
Merle Goll (Illustratorin)
Fischer Sauerländer Verlag
Lesealter: ab 4 Jahren
32 Seiten
Gebundenes Buch: 15,00€
Die sechs wackeren Tier-Vampire sind zurück!
Graf Dackula und seine furchterregenden Freunde wollen Profis im Erschrecken werden! Doch leider beeindruckt das krachende Kläffen von Graf Dackula die tiefenentspannte Schildgoethe null Komma NÖ. Da muss eine echte Expertin ran: Hera, die hüpfende Heuschreckliche, ihres Zeichens Diplom-Erschreckerin und Master of Scare (M.Sc.)! Ob die VampTiere es schaffen werden, Angst und Schrecken zu verbreiten?
(Klappentext)
Lustiger Wortwitz für Erwachsene, aber am Zielpublikum vorbeigeschrieben
Wer Dackel mag und eine Schwäche für Wortspiele hat, wird bei Graf Dackula und die SCHRECKsperten definitiv lachen können. Das Buch bringt als Begleiter für die Herbst- und Halloweenzeit eigentlich tolle Voraussetzungen mit. Die Illustrationen erinnern vom Stil her stark an die Zeichnungen von Axel Scheffler, und auch die Grundidee mit den Möchtegern-Gruseltieren bringt unheimlich viel Potenzial für eine witzige Geschichte mit.
In der Story geht es um Graf Dackula und seine Vampir-Tier-Freunde, die sich selbst für schrecklich gruselig halten. Bis sie auf die tiefenentspannte, in Reimen sprechende Schildkröte treffen. Um ihr Ziel doch noch zu erreichen, holen sie sich Hilfe von Hera, der hüpfenden Heuschrecklichen, ihres Zeichens Diplom-Erschreckerin. Es folgt ein intensives Erschreck-Training, bei dem es um Ausdauer, Frusttoleranz und am Ende um die Erkenntnis geht, dass Übung den Meister macht und es beim Erschrecken darum geht, Spaß zu haben.
Aus Erwachsenensicht macht das Buch beim Vorlesen wirklich Laune. Die Wortwitze erinnern an Das Neinhorn und bringen Vorlesende garantiert zum Grinsen. Wenn ich Begriffe wie „SCHRECKsperten“ oder die „Schildgoethe“ lese, könnte ich mich persönlich wegschmeißen vor Lachen. Doch hier liegt leider auch die große Schwachstelle. Für Kinder funktioniert das Buch schlichtweg nicht.
Der Verlag empfiehlt die Geschichte ab 4 Jahren, aber selbst mein Praxistest zu Hause mit Kindern zwischen 3 und 11 Jahren hat gezeigt, dass die Story an der Zielgruppe vorbeigeht. Die Handlung ist schlicht zu langatmig geraten. Manche Stellen kann man den Kindern zwar noch erklären, aber man merkt beim Vorlesen deutlich, wie die Aufmerksamkeit und das Interesse schwinden. Der Wortwitz zündet bei den Kleinen überhaupt nicht. Wie soll man einem Kleinkind den Witz hinter einer „Schildgoethe“ erklären? Das setzt kulturelles Wissen voraus, das Kindergarten- und Grundschulkinder schlicht noch nicht haben können. Man ist beim Vorlesen ständig am Übersetzen, wodurch der Vorlesefluss komplett flöten geht.
Graf Dackula ist ein netter Gag für erwachsene Dackelfans und Freunde des gepflegten Wortwitzes, als Bilderbuch für Kinder ab 4 Jahren fällt es durch die zu komplizierte Erzählweise aber leider durch.
Kennt ihr schon?



























