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Fantasy Kinderbücher Kinderbücher ab 10 Jahre Rezensionen

Marcus Raffel: “Flora Brimble und der verlorene Frühling”

Marcus Raffel (Autor)
Maximilian Meinzold (Illustrator)
Thienemann Verlag
Lesealter: ab 10 Jahren
336 Seiten
Gebundenes Buch: 15,00 €

Flora Brimble liebt es, spannende Geschichten zu erfinden – doch dann stolpert sie Hals über Kopf selbst in eine: Der Frühling ist verschwunden und nur die geheimnisvolle Maikönigin kann ihn retten. Flora begibt sich auf die Suche nach ihr und trifft dabei auf einen schrulligen Kobold und ein sprechendes Eichhörnchen. Schon bald ahnen die drei gar nicht heldenhaften Gefährten, dass bei dieser fantastischen Reise nicht weniger als das Schicksal der ganzen Welt auf dem Spiel steht. Und spätestens als eine Hexe und Floras eigentlich nur ausgedachte Romanheldin auftauchen, wird klar: Hier wartet ein Abenteuer, das selbst Flora niemals hätte erfinden können. (Klappentext)

Zwischen Fantasie und Wirklichkeit: Floras Reise in eine seltsame Welt

Im englischen Küstenort Rye scheint der Winter einfach nicht enden zu wollen. Alles wirkt grau, nieselig und still – und genauso fühlt sich auch Flora Brimble. Als sie sich an ihrem 13. Geburtstag eine besondere Tinte kauft, wird eine Reihe seltsamer Geschehnisse in Gang gesetzt. Flora macht sich auf die Suche nach der geheimnisvollen Maikönigin, die den Frühling zurückbringen soll. Auf ihrem Weg begegnet sie unter anderem einem eigenwilligen Kobold und einem sprechenden Eichhörnchen. Schnell merkt man, dass dieses Abenteuer komplizierter ist, als Flora sich das in ihren selbst erfundenen Geschichten je ausgedacht hätte.

Beim Lesen hat mich überrascht, dass dieses Buch deutlich ungewöhnlicher ist, als Cover und Klappentext vermuten lassen. Wer hier ein klassisches Fantasyabenteuer erwartet, bei dem eine Heldin eine Reihe von Herausforderungen meistert, wird wohl verwundert sein. Die Geschichte bewegt sich oft zwischen Realität, Fantasie und Intertextualität. Manchmal fühlt es sich ein bisschen so an, als wäre man ins Kaninchenloch gefallen.

Die Sprache passt aber gut zu dieser Stimmung. Marcus Raffel schreibt bildreich und teilweise sehr poetisch. Manche Szenen lesen sich wie kleine Märchen, andere eher wie nachdenkliche Gedanken. Gleichzeitig sorgt Floras Reisegesellschaft immer wieder für humorvolle Momente. Das sprechende Eichhörnchen und der schrullige Kobold sollten vermutlich verhindern, dass die Handlung zu schwer wird. Allerdings gelingt das nur in sehr flüchtigen Momenten.

Man merkt einfach, dass dieses Buch mehr will als nur ein Abenteuer erzählen. Vieles dreht sich um Floras Gedanken, ihre Ängste und ihre Fantasie, ein großer Part ist aber auch ihrer erfundenen Heldin Harriet zugedacht. Immer wieder verschwimmen dabei die Grenzen zwischen dem, was wirklich passiert, und dem, was vielleicht nur aus einer Geschichte stammt, die Flora sich selbst erzählt.

Genau hier liegt für mich auch der Punkt, an dem das Buch ein bisschen herausfordernd wird. Offiziell richtet es sich an Kinder ab zehn Jahren. Beim Lesen hatte ich allerdings öfter das Gefühl, dass manche Ebenen der Geschichte für jüngere Leser:innen schwer zu greifen sein könnten. Die Handlung springt gelegentlich zwischen verschiedenen Wirklichkeitsebenen hin und her und nicht alles wird sofort erklärt. Für erwachsene Fantasyfans wohl eine Freude haben. Kinder, die einfach ein geradliniges Abenteuer erwarten, könnten sich zwischendurch fragen, was hier eigentlich gerade passiert.

Wunderbar gelungen ist dagegen die Gestaltung des Buches. Die Illustrationen von Maximilian Meinzold umrahmen die märchenhafte Atmosphäre ganz herrlich, und der Farbschnitt macht das Buch optisch zu einem Hingucker im Regal.

Flora Brimble und der verlorene Frühling ist für mich kein typisches Kinder-Fantasybuch. Es ist eher eine geheimnisvolle Geschichte über Fantasie, Hoffnung und darüber, wie mächtig Geschichten sein können. Wer poetische Fantasy mag und sich gern auf eine etwas ungewöhnlich erzählte Welt einlässt, kann hier eine spannende Entdeckung machen – auch wenn sie vielleicht anders ausfällt, als man zunächst erwartet.

Ich danke vorablesen.de für die Möglichkeit, dieses Buch lesen und rezensieren zu dürfen!

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Fantasy Kinderbücher Kinderbücher ab 10 Jahre Märchen Natur Rezensionen

Skye McKenna: “Cassandra Morgan – Der goldene Schlüssel”(Band 1)

Skye McKenna (Autorin)
Viktoria Gavrilenko (Illustratorin)
Ravensburger Verlag
Lesealter: ab 10 Jahren
416 Seiten
Gebundenes Buch: 15,99€

Mächtige Hexen schützen England vor den fantastischen Wesen aus dem Land Faerie. Doch hüte dich davor, den Wald zwischen den Reichen zu betreten …
Cassandra Morgan hat es geahnt: Die Geschichten in ihren Büchern sind nicht nur Märchen. Was sie jedoch nicht wusste: Sie gehört einer Familie von Hexen an. Mit dem Umzug nach Hartwood Hall, in das Haus ihrer Tante, beginnt für Cassandra ein Leben voller Magie. Sie findet jedoch schnell heraus, dass sie das einzige Verbot, das ihre Tante ausgesprochen hat, übertreten muss, wenn sie ihre verschollene Mutter wiederfinden will: Sie muss in den gefährlichen Wald an der Grenze zum Land Faerie …
(Klappentext)

Fantasy für Jung und Alt

Cassandra Morgan startet nicht gerade mit Rückenwind ins Leben. Ein trostloses Internat, eine Mutter, die seit Jahren verschwunden ist, und dann auch noch die Nachricht, dass sie offiziell für tot erklärt wurde. Als Cassandra kurz davorsteht, im nächsten Waisenhaus zu landen, bleibt ihr nur die Flucht – und ein merkwürdiger Schlüssel, den ihre Mutter ihr einst anvertraut hat. Ab diesem Moment kippt die Geschichte sehr schnell von realistischer Tristesse in eine Welt, in der Märchen ziemlich reale Gefahren bergen.

Der Umzug nach Hartwood Hall zu Tante Miranda bringt zwar ein Dach über dem Kopf, aber keine Geborgenheit. Miranda ist kühl, streng und Hexe mit klaren Regeln. Die wichtigste davon lautet, den Wald zwischen den Welten nicht zu betreten. Dass Cassandra genau dieses Verbot missachtet, ist wenig überraschend, schließlich treibt sie die Suche nach ihrer Mutter an, und Antworten scheint es nur jenseits der Grenze zu geben.

Der Wald, der an Faerie grenzt, ist düster, unberechenbar und bevölkert von Wesen, bei denen man nie sicher sein kann, ob sie helfen oder schaden wollen. Goblins, sprechende Tiere, seltsame Wächter und uralte Magie sorgen dafür, dass jede Begegnung eine gewisse Spannung mit sich bringt.

Cassandra selbst ist keine makellos schillernde Heldin, die auf Anhieb als begabte Hexe brilliert. Sie handelt oft impulsiv, ignoriert Warnungen und bringt sich wiederholt in Gefahr. Aber das passt zu ihrer Situation: Sie ist allein, verzweifelt und klammert sich an die Hoffnung, ihre Mutter zu finden. Aber sie ist auch loyal, offenherzig und eine gute Freundin.

Die Geschichte wird von zahlreichen Nebenfiguren besiedelt, die aber nicht alle gleich stark ausgearbeitet sind. Tante Miranda bleibt lange schwer greifbar. Ihr Verhalten wirkt distanziert, teilweise sogar herzlos, und erst spät bekommt man eine Ahnung davon, was sie innerlich bewegt. Das sorgt für Reibung, lässt aber auch Fragen offen. Deutlich wärmer fallen die Freundschaften aus, die Cassandra im Laufe der Geschichte knüpft – allen voran zu Rue.

Der Plot hält einige Wendungen bereit, die man nicht kommen sieht. Intrigen, falsches Vertrauen und moralisch fragwürdige Entscheidungen spielen eine größere Rolle, als man es von einer Fantasygeschichte ab zehn Jahren vielleicht erwarten würde. Gleichzeitig bleiben manche Aspekte bewusst vage. Über Faerie selbst erfährt man nur bruchstückhaft etwas, was klar neugierig macht, aber auch ein wenig unbefriedigt zurücklässt.

Auch handwerklich ist das Buch auf junge Vielleser:innen zugeschnitten: kurze Kapitel, große Schrift und eine klare Struktur sorgen dafür, dass sich die rund 400 Seiten erstaunlich flott lesen. Die Ausstattung ist hochwertig, mit verziertem Cover, bedrucktem Buchschnitt und kleinen Illustrationen zu Kapitelbeginn, die gut zur Stimmung passen.

„Der goldene Schlüssel“ ist ein spannender Auftakt. Die Geschichte hat Ecken und Kanten, lässt bewusst Fragen offen und traut sich, ihre junge Protagonistin Fehler machen zu lassen. Wer Geschichten über Hexen, geheimnisvolle Wälder, ungelöste Familienrätsel und Mut mag, wird hier gut abgeholt. Ich bin sooooo neugierig auf das, was Cassandra als Nächstes erwartet.

Ein herziges Dankeschön an den Verlag und Grüße an die Leserunde auf LovelyBooks!

Auf Nachschub muss man zum Glück nicht lange warten

Band 2 erscheint am 1. März 2026

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Detektive Kinderbücher Kinderbücher ab 10 Jahre Natur Rezensionen

Beate Dölling: “Das schwarze Huhn von Hohenbutzen”

Beate Dölling (Autorin)
Tine Schulz (Illustratorin)
Tulipan Verlag
Lesealter: ab 10 Jahre
192 Seiten
Gebundenes Buch: 16,00€

Ein spektakulärer Diamantenraub hält das beschauliche Dorf Hohenbutzen in Atem. Der Sohn der alten Rabenschlag wurde mit der Beute geschnappt. Wundern tut das niemanden, denn der ist ja schon immer ein eigenartiger Kauz gewesen. Und seine Mutter erst – eindeutig eine Hexe! Milena und ihre Geschwister, die in Hohenbutzen einen Ökourlaub ohne Strom und fließendes Wasser verbringen wollen, finden das alles mehr als spannend! Was, wenn sie den immer noch vermissten Diamanten finden würden, der ein Vermögen wert sein soll? Sie ahnen nicht, dass sie bald schon mitten hinein geraten in das Geschehen und einer hundsgemeinen Intrige auf die Spur kommen. (Klappentext)

Ein moderner Kinderkrimi mit Herz, Witz und wichtigen Themen

Das schwarze Huhn von Hohenbutzen ist eine Detektivgeschichte, die mit Witz, Tempo und einem modernen Blick erzählt wird. Statt Großstadt und Hightech gibt’s ein Ökohaus ohne Strom, ein verschwundenes Juwel und ein schwarzes Huhn, das es in sich hat.

Milena und ihre Geschwister Bruno und Catia verbringen ihre Ferien in Hohenbutzen, einem Dorf, das so ruhig wirkt, dass kaum jemand an einen echten Kriminalfall glauben würde. Doch dann verschwindet ein wertvoller Diamant und plötzlich scheint die Beschaulichkeit sehr trügersich. Herr von Kniebeltreu, der örtliche Geschäftsmann, wittert seine Chance: Er will das Land der alten Frau Rabenschlag kaufen, die mit ihrem schwarzen Huhn Lilo in einer kleinen Butze lebt – angeblich eine Hexe, sagen die Dorfbewohner. Schon bald merken Milena und ihre Freunde, dass mehr hinter der Geschichte steckt, als Gerede und Aberglaube.

Beate Dölling hat ein gutes Gespür für Kinderfiguren. Ihre Dialoge klingen natürlich, die Dynamik zwischen den Geschwistern ist echt und Catia mit Down-Syndrom ist wunderbar unaufgeregt integriert. Sie ist kein „besonderer Fall“, sondern einfach ein Teil der Familie. Sie ist neugierig, schlagfertig und mutig. Überhaupt gelingt es Dölling, Themen wie Inklusion, Klimaschutz oder Identität ganz selbstverständlich einzubauen. Wenn die Kinder über alternative Energieformen oder über Transgender sprechen, wirkt das weder erzwungen noch pädagogisch, sondern so, wie Kinder heute eben sprechen.

Der Krimiteil bleibt dabei spannend und leichtfüßig. Das Tempo stimmt, die Auflösung ist überraschend und Huhn Lilo sorgt für genau die richtige Portion Absurdität. Herr von Kniebeltreu als Gegenspieler ist wunderbar überzeichnet, gierig und skrupellos, wie man es in einem Kinderkrimi gern hat.

Besonders schön ist die Haltung, die das Buch vermittelt: dass man Dinge hinterfragen darf, statt einfach zu glauben, was andere sagen. Und dass es manchmal Mut braucht, um zu erkennen, wer hier eigentlich ein „komisches Huhn“ ist.

Insgesamt ist dieses Buch witzig, modern und voller Leben. Es verbindet einen unterhaltsamen Kriminalfall mit Themen, die Kinder wirklich beschäftigen. Ein Buch, das zeigt, dass gute Geschichten Haltung haben dürfen und nicht zwangsläufig schwer im Magen liegen.

Vielen lieben Dank an den Tulipan Verlag, der uns dieses Buch zu Rezensionszwecken überlassen hat!

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Fantasy Kinderbücher Kinderbücher ab 10 Jahre Rezensionen

Jordan Lees: “Whisperwicks – Die Suche nach den Flüsterflammen”

Jordan Lees (Autor)
Vivienne To (Illustratorin)
Penguin Junior Verlag
Lesealter: ab 9 Jahre
480 Seiten
Gebundenes Buch: 17,00€

“Alles begann mit dem Riss in der Wand …

Benjamiah liebt es, seiner Oma in der Buchhandlung auszuhelfen. Er glaubt an Wissenschaft, Logik und die Macht der Vernunft. Er glaubt nicht an Magie. Doch als er mit der Post ein mysteriöses Geschenk erhält, wird er in die Parallelwelt von Winkelwald geführt, wo sich dunkle Geheimnisse in einem riesigen Straßenlabyrinth verbergen, aus dem es kein Entkommen gibt. Zusammen mit Elizabella, von deren Vater er in dem fremden Ort aufgenommen wird, nimmt er eine Reihe von magischen Prüfungen auf sich, um das Verschwinden ihres Zwillingsbruders aufzuklären. Er hofft dabei, mit Hilfe der Flüsterflammen selbst einen Weg aus Winkelwald zurück nach Hause zu finden. Vor Elizabella und Ben liegt eine gefährliche Suche nach der Wahrheit. (Klappentext)

Eine kluge und ein bisschen unheimliche Fantasygeschichte

Whisperwicks ist eine Geschichte, die etwas Zeit braucht, um sich zu entfalten und eventuell auch, um zu fesseln. Benjamiah Creek (ständig bin ich über diesen und andere Namen gestolpert) ist kein klassischer Heldentyp. Er glaubt an Logik, Wissenschaft und Beweise, nicht an Zauberei oder unerklärliche Dinge. Umso größer ist sein Erstaunen, als er in die Parallelwelt Winkelwald gerät.

Winkelwald ist eine merkwürdige, teils düstere Welt. Sie erinnert ein bisschen an ein viktorianisches Labyrinth aus Licht und Schatten, in dem jedes Geräusch zu viel bedeutet und jede Abzweigung ein neues Geheimnis birgt. Jordan Lees hat eine Atmosphäre geschaffen, die einen sofort gefangen nimmt, aber nicht durch laute Effekte, sondern durch das leise Unbehagen, das zwischen den Zeilen mitschwingt. Man spürt förmlich, dass in dieser Welt etwas nicht stimmt.

Die Figuren sind glaubwürdig und vielschichtig. Benjamiah ist neugierig, etwas unbeholfen, aber sehr sympathisch. Er will verstehen, nicht einfach glauben, und genau das bringt ihn ständig in Schwierigkeiten. Elizabella (noch so ein Name), die ihn zunächst abweisend behandelt, zeigt schnell, dass hinter ihrer Schroffheit Verletzlichkeit steckt. Ihre Gegensätze sorgen für Reibung, aber auch für Entwicklung. Vor allem ihre Freundschaft wächst sehr natürlich.

Inhaltlich balanciert das Buch geschickt zwischen Abenteuer und Nachdenklichkeit. Es geht um Mut, um Vertrauen, aber auch um die Frage, was wir für „wahr“ halten. Benjamiah, der sich so sehr an Fakten klammert, muss lernen, dass Wissen und Intuition sich nicht ausschließen.

Das Erzähltempo bleibt ausgeglichen ruhig, stellenweise für meinen Geschmack leider auch ein bisschen zäh. Lees schreibt bildhaft und lässt manches Geheimnis bewusst offen, um die Spannung zu erhöhen. Für mich hätte der Erzählfluss ruhig etwas dichter sein können. Die wenigen Illustrationen sind aber gut gewählt und unterstützen die Stimmung.

Für Kinder ab etwa elf Jahren ist das Buch eine anspruchsvolle, aber lohnende Lektüre. Wer klassische Abenteuer mag, wird hier vielleicht überrascht sein. Whisperwicks ist komplexer, leiser und stellenweise doch recht melancholisch. Gleichzeitig vermittelt es Hoffnung und Zusammenhalt.

Am Ende bleibt der Eindruck einer Geschichte, die viel größer wirkt, als sie erzählt wird. Whisperwicks ist ein schöner, atmosphärischer Reihenauftakt. Geheimnisvoll, ein bisschen unheimlich, aber mit viel Herzblut erzählt.

Ein riesengroßes Dankeschön an Penguin Junior und dieses magische Rezensionsexemplar!

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Jugendliteratur Kinderbücher Kinderbücher ab 10 Jahre Rezensionen

Vivien Verley: “Thea Magica – Das Geheimnis von Port Mint” (Thea Magica, Band 1)

Vivien Verley (Autorin)
Ravensburger Verlag
Lesealter: ab 10 Jahren
288 Seiten
Gebundenes Buch: 14,99 €

Willkommen in der Welt der Teemagie!

Umzug nach Port Mint? Ein Albtraum! Gedankenlesen als magische Kraft? Die Vollkatastrophe! Robins Leben wird von einem Tag auf den anderen auf den Kopf gestellt. Sie soll nicht nur fortan in einem Kaff an der Küste leben. Viel schlimmer noch: In ihr schlummert eine Kraft, von der niemand wissen darf. Zu dumm, dass ihr größter Feind sie sofort durchschaut und es genau auf diese Kraft abgesehen hat. Robin und ihre neuen Freunde müssen alles daransetzen, schneller als Quinton Chest zu sein… (Klappentext)

Steckt voller Tee und Geheimnisse

Ich liebe Buchideen, die etwas Eigenes haben und Thea Magica gehört genau dazu. Magie, die durch Tee entsteht? Das hat mich sofort neugierig gemacht. Vivien Verley hat mit Port Mint eine Welt erschaffen, die nach Salzluft, Kräutern und Abenteuern riecht. Allein die Atmosphäre macht schon Spaß.

Der Einstieg war für mich allerdings ein bisschen zäh. Es dauerte etwas, bis Robin und ihre Freunde mich wirklich in die Handlung hineingezogen hatten. Anfangs plätschert die Geschichte ein wenig vor sich hin, alles wirkt sehr konstruiert. Aber sobald der erste richtige Konflikt aufkommt, nimmt alles spürbar Fahrt auf und dann wollte ich wirklich wissen, wie es weitergeht.

Robin mochte ich sehr. Sie ist klug, mutig und hat ein gutes Herz, aber sie wirkt oft reifer, als man es einer Zwölfjährigen zutrauen würde. Wenn sie Einbrüche plant, Hinweise analysiert oder in alten Villen herumschleicht, denkt und handelt sie fast wie eine Erwachsene. Das ist beeindruckend, aber es nimmt der Geschichte auch ein bisschen die kindliche Leichtigkeit, die man bei einem Buch für Zehnjährige erwarten würde.

Cornelius dagegen fand ich schwierig. Sein Misstrauen gegenüber Robin zieht sich fast durch das ganze Buch, ohne dass ich wirklich verstanden hätte, warum. Sie gibt ihm keinen Grund und trotzdem bleibt er reserviert. Das hat mich beim Lesen manchmal genervt, weil ich mir gewünscht hätte, dass sich ihre Freundschaft natürlicher entwickelt.

Trotzdem hat mir das Zusammenspiel der drei gefallen. Mailin bringt Energie und Witz ein, Robin ist der ruhige Mittelpunkt und Cornelius sorgt immerhin dafür, dass Spannung bleibt. Vor allem die Szenen, in denen sie zusammenarbeiten, zeigen, wie viel Herz in der Geschichte steckt.

Die Idee mit der Teemagie ist wirklich stark. Da hätte ich mir sogar noch mehr Tiefe gewünscht. Welche Sorten gibt es? Wie genau funktioniert das eigentlich? Oft werden solche Dinge nur kurz angerissen, wo ich gerne länger verweilt hätte. Vielleicht kommt das ja im zweiten Band noch stärker zur Geltung.

Zum Ende hin wird es richtig spannend. Der Ton kippt von gemütlich-magisch zu abenteuerlich und ich war überrascht, wie rasant die letzten Kapitel durchgelesen waren.

Was am Ende bleibt, ist ein schönes Gefühl von Neugier auf den nächsten Band der Reihe, auf die Welt hinter dem Tee, auf all die Geheimnisse, die noch nicht gelüftet wurden.

Und so geht es weiter:

erscheint im Februar 2016
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Fantasy Fantasy Jugendliteratur Kinderbücher Kinderbücher ab 10 Jahre Kinderbücher ab 12 Jahre Rezensionen

Markus Heitz: “Irida und die Stadt der Geheimnisse”

Markus Heitz (Autor)
Max Meinzold (Illustrator)
Oetinger Verlag
Lesealter: ab 10 Jahren
368 Seiten
Gebundenes Buch: 18,00€

Ein Abenteuer, das alles verändert

Im beschaulichen Städtchen Hohenburg überschlagen sich die Ereignisse: nächtliche Schatzgräber, ein geheimnisvoller goldener Schlüssel und ein Vermisster in den düsteren Schlossberghöhlen! Gemeinsam machen sich Irida und ihre besten Freunde, die “Furchtlosen”, auf die Suche nach Antworten – und kommen einer verborgenen Anderswelt auf die Spur. Sind hier dunkle Mächte am Werk? Wem kann man noch trauen? Bald erkennt Irida, dass es auch um sie geht – und um ein Familiengeheimnis, von dem sie bisher nichts geahnt hat.

Der fulminante Reihenauftakt in eine fantastische Welt voller Wunder, magischer Wesen und Zauberkräfte – meisterhaft erzählt von Markus Heitz. (Klappentext)

Schön anzusehen – nur fehlt der Zauber im Inneren

Wenn man „Irida und die Stadt der Geheimnisse“ zum ersten Mal in die Hand nimmt, hat man sofort das Gefühl, ein kleines Schmuckstück entdeckt zu haben. Hardcover, fantastischer Buchschnitt, stimmungsvolles Cover. Das Buch schreit regelrecht „Lies mich!“. Also habe ich mich in den Lesesessel gesetzt, Tee eingeschenkt, die Erwartungen hochgedreht und bin dann etwas unsanft gelandet. Inhaltlich hatte ich auf ein stimmiges Leseerlebnis gehofft, wurde aber nicht vollständig überzeugt.

Die Figuren treten von Beginn an als fertiges Gesamtkunstwerk auf. Das Aussehen, Eigenheiten und Rollen innerhalb der Gruppe stehen fest, ohne dass sie sich organisch entwickeln. Diese Fülle und Vielfalt an Details fand ich etwas erschlagend und ließen bei mir auch keine Nähe zu den Figuren aufkommen. Verstärkt wurde der Abstand durch den starken Fokus auf Äußerlichkeiten – Kleidung, Aussehen, Gegenstände – während Gedanken und Gefühle oft blass bleiben.

Dabei hat die Grundidee viel Potenzial: eine Außenseiterin mit eigenen Unsicherheiten, eine eingeschworene Clique, rätselhafte Vorkommnisse in einer Kleinstadt, über der ein Hauch von Magie liegt. Das sind alles gute Zutaten, die üblicherweise total meinen Geschmack treffen. Aber irgendwie wollte der Funke nicht überspringen.

Der Schreibstil wirkt für ein Kinder- und Jugendbuch mitunter schwerfällig. Statt mühelos mitzuziehen, fordert der Text immer wieder Konzentration. Positiv ist, dass die Handlung nicht vorhersehbar ist. Ich konnte bis zum Schluss nicht sagen, wie sich alles fügt. Allerdings bleiben viele Stränge lose und der abrupte Schluss lässt die Geschichte eher unvollständig wirken.

Für die Zielgruppe ab etwa zehn Jahren bietet das Buch dennoch einiges: geheimnisvolle Orte, magische Elemente und eine Gruppe von Freunden, die zusammenhält.

Mein Fazit: Rein optisch ein beeindruckender Auftakt mit spannenden Ansätzen, der erzählerisch nicht ganz die Wirkung entfaltet, die er haben könnte. Vielleicht findet die Reihe in den Folgebänden ihren Ton – und dann passt die Verpackung auch mehr zum Inhalt.

Mein riesengroßer Dank geht an Carina und das Team der Verlagsgruppe Oetinger, die ein liebevolles Buchpaket gepackt haben mit vielen Überraschungen. Und ein ganz spezieller Dank auch an den Autor Markus Heitz: “I’ve got a theory” geht mir seit Tagen nicht mehr aus dem Kopf! 😉

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Comic Erstleser Kinderbücher Kinderbücher ab 10 Jahre Kinderbücher ab 8 Jahre Rezensionen

Die drei ??? Kids: Geheimnis um CubeMax

Calle Claus (Autor)
Marco Armbruster (Illustrator)
Kosmos
Lesealter: ab 8-10 Jahre
128 Seiten
Pappbilderbuch: 13,00€

Auf der Computerspiel-Convention in Rocky Beach herrscht Hochspannung – besonders als das brandneue Game ‘CubeMax’ präsentiert wird. Die drei ??? Kids sind gefesselt von der faszinierenden Spielewelt, doch dann kreuzt Nika ihren Weg. Verzweifelt bittet sie die drei um Hilfe: Ihr Bruder Noah, der Spieleentwickler von ‘CubeMax’, ist spurlos verschwunden. Justus, Peter und Bob tauchen tief in die geheimnisvolle Welt von ‘CubeMax’ ein – und schnell wird klar: Hier geht es um mehr als nur ein Computerspiel. (Klappentext)

Wenn Minecraft auf die drei ??? Kids trifft – Ein Comicroman mit Höhen und Längen

Wenn drei kleine Detektive plötzlich in einer virtuellen Welt landen, in der Lavaflüsse zischen, Pixelmonster lauern und Portale in fremde Spielzonen führen, dann klingt das nach einem Abenteuer, das nicht nur Minecraft-Fans neugierig macht. Geheimnis um CubeMax, der Auftaktband einer neuen Trilogie, verknüpft die vertraute Welt der drei ??? Kids mit einer digitalen Spieleumgebung – bunt, blockig und voller Rätsel. Das Konzept funktioniert, wenn auch nicht an allen Stellen gleich gut.

Die Gestaltung des Buches sticht auf jeden Fall heraus. Wechselnde Text- und Comicseiten sorgen für Abwechslung beim Lesen und geben dem Ganzen Tempo. Besonders für Kinder, die sich mit längeren Texten schwertun oder die Bücher sonst langweilig finden, ist dieser Aufbau ein echter Gewinn. Die Illustrationen wirken lebendig und fangen die Atmosphäre der virtuellen Welt sehr überzeugend ein. Mein Sohn war vor allem von den kreativen Spielwelten angetan, die sich zwar an bekannten Vorbildern orientieren, aber eigene Ideen einbringen. Für ihn war das Buch „richtig cool gemacht“, gerade weil es nicht einfach nur Minecraft kopiert.

Inhaltlich bleibt die Geschichte eher auf einer einfachen Ebene. Ein verschwundener Entwickler, eine geheime Mission im Spiel, ein Gegenspieler mit zweifelhaften Absichten – alles solide Zutaten für ein Abenteuer. Doch die Handlung entwickelt sich eher gemächlich. Es gibt längere Dialoge, in denen die Figuren über das Geschehen sprechen, ohne dass wirklich viel passiert. Mein Sohn fand das stellenweise zu langatmig, gerade weil er eigentlich Spannung erwartet hatte. Der Lesefluss wurde für ihn immer dann unterbrochen, wenn zu viel geredet und zu wenig erlebt wurde.

Trotzdem hat er das Buch innerhalb von zwei Tagen gelesen, was für sich spricht. Der Sog entsteht hier weniger durch überraschende Wendungen oder Nervenkitzel, sondern eher durch die Atmosphäre und den Wunsch, die nächste Spielwelt zu entdecken. Der Reiz liegt im Abenteuer selbst, nicht in einem klassischen Kriminalfall. Das passt zur Zielgruppe, die bei überladenen Plots oft ohnehin aussteigt.

Was die Figuren betrifft, bleiben Justus, Peter und Bob angenehm vertraut. Sie tun, was sie immer tun: beobachten, kombinieren, helfen. Tiefgang sollte man nicht erwarten, aber für die Altersgruppe ist das völlig in Ordnung. Neue Figuren fügen sich passend ins Geschehen ein, wirken aber eher als Bausteine für die Handlung als als echte Persönlichkeiten.

Insgesamt wirkt Geheimnis um CubeMax wie eine Einladung an junge Leser:innen, sich auf neue Wege mit den drei ??? zu begeben. Wer Spielewelten liebt und gleichzeitig Lust auf Bücher hat, findet hier eine kindgerechte Mischung aus Comicroman, Abenteuer und Detektivgeschichte – mit viel optischer Abwechslung, einfachen Rätseln und einem modernen Setting. Die Spannung bleibt dabei eher auf mittlerem Level, die Ideenwelt hingegen macht Lust auf mehr.

Von Herzen Dankeschön an den Verlag und vorablesen.de für das Rezensionsexemplar!

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Fabiola Turan: “Artemis – Abenteuer auf dem Meer der Wünsche”

Fabiola Turan (Autorin)
cbj Verlag
Lesealter: ab 8 Jahre
288 Seiten
Gebundenes Buch: 14,00€

Willkommen auf dem Meer der Wünsche,

einer Welt so grenzenlos wie deine Fantasie …

Mit allem hätte Artemis gerechnet – nur nicht damit, sich plötzlich an Bord eines fliegenden Schiffes wiederzufinden! Die Crew der Dreamcatcher besteht aus magisch begabten Kindern, die das Meer der Wünsche vor einem machthungrigen Baron beschützen. Um ihren Teil dazu beizutragen, muss Artemis die Wolkenmagie in sich erwecken und sich auf eine gefährliche Reise begeben. Dabei wird ihr mehr abverlangt als erwartet und bald droht das Abenteuer aus dem Ruder zu laufen. Haben die Kinder gemeinsam eine Chance, gegen das Böse zu bestehen und das Meer der Wünsche zu retten? (Klappentext)

Zwischen Wolken, Wünschen und Wirklichkeit

“Artemis” ist kein typisches Kinderbuch, und das im besten Sinne. Die Geschichte entfaltet sich aus einer realistischen Ausgangssituation und wechselt dann überraschend in eine fantastische Welt über den Wolken. Dort begegnet man einer Crew aus Kindern mit besonderen Fähigkeiten, einem schwebenden Schiff und einer Bedrohung, die größer ist, als es zunächst scheint.

Was das Buch auszeichnet, ist seine originelle Idee: eine Hauptfigur, deren vermeintliche Schwäche – ihre Leidenschaft fürs Zeichnen – in einer neuen Welt zur besonderen Stärke wird. Das ist nicht nur eine gelungene Wendung, sondern auch eine kluge Botschaft für junge Leser:innen, die sich mit eigenen Unsicherheiten identifizieren können.

Die fantastische Welt, in der sich Artemis plötzlich wiederfindet, ist kreativ und atmosphärisch beschrieben. Besonders das Schiff und die Idee des Meers der Wünsche wirken durchdacht, ohne mit fantastischen Elementen überfrachtet zu sein. Manche Elemente hätte man sich natürlich etwas ausführlicher gewünscht. Zum Beispiel einige Nebenfiguren und Konflikte bleiben eher angedeutet als vollständig entwickelt. Gerade an diesen Stellen merkt man, dass es sich um einen Einzelband handelt. Der Fokus liegt stark auf Artemis, wodurch ihre Entwicklung überzeugend gelingt, andere Aspekte aber etwas in den Hintergrund rücken.

Stilistisch ist das Buch gut lesbar, mit einer Sprache, die für die Zielgruppe gut geeignet ist. Einige Formulierungen wirken zwar leicht gestelzt oder ungewohnt, bremsen den Lesefluss jedoch nicht.

Positiv hervorzuheben ist auch das Ende: Es bietet einen runden Abschluss, bleibt dabei aber glaubwürdig und verzichtet auf eine zu einfache Lösung. Kleine Rückschläge und Zweifel gehören dazu – das vermittelt das Buch auf ruhige, einfühlsame Weise.

„Artemis – Abenteuer auf dem Meer der Wünsche“ bietet eine spannende Geschichte über Mut, Selbstvertrauen und die Kraft der Fantasie, ohne dabei in gängige Klischees zu verfallen. Für Kinder ab etwa zehn Jahren ist es eine schöne Möglichkeit, in eine originelle, abgeschlossene Fantasywelt einzutauchen. Ideal für alle, die keine langen Reihen lesen wollen, aber trotzdem das große Abenteuer suchen.

Vielen lieben Dank an den cbj Verlag. Es war eine wundervolle Reise über das Meer der Wünsche.

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Philippa Leathley: “Inkbound – Metty Jones und das Schicksalstattoo”

Philippa Leathley (Autorin)
dtv Verlagsgesellschaft
Lesealter: ab 10 Jahren
352 Seiten
Gebundenes Buch: 16,00€

Ein Tattoo, das die Zukunft zeigt. Eine Stadt, in der Magie regiert. Und ein geheimnisvolles Schicksal, das unabwendbar scheint.

Als Metty endlich ihr Tattoo erhält, das ihr Schicksal verrät, sind alle entsetzt: Es besagt, dass sie einen Menschen durch Magie töten wird. Das will Metty um jeden Preis verhindern. Doch dann verschwindet ihr Vater und Metty muss ihn in der fliegenden Stadt New London suchen. Immer mehr düstere Familiengeheimnisse kommen ans Licht, die Mettys Zukunft beeinflussen. Wird sie gegen ihr vorbestimmtes Schicksal ankämpfen können? (Klappentext)

Wenn das Schicksal unter die Haut geht

Stell dir vor, dein Schicksal steht nicht nur fest, sondern ist unausweichlich und für alle anderen sichtbar in deine Haut tätowiert. Genau das passiert Metty und es ist alles andere als ein Grund zur Freude. Denn statt eines harmlosen und langweiligen Tattoos, wie es die meisten bekommen, prophezeit ihr Tattoo, dass sie einen Menschen durch Magie töten wird. Ein Albtraum. Metty fürchtet sich davor, jemanden zu töten, und alle anderen behandeln sie als wäre sie bereits eine Mörderin. Doch Metty gibt sich nicht mit dieser düsteren Vorhersage zufrieden und setzt alles daran, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Als ihr Vater plötzlich verschwindet, folgt eine fesselnde Reise durch die magische Stadt New London – eine Stadt voller Geheimnisse, lebendiger Statuen und Zauberei, die aus Tinte entsteht.

Was mich sofort in den Bann gezogen hat, ist die fantasievolle und atmosphärisch dichte Welt, die Philippa Leathley erschafft. Die Idee der Schicksalstattoos ist nicht nur originell, sondern wirft auch spannende Fragen auf: Wie viel Kontrolle haben wir über unser eigenes Leben? Ist unser Weg wirklich vorherbestimmt oder können wir ihn selbst gestalten? Die Geschichte greift diese Themen auf eine Weise auf, die sowohl zum Nachdenken anregt als auch wunderbar unterhält.

Metty ist eine Heldin, die man sofort ins Herz schließt. Sie ist mutig, eigensinnig und kämpft entschlossen gegen das, was andere als unabwendbar ansehen. Dabei bleibt sie aber auch verletzlich und glaubwürdig. Sie macht Fehler, hat Zweifel und wächst an ihren Herausforderungen. Ihre Suche nach der Wahrheit ist nicht nur spannend, sondern auch emotional mitreißend, denn je mehr sie über ihre Familie und die Vergangenheit erfährt, desto komplizierter wird ihr eigenes Schicksal.

Besonders gelungen ist das Worldbuilding. Die fliegende Stadt New London ist ein Schauplatz voller Überraschungen, mit einzigartigen magischen Konzepten, die sich frisch und unverbraucht anfühlen. Wer würde nicht gerne durch einen Blitz reisen oder mit Verstorbenen telefonieren? Diese kreativen Einfälle verleihen dem Buch eine ganz eigene Note und machen es zu einem echten Leseerlebnis.

Auch der Stil hat mich überzeugt. Die Sprache ist lebendig, mit einer Prise Humor und einem angenehmen Tempo, das einen durch die Seiten trägt. Die Mischung aus Action, Magie und düsteren Familiengeheimnissen hält die Spannung konstant hoch, sodass man das Buch kaum aus der Hand legen kann.

Dieses Buch ab 10 Jahre ist weit mehr als eine klassische Fantasygeschichte. Es geht um Freundschaft, Selbstbestimmung und den Mut, seinen eigenen Weg zu gehen, ganz egal, was vorherbestimmt zu sein scheint. Eine absolute Empfehlung für alle, die magische Abenteuer lieben und sich gern in außergewöhnliche Welten entführen lassen.

Ein riesengroßes Dankeschön an dtv und das Team von vorablesen.de für das zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

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Anja Wagner: “Magic Agents – In Stockholm stehen die Trolle Kopf” (Die Magic-Agents-Reihe, Band 3)

Anja Wagner
cbj Verlag
Lesealter: ab 10 Jahre
256 Seiten
Gebundenes Buch: 14,00€

* Die Tätigkeit magischer Agenten (kurz: Magenten) ist streng geheim.

* Die Legenden und Mythen des Einsatzortes sind zu studieren und zu respektieren.

Das Böse schläft nie! Das stellt Magentin Elia Evander schnell fest, als sie für eine brisante Geheimoperation nach Schweden geschickt wird. Zusammen mit Magentenschüler Emil soll sie undercover ermitteln, da sich in Stockholm gefährliche magische Vorfälle häufen.

In der Stadt angekommen geraten die beiden bald mit aufgebrachten Trollen aneinander. Sind diese Fabelwesen etwa zu der machthungrigen Organisation “Elite” übergelaufen? Elia hat alle Hände voll zu tun, um dem Guten zum Sieg zu verhelfen! (Klappentext)

Trollspektakel in Stockholm

“Magic Agents – In Stockholm stehen die Trolle Kopf” von Anja Wagner ist der dritte aufregende Band der Magic Agents-Reihe und bringt unsere tapfere Magentin Elia Evander nach Schweden. Für Fans der Serie und Neueinsteiger gleichermaßen bietet dieses Buch eine perfekte Mischung aus Magie, Abenteuer und einer Prise schwedischen Charmes.

Nach Missionen in Dublin und Prag wird Elia Evander diesmal nach Stockholm geschickt, um das mysteriöse Verschwinden ihrer Kollegin Evie zu untersuchen. Begleitet wird sie dabei von Emil, einem Magentenschüler, der noch in der Ausbildung steckt und manchmal mehr Chaos als Hilfe verursacht.

Sobald Elia und Emil in Stockholm ankommen, merken sie schnell, dass hier einiges nicht stimmt. Die guten Hausgeister, die Tomte, ziehen reihenweise aus ihren Häusern aus, weil die Trolle horrende Mieten verlangen. Das führt dazu, dass die Stockholmer Bevölkerung immer mehr abnimmt, denn ein Haus ohne Tomte ist kein richtiges Zuhause. Dazu kommt noch die bedrohliche Verbreitung der Krinkelkrätze, einer heimtückischen Vergiftung, die die Betroffenen schrumpfen oder sogar verschwinden lässt. Klar, dass hinter all dem nur die dunkle Organisation Elite stecken kann. Elia hat also alle Hände voll zu tun und muss nebenbei noch Emil unter ihre Fittiche nehmen.

Die Geschichte ist voller spannender Wendungen und herrlich magischer Momente. Anja Wagner versteht es meisterhaft, eine lebendige und fantasievolle Welt zu erschaffen, die die Leser:innen in ihren Bann zieht. Die Dialoge sind oft zum Schmunzeln und die Dynamik zwischen Elia und Emil sorgt für einige lustige Momente. Besonders liebenswert sind die vielen bunten Nebencharaktere, wie Elias’ mürrischer magischer Begleiter Selmor, der einen penetranten Geruch nach fauligen Eiern verströmt, wenn er nicht regelmäßig gestreichelt wird, und die etwas vorlaute, aber immens hilfreiche Uhrenhexe Glenda. Außerdem gibt es ein Wiedersehen mit Flander, der tollpatschigen Enten-Drohne.

Was dieses Buch besonders macht, ist die wunderbare Art und Weise, wie die Autorin Stockholm beschreibt. Die magische Jagd führt die Leser:innen zu markanten Sehenswürdigkeiten der Stadt, und dank Glendas Erläuterungen wird das Buch fast zu einem kleinen Reiseführer der besonderen Art. Das macht nicht nur Spaß, sondern weckt auch die Lust, selbst einmal nach Stockholm zu reisen und die Stadt mit eigenen Augen zu sehen.

Dieses Buch ist ein magisches Abenteuer, das von der ersten bis zur letzten Seite fesselt. Anja Wagner hat wieder einmal ein Abenteuer geschaffen, das sowohl junge als auch erwachsene Leser:innen begeistert. Wer Lust auf eine magische Reise durch Stockholm hat und dabei spannende und humorvolle Momente erleben möchte, sollte sich dieses Buch nicht entgehen lassen. Und für alle Fans der Reihe: Das nächste Abenteuer in Barcelona steht schon in den Startlöchern – die Vorfreude ist riesig!

Elias frühere Missionen verpasst?

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Meine Rezension findest du hier
Einblicke in Elias 2. Mission findest du hier

Und so geht es weiter:

Band 4 erscheint im Januar 2025