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Nina Blazon: ” Die magische Villa – Eine Freundschaft voller Zauber”

Nina Blazon (Autorin)
Tobias Goldschalt (Illustrator)
Penguin Junior Verlag
Lesealter: ab 9 Jahren
272 Seiten
14,00€

Scheinbar verlassen steht die alte Villa da.
Was niemand ahnt: Unter ihr verbirgt sich ein magisches Geheimnis. Doch wer den Zauber verstehen will, muss über sich hinauswachsen.


Eine nächtliche Beobachtung lässt Lucy nicht mehr los. Zusammen mit ihrer besten Freundin Maya und dem neuen Mitschüler Tim geht sie den rätselhaften Ereignissen im Nachbargarten auf den Grund – und findet etwas Unglaubliches heraus: Dort wurde ein unterirdischer Zufluchtsort für fantastische Wesen in Not eröffnet. Und nicht nur das, die Besitzerin braucht die Hilfe der Kinder für die Rettung einer Nixenfamilie! Doch um Teil des Teams zu werden, müssen die drei beweisen, dass sie der Aufgabe gewachsen sind. Kann ihnen das gelingen?
(Klappentext)

Fabelheim goes Nina Blazon

Nina Blazon lese ich schon bedeutend länger, als die Protagonisten in diesem Buch alt sind. Ihre Bücher sind immer ein Garant für großartige Lesezeit. Und auch hier gelingt es ihr wieder, uns in eine magische Welt zu ziehen, die mitten in unserem Alltag genau so existieren könnte. Alles beginnt mit einem Donnerschlag und einem Anblick, der so gar nicht in eine ordentliche Nachbarschaft passt: Lucy beobachtet mitten in der Nacht ihre Nachbarin Frau Schmitt, die im goldenen Rüschenkleid im Garten der alten Villa sitzt. Über dem verwilderten Grundstück tanzen grüne Lichter durch den Nebel. Natürlich halten Lucys Eltern alles für einen Traum ihrer fantasiebegabten Tochter. Doch Lucy lässt das Rätsel nicht los. Zusammen mit ihrer besten Freundin Maya und dem neuen Mitschüler Tim schleicht sie sich auf das verbotene Grundstück und entdeckt etwas Unglaubliches.

Unter der Villa liegt ein geheimes Hotel, ein Zufluchtsort für magische Wesen in Not. Die drei Freunde landen schneller in ihrem ersten echten Abenteuer, als ihnen lieb ist, denn sie sollen der Hotelbesitzerin helfen, eine Nixenfamilie zu retten, deren Gewässer verschmutzt ist. Dafür müssen die Kinder erst einmal beweisen, dass sie als Team überhaupt funktionieren.

Das magische Hotel unter der Villa ist kein glitzerndes Wellness-Resort für Einhörner ist. Es ist ein Zufluchtsort für Wesen, die echte Probleme haben. Das gibt der ganzen Geschichte einen Tiefgang, den man in Kinderfantasy nicht allzu oft findet, ohne dass es sich zu sehr nach Schulunterricht anhört. Es geht um verschmutztes Wasser und was passiert, wenn Lebensräume zerstört werden. Hinter all den schrägen und wirklich einfallsreichen Kreaturen steckt dadurch deutlich mehr Ernsthaftigkeit, als man anfangs vermuten würde.

Überhaupt liest sich das Buch rundum richtig gut. Diese Mischung aus Alltagswelt und versteckter Magie beherrscht Nina Blazon einfach. Gleichzeitig hätte die Geschichte an manchen Stellen ruhig noch etwas mehr Tempo vertragen können. Gerade wenn es besonders spannend wird oder man noch tiefer in diese Welt eintauchen möchte, ist manches schon wieder vorbei. Die Ideen dafür wären auf jeden Fall da gewesen.

Die alte Villa, der Nebel, die verborgenen Räume unter der Erde. Das alles wirkt genau wie die Orte, von denen man als Kind gehofft hat, sie irgendwo hinter dem nächsten Gartenzaun zu entdecken. Über ein paar mehr Illustrationen vom Grittel, Sumpfgrunzling oder all den anderen Figuren hätte ich mich zwar gefreut, andererseits ist wahrscheinlich genau das Teil des Reizes. Man baut sich diese Welt zwangsläufig selbst im Kopf zusammen.

Am Ende bleibt ein semi-spannendes Abenteuer mit einer starken Freundschaft.

Ein riesengroßes Dankeschön an den Verlag, der uns dieses Buch zu Rezensionszwecken zugesandt hat.

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Mars-Leo Frei: “Hilfe, zu viele Zaubereulen!”

Mars-Leo Frei (Autor)
Daniela Kohl (Illustratorin)
Fischer Sauerländer Verlag
Lesealter: ab 8 Jahren
160 Seiten
Pappbilderbuch: 12,90 €

Zoa ist wütend! Erst wandert ihre Oma nach Griechenland aus (für immer!), dann zieht Zoa mit ihren Eltern in eine neue Stadt und weit weg von ihrer besten Freundin Carlotta. Das ist so unfair! Der Start nach den Ferien in der 4B der Henriette-Haumichnich-Schule ist auch nicht besser ‒ vor allem, als plötzlich ganz schön viele Eulen um sie herum auftauchen. Zwar liebt Zoa Eulen, aber diese scheinen auf magische Weise mit ihr verbunden zu sein. Und: Es werden immer mehr! Bevor die anderen aus der Klasse Zoa selbst für einen komischen Kauz halten, braucht sie dringend Hilfe. Warum hat ausgerechnet Zoa zu viele Zaubereulen? (Klappentext)

Gefühlschaos mit Eulen

Zoa platzt innerlich fast vor Wut. Ihre Oma wandert nach Athen aus und dafür zieht Zoas Familie in Omas Haus. In der neuen Schule fühlt sie sich fremd und ausgerechnet jetzt scheint ihr Leben auch noch von magischen Eulen übernommen zu werden. Erst taucht nur eine auf, dann noch eine, aber irgendwann flattern, sitzen oder schweben unglaublich viele Eulen um Zoa herum. Manche von ihnen sehen den Menschen aus Zoas Leben sogar ein bisschen ähnlich… Ist das Zufall? Andere erweisen sich als überraschend hilfreich. Besonders die Eule, die immer wieder Süßigkeiten anschleppt. Aber wohin mit so vielen Eulen?

Dass Zoas Gefühle ausgerechnet als Eulen auftauchen, macht wirklich Spaß. Mars-Leo Frei erzählt das Ganze mit viel Tempo und einem lockeren Humor. Die Kapitel sind angenehm kurz, die Sprache bleibt leicht verständlich und trotzdem nicht zu simpel. Viele kleine Ideen am Rand machen das Buch besonders. Dabei lebt die Geschichte weniger von riesigen Überraschungen als von ihren Figuren und dem ganzen Durcheinander, das sich nach und nach entwickelt.

Besonders gefallen hat mir die Klasse 4B. Die Kinder unterscheiden sich deutlich voneinander und erinnern trotzdem an genau die Mitschüler, die man aus der eigenen Schulzeit kennt. Manche wollen unbedingt cool sein, andere reden zu viel, einige beobachten lieber erst einmal alles. Die Dynamik in der Klasse kommt einem sofort bekannt vor. Auch Zoa selbst ist keine perfekte Heldin. Sie ist trotzig, manchmal unfair und oft überfordert.

Die Illustrationen von Daniela Kohl passen hervorragend dazu. Vor allem die vielen unterschiedlichen Eulen machen Spaß, weil jede ihren eigenen kleinen Charakter mitbringt. Überhaupt steckt im Buch viel Bewegung. Man wartet ständig auf die nächste Eule. Ein bisschen erinnert die Reihe dabei tatsächlich an Die Schule der magischen Tiere, nur mit viel mehr Tieren und stärker auf Gefühlschaos und Alltag konzentriert.

Die Handlung selbst bleibt eher überschaubar. Wer große Wendungen oder ein besonders raffiniertes Fantasy-Abenteuer erwartet, wird hier vielleicht nicht ganz abgeholt. Einige Szenen ziehen sich ein wenig, bevor die Geschichte wieder Tempo aufnimmt, und das Ende kommt ein bisschen abrupt.

Trotzdem hat mir das Buch insgesamt sehr gut gefallen. Es ist fantasievoll, humorvoll und angenehm unaufgeregt. Vor allem versucht es nicht ständig, besonders wichtig oder tiefgründig zu sein. Stattdessen erzählt es einfach eine unterhaltsame Geschichte über Veränderung, Freundschaft und magisches Eulenchaos. Dass in den weiteren Bänden andere Kinder aus Zoas Klasse mit ihrem eigenen zu viel kämpfen müssen, macht definitiv neugierig auf mehr.

Lust auf mehr?

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Ute Krause:” Herwig & Elsie – Wo ist der große Zauberer”

Ute Krause (Autorin/ Illustratorin)
cbj Verlag
Lesealter: ab 5 Jahren
128 Seiten
Gebundenes Buch: 16,00€

Wo ist Hokus van Pokus?

Herwig, ein Hase, der jahrelang vom Zauberer Hokus van Pokus in den Hut hinein- und wieder herausgezaubert wurde, findet sich eines Tages alleine wieder. Der wichtigste Mensch in seinem Leben hat ihm eine magische Brille (damit können Tiere lesen), einen Zauberstab, seinen Hut und einen Brief hinterlassen. Natürlich macht sich Herwig auf die Suche nach Hokus und trifft dabei auf Elsie, die Elefantendame. Elsie sucht ebenfalls ihren besten Freund, der wurde nämlich an einen anderen Zoo abgegeben. Die beiden beschließen, erst einmal aus der Not heraus, gemeinsame Sache zu machen und finden auf ihrem Weg viele Abenteuer und eine tiefe Freundschaft …
(Klappentext)

Ein Zauberer, der nicht zurückkommt

Herwig hat sein ganzes Leben in ziemlich klaren Verhältnissen verbracht: Er gehört zum Zauberer Hokus van Pokus, wird aus dem Hut gezaubert, wieder hineingesetzt und wieder herausgezaubert. Er hat eine eingeschliffene Routine, die ihm Sicherheit und einen festen Platz bietet. Bis genau das plötzlich wegfällt. Hokus ist verschwunden, zurück bleiben ein Brief, ein paar Zauberutensilien und vor allem eine ziemlich große Lücke. Herwig macht sich auf die Suche. Aber statt seines Zauberers taucht erst einmal Elsie auf, eine Elefantendame mit ganz eigenen Sorgen.

Im Kern des Buches geht es um den Umgang mit dem Thema Verlust. Es wird nicht dramatisch ausgeschmückt, aber auch nicht weggelächelt. Der Tod des Zauberers steht im Raum, wird angedeutet, aber nicht komplett erklärt. Das kann irritieren, gerade wenn Kinder konkret nachfragen. Gleichzeitig schafft es Raum für Gespräche, was ja auch gut sein kann.

Herwig ist keine Figur, die sofort an der neuen Herausforderung wächst und alles meistert. Er bleibt lange vorsichtig, teilweise ängstlich und muss sich erst an die Welt außerhalb seines bisherigen Lebens gewöhnen. Elsie bringt etwas mehr Entschlossenheit mit, ohne dabei überzeichnet zu sein. Ihre Freundschaft entwickelt sich über das gemeinsame Unterwegssein.

Die Geschichte selbst bleibt eher ruhig. Es gibt kleine Episoden, Begegnungen, auch mal chaotische Zauberversuche, die nicht ganz so laufen wie gedacht. Das sorgt für leichte, oft auch witzige Momente, ohne dass das Buch seinen ernsteren Kern verliert. Es passiert nicht ständig etwas Neues und manche Abschnitte ziehen sich ein wenig. Dafür bleibt genug Zeit, die Figuren wirken zu lassen.

Die Illustrationen von Ute Krause passen sehr gut zur Geschichte. Sie sind warm, leicht schräg und greifen genau die Momente auf, die den Text tragen. Gerade Herwig wirkt oft ein bisschen verloren.

Insgesamt ein Vorlesebuch, das sich mehr traut, als man zunächst erwartet. Es erzählt nicht nur eine Geschichte über Freundschaft, sondern auch über Verlust und Neuanfang.

Vielen lieben Dank an den Verlag für dieses warmherzige Buch als Rezensionsexemplar!

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Ryan Graudin: “Faye Fableheart – Das magischen Schloss” (Band 1)

Ryan Graudin (Autor)
Geraldine Rodríguez (Illustratorin)
Ravensburger Verlag
Lesealter: ab 9 Jahren
416 Seiten
Gebundenes Buch: 15,99 €

Faye hat ein Herz für Fabelwesen und ein großes Geheimnis: Sie ist eine Magierin. Niemand darf davon erfahren. Denn im Königreich Solum dürfen nur Jungen zaubern.

Faye liebt das magische Schloss, in dem sie aufgewachsen ist. Launische Keksdrachen surren durch die Lüfte, singende Orchideen veranstalten Konzerte im Gewächshaus und die Wasserspeier sind immer für ein Gespräch zu haben. Als der Zauberer des Schlosses nach einem Nachfolger sucht, lässt er ein Turnier ausrichten. Nur Jungen sind eingeladen. Dabei wäre Faye die perfekte Wahl! Denn nur sie allein kann das Schloss und seine Bewohner vor der Schattenkönigin retten …
(Klappentext)

Ein skurriler Zauberer und eine unterschätzte Heldin

Faye wächst in einem ziemlich ungewöhnlichen Zuhause auf. Zusammen mit ihrem Vater bewohnt sie ein Baumhaus voller Bücher und leuchtender Pilze. Faye und ihr Vater kümmern sich um die Ländereien von Schloss Celudur, einem magischen Schloss, das ein Eigenleben zu führen scheint. Als der zuständige Zauberer stirbt (was er selbst nicht wahrhaben will), muss schnell ein Nachfolger her, und zwar per Turnier. Total ungerecht, dass daran ausschließlich Jungen teilnehmen dürfen. Dabei wäre Faye eigentlich die deutlich bessere Wahl.

Faye ist diejenige, die den Laden am Laufen hält. Seit ihr Vater verschwunden ist, ist sie das Mädchen für alles, sie kümmert sich um alles, und denkt vor allem mit. Genau deshalb fühlt es sich beim Lesen die ganze Zeit ein bisschen sehr gemein an, dass sie außen vor bleiben soll.

Mit dem Turnier wird die Geschichte deutlich lebendiger. Neue Figuren tauchen auf, jeder bringt seine eigene Portion Selbstbewusstsein mit, und die Prüfungen sind … überraschend. Man merkt schnell, wer mehr Schein als Sein ist und wer vielleicht doch mehr draufhat, als es zunächst wirkt.

Parallel dazu wird immer deutlicher, womit Faye zusätzlich zu kämpfen hat. Ihre Verwandlung sorgt nicht nur für Aufmerksamkeit, sondern auch für blöde Kommentare und spürbare Ausgrenzung. Außerdem greift die böse Schattenkönigin nach der Herrschaft und nur Faye ist ihr gewachsen.

Der Schreibstil ist angenehm direkt. Nicht oberflächlich, sondern eher mit einigem schwarzen Humor. Die Kapitel sind kurz gehalten, allerdings ist das Thema und die Handlung schon so komplex, dass es eher für erfahrenere Leseratten eine passende Lektüre ist. Selbst als Erwachsener mit einer Vorliebe für Fantasy kommt man hier auf seine Kosten.

Bei den Illustrationen bin ich etwas hin- und hergerissen. Die Figuren sind im Manga-Stil geeignet und eigentlich ganz passend. Bei den größeren Illustrationen stimmt aber die Atmosphäre nicht. Da haben die Bilder nichts mit der Geschichte zu tun und lassen Tiefe missen.

Am Ende ist das ein gelungener Auftakt mit vielen guten Ideen, einer starken Hauptfigur, einem echt schrägen untoten Zauberer und genug Spannung, um dranzubleiben.

Vielen lieben Dank an Lovelybooks!

Ab September 2026 geht es weiter mit Faye!

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Lena Anlauf: “Räuberbuch”

Lena Anlauf (Autorin)
Judith Auer (Illustratorin)
Tulipan Verlag
Lesealter: ab 3 Jahren
40 Seiten
Gebundenes Buch: 16,00 €

Was passiert, wenn ein Räuber aus einem Bilderbuch herauspurzelt? Er begibt sich gleich auf Beutezug? Weit gefehlt! Er braucht einen neuen Job. Kein Problem, mit seinen Fähigkeiten! Schließlich kann er klettern, verschlossene Dinge öffnen, mit Messern jonglieren und er kennt sich mit Gold aus! Doch die Jobsuche gestaltet sich schwieriger als gedacht …
(Klappentext)

Wenn ein Räuber plötzlich zum Fall für die Agentur für Arbeit wird

Dieses Bilderbuch kommt mit einer ziemlich schrägen Ausgangsidee daher: Ein Räuber purzelt einfach aus einem Buch heraus und landet in einer ziemlich profanen Realität. Kein Wald, kein Beutezug, keine Räuberbande. Stattdessen steht die Frage im Raum, was man mit so einem Räuber eigentlich anfängt. Ehe der Räuber irgendein krummes Ding drehen kann, beschließt das Mädchen, aus dessen Buch er gefallen ist, die Sache pragmatisch anzugehen und bringt ihn zur Agentur für Arbeit.

Dort wird dann erstaunlich optimistisch geprüft, wofür der Räuber geeignet sein könnte. Auf seiner Liste mit besonderen Fähigkeiten hat er eingetragen, dass er klettern kann, verschlossene Dinge öffnen, mit Messern jonglieren und Kenntnisse über Goldschätze besitzt. Für einen Räuber ist das natürlich ein tadelloser Lebenslauf. Für die reguläre Arbeitswelt sieht das schon etwas komplizierter aus.

Gerade diese nüchterne Gegenüberstellung von Räuberkompetenzen und Berufsalltag ist herrlich witzig. Der Räuber versucht sich als Dachdecker, doch das Ergebnis sieht eher nach Sturmschäden als nach professionellem Handwerk aus. Beim Schlüsseldienst zeigt sich schnell, dass sein Verständnis von Öffnen nicht ganz dem entspricht, was man unter professionellem Kundenservice versteht. Auch als Koch ist er weniger eine Bereicherung als ein Sicherheitsrisiko, und bei der Bank scheitert es letztlich nicht nur am Umfeld, sondern auch daran, dass ein Räuber in voller Montur zwischen geschniegelt auftretenden Angestellten einfach denkbar fehl am Platz wirkt.

Das Schöne ist aber, dass das Buch sich nicht damit begnügt, eine lustige Szene an die nächste zu reihen. Der Räuber ist keine bloße Witzfigur. Er ist traurig, als keiner dieser Jobs wirklich passt, wodurch die Geschichte eine ganz andere Wärme bekommt. Hinter dem Humor steckt eben auch die Frage, wohin jemand gehört, dessen Fähigkeiten zwar echt sind, aber nirgendwo so recht hineinpassen.

Als das namenlose Mädchen ihn dann mit in die Schule nimmt, ist das mehr als nur die nächste Station. Dort öffnet sich endlich eine Tür, die nicht nur für eine Pointe gut ist, sondern tatsächlich zu ihm passt. In der Bibliothek wird Personal gesucht und ausgerechnet dort findet dieser Räuber, der ursprünglich aus einem Buch gefallen ist, seinen Platz wieder zwischen Geschichten. Das ist als Idee so schön rund, dass man beim Vorlesen automatisch schmunzeln muss. Und dass am Ende offenbar ein paar zusätzliche Bücher in der Bibliothek gelandet sind, setzt der Geschichte noch so ein freches kleines Augenzwinkern auf.

Auch die Gestaltung passt hervorragend dazu. Die Illustrationen haben etwas Eigenwilliges und Unaufgeregtes, das sehr gut mit dem Humor des Textes harmoniert. Sie wollen nicht geschniegelt niedlich sein, sondern tragen diesen trockenen, leicht schrägen Ton mit. Gerade dadurch wirken sie passend. Man spürt in ihnen Bewegung, Komik und zugleich etwas angenehm Altmodisches, das der Geschichte gut steht.

Insgesamt ist Räuberbuch für mich vor allem eine sehr unterhaltsame, kurze Vorlesegeschichte mit einer ungewöhnlichen Idee, die nicht auf Klamauk reduziert wird. Der Humor funktioniert, weil der Räuber nicht bloß Chaos anrichtet, sondern mit ernsthafter Überzeugung versucht, irgendwo unterzukommen. Unterhaltsam, originell und mit einem sehr schönen, augenzwinkernden Ende.

Vielen lieben Dank an den Verlag für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar!

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Ben Mantle: “Der allertollste Bruder der Welt”

Ben Mantle (Autor/ Illustrator)
Penguin Junior Verlag
Lesealter: ab 4 Jahren
40 Seiten
Gebundenes Buch: 15,00 €

Allerbeste Geschwister

Nano hat seinen großen Bruder Felix ganz doll lieb. Und Nano weiß, dass Felix ihn auch lieb hat – meistens jedenfalls. Doch was tut man, wenn der allertollste große Bruder der Welt einfach nur seine Ruhe haben will? Na, alleine spielen, überhaupt gar kein Problem! Oder etwa doch?!
(Klappentext)

Über die besondere Magie zwischen Geschwistern

Geschwisterbeziehungen sind schon etwas ganz Besonderes. Sie sind geprägt von Nähe, Bewunderung, kleinen Streitigkeiten und einem Band, das selbst nach turbulenten Momenten bestehen bleibt. Um dieses Wechselspiel geht es in diesem unglaublich warmherzigen und humorvollen Bilderbuch.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Nano, der seinen großen Bruder Felix über alles liebt. Für Nano ist Felix nicht einfach nur ein Bruder, er ist der allertollste Bruder der Welt. Gemeinsam spielen, Abenteuer erleben und Zeit miteinander verbringen, ist für Nano das Größte. Doch wie es unter Geschwistern nun einmal ist, gibt es auch Momente, in denen der große Bruder einfach seine Ruhe haben möchte. Für Felix wird das Baumhaus zu einem Rückzugsort, zu dem Nano keinen Zutritt hat. Für den kleinen Bruder ist das zunächst schwer zu verstehen. Die Enttäuschung ist groß, denn für Nano gehört Felix zu allem dazu.

Diese recht alltägliche Situation wird auf eine sehr einfühlsame Weise erzählt. Man begleitet Nano dabei, wie er versucht, mit der Situation umzugehen. Er baut sich kurzerhand sein eigenes kleines Reich und versucht, allein zurechtzukommen. Doch als das Wetter umschlägt und sein gemütliches Regenschirmhaus vom Wind davongetragen wird, ohne dass der große Bruder zu Hilfe eilt, ist Nano wütend und traurig.

Meine beiden kleineren Kinder lieben dieses Buch. Beim Vorlesen schlüpfen sie abwechselnd in die Rolle des Nano (ich muss dann mit veränderten Namen vorlesen) und der große Bruder ist selbstverständlich der allertollste überhaupt. Genau daran sieht man doch, wie nahbar diese Geschichte erzählt ist.

Außerdem sind die Illustrationen mein persönliches Highlight. Die Darstellung des regnerischen Gartens und der wechselnden Wetterstimmung ist außergewöhnlich gut gelungen. Man spürt förmlich die Atmosphäre eines warmen, aber regnerischen Tages, riecht die feuchte Erde und hört das Pladder-Pladder und Klonk-Klonk der Regentropfen. Gleichzeitig sind die Figuren so liebevoll gestaltet, dass man ihre Gefühle auch ohne viele Worte sofort erkennt. Die Mimik und Körpersprache der beiden Brüder transportieren Emotionen auf sehr zugängliche und kindgerechte Weise. Auch die kleinen humorvollen Details in den Illustrationen laden zum Entdecken ein und sorgen dafür, dass das Buch nicht nur einmal, sondern immer wieder gerne zur Hand genommen wird.

Inhaltlich vermittelt die Geschichte eine wichtige Botschaft: Geschwister müssen nicht immer alles gemeinsam machen. Es ist völlig in Ordnung, wenn jeder auch einmal Zeit für sich braucht. Gleichzeitig zeigt das Buch, dass Streit und kleine Konflikte dazugehören und dass die Verbindung zwischen Geschwistern oft stärker ist, als man denkt.

Insgesamt also ein warmherziges, humorvolles und zugleich sehr authentisches Bilderbuch über Geschwisterliebe. Die Geschichte überzeugt durch ihren hohen Wiedererkennungswert, die liebevollen Figuren und die beeindruckenden Illustrationen, die besonders die Stimmung eines regnerischen Tages wunderschön einfangen.

Ein wunderbares Vorlesebuch ab etwa vier Jahren, das zeigt, dass Geschwister sich manchmal streiten, aber am Ende immer zusammenhalten. Und dass der große Bruder eben doch (meistens) der allertollste der Welt ist.

Vielen lieben Dank an der Verlag, der uns dieses Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat!

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Skye McKenna: “Cassandra Morgan – Die magische Flöte”(Band 2)

Gleich hinter dem geheimnisvollen Wald liegt das Land Faerie. Wer es betritt, kehrt niemals zurück, heißt es. Und nur mächtige Hexenzauber bieten Schutz vor den fantastischen Wesen, die dort leben.

Cassandra möchte sich eigentlich auf ihre Hexenausbildung konzentrieren, doch im Dorf Hagley geschehen seltsame Dinge. Immer mehr Bewohner stehen unter einem Fluch, der sie nach einem gefährlichen Artefakt suchen lässt: Sir Egads Lanze. Wer diese Lanze berührt, ist dem Tod geweiht. Der Erlkönig, Herrscher über Faerie, will die Waffe unbedingt in seinen Besitz bringen. Entschlossen, die Dorfbewohner von dem Fluch zu befreien, stürzen sich Cassandra und ihre Freundinnen in ein neues Abenteuer…
(Klappentext)

Noch stärker, noch magischer, noch spannender

Skye McKenna ist eine Fortsetzung gelungen, die den ersten Band nicht nur fortführt, sondern in vielerlei Hinsicht sogar übertrifft. Während im Auftaktband zunächst die magische Welt rund um Hagley aufgebaut und Figuren eingeführt wurden, ohne allzu viel Tiefe mitzubringen, taucht man nun endlich etwas tiefer in diese mystische Atmosphäre ein. Alles wirkt vertrauter, dichter und gleichzeitig noch spannender.

Cassandra hat sich inzwischen in Hagley eingelebt und arbeitet weiter an ihrer Hexenausbildung. Doch Ruhe kehrt im Dorf nicht ein. Immer mehr Dorfbewohner geraten unter einen sonderbaren Bann und beginnen, nach einem Artefakt zu suchen. Schnell wird klar, dass erneut dunkle Kräfte aus dem Reich Faerie ihre Finger im Spiel haben müssen. Gemeinsam mit ihren Freundinnen Rue und Tabitha macht sich Cassandra daran, das Rätsel zu lösen, und gerät dabei in ein neues, gefährliches Abenteuer.

Besonders gelungen ist in diesem Band die Weiterentwicklung der Figuren. Cassandra wirkt spürbar reifer als noch im ersten Teil, bleibt dabei aber weiterhin mutig, neugierig und manchmal auch ein wenig impulsiv. Auch ihre Freundinnen gewinnen an Tiefe und die Freundschaft zwischen den drei Mädchen steht noch stärker im Mittelpunkt. Sehr schön zu sehen ist, wie sehr sie inzwischen zusammengewachsen sind.

Auch die Nebenfiguren werden weiter ausgearbeitet, und neue Charaktere bringen zusätzlichen Schwung in die Handlung. Gleichzeitig erfährt man mehr über bekannte Figuren und Hintergründe, die die Welt von Hagley noch greifbarer machen. Auch die Geschichte rund um Cassandras Mutter entwickelt sich und sorgt für zusätzliche Spannung.

Atmosphärisch überzeugt der zweite Band auf ganzer Linie. Der geheimnisvolle Hag, neue magische Wesen und alte Legenden sorgen für eine dichte, fantasievolle Stimmung. Gleichzeitig bleibt die Handlung durchgehend spannend und abwechslungsreich. Immer wieder tauchen neue Hinweise auf, Wendungen überraschen und man möchte unbedingt wissen, wie es weitergeht.

Der Schreibstil von Skye McKenna liest sich angenehm flüssig und sehr bildhaft. Die Kapitel haben eine gute Länge und sorgen dafür, dass man immer wieder weiterliest. Spannung, Magie und Freundschaft greifen dabei wunderbar ineinander.

Insgesamt ist „Cassandra Morgan – Die magische Flöte“ eine rundum gelungene Fortsetzung, die noch spannender und unterhaltsamer ist als der erste Band. Die Figuren entwickeln sich weiter, es gibt neue Rätsel und Wendungen. Dazu kommt eine wunderschöne Aufmachung, die das Buch auch optisch zu einem absoluten Highlight macht.

Eine klare Leseempfehlung für alle, die magische Abenteuer, starke Freundschaften und spannende Fantasygeschichten lieben. Und definitiv ein zweiter Band, der die Vorfreude auf die Fortsetzung noch größer werden lässt.

Das nächste Abenteuer von Cassandra erscheint im November 2026

Neu in Cassandras Welt? Dann geht es hier zu Band 1

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Dirk Pope: “Grossmaul!”

Dirk Pope (Autor)
Sabine Kranz (Illustratorin)
Tulipan Verlag
Lesealter: ab 3 Jahren
32 Seiten
Gebundenes Buch: 16,00 €

Wer am lautesten prahlt, hat nicht immer das letzte Wort.

Der Frosch ist stolz auf sein riesiges Maul – und verschluckt mit einem Happs die Fliege, die summend ihre Kreise zieht. Doch der angeberische Frosch ist nichts gegen den Storch, der erst groß tönt und dann den Frosch verspeist. Aber es gibt immer ein noch größeres Großmaul und so geht es prahlerisch quer durch das Tierreich, bis ausgerechnet der mit dem größten Maul überhaupt keine Lust auf Angebereien hat und dem Treiben ein Ende bereitet. (Klappentext)

Das größte Maul vom Seerosenteich

Der Frosch ist sich sicher: Am Seerosenteich hat niemand ein größeres Maul als er. Also schnappt er sich kurzerhand eine Fliege und fühlt sich dabei ziemlich cool. Doch lange kann er seinen Triumph nicht auskosten. Denn kurz darauf taucht ein Storch auf und verschluckt den Frosch, der die Fliege verschluckt hat. Und dann kommt der Fuchs. Und danach ein noch größeres Tier. So steigert sich die Geschichte von Seite zu Seite, bis schließlich jemand auftaucht, der zwar das größte Maul hat, aber mit der Angeberei wenig anfangen kann und dem Ganzen endlich ein Ende setzt.

Das Prinzip der Handlung ist ziemlich simpel: Immer kommt noch ein Tier dazu, das größer ist als das vorherige. Meine Kinder sind mit Begeisterung dabei, weil sich die Geschichte durch dieses einfache Schema leicht erschließt und schnell ein Mitsprech-Rhythmus entsteht. Besonders witzig fanden sie außerdem, dass man das nächste Tier häufig schon auf den Bildern entdecken kann, bevor es überhaupt ins Geschehen eingreift. Dieses gemeinsame Suchen und Entdecken hat beim Vorlesen fast noch mehr Spaß gemacht als der eigentliche Text.

Der Text selbst ist knapp gehalten und arbeitet viel mit Wiederholungen. Das sorgt dafür, dass Kinder schnell ein Gefühl für den Aufbau bekommen und sich die Passagen einprägen. Nach kurzer Zeit konnten meine Kinder die „Verschluck-Kette“ schon mitsprechen und hatten sichtlich Freude daran, die Reihenfolge selbst weiterzuführen. Insbesondere für das empfohlene Alter ab drei Jahren passt das sehr gut.

Die Illustrationen von Sabine Kranz greifen den Humor der Geschichte schön auf. Sie sind farbenfroh, etwas frech gestaltet und bieten einige Details. Besonders die Gesichtsausdrücke der Tiere haben uns immer wieder schmunzeln lassen. Inhaltlich bleibt die Geschichte bewusst einfach. Die Handlung konzentriert sich ganz auf die sich steigernde Kette der „Großmäuler“. Das reicht den Kiddies, auch wenn ich mir an manchen Stellen ein wenig mehr gewünscht hätte. Die Geschichte ist recht schnell erzählt und auch das Ende kommt zügig.

Schön ist außerdem, dass trotz des „Verschluckens“ der Tiere alles leicht und humorvoll bleibt. Es entsteht keine unangenehme Spannung, sondern vielmehr ein spielerischer Wettstreit, der am Ende freundlich aufgelöst wird. Die kleine Pointe zum Schluss sorgt zusätzlich noch einmal für ein Schmunzeln.

„Großmaul“ ist ein kurzweiliges Bilderbuch, das besonders durch seinen wiederkehrenden Aufbau und die humorvollen Illustrationen überzeugt. Beim Vorlesen mit meinen Kindern hat die Geschichte vor allem durch das Mitsprechen und Entdecken der verschiedenen Tiere funktioniert. Ein unkomplizierter Bilderbuchspaß für zwischendurch.

Vielen lieben Dank an den Tulipan Verlag, der uns dieses Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat!

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Erstleser Kinderbücher Kinderbücher ab 10 Jahre Kinderbücher ab 9 Jahre Kochbücher Rezensionen Rezepte

Claudia Schaumann: “Maries Glücksküche – Die Schule am Meer” (Band 1)

Claudia Schaumann (Autorin)
Nadine Jessler (Illustratorin)
Fischer Sauerländer
Lesealter: ab 9 Jahren
208 Seiten
Gebundenes Buch: 13,90€

Eine Küche voller Magie

Ein Umzug nach Frankreich? Marie ist wenig begeistert, als ihre Mutter eine Stelle als Köchin an einer französischen Schule annimmt. Ihr fehlen ihre Freundinnen! In der neuen Schule sind alle komisch. Doch dann weiht Maries Oma Aveline sie in ein Geheimnis ein: Mit den richtigen magischen Zutaten kann Marie Gerichte kochen, die die Menschen verzaubern. Marie ist elektrisiert: Vielleicht hilft ja ein bisschen Zauberei bei ihren Startschwierigkeiten? Doch ihr erstes Koch-Experiment geht total schief, und plötzlich ist der Job ihrer Mutter in Gefahr! Das muss Marie unbedingt wieder gutmachen – am besten mit einem magischen Buffet beim großen Schulfest …
(Klappentext)

Neuanfang, Meeresluft und eine Prise Magie

Ein Umzug in ein anderes Land ist nie einfach, und Marie tut sich mit der neuen Situation ganz schön schwer. Neue Schule, neue Sprache und keine Freundinnen in Sicht. Während ihr Bruder schnell Anschluss findet und das Leben am Meer genießt, fühlt sich Marie zunächst ziemlich verloren. Dass ihre Familie in einer umgebauten Turnhalle wohnt, macht die Situation nicht unbedingt leichter.

Zum Glück gibt es Oma Aveline. Sie ist warmherzig, lebensfroh und hat ein Geheimnis, in das sie Marie einweiht. Mit den richtigen Zutaten kann man beim Kochen kleine magische Effekte erzielen. Für Marie klingt das nach einer guten Möglichkeit, ihre Startschwierigkeiten in den Griff zu bekommen. Doch natürlich läuft nicht alles nach Plan. Ihr erster Versuch sorgt für ordentliches Chaos und plötzlich steht sogar der Job ihrer Mutter auf dem Spiel.

Die Grundidee von Maries Glücksküche – Die Schule am Meer hat mir sofort gefallen. Zauberkochen, ein Neuanfang an der französischen Küste und eine sympathische Hauptfigur. Das alles bringt eine schöne Wohlfühlatmosphäre mit sich. Besonders die Szenen rund ums Kochen und die magischen Zutaten haben mir gefallen. Hier steckt viel Liebe zum Detail drin und einige Einfälle sind wirklich herrlich witzig.

Gleichzeitig bleibt die Geschichte insgesamt eher überschaubar. Viele Themen werden angerissen, ohne sehr ausführlich erzählt zu werden. Das betrifft sowohl Maries Eingewöhnung in der neuen Schule, die Nebenfiguren als auch das Zauberkochen, das durchaus noch mehr Raum hätte bekommen können. Allerdings passt das gut zur Zielgruppe. Die Geschichte bleibt dadurch leicht zugänglich, übersichtlich und angenehm zu lesen. Gerade für Kinder ab etwa neun Jahren ist das so ideal.

Marie selbst ist eine sympathische Hauptfigur. Ihre Unsicherheit, ihr Wunsch dazuzugehören und ihr vorsichtiger Neuanfang wirken nachvollziehbar. Besonders die Beziehung zu ihrer Oma hat mir gut gefallen.

Auch die Schwarz-Weiß-Illustrationen lockern den Text schön auf und passen gut zum Ton der Geschichte. Die Rezepte am Ende sind zudem eine nette Ergänzung und greifen die Idee der Glücksküche noch einmal auf. Omas Magi(e) ist zum schieflachen.

Maries Glücksküche – Die Schule am Meer ist ein ruhiger, unkomplizierter Reihenauftakt mit einer guten Portion Magie und einem überschaubaren Handlungsrahmen. Eine angenehme Lektüre für Kinder ab etwa 9 Jahren und für alle, die Geschichten mit Wohlfühlatmosphäre und einem kleinen magischen Twist mögen.

Ich bin gespannt, wie sich Marie und ihre Glücksküche in den nächsten Bänden weiterentwickeln.

Vielen lieben Dank an Fischer Sauerländer für das magische Rezensionsexemplar!

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Lisa Hänsch: “Carli und Klecks – Gehen auf den Spielplatz”

Lisa Hänsch (Autorin/ Illustratorin)
Beltz & Gelberg
Lesealter: ab 2 Jahren
22 Seiten
Gebundenes Buch: 10,00 €

Große Momente für ganz Kleine

Carli und Klecks sind auf dem Spielplatz, aber die Rutsche ist ständig besetzt! Da gehen die beiden lieber in Ingas Garten. Dort bauen sie sich was Eigenes!
(Klappentext)

Über das Finden eigener Wege

Carli will rutschen. Klingt erstmal nach einem ziemlich einfachen Plan. Auf dem Spielplatz sieht das Ganze dann aber anders aus. Die großen Brüder sind laut, rücksichtslos und immer ein bisschen schneller als Carli. Für Carli und Kater Klecks ist das zu viel. Also ziehen sie sich zurück in den Garten von Nachbarin Inga, wo aus ein paar einfachen Dingen eine ganz eigene Rutsche entsteht.

Die Geschichte greift ein Gefühl auf, das ich von meinen eigenen Kindern sehr gut kenne: Es ist zu laut, zu wild, zu viel. Anstatt daraus eine typische Konfliktsituation zu machen, in der ein Erwachsener eingreift und das Problem löst oder die Kinder auffordert, mit der Situation klarzukommen, bleibt das Buch ganz nah an Carli und seinen Bedürfnissen. Er darf sich zurückziehen. Er muss sich nicht behaupten, nicht mithalten, nicht über seine Grenzen gehen.

Aus der Situation heraus entwickelt sich eine neue Idee und ein neuer Spielort mit neuen Möglichkeiten. Dieses Umlenken ist für mich der eigentliche Kern der Geschichte. Es geht nicht ums Verlieren oder Ausweichen, sondern um Selbstbestimmung, natürlich auf eine kindliche Weise.

Gerade im Alltag ist man als Erwachsener oft schnell dabei, Kinder doch wieder zurück in solche Situationen zu schicken, damit sie lernen, damit umzugehen. In diesem Buch wird ein anderer Weg gezeigt. Einer, der ruhiger ist und Kindern zutraut, selbst eine Lösung zu finden, die sich für sie richtig anfühlt. Am Ende fügt sich alles wieder zusammen. Ohne großes Drama wird aus dem eigenen Spiel wieder ein gemeinsames.

Die Illustrationen tragen wieder viel zu dieser Wirkung bei. Sie sind warm, lebendig und zeigen kleine Details, die man oft erst beim zweiten oder dritten Anschauen entdeckt. Besonders schön ist, wie selbstverständlich unterschiedliche Lebensrealitäten mitlaufen, ohne betont zu werden. Der Text bleibt kurz und klar. Viel entsteht im gemeinsamen Anschauen und Erzählen.

Carli und Klecks gehen auf den Spielplatz ist eine ruhige, alltagsnahe Geschichte über Grenzen, Rückzug und die Möglichkeit, Dinge auf seine eigene Weise zu gestalten.

Weitere Abenteuer von Carli und Klecks: