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Britta Sabbag: “Lucy Hell: Immer brav sein ist die Hölle” (Band 1)

Britta Sabbag (Autorin)
Sarah Friede (Illustratorin)
cbj Verlag
Lesealter: ab 8 Jahren
144 Seiten
Gebundenes Buch: 14,00€

Gute Mädchen kommen in den Himmel, starke Mädchen kommen überallhin!

Bei Lucy Hell, Tochter des Teufels, stehen die Zeichen auf Alarm: Sie darf seine Nachfolge auf dem Höllenthron nicht antreten, WEIL. SIE. EIN. MÄDCHEN. IST!
Um dem Höllenvorstand und ihrem Vater zu beweisen, dass sie sich falsch entschieden haben, wandert Lucy auf die Erde aus. Wenn die Höllenherren sehen, wie böse sie den Chaosplaneten im Griff hat, müssen sie einfach zugeben, dass Lucy die geborene Teufelin ist! Womit Lucy allerdings nicht gerechnet hat: Dass es ihr auf der Erde so höllisch gut gefallen könnte…

(Klappentext)

Teuflische Girlpower mit ordentlich Wortwitz

In der Hölle herrschen erstaunlich verstaubte Ansichten. Als Friedrich-Luzifer nach tausend Jahren endlich reif für den Ruhestand ist, steht seine Tochter Lucy bereit. Sie ist schlagfertig, feurig und brennt darauf, das Kommando zu übernehmen. Doch der alte Höllenvorstand schiebt ihren Plänen einen Riegel vor und wählt stattdessen ihren ängstlichen Cousin Lutz-Uwe zum Nachfolger. Einzig und allein, weil Lucy ein Mädchen ist, darf sie nicht auf den Höllenthron. Das lässt die Teufelstochter natürlich nicht auf sich sitzen. Kurzerhand schnappt sie sich ihren treuen Begleiter Schnups und haut ab auf die Erde. Dort will sie den verkrusteten Herren der Unterwelt beweisen, wie viel Bösartigkeit wirklich in ihr steckt.

Kaum in der Menschenwelt angekommen, gerät Lucys teuflischer Plan jedoch gehörig ins Wanken. Ausgerechnet beim herzensguten Gabriel, dem Sohn eines Pfarrers, findet sie Anschluss, und auch die etwas schrullige Nachbarin Marla wirft ihre Vorstellungen vom menschlichen Alltag komplett über den Haufen. In der Geschichte steckt erstaunlich viel clever verpackte Gesellschaftskritik. Britta Sabbag nutzt das überdrehte Szenario, um Themen wie Chancengleichheit und überholte Rollenbilder greifbar zu machen. Wann immer Lucy krampfhaft versucht, fies und gemein zu sein, trifft ihre teuflische Tat am Ende doch die Richtigen und bewirkt im Ergebnis etwas durchweg Positives.

Über das empfohlene Lesealter ab 8 Jahren kann man natürlich streiten. Begriffe wie Autokratie, Oligarch oder diverses anderes politisches Fachvokabular sind Grundschülern wohl eher unbekannt. Andererseits würde ich junge Leseratten nicht unterschätzen. Spätestens seit Harry Potter weiß praktisch jedes Kind, was für ein Fabelwesen ein Basilisk ist. Kinder bleiben beim Lesen selten an einzelnen Fremdwörtern hängen, solange die Gesamthandlung sie mitreißt. Die vielen Anspielungen und die feine Ironie rund um Kuraufenthalte in Schwefelbrunn oder bürokratische Gremien wissen da vermutlich dennoch eher ältere Kinder sowie die vorlesenden Erwachsenen zu schätzen.

Lucy überzeugt als herrlich unperfekte, selbstbewusste Protagonistin, die nicht lange jammert, sondern die Dinge selbst anpackt. Ihr Begleiter Schnups, eine Mischung aus Babydrachen, Kuscheltier, Leuchtkäfer und Basilisk, sorgt für viel Spaß und bildet den perfekten Gegenpol zu Lucys feurigem Temperament. Covergestaltung und Illustrationen sind farblich stimmig und witzig. Am Ende bleibt ein rundum gelungener, herrlich frecher Reihenauftakt, der schlagfertige Mädchen stärkt und einfach richtig Spaß macht.

Vielen Dank an den Verlag, der uns diese höllisch gute Lektüre zu Rezensionszwecken überlassen hat!

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Bilderbücher Herbst Kinderbücher 0-3 Jahre Pappbilderbücher Rezensionen

Sam Rassy: “Das kleine Monsterchen”

Sam Rassy (Autor/ Illustrator)
Fischer Sauerländer Verlag
Lesealter: ab 2 Jahren
12 Seiten
Pappbilderbuch: 13,00€

Monstermäßig niedlich!

Das kleine Monsterchen Kuschelbert und die Spinne Krabbel haben es auf ihrem Dachboden richtig gemütlich. Dort spielen sie wild Verstecken, kochen Pipi-Popel-Pudding und baden im giftgrünen Schaumbad. Wer wäre da nicht gerne mal ein kleines Monsterchen! Du nicht auch?
(Klappentext)

Gemütlicher Grusel für die Kleinsten

Farblich unterscheidet sich dieses Buch sehr wohltuend von vielen anderen Kleinkindbüchern. Statt knalliger Primärfarben bestimmen gedeckte Blau-, Violett- und Grüntöne die Seiten. Dazu kommt das warme Gelb der Lichterketten auf Kuschelberts Dachboden, das dem Raum etwas sehr Behagliches gibt. Das wirkt gemütlich und strengt die Augen beim Anschauen nicht an. Auch die beiden Figuren sind einfach drollig gezeichnet. Das wuschelige blaue Monster Kuschelbert mit seinen kleinen Hörnchen und die violette Spinne Krabbel mit ihren bunt gestrickten Socken an den Spinnenbeinen sind sympathische Charaktere, die man auf Anhieb gerne hat.

Bei den Mitmach-Effekten nutzt das Buch seine Möglichkeiten allerdings nur minimal aus. Zwar lässt sich schon auf dem Cover der Blick des Monsters über einen Papp-Schieber verändern, aber leider rollen die Augen nur in einem begrenzten Radius. Im Innenteil bewegen sich die Elemente dann fast ausschließlich auf ganz geraden Bahnen. Wenn Kuschelbert etwa beim Versteckspiel aus seiner Holztruhe auftaucht, zieht man die Pappe einfach nach oben. Auch die Drehscheibe in Kuschelberts Bauch beim Kochen von Pipi-Popel-Pudding, auf der Bonbons, Gummibärchen und eine Socke im Magen rotieren, bringt im Vergleich zu den Schiebern kaum mehr Raffinesse hinein. Sämtliche Schiebe- und Drehelemente bleiben im Grunde auf demselben sehr einfachen Niveau. Hier fehlen dynamischere Bewegungsabläufe, schräge Winkel oder unerwartete Bildwechsel, die etwas echten Witz in die Geschichte bringen.

Inhaltlich sollte man die Erwartungen ebenfalls eher niedrig ansetzen. Eine fortlaufende Handlung sucht man auf den zehn Seiten vergebens. Jede Doppelseite zeigt lediglich eine kurze, isolierte Alltagsszene aus dem Dachbodenleben. Verstecken spielen, Kochen, Schaumbad und Schlafengehen. Den Texten aus zwei bis drei sehr knappen Sätzen pro Seite fehlt es an Schwung, Wortwitz und Erzählfreude. Amüsante Kleinigkeiten findet man eher beiläufig in den Zeichnungen selbst, wie etwa die schrägen Buchtitel im Bücherregal oder die kleinen Spinnweben an den Möbeln. Als Vorlesegeschichte bietet der reine Text jedoch extrem wenig.

Für Kinder ab zwei Jahren, die einfach Freude daran haben, Papplaschen hin und her zu schieben und kleine Details auf den dunklen, gemütlichen Seiten zu suchen, ist das Buch wegen der gelungenen Gestaltung absolut in Ordnung. Für meinen Geschmack hätten es etwas mehr pfiffige Schiebe-Ideen mit Überraschungseffekt oder auch eine humorvolle kleine Geschichte sein können.

Ein monsterstarkes Dankeschön an den Verlag für das Rezensionsexemplar!

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Erstleser Halloween Herbst Kinderbücher Kinderbücher ab 8 Jahre Rezensionen Vorlesebücher

Mars-Leo Frei: “Hilfe, zu viele Vampire!”

Mars-Leo Frei (Autor)
Daniela Kohl (Illustratorin)
Fischer Sauerländer Verlag
Lesealter: ab 8 Jahren
160 Seiten
Gebundenes Buch: 13,00€

Basti ist ein Angsthase! Zumindest, wenn er Blut sieht – dann kippt er einfach um. Und das sogar vor seiner ganzen Klasse, echt peinlich. Leider passt das so gar nicht zu dem Geheimnis, das ihm sein Vater eines Tages offenbart: Basti stammt aus einem waschechten Vampirclan! Beim Familientreffen auf Schloss Morgengrauen darf Basti das Leben als Vampir testen. Plötzlich kann er als Fledermaus durch die Nacht fliegen und Menschen per Gedankenkraft kontrollieren – das klingt verlockend! Doch bis Mitternacht muss Basti sich entscheiden: Will er für immer ein Blutsauger sein? Und wie, bitte schön, übersteht Basti ein ganzes Wochenende mit zu vielen Vampiren? (Klappentext)

Vampir auf Probe

Der Schultag beginnt für Basti eigentlich gut. Er ist bester Laune, weil das lang ersehnte Wochenende mit seinem Vater ansteht. Selbst das Referat über den Blutkreislauf schreckt ihn nicht ab. Zumindest nicht bis zu dem Moment, bis er vorn an der Tafel steht, in die teilnahmslosen Gesichter seiner Mitschüler blickt und ins Stocken gerät. Als sich dann ausgerechnet Tommy die Fingerkuppe an einer Coladose aufschlitzt und überraschend viel Blut spritzt, ist es vorbei. Basti kippt vor der versammelten Klasse 4B bewusstlos auf den Boden.

Wegen des Ohnmachtsanfalls und der Sorgen seiner Mutter steht das geplante Vater-Sohn-Wochenende auf der Kippe. Aber ein kurzes Flüstern des Vaters reicht aus, um Bastis Mama umzustimmen. Die Reise geht zum Familientreffen auf Schloss Morgengrauen. Dort offenbart der Vater ein wohlgehütetes Geheimnis. Bastis Verwandtschaft gehört zu einer alten Vampirdynastie. Ein Wochenende lang darf Basti das Blutsaugerleben auf Probe testen. Inklusive Nachtflügen als Fledermaus, Ultraschallgehör und Gedankenkontrolle. Der Haken an der Sache ist, dass er sich bis Sonntagmitternacht entscheiden muss, ob er für immer Vampir werden oder ein normaler Mensch bleiben möchte.

Nach dem ersten Band rund um Zoas Eulenschwärme hatte ich mich eigentlich darauf gefreut, wieder mehr von der Klasse 4B zu lesen. Die bunte Truppe an der Henriette-Haumichnich-Schule war im Auftakt schließlich das Herzstück der Geschichte. Umso überraschender ist es, dass die Mitschüler diesmal kaum eine Rolle spielen. Das Blut-Fiasko in der ersten Szene dient nur als Aufhänger, um Basti aus dem Schulalltag herauszulösen und in sein Familiendrama zu verfrachten. Das Buch ist fast ausschließlich Bastis ganz persönliche Familiengeschichte.

Dafür überzeugt die Geschichte auf einer ganz anderen Ebene, nämlich als treffende Metapher für das Leben als Scheidungskind. Basti lebt im Alltag bei seiner Mutter, während der Vater für die besonderen Highlights zuständig ist. Der Wochenend-Papa residiert im übertragenen Sinne auf einem Abenteuerschloss. Bei ihm gibt es keine lästigen Pflichten, sondern Action, Ausflüge und das Gefühl, etwas völlig Außergewöhnliches zu sein. Auf der anderen Seite steht Mama, die unaufgeregt den Haushalt schmeißt, Basti bei Krankheit umsorgt und ihm die Verlässlichkeit gibt, die ein Kind im Alltag braucht.

Wie Basti mit diesem Ultimatum umgeht, zeigt viel Feingefühl des Autors. Es geht nicht primär darum, ob Fledermaus-Kräfte cooler sind als der Schulalltag, sondern um eine tiefere Frage: Wo gehöre ich hin und was bedeutet Verlässlichkeit? Die Zerrissenheit zwischen dem abenteuerlustigen Papa und dem vertrauten Zuhause bei der Mutter fängt der Autor wunderbar ein. Basti muss herausfinden, worauf es ihm im Leben wirklich ankommt und wo sein echter Platz ist. Das ist für ein Kinderbuch ab 8 Jahren ein erstaunlich kluger Blick auf die Innenwelt von Kindern in Trennungsfamilien, ohne ihnen eine fertige Moral aufzudrängen.

Mars-Leo Frei erzählt das mit viel Situationskomik, flüssig und nah an den Kindern. Die Verwandtschaft auf Schloss Morgengrauen ist wunderbar schräg, und die Dialoge machen einfach Spaß. Daniela Kohl liefert dazu wieder Schwarz-Weiß-Illustrationen ab. Ihre Fledermäuse, Vampironkel und gequälten Gesichter passen gut zum Geschehen und lockern den Text auf. Man muss sich allerdings darauf einstellen, dass die Geschichte genau wie der erste Band recht unvermittelt endet. Sobald die Entscheidung ansteht, wird die Handlung recht flott zum Abschluss gebracht, und man bleibt mit ein paar offenen Fragen zurück.

Hilfe, zu viele Vampire! verpackt den Spagat zwischen zwei Elternwelten mit viel Leichtigkeit und Witz. Es bringt schwere Themen überraschend leicht auf den Punkt.


Ein riesengroßes Dankeschön an den Verlag, der uns dieses Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

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Garten Kinderbücher Kinderbücher ab 8 Jahre Kinderbücher ab 9 Jahre Magie Rezensionen Sommer

Claudia Schaumann: “Maries Glücksküche – Die geheimnisvolle Lehrerin” (Band 2)

Claudia Schaumann (Autorin)
Fischer Sauerländer Verlag
Lesealter: ab 9 Jahren
192 Seiten
Gebundenes Buch: 14,00€

Das Geheimnis um Madame Flamant

Marie hat eine Einladung zu einem magischen Kochkurs in Paris erhalten. Das ist die Chance, eine richtige Zauberköchin zu werden! Doch die Zeit drängt: In nur wenigen Tagen muss Marie mehrere magische Kochaufgaben meistern – und leider geht dabei mal wieder einiges schief. Als wäre das nicht genug, verhält sich die neue Lehrerin Madame Flamant äußerst seltsam. Sie schnüffelt in der Schulküche herum, interessiert sich sehr für Maries Familie und führt heimliche Telefonate. Ob sie etwas zu verbergen hat? Marie muss all ihren Mut zusammennehmen, um dieses Geheimnis zu lüften und ihre Chance auf den Kochkurs zu retten! (Klappentext)

Französischer Charme und zauberhaftes Küchen-Chaos

Maries Glücksküche startet in die zweite Runde und schickt uns direkt wieder an die französische Atlantikküste mitten ins magische Küchen-Chaos. Wer den ersten Band mochte, fühlt sich auch im zweiten Abenteuer sofort wie zu Hause und taucht tiefer in die gemütliche Dorfgemeinschaft ein.

Die Geschichte nimmt schnell an Fahrt auf. Marie erhält eine begehrte Einladung zu einem exklusiven Zauberkochkurs in Paris. Das ist die Chance ihres Lebens, um endlich eine echte Zauberköchin zu werden. Um sich diesen Traum zu erfüllen, muss sie allerdings erst eine Reihe kniffliger Aufgaben meistern und unter Beweis stellen, was kulinarisch und magisch wirklich in ihr steckt. Dass dabei in der Schulküche so manches schiefgeht, versteht sich von selbst. Von fliegenden, blubberigen Mousse-Versuchen bis hin zu plötzlichen Zauberpannen ist alles dabei. Als wären dieser Prüfungsdruck und das knappe Zeitlimit nicht schon aufregend genug, taucht an der Schule eine neue Lehrerin auf. Madame Flamant schnüffelt auffällig in den Töpfen herum und stellt ungewöhnlich viele Fragen zu Maries Familie. Was mag sie nur im Schilde führen?

Was die Geschichte für uns so sympathisch macht, ist ihr enormer Wohlfühlcharakter. Die Dorfgemeinschaft, das familiäre Miteinander und das Kochen in der Schulküche werden unheimlich warmherzig und voller stimmungsvoller Details erzählt. Man riecht die geschmolzene Schokolade und den süßen Vanilleduft beim Lesen förmlich durch die Buchseiten. Auch die magischen Ideen rund um die Zubereitung der verschiedenen Gerichte bringen extrem viel Witz in die einzelnen Kapitel und machen Kindern ab 9 Jahren beim Selbstlesen richtig viel Freude.

Wer bei der mysteriösen neuen Lehrerin allerdings ein großes, dramatisches Hexenduell oder eine fiese Gegenspielerin erwartet, wird überrascht sein. Die Auflösung rund um Madame Flamants Schnüffeleien fällt schlussendlich nämlich recht bodenständig und absolut ohne düstere Bedrohung aus. Für uns Erwachsene mag sich dieser Ausgang im ersten Moment vielleicht etwas schlicht anfühlen, weil man als geübte:r Leser:in automatisch mit einer bösen Absicht rechnet. Für die Zielgruppe ab 9 Jahren ist genau diese sanfte Auflösung aber eigentlich ideal. Die Spannung bleibt die ganze Zeit über greifbar, unterhaltsam und rätselhaft, ohne dass jemals Angst oder übermäßige Hektik aufkommen.

Claudia Schaumann bleibt ihrer Linie aus dem ersten Band treu und liefert eine durchweg gemütliche, humorvolle Mischung aus Magie, Freundschaft, Mut und kulinarischer Leidenschaft. Ein schönes, leichtes Buch für alle Kinder, die entspannte Geschichten mit Urlaubsflair mögen.

Vielen lieben Dank an den Verlag, der uns dieses Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

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Bilderbücher Feen Kinderbücher Kinderbücher ab 4 Jahre Rezensionen Vorlesebücher Weihnachten Winter

Christine Dohler: “Unsere zauberhaften Rauhnächte – Mit Elfe Njóla die magischste Zeit des Jahres erleben”

Christine Dohler (Autorin)
Sara Fandrey (Illustratorin)
Penguin Junior
Lesealter: ab 4 Jahren
40 Seiten
Gebundenes Buch: 16,00€

Die Tradition der Rauhnächte gemeinsam erleben!

Das Weihnachtsfest ist vorbei – doch nun wartet auf Ida und Tim eine ganz besondere Zeit! Denn mitten in der Nacht flattert die Elfe Njóla in ihr Zimmer und lädt die beiden ein, den Zauber der Rauhnächte zu entdecken. Gemeinsam mit ihren Eltern und ihrer Großmutter genießen die Kinder nun eine gemütliche Familienzeit: Sie erkunden die Wunder der winterlichen Natur, lernen spannende Bräuche wie das magische Wünsche-Ritual kennen und viele ruhige Achtsamkeitsübungen, die alle Sinne verzaubern. So können Ida und Tim das alte Jahr gut verabschieden und sich zusammen mit ihrer Familie auf alles Neue einstimmen … bis zu den nächsten Rauhnächten!
(Klappentext)

Über die magische Zeit zwischen den Jahren


Die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr hat seit jeher eine ganz eigene, geradezu magische Faszination. Mit dem Bilderbuch Unsere zauberhaften Rauhnächte laden Christine Dohler und Sara Fandrey Familien mit Kindern ab 4 Jahren ein, diese Tage voller Ruhe und Besinnlichkeit gemeinsam zu entdecken. Die Grundidee, dieses alte Brauchtum für die Kleinsten aufzubereiten, klingt wunderschön und verspricht eine gemütliche Familienzeit. Beim gemeinsamen Lesen zeigt sich allerdings schnell, dass das Buch an einigen Stellen leider sehr an der Oberfläche bleibt und viele Chancen ungenutzt lässt.

Die Illustrationen von Sara Fandrey fangen mit ihren sanften Tönen und liebevollen Details die winterliche Atmosphäre wunderbar ein. Auch die Grundstimmung rund um die Geschwister Ida und Tim, die zusammen mit ihren Eltern und der Großmutter das alte Jahr verabschieden, wirkt warm und einladend. Doch als durchgehende Geschichte funktioniert der Text nur bedingt. Er fühlt sich eher wie eine lose Aneinanderreihung einzelner Szenen an.

Beim Lesen wird deutlich, dass hier ein aktuell sehr beliebtes Thema aufgegriffen wurde. Die Rauhnächte erleben bei Erwachsenen seit einiger Zeit ein riesiges Comeback, und genau diesen Zeitgeist soll das Bilderbuch bedienen. Leider wird die Geschichte jedoch nicht mit der nötigen inhaltlichen Tiefe gefüllt. Statt Kindern echtes, greifbares Wissen über die ursprünglichen Traditionen zu vermitteln, setzt die Autorin auf moderne, teils beliebige Elemente. So taucht zum Beispiel urplötzlich die Elfe Njóla auf, aus Island. Warum eine isländische Elfe durch deutsche Rauhnächte führt, erschließt sich nicht wirklich und bringt für Vierjährige eher Verwirrung als Magie. Auch der Name Njóla ist für kleine Kinder kaum flüssig auszusprechen. Ähnlich verhält es sich mit den eingebetteten Text-Boxen zum „Elfen-Geheimwissen“ oder den „magischen Karten und Symbolen“. Das wirkt alles nett gemeint, wird im Buch aber an keiner Stelle weiter erklärt oder mit Sinn gefüllt.

Ein echtes Highlight, das bei den Kindern hängen bleibt, gibt es aber glücklicherweise doch: Das Ritual mit dem Wunschglas. Die Kinder schreiben dabei dreizehn Wünsche für das neue Jahr auf, stecken sie in Marmeladengläser und verbrennen an jedem Tag einen Zettel, um die Asche später im Garten zu vergraben. Das ist ein schöner, verständlicher und wunderbar symbolischer Akt, den Kinder sofort begreifen und aktiv mitgestalten können.

Unterm Strich ist Unsere zauberhaften Rauhnächte ein schön gestaltetes Bilderbuch, das als Inspiration für die Rauhnächte dienen kann. Leider werden für meinen Geschmack etwas zu wenige Bräuche und Hintergründe dieser besonderen Zeit erklärt, wie wir sie in Deutschlang mit unserem eigenen Brauchtum verbringen. Sicherlich mit regionalen Unterschieden. Aber eine isländische Elfe ist meines Erachtens überflüssig. Außer dem Wunschglas-Ritual nehmen die Kleinen aus der Geschichte leider wenig mit.

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Erstleser Halloween Herbst Hexen Kinderbücher Kinderbücher ab 7 Jahren Kinderbücher ab 8 Jahre Rezensionen Vorlesebücher

Margit Auer: “Verflixt verhext – Besuch um Mitternacht” (Band 1)

Margit Auer (Autorin)
Csilla Bandi (Illustratorin)
cbj Verlag
Lesealter: ab 8 Jahren
144 Seiten
Gebundenes Buch: 13,00€

Pina ist mit ihren beiden Tanten aus der Hexenwelt an den trubeligen Ruffiniplatz gezogen. Die Menschenwelt ist aufregend, auch wenn es dort heißt: Zaubern ist aufs Strengste verboten! Schon bei ihrem ersten Ausflug auf dem Besen trifft Pina Mellie, ein richtig nettes Mädchen, das dachte, Hexen gibt es nur in Büchern. Von da an sind die beiden unzertrennlich und lüften gemeinsam ein gruseliges Geheimnis… (Klappentext)

Ein gelungenes Spuk-Abenteuer von Margit Auer

Wer nach neuem Lesestoff von Margit Auer sucht, bekommt mit Verflixt verhext eine Alternative zur Schule der magischen Tiere. Der erste Band der Hexen-Reihe ist in einer frischen, optisch komplett überarbeiteten Neuauflage erschienen. Wer die Bücher vor zehn Jahren gar nicht auf dem Schirm hatte, bekommt jetzt die perfekte Gelegenheit, zusammen mit den Kids in diese magische Welt einzutauchen.

Die Geschichte entführt uns in die Welt der Junghexe Pina, die gemeinsam mit ihren etwas schrägen Tanten aus dem friedlichen Hexendorf Greenhill mitten in die Menschenwelt zieht. Kaum haben sie sich am Ruffiniplatz eingewöhnt, fängt der Ärger allerdings auch schon an. Im neuen Zuhause geschehen lauter merkwürdige, unheimliche Dinge. Schnell wird klar, dass der böse Geist von Großtante Ambrosia dahinterstecken muss. Da die Gerüchteküche in der Nachbarschaft ohnehin schon brodelt und das Spukhaus für viel Gemunkel sorgt, steht fest, dass Tante Ambrosia verschwinden muss. Pina stolpert über einen alten Abwehrzauber, doch der entpuppt sich als richtig knifflig. Zusammen mit ihren neuen menschlichen Freunden Mellie und Robin versucht sie, den schwierigen Fluch zu bannen und das Chaos abzuwenden.

Das Buch erweist sich als ein absolut gelungener Lesestoff für Grundschulkinder. Die feine Mischung aus geheimnisvoller Magie, lustigen Alltagspannen und echter Freundschaft trifft genau den Nerv von jungen Selbstleser:innen. Man spürt auf jeder Seite die Leichtigkeit, mit der Margit Auer ihre Charaktere zum Leben erweckt und dabei alltägliche Kindergedanken mit fantasievollen Ideen verknüpft.

Ein absolutes Highlight dieser Neuauflage ist die optische Gestaltung von Csilla Bandi. Die Illustrationen im Buch sind in einem stilvollen Schwarz-Weiß gehalten, das durch leuchtende, giftgrüne Farbakzente extrem modern und spritzig wirkt. Diese Farbwahl passt fantastisch zum Hexenthema und lockert die Buchseiten so geschickt auf, dass selbst Lesemuffel nicht von langen Textblöcken erschlagen werden. Besonders charmant sind auch die kleinen Übersichtsseiten, die dem Leser genau erklären, wie die Zauberwelt rund um Flugbesen, Akku-Zauberstäbe und geheime Erkennungszeichen eigentlich funktioniert.

Beim Lesen ist mir allerdings ein kleines Detail aufgefallen, das mich persönlich ein wenig irritiert hat: Die Figuren werden im laufenden Text überraschend oft mit ihrem vollen Vor- und Nachnamen angesprochen, wie etwa Tante Emma Moonwalk. Für meinen eigenen Lesefluss wirkte das stellenweise etwas hölzern und gewöhnungsbedürftig. Für junge Leser:innen bieten solche klaren Benennungen meistens ja eine zusätzliche Orientierung, aber in jedem Absatz die vollen Namen zu benutzen, ist dann vielleicht doch nicht unbedingt nötig.

Unterm Strich ist Verflixt verhext ein rundum magischer, witziger und absolut kindgerechter Serienauftakt, der bei allen kleinen Hexenfans garantiert für große Begeisterung sorgen wird.

Ein hextastisches Dankeschön an den Verlag, der uns dieses Buch als magisches Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

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Kinderbücher Kinderbücher ab 8 Jahre Magie Rezensionen

Tani Sawitzki: “Villa Wundertier – Ein Capybara zum Knuddeln” (Band 1)

Tani Sawitzki (Autor)
Nataša Kaiser (Illustratorin)
Fischer Sauerländer Verlag
Lesealter: ab 8 Jahren
224 Seiten
Gebundenes Buch: 13,00€

Kann ein spuckendes Lama Wünsche erfüllen? Ein tierisch schräges Abenteuer mit Wunsch-Garantie!

Schon wieder umziehen! Fine ist genervt, auch wenn ihr neues Zuhause eine Villa mit eigenem Zoo ist. Doch der “Zoo” entpuppt sich als baufälliges Gehege für ausrangierte Tiere: ein Lama, das nicht spuckt, ein stummer Beo und ein farbloses Chamäleon. Na toll!

Nach einem miesen Schultag lässt Fine ihren Frust beim Lama ab: Warum kann sie nicht einmal richtig beliebt sein? Die Antwort folgt prompt: Das Lama spuckt sie mitten ins Gesicht. Igitt! Doch am nächsten Morgen ist alles anders: Plötzlich ist Fine der absolute Star der Schule – sogar die Lehrer wollen ihre Autogramme. Steckt etwa magische Lama-Spucke dahinter? Oder hat der Neuzugang des Zoos, ein verfressenes Capybara, seine Pfoten im Spiel? Gemeinsam mit ihrem Freund Jan muss Fine das Rätsel der Wundertiere lösen, bevor ihr der ganze Trubel endgültig über den Kopf wächst! (Klappentext)

Wunschzauber und Wasserschweine

Schon wieder Kisten zu packen und erneut an eine fremde Schule wechseln zu müssen, hängt der zehnjährigen Fine gewaltig zum Halse heraus. Die Versprechungen ihrer Mutter klingen allerdings erst einmal nach einem echten Hauptgewinn, das muss Fine zugeben. Auf dem Gelände eines Zoos zu leben, wird bestimmt cool. Doch die Ernüchterung folgt auf dem Fuß. Statt majestätischer Raubkatzen und moderner Gehege erwartet sie ein reichlich baufälliges Gelände für ausrangierte Tiere. Ein Lama mit Spuckhemmung, ein stummer Beo und ein farbloses Chamäleon sind nun wirklich nicht das, was man sich unter einer aufregenden Tierwelt vorstellt.

Richtig turbulent wird es erst, als Fine dem sturen Lama ihren Frust über den blöden ersten Schultag klagt. Das Tier fackelt nicht lange und spuckt ihr zielsicher mitten ins Gesicht. Der anfängliche Ekel schlägt am nächsten Morgen allerdings in blankes Staunen um, denn auf dem Pausenhof drehen plötzlich alle durch. Die Mitschüler suchen Fines Nähe und der verhasste Schulalltag verwandelt sich von jetzt auf gleich in ein einziges Spektakel. Während Fine mit ihrem neuen Kumpel Jan zu durchschauen versucht, ob die Spucke tatsächlich magische Kräfte besitzt oder ob das neu eingezogene, dauerhungrige Capybara seine Pfoten im Spiel hat, wird die plötzliche Aufregung schnell mehr Fluch als Segen.

Dazu kommen die Zeichnungen im Buch, die die Handlung mit Leben und Bewegung füllen. Das sind keine langweiligen Illustrationen, die einfach nur den Text abbilden. Wörter werden groß, dick oder schief gedruckt, Pfeile zeigen auf lustige Details in den Bildern und zwischendrin gibt es immer wieder kleine Comic-Schnipsel. Das lockert die Seiten so stark auf, dass auch Kinder, die sonst eher lesefaul sind, ruckzuck durch die Kapitel kommen. Gleichzeitig ist es nicht so reizüberflutend wie in anderen comicartigen Büchern. Der Text bleibt im Vordergrund, alles andere sind kreative Auflockerungen.

Besonders schön ist aber, dass hinter all dem Getöse um Lama-Spucke und Wasserschweine eine richtig gute Botschaft steckt. Es geht darum, wie anstrengend es ist, wenn man krampfhaft versucht, von allen gemocht zu werden. Manchmal ist es doch viel cooler, wenn man den einen richtigen Freund an seiner Seite hat.

Eine herrlich schräge Tiergeschichte, die man im Grunde an einem Nachmittag durchschmökert und die einfach Lust auf den nächsten Band macht.

Vielen lieben Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar!

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Hexen Kinderbücher Kinderbücher ab 10 Jahre Rezensionen

Dominique Valente: “Miss Hegottys Geheimschule – Zwei Hexen und ein Zauberfunke” (Band 1)

Dominique Valente (Autorin)
Simona Ceccarelli (Illustratorin)
Fischer Sauerländer Verlag
Lesealter: ab 10 Jahren
384 Seiten
Gebundenes Buch: 16,00€

Seid tapfer, seid verwegen und lasst uns beginnen!

In einem magischen Anwesen über dem Meer träumt die zwölfjährige Eglantine davon, endlich eine Hexe zu werden. Doch ihr Zauberfunkentest fällt negativ aus, und plötzlich steht Onkel Fungus vor der Tür, um ihr Haus für seine niederen Machenschaften an sich zu reißen. Wenn Eglantine ihre Familie und ihr geliebtes Zuhause retten möchte, braucht sie Magie – koste es, was es wolle …

Weit entfernt im königlichen Schloss hat Prinzessin Victoria das umgekehrte Problem: Ihre Magie ist kaum zu bändigen und stürzt den Palast regelmäßig ins Chaos. Um den Gefahren ihrer unbeherrschten Kräfte zu entgehen, muss Victoria Hilfe finden. Aber wo? Verzweifelt wenden sich beide Mädchen an die verstoßene Hexe Miss Hegotty und deren verbotene Zauberschule. Aber kann diese geheime Magie den Gefahren standhalten, denen sich die beiden jungen Hexen stellen müssen? (Klappentext)

Magie im Home-Schooling

Zwei Mädchen, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten: Eglantine – bei deren Namen sich deutsche Zehnjährige beim Lesen erst einmal gründlich die Zunge verknoten dürften – besitzt keinerlei Zauberkraft, braucht aber dringend Magie, um ihr Zuhause vor ihrem fiesen Onkel zu retten. Prinzessin Victoria hingegen kämpft mit völlig unkontrollierbarer Magie, darf das als künftige Thronfolgerin im Palast aber vor niemandem zeigen. Die Rettung für beide? Ein geheimer Fernkurs bei der verstoßenen Hexe Miss Hegotty.

An kreativen Einfällen mangelt es diesem Reihenauftakt definitiv nicht. Die Figuren bewegen sich in einer magischen Version des viktorianischen Englands, wo es sehr strenge Vorschriften und Regelungen für die Anwendung von Magie gibt. Ähnlich wie bei Harry Potter steckt so viel Magie zwischen den Seiten, in diesen herrlichen Details, wie Zauberei das Leben gestaltet. Gleichzeitig greift die Geschichte aber auch wichtige Themen wie Ausgrenzung auf, hinterfragt starre Regeln und hebt den Wert von Zusammenhalt hervor.

Wer bei dem Buchtitel und Klappentext allerdings an ein klassisches Internat à la Hogwarts denkt, wird leider etwas enttäuscht. Die sogenannte Geheimschule findet per Briefpost statt. Genau das führt jedoch dazu, dass der Funke bei mir persönlich nicht vollends überspringen wollte. Da die Lektionen als Fernkurs zu Hause absolviert werden, bleibt die Handlung über lange Strecken erstaunlich statisch. Anstatt gemeinsam auf große Entdeckungsreise zu gehen, erleben wir beide Hauptfiguren parallel zueinander. Jede entdeckt auf ihre Art ihren Zugang zur Magie, was natürlich sehr individuell ist, aber auch das Erzähltempo etwas ausbremst.

Das nimmt dem Buch keineswegs seine Qualität und ist am Ende reine Geschmacksache. Für junge Fantasy-Einsteiger ab 10 Jahren, die sich gerne in magischen Kulissen vergraben und an fantasievollen Details erfreuen, ist es ein liebevoll gestalteter und schön illustrierter Auftakt. Wer hingegen dynamische, rasante Abenteuer sucht, erlebt hier eher ein entschleunigtes Leseerlebnis im magischen Eigenheim.

Vielen lieben Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar!

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Comic Halloween Kinderbücher Kinderbücher ab 10 Jahre Rezensionen

Jeff Kinney: “Rupert präsentiert: Echt unheimliche Gruselgeschichten 2”

Jeff Kinney (Autor/ Illustrator)
Baumhaus Verlag
Lesealter: ab 10 Jahren
224 Seiten
Gebundenes Buch: 16,00€

Schön schaurig und unheimlich lustig! – Der zweite Gruselgeschichten-Band von Gregs bestem Freund Rupert!

Rupert ist zurück – und diesmal sind seine Gruselgeschichten schräger, witziger und unheimlicher denn je! Freu dich auf Gänsehaut pur: auf monströse Insekten, einen jungen Sensenmann und einen einsamen kleinen Finger, der verzweifelt seinen Besitzer sucht. Doch Achtung! Ruperts Geschichten sind nicht nur zum Totlachen, sondern vor allem ganz schön schauerlich. Vielleicht solltest du heute Nacht lieber das Licht anlassen …
(Klappentext)

Schräger Humor für Kinder, wenig Substanz für Erwachsene

Mit Rupert präsentiert: Echt unheimliche Gruselgeschichten 2 legt Jeff Kinney den zweiten Band vor, in dem Gregs bester Freund eigene Geschichten erzählt. Auf etwas über 200 Seiten finden sich zwölf unabhängige Kurzgeschichten über monströse Insekten, einen ungeschickten Sensenmann, Karriere machende Zombies und abgetrennte Körperteile, die sich selbstständig machen.

Inhaltlich bietet das Buch aus Erwachsenensicht allerdings recht wenig Substanz. Die Ideen wirken stellenweise flach und manche Einfälle greifen Bekanntes ohne große Neuerungen auf. Wirklichen Grusel sucht man hier vergeblich, denn die Geschichten driften eher in schräge und teils etwas alberne Richtungen ab. Auch die Zeichnungen sind Geschmackssache, da Elemente wie ein Mund mitten auf dem Bauch einer Figur gewöhnungsbedürftig sind. Als Elternteil fragt man sich beim Lesen durchaus, was genau den Reiz dieser Bücher ausmacht.

Den Kindern ist das alles egal, sie greifen trotzdem begeistert zu den Büchern. Meine beiden Söhne lesen sehr gerne in Gregs Tagebüchern und hatten auch an diesem Band viel Freude. Der Große hatte die zwölf Kurzgeschichten an einem einzigen Nachmittag durchgelesen und fängt schon wieder von vorne an. Die Kombination aus wenig Text pro Seite, sehr großer Schrift und den typischen Comic-Zeichnungen nimmt Kindern den Druck beim Lesen. Man kann nach einzelnen Kapiteln problemlos aufhören oder das Buch in einem Rutsch durchschmökern.

Sogar für meinen jüngeren Sohn bietet der Band einen echten Mehrwert. Als Leseanfänger schaut er sich nicht nur die Bilder an, sondern versucht bereits, die kurzen Texteinschübe in den Zeichnungen mitzulesen. Die Schriftgröße ist so gewählt, dass ihm das schon gut gelingt und er sich freut, im Buch des großen Bruders mitzulesen.

Das Konzept geht am Ende auf, weil es Kinder unkompliziert zum Lesen bringt. Das gilt besonders für diejenigen, die sich sonst von längeren Fließtexten eher abschrecken lassen. Rupert präsentiert: Echt unheimliche Gruselgeschichten 2 ist erzählerisch sicher kein Meisterwerk und bietet kaum echten Grusel. Für die Zielgruppe ist es aber kurzweilige Unterhaltung, die gerade zur Halloween-Zeit schnell weggelesen wird.


Ein riesiges Dankeschön an Lovelybooks und den Verlag. Zwei Jungs wahnsinnig glücklich gemacht mit dem Buch!

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Bilderbücher Halloween Kinderbücher ab 4 Jahre Rezensionen

Max Osswald: “Graf Dackula und die Schrecksperten” (Band 2)

Max Osswald (Autor)
Merle Goll (Illustratorin)
Fischer Sauerländer Verlag
Lesealter: ab 4 Jahren
32 Seiten
Gebundenes Buch: 15,00€

Die sechs wackeren Tier-Vampire sind zurück!

Graf Dackula und seine furchterregenden Freunde wollen Profis im Erschrecken werden! Doch leider beeindruckt das krachende Kläffen von Graf Dackula die tiefenentspannte Schildgoethe null Komma NÖ. Da muss eine echte Expertin ran: Hera, die hüpfende Heuschreckliche, ihres Zeichens Diplom-Erschreckerin und Master of Scare (M.Sc.)! Ob die VampTiere es schaffen werden, Angst und Schrecken zu verbreiten?
(Klappentext)

Lustiger Wortwitz für Erwachsene, aber am Zielpublikum vorbeigeschrieben

Wer Dackel mag und eine Schwäche für Wortspiele hat, wird bei Graf Dackula und die SCHRECKsperten definitiv lachen können. Das Buch bringt als Begleiter für die Herbst- und Halloweenzeit eigentlich tolle Voraussetzungen mit. Die Illustrationen erinnern vom Stil her stark an die Zeichnungen von Axel Scheffler, und auch die Grundidee mit den Möchtegern-Gruseltieren bringt unheimlich viel Potenzial für eine witzige Geschichte mit.

In der Story geht es um Graf Dackula und seine Vampir-Tier-Freunde, die sich selbst für schrecklich gruselig halten. Bis sie auf die tiefenentspannte, in Reimen sprechende Schildkröte treffen. Um ihr Ziel doch noch zu erreichen, holen sie sich Hilfe von Hera, der hüpfenden Heuschrecklichen, ihres Zeichens Diplom-Erschreckerin. Es folgt ein intensives Erschreck-Training, bei dem es um Ausdauer, Frusttoleranz und am Ende um die Erkenntnis geht, dass Übung den Meister macht und es beim Erschrecken darum geht, Spaß zu haben.

Aus Erwachsenensicht macht das Buch beim Vorlesen wirklich Laune. Die Wortwitze erinnern an Das Neinhorn und bringen Vorlesende garantiert zum Grinsen. Wenn ich Begriffe wie „SCHRECKsperten“ oder die „Schildgoethe“ lese, könnte ich mich persönlich wegschmeißen vor Lachen. Doch hier liegt leider auch die große Schwachstelle. Für Kinder funktioniert das Buch schlichtweg nicht.

Der Verlag empfiehlt die Geschichte ab 4 Jahren, aber selbst mein Praxistest zu Hause mit Kindern zwischen 3 und 11 Jahren hat gezeigt, dass die Story an der Zielgruppe vorbeigeht. Die Handlung ist schlicht zu langatmig geraten. Manche Stellen kann man den Kindern zwar noch erklären, aber man merkt beim Vorlesen deutlich, wie die Aufmerksamkeit und das Interesse schwinden. Der Wortwitz zündet bei den Kleinen überhaupt nicht. Wie soll man einem Kleinkind den Witz hinter einer „Schildgoethe“ erklären? Das setzt kulturelles Wissen voraus, das Kindergarten- und Grundschulkinder schlicht noch nicht haben können. Man ist beim Vorlesen ständig am Übersetzen, wodurch der Vorlesefluss komplett flöten geht.

Graf Dackula ist ein netter Gag für erwachsene Dackelfans und Freunde des gepflegten Wortwitzes, als Bilderbuch für Kinder ab 4 Jahren fällt es durch die zu komplizierte Erzählweise aber leider durch.



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