsaal stillsitzen zu müssen. Nun also Engelbert Humperdincks „Hänsel und Gretel“ – und das in einer Version, die zeigt, dass man Oper auch mit vier Jahren schon genießen kann, wenn man die richtige Verpackung wählt.

Das Buch erzählt die bekannte Geschichte um die Geschwister Hänsel und Gretel, die sich im Wald verirren, das Lebkuchenhaus entdecken und der listigen Hexe begegnen – so reduziert und liebevoll, dass auch jüngere Kinder der Handlung problemlos folgen können. Die Sprache bleibt klar und verständlich und Jessica Courtney-Tickles farbenfrohe Illustrationen schaffen es, das Märchen in eine warme, leuchtende Herbststimmung zu tauchen. Es gibt so viel zu entdecken. Von winzigen Waldtieren bis zu kunstvollen Mustern auf dem Hexenhaus. Besonders die goldene Folienprägung auf dem Cover sorgt dafür, dass das Buch schon rein optisch ein echter Hingucker ist.

Der Clou liegt natürlich in der Musik. Auf jeder Doppelseite findet sich eine kleine Note, die Kinder antippen können – und schon erklingt ein Ausschnitt aus Humperdincks Oper. Klassiker wie „Brüderchen, komm tanz mit mir“, der „Abendsegen“ oder das berühmte „Knusper, knusper Knäuschen“ sind hier in (sehr) kurzen Sequenzen eingebunden. Die Soundqualität ist okay für ein Bilderbuchmodul. Nur jüngere Kinder brauchen anfangs etwas Hilfe beim Drücken – die Noten reagieren besser, wenn man mit etwas Nachdruck tippt.

Ich finde das Gesamtpaket in Bezug auf die Zielgruppe wirklich stimmig. Statt langer Erklärtexte oder angestaubter Musikvermittlung entsteht ein ganz natürliches Zusammenspiel aus Bild, Geschichte und Klang. Kinder erleben die Musik nicht als „etwas Schwieriges“, bei dem man lange stillsitzen und zuhören muss, sondern als Teil des Abenteuers. Die Musikstücke werden zwar nur kurz angerissen, aber als erster Kontakt zur Oper ist es für Kinder völlig ausreichend, zumal Bild und Handlung in diesem Buch auch sehr präsent sind.

Einziger kleiner Kritikpunkt meinerseits: Das Buch ist – wie alle Titel der Reihe – kein Pappbilderbuch, sondern besteht aus nicht reißfestem Papier. Bei sehr kleinen, übereifrigen Kinderhänden ist daher Vorsicht geboten.

Aber das sind Kleinigkeiten in einem sonst hervorragend durchdachten Konzept. „Hänsel und Gretel“ ist ein stimmiges Gesamtpaket aus Kunst, Klang und klassischer Erzählfreude. Für uns ist es ein liebevoll gestaltetes Musikbilderbuch, das Oper greifbar macht. Perfekt für kleine Musikentdecker. Und ja – danach hat man wirklich Lust auf Lebkuchen.

Ein liebevolles Dankeschön an den Prestel Verlag, der uns dieses wunderbare Buch zu Rezensionszwecken zugestellt hat!

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Kinderbücher ab 8 Jahre Ratgeber Rezensionen Sachbücher für Kinder

Wouter de Jong: “Dein Kopf, der Superheld

Wouter de Jong (Autor)
Hein de Kort (Illustrator)
Baumhaus Verlag
Lesealter: ab 8 Jahren
160 Seiten
Gebundenes Buch: 16,00€

Wenn das Leben ein Spiel ist, ist dein Kopf der Controller.

Wecke die Superkräfte in dir! Denn in diesem Buch erfährst du nicht nur, wie dein Kopf und dein Geist funktionieren, sondern auch, welche Superkräfte in dir stecken. Lerne, den Sorgenknopf auszuschalten, bündle deine Aufmerksamkeit wie einen Laserstrahl, entdecke die Geheimwaffe der Freundlichkeit und finde heraus, wie du das Bildschirmmonster besiegst! Als echter Superheld kannst du dich endlich gegen Mobbing und fiese Typen wehren und traust dich Dinge, die du vorher vielleicht nie gewagt hättest …

Mit coolen Experimenten, interessanten Fakten und Geschichten, witzigen Zeichnungen von Hein de Kort und vielen Challenges, die du auch zusammen mit deinen Eltern machen kannst. (Klappentext)

Anspruchsvolles Aktivbuch für mentale Stärke

Dein Kopf, der Superheld ist kein klassisches Kinderbuch, das man abends im Bett liest oder vorliest. Es möchte Kinder dazu bringen, sich selbst zu reflektieren, Gedanken, Gefühle und das, was im Kopf passiert, wenn man Angst hat, wütend wird oder sich überfordert fühlt. Dieses Buch will zeigen, dass man lernen kann, mit all diesen Dingen umzugehen. Ein sehr starkes Konzept, mit starkem Inhalt.

Wouter de Jong versucht, jungen Leser:innen auf spielerische Weise mentale Stärke zu vermitteln. Der Ansatz ist modern und inhaltlich wirklich durchdacht. Die Kinder sollen lernen, wie sie mit Ärger, Scham oder Angst umgehen können, was sie gegen Ablenkung oder Selbstzweifel tun können und warum Freundlichkeit tatsächlich eine Art „Superkraft“ ist. Die Idee, diese Themen unter dem Bild eines Superhelden zu bündeln, ist clever. Sie spricht an, verzichtet aber auf einen moralischen Unterton.

Gestaltung und Struktur sind allerdings Geschmackssache. Das Buch will Aufmerksamkeit binden, was durchaus gelingt, aber auf Kosten der Übersichtlichkeit. Auf manchen Seiten konkurrieren Illustrationen, Textfelder und Aufgaben so sehr miteinander, dass man kaum weiß, wo man zuerst hinschauen soll. Ich verstehe, dass dieses Design Jugendliche ansprechen soll, aber es wirkt stellenweise eher überladen. Für Kinder, die ohnehin Schwierigkeiten mit Konzentration oder Struktur haben, kann das schnell anstrengend werden.

Inhaltlich bietet das Buch eine erstaunliche Bandbreite. Die Kapitel behandeln Themen wie Achtsamkeit, Gewohnheiten, Ehrlichkeit, Wut oder Traurigkeit. Also Bereiche, die in vielen Familien und Schulen selten so offen besprochen werden. Das ist wertvoll, weil es Kindern Ausdruck für ihre Gefühle anbietet. Gleichzeitig ist der Umfang groß: 15 Kapitel mit Übungen, Selbstreflexionen und Aufgaben, die teils aufeinander aufbauen. Ohne Unterstützung eines Erwachsenen ist das kaum zu bewältigen.

Aus pädagogischer Sicht hat das Buch damit zwei Gesichter. Einerseits kann es ein hervorragendes Werkzeug sein – gerade für Kinder, die schon therapeutisch begleitet werden oder in der Schule mit sozial-emotionalem Lernen in Berührung kommen. Es gibt gute Impulse, um ins Gespräch zu kommen, und viele Übungen, die tatsächlich Wirkung entfalten können. Andererseits ist es kein „Selbsthilfebuch für Kinder“. Ohne Einordnung und Begleitung kann es überfordern, gerade weil es tief in Themen vordringt, die emotional komplex sind.

Mir gefällt die Haltung, die das Buch vermittelt: Jeder Mensch hat Einfluss auf seine Gedanken und Gefühle. Man kann lernen, mit sich selbst freundlicher umzugehen. Und Schwächen nichts sind, was man verstecken muss. Das sind starke Botschaften. Nur wäre weniger visuelle Reizüberflutung und mehr Raum für Ruhe und Reflexion hier vielleicht hilfreicher gewesen.

Zusammengefasst ist es ein modernes, inhaltlich ambitioniertes Buch, das Kindern und Eltern viele wichtige Themen zugänglich macht, von Gefühlen bis Selbstwirksamkeit. Pädagogisch wertvoll, aber anspruchsvoll in Struktur und Gestaltung. Kein Buch zum Alleinlesen, sondern eines, das im besten Fall begleitet, erklärt und gemeinsam entdeckt wird.

Kennst du schon?

Schaut doch direkt mal bei der Baumhausbande vorbei. Dort findet ihr unglaublich viele Begleitmaterialen zum Buch “Dein Kopf der Superheld”, Bastelanleitungen, Übungen, Gewinnspiele und und und…

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Fantasy Kinderbücher Kinderbücher ab 10 Jahre Rezensionen

Jordan Lees: “Whisperwicks – Die Suche nach den Flüsterflammen”

Jordan Lees (Autor)
Vivienne To (Illustratorin)
Penguin Junior Verlag
Lesealter: ab 9 Jahre
480 Seiten
Gebundenes Buch: 17,00€

“Alles begann mit dem Riss in der Wand …

Benjamiah liebt es, seiner Oma in der Buchhandlung auszuhelfen. Er glaubt an Wissenschaft, Logik und die Macht der Vernunft. Er glaubt nicht an Magie. Doch als er mit der Post ein mysteriöses Geschenk erhält, wird er in die Parallelwelt von Winkelwald geführt, wo sich dunkle Geheimnisse in einem riesigen Straßenlabyrinth verbergen, aus dem es kein Entkommen gibt. Zusammen mit Elizabella, von deren Vater er in dem fremden Ort aufgenommen wird, nimmt er eine Reihe von magischen Prüfungen auf sich, um das Verschwinden ihres Zwillingsbruders aufzuklären. Er hofft dabei, mit Hilfe der Flüsterflammen selbst einen Weg aus Winkelwald zurück nach Hause zu finden. Vor Elizabella und Ben liegt eine gefährliche Suche nach der Wahrheit. (Klappentext)

Eine kluge und ein bisschen unheimliche Fantasygeschichte

Whisperwicks ist eine Geschichte, die etwas Zeit braucht, um sich zu entfalten und eventuell auch, um zu fesseln. Benjamiah Creek (ständig bin ich über diesen und andere Namen gestolpert) ist kein klassischer Heldentyp. Er glaubt an Logik, Wissenschaft und Beweise, nicht an Zauberei oder unerklärliche Dinge. Umso größer ist sein Erstaunen, als er in die Parallelwelt Winkelwald gerät.

Winkelwald ist eine merkwürdige, teils düstere Welt. Sie erinnert ein bisschen an ein viktorianisches Labyrinth aus Licht und Schatten, in dem jedes Geräusch zu viel bedeutet und jede Abzweigung ein neues Geheimnis birgt. Jordan Lees hat eine Atmosphäre geschaffen, die einen sofort gefangen nimmt, aber nicht durch laute Effekte, sondern durch das leise Unbehagen, das zwischen den Zeilen mitschwingt. Man spürt förmlich, dass in dieser Welt etwas nicht stimmt.

Die Figuren sind glaubwürdig und vielschichtig. Benjamiah ist neugierig, etwas unbeholfen, aber sehr sympathisch. Er will verstehen, nicht einfach glauben, und genau das bringt ihn ständig in Schwierigkeiten. Elizabella (noch so ein Name), die ihn zunächst abweisend behandelt, zeigt schnell, dass hinter ihrer Schroffheit Verletzlichkeit steckt. Ihre Gegensätze sorgen für Reibung, aber auch für Entwicklung. Vor allem ihre Freundschaft wächst sehr natürlich.

Inhaltlich balanciert das Buch geschickt zwischen Abenteuer und Nachdenklichkeit. Es geht um Mut, um Vertrauen, aber auch um die Frage, was wir für „wahr“ halten. Benjamiah, der sich so sehr an Fakten klammert, muss lernen, dass Wissen und Intuition sich nicht ausschließen.

Das Erzähltempo bleibt ausgeglichen ruhig, stellenweise für meinen Geschmack leider auch ein bisschen zäh. Lees schreibt bildhaft und lässt manches Geheimnis bewusst offen, um die Spannung zu erhöhen. Für mich hätte der Erzählfluss ruhig etwas dichter sein können. Die wenigen Illustrationen sind aber gut gewählt und unterstützen die Stimmung.

Für Kinder ab etwa elf Jahren ist das Buch eine anspruchsvolle, aber lohnende Lektüre. Wer klassische Abenteuer mag, wird hier vielleicht überrascht sein. Whisperwicks ist komplexer, leiser und stellenweise doch recht melancholisch. Gleichzeitig vermittelt es Hoffnung und Zusammenhalt.

Am Ende bleibt der Eindruck einer Geschichte, die viel größer wirkt, als sie erzählt wird. Whisperwicks ist ein schöner, atmosphärischer Reihenauftakt. Geheimnisvoll, ein bisschen unheimlich, aber mit viel Herzblut erzählt.

Ein riesengroßes Dankeschön an Penguin Junior und dieses magische Rezensionsexemplar!

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Annette Moser: “Jetzt schon? Schlummerzeit für kleine Tiere”

Annette Moser (Autorin)
Sonja Schweiger (Illustratorin)
Penguin Junior Verlag
Lesealter: ab 2 Jahre
16 Seiten
Pappbilderbuch: 11,00 €

Schlaft gut, kleine Tiere!

Max Meise, Ella Eichhörnchen, Samu Siebenschläfer und Franzi Fuchs spielen gerade so schön, da sollen sie ins Bett gehen. Jetzt schon? Die Mamas und Papas müssen Überzeugungsarbeit leisten, doch irgendwann schlummert auch das vorwitzigste Tierkind glücklich und zufrieden. (Klappentext)

Liebevoll illustrierte Schlummergeschichte

Ich habe mich auf dieses Buch wirklich gefreut. Schon das Cover ist so einladend in weichen Farben gehalten, mit niedlich gezeichneten Tierkindern. Der warme Lichtschein erinnert sofort an eine Abendstimmung, in der man sich am liebsten selbst in eine Decke kuscheln würde. Ein schöner Rahmen für ein gemütliches Abendritual. Und tatsächlich hält das Buch, was es verspricht – zumindest optisch.

Die Illustrationen von Sonja Schweiger sind wunderschön. Sie wirken fast, als würden sie von innen heraus leuchten. Jedes Bild strahlt Ruhe, Geborgenheit und Wärme aus. Besonders schön sind die vielen Details, die kleinen Leser:innen beim wiederholten Anschauen auffallen: winzige Insekten, versteckte Pilze, liebevoll eingerichtete Tierbehausungen. Ganz nebenbei lernen Kinder, wo ein Eichhörnchen schläft, wo sich ein Siebenschläfer einkuschelt oder wie das Nest einer Meise aussieht.

Inhaltlich begleitet man vier kleine Tierfreunde – Fuchs, Eichhörnchen, Siebenschläfer und Meise – durch ihren Tag. Sie spielen, haben Spaß und möchten, wie Kinder nun mal sind, nicht aufhören, als der Abend naht. Einer nach dem anderen wird von Mama oder Papa abgeholt und ins Bett gebracht. Und jedes Mal ertönt der kleine Protest: „Jetzt schon?“ Das ist charmant, liebevoll und für Kinder ab zwei Jahren wunderbar nachvollziehbar.

Was mich allerdings nicht ganz überzeugt hat, ist der Textfluss. Die Idee, kurze Reimpassagen einzubauen, ist schön, wirkt aber etwas unausgegoren. Es reimen sich immer nur zwei Verse, der Rest ist prosaisch erzählt. Das unterbricht beim Vorlesen den Rhythmus. Gerade kleine Zuhörer:innen reagieren stark auf Wiederholungen und Klangmuster. Hier fehlt ein durchgehender, harmonischer Sprachfluss, wie man ihn sich bei einer Einschlafgeschichte wünschen würde.

Insgesamt ist das Buch sehr ruhig. Es passiert nicht viel, was natürlich zum Thema passt, aber mir fehlte zwischendurch ein kleiner Spannungsbogen oder etwas, das die Aufmerksamkeit hält. Mein Kind hat beim Vorlesen mehrfach abgelenkt umgeblättert oder sich anderen Dingen zugewandt – ein Zeichen dafür, dass der Text nicht ganz fesselt.

Trotzdem: Für die Abendroutine ist das Buch schön geeignet. Es vermittelt Geborgenheit, Nähe und Vertrautheit. Wir finden, es ist ein warmherzig illustriertes Pappbilderbuch mit einer liebevollen Botschaft, textlich aber leider etwas unrund.

Vielen lieben Dank an Penguin Junior für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar!

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Gundi Herget: “Bella Karamella – Achtung, zauberhafte Freundin”

Gundi Herget (Autorin)
Barbara Korthues (Illustratorin)
Fischer Sauerländer Verlag
Lesealter: ab 8 Jahre
176 Seiten
Gebundenes Buch: 14,90 €

Meine zauberhafte Freundin Karamella

Bei Elfie zu Hause stimmt was nicht: Ihre Schokolade ist weg! Eines Nachts hört sie es knuspern und schmatzen – und entdeckt einen Gast in der Kommode: Bella Karamella Limonella Krokantia von Nasch! Die kleine Naschhexe mit dem großen Namen hat Elfies Süßkram und aus Versehen sogar ihren eigenen Zauberstab aufgegessen. Jetzt braucht sie Elfies Hilfe! Im Gegenzug verspricht sie Süßigkeiten, die niemals alle werden. Ein bisschen Magie können Elfie und ihre Mama gerade gut gebrauchen. Denn bei ihnen ist das Geld knapp, und in der Schule läuft es für Elfie auch nicht toll. Ein wenig Glitzerstaub hier, etwas Zauberei dort – bald wollen alle Elfies Bonbons haben! Doch ausgerechnet die Klassen-Bullys Michi und Murat und die doofe Bianca drohen ihrem Geheimnis auf die Schliche zu kommen … (Klappentext)

Zucker, Zauber, Alltagsnöte

In diesem Kinderbuch beginnt eine Freundschaft mit einem Diebstahl. Aber nicht etwa Gold oder Juwelen, sondern etwas, das für viele bestimmt mindestens ebenso wertvoll ist: Schokolade! Und zwar ausgerechnet Elfies Schokolade, auf die sie lange gespart hat. Als sie eines Nachts das Rascheln in der Kommode hört und der Übeltäter sich als winzige Naschhexe mit einem Namen entpuppt, der fast ein Zungenbrecher ist – Bella Karamella Limonella Krokantia von Nasch – nimmt das Chaos seinen Lauf.

Was Gundi Herget hier gelingt, ist ein Balanceakt zwischen frechem Witz, zauberhaftem Unsinn und erstaunlich viel Bodenhaftung. Die Geschichte liest sich leichtfüßig, aber nie belanglos. Zwischen Zuckerwatte und Zauberei steckt eine ordentliche Portion Alltag und Realität: eine alleinerziehende Mutter, knappes Einkommen, Schulstress, Freundschaften, die bröckeln und wachsen dürfen. Das alles wird ohne Pathos erzählt, aber mit warmem Humor und einer klugen Beobachtungsgabe, die man in Kinderbüchern dieser Altersklasse nicht immer findet.

Elfie ist kein typisches Kinderbuchmädchen, das alles sofort richtig macht. Sie ist wütend, eifersüchtig, manchmal trotzig und dabei herrlich echt. Und Bella Karamella ist keine glatte Märchenhexe, sondern eher wie eine überzuckerte WG-Mitbewohnerin. Sie redet zu viel, futtert alles auf, was süß ist. Mit ihrer unkontrollierten Magie sorgt sie regelmäßig für kleine Katastrophen, sehr zum Leidwesen von Elfie. Dass die beiden sich trotzdem zusammentun, macht ihre Freundschaft umso schöner.

Ganz großartig ist, dass die Autorin auf Kitsch verzichtet. Die Magie entsteht nicht durch übertriebene Feenwelten oder glitzernde Portale, sondern im Alltäglichen. Gerade das macht die Geschichte so sympathisch.

Die Dialoge sind spritzig, modern und pointiert. Es gibt keine holprigen Belehrungen, sondern klug dosierte Momente, in denen man schmunzeln und kurz nicken möchte.

Ein großes Kompliment verdient Barbara Korthues, deren Illustrationen der Geschichte den letzten Schliff geben. Sie fängt Bellas Energie und Elfies Zweifel in kleinen, liebevollen Details ein. Ihre Bilder sind pastellig-bunt, aber nicht überladen oder zu abstrakt. Sie erzählen mit, statt nur zu schmücken, und man kann den Zuckerduft förmlich riechen.

Bella Karamella – Achtung, zauberhafte Freundin! ist eine zuckersüße Geschichte über Freundschaft, Mut und kleine Alltagswunder. Es zeigt, dass auch in dem kleinsten Kinderzimmer Platz für große Gefühle ist – und dass eine ordentliche Portion Humor manchmal das Beste ist, was man zaubern kann.

Kurzum ein Kinderroman, der wie seine Protagonistin ist – süß und frech, aber ganz sicher zum Verlieben.

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Britta Sabbag: “Der Weihnachtskauz”

Britta Sabbag (Autorin)
Anika Voigt (Illustratorin)
Penguin Junior Verlag
Lesealter: ab 4 Jahre
32 Seiten
Gebundenes Buch: 15,00 €

Endlich wieder Weihnachten?!

Alle Tiere im Wald freuen sich auf das Fest, nur einer motzt sich schlecht gelaunt durch die Adventszeit: der Kauz! Schmücken, singen und basteln? Das ist nichts für ihn! Doch als der Kauz sieht, wie viel Spaß die Tiere zusammen haben und wie der Wald Tag für Tag festlicher wird, würde er doch zu gern bei den anderen sein. Ob der muffelige Kauz etwa doch noch zu einem echten Weihnachtskauz wird? (Klappentext)

Ein kauziger Kauz, der dazugehören will

Im Wald herrscht Weihnachtsstimmung. Es wird gebastelt, gesungen und geschmückt. Nur einer macht nicht mit: der Kauz. Er flattert missmutig umher, motzt über alles und zieht sich schließlich in sein Baumloch zurück. Denn auch die Tiere verspüren wenig Lust, mit so einem übellaunigen Kauz zusammen sein zu wollen. Aber dort oben, allein in seinem Baum fühlt er sich einsam und ausgeschlossen.

Die Figur des Kauzes finde ich herrlich. Er ist ja kein klassischer „Bösewicht“, sondern eher ein Tier, das mit seiner eigenen Stimmung kämpft. Dass er sich fragt, ob es an den anderen oder an ihm selbst liegt, ist eine kleine, aber wichtige Botschaft. Der Kauz reflektiert sich selbst. Er möchte dazugehören, aber er weiß nicht, wie er das anstellen soll. Dass er am Ende nicht plötzlich zum Strahlemann mutiert, sondern seine kauzige Art behält, macht ihn glaubwürdig. Er überwindet sich, geht auf die anderen Tiere zu, feiert mit ihnen, lacht und genießt das Fest, bleibt aber der Typ, der am nächsten Morgen wieder nörgelt. Gerade das macht die Botschaft stark: Man darf sein, wie man ist, und trotzdem Teil der Gemeinschaft sein.

Britta Sabbag erzählt diese Entwicklung in Reimen, die beim Vorlesen leicht über die Zunge gehen und einen schönen Rhythmus haben. Die Illustrationen von Anika Voigt passen wunderbar dazu. Der Kauz mit seiner verschobenen Weihnachtsmütze und den giesgrämigen Augen ist herrlich ausdrucksstark. Man sieht ihm sein Grummeln sofort an, was sehr viel Komik in die Geschichte bringt. Gleichzeitig sind die Szenen im Wald bunt, aber nicht überladen. Es gibt viel Tannengrün, Lichterketten, kleine Tiere, die basteln und tanzen, und man spürt die Vorfreude.

Die Moral der Geschichte ist vielleicht nicht unbedingt neu: Gemeinsam ist schöner als allein. Aber die Verpackung mit dem motzenden Kauz macht sie herrlich frisch und witzig. Und beim Vorlesen spürt man, dass die Geschichte Kinder anspricht, weil sie so nah an ihren eigenen Gefühlen ist: manchmal will man eben mitmachen, manchmal lieber nicht.

Insgesamt ist Der Weihnachtskauz kein zuckersüßes Weihnachtsbuch, sondern eine Geschichte mit Witz, Herz und einem Helden, der gerade durch sein Motzen sympathisch wird. Zum Vorlesen ab vier Jahren sehr empfehlenswert und ein Titel, der sicher mehr als einmal in der Adventszeit aus dem Regal geholt wird.

Vielen lieben Dank an den Verlag für dieses weihnachtliche Buch!

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Barbara Rose: “Das Geheimnis der Weihnachtsbaumkugeln – Ein Abenteuer mit 24 Kapiteln”

Barbara Rose (Autorin)
Elena Cavion (Illustratorin)
Penguin Junior Verlag
Lesealter: ab 5 Jahre
144 Seiten
Gebundenes Buch: 15,00 €

Die Überraschung ist groß, als Emil und seine Schwester Lio in der neuen Weihnachtsbaumkugel einen waschechten Weihnachtskobold entdecken. Der kleine Herr Weibold braucht dringend ihre Hilfe: Er wurde von einem richtigen Weihnachtsmuffel in die Kugel gesperrt und dieser verfolgt einen fiesen Plan, jedem das Fest zu vermiesen! Emil, Lio und Herr Weibold stürzen sich ins Abenteuer, um allen doch noch wunderbare Weihachten zu bescheren. (Klappentext)

Ein Weihnachtsabenteuer voller Glitzer und Chaos

Das Geheimnis der Weihnachtsbaumkugeln ist so ein Buch, das man aufschlägt und sofort ist da dieses Gefühl von Advent. Überall schimmert es, alles leuchtet und man spürt: Hier wird’s gemütlich.

Jeden Winter dürfen Emil und Lio eine neue Kugel für den Baum aussuchen. Doch dieses Jahr läuft alles ein bisschen anders. In Emils Kugel steckt nämlich ein echter Weihnachtskobold – Herr Weibold – und der braucht dringend Hilfe. Der fiese Standbesitzer Herr Mufflig hat ihn gefangen genommen und wenn niemand eingreift, ist Weihnachten in Gefahr. Also stürzen sich Emil, Lio und ihr neuer Freund in ein turbulentes Abenteuer voller Zauberkugeln, Chaos und einer guten Portion Weihnachtsmagie.

Was das Buch sofort besonders macht, ist seine Stimmung. Schon das Cover ist ein kleiner Blickfang und im Inneren funkeln die Illustrationen von Elena Cavion. Sie fangen den Lichterglanz, die Schneeflocken und den warmen Kerzenschein so schön ein, dass man sich fast selbst im Weihnachtsmarktgetümmel wähnt.

Die Geschichte ist in 24 Kapitel unterteilt. Also perfekt, um sie in der Adventszeit Stück für Stück zu lesen, aber ohne dass man Seiten auftrennen müsste. Es ist kein Adventskalenderbuch im klassischen Sinn, sondern einfach eine fortlaufende Geschichte, die sich wunderbar zum Vorlesen oder Selberlesen eignet.

Barbara Rose schreibt leicht, warmherzig und mit Humor. Emil und Lio streiten, staunen und retten Weihnachten und man merkt, dass hier der Spaß im Vordergrund steht. Dabei hat die Geschichte trotzdem eine kleine Botschaft: Dass Weihnachten vor allem dann funktioniert, wenn man zusammenhält.

Am Ende bleibt einfach dieses typische Gefühl, das gute Weihnachtsbücher hinterlassen: Man klappt das Buch zu, sieht den Baum an und hat wieder ein bisschen mehr Lust auf Kerzenschein und Zimtduft.

Vielen lieben Dank an Penguin Junior für das magische Rezensionsexemplar!

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Lena Walde: “Morgen kommt der Weihnachts-Schneemann!”

Lena Walde (Autorin)
Anastasia Zababashkina (Illustratorin)
Penguin Junior Verlag
Lesealter: ab 2 Jahre
14 Seiten
Pappbilderbuch: 11,00 €

Wenn der Weihnachtsmann nicht kann…
… dann muss wohl der Schneemann ran!

Oje, dieses Jahr ist der Weihnachtsmann genau zum Fest krank geworden. Wer bringt denn nun den Kindern die Geschenke? Welch ein Glück: die drei kleinen, fleißigen Schneemänner springen gerne ein! Mit ihrer Hilfe gelingt ein ganz besonderes Weihnachtsfest. (Klappentext)

Wenn drei kleine Schneemänner Weihnachten retten

Der Weihnachtsmann ist krank und trotzdem versucht er, sich zunächst noch mit dem Schlitten auf den Weg zu machen. Kein Wunder, dass er unterwegs einschläft und kurzerhand die drei kleinen Schneemänner einspringen müssen. Diese übernehmen das Verteilen der Geschenke und sorgen dafür, dass das Fest nicht ins Wasser fällt. Am Ende ist der Weihnachtsmann aber wieder munter und feiert mit. (Eine Wendung, die Kinder zum Schmunzeln bringt und Erwachsenen gleichzeitig zeigt, wie wichtig Pausen sind.)

Der Text ist in Reimen verfasst, die das Vorlesen flüssig und eingängig machen. Illustratorin Anastasia Zababashkina setzt die Handlung in leuchtenden Winterbildern um. Der Kontrast aus kühlen Blautönen und warmen Rot- und Orangetönen macht die Seiten lebendig. Die Schneemänner wirken fröhlich, quirlig und ein bisschen tollpatschig.

Besonders beliebt sind die Klappen, die kleine Überraschungen bereithalten. Hinter ihnen verbergen sich Geschenke, Tiere oder witzige Szenen. Allerdings sind einige Klappen sehr klein oder so angebracht, dass Kinderhände sie nur schwer erwischen können. Da ist ein bisschen Unterstützung durch einen Erwachsenen gefragt. Die Seiten bestehen aus mattem, leicht angerautem Papier. Das fühlt sich wertig an, zeigt aber schnell Knicke, wenn kleine Hände allzu eifrig an den Klappen werkeln.

Die Handlung selbst ist leicht verständlich und in wenigen Minuten vorgelesen. Kinder ab zwei Jahren können der Geschichte gut folgen. Nebenbei vermittelt die Geschichte spielerisch, dass man nicht alles allein schaffen muss und manchmal Hilfe von anderen braucht.

Insgesamt ein fröhliches, charmant illustriertes Buch mit Reimen und Klappen, das für Vorlesespaß in der Adventszeit sorgt.

Liebsten Dank an den Verlag, der uns dieses Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

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Halloween Herbst Liebesromane Rezensionen Romane

Breanne Randall: “Das Geheimnis von Liebe und Magie”

Breanne Randall (Autorin)
Goldmann Verlag
496 Seiten
Taschenbuch: 14,00€

Seit Generationen haben die Frauen der Familie Revelare magische Kräfte. Die zauberhaften Kuchen und Cupcakes, die Sadie und ihre Großmutter Gigi in ihrem kleinen Café im beschaulichen Poppy Meadows verkaufen, lindern Herzschmerz oder schenken Mut und Zuversicht. Doch auf Sadie lastet auch ein Fluch: Wird ihr Herz viermal gebrochen, verliert sie ihre Magie für immer. Drei Menschen haben sie bereits im Stich gelassen – unter ihnen ihre erste große Liebe, der Feuerwehrmann Jake. Als er nach Poppy Meadows zurückkehrt, ist Sadie fest entschlossen, ihm aus dem Weg zu gehen. Aber ihr verräterisches Herz schlägt bei seinem Anblick jedes Mal höher … (Klappentext)

Eine Liebesgeschichte, die zu schwerfällig ist

Das Geheimnis von Liebe und Magie hat mich auf den ersten Blick sofort gehabt: dieses herbstliche, cozy Cover, der gemütliche Kleinstadt-Vibe, ein Familienfluch und dazu der Vergleich mit „Gilmore Girls“. Alles Zutaten, die genau mein Ding sind. Entsprechend hoch war meine Erwartung. Leider hat die Geschichte sie für mich nicht erfüllt.

Die Idee ist eigentlich wunderbar: In Sadies Familie steckt Magie. Ihre Kuchen heilen gebrochene Herzen, spenden Mut oder Trost. Doch über Sadie liegt ein Fluch. Wenn ihr Herz ein viertes Mal bricht, verliert sie ihre Gabe. Drei Brüche hat sie schon hinter sich und als ihre Jugendliebe Jake zurückkehrt, wird klar, dass es dieses Mal um alles geht.

Das klingt nach Romantik und Zauber, hat sich beim Lesen aber erstaunlich schwer getan. Die Geschichte ist dicht, stellenweise sprunghaft, und so beladen mit Verlust, Krankheit und alten Wunden, dass die Magie kaum Raum zum Atmen bekommt.

Poppy Meadows als Schauplatz hat mir dagegen gefallen. Dieses herbstliche Kleinstadtflair mit Cafés, Backduft und vertrauten Gesichtern ist gelungen eingefangen. Auch Sadies Großmutter Gigi bringt Witz und Herzenswärme, die der Geschichte guttun. Ohne sie wäre das Buch noch um einiges düsterer.

Mit Sadie selbst bin ich allerdings nicht warm geworden. Sie bleibt distanziert, zögerlich und manchmal so in sich verstrickt, dass ihre Entwicklung kaum spürbar wird. Die Liebesgeschichte zwischen Jake und ihr hat mich nicht sonderlich abgeholt.

Trotzdem hat das Buch Momente, die hängen bleiben – etwa, wenn sich Magie, Erinnerungen und der Duft frisch gebackener Cupcakes miteinander verweben. In diesen Augenblicken blitzt auf, wie feinfühlig Breanne Randall eigentlich schreibt. Leider gehen sie zu oft im Durcheinander aus Dramatik und Melancholie unter.

Insgesamt ist es kein schlechtes Buch, eben nur eines, das für mich die Balance verloren hat. Es wollte Magie und Romantik, aber auch eine gewisse Melodramatik zugleich und hat dabei von seiner Leichtigkeit eingebüßt. Vielleicht trifft es Leser:innen, die genau diese Mischung suchen. Mich hat es eher nicht überzeugen können.