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Nalini Singh: „Cherish Hope“ (Hard Play, Band 2)

Nalini Singh
LYX Verlag
empfohlenes Alter: ab 16 Jahre
12,90€

Er steht für alles, was sie nicht will und doch verfällt sie ihm hoffnungslos

Nayna Sharma liebt ihre Familie über alles. Daher hat sie deren Drängen nachgegeben und zugestimmt zu heiraten – einen Mann, den ihre Eltern für sie auswählen. Doch schnell bereut sie ihre Entscheidung, denn jeder Kandidat ist schrecklicher als der zuvor. Und so beschließt sie, ein letztes Mal auszubrechen – und findet sich in den Armen eines Fremden wieder, der mit seinen Küssen und Berührungen Gefühle in ihr auslöst, die sie nie zuvor gespürt hat. Doch als sie ihm gesteht, dass sie nur eine Nacht will, beendet der geheimnisvolle Unbekannte ihr Abenteuer abrupt. Nayna ist verwirrt – und staunt nicht schlecht, als ihr ihre Eltern den nächsten Heiratskandidaten präsentieren. Es ist ausgerechnet der begnadete Küsser, der sie eiskalt abserviert hat… (Klappentext)

Bollywood mit pikanten Szenen

Wer von euch mag Bollywood genauso gerne wie ich? Ich besitze jede Menge Filme, sogar die Soundtracks dazu, und ich habe mich durch die gefühlt 6 Millionen Folgen von Jodha Akbar geguckt. Auf den ersten Seiten von „Cherish Hope“ dachte ich: Ja! Das ist genau meins. Endlich Bollywood in Buchform.

Nayna entstammt einer traditionellen Familie, sie selbst achtet und schätzt Familie und Traditionen sehr hoch. Nachdem ihre ältere Schwester Schande über die Familie brachte, als sie vor Jahren mit einem Mann durchbrannte, ordnet Nayna sich den Grundsätzen ihrer Familie unter und versucht, es allen immer recht zu machen. Also stimmt sie zu, dass ihre Eltern einen geeigneten Ehemann für sie finden. Die Suche gestaltet sich schwierig, denn die meisten Kandidaten entpuppen sich als Schwachköpfe. Die ganze Prozedur der arrangierten Ehe ist für uns natürlich mit Vorurteilen belastet. Aber Nalini Singh schildert die Szenen unglaublich amüsant und es ist ja auch nicht so, dass Nayna gezwungen wird oder ihre Eltern sie mit irgendwem auf Teufel komm raus verheiraten wollen. Insgesamt ist Nayna eine moderne Frau. Sie hat studiert, arbeitet als Finanzexpertin und möchte ein selbstbestimmtes Leben führen, wofür sie dann auch kämpft.

Als männlichen Gegenpart gibt es Raj. Hm. Also abgesehen von seinem gottgleichen Aussehen gibt es nichts, was an ihm interessant gewesen wäre. Er bedient das Klischee des sexy Bauarbeiters. Eigentlich sollte er die starren Traditionen verkörpern, indem er sich eine Frau wünscht, die für ihn kocht und Kinder kriegt. Ich konnte nicht wirklich nachvollziehen, was Nayna an ihm reizt. Sie bezeichnet ihn häufig als sexy Adonis und ihren Liebhaber. Wäre mir für eine tiefgründige Liebe zu wenig. Die Beziehung zwischen den beiden dreht sich auch lange Zeit im Kreis, was für einige Langeweile beim Lesen sorgt. Ziemlich viele Phrasen werden ständig wiederholt.

Zwischendrin gab es immer wieder großartige Momente. Die Nebencharaktere entspringen geradewegs einem Bollywoodfilm. Nalini Singh beschreibt die Traditionen, die wunderschönen Gewänder und Feiern so schillernd, dass ich sie bildlich vor Augen hatte. Also trotz der übertriebenen, kitschigen und platten Liebesgeschichte zwischen den Hauptcharakteren würde ich das Buch empfehlen. Alle, die Bollywood lieben, werden die Parallelen im Buch zu schätzen wissen und sich unglaublich amüsieren.

„Cherish Hope“ ist der zweite Band der Hard Play-Reihe von Nalini Singh.

Bisher ist bereits erschienen:

Auf diese Bände können wir uns noch freuen:

Band 3 erscheint am 28. August 2020
Band 4 erscheint am 28. August 2020

Vielen lieben Dank an die Bloggerjury und LYX für das Rezensionsexemplar!

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Historische Romane Rezensionen Romane Uncategorized

Kate Mosse: „Die brennenden Kammern“

Kate Mosse
Lübbe Verlag
empfohlenes Alter: ab 16 Jahre
22,00€

Ein dunkles Geheimnis, eine große Liebe, ein verhängnisvoller Verrat

Carcassonne, 1526: Die neunzehnjährige Minou Joubert, Tochter eines katholischen Buchhändlers, erhält eines Tages einen versiegelten Brief mit nur fünf Worten: „Sie weiß, dass Ihr lebt.“ Doch noch bevor sie herausfinden kann, was hinter der mysteriösen Botschaft steckt, wird die Begegnung mit dem Protestanten Piet Reydon ihr Leben für immer verändern. Denn der junge Hugenotte hat eine gefährliche Mission. Als er zu Unrecht des Mordes beschuldigt wird, verhilft Minou ihm zur Flucht aus der Stadt. Erst in einem einsamen Bergdorf kommen sie dem Rätsel um den geheimnisvollen Brief auf die Spur. (Klappentext)

Die Hugenottenkriege und das Geheimnis einer Familie

In diesem Reihenauftakt geht es um den Glaubenskrieg zwischen Katholiken und Hugenotten im Frankreich des 16. Jahrhunderts. Die Hugenotten waren die Protestanten Frankreichs und vertraten in Anlehnung an Martin Luthers 95 Thesen bestimmte Ansichten zur Ausübung ihrer Religion. Insgesamt umfassen die Hugenottenkriege einen Zeitraum von 300 Jahren und sind geprägt durch Gewalt und Vertreibungen. Die Handlung setzt ein, mit Beginn der Bürgerkriege im Jahre 1562 (kleiner Zahlendreher auf dem Einband).

Minou ist eine herzensgute junge Frau, die sich nach dem Tod der Mutter rührend um ihre Geschwister, den trauernden Vater und die Buchhandlung der Familie kümmert. Aber wenn es die Situation erfordert, ist sie unglaublich mutig und bereit, für ihre Ansichten einzutreten. Sie trifft auf den Hugenotten Piet Raydon und verhilft ihm zur Flucht vor seinem ehemaligen Freund Vidal, der als aufstrebender katholischer Priester das Bischofsamt von Toulouse begehrt und seinen früheren Freund nun als Feind betrachtet. Ihn unterstützt die Herrin von Puivert, eine einflussreiche und zugleich grausame Frau. Das Schicksal von Blanche ist mit dem von Minou verbunden. Die Auflösung dieses Rätsels bildet die Kernhandlung des Romans. Die Liebesgeschichte zwischen Piet und Minou dagegen empfand ich als nebensächlich. Die persönlichen Intrigen und Glaubenskriege dominieren ganz klar das Geschehen.

Ich tue mich mit historischen Romanen ein bisschen schwer. Einerseits bleibe ich an ihnen haften, weil die historischen Bezüge die Handlung faszinierend real gestalten. Andererseits strotzen solche Romane häufig vor Gräueltaten, wofür ich wohl etwas zu zartbesaitet bin. In „Die brennenden Kammern“ werden Folter, Mord und Krieg weite Teile der Handlung gewidmet, was das Buch für mich zu einer schweren Kost macht. Die Familiengeschichte wiederum hat mir gut gefallen. Verschwundene Dokumente, mysteriöse Nachrichten, Entführung. Alles echt spannend, wenn man sich dann in die Handlung eingelesen hat. Am Anfang stürmt eine Vielzahl von Charakteren auf einen ein, die man erst einmal sortieren muss. Viele Charaktere verschwinden aber auch schnell wieder in den Folterkammern…

Insgesamt war es nicht der ultimative historische Roman, der mich von Anfang bis Ende gefesselt hat. Der historische Hintergrund ist gut recherchiert, das Familiengeheimnis besitzt viele Ebenen. Vermutlich weist die Handlung gerade deshalb einige Längen auf, damit auch alle Facetten entsprechend beleuchtet werden. Mich verwirrt nach wie vor der Prolog, der am Ende keineswegs mehr aufgegriffen wird. Hier muss man sich wohl bis zu den Folgebänden gedulden und darf bis dahin nichts vergessen. Fans von Kate Mosse und historischen Romanen mit einer ordentlichen Portion Gewalt dürften auf ihre Kosten kommen.

Vielen lieben Dank an den Verlag für das bereitgestellte Rezensionsexemplar!

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Yangsze Choo: „Nachttiger“

Yangszee Choo
Wunderraum Verlag
22,00€

Britisch-Malaya in den 1930-Jahren. Zwischen Dschungel und Kolonialvillen lauert eine geheimnisvolle Gefahr…

Der chinesische Houseboy Ren ist in geheimem Auftrag unterwegs: Er soll den amputierten Finger seines Herrn finden, um ihn mit dem Toten zu bestatten. Nur so kann dessen Seele Ruhe finden. Neunundvierzig Tage bleiben Ren für seine Mission, die ihn zu einem britischen Arzt und der Tänzerin Ji Lin führt. Doch die Suche ist gefährlich: Ren und Ji Lin geraten in eine Welt von Aberglaube, Liebe und Verrat. Und in eine Serie mysteriöser Todesfälle… (Klappentext)

Historischer Roman und chinesischer Aberglaube

Als ich mich auf ‚Nachttiger‘ einließ, war ich völlig unvoreingenommen im Hinblick darauf, was mich erwartete. Nach 600 Seiten bin ich wieder aufgetaucht und habe das Gefühl, Teil eines unfassbar spannenden Abenteuers gewesen zu sein, eine Zeitreise in die 1930er und gleichzeitig Urlaub in Südostasien gemacht zu haben. ‚Nachttiger‘ ist ein packender Mix aus Kriminalgeschichte, Hirstorienroman und exotischem Märchen. Dieser Roman ist auf so vielen Ebenen brillant durchdacht, dass es einem den Atem raubt. Dabei beginnt er lediglich mit einem abgetrennten Finger…

Im ersten Erzählstrang geht es um den 11jährigen Ren, der harte Arbeit gewohnt ist, schon viel Trauer in seinem Leben erfahren hat und über einen ausgeprägten sechsten Sinn zu verfügen scheint. Auf dem Sterbebett gibt ihm sein Herr einen letzten Auftrag: Ren soll seinen fehlenden Finger wiederbeschaffen, damit sein vollständiger Körper begraben werde. Andernfalls – so ein Aberglaube – kehre er als Geistertiger zurück. Seine Suche führt Ren in den Dienst des Chirurgen Dr William Acton. Als die von einem Tiger übel zugerichtete Leiche einer jungen Frau gefunden wird und nahe dem Haus Pfotenabdrücke eines Tiger auftauchen, ahnt Ren, dass ihm die Zeit durch die Finger rinnt.

Im zweiten Erzählstrang geht es um die junge Ji Lin, die in einer Tanzhalle Geld verdient, um die Spielschulden ihrer Mutter zu tilgen, ohne dass der jähzornige Stiefvater Wind davon bekommt. Einer ihrer Tanzpartner hinterlässt Ji Lin einen abgetrennten Finger.

Während die 49 Tage allmählich verstreichen, geschehen eine ganze Reihe mysteriöser Todesfälle. Ji Lins und Rens Wege, so unterschiedlich sie erscheinen, kreuzen sich durch chinesischen Zahlenaberglaube, die Einheit konfuzianischer Tugenden und Mythen über Männer, die sich in Tiger verwandeln. Am Ende bleibt es dem Leser selbst überlassen zu entscheiden, welcher Teil der Geschichte auf das Konto übersinnlicher Begebenheiten geht, oder mit bloßen menschlichen Abgründen erklärt werden kann.

‚Nachttiger‘ ist das zweite Buch von Yangsze Choo, aber das erste, das in deutscher Übersetzung erschienen ist. Es bleibt nur zu hoffen, dass es weitere Bücher aus der Feder dieser Autorin geben wird, denn ‚Nachttiger‘ ist ein wundervolles Gesamtkunstwerk, ein Mix verschiedener Genres mit einer bildhaften Sprache, die einen wie einen Sog erfasst und in die Geschichte zieht.

Vielen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar!

Yangsze Choo: „The Ghost Bride“
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Jane Austen: „Vernunft und Gefühl“

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Jane Austen
Penguin Verlag
10,00€

Zwei ungleiche Schwestern auf der Suche nach der Liebe

Die eine ist voller Lebenslust und Temperament, die andere beherrscht und vernünftig. Marianne Dashwood ist das genaue Gegenteil ihrer älteren Schwester Elinor, und so stürzt sie sich nach dem Tod ihres Vaters kopflos in eine Romanze mit dem begehrten Frauenschwarm John Willoughby – und wird bitter enttäuscht. Doch als auch Elinor entdeckt, dass sie von dem Mann ihres Herzens hintergangen wurde, müssen die ungleichen Schwestern lernen, dass sie den Weg der Liebe nur mit Unterstützung der jeweils anderen finden können … (Klappentext)

Ein zeitloser Klassiker

Jane Austens Debütwerk ist ein intelligent konzipierter Gesellschaftsroman, in den die Liebesgeschichten zweier Schwestern verflochten sind. Vom Umfang her und aufgrund der zahlreichen Akteure mit ihren familiären Verstrickungen kann der Roman einen anfangs ziemlich einschüchtern. Mir persönlich ging es so. Ich habe ‚Verstand und Gefühl‘ erst im zweiten Anlauf geschafft. Mit Andrea Otts moderner und geschmeidiger Neuübersetzung gelingt der Einstieg in den Kreis der Dashwood-Schwestern von der ersten Seite an. Wie herrlich kann man das Gespräch zwischen John Dashwood und seiner Frau Fanny genießen, in dem gleich zu Beginn der Geschichte Johns großzügige Gabe von jeweils eintausend Pfund für jede Schwester binnen weniger Seiten auf nichts reduziert wird. Meisterhaft argumentiert von Fanny.

Allein dieses Gespräch ist das beste Beispiel für Jane Austens scharfsinnigen Blick auf die Gesellschaft. Ihr gelingt es mit einem feinen ironischen Pinselstrich die gesellschaftlichen und menschlichen Eigenarten zu entlarven. Sie karikiert die Komik alltäglicher Begebenheiten mit einer sprachlichen Eleganz, wie sie meines Erachtens bei keinem anderen vorkommt.

Wie in allen Austen Romanen stehen junge, ledige Frauen der höheren bürgerlichen Schicht im Mittelpunkt der Handlung. Den Dashwood-Frauen bleiben nach dem Tod des Vaters wenig Mittel, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Aufgrund der Erbfolge geht sämtlicher Besitz an den nächsten männlichen Erben und sie sind von dessen Wohlwollen abhängig. Dass John Dashwood seinen Halbschwestern nichts weiter angedeihen lässt, erfährt der Leser ja gleich zu Beginn. Und so ziehen die drei Schwestern mit ihrer Mutter aufs Land in ein bescheidenes Cottage. Sowohl Elinor als auch Marianne erleben ihre eigenen Liebesgeschichten, die voll Drama, Intrigen und Verwicklungen sind. Elinor ist die ältere, besonnene Schwester, die sich ihrer gesellschaftlichen Pflicht stets bewusst ist. Sie verkörpert die titelgebende Vernunft. Dagegen ist Marianne leidenschaftlich und impulsiv. Ihr ist das Gerede der Menschen gleichgültig, sie lebt ihre Gefühle offen aus. Beide Schwestern erfahren erst bittere Enttäuschung, ehe sie in der Liebe Glück finden.

Am unterhaltsamsten sind jedoch die Nebenfiguren, die ein breitgefächertes Spektrum menschlicher Verhaltensweisen verkörpern. Auch in ihnen zeigt sich Jane Austens boshafter Blick. Ihre Figuren sind geizig, eifersüchtig, gierig, wohlwollend, naiv, vulgär und und und. In ‚Vernunft und Gefühl‘ wimmelt es vor lauter Archetypen, die von Austen meisterhaft karikiert werden. Aus diesem Grund sind alle Romane aus Jane Austens Feder so zeitlos. Wer ‚Vernunft und Gefühl‘ nicht liest, ist selber schuld!

Hier könnt ihr noch meine Rezension zu „Stolz und Vorurteil“ lesen!
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Heidi Swain: „Träume sind aus Zimt und Zucker“ (Die Kirschblüten-Reihe, Band 2)

Heidi Swain
Penguin Verlag
10,00€

Küsse unter dem Mistelzweig

Als ihre Freundinnen sie um Hilfe bitten, zögert Ruby nicht lange und eilt zurück in ihre verträumte Heimatstadt Wynbridge. Auf dem Weihnachtsmarkt soll sie Leckereien aus dem beliebten Kirschblütencafé verkaufen – der perfekte Ferienjob! Zwischen duftenden Plätzchen und wärmendem Glühwein kann Ruby von ihrer Zukunft träumen. Doch dann taucht ihr Ex-Freund Steve am Nachbarstand auf, über den sie nie wirklich hinweggekommen ist. Und plötzlich fällt es Ruby alles andere als leicht, sich auf die Köstlichkeiten in ihrer Auslage zu konzentrieren… (Klappentext)

Weihnachtlich und kurzweilig

Was gibt es schöneres, als in der Weihnachtszeit zwischen verträumten Buchtiteln und romantischen Covern zu schwelgen. „Träume sind aus Zimt und Zucker“ fängt allein schon rein optisch die weihnachtliche Gemütlichkeit ein. Und beim Lesen des Titels glaubt man den Duft von frischen Kräppelchen in der Nase zu haben. Es ist der zweite Band aus der Kirschblüten-Reihe, die in dem kleinen britischen Städtchen Wynbridge spielt.

Die Handlung ist stimmungsvoll und kurzweilig. Ruby hat ihr vielversprechendes Studium abgebrochen, um auf dem Weihnachtsmarkt ihrer Heimatstadt die Köstlichkeiten und Basteleien aus dem Kirschblütencafé zu verkaufen. Mit dem Geld möchte sie ihre Reisekasse aufbessern. Rubys Vater blickt natürlich sorgenvoll auf die Zukunft und Karriere seiner Tochter. Schließlich hat sie einen Abschluss mit Auszeichnung. Der Konflikt zwischen Vater und Tochter führt immer wieder zu den gleichen Dialogen, was spätestens nach der fünften Wiederholung Langeweile hervorruft. Von den zahlreichen Nebenfiguren, die durch Wynbridge wuseln, schwirrte mir der Kopf. Ich hatte leider wirklich Probleme, die vielen Namen den Figuren zuzuordnen plus deren persönliche (Liebes-) Dramen im Gedächtnis zu behalten. Dagegen half nicht einmal, dass ich bereits Teil 1 dieser Reihe gelesen hatte.

Ruby engagiert sich sehr für den Erhalt des Weihnachtsmarktes und bringt jede Menge Ideen für dessen Aufwertung und Verbesserung ein, nicht ahnend, dass im Hintergrund eine regelrechte Verschwörung der Stadtverwaltung läuft. Es ist süß, wie die Gemeinschaft des kleinen Städtchens durch das gemeinsame Ziel zusammengeschweißt wird. Auch wenn die Geschichte stellenweise überzeichnet ist, vermittelt sie eine sehr schöne Weihnachtsbotschaft.

Rubys Liebesgeschichte fand ich dagegen ziemlich fade. Es mangelt deutlich an Schwung. Beide Figuren befinden sich von Beginn an am selben Punkt ihrer Beziehung – getrennt, aber ganz offensichtlich noch mit Gefühlen für den jeweils anderen. Von den Gefühlen merkt man nicht viel, es gibt keine interessanten Auseinandersetzungen, kaum eine richtige Entwicklung.

Sehr gelungen ist aber das Flair einer britischen Kleinstadt zur Weihnachtszeit. Die Autorin kreiert eine gemütliche winterlich-weihnachtliche Atmosphäre. Der Roman ist äußerst kurzweilig und liest sich ebenso rasant weg. Als unaufregende Lektüre zwischen den Jahren fand ich ihn super. Ließ sich hervorragend zu einem Becher Punsch und Lebkuchen wegschmökern.

Herzlichen Dank an den Verlag für das kostenlos zur Verfügung gestellte Rezensionsexemplar.

Heidi Swain: „Frühling im Kirschblütencafé“ (Die Kirschblüten-Reihe, Band 1)
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ab 16 Jahre Rezensionen Romane

Sarah Perry: „Melmoth“

Sarah Perry
Eichborn Verlag
empfohlenes Alter: ab 16 Jahre
24,00€

Ein fesselnder und wunderbar unheimlicher Roman

Helen Franklins Leben nimmt eine jähe Wende, als sie in Prag auf ein seltsames Manuskript stößt. Es handelt von Melmoth – einer mysteriösen Frau in Schwarz, der Legende nach dazu verdammt, auf ewig über die Erde zu wandeln. Helen findet immer neue Hinweise auf Melmoth in geheimnisvollen Briefen und Tagebüchern – und sie fühlt sich gleichzeitig verfolgt. Liegt die Antwort, ob es Melmoth wirklich gibt, in Helens eigener Vergangenheit? (Klappentext)

Eine Studie über menschliche Abgründe statt Schauermärchen

Speziell für die Herbstzeit schien mir dieser „fesselnde und wunderbar unheimliche Roman“ bestens geeignet. Doch leider weckt der Klappentext vollkommen falsche Erwartungen. Prag – die Goldene Stadt – war einstmals kulturelles und politisches Zentrum. Mit seinen verwinkelten Gässchen, den historischen Bauten, unzähligen Kirchen und Brücken und einer bewegenden Vergangenheit bietet sich die Stadt als Schauplatz einer Schauergeschichte geradezu an. Und dann wird einem auch noch die Legende um eine Frau in Schwarz versprochen, die auf ewig dazu verdammt ist, auf Erden zu wandeln. Ich war sehr begierig darauf, mich gruseln zu lassen und wollte mich total auf die Handlung einlassen. Allerdings erwies sich dieses Vorhaben als nicht ganz leicht.

Zuerst einmal ist Melmoth keine tschechische Legende. Davon bin ich fälschlicherweise ausgegangen und hatte gedacht, dass Prag daher eine gewichtigere Rolle in der Handlung einnehmen würde. Aber eigentlich hätte die Handlung auch an jedem anderen beliebigen Ort auf der Welt spielen können. Es geht hauptsächlich um ein Manuskript, in dem verschiedene Berichte, Aufzeichnungen und Briefe über die Begegnung mit Melmoth zusammengetragen wurden. Diese Berichte stammen aus unterschiedlichen Ländern und Epochen. Helen Franklin wurde das Manuskript unter unheimlichen Umständen ausgehändigt. Helens Lektüre der Aufzeichnungen nimmt einen Großteil des Buches ein. Immer geht es um Menschen, die eine besonders schwerwiegende Schuld auf sich geladen haben und von Melmoth, der Zeugin, beobachtet wurden, bis sie der Sagengestalt mit den blutigen Füßen tatsächlich begegnet sein sollen. Da auch Helen ein Geheimnis aus der Vergangenheit mit sich herumträgt, verfällt sie bald der paranoiden Vorstellung, selbst in Melmoths Visier geraten zu sein.

Die verschiedenen Figuren und ihre Schilderungen über ihr Leben bis Melmoth sich ihnen offenbart haben soll, sind sehr ausschweifend beschrieben. Insbesondere der Bericht über die Nazizeit und Judenverfolgung wird in allen Schrecknissen ausgeschlachtet und nimmt einen derart hohen Stellenwert ein, dass ich mittendrin dachte, ich bin in einem Buch über den 2. Weltkrieg gelandet. Hier ist die Autorin ziemlich vom Thema abgekommen.

Jedenfalls wartet man mehr oder minder gespannt darauf, mehr über Helen zu erfahren und welche Schuld sie auf sich geladen hat. Die Enthüllung dessen haut einen nach den Bildern der Judenverfolgung echt nicht mehr von den Socken. Dagegen nimmt sie sich sogar ausgesprochen banal aus und erst recht das (Happy) End wirkt schon fast ein bisschen lächerlich.

 Ein anderer Kritikpunkt ist für mich der Schreibstil. Bei Sätzen wie „Schauen Sie!“ oder „Haben Sie den Schatten hinter Helen bemerkt?“ hatte ich das Gefühl, als würde die Autorin mein Kinn packen und in die Richtung rucken, in die ich zu gucken hatte. Es ist definitiv nicht leicht in „Melmoth“ einzutauchen und derartige Wendungen haben mich immer wieder aus der Handlung gerissen. Auch die vielen Figuren, die im Buch vorkommen, sind abstoßend. Selbstverständlich, denn sonst wären sie ja keine Zielscheibe für Melmoth.

Zwar sehe ich den roten Faden, den die Autorin gesponnen hat, aber leider wird der häufig überlagert von den zu ausführlichen Berichterstattungen in den Manuskriptseiten, den zahlreichen Figuren und ihren Problemen, die teils absolut nichts mit Melmoth zu tun haben. Und letztendlich der Schreibstil, der mir die Lektüre einfach zusätzlich erschwert hat.

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ab 16 Jahre Historische Romane Rezensionen Romane

Esi Edugyan: „Washington Black“

Esi Edugyan
Eichborn Verlag
empfohlenes Alter: ab 16 Jahren
24,00€

Die Flucht ist nur der Anfang

Barbados, 1830: Der schwarze Sklavenjunge Washington Black schuftet auf einer Zuckerrohrplantage unter unmenschlichen Bedingungen. Bis er zum Leibdiener Christopher Wildes auserwählt wird, dem Bruder des brutalen Plantagenbesitzers. Christopher ist Erfinder, Entdecker, Naturwissenschaftler – und Gegner der Sklaverei. Das ungleiche Paar entkommt in einem selbst gebauten Luftschiff von der Plantage. Es beginnt eine abenteuerliche Flucht, die die beiden um die halbe Welt führen wird.


Eine Geschichte von Selbstfindung und Verrat, von Liebe und Erlösung. Und eine Geschichte über die Frage: Was bedeutet Freiheit?  (Klappentext)

Ein lebendiger Schreibstil, aber ein Bruch in der Handlung

Washington Black wird als Sklave geboren und kennt nichts anderes, als zu schuften und Misshandlungen und Gräueltaten durch den Plantagenbesitzer und seine Aufseher mitzuerleben und zu fürchten. Als Leser ist man sofort mittendrin in den von Esi Edugyan geschaffenen, emotional aufwühlenden und verstörenden Bildern. Die Autorin schildert die Schrecken der Sklaverei recht unverblümt, jedoch ohne die Seiten mit unnötig schauderhaften und blutrünstigen Details vollzustopfen. Es ist eine gemäßigtere Darstellung der Sklaverei, die dadurch aber nicht weniger bedrückend wirkt. Das scheinbar ausweglose Schicksal des Washington Black, der ja nur ein kleiner Junge ist, zieht einen sofort in seinen Bann.

Als der Bruder des Plantagenbesitzers zu Besuch kommt, wendet sich Washs Leben. Titch wählt ihn zu seinem Leibdiener und bringt dem Jungen Lesen und Schreiben bei. Dabei entdeckt er Washs zeichnerische Begabung die Natur detailgenau einzufangen. Titch selbst ist Wissenschaftler mit einem ausgeprägten Vater-Komplex. Sein Hauptanliegen ist die Fertigstellung eines Luftschiffes, mit dem er und Wash schließlich von der Plantage fliehen müssen. Ab diesem Moment beginnt die abenteuerliche Reise von der tropischen Insel bis ins eisige Polargebiet. Und ab diesem Moment erfährt auch das Buch eine Wendung. Das auf dem Cover gepriesene Luftschiff geht nach nur einem kurzen Flug kaputt und spielt danach im Buch keine Rolle mehr. Schade, denn irgendwie hat man sich mehr erhofft.

In der zweiten Hälfte des Buches soll die Suche nach Freiheit eine zentrale Rolle spielen. Jede Figur sucht sie auf unterschiedliche Weise. Da sämtliche Figuren sehr vielschichtig und einige nicht unbedingt sympathisch sind, muss man schon etwas grübeln, wer seine Freiheit wie zu finden gedenkt. Washington Black hingegen hindert sich im gesamten Verlauf selbst daran, seine persönliche Freiheit zu finden. Natürlich ist seine Situation als Ex-Sklave schwierig, doch er hat eine gewisse Ausbildung erfahren und bewegt sich mühelos in intellektuellen Kreisen. Besonders der letzte Teil der Handlung wird von Washingtons fanatischer Suche nach seinem ehemaligen Wegbegleiter (und unabdingbaren Wegbereiter?) dominiert. Er ergreift keine der Chancen, die ihm gegeben werden, um sich ein eigenes Leben aufzubauen und glücklich zu werden. Dabei bieten sich ihm gerade durch sein künstlerisches Talent und seine Bekanntschaft mit einem berühmten Meeresbiologen zahlreiche Möglichkeiten. Diese unentwegt ungenutzt verstreichenden Entwicklungschancen frustrieren beim Lesen.

Am Ende reiht sich ein absurder Zufall an den anderen, bis Wash endlich Titch wiederbegegnet.  Das lang ersehnte Zusammentreffen dieser beiden Figuren fesselt zwar bis zur letzten Seite, doch am Ende kann ich eine gewisse Unzufriedenheit über den Ausgang der Geschichte nicht verleugnen. Was genau will die Autorin uns damit sagen? Da muss doch noch mehr kommen? So viele Fragen bleiben ungeklärt, so viele Fäden hängen in der Luft, dass der Eindruck entsteht, das Buch musste rasch beendet werden, weil keiner mehr genau wusste, worauf es am Ende hinauszielt.

Am Ende möchte ich mich noch beim Verlag bedanken, der mir „Washington Black“ zu Rezensionszwecken überlassen hat!

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ab 14 Jahre ab 16 Jahre Frauenromane Jugendliteratur Rezensionen Romane

Charlotte Lucas: „Fünf Sterne für dich“

Charlotte Lucas
Bastei Lübbe Verlag
empfohlenes Alter: ab 16 Jahre
18,00€

Für ein gutes Leben gibt es ein simples Rezept: Man muss nur alles Schlechte vermeiden.

Davon ist Konrad fest überzeugt, denn er hat schon genug Schlimmes erlebt. Seinen Lebensunterhalt verdient er, indem er bezahlte Rezensionen nach Kundenwunsch schreibt. Auch privat versieht er alles mit Sternen: die flinke Kassiererin, den lauwarmen Kaffee … und Pia, die neue Klassenlehrerin seiner Tochter. Zu hübsch, zu unsicher, nicht geeignet für den Lehrberuf. Gerade mal zwei knappe Sterne von fünf.

Als Pia davon Wind bekommt, will sie Konrad eine Lehre erteilen. Dass er zum neuen Elternvertreter gewählt wird, passt ihr da bestens ins Konzept. So kann sie ihn mit lästigen Aufgaben ordentlich ins Schwitzen bringen. Doch als einer ihrer Schüler gemobbt wird, erweist sich ausgerechnet Konrad als Hilfe… (Klappentext)

Leider nur drei Sterne für dich

Dies ist mein erstes Buch von der Autorin, die unter dem Pseudonym Charlotte Lucas veröffentlicht. Zuerst einmal macht natürlich der Name neugierig. Alle Jane Austen Fans wissen, wovon ich rede. Man fliegt also wie eine Biene zum Honig, angelockt von der süßen Erwartung auf Unterhaltung, die es vielleicht doch ansatzweise mit „Stolz und Vorurteil“ aufnehmen kann. Da auch die anderen Bücher  derselben Autorin gute Rezensionen erhalten haben, war ich zu Beginn der Lektüre mehr als positiv eingestimmt.

Konrad ist alleinerziehend und mit seiner 12jährigen Tochter frisch nach Hamburg gezogen. Sein Talent, Rezensionen zu Produkten zu verfassen, die er weder benutzt noch benötigt, ist beeindruckend. Seine Rezensionen lesen sich amüsant … und ja, irgendwie geht einem ein Licht auf, wenn man sich selbst durch Produktbewertungen klickt und auf gewisse Standardformulierungen trifft. Ansonsten ist Konrad ein überfürsorglicher, absolut gluckenhafter Vater, der seine Tochter Mathilda wie ein Kleinkind behandelt. Alles und jeden packt er in sein Fünf-Sterne-Bewertungsschema. So auch die junge, unerfahrene Klassenlehrerin seiner Tochter, Pia, der selbstverständlich diese gering schmeichelhafte Bewertung ihrer selbst in die Finger fällt. Daraufhin schikaniert sie Konrad, der sich versehentlich als Elternsprecher aufstellen ließ, mit jeder Menge organisatorischer Aufgaben.

Diese Konstellation verspricht einiges an Unterhaltungswert, einen schlagfertigen Kleinkrieg zwischen Vater und Lehrerin, ehe sich die beiden auf romantische Weise einander annähern. Doch leider wird das Potenzial nicht ausgeschöpft. Die Handlung verliert sich in den schulischen Belangen der Klasse 7d, oberflächlichen WhatsApp-Gruppenchats und kindischen Mobbing-Aktionen. Viele Charaktere und Situationen sind überzeichnet. Wenn sie ansatzweise den Charme von „Fack ju Göhte“ gehabt hätte, wäre die Schulgeschichte vielleicht ansprechender gewesen.

So aber wartet man vergebens auf eine charmante Liebesgeschichte. Am Ende kommt kurz ein bisschen Dramatik auf, als das Geheimnis um Mathildas Mutter gelüftet wird. Allerdings finde ich diese Aufklärung nicht stimmig mit der Gesamthandlung. Das alles dominierende Thema ist nun mal die Schulgeschichte. Zwischendrin flammt zaghaft die Liebesgeschichte zwischen Konrad und Pia auf. Das Thriller-Element über den Verbleib von Mathildas Mutter ist zwar aufregend, aber es passt nicht richtig in einen Roman, der von banalen Pausenhofgeschichten beherrscht wird. Von daher frage ich mich am Ende, wer die Zielgruppe von „Fünf Sterne für dich“ sein sollte? Offenbar sollte die ziemlich breit gefächert sein. Leider gibt es von mir nur drei Sterne, die sich hauptsächlich auf die liebevoll gestaltete Aufmachung des Buches beziehen.

Charlotte Lucas: „Dein perfektes Jahr“
Charlotte Lucas: „Wir sehen uns beim Happy End“
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ab 16 Jahre Frauenromane Rezensionen Romane

Petra Hülsmann: „Meistens kommt es anders, wenn man denkt“

Petra Hülsmann
Bastei Lübbe
empfohlenes Alter: ab 16 Jahre
12,00€

So’n Herz hält ganz schön viel aus. Das ist zäh.

Nele hat von der Liebe die Nase gestrichen voll. Ihr neuer Job bei einer angesagten Hamburger PR-Agentur soll ab jetzt an erster Stelle stehen. Inhaber Claas betraut sie mit der Imagekampagne für den Politiker Rüdiger Hofmann-Klasing, dessen Umfragewerte tief im Keller sind – aus gutem Grund, wie sie bald herausfindet. Darüber hinaus beschließt ihr kleiner Bruder Lenny, der das Down-Syndrom hat, sich eine eigene Wohnung zu suchen. Ausgerechnet Nele soll ihn im Kampf mit den besorgten Eltern unterstützen, dabei ist sie doch insgeheim die größte Glucke von allen. Um das Chaos perfekt zu machen, stellt Nele fest, dass Claas mehr als nur ein netter Chef für sie ist und dass er ihr Herz ganz schön zum Stolpern bringt. Aber soll sie sich von der Liebe etwa schon wieder einen Strich durch die Rechnung machen lassen? (Klappentext)

Ein bisschen Kitsch muss manchmal sein

Nele hat schon einige Beziehungen hinter sich, in die sie viel investiert hat. Sie hat sich verbogen und verrenkt, um es ihrem Partner recht zu machen, wurde am Ende jedoch nur enttäuscht, betrogen oder abgeschossen. Damit ist jetzt Schluss. An oberster Stelle steht fortan ihre Karriere in einer Hamburger PR-Agentur. Dass Neles Prinzipien auf die Probe gestellt werden, dafür sorgt ihr charmanter Chef.

Mir gefällt Nele als junge Frau, die sich auf ihre Karriere konzentriert, gute Ideen für Kampagnen einbringt und dafür die Anerkennung bekommt, die sie verdient. Sie ist eine sehr liebenswürdige Figur, die für alles Verständnis aufbringt und immer ihr Bestes gibt. Über so viel Liebenswürdigkeit konnte ich manchmal nur den Kopf schütteln. Bei einer Liebesgeschichte wie dieser muss es keinen zu tiefst komplexen Charakter geben, aber Nele ist in ihrer Perfektion irgendwie eindimensional.  Egal,  was es ist, sie mischt bei allem mit. Ob es die Hochzeitsvorbereitungen ihrer Eltern sind, sie ihren Bruder bei der Suche nach einer Wohnung und Arbeit unterstützt oder ob es die Erstellung von Kampagnen ist. Nele schafft alles mit Bravour. Wie nebenbei erledigt sie die Arbeit ihrer Kollegen, näht die Hochzeitsoutfits, kocht Marmelade und bleibt – abgesehen von den enormen Minderwertigkeitskomplexen, die sie bei mir hervorruft – ein äußerst sympathischer Charakter.

Die Handlung ist nicht so vorhersehbar, wie man vermuten möchte. Viele Klischees, die man bei einer Liebelei zwischen Angestellter und Chef erwartet, werden nicht erfüllt. Das ist sehr erfrischend und sorgt auch für ein gewisses Suchtpotential. Schließlich lässt es einem keine Ruhe, wie es mit den Figuren denn nun wirklich weitergeht. Claas ist definitiv kein Bad Boy, der erobert werden muss. Die Liebesgeschichte zwischen ihm und Nele wird sehr zartfühlend beschrieben. Auch die Nebenfiguren und -handlungen sind detailliert herausgearbeitet und ergeben ein wunderbares Gesamtbild.

„Meistens kommt es anders, wenn man denkt“ ist ein unterhaltsamer Sommerroman, leicht wie eine laue Brise und erzeugt beim Lesen eine wunderbare Sommeratmosphäre von Hamburg und Spaziergängen an der Elbe.

Vielen Dank an Bastei Lübbe und die Lesejury für das Rezensionsexemplar!

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Historische Romane Krimi & Thriller Rezensionen Romane

Graham Moore: „Der Mann, der Sherlock Holmes tötete“

Graham Moore
Eichborn Verlag
empfohlenes Alter: ab 16 Jahre
22,00€

EIN BRUTALER KILLER

Sherlock Holmes‘ berühmter Schöpfer, Sir Arthur Conan Doyle, hat eine neue Obsession: Er jagt einen Serienmörder, der es auf junge Frauen abgesehen hat. Er durchstreift die dunklen Straßen des viktorianischen London – auf der Jagd nach einem Täter, der ihm immer und immer wieder entwischt.

EIN VERSCHOLLENES TAGEBUCH

Conan Doyle hält seine Ermittlungsergebnisse, seine Indizien und Überlegungen in einem Tagebuch fest – ein Tagebuch, das verschwindet und selbst hundert Jahre später noch verschollen ist.

EIN TÖDLICHES GEHEIMNIS

Im London der Gegenwart wird der junge Sherlock-Holmes-Fan Harold in einen Mordfall verwickelt, bei dem es vor Hinweisen auf die Geschichten des berühmten Meisterdetektivs nur so wimmelt. Auch Conan Doyles verschollenes Tagebuch spielt dabei eine wichtige Rolle… (Klappentext)

Elementar…

1893 beschließt Arthur Conan Doyle sich vom Schatten seiner berühmtesten Schöpfung zu befreien und stürzt Sherlock Holmes im Reichenbachfall in den Tod. Die Empörung über den Tod des Meisterdetektives ist enorm. Selbst Jahre später wird Conan Doyle mit Hassschriften und Anfeindungen konfrontiert. Sogar eine Briefbombe wird ihm zugestellt und detoniert an seinem Schreibtisch. Mit enthalten ist ein Zeitungsausschnitt über den Mord an einer jungen Frau im East End, der jedoch von Scotland Yard wenig Beachtung fand. Conan Doyles Aufmerksamkeit ist geweckt und gemeinsam mit seinem Freund Bram Stoker – ja, derselbe, der „Dracula“ geschrieben hat – nimmt er die Ermittlungen auf.

Im Jahre 2010 tritt Harold den Baker Street Irregulars bei, einer Vereinigung von Sherlock Holmes Experten und Gelehrten. Sein versiertestes Mitglied, Alex Cale, behauptet, das verschollene Tagebuch von Sir Arthur Conan Doyle gefunden zu haben. Conan Doyle hat zeitlebens akribisch Tagebuch geführt und aus seinem Nachlass fehlte nur ein einziger Band, der den Zeitraum zwischen Oktober und Dezember 1900 umfasst. Also genau den Zeitraum, in dem Conan Doyle und Stoker auf eigene Faust nach einem Serienkiller suchten.

Die beiden Erzählstränge werden abwechselnd weitergesponnen, sodass durch das gesamte Buch hinweg ein hoher Spannungsbogen aufrecht gehalten wird. Arthur Conan Doyle und sein viktorianisches London werden dermaßen authentisch beschrieben, dass man am Ende das Gefühl hat, wirklich dabei gewesen zu sein. Bisher kannte ich Arthur Conan Doyle nur als Schöpfer von Sherlock Holmes. Der Meisterdetektiv nimmt die Aufmerksamkeit des Lesers so in Anspruch, dass der Mann, der ihn erdachte, traurigerweise ein bisschen zu viel Missachtung erfährt. Umso gefesselter war ich von dem Menschen Arthur Conan Doyle, den Graham Moore – wie ich finde – meisterhaft eingefangen hat. Auch die vielen Zeitgenossen werden unglaublich authentisch dargestellt.

In diesem Erzählstrang steckt wahnsinnig viel Recherchearbeit. Das merkt man. Viele bekannte Persönlichkeiten, die Nähe zu Sherlock Holmes‘ Schöpfer, das düstere London, in dem ein Serienmörder junge Frauen ermordet. Dagegen nimmt sich der Erzählstrang in der Gegenwart deutlich schwächer aus. Mir kam Harold wie eine schwabbelige weiße Masse vor. Wenn er dann noch besser deduziert als Sherlock Holmes es vermocht hätte, kommt das etwas unglaubwürdig rüber. Die Kriminalgeschichte um das Tagebuch ist komplex und leidlich spannend, aber insgesamt habe ich mich mehr auf die Kapitel mit Arthur Conan Doyle gefreut.

Für Sherlockianer – ob Fan der Bücher oder der Serie ist egal – ist dieser Roman auf jeden Fall gutes Lesefutter!

Vielen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar!

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