Kategorie: Fantasy

Eva Völler: „Auf ewig uns: Time School. Band 3“



Eva Völler
ONE Verlag
empfohlenes Alter: ab 14 Jahre
15,00€

 

 

 

Ein mächtiger Feind, eine schwere Prüfung und eine wahre Liebe

Immer kam etwas dazwischen, aber nun hat es endlich geklappt: Anna und Sebastiano haben sich das Jawort gegeben! Doch auf der Party nach ihrer standesamtlichen Hochzeit geschieht das Unfassbare: Ein Zeitportal öffnet sich, und Sebastiano wird vor Annas Augen entführt! Anna muss sich großen Hindernissen entgegenstellen, um ihn wiederzufinden, doch dabei ahnt sie nicht, dass die Schwierigkeiten gerade erst begonnen haben … (Klappentext)

Ein Abschluss, der nicht überrascht.

Band 3 der Time-School-Reihe beziehungsweise Band 6, wenn man die Zeitenzauber-Reihe dazu zählen möchte. Sechs Mal prinzipiell dasselbe Schema, wenn ich ehrlich sein soll. In den Zeitenzauber-Büchern empfand ich den sich ständig wiederholenden Ablauf der Handlung und die gleiche Figurenkonstellation noch nicht so störend. Doch da nun auch der Abschluss der Time-School-Reihe wenig abwechslungsreiche Wendungen bietet, bin ich im Endeffekt echt enttäuscht.

Manche Leser lieben das altbewährte Muster ja und könnten sicherlich noch einmal so viele Bände über Anna und Sebastiano mit Begeisterung verschlingen. Nicht grundlos, wie ich durchaus nachvollziehen kann. Zeitreisen in der Lagunenstadt Venedig, erzählt in dem wunderbaren Schreibstil von Eva Völler. Natürlich sind die Bücher gut! Aber es lässt sich ebenfalls nicht leugnen, dass ‚Auf ewig uns‘ erhebliche Parallelen zu ‚Zeitenzauber – Die goldene Brücke‘ aufweist mit nur geringfügigen Abweichungen. Sebastiano hat mal wieder sein Gedächtnis verloren und Anna muss seine Erinnerung zurückbringen. Diesmal allerdings mit Babybauch. Bei vielen Dialogen hatte ich das Gefühl, sie schon einmal gelesen zu haben. Anna verliert sich ständig in schmachtender Bewunderung, sobald sie Sebastianos ansichtig wird, was nach meinem Empfinden einfach zu viel des Anschmachtens war. Auch das ewige Gezänk zwischen Fatima und Ole verliert seinen Reiz, je häufiger es vorkommt.

Die Figuren sind mittlerweile eine richtig große Gruppe geworden. Schwierig, sich da noch an jede Einzelheit aus der Vergangenheit zu erinnern und sie auseinander halten zu können. Das Zeitreisemysterium mit den sogenannten Alten, die unsterbliche Wesen sind und in verschiedenen Universen mitmischen, ist schon komplex genug. Mich haben die Nebencharaktere und ihre eigenen Geschichten nur noch verwirrt.

Der große Kampf gegen den Endgegner ist ziemlich spannend und schlägt noch einmal einen guten Bogen zur Zeitenzauber-Trilogie. Das Ende wird die Fans definitiv glücklich machen, ich persönlich hätte mir aber einfach mehr Abwechslung gewünscht.

Ich bedanke mich ganz herzlich beim Verlag, der mir dieses Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat!

Weitere Bände der Time-School-Reihe:

 

 

 

 

 

 

Die Zeitenzauber-Trilogie:

 

 

 

 

 

 

 

Jonathan Stroud: „Drachenglut“



Jonathan Stroud
cbt Verlag
empfohlenes Alter: ab 12 Jahre
13,00€

 

 

 

Zwei Brüder, ein mächtiger Drache und der Kampf gegen das Böse

Als der 12-jährige Michael sich an einem heißen Sommernachmittag in den Hügeln herumtreibt, ahnt er nicht, dass tief darunter seit Jahrhunderten ein gewaltiger Drache ruht. Gebannt dorthin durch ein keltisches Steinkreuz. Doch nun regt sich der Drache – er ergreift von Michael Besitz und nicht nur von ihm! Immer mehr unheimliche Ereignisse geschehen in dem kleinen Dorf . Michael zur Seite steht allein sein Bruder, der ihn retten möchte. Ein atemberaubender Kampf zwischen Gut und Böse beginnt … (Klappentext)

Ein früher Stroud…

Jonathan Stroud dürfte wohl allen, die bei diesem Buch landen, als Schöpfer und Autor der Bartimäus-Bücher oder der Lockwood-Reihe wohlbekannt sein. Ich selbst bin ein großer Fan beider Buchreihen und habe mich mit ‚Drachenglut‘ einmal an ein anderes Werk Strouds gewagt. Wichtig zu wissen ist hierbei, dass ‚Drachenglut‘ lange vor Bartimäus entstand und bereits 1999 erschien. Jonathan Strouds schriftstellerische Raffinesse steckte hier quasi noch in den Kinderschuhen und lässt sich weder mit Bartimäus noch mit Lockwood vergleichen. Das gewisse Etwas, der britische Humor, die Leichtigkeit von Strouds Geschichten und deren vielschichtige Charaktere sind in ‚Drachenglut‘ noch nicht so fein herausgearbeitet wie man es von Strouds bekannteren Werken kennt. Obwohl die Geschichte spannend konzipiert ist.

Zur gleichen Zeit als im Kirchhof der Gemeinde Fordrace ein keltisches Steinkreuz ausgegraben wird, regt sich tief unter der Erde ein Drache. Das Kreuz hat ihn all die Jahre gebannt. Doch als es bei den Ausgrabungen beschädigt wird, erwacht die Macht des Drachen. Sie durchdringt die Erde und verleiht dem ganz in der Nähe schlafenden Michael besondere Fähigkeiten. Michael verändert sich und verfällt immer mehr der bösen Macht des Drachen. Denn der will nur eines: aus seinem Gefängnis ausbrechen. Der Pfarrer Tom, der mit Michaels Schwester zusammen ist, beginnt, Nachforschungen über das Kreuz anzustellen und kommt durch alte Überlieferungen dem Geheimnis des Drachen auf die Spur. Zusammen mit Michaels Bruder, versucht er Michael zu retten und die Auferstehung des Drachen zu verhindern.

Mich konnte der Lesefluss leider nicht packen. Ich empfand die Geschichte als äußerst zäh und musste mich bis zum Ende quälen. Die Charaktere blieben die ganze Zeit über oberflächlich und unsympathisch, selbst die ‚Helden‘ Tom und Stephen waren unnahbar und keine angenehmen Figuren. Die Handlung hat mich stellenweise einfach nur verwirrt. Ab und an wallte zwar etwas Spannung auf, aber über lange Strecken passiert zu wenig, sodass man automatisch abschaltet.

‚Drachenglut‘ ist sicherlich Geschmackssache, auch wenn man sich zuvor von dem Gedanken befreit hat, einen typischen Stroud-Roman vor sich zu haben. Als Vorläufer zu Bartimäus und Lockwood fand ich ihn dahingehend interessant, dass man Strouds Entwicklung als Schriftsteller nachverfolgen konnte.

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Neil Gaiman: „Anansi Boys“


Neil Gaiman
Eichborn Verlag
14,00€

 

 

 

 

Für Fat Charlie Nancy gibt es nichts Schlimmeres als Peinlichkeiten. Seinen Vater – das Peinlichste in seinem bisherigen Leben – hat er schon lange aus seinem Alltag verbannt. Doch dann erreicht ihn die Nachricht, dass dieser verstorben ist. Und damit nicht genug! Sein Vater soll ein Gott gewesen sein und Fat Charlie einen Bruder haben, von dem er bislang nichts wusste.

In einem alkoholisierten Moment nimmt Fat Charlie Kontakt auf – und verflucht sich bald dafür. Denn mit seinem Bruder Spider hält das Chaos Einzug in sein geordnetes Leben. Spider ist nicht nur arrogant und egozentrisch, er hat auch die göttlichen Fähigkeiten ihres Vaters geerbt… (Klappentext)

Göttlich abgedrehte Geschichte

Ein ganzer Ozean, mehr als 6000 Kilometer tiefblaues Wasser trennen Fat Charlie Nancy von seinem Vater, der ihn in seiner Kindheit häufig blamiert hat. In London führt Charlie ein geordnetes Leben, nicht besonders spektakulär, eigentlich sogar ziemlich langweilig. Genauso wie Charlie selbst. Als er der Versuchung nicht wiederstehen kann und einer Spinne eine Nachricht für seinen Bruder ins Ohr flüstert, ahnt er nicht, dass mit Spider das Chaos in sein Leben Einzug hält. Denn Spider ähnelt stark ihrem Vater, dem Spinnengott Anansi. Er verfügt über gewisse göttliche Fähigkeiten, ist überheblich, selbstverliebt, charmant… all das, was Charlie nicht ist. „Anansi Boys“ erzählt die Geschichte eines stinknormalen, langweiligen Typen, in dessen Leben plötzlich mehrere Götter mitmischen.

Der Vorläufer dieses Buches heißt „American Gods“. Darin spielt Anansi bereits eine wichtige Nebenrolle. Man kann „Anansi Boys“ jedoch lesen, ohne den Vorgänger zu kennen. Das Buch ist allein schon deshalb lesenswert, weil es von Neil Gaiman ist. Setzt aber voraus, dass man Neil Gaiman und seinen Stil mag. Die Handlung ist ziemlich verworren und komplex. Es geht um Götter und Ursprungsmythen aus der westafrikanischen Mythologie, die vielen vermutlich unbekannt sein dürfte und die auch im Buch nicht groß erklärt wird. Anansi ist ein Gott des Schabernacks, gerissen und listig. Er spinnt den Sagenschatz der Welt, was hier von Neil Gaiman aufgenommen und modern aufgearbeitet wurde. Es geht um die Macht von Geschichten und Liedern.

Gaimans Figuren sind typische Antihelden, mit denen man nur durch ihre Schwächen sympathisieren kann. Sie geraten in aberwitzige Situationen, die nicht immer logisch sind. Aber der Ideenreichtum ist einfach grandios. Man muss Gaimans bizarren Einfallsreichtum zu schätzen wissen, andernfalls wird man mit seinen Büchern wohl nicht glücklich.

 

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Amy Harmon: „Queen & Blood“ (Bird-and-Sword-Reihe, Band 2)

 

Amy Harmon
LYX Verlag
empfohlenes Alter: ab 14 Jahren
15,00€

 

 

 

Sie sah ihn.
Er sah sie.
Und nichts außerdem.

Kjell von Jeru kannte seinen Platz – Soldat, Krieger der Krone, Bastardbruder des Königs – und war damit zufrieden. Doch seitdem er seine Gabe als Heiler erkannt hat, ist die einfache Ordnung seiner Welt aus den Fugen geraten. Als er eine junge Frau sterbend in der Wildnis findet, rettet er ihr mithilfe seiner Kräfte das Leben. Die geheimnisvolle Sasha, die nichts über ihre Vergangenheit weiß, hält sein Herz vom ersten Moment an ihn ihren Händen, ganz gleich, wie sehr er sich dagegen wehrt. Doch als Sashas wahre Identität ans Licht kommt, droht ihre Liebe an der Wirklichkeit zu zerbrechen … (Klappentext)

Wahnsinn! An nur einem Tag durchgelesen. Was für ein Leseerlebnis!

Kjell ist ein Krieger, groß, stark, unnahbar. Er ist es gewöhnt, seine eigenen Bedürfnisse denen anderer unterzuordnen und die zu beschützen, die er liebt. Eines Nachts heilt er mit seiner Gabe die schwerverletzte Sklavin Sasha. Auch sie verfügt über eine Gabe, nämlich die des Vorhersehens. Sie erkennt Kjell aus ihren Visionen wieder und begleitet ihn von nun an auf Schritt und Tritt. Dabei ist sie unfassbar unterwürfig, liebenswert, geduldig und schafft es mit ihrer unentwegt freundlichen Art und ihren märchenhaften Geschichten Kjells gesamte Truppe zu verzaubern. Ich meine, wer Sasha nicht mag, wirft wahrscheinlich auch Steine nach niedlichen Welpen. Die Figur ist einfach so angelegt, dass einen ihr Schicksal berührt. Man will unbedingt erfahren, wie es ihr gelingt, Stück für Stück Kjells harte Schale zu erweichen. Aus diesem Grund habe jedenfalls ich an den Seiten geklebt und konnte das Buch keinen Moment aus den Händen legen.

Einen leichten Knick erfährt die Handlung, als Sasha ihre Erinnerung an ihre Vergangenheit und ihre wahre Identität wiedererlangt. Daraufhin ist sie eine völlig andere Person und auch Kjell entwickelt sich ein bisschen zur unterwürfigen Klette. Hat mir nicht so gefallen, denn ich bin mehr der Happy-End-Typ und diese zusätzliche Verwicklung und Verzögerung der Handlung hat ein bisschen genervt. Aber das Ende war echt spannend und die Geschichte ergab eine schöne, runde Sache.

Kurz, ich hatte schon lange kein Buch, das mich derart fesseln konnte. Dabei kannte ich nicht einmal Band 1. Aber da beide Bände voneinander unabhängige und in sich abgeschlossene Geschichten erzählen, stellte das kein Problem dar. Die Fantasy-Welt ist nicht zu komplex aufgebaut. Strukturen, Geografie und wichtige Personen auch aus dem Vorgängerband werden noch einmal vorgestellt. Man taucht von der ersten Seite an in Amy Harmons Welt ein und erst auf der letzten Seite wieder auftaucht, ohne zwischendurch Luftholen zu müssen. Eine wunderschöne Liebesgeschichte.

 

 

Amy Harmon: „Bird & Sword“ (Bird-and-Sword-Reihe, Band 1)

 

 

 

Ich bedanke mich ganz herzlich beim Verlag für das Rezensionsexemplar!

 

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Stefanie Lasthaus: „Die Saphirtür“

 

Stefanie Lasthaus
Heyne Verlag
12,99€

 

 

 

 

Manchmal sind große Träume nur einen kleinen Schritt entfernt

England im Jahr 1957. Kurz nachdem die hübsche Isla Hall eine Stelle als Privatlehrerin der Familie Austin im exklusiven Silverton House angetreten hat, erzählt ihr Ruby, die jüngste Tochter der Familie, dass sie nicht träumen kann. Islas eigene Träume dagegen sind ungeheuer intensiv und verstörend, seit sie bei den Austins lebt. Isla versucht, dem Geheimnis von Silverton House auf die Spur zu kommen, und entdeckt dabei die Tür zu einer magischen Welt… (Klappentext)

Eine schaurige Atmosphäre mit Gänsehautmomenten, aber…

Nach der Beendigung von ‚Die Saphirtür‘ hatte ich das Gefühl, gut und spannend unterhalten worden zu sein. Insgesamt weist der Roman auch viele Elemente auf, die ansprechend sind: ein englischer Landsitz mit einem wohlgehüteten Familiengeheimnis. Träume und Traumwelten. Eine geheimnisvolle Tür. Eine zarte Liebesgeschichte. Eine mutige Heldin und ein Bösewicht, der mir noch im Nachhinein Schauer über den Rücken jagt. Auf der anderen Seite gab es bereits während des Lesens Sachen, die ein ungetrübtes Lesevergnügen erschwert haben.

Die Handlung beginnt spannend, verliert sich dann leider bis etwa zur Mitte in Wiederholungen und wird erst ab da so richtig packend. ‚Die Saphirtür‘ entfaltet eine düstere Atmosphäre, die unter die Haut geht, und gipfelt in einem filmreifen Finale. Die Charaktere sind gut herausgearbeitet, aber irgendwie scheint es, als hätte jede Figur nur eine hervorstechende Eigenschaft zugewiesen bekommen. Die Hauptfigur Isla wird einzig und allein von dem überbordenden Beschützerinstinkt der kleinen Ruby gegenüber angetrieben. Die Austins scheinen einem ganz anderen Jahrhundert anzugehören. Für sie ist lediglich der Schein nach außen wichtig. Ansonsten versinken sie in Bedeutungslosigkeit.  Auch den Nebenfiguren wurde jeweils nur eine Funktion zugewiesen, die sie in der Handlung zu erfüllen haben. Einzig die Psychologie des Bösewichtes ist tiefgründiger.

Alles rund um das Thema Träume beziehungsweise Traummanifeste fällt echt komplex aus. Welcher Logik diese Traummanifeste folgen oder insbesondere wie Ruby sie erschafft und die anderen Figuren darin agieren, konnte ich manchmal schwer nachvollziehen. Auch den Masterplan des Bösewichtes habe ich nicht wirklich begriffen. Dafür ist das Thema Träume an sich vermutlich zu paradox. Und wer versteht schon Bösewichte?

Das Ende war spektakulär, lässt aber viele Fragen offen und ich bin gespannt, ob es eine Fortsetzung geben wird.

 

 

 

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Nina Blazon: „Silfur – Die Nacht der silbernen Augen“

 

Nina Blazon
cbt Verlag
empfohlenes Alter: ab 10 Jahren
9,99€

 

 

 

Sommerferien in Island, einem Land, in dem die Menschen sich am Lagerfeuer Geschichten über Elfenwesen und Wiedergänger erzählen. Doch handelt es sich wirklich nur um Geschichten? Die Brüder Fabio und Tom sind sich da zunehmend unsicher. Gemeinsam mit Elín, dem wilden isländischen Mädchen, das ihnen nicht nur die Hauptstadt Reykjavík zeigt, sondern sie auch mit zu einem Reiterhof in der Nähe der berühmten Hraunfossar-Wasserfälle nimmt, stoßen sie auf eine geheimnisvolle Welt im Verborgenen … (Klappentext)

Isländische Märchenwelt

Tom und Fabio, zwei Brüder, die zwar ständig für Zwillinge gehalten werden und doch unterschiedlicher kaum sein könnten. Fabio ist der ältere der Brüder, doch aufgrund einer Krankheit hängt er in seiner Entwicklung zurück. Dagegen wird Tom als hochintelligent eingestuft, er ist sportlich und entdeckungsfreudig. Obwohl er sich seinem Bruder gegenüber immer wieder zurücknimmt, spürt Fabio, dass er mit Tom nicht mehr lange mithalten kann. Besonders deutlich wird das Problem, als Tom auf die quirlige Elín trifft. Immer häufiger brechen die beiden zu abenteuerlichen Unternehmungen auf, während Fabio zurückbleibt. Doch auf seinen Streifzügen durch Reykjavík bemerkt Fabio alsbald, dass er Dinge sehen kann, die anderen verborgen bleiben. Er verfügt über die seltene Gabe der Elfsichtigkeit und ist somit in der Lage, die geheimen Bewohner Islands wahrzunehmen, was ihn in ziemlich große Schwierigkeiten bringt.

Nina Blazon zählt zu meinen Lieblingsautoren. Sobald ein neues Buch von ihr erscheint, stürze ich mich darauf. Denn sie schafft es, einen in ihre Welt hineinzuziehen und erschafft eine schaurige Atmosphäre von der Art, die einen angenehm im Nacken kribbelt. Anders als beispielsweise ‚Fayra‘ oder ‚Laqua‘  ist ‚Silfur‘ aber nicht besonders schaurig. Aus diesem Grund fiel die Handlung auch nicht so fesselnd aus, wie erhofft. Die Landschaftsbeschreibungen entführen einen zwar in das Land von Feuer und Eis, aber die düstere, übernatürliche Ebene, die Nina Blazon in ihren anderen Werken kreiert, kommt in ‚Silfur‘ nicht rüber. Auch wenn die Handlungsstränge vielschichtig und von der nordischen Mythologie durchdrungen sind.

Ein Problem für mich sind die sehr jungen Protagonisten, in die ich mich einfach nicht einfühlen kann. Elín mit ihrem sprunghaften Gefühlswirrwarr bringt eine Unruhe in die Geschichte, die mich beim Lesen stört. Wenn man zu der empfohlenen Altersgruppe gehört, ist einem das vermutlich völlig egal. Obwohl ich dagegen halten muss, dass die Hauptfiguren in ‚Fayra‘ und ‚Laqua‘ ebenfalls Kinder sind, die mich als Charaktere jedoch mehr für sich eingenommen haben als Tom, Fabio und Elín.

Aber ‚Silfur‘ ist für alle Nina Blazon Fans ein zu empfehlendes Buch, das man nicht bereut gelesen zu haben.

Vielen lieben Dank an cbt und das Bloggerportal für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

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Walter Moers: „Das Labyrinth der Träumenden Bücher“

 

Walter Moers
Penguin Verlag
15,00€

 

 

 

 

Hildegunst von Mythenmetz, der größte Schriftsteller Zamoniens, suhlt sich auf der Lindwurmfeste in seinem Erfolg. Da erreicht ihn ein mysteriöses Schreiben, das ihn verlockt, dem Wohlleben Adieu zu sagen und nach Buchhaim zurückzukehren, der »Stadt der Träumenden Bücher«. Dort trifft er auf eine neuerbaute Stadt, die vor Leben rund um das Buch nur so vibriert. Und er begegnet alten Freunden, wie dem Lindwurm Ovidios und den Antiquaren Hachmed Ben Kibitzer und Inazea Anazazi, aber auch neuen Phänomenen und Wundern der Stadt. (Klappentext)

Die Abenteuer des Hildegunst von Mythenmetz gehen weiter. 200 Jahre nach dem großen Brand in Buchhaim hat sich Mythenmetz zum größten Dichter Zamoniens aufgeschwungen. Er ist ein preisgekröntes Literaturgenie und genießt seinen Prominentenstatus. Bei der täglichen Lektüre seiner Fanpost fällt ihm ein Brief in die Hände, der ihn veranlasst, in die Stadt der Träumenden Bücher zurückzukehren. In den 200 Jahren hat sich Buchhaim stark verändert. In die einst mittelalterliche Stadt ist die Moderne eingezogen mit einer florierenden Tourismusbranche.

In Das Labyrinth der Träumenden Bücher steht weniger eine (spannende) Handlung im Vordergrund, als vielmehr die tieferen Einblicke in das fantastische Zamonien. Auf seinen Streifzügen erkundet Mythenmetz das neue Buchhaim und erfährt durch eigene Beobachtungen, Lebende Zeitungen oder alte Bekannte was sich in den vergangenen 200 Jahren alles ereignet hat. Dass sich diese Schilderungen über viele Hundert Seiten hinziehen, wird von Moers im Nachwort großmütig als Mythenmetzsche Abschweifung bezeichnet. Der Ideenreichtum des Autors ist unbestreitbar genial. Für alle, die Bücher und Literatur lieben, ist Buchhaim ein Sehnsuchtsort ohnegleichen. Sie werden von der unglaublichen Vielfalt begeistert aufjauchzen und sich nach Buchhaim wünschen. Auf der anderen Seite wird es auch diejenigen geben, die der geringe Handlungsfortschritt frustriert. Die vollständige Nacherzählung der Handlung aus Teil 1 erscheint überflüssig, wenn man bedenkt, dass die Mehrheit derer, die zu diesem Buch gegriffen haben, bereits große Fans des Vorgängers sind.

Die andere Hälfte des Buches widmet sich dem Puppetismus, einem neuen Phänomen Buchhaims. Auch hier beweist Moers seine schöpferische Genialität, die durch seine Illustrationen veranschaulicht wird. Doch schließlich und letztendlich ist das Buch vorbei und der Leser wird auf Band 3 vertröstet, das höchstwahrscheinlich eine ganze Weile auf sich warten lassen wird.

Aus diesem Grund lässt mich die Lektüre von Das Labyrinth der Träumenden Bücher zwiegespalten zurück. Moers Schreibstil und Kreativität, eine so komplexe Welt wie Zamonien mit Buchhaim und seinen Bewohnern entstehen zu lassen, sind einfach bewundernswert. Aber als Leser des unsagbar fesselnden 1. Teils bleibt man auch ein bisschen geknickt zurück.

Walter Moers: „Die Stadt der Träumenden Bücher“
Piper Verlag
14,00€

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Ulrike Schweikert: „Léon & Claire: Er fand sie im Licht“

 

Ulrike Schweikert
cbt Verlag
empfohlenes Alter: ab 14 Jahren
16,99€

 

 

 

Claire glaubt ihre große Liebe Léon, den Jungen aus der dunklen Welt der Katakomben unter Paris, für immer verloren. Da bekommt sie von einer alten Frau einen geheimnisvollen Stein, den nur Léon ihr geschickt haben kann. Claire spürt, dass er lebt – und spürt die magische Verbindung. Doch die Spur des Steins führt ins Leere. Gleichzeitig kreuzt Cato, der unheimliche Onkel ihres Erzfeindes Adrien, immer wieder Claires Weg. Steht er in Verbindung mit den mächtigen Zauberern des Lichts und der Schatten? Und kann Léon sich jemals aus der dunklen Welt befreien? Verzweifelt versuchen Léon und Claire, in der Stadt der Lichter einen Weg zueinander zu finden. Liebe ist Magie, doch ist sie stärker als die Magie des Schattens? (Umschlagtext)

Düster, magisch und mitreißend!

Dies ist der zweite und auch letzte Band der Léon und Claire-Reihe. Er beginnt, wo Band eins auf so dramatische Weise endete. Immer diese gemeinen Cliffhanger! Claire hält Léon für tot und muss mit dem Verlust und der Trauer zurechtkommen. Doch Léon wird von der Lichtkönigin gefangen gehalten und gefoltert, um den Schatten hervorzulocken. Es gelingt ihm schließlich, seinen Freunden Jannine und Marcell eine Nachricht zukommen zu lassen. Und die Suche nach Léon beginnt.

Durch die düstere Atmosphäre wird man selbst als Leser ganz melancholisch und verweifelt. Man sehnt sich danach, dass Léon und Claire endlich wieder zueinander finden. Fast 250 Seiten lang lässt die Wiedervereinigung auf sich warten. Das war mir eindeutig zu lang, ein ständiges Hin und Her mit diesen magischen Steinen und dann auch noch die Suche nach einer Ratte! Die historischen Rückblicke, die einem Léons Vergangenheit näherbringen, sind wirklich sehr informativ und hervorragend recherchiert, jedoch vielleicht ein bisschen zu detailliert. Mir kam es so vor, als sollte das ersehnte Zusammentreffen der Hauptfiguren durch diese ausschweifenden Schilderungen des Deutsch-Französischen Krieges hinausgezögert werden, um die Spannung ins Unermessliche zu steigern. Für meinen Geschmack war das schon etwas übertrieben zu lang.

Das Ende hat mich leider nicht ganz befriedigt. Irgendwie bin ich mehr der Typ, der sich wünscht, dass die Helden am Ende in den Sonnenuntergang reiten und glücklich bis ans Ende ihrer Tage leben, was natürlich nicht zu dieser Geschichte gepasst hätte. Es scheint, als ob sich die Autorin ein Hintertürchen offen gelassen hat, um vielleicht doch noch einen Band hinterher schieben zu können. Genügend Fragen sind auf jeden Fall offen geblieben.

Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen. Die von der Autorin erzeugte Atmosphäre ist packend und düster vom Anfang bis zum Ende. Auch die Beschreibungen von Paris sind so lebendig, dass ich die Stadt wirklich vor Augen hatte. Besonders gefallen hat mir Marcell, der nicht nur ständig die Figuren im Buch rettet, sondern auch die treibende Kraft ist, die der Handlung immer mal wieder einen Schubs nach vorn gibt.

 

Ulrike Schweikert: „Léon & Claire – Er trat aus den Schatten“ (Léon & Claire-Reihe, Band 1)

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Benne Schröder: „Zum Teufel mit der Liebe. Catalea Morgenstern. Band 2“

 

Benne Schröder
LYX-Verlag
empfohlenes Alter: ab 16 Jahren
10,00€

 

 

Teufelin werden? Never Ever!

Das kann doch nicht wahr sein! Gerade erst hat Catalea Morgenstern widerwillig akzeptiert, dass sie die Tochter des Teufels ist – da verschwindet dieser plötzlich, und ausgerechnet sie soll seinen Platz einnehmen und die Hölle schmeißen. Aber nicht genug, dass sie dabei von einem Fettnapf in den nächsten tritt und sich die komplette Unterwelt gegen sich stellt – auch ihre große Liebe Timur wendet sich eifersüchtig von ihr ab. Schuld daran ist vor allem Cataleas neuer (und verdammt heißer) Assistent Kaspian. Und auf einmal muss Catalea sich entscheiden, was ihr wichtiger ist: das Wohl der Familie oder ihr Herz …

Ein höllisches Vergnügen!

Ehrlich gesagt, hat mich dieses Buch total verblüfft. Ein junger Radiomoderator schreibt aus der Sicht einer weiblichen Protagonistin über die Liebe und die Hölle. Und das macht er verdammt gut. Zum Teufel mit der Liebe ist der Folgeband von In der Liebe ist die Hölle los. Ich bin mit Band 2 in die Reihe eingestiegen, ohne Schwierigkeiten zu haben, mich in die Geschichte hineinzufinden. Die Handlung beginnt ohne Umschweife. Der Teufel ist verschwunden und Catalea Morgenstern soll an seiner Stelle die Hölle leiten. Schwups. Schon ist man mittendrin.

Mit Catalea hat Benne Schröder eine Hauptfigur erschaffen, die auf der einen Seite tough genug ist, als Teufelin in Vertretung die Hölle zu schmeißen, und die gleichzeitig eine symphatische, junge Frau mit Schwächen und Gefühlen ist, die einem Gläschen Chardonney dann und wann nicht abgeneigt ist. Alle Figuren im Roman sind äußerst intensive Charaktere. Die Dialoge haben richtig Pfeffer, strotzen vor bissigem und trockenem Humor, sodass man jede Seite mit einem diabolischen Grinsen im Gesicht liest.

Nur mit der Vorstellung von der Hölle hatte ich einige Probleme. Im Roman wird die Hölle als Firma bezeichnet, die wie eine Stadt aufgebaut ist. Im Zentrum befinden sich die Hochhäuser der – nennen wir sie Geschäftsführer und Vorstandsmitglieder. Drumherum befinden sich die Höllenkreise, in denen die Seelen der Verstorbenen ebenfalls in Häusern leben. Das alles erschien mir ein bisschen zu sehr wie das Diesseits. Schließlich fahren die da unten auch mit Autos, Catalea reist in die äußeren Kreise wie Herzogin Kate in Dritte Welt Länder und möchte dort die ‚Lebensbedingungen‘ der Bewohner verbessern.  In der Hinsicht hatte ich wohl einfach ein paar andere Erwartungen an die Handlung. Macht aber nichts. Ich fand das Buch so super, dass ich auf jeden Fall noch Band 1 nachholen werde.

Zum Schluss noch einen lieben Dank an den Verlag für die Zusendung eines Rezensionsexemplars!

 

 

„In der Liebe ist die Hölle los“ Band 1 der Catalea-Morgenstern-Reihe

 

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Terry Brooks: „Die Shannara-Chroniken: Die Erben von Shannara 1. Heldensuche“

Terry Brooks
Blanvalet-Verlag
ISBN: 978-3734161391
9,99€

 

 

 

Der letzte Druide Allanon ist bereits seit drei Jahrhunderten tot. Inzwischen ist in den Vier Ländern Magie verboten, und die sogenannten Sucher verfolgen jeden, der ihre Gesetze missachtet. Da erhält Par Ohmsford von Allanons Schatten den Auftrag, das Schwert von Shannara zu finden und die Vier Länder von der Unterdrückung der Sucher zu befreien. Doch als er die mächtige Waffe endlich in den Händen hält, macht Par eine grausame Entdeckung – und steht vor der schwersten Entscheidung seines Lebens. (Klappentext)

Für diesen Beitrag musste ich einiges recherchieren, schon während des Lesens und besonders jetzt im Nachhinein. Denn ich gestehe, mich hat schlicht das Cover angezogen wie das Licht die Motte. Den Klappentext habe ich vollkommen übergangen. Alles, was mir ins Auge sprang, war der große Schriftzug SHANNARA. Da knüpften die Synapsen in meinem Hirn sofort eine Verbindung: das war doch diese viel beworbene Serie auf Amazon Prime, von der ich sogar eins zwei Folgen gesehen hatte! Wegen der Jungdarsteller, deren schauspielerisches Talent mich leider nicht überzeugen konnte, bin ich aber ausgestiegen. Vielleicht wäre das Buch ja besser? Diese vermeintlich neue Ausgabe hat ja auch ein schöneres Cover. Hm. Ja. Mein Irrtum.

‚Die Erben von Shannara‘ ist der 4. Band der Shannara-Chroniken und gleichzeitig der Beginn einer neuen, eigenständigen Reihe. Die Handlung startet 300 Jahre nach dem Ende des 3. Bands. Dem Klappentext nach zu schließen, schien mir diese fortführende Geschichte vielversprechend und ich war wirklich willens, mich in diese Fantasy-Welt hineinzuversetzen. Aber leider konnte mich das Buch ganz und gar nicht fesseln. Zu einem großen Teil liegt das an Terry Brooks Schreibstil, der sich am besten mit langatmig und staubtrocken beschreiben lässt. Es fehlt an Witz und Schwung. Die Figuren sind farblose Gestalten, die unmotiviert durch die Handlung schlurfen. Gut, die Handlung bietet ja auch wenig Abwechslung.

Ich fühlte mich stellenweise an Tolkiens Herr der Ringe erinnert, was vermutlich daran liegt, dass häufig von den Gefährten die Rede ist. Die Landschaftsbeschreibungen sind sehr gelungen und schaffen einen Hauch der düsteren Atmosphäre. Kurz denkt man, jetzt ist man endlich in der Geschichte angekommen. Allerdings wäre eine Landkarte der ‚Vier Länder‘ wirklich nützlich gewesen. So ließ sich der Weg der Gefährten schlecht verfolgen und die vielen geografischen Beschreibungen verwirrten. Und damit war man aus der Handlung wieder raus.

Den größten Respekt habe ich vor der Schreibleistung als solche. 542 Buchseiten zu füllen, ist beachtlich.

Und sich durch sie hindurch zu quälen, finde ich noch viel beachtlicher.

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