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Bilderbücher Halloween Kinderbücher ab 4 Jahre Rezensionen

Max Osswald: “Graf Dackula und die Schrecksperten” (Band 2)

Max Osswald (Autor)
Merle Goll (Illustratorin)
Fischer Sauerländer Verlag
Lesealter: ab 4 Jahren
32 Seiten
Gebundenes Buch: 15,00€

Die sechs wackeren Tier-Vampire sind zurück!

Graf Dackula und seine furchterregenden Freunde wollen Profis im Erschrecken werden! Doch leider beeindruckt das krachende Kläffen von Graf Dackula die tiefenentspannte Schildgoethe null Komma NÖ. Da muss eine echte Expertin ran: Hera, die hüpfende Heuschreckliche, ihres Zeichens Diplom-Erschreckerin und Master of Scare (M.Sc.)! Ob die VampTiere es schaffen werden, Angst und Schrecken zu verbreiten?
(Klappentext)

Lustiger Wortwitz für Erwachsene, aber am Zielpublikum vorbeigeschrieben

Wer Dackel mag und eine Schwäche für Wortspiele hat, wird bei Graf Dackula und die SCHRECKsperten definitiv lachen können. Das Buch bringt als Begleiter für die Herbst- und Halloweenzeit eigentlich tolle Voraussetzungen mit. Die Illustrationen erinnern vom Stil her stark an die Zeichnungen von Axel Scheffler, und auch die Grundidee mit den Möchtegern-Gruseltieren bringt unheimlich viel Potenzial für eine witzige Geschichte mit.

In der Story geht es um Graf Dackula und seine Vampir-Tier-Freunde, die sich selbst für schrecklich gruselig halten. Bis sie auf die tiefenentspannte, in Reimen sprechende Schildkröte treffen. Um ihr Ziel doch noch zu erreichen, holen sie sich Hilfe von Hera, der hüpfenden Heuschrecklichen, ihres Zeichens Diplom-Erschreckerin. Es folgt ein intensives Erschreck-Training, bei dem es um Ausdauer, Frusttoleranz und am Ende um die Erkenntnis geht, dass Übung den Meister macht und es beim Erschrecken darum geht, Spaß zu haben.

Aus Erwachsenensicht macht das Buch beim Vorlesen wirklich Laune. Die Wortwitze erinnern an Das Neinhorn und bringen Vorlesende garantiert zum Grinsen. Wenn ich Begriffe wie „SCHRECKsperten“ oder die „Schildgoethe“ lese, könnte ich mich persönlich wegschmeißen vor Lachen. Doch hier liegt leider auch die große Schwachstelle. Für Kinder funktioniert das Buch schlichtweg nicht.

Der Verlag empfiehlt die Geschichte ab 4 Jahren, aber selbst mein Praxistest zu Hause mit Kindern zwischen 3 und 11 Jahren hat gezeigt, dass die Story an der Zielgruppe vorbeigeht. Die Handlung ist schlicht zu langatmig geraten. Manche Stellen kann man den Kindern zwar noch erklären, aber man merkt beim Vorlesen deutlich, wie die Aufmerksamkeit und das Interesse schwinden. Der Wortwitz zündet bei den Kleinen überhaupt nicht. Wie soll man einem Kleinkind den Witz hinter einer „Schildgoethe“ erklären? Das setzt kulturelles Wissen voraus, das Kindergarten- und Grundschulkinder schlicht noch nicht haben können. Man ist beim Vorlesen ständig am Übersetzen, wodurch der Vorlesefluss komplett flöten geht.

Graf Dackula ist ein netter Gag für erwachsene Dackelfans und Freunde des gepflegten Wortwitzes, als Bilderbuch für Kinder ab 4 Jahren fällt es durch die zu komplizierte Erzählweise aber leider durch.



Kennt ihr schon?

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Bilderbücher Herbst Kinderbücher Kinderbücher ab 4 Jahre Rezensionen Vorlesebücher Winter

Smriti Halls: “Nur noch die eine Nuss!”

Smriti Halls (Autorin)
Lucy Fleming (Illustratorin)
Penguin Junior
Lesealter: ab 4 Jahren
32 Seiten
Gebundenes Buch: 15,00€
Stoppt das Eichhörnchen!

Fips, das Eichhörnchen, ist die allerbeste Nuss-Sammlerin weit und breit. Sie möchte einfach gut vorbereitet sein für den Winter! So bleibt jedoch keine einzige Nuss für die anderen Waldtiere mehr übrig. Kein Wunder, dass die Tiere einen Plan schmieden, um sich zu wehren. Als Fips das entdeckt, fängt sie an, darüber nachzudenken, wie viele Nüsse sie tatsächlich benötigt …
(Klappentext)

Warum Teilen viel schöner ist

Eichhörnchen Fips meint es eigentlich nur gut. Sie möchte perfekt für den kalten Winter gerüstet sein und sammelt im Herbstwald eifrig Nüsse, was das Zeug hält. Schließlich kennt sie tolle Rezeptideen für Plätzchen und Kuchen. Doch in ihrem Eifer übersieht sie völlig, dass für die anderen Waldtiere wie Maus, Hase und Dachs dadurch keine einzige Nuss mehr übrig bleibt. Als der erste Schnee fällt und die Tiere ratsuchend im Wald stehen, wird Fips klar, was sie angerichtet hat, und sie fängt an zu verstehen, worauf es im Miteinander wirklich ankommt.

Ich bin schon lange ein riesiger Fan von Lucy Flemings Arbeiten. Ihre Naturillustrationen für Kinderbücher gefallen mir einfach unheimlich gut, und auch hier fängt sie die herbstliche Waldstimmung sowie das spätere, gemütliche Beisammensein im Winter wunderbar ein. Die Zeichnungen stecken voller kleiner Details, warmen Farben und einer ausdrucksstarken Mimik bei den Figuren. Beim gemeinsamen Anschauen stellt sich sofort dieses wohlige Gefühl von Vorfreude auf die kältere Jahreszeit und gemütliche Vorlesestunden auf dem Sofa ein.

Die Geschichte von Smriti Halls ist in flüssigen, sehr eingängigen Reimen erzählt. Die Handlung ist vom Umfang und Textverständnis her auch schon für Kinder ab 3 Jahren geeignet.

Das Schöne an der Geschichte ist, wie das Thema Teilen erzählt wird. Fips ist kein fieser Bösewicht, der den anderen aus Futterneid alles wegschnappt. Sie ist einfach etwas übermütig, stürzt sich voller Eifer in ihre Aufgabe und merkt vor lauter Vorfreude gar nicht, dass sie maßlos wird. Das macht sie zu einer sehr menschlichen Figur, in der sich Kinder auch wiederfinden können. Als sie merkt, dass die anderen leer ausgehen, erschrickt sie ehrlich über sich selbst und versucht direkt, ihren Fehler wieder gutzumachen.

Das Buch zeigt auf eine ganz einfühlsame Art, wie viel Spaß es machen kann, füreinander da zu sein. Es lädt beim Lesen dazu ein, kurz innezuhalten und darüber zu sprechen, dass Gemeinsamkeit oft viel wertvoller ist als der größte eigene Vorrat.

Nur noch die eine Nuss! ist eine wunderschöne Vorlesegeschichte für die Herbst- und Winterzeit, die durch die malerischen Bilder von Lucy Fleming garantiert ganz oft aus dem Regal geholt wird.

Ganz lieben Dank an den Verlag für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

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Cozy Romance Liebesromane Rezensionen Romane

Lynn Painter: “Mr Fake Boyfriend”

Lynn Painter (Autorin)
Goldmann Verlag
354 Seiten
Paperback: 17,00€

Abi spielt die Freundin von Millionär Declan. Was kann da schon schiefgehen?

Abi fällt aus allen Wolken, als sie über Nacht aus ihrer Wohnung geworfen wird. Kurzerhand übernachtet sie heimlich in dem Luxusapartment, das sie regelmäßig putzt – einer ihrer vielen Studentenjobs. Der Besitzer, der junge, umschwärmte Millionär Declan Powell, ist sowieso verreist. Doch am nächsten Morgen stehen seine Eltern in der Küche. Und halten sie für Declans Freundin. Als Declan davon erfährt, versteht er die Welt nicht mehr, doch eine fake Freundin kommt ihm für ein wichtiges berufliches Event mehr als gelegen. Es schadet dabei ja nicht, dass Abi klug, witzig und umwerfend attraktiv ist …
(Klappentext)

Vorhersehbar, aber unterhaltsam

Wenn ein neues Buch von Lynn Painter erscheint, bin ich eigentlich immer sofort neugierig. Sie ist eine dieser Autorinnen, zu denen ich im Buchladen extrem gerne greife, weil man bei ihr immer eine lockere, humorvolle Unterhaltung für den Kopf bekommt.

Die Geschichte startet allerdings mit einer konstruierten Ausgangslage. Abi steht plötzlich völlig ohne Bleibe da und schläft nach dem Reinigen einer Luxuswohnung heimlich da. Warum auch nicht? Der Besitzer – ein attraktiver, erfolgreicher, junger Millionär – ist schließlich gerade nicht da. Als am nächsten Morgen unerwartet seine Eltern in der Tür stehen und Abi fälschlicherweise für seine Freundin halten, greift der wohlhabende Apartmentbesitzer die Verwechslung dankbar auf. Er braucht nämlich spontan eine vorzeigbare Begleitung für ein wichtiges berufliches Firmenevent, und Abi kann das Geld mehr als gut gebrauchen.

Man muss ehrlich sagen: Das ist definitiv nicht Lynn Painters bestes Buch. Wer gerne Romance liest oder Filme wie Pretty Woman mag, wird hier viele vertraute Muster sofort wiedererkennen. Die Story bedient ganz klassische Tropes wie Fake Dating, Forced Proximity und Opposites Attract. Ein tiefgründiges Meisterwerk mit überraschenden Wendungen sollte man hier also wirklich nicht erwarten. Die Handlung plätschert recht linear auf einem eher überschaubaren Niveau dahin, und der eine oder andere dramatische Höhepunkt mehr hätte der Story sicherlich gutgetan. Auch beim Spice-Gehalt hält sich das Buch im eher verhaltenen Bereich, sodass der Fokus fast ausschließlich auf den kleineren Reibereien der beiden liegt.

Der flüssige Schreibstil sorgt zwar dafür, dass man die Seiten unheimlich schnell umblättert, allerdings wartet man beim Lesen eben auch die ganze Zeit darauf, dass endlich mal etwas Entscheidendes oder Unerwartetes passiert. Die Unterhaltungen zwischen den beiden sind zwar witzig und nett zu lesen, aber eben auch nicht gerade voller Brillanz oder sprühendem Witz, wie man es vielleicht aus anderen Büchern der Autorin kennt.

Trotzdem hat die Geschichte ihren ganz eigenen, gemütlichen Charme. Die Charaktere bleiben durchweg sympathisch, und dass sensible Themen wie Abis chronisches Asthma beiläufig und unaufgeregt aufgegriffen werden, verleiht ihr zumindest ein kleines bisschen mehr Tiefe. Auch die Nebenfiguren fügen sich unauffällig in das Geschehen ein und sorgen für den einen oder anderen Schmunzler zwischendurch.

Für mich war das Buch letztlich genau das Richtige, um nach einem anstrengenden Tag komplett abzuschalten. Man muss nicht viel nachdenken, regt sich über keine unnötigen Dramen auf und kann beim Lesen einfach wunderbar entspannen.

Ein leichter Wohlfühlroman mit sympathischen Figuren, den man flüssig an einem gemütlichen Wochenende durchlesen kann. Perfekt für alle, die eine unaufgeregte Dosis Romantik für die Couch suchen.

Ein herziges Dankeschön an den Verlag für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

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Bilderbücher Garten Halloween Herbst Kinderbücher Kinderbücher ab 3 Jahre Kinderbücher ab 4 Jahre Natur Rezensionen

Markus Osterwalder: “Bobo Siebenschläfer – So bunt ist der Herbst”

Markus Osterwalder (Autor)
Dorothée Böhlke (Illustratorin)
Rotfuchs Fischer Sauerländer
Lesealter: ab 4 Jahren
96 Seiten
Gebundenes Buch: 13,90€

Mit Bobo Siebenschläfer den Herbst erleben!

Die Blätter färben sich bunt, und Bobo Siebenschläfer nimmt alle Veränderungen der Natur mit kindlicher Neugier wahr. Mit Mama geht er auf den Markt und kocht mit Papa eine frische Gemüsesuppe; mit Bobos Freund Jeremy lässt sich herrlich durch die Pfützen springen; bei Oma und Opa hilft Bobo dabei, ein Vogelhäuschen zu bauen und dem Igel sein Winterquartier herzurichten. Und schließlich steht ja noch der große Laternenumzug mit dem Kindergarten an! (Klappentext)

Herbstabenteuer mit dem kleinen Siebenschläfer

Vier Geschichten begleiten Bobo und seine Familie durch die bunte Jahreszeit. Auf dem Wochenmarkt kauft er buntes Gemüse, meistert eine Begegnung mit einer Wespe und hilft zu Hause beim Suppekochen. Er springt mit seinem Freund Jeremy durch Regenpfützen und baut bei den Großeltern ein Vogelhäuschen und ein Igelquartier für den Winter. Zum Abschluss geht es mit den Freunden aus der Kita und selbstgebastelten Laternen zum St.-Martins-Umzug.

Ganz ehrlich, optisch ist Bobo Siebenschläfer nicht unbedingt mein persönlicher Favorit. Aber bei meinen Kindern zwischen 3 und 7 Jahren zieht der kleine Kerl einfach jedes Mal aufs Neue. Wer die Bücher kennt, weiß auch, woran das liegt. Die Geschichten greifen genau die Themen auf, die den Kindern in diesem Alter auffallen und Spaß machen: Blätter sammeln, in Pfützen springen, Tiere im Garten beobachten und Laternen basteln.

Die einzelnen Abenteuer begleiten die Alltagsabläufe sehr genau und im Detail. Eine Geschichte bleibt nicht bei einem kurzen Impuls stehen, sondern nimmt sich Zeit von der ersten Entdeckung bis zum fertigen Ergebnis, wie beim Einkaufen, Vorbereiten und Kochen der Gemüsesuppe. Das macht die Kapitel zwar recht lang, beim Vorlesen stört das die Kinder aber überhaupt nicht. Im Gegenteil, sie finden sich in den Schritt-für-Schritt-Abläufen sofort wieder. Auch dass vertraute Figuren wie Jeremy und Fatima vorkommen, sorgt für Wiedersehensfreude.

Pro Bild gibt es zwar nur ein bis zwei kurze Sätze, aber weil wirklich jede Kleinigkeit einer Handlung erzählt wird, zieht sich das Ganze aus Erwachsenensicht stellenweise ganz schön in die Länge. Aus pädagogischer Sicht ist dieser Aufbau für Kinder aber genial. Das schrittweise Zerlegen der Situationen gibt kleinen Zuhörern enorm viel Sicherheit, hilft beim Verarbeiten von Alltagsabläufen und überfordert sie nicht. Dazu kommt das altbewährte Muster am Ende jedes Kapitels: Nach all dem Trubel schläft Bobo müde und zufrieden ein. Das schafft eine angenehme Ruhe im Kinderzimmer und eignet sich ideal für die Abendroutine vor dem Schlafen.

Wer also ein schönes Vorlesebuch für die Herbstmonate sucht, das Kindern Lust auf Gummistiefel, raschelndes Laub und Laternenumzüge macht, bekommt hier eine rundum gelungene Geschichtensammlung für Kinder ab 3 Jahren.

Ein ganz großes Dankeschön an den Rotfuchs Verlag für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar, das mit Begeisterung in der Bienchen-Gruppe gelesen wird.

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Fantasy Halloween Herbst Hexen Kinderbücher Kinderbücher ab 9 Jahre Magie Rezensionen

Marie Braner: “Vier Hexen – und ein Zufallszauber” (Band 1)

Marie Braner (Autorin/ Illustratorin)
Penguin Junior Verlag
Lesealter: ab 9 Jahren
272 Seiten
Gebundenes Buch: 15,00 €

Tessa, Devi, Cleo und Liz sind beste Freundinnen – und sie alle wurden in derselben Nacht geboren. Doch das ist nur der erste von sieben verhexten Zufällen, die genau dreizehn Jahre später einen uralten Bannzauber brechen. Plötzlich haben die Mädchen magische Kräfte – leider ohne Gebrauchsanweisung, was zu jeder Menge Chaos führt. Währenddessen häufen sich in ihrer Heimatstadt Fuchsstein die seltsamen Ereignisse. Dunkle Mächte treiben ihr Unwesen und stellen die Freundschaft der Mädchen auf die Probe. Können sie das Geheimnis des Zaubers rechtzeitig lüften und ihre Kräfte kontrollieren, bevor es zu spät ist? (Klappentext)

Hexenmagie und echte Gänsehaut-Momente

An einem Freitag, dem Dreizehnten, feiern Tessa, Devi und Cleo zusammen ihren dreizehnten Geburtstag. Die drei sind unzertrennlich, seit sich ihre Mütter in der Geburtsnacht im Krankenhaus kennengelernt haben. Doch diesmal ist etwas anders. Mit Liz zieht ein neues Mädchen in die Stadt, das exakt in derselben Nacht geboren wurde. Bei einer nächtlichen Schnitzeljagd zu einer alten Spukvilla geraten die vier auf eine verlassene Lichtung und lösen durch eine Verkettung seltsamer Zufälle einen jahrhundertealten Bann. Plötzlich besitzen alle vier magische Fähigkeiten. Blöd nur, dass Zauberkräfte ohne Anleitung geliefert werden und in ihrer Heimatstadt Fuchsstein prompt ein bedrohlicher, dunkler Nebel aufzieht.

Die Geschichte verbindet den normalen Schul- und Familienalltag der Mädchen mit teils wirklich unheimlichen Mystery-Elementen. Schattenwesen, unheimliche Nebelschwaden und die bedrohliche Stimmung rund um die alte Villa sorgen für ordentlich Nervenkitzel. Dadurch bekommt die Handlung eine tolle Dynamik.

In der Vierer-Gruppe fliegen auch mal gehörig die Fetzen. Dass Neuzugang Liz von Tessa erst einmal als lästiger Eindringling empfunden wird und Neid das Gefüge unter den Freundinnen belastet, wirkt absolut lebensnah. Jedes der Mädchen bringt eigene Ecken, Kanten und familiäre Päckchen mit. Ganz besonders spannend sind die diversen magischen Fähigkeiten. Sie sind ungewöhnlich und unterschiedlich und bieten so viele Facetten, dass in dem Buch gar nicht genug Platz ist, um sie genau kennenzulernen.

Inhaltlich schwächelt die erste Hälfte des Buches für meinen Geschmack allerdings etwas. Obwohl das Ereignis auf der Lichtung recht früh passiert, stockt die Handlung danach spürbar. Statt den Schulalltag der Mädchen weiter zu begleiten, verliert sich die Geschichte etwas im zähen Hadern mit den neuen Kräften. Erst im letzten Drittel entschädigt das Buch vollkommen. Das Tempo zieht drastisch an, die Rätsel spitzen sich zu und das Ganze gipfelt in einem fiesen Cliffhanger.

Die grafische Gestaltung fügt sich hervorragend ein. Marie Braner hat als Autorin und Zeichnerin ihre eigene Geschichte mit stimmungsvollen Schwarz-Weiß-Illustrationen versehen, die den Charakteren viel Leben einhauchen. Die etwas verschachtelte Satzstruktur fordert beim Selbstlesen durchaus heraus. Für Vielleser:innen ab 9 Jahren ist es aber ein wunderbares Leseabenteuer mit Gänsehautgarantie und einer zauberhaften Mädchenfreundschaft.

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Bilderbücher Kinderbücher Kinderbücher ab 3 Jahre Rezensionen Vorlesebücher

Nat Amoore: “Ich will doch keinen kleinen Bruder!”

Nat Amoore (Autor)
Nathaniel Eckstrom (Illustrator)
cbj Verlag
Lesealter: ab 3 Jahren
40 Seiten
Gebundenes Buch: 15,00€

Ich will keinen kleinen Bruder! Der nervt total! Was ich auch versuche, um ihn loszuwerden – er kommt immer wieder zurück. Und dann tut er plötzlich etwas ziemlich Nützliches. Vielleicht ist es doch gar nicht so doof, einen Bruder zu haben …? (Klappentext)

Von kleinen Geschwistern

Zwei Jahre hat der große Bruder nun geduldig gewartet. Seine Mutter hatte schließlich behauptet, irgendwann würde er schon merken, wie toll so ein kleiner Bruder ist. Tja. Bislang gibt es dafür wenig Anzeichen. Der Kleine kann nicht richtig klettern, nicht malen und eigene Freunde hat er offenbar ebenfalls nicht. Dafür hängt er ständig an seinem großen Bruder und nervt. Also steht fest: Er muss weg.

Und an Ideen mangelt es nicht. Der kleine Bruder wird kurzerhand nach Frankreich geschickt, im Zoo untergebracht und schließlich sogar mit einer Rakete zum Mond befördert. Nur leider besitzt er eine erstaunliche Begabung dafür, immer wieder zurückzufinden. Erst als Bruno, der heißgeliebte Teddy des großen Bruders, plötzlich verschwunden ist und sämtliche Erwachsenen bei der Suche erfolglos bleiben, schlägt die große Stunde des bislang völlig nutzlosen kleinen Bruders.

Ich habe bei diesem Buch wirklich herzlich gelacht. Gerade weil hier nicht versucht wird, Geschwisterliebe als dauerharmonisch zu verkaufen. Kleine Geschwister können nerven. Gewaltig sogar. Sie wollen genau das haben, womit man selbst gerade spielt, laufen einem hinterher, mischen sich ein und sind aus Sicht eines älteren Kindes erstaunlich oft dort, wo man sie überhaupt nicht gebrauchen kann.

Bei uns trifft die Geschwisterkonstellation aus dem Buch komplett zu. Dementsprechend hoch ist der Wiedererkennungswert bei meinem Großen. Natürlich verschickt hier niemand jemanden nach Frankreich (obwohl wir die Drohung mit dem Mond regelmäßig hören). Die Grundstimmung dürfte vielen Familien mit mehreren Kindern sehr bekannt vorkommen. Gerade die völlig überzogenen Ideen, den kleinen Bruder wieder loszuwerden, machen die Geschichte so witzig. Gleichzeitig wirkt der Ärger des Großen erstaunlich echt. Und dass der Kleine am Ende nicht plötzlich zum Lieblingsmenschen erklärt wird, sondern sich einfach als ziemlich nützlich erweist, passt perfekt zum Ton des Buches.

Nathaniel Eckstroms Illustrationen machen aus den absurden Ideen absolute Höhepunkte. Besonders der kleine Bruder im Briefkasten ist herrlich. Während der Große seine Pläne offenbar vollkommen ernst nimmt, sitzt der Kleine in vielen Situationen so zufrieden mittendrin, dass die Bilder einen ganz eigenen Witz bekommen. Dazu kommt angenehm wenig Text. Schon Dreijährige können der Geschichte gut folgen, und auch ohne Vorlesen lässt sich anhand der Bilder ziemlich genau erkennen, was gerade passiert.

„Ich will doch keinen kleinen Bruder!“ trifft dieses ganz besondere Verhältnis zwischen Geschwistern erstaunlich gut. Man kann sich gegenseitig fürchterlich auf die Nerven gehen und im entscheidenden Moment trotzdem füreinander da sein. Vor allem aber ist das Buch unglaublich witzig.

Ein riesengroßes Dankeschön an den Verlag für das Rezensionsexemplar. Für meinen großen Sohn bietet es reichlich kreative Anregung um Umgang mit seinen Geschwistern 😉

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Gundi Herget: “Bella Karamella – Ein bonbonsüßer Rettungsplan”

Gundi Herget (Autorin)
Barbara Korthues (Illustratorin)
Fischer Sauerländer Verlag
Lesealter: ab 8 Jahren
176 Seiten
Gebundenes Buch: 15,00 €

Naschhexe Karamella mischt die Schule auf!

Elfie hat das große Los gezogen: Sie wohnt direkt über dem Bonbonladen »Die Leckerei«. Zusammen mit der kleinen Naschhexe Karamella zaubert sie dort kunterbunte, magische Süßigkeiten. Deren Schlauzauberbonbons helfen sogar gegen schlechte Noten in der Schule.

Doch der Laden ist in Gefahr: Er soll schließen! Ausgerechnet die Eltern von Elfies gemeiner Klassenkameradin Bianca wollen den Laden räumen lassen. Aber aufgeben kommt nicht in die Bonbontüte! Ein Rettungsplan muss her – und zwar ein süßer, bitte sehr! Dabei bekommen Elfie und Karamella nicht nur Hilfe von ihren Freunden Michi und Murat, sondern auch von ganz und gar unerwarteter Seite. (Klappentext)

Magie im Bonbonladen

Für die neunjährige Elfie könnte das Leben eigentlich kaum schöner sein. Sie wohnt zusammen mit ihrer Mutter direkt über der „Leckerei“, einem herrlich nostalgischen Süßwarenladen. Als wäre ein Paradies voller Schokolade und Fruchtgummis direkt unter der eigenen Wohnung nicht schon fantastisch genug, hütet Elfie außerdem ein wunderbares Geheimnis. Mitten unter den Naschereien lebt die winzige, herrlich chaotische Naschhexe Bella Karamella. Wenn die beiden gemeinsame Sache machen, entstehen fantastische Leckereien, wie etwa Schlauzauberbonbons, die sogar bei kniffligen Matheaufgaben in der Schule helfen. Doch die Idylle gerät gewaltig ins Wanken, als der Bonbonladen plötzlich vor dem Aus steht.

Ausgerechnet die Eltern von Elfies gemeiner Klassenkameradin Bianca wollen den Laden räumen lassen. Für Elfie und Karamella steht augenblicklich fest: “Die Leckerei” muss gerettet werden, und zwar mit einem richtig ausgeklügelten Plan. Zusammen mit ihren Freunden Michi und Murat hecken sie eine Rettungsaktion aus, bei der rasch klar wird, dass man Unterstützung manchmal an Orten findet, an denen man sie am wenigsten erwartet hätte.

Gundi Herget erzählt diese turbulente Freundschaftsgeschichte mit erfrischendem Wortwitz und viel Verständnis für die alltägliche Lebenswelt von Kindern ab 8 Jahren. Trotz der magischen Komponenten mit Zauberzuckerstangen und bunten Naschereien bleibt die Geschichte nah an der Realität. Themen wie der Zusammenhalt in der Schule, Streitigkeiten unter Kindern und der mutige Einsatz für Dinge, die einem am Herzen liegen, werden vollkommen ungezwungen in die Handlung eingebunden. Auch das schwere Thema Schulhofrivalität wird feinfühlig aufgegriffen, ohne dabei schwarz-weiß zu zeichnen oder in Klischees zu verfallen.

Besonders gut gelingt der Autorin die Charakterzeichnung. Elfie ist eine prima Identifikationsfigur, die nicht perfekt ist, aber durch Köpfchen, Loyalität und Durchhaltevermögen überzeugt. Die kleine Naschhexe Karamella bringt mit ihrer unberechenbaren Art und den frechen Wortschöpfungen eine Menge Schwung und humorvolle Momente in das Geschehen.

Grafisch wird das Abenteuer durch die farbenfrohen und verspielten Illustrationen von Barbara Korthues wunderbar abgerundet. Die Zeichnungen fangen das bunte Treiben im Bonbonladen lebendig ein und erleichtern das Leseerlebnis für Selbstleser enorm. Durch die angenehme Kapitellänge eignet sich das Buch sowohl hervorragend zum Schmökern für geübte Erstleser als auch zum gemeinsamen Vorlesen am Abend.

Bella Karamella – Ein bonbonsüßer Rettungsplan ist ein rundum gelungenes, fröhliches Kinderbuch voller Fantasie, Witz und wichtiger Botschaften über Freundschaft und Hilfsbereitschaft. Ein richtig schönes Abenteuer für alle, die eine Prise Magie im Alltag schätzen und gespannt mitfiebern wollen, wie aus Gegenspielern echte Verbündete werden können.

Ein zuckersüßes Dankeschön an der Verlag für dieses Rezensionsexemplar!

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Madlen Ottenschläger: “Das Krawallkehlchen – Kann’s schon ganz alleine!”

Madlen Ottenschläger (Autorin)
Ramona Wultschner (Illustratorin)
Fischer Sauerländer Verlag
Lesealter: ab 4 Jahren
32 Seiten
Gebundenes Buch: 15,00 €

Mika ist sauer. Die große Schwester Jule darf schon alleine zu Tante Trudi fliegen, aber Mika nicht. Und dann sind auch noch die weltbesten Futterknödel alle. Wenn das mal kein Grund ist zu krawallen! Kurzerhand beschließt Mika, ganz allein für neue Futterknödel zu sorgen. Wie gut, dass Mika so gute Freunde im Stadtpark hat, die zu Hilfe kommen: Eichhörnchen Ebbe zeigt Mika, wo es die besten Körner gibt, Annie Amsel steuert Kokosfett bei, und von Krawumm bekommt Mika die Schnur zum Aufhängen. Am Ende helfen alle zusammen und feiern, was Mika jetzt schon alleine kann! (Klappentext)

Wenn kleine Vögel große Gefühle haben

Wer Kinder im Kindergartenalter hat, kennt diese Situationen nur zu gut. Eben war noch alles in bester Ordnung und im nächsten Augenblick kocht die Wut über wie ein kleiner Vulkan. Genau so ergeht es dem Rotkehlchen Mika. Mika ist nämlich mächtig sauer. Die ältere Schwester Jule darf schon ganz alleine zu Tante Trudi fliegen, aber Mika ist dafür angeblich noch viel zu klein. Das ist doch komplett unfair! Als dann auch noch die geliebten Futterknödel aufgebraucht sind, wird aus dem kleinen Piepmatz schlagartig das Krawallkehlchen. Doch anstatt nur wütend mit den Füßen zu stampfen, reift ein Entschluss: Dann werden die Futterknödel eben ganz alleine selbst gemacht.

Madlen Ottenschläger fängt das Thema Autonomie und die typische Geschwisterdynamiken sehr treffend und lebensnah ein. Kleine Kinder wollen nun einmal am liebsten schon genauso groß sein wie die Älteren und stoßen dabei regelmäßig an ihre eigenen Grenzen. Dass das frustriert und man da auch mal laut wird, ist absolut nachvollziehbar. Die Geschichte vermittelt dabei eine herrlich entlastende Botschaft: Jedes Gefühl hat seine Berechtigung, und Wut ist keine Schwäche oder eine Unart, sondern schlichtweg verständliche Energie, die rausgelassen werden muss. Genauso wichtig ist aber auch die Einsicht, dass man nicht alles im Leben völlig alleine schaffen muss und Unterstützung von Freunden eine echte Hilfe ist.

Die farbenfrohen Illustrationen von Ramona Wultschner fangen die Wutausbrüche und die Mimik der Tiere treffend ein. Bei der Textmenge sollte man allerdings einplanen, dass die Geschichte recht ausführlich geraten ist. Gerade für jüngere Kinder ab 4 Jahren kann das Durchhalten am Stück manchmal etwas lang werden. Hier lohnt es sich, das Buch einfach in kleinen Lese-Etappen zu genießen. Auch die Fülle an verschiedenen Tiernamen von Ebbe bis Annie fordert beim Vorlesen etwas Aufmerksamkeit, damit die Kleinen im trubeligen Parkgeschehen nicht den Überblick verlieren. Wenn man die Figuren beim Vorlesen einfach schlicht als Amsel oder Eichhörnchen bezeichnet, erleichtert das den Lesefluss für die ganz Kleinen oft ungemein.

Ein gelungenes Extra wartet am Ende des Buches: Das integrierte Gefühlsrad bietet einen super Aufhänger, um nach dem Lesen ganz ungezwungen über eigene Emotionen zu sprechen und Worte für das zu finden, was im Bauch manchmal so heftig zwickt und zwackt. Es lädt Kinder und Eltern gleichermaßen dazu ein, über den eigenen Alltag nachzudenken.

Das Krawallkehlchen – Kann’s schon ganz alleine! ist ein richtig schönes, humorvolles und stärkendes Bilderbuch. Eine tolle Empfehlung voller Verständnis für die großen Emotionen der Kleinsten, die zeigt, dass man gemeinsam meistens viel weiter kommt als ganz allein.

Vielen lieben Dank an den Verlag, der mir dieses Buch zur Verfügung gestellt hat!

Weitere Bücher vom Krawallkehlchen gibt es hier:

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Pari Thomson: “Die Hüter der Blütenmagie – Das Wunderlicht” (Blütenmagie-Trilogie, Band 1)

Pari Thomson (Autorin)
Elisa Paganelli (Illustratorin)
Fischer Sauerländer Verlag
Lesealter: ab 10 Jahren
384 Seiten
Gebundenes Buch: 16,00 €

Als Daisy durch die geheimnisvolle Tür im Londoner Botanischen Garten tritt, stolpert sie in eine andere Welt: In eine Natur, so geheim und wild und vor Magie sprühend, wie sie sich es nie hätte erträumen können. Hier gibt es Speisekammer-Bäume und Blumen, die Wünsche erfüllen oder – wie die Geistermotten-Orchidee – großes Unheil anrichten können.

Die Hüter der Blütenmagie pflegen und beschützen die wundersamen Gewächse, und Daisy findet schnell neue Freunde an der Schule. War Daisys Mutter etwa auch eine Hüterin? Warum hat sie nie davon erzählt, ehe sie spurlos verschwand? Tief im Herzen spürt sie, dass ihre Mutter in Gefahr schwebt. Und dass sie den Zauber der Blütenmagie braucht, wenn sie sie je wiedersehen will. Aber dann erfährt Daisy, dass dunkle Mächte die grüne Magie stehlen wollen … (Klappentext)

Gänseblümchen, Wunderlicht und grüne Magie

Das Leben der elfjährigen Daisy Disteldorn ist so gar nicht gewöhnlich. Anstatt an einem festen Wohnort aufzuwachsen, zieht sie mit ihrer Mutter Laila, einer engagierten Umweltjournalistin mit iranischen Wurzeln, kreuz und quer durch die Weltgeschichte. Doch als Laila während einer gefährlichen Recherche im Amazonasgebiet spurlos verschwindet, findet sich Daisy plötzlich auf sich allein gestellt im tristen Londoner Internat wieder. Zum Glück hat sie nicht nur ihren treuen Kater Napoleon im Gepäck, sondern auch ein geheimnisvolles Pusteblumen-Wunderlicht. Auf der Flucht vor finsteren Verfolgern stolpert Daisy mitten im Botanischen Garten durch ein verstecktes Portal und landet im Malvental.

Diese verborgene Parallelwelt ist ein absolutes Paradies für alle, die Natur und Magie lieben. Hier kümmern sich die sogenannten Hüter der Blütenmagie um fantastische Gewächse und einzigartige Kreaturen. Besonders genial gelingt der Autorin Pari Thomson die Erfindung dieser botanischen Wunderwelt: Welcher Pflanzenfan würde nicht gerne mal an einem Speisekammer-Baum höflich um Snacks bitten oder Früchte von einem echten Schokoladenbaum pflücken? Zwischen all den faszinierenden Gewächsen erfährt Daisy jedoch schnell, dass auch das Malvental in höchster Gefahr schwebt. Finstere Mächte haben es auf die grüne Magie abgesehen, und Daisys Mutter scheint tiefer in die Geschehnisse verstrickt zu sein, als Daisy ahnen konnte.

In der Geschichte steckt eine wunderbare Mischung aus Internats-Flair, packenden Krimi-Elementen und echten Abenteuer-Momenten. Pari Thomson verwebt ernste Themen wie Umweltschutz, Artensterben und den achtsamen Umgang mit Ressourcen ganz natürlich in die Handlung. Selbst gesellschaftliche Zwischentöne klingen unaufdringlich an, wenn Daisy im Malvental nicht sofort von allen freudig aufgenommen, sondern erst einmal als Fremde misstrauisch beäugt wird.

Richtig schön gelungen ist auch der Zusammenhalt unter den Kindern. Daisy wächst Schritt für Schritt über sich hinaus und lernt, dass Mut auch darin besteht, Vertrauen zu fassen. Trotz der stellenweise bedrohlichen Stimmung sorgen spritzige Nebenfiguren und humorvolle Momente immer wieder für Leichtigkeit.

Unterstützt wird die Geschichte durch wunderschöne Schwarz-Weiß-Illustrationen von Elisa Paganelli, die das Geschehen toll begleiten. Das farbenprächtige Cover fängt die zauberhafte Dschungel-Stimmung mit den Orchideen und Sittichen bereits vor dem Aufschlagen perfekt ein.

Pari Thomson ist hier ein richtig schönes Abenteuer-Buch gelungen, mitreißend, berührend und voller Fantasie. Es ist eine große Leseempfehlung für alle, die Geschichten über Freundschaft, Zusammenhalt und Naturmagie lieben, und macht auch Erwachsenen beim (Vor-)Lesen großen Spaß. Ich bin schon sehr gespannt auf den nächsten Band.

Und so geht es weiter:

erscheint am 26. August 2026
erscheint am 23. September 2026

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Fantasy Kinderbücher Kinderbücher ab 9 Jahre Rezensionen

Robin Dix: “Die Schule des Meeres – Ruf aus der Tiefe” (Band1)

Robin Dix (Autor)
Helge Vogt (Illustrator)
Baumhaus Verlag
Lesealter: ab 8 Jahren
208 Seiten
Gebundenes Buch: 14,00 €

“Ich glaube, dass dich das Schicksal aus einem guten Grund zu uns gebracht hat”, sagte der Wassermann.

“Na ja, eigentlich”, erwiderte Fynn, “war es ein grantiger alter Kapitän, der mich über Bord geworfen hat.”

Ein geheimnisvoller schwarzer Stein als einzige Erinnerung an seine Eltern, ein unfreiwilliger Stoß von einem alten Kutter und schon landet der elfjährige Fynn in einer anderen Welt – und im größten Abenteuer seines Lebens. Er wurde nach Akademar berufen, einer magischen Schule tief unten im Meer, auf der seit Jahrtausenden Meereshüter ausgebildet werden. In einer abenteuerlichen Prüfung findet Fynn sein Seelentier, Oktopus Loki. Doch ausgerechnet diese besondere Verbindung birgt eine große Gefahr…
Kann Fynn beweisen, dass er den Mut hat, ein neues Leben tief unten im Meer zu beginnen?

(Klappentext)

Fantasy mit Tiefgang

Der elfjährige Fynn hat es wahrlich nicht leicht im Leben. Seine Kindheit verbringt er in einem Waisenhaus, wo er vergeblich darauf wartet, dass ihn jemand adoptiert. Diese bedrückende Ausgangslage mit den trostlosen Bedingungen und der Sehnsucht nach Dazugehörigkeit erinnert irgendwie an einen Charles-Dickens-Roman. Als Fynn schließlich von einem schroffen Kapitän mitgenommen wird, schöpft er Hoffnung. Allerdings nur um kurz darauf mitten auf dem offenen Meer über Bord geworfen zu werden. Doch anstatt zu ertrinken, landet Fynn an einer uralten, verborgenen Schule für Meereshüter direkt am Grund des Ozeans.

Zugegeben, unter einer magischen Unterwasserschule hatte ich mir im Vorfeld vielleicht etwas anderes ausgemalt, aber die Umsetzung von Robin Dix ist richtig gut gelungen. Die Welt unter den Wellen ist fantasievoll aufgebaut und lebendig beschrieben. Besonders schön ist die Idee mit den Seelentieren, die jedem Schüler zur Seite stehen. Fynn bekommt anstelle eines eindrucksvollen Hais oder eines majestätischen Delfins den frechen Oktopus Loki als Begleiter. Eine Verbindung, die an der Schule auf großes Misstrauen stößt.

Genau hier entfaltet das Buch eine erstaunliche inhaltliche Tiefe, die weit über das typische Internats-Abenteuer hinausgeht. Im Kern dreht sich die Geschichte nämlich um ernste Themen wie Vorurteile, Schuld und Strafe. Die Kraken werden in Akademar als einfache Arbeiter abgewertet und müssen schwere Dienste verrichten, um für die vermeintlichen Fehler ihrer Vorfahren zu büßen. Dass eine ganze Tierart so behandelt wird und selbst kleine Oktopusse mit dieser Verachtung aufwachsen, ist beim Lesen spürbar bitter. Es zeigt sehr anschaulich, wie unfair Ausgrenzung funktioniert. Das gibt Eltern und Kindern beim gemeinsamen Lesen einen super Aufhänger, um darüber zu sprechen, wie schnell man andere zu Unrecht verurteilt.

Auch die Gestaltung des Buches passt wunderbar zum Text. Die Schwarz-Weiß-Illustrationen von Helge Vogt machen die Welt unter Wasser greifbar und lockern das Lesen angenehm auf. Fynn ist dazu ein unheimlich sympathischer Protagonist. Trotz aller Rückschläge verstellt er sich nicht, bewahrt seinen starken Gerechtigkeitssinn und setzt sich für andere ein.

Der Schreibstil ist flott, bildhaft und für Kinder ab 9 Jahren genau richtig dosiert. Die Kapitel fliegen rasch dahin, und das Abenteuer hält einen bis zum spannenden Finale durchgehend auf Trab. Nach den Ereignissen am Ende bleibt man mit einigen ungelösten Rätseln um Fynns Herkunft zurück. Ein erfrischender, kluger und richtig gut geschriebener Reihenauftakt, der absolut Lust auf den zweiten Band macht!

Und so geht es weiter:

Band 2 erscheint am 2. November 2026