Monat: November 2018

Ute Krause: „Theo und das Geheimnis des schwarzen Raben“

 

Ute Krause
cbj Verlag
empfohlenes Alter: ab 9 Jahre
16,00€


 

 

Eine verrückte Piratenbande, eine magische Reise und ein dunkles Geheimnis…

Theo hat es zu Hause nicht leicht, immer wieder gibt es Streit mit seinem Stiefvater. Da überredet ein geheimnisvoller Rabe Theo zu einer abenteuerlichen Reise auf einem fliegenden Piratenschiff. Gemeinsam wollen sie Theos Vater suchen, der vor Jahren verschwand. An der Seite seiner neuen Freunde lernt Theo ein großes Segelschiff sicher zu navigieren, er trotzt stürmischen Ozeanen, entkommt den Fängen eines riesigen Kraken, aber vor allem lernt er, auf seine innere Stimme zu hören und über sich selbst hinauszuwachsen. Und so gelingt es ihm schließlich, das Geheimnis um seinen Vater zu lüften… (Klappentext)

Ein Kinderbuch über Piraten und ein dunkles Familiengeheimnis

Theo lebt mit seiner Mutter und deren Lebensgefährten in einer Berliner Wohnung. Die Familienkonstellation ist ein bisschen verzwickt, denn Theo kann Martin, seinen Stiefvater, nicht besonders leiden und glaubt, dass es umgekehrt ebenso ist. Diese Familiensituation ist heutzutage nicht besonders realitätsfern und ich denke, dass die junge Leserschaft die Konflikte durchaus nachvollziehen kann. Die Autorin komprimiert das Kernproblem kindgerecht dahingehend, dass Martins Essen Theo einfach nicht schmeckt. Dagegen sieht der erwachsene Leser natürlich die tiefergehende Problematik, sei es eben der abwesende Vater oder die arbeitende Mutter, die aber gleichzeitig noch Freundin und Frau ist. Die ganze Auseinandersetzung zwischen Theo, seiner Mutter und seinem Stiefvater ist zudem märchenhaft überzeichnet. Wer isst schon gerne Froschschenkel-Rosenkohl-Lasagne? Und selbstverständlich wird Theo auch übertrieben ungerecht behandelt. Ich finde, das passt zur Geschichte und erinnert mich gleichzeitig ein bisschen an Charles Dickens.

Nachdem Theo also in ein Ferienlager verbannt wurde und dort auch noch von den anderen Kindern schikaniert wird, bricht das Fantasy-Abenteuer über ihn herein. Er gelangt an Bord des fliegenden Piratenschiffes Halbmond und erlebt eine fantasievolle und spannende Abenteuerreise, die sich in ihrer Heldenhaftigkeit fast schon mit Odysseus vergleichen kann. Auf dieser Reise entwickelt Theo Selbstvertrauen und innere Stärke.

Mit der Figurengestaltung hat sich die Autorin viel Mühe gegeben. Die Charaktere sind alle grundverschieden, jeder hat so seine Macken und gute sowie schlechte Seiten. Ergänzend gibt es auf einigen Seiten Illustrationen, die von ihrer Machart her vielleicht nicht über die Maßen künstlerisch sind, aber gut zur Geschichte passen. Der Erzählstil ist einer der besten, die ich je gelesen habe. Vom Verlag ist das Buch gewohnt chic aufgemacht im festen Einband und mit hochwertigen Seiten. Mit über 200 Seiten ist das Buch ziemlich umfangreich und erfordert bei Erstlesern wohl doch einigen Ehrgeiz, um bis zum Ende durchzuhalten.

Insgesamt finde ich „Theo und das Geheimnis des schwarzen Raben“ großartig. Ein absolut empfehlenswertes Kinderbuch mit düsteren, aber auch liebevollen und witzigen Aspekten. Es ist eine fantastische Heldenreise auf der Suche nach dem verschwundenen Vater, auf der es viele Abenteuer zu bestehen gilt und einem guten Ende.

April Dawson: „Still Broken“

 

April Dawson
LYX Verlag
empfohlenes Alter: ab 16 Jahren
10,00€

 

 

Eine Liebe, die alles wert ist…

Als Norah sich am College in den unnahbaren Max verliebt, beginnt die aufregendste Zeit ihres Lebens. Die Gefühle zwischen ihnen sind leidenschaftlich, echt und so völlig anders als alles, was sie zuvor erlebt hat – auch wenn alle sie vor Max gewarnt haben. Je näher sie sich kommen, desto deutlicher spürt Norah allerdings, dass Max etwas vor ihr verbirgt – aber auch, dass ihre Liebe jeden Kampf wert ist, selbst wenn Max Geheimnis ihr Leben für immer auf den Kopf stellen könnte… (Klappentext)

Stark konstruiert, überladen und wirr.

Eine schlechte Rezension zu verfassen, macht nicht so viel Spaß, wie man vielleicht denkt. Irgendjemand fühlt sich trotz aller Meinungsfreiheit und Kritikfähigkeit immer angegriffen und ist beleidigt. Meistens sind es die eingefleischten Fans, die meinen, ihre Lieblingsautorin in Schutz nehmen zu müssen. Aber jeder hat nun einmal seine eigene Meinung und in diesem Fall tut es mir auch echt leid, aber „Still Broken“ trifft überhaupt nicht meinen Geschmack. Das ist leider so. Dabei klang der Klappentext vielversprechend und in Teilen fand ich die Liebesgeschichte sogar recht süß. Wäre sie nur nicht so spürbar konstruiert gewesen…

Gleich zu Beginn sieht Norah auf einer Party diesen unfassbar heißen Typen, ihre Blicke begegnen sich und sofort ist da diese magische Anziehung. Natürlich entpuppt sich der heiße Typ als Bruder von Norahs Mitbewohnerin. Und natürlich wird sie ihm auch noch in der Redaktion zugeteilt. Von Anfang an prallen die beiden Protagonisten aufeinander. Diese ständigen Begegnungen wirken sehr erzwungen und übertrieben. Genauso die ach so leidenschaftlichen Gefühle zwischen den beiden, die plupp! einfach da sind, alles überwältigen, aber für mich nicht nachvollziehbar waren. Außerdem ist Max alles, aber definitiv kein Bad Boy. Er zieht sich bloß wie einer an.

Die Handlung besteht hauptsächlich aus abrupten Szenensprüngen und starken Gefühlsaufwallungen, die weder zur Geschichte noch zu den Charakteren passen wollen. Den Figuren hätte mehr Homogenität gutgetan. Die dramatischen Höhepunkte sind zahlreich – und wie! Lügen, Tod, Vergewaltigung, Familientragödien und die Mafia! Es ist schwer, das alles in eine einheitliche Story zu verpacken. Die unvorhergesehenen Dramen stiften einiges an Verwirrung. In der großen Rahmenhandlung steckt doch genug Spannung, die völlig ausgereicht hätte für einen aufregenden Roman. Insgesamt ist die Geschichte überladen mit Dramatik und Gefühlen, dadurch wirkt sie unrealistisch. Und bei den vielen Nebensträngen ist es letztlich auch kein Wunder mehr, dass am Ende die ein oder andere Lücke offen bleibt. Oder weiß einer, was aus Drew geworden ist? Eben war er noch am Telefon, und dann?

Ich empfand „Still Broken“ als sehr unstimmig, mit unlogischen Handlungssträngen und einer zu plumpen Verarbeitung von Klischees. Es ist schade und tut mir wie gesagt wirklich leid, aber in den Roman wurde zu viel hineingesteckt. Manchmal ist weniger halt doch mehr.

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Peter Tschaikowsky: „Der Nussknacker: Ein Musik-Bilderbuch zum Hören“

 

Peter Tschaikowsky
Prestel Verlag
empfohlenes Alter: ab 5 Jahre
25,00€

 

 

 

Begleite Clara auf ihrer magischen Reise in dieser Neuerzählung des klassischen Ballett-Stücks von Peter Tschaikowsky. Sieh zu, wie der Nussknacker gegen den Mäusekönig kämpft, treffe die Zuckerfee und reise ins Land der Süßigkeiten, wo dich viele Wunder und Überraschungen erwarten… (Klappentext)

Der märchenhafte Weihnachtsklassiker für die Kleinen

Die Geschichte in diesem Buch ist eine Abwandlung von E.T.A. Hoffmanns Märchen ‚Nussknacker und Mäusekönig‘. Claras Familie (im Original hieß die Figur Marie und porträtiert eigentlich Clara, die Tochter eines Freundes von Hoffmann) feiert einen rauschenden Weihnachtsabend, als Onkel Drosselmeyer eintrifft. Er schenkt Clara einen Nussknacker, der um Mitternacht lebendig wird. Im Kampf der Spielzeuge besiegt Clara den Mäusekönig, indem sie ihren Schuh an seinen Kopf wirft. Dadurch wird der Fluch gebrochen, der auf dem Nussknacker liegt, und er verwandelt sich in einen Prinzen. Mit ihm gemeinsam gelangt Clara ins Land der Süßigkeiten und zur Zuckerfee.

Der Klassiker wird mit diesem Buch toll in Szene gesetzt.  Die Illustrationen sind passend zum Stil der Geschichte eher nostalgisch gehalten und eigentlich wie kleine Kunstwerke. Auf ihnen gibt es so viel zu entdecken, bei jedem Anschauen findet man neue Details.

Die Musiksequenzen sind deutlich, aber mit knappen zehn Sekunden leider viel zu kurz, um die Stimmung der Szene so wiederzugeben, dass man sich hineinfühlen kann. Am Ende gibt es eine Übersicht der einzelnen Musikstücke, wo wunderbar das Zusammenwirken von Handlung und Musik beschrieben wird. Kurz und prägnant wird die Atmosphäre geschildert und wie die Instrumente diese ausdrücken und wiedergeben. Als Einstieg in die klassische Musik ist das Buch hervorragend. Die vielen Sachinformationen und Vorschläge, wie man sich weiterführend mit dem Werk beschäftigen kann, sind wirklich mehr für ältere Kinder geeignet. Lässt man das erst einmal außer Acht, dann hat man immer noch ein zauberhaftes Bilderbuch mit kurzen Texten, das auch schon für ein Kleinkind ab 2 Jahren bestens geeignet ist.

Für uns gehört Tschaikowskys ‚Der Nussknacker‘ zu Weihnachten einfach dazu und dieses neue Format aus dem Prestel Verlag ist echt eine Bereicherung, um schon den Kleinsten die Musik und die Geschichte näherzubringen. Außerdem, wie kann man nicht von einem Prinzen ins Land der Süßigkeiten entführt werden wollen?

Ein ganz besonderer Dank geht an das Bloggerportal für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

 

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Galia Bernstein: „Große Tatzen, kleine Tatzen“

 

Galia Bernstein
cbj Verlag
empfohlenes Alter: ab 4 Jahre
13,00€

 

 

 

Als Simon, der kleine Hauskater, auf Löwe, Gepard, Puma, Panther und Tiger trifft, behauptet er: „Ich bin eine Katze wie ihr!“ Da lachen die Großkatzen ihn aus und erklären ihm, warum das nicht sein kann. Doch so schnell gibt Simon nicht auf… (Klappentext)

Auch die kleinste Katze ist ein Meisterwerk!

Welchen Hohn und Spott muss der kleine Stubentiger Simon über sich ergehen lassen, als er den großen Katzen verkündet, er wäre genau wie sie. Aber ein Hauskätzchen kann sich doch nicht mit einem Löwen, Gepard, Panther, Puma oder Tiger vergleichen, oder? Jede der Großkatzen erklärt Simon, warum er nicht wie sie ist.

Dieses Buch ist eine gelungene Geschichte über Vielfalt. Trotz zahlreicher Unterschiede im Aussehen, sind die Gemeinsamkeiten nicht von der Hand zu weisen. Ob gepunktet, gestreift, groß oder klein, im Herzen sind sie alle gleich. Abgesehen von der tiefgründigen und wie ich finde aktuellen Botschaft der Geschichte ist es für Kinder lehrreich, die verschiedenen Großkatzen mit ihren Eigenschaften kennenzulernen.

Die Illustrationen der verschiedenen Tiere sind realistisch, also nicht zu verniedlicht für ein Kinderbuch, sie sind hervorragend gezeichnet. Die einzelnen Seiten sind nicht zu überladen, was absolut perfekt ist, um die Aufmerksamkeit der Kinder zu fokussieren. Daher ist das Buch durchaus schon für 3jährige Kinder geeignet. Die Bilder sind lustig und begleiten die Handlung auch ohne große Worte. Mimik und Gestik der Tiere sind urkomisch.

Die Themen Vielfalt und Toleranz sind hier in eine wunderbar humorvolle Geschichte verpackt, weshalb das Buch nicht nur zu Hause gelesen werden sollte, sondern gern auch Einzug in Kitas oder Grundschulen halten könnte, um die Kinder für diese aktuellen Themen zu sensibilisieren.

Mein Dank gilt dem Bloggerportal für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

 

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