Monat: April 2019

Charlotte Guillain: „Der weite Himmel über mir“

Charlotte Guillain
mit Illustrationen von Yuval Zommer
Prestel Verlag
empfohlenes Alter: ab 5 Jahre
22,00€

Eine Reise zu den Sternen

Komm mit auf eine Reise in den Weltraum, wo Asteroiden, Raumschiffe und Galaxien zuhause sind, und wieder zurück zur Erde! Finde heraus, wie hoch Zugvögel fliegen und wo die Ozonschicht beginnt, erfahre, wie weit die Planeten des Sonnensystems von der Erde entfernt sind, und besuche die Internationale Raumstation!

In diesem 2,5 Meter langen Leporello-Buch gibt es viel Sehens- und Staunenswertes in den Weiten des Himmels zu entdecken. (Klappentext)

Ein Buch so weit wie der Himmel

„Der weite Himmel über mir“ ist eine Entdeckungsreise, getragen von einem sanften Erzählstil hebt man vom Boden ab und schwebt schwerelos in die unendliche Weite des Himmels. Auf dem Weg durch die Schichten unserer Atmosphäre bis hinauf zur Milchstraße und den Planeten gibt es jede Menge wundersame Dinge zu entdecken. Was befindet sich wohl alles über einem, wenn wir in der Stadt einmal den Kopf vom Asphalt heben und nach oben blicken? Hochhäuser, über die Flugzeuge dahin fliegen, Wetterballons und viel, viel weiter oben Satelliten, eine Raumstation mit Astronauten und die Planeten unseres Sonnensystems. Oder wenn wir in der Natur auf einer Wiese liegen und unser Blick zu den verschiedenen Wolkenformen hinauf gleitet? In luftiger Höhe ziehen Zugvögel vorbei, der Jetstream bestimmt unser Wetter, und was befindet sich eigentlich jenseits unseres Sonnensystems?

Dieses Leporello-Bilderbuch ist ein wahrer Gigant. Die Seiten sind zieharmonikaartig zusammengelegt, beidseitig illustriert und kommen entfaltet auf eine beachtliche Länge von 2,5 Metern. Da wird es eng im Kinderzimmer. Die Seiten sind aus einer sehr stabilen, dickeren Papierstärke gefertigt, dem selbst häufiges Falten nichts anhaben kann. Das Buch lässt sich aber auch lesen, ohne es zu seiner vollen Länge auf dem Fußboden auszulegen. Aber um Kindern ein wirkliches Gefühl für die Entfernungen und die Weite zu vermitteln, ist es schon eindrucksvoller, wenn sich das Leporello quer durchs Zimmer zieht.

Die Illustrationen sind wunderschön ausgearbeitet und haben Wimmelbuchcharakter. Es gibt wahnsinnig viel zu entdecken. Ob es nun Prägungen oder Glitzereffekte sind, es ist einfach ein liebevoll gestaltetes Meisterwerk. Die kurzen Texte sind sehr informativ. Überhaupt steckt in diesem Buch ein solch enormer Wissensschatz, das es ein jahrelanger Begleiter für Kinder sein kann. Die verschiedenen Schichten der Erdatmosphäre oder die Wolkenarten beispielsweise sind Wissen aus dem Geografieunterricht höherer Klassenstufen. Selbst als Erwachsener kann man viel Wissenswertes aus diesem Buch mitnehmen und sich lange damit beschäftigen.

Ich halte „Der weite Himmel über mir“ für ein lehrreiches Bilderbuch für neugierige und aufgeweckte Kinder, aber auch für Erwachsene. Es ist ein gigantisches Werk, nicht nur was die Ausmaße anbelangt.

Vielen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar!

Schaut „Unter meinen Füßen“ nach, wenn ihr aus dem weiten Himmel zum Mittelpunkt der Erde reisen möchtet.

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Felix Bork: „Oh, eine Pflanze“

Felix Bork
Eichborn Verlag
30,00€

Hallo lieber Pflanzenfreund.

Pflanzen sind die Grundlage unseres Lebens. Sie machen Sauerstoff und uns glücklich. In diesem Buch findest du Arten, die du in unserer heimischen Natur entdecken kannst. Wie sie aussehen, wo sie leben und wie sie Sex machen. Und dann geh raus und schau sie dir genau an, denn Pflanzen sind beeindruckend und wunderschön! (Klappentext)

Botanisches Fachwissen humorvoll verpackt

Was hätte ich dafür gegeben, wenn es  dieses Buch schon zu meinen Schulzeiten gegeben hätte! Bestimmt wäre im Biologieunterricht vieles leichter gewesen, verständlicher und definitiv hätte das Lernen mit so einem Buch mehr Spaß gemacht. Denn Felix Bork gelingt es, Wissen auf seine spezielle, humoristische Art zu vermitteln.

In „Oh, eine Pflanze“ widmet er sich ganz der Botanik, stellt Pflanzen, Bäume, Blumen, Gräser und Sträucher unserer heimischen Flora vor. Zu jedem Kapitel gibt es einen knappen einleitenden Text mit viel fachlichem Inhalt. Typisch Felix Bork befinden sich erläuternde Kritzeleien  an den Rändern oder werden Fachausdrücke durch ein verständlicheres Vokabular ersetzt, damit auch der letzte Laie versteht, worum es geht. Es folgen seitenweise Bebilderungen zum jeweiligen Kapitel, die eine Mischung aus kindlich naiver Kunst und wissenschaftlicher Pflanzenkunde, gewürzt mit gelegentlichen Comic-Streifen darstellen. Viele Illustrationen erinnern mich sehr an mein eigenes Bio-Heft, beispielsweise die Querschnitte einer Sprossachse oder eine Auflistung der verschiedenen Blattformen.  Ich konnte mein Wissen wieder auffrischen und in Erinnerungen an diverse Schulstunden schwelgen. Durch die witzigen Einschübe macht die Lektüre dieses Buches viel Spaß.

Es wird viel Richtiges gesagt und teilweise auch tiefgründiges Wissen aus der Botanik vermittelt. Die Illustrationen der Pflanzen könnten tatsächlich aus einem Lehrbuch stammen. Ich warte gespannt auf den Moment, an dem ich mit dem Wissen glänzen kann, dass Erdbeeren und Himbeeren im botanischen Sinne gar keine Beeren sind, Bananen und Melonen dagegen schon.

Zwischendrin wird die Thematik immer wieder mit „Spaßbildern“ aufgelockert. Einige Comics sind des Guten zu viel. Bei manchen ist mir nicht einmal klar, was sie darstellen sollen. Doch die vielen Pflanzendarstellungen haben mich restlos von diesem Buch überzeugt. „Oh, eine Pflanze“ ist ein riesiges Kunstwerk, ein kunterbuntes Puzzelbild der Botanik, das sowohl humorvoll als auch pädagogisch wirkt.

Ich danke dem Verlag ganz besonders für dieses Rezensionsexemplar!

„Oh, ein Tier!“ erschien bereits 2017. Wer also sein Wissen über die heimische Fauna erweitern, auffrischen oder überhaupt erst einmal eines aufbauen möchte, ist mit diesem Werk gut beraten.


Von Felix Bork illustriert, ist auch dieses Kochbuch, über das du hier mehr lesen kannst!

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Anne Scheller: „Fjelle und Emil – Monstermäßig beste Freunde: Band 1“

Anne Scheller
Baumhaus Verlag
empfohlenes Alter: ab 8 Jahre
10,00€

Fjelle und Emil sind die besten Freunde von ganz Flusenbek. Eigentlich ist bei ihnen alles stinknormal, bis auf eine Kleinigkeit: Fjelle ist ein riesiges, bärenstarkes Monster mit einer Vorliebe für Petersilie, Zimtbrötchen und GROSSE Gefühle. Ist jemand ängstlich, ist Fjelle SUPERängstlich. Ist jemand fröhlich, ist Fjelle SUPERfröhlich. Die Flusenbeker sind daran gewöhnt, schließlich hat ja jeder so seine Macken.

Doch dann kommt ein neuer Direktor an Fjelles und Emils Grundschule. Und das stellt die Freundschaft der beiden auf eine harte Probe. (Klappentext)

Monströser Lesespaß

Emils bester Freund ist ein Monster. Ein richtig echtes. Mit Hauzähnen und Hörnern auf dem Kopf. Und einem moosgrünen Pelz. Die beiden verstehen sich prächtig, sie gehen zusammen zur Schule, spielen, lachen und haben jede Menge Spaß. In dem kleinen Örtchen Flusenbek kennt jeder Fjelle und niemand findet es merkwürdig, dass ein Monster unter ihnen lebt. Fjelle neigt zwar zu monstermäßigen Gefühlsausbrüchen, aber auch mit denen können Emil und seine Klassenkameraden umgehen und Fjelle meist schnell beruhigen. Doch eines Tages bekommt die Grundschule einen neuen Direktor, und der macht ordentlich Stunk. Er grenzt das Monster aus, provoziert Fjelle, bis er die Kontrolle über seine Gefühle verliert und beginnt in Flusenbek eine regelrechte Hetzjagd. Das Monster soll weg! Emils Freundschaft wird auf eine harte Probe gestellt.

Die Geschichte ist zwar sehr niedlich mit Fjelle und Emil umgesetzt, aber an sich nichts Neues. Der Verlauf der Handlung ist vorhersehbar und verzichtet weitestgehend auf einen Spannungsbogen. In Kinderbüchern muss das Rad natürlich nicht neu erfunden werden. Eine klare Erzähllinie und Stereotypen sind meist praktischer, um Kindern Themen wie Ausgrenzung, Mobbing oder Toleranz näherzubringen, so wie es hier der Fall ist. Die Themen sind ja hochaktuell. Jeder kann für sich selbst entscheiden, wofür „das Monster“ sinnbildlich steht. Für Andersartigkeit? Durch Herkunft, Religion, Aussehen? Die Moral in der Geschichte ist eindeutig.

Was mich und meinen Sohn anfangs jedoch verwirrt hat, ist die fehlende Vorgeschichte zu Fjelle. Man bekommt am Anfang lediglich die Fakten mitgeteilt, dass Fjelle ein Monster ist und Emil ein normaler Junge und beide gemeinsam zur Schule gehen. Auch wenn es ein Kinderbuch ist… nein, gerade weil es ein Kinderbuch ist, sollte mehr erklärt werden. Mein Sohn fragt natürlich sofort: Wo kommt das Monster her? Wo sind die Eltern? Wieso lebt das Monster bei den Menschen? Die Erklärungen dazu sind im Buch mehr als dürftig. Das Hauptaugenmerk liegt auf der Moral, die vermittelt werden soll.

Vielen lieben Dank an den Verlag, dass wir ein Rezensionsexemplar lesen durften!

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Beth Reekles: „The Kissing Booth“

Beth Reekles
cbt Verlag
empfohlenes Alter: ab 13 Jahre
9,99€

Ihrem besten Freund kann sie alles erzählen – mit einer Ausnahme…

Als die hübsche und beliebte Elle beschließt, für den Schulfasching eine „Kissing Booth“ einzurichten, denkt sie nicht im Traum daran, selbst einmal darin zu sitzen – und noch viel weniger, dass sie bald ihren ersten Kuss von Bad Boy Noah bekommt, dem großen Bruder ihres besten Freundes. Von da an steht ihr Leben Kopf. Denn Noah ist tabu, so hat sie es mit Lee vereinbart. Nicht so leicht durchzuhalten bei dem Jungen, auf den die ganze Schule steht. Aber kann das ein Happy End geben? (Klappentext)

Supersüße Teenie-Liebeskomödie

Ich gestehe, dass ich zu denen gehöre, die den Film zuerst und auch nicht nur ein- oder zweimal gesehen haben. Endlich einmal eine Teenie-Komödie, in der der Typ wirklich unfassbar heiß ist und das Mädchen nicht die Außenseiterin mit dem goldenen Herzen. Die Dialoge sind flott und frech, die Handlung ist voller Herzschmerz und Peinlichkeiten. Irgendwie war im Film alles stimmig. Dagegen hat mich das Buch ein bisschen enttäuscht.

Natürlich weicht die Buchfassung vom Film ab. Diesen veränderten Handlungsablauf fand ich aber keineswegs störend. Es ist toll, die bekannten Charaktere in neuen Situationen zu erleben. Wenn man den Film kennt, hat man natürlich eine genaue Vorstellung von den Figuren. Ich finde bloß, dass die Figuren im Buch sehr vom Film abweichen. Elle beispielsweise kommt weniger taff, dafür ziemlich naiv rüber. Noahs fürsorglich bevormundende Art ist reichlich übertrieben, fast schon abstoßend und lächerlich. Im Film ist Noah alles andere als abstoßend und immer der locker-lässige Bad Boy, der alles voll im Griff hat. Und leider hatte ich auch meine Probleme mit dem Schreibstil, der es mir schwer gemacht hat, mich richtig in die Geschichte hineinfallen zu lassen, so wie es der Film geschafft hat.

Insgesamt punktet „The Kissing Booth“ mit einer sehr süßen Geschichte, die zwar mit sämtlichen Klischees gespickt ist, die man sich nur vorstellen kann, aber am Ende kommt eine der besten Teenie-Liebeskomödien heraus, die es in den letzten Jahren gegeben hat. Elle und Noah sind ein süßes Liebespaar. Ihre Geschichte hat zwar nicht besonders viel Tiefgang, aber sie unterhält gut.

Ich danke dem Verlag wirklich herzlich für das Rezensionsexemplar!

Und schaut einmal, was ich entdeckt habe. „The Kissing Booth 2“ soll im Frühling 2020 erscheinen. Leider bisher nur in der englischen Version.

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Eva Muszynski: „Trudel Gedudel purzelt vom Zaun“

Eva Muszynski (Autorin)
Karsten Teich (Illustrator)
cbj Verlag
empfohlenes Alter: ab 5 Jahre
12,00€

Trudel Gedudel ist ein Huhn. Sie lebt auf einem Bauernhof und gluckt bei Tee und Gebäck mit anderem Federvieh zusammen. Eines Tages, nach einem Streit mit den Zwillings-Puten Ete und Petete, findet sich Trudel auf dem Zaun wieder. Dort gehören brave Hühner nicht hin, denn der Zaun ist die Grenze zum Wald, ja zur Wildnis überhaupt! Das bringt Trudel so aus dem Gleichgewicht, dass sie stürzt – und zwar auf die andere Seite. Jetzt muss sie sich in der großen, weiten Welt alleine zurechtfinden und dort gibt es nicht nur Freunde: Gräten-Käthe und Herr Klautermann wollen sie loswerden. Doch ein Huhn wie Trudel sollte man nicht unterschätzen … (Klappentext)

Ein Huhn will Meer

Gerade für die Osterzeit ist die Geschichte der unternehmungslustigen Henne eine schöne Idee. Trudel Gedudel ist nämlich kein Durchschnittshuhn. Sie hält sich zwar an Pickordnung und Rangfolge auf ihrem Hühnerhof, aber sie ist auch neugierig und als sich ihr die Gelegenheit bietet, zu sehen, welche Welt jenseits des Zauns wartet, nutzt sie sie. Doch Trudels Unerfahrenheit bringt sie ziemlich schnell in große Not. Sie hält die Buhne für einen Zaun und läuft nichtsahnend der Flut entgegen. Dabei können Hühner überhaupt nicht schwimmen und so ist Trudel auf die Hilfe ihrer Freunde angewiesen.

Die Geschichte ist amüsant und gespickt mit allerlei Wortwitzen und Wortspielereien. Die farbigen Illustrationen konzentrieren sich auf das Wesentliche, daher sind die Seiten nicht überladen und mit den kurzen Textpassagen auch schon zum Vorlesen für jüngere Kinder geeignet. Mein 3-Jähriger möchte das Buch jeden Abend vorgelesen bekommen und folgt der Geschichte bis zum Ende. Gerade die Wortspielereien sind ein tolles Aussprachetraining.

Mir persönlich war Trudel Gedudel stellenweise ein zu treudoofes, naives Huhn und ich frage mich immer noch, wer eigentlich Tante Elli war, deren Lebensweisheiten Trudel doch dermaßen stark beeinflussen. Vielleicht gibt es ja eine Fortsetzung? Schließlich kehrt Trudel Gedudel am Ende auch nicht zurück zum Hühnerhof.

Ich bedanke mich ganz herzlich beim Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplars!

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Graham Moore: „Der Mann, der Sherlock Holmes tötete“

Graham Moore
Eichborn Verlag
empfohlenes Alter: ab 16 Jahre
22,00€

EIN BRUTALER KILLER

Sherlock Holmes‘ berühmter Schöpfer, Sir Arthur Conan Doyle, hat eine neue Obsession: Er jagt einen Serienmörder, der es auf junge Frauen abgesehen hat. Er durchstreift die dunklen Straßen des viktorianischen London – auf der Jagd nach einem Täter, der ihm immer und immer wieder entwischt.

EIN VERSCHOLLENES TAGEBUCH

Conan Doyle hält seine Ermittlungsergebnisse, seine Indizien und Überlegungen in einem Tagebuch fest – ein Tagebuch, das verschwindet und selbst hundert Jahre später noch verschollen ist.

EIN TÖDLICHES GEHEIMNIS

Im London der Gegenwart wird der junge Sherlock-Holmes-Fan Harold in einen Mordfall verwickelt, bei dem es vor Hinweisen auf die Geschichten des berühmten Meisterdetektivs nur so wimmelt. Auch Conan Doyles verschollenes Tagebuch spielt dabei eine wichtige Rolle… (Klappentext)

Elementar…

1893 beschließt Arthur Conan Doyle sich vom Schatten seiner berühmtesten Schöpfung zu befreien und stürzt Sherlock Holmes im Reichenbachfall in den Tod. Die Empörung über den Tod des Meisterdetektives ist enorm. Selbst Jahre später wird Conan Doyle mit Hassschriften und Anfeindungen konfrontiert. Sogar eine Briefbombe wird ihm zugestellt und detoniert an seinem Schreibtisch. Mit enthalten ist ein Zeitungsausschnitt über den Mord an einer jungen Frau im East End, der jedoch von Scotland Yard wenig Beachtung fand. Conan Doyles Aufmerksamkeit ist geweckt und gemeinsam mit seinem Freund Bram Stoker – ja, derselbe, der „Dracula“ geschrieben hat – nimmt er die Ermittlungen auf.

Im Jahre 2010 tritt Harold den Baker Street Irregulars bei, einer Vereinigung von Sherlock Holmes Experten und Gelehrten. Sein versiertestes Mitglied, Alex Cale, behauptet, das verschollene Tagebuch von Sir Arthur Conan Doyle gefunden zu haben. Conan Doyle hat zeitlebens akribisch Tagebuch geführt und aus seinem Nachlass fehlte nur ein einziger Band, der den Zeitraum zwischen Oktober und Dezember 1900 umfasst. Also genau den Zeitraum, in dem Conan Doyle und Stoker auf eigene Faust nach einem Serienkiller suchten.

Die beiden Erzählstränge werden abwechselnd weitergesponnen, sodass durch das gesamte Buch hinweg ein hoher Spannungsbogen aufrecht gehalten wird. Arthur Conan Doyle und sein viktorianisches London werden dermaßen authentisch beschrieben, dass man am Ende das Gefühl hat, wirklich dabei gewesen zu sein. Bisher kannte ich Arthur Conan Doyle nur als Schöpfer von Sherlock Holmes. Der Meisterdetektiv nimmt die Aufmerksamkeit des Lesers so in Anspruch, dass der Mann, der ihn erdachte, traurigerweise ein bisschen zu viel Missachtung erfährt. Umso gefesselter war ich von dem Menschen Arthur Conan Doyle, den Graham Moore – wie ich finde – meisterhaft eingefangen hat. Auch die vielen Zeitgenossen werden unglaublich authentisch dargestellt.

In diesem Erzählstrang steckt wahnsinnig viel Recherchearbeit. Das merkt man. Viele bekannte Persönlichkeiten, die Nähe zu Sherlock Holmes‘ Schöpfer, das düstere London, in dem ein Serienmörder junge Frauen ermordet. Dagegen nimmt sich der Erzählstrang in der Gegenwart deutlich schwächer aus. Mir kam Harold wie eine schwabbelige weiße Masse vor. Wenn er dann noch besser deduziert als Sherlock Holmes es vermocht hätte, kommt das etwas unglaubwürdig rüber. Die Kriminalgeschichte um das Tagebuch ist komplex und leidlich spannend, aber insgesamt habe ich mich mehr auf die Kapitel mit Arthur Conan Doyle gefreut.

Für Sherlockianer – ob Fan der Bücher oder der Serie ist egal – ist dieser Roman auf jeden Fall gutes Lesefutter!

Vielen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar!

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