Kategorie: Jugendliteratur

Elisabeth Herrmann: „Zartbittertod“

 

Elisabeth Herrmann
cbj Verlag
empfohlenes Alter: ab 14 Jahre
18,00€

 

 

 

Zart wie die Liebe, bitter wie die Schuld

Mia ist in dem kleinen Chocolaterie-Geschäft ihrer Eltern aufgewachsen – mit den wunderbaren Rezepten, aber auch mit dem rätselhaften Familienfoto, auf dem ein lebensgroßes Nashorn aus Schokolade zu sehen ist, zusammen mit ihren Urgroßvater Jakob und seinem Lehrherrn. Der Lehrherr ist weiß, Jakob schwarz. Mia ist zwar bekannt, dass ihr Vorfahr als kleiner Junge aus dem damaligen Deutsch-Südwestafrika nach Deutschland gekommen ist. Aber warum? Und wie?

Als Mia den Nachkommen von Jakobs Lehrer unbequeme Fragen stellt, sticht sie in ein Wespennest. Liebe und Verrat, sie ziehen sich durch die Generationen, und als Mia endlich versteht, wer sie zum Schweigen bringen will, ist es fast zu spät …

Aufarbeitung deutscher Kolonialgeschichte.

Mia entstammt einer Chocolatiersfamilie, die ein kleines Geschäft in Meißen betreibt und versucht, im Kampf gegen die marktführenden Großkonzerne mit ihren Billigprodukten nicht unterzugehen. Da ihr älterer Bruder dafür vorgesehen ist, den Familienbetrieb zu übernehmen, bleibt für Mia nur Plan B: ein Journalistik-Studium. Als Aufnahmeprüfung soll sie die Geschichte eines Fotos recherchieren. Mia entscheidet sich für das im Klappentext bereits beschriebene Familienfoto und nimmt Kontakt zu Familie Herder auf, die ein Schokoladenimperium in Lüneburg leitet.

Die Geschichte hinter der Fotografie wird schnell aufgeklärt. Mias Urgroßvater Jakob stammte ursprünglich aus Namibia und kam mit Gottlob Herder nach Deutschland, der sein Lehrherr wurde. Doch warum nahm Gottlob den kleinen, schwarzen Jungen überhaupt mit sich? Warum ruft der Name Herder in Mias Familie so viel Ablehnung hervor? Und was hat es mit Jakobs hinterlassenen Fundstücken vom Dachboden auf sich?

‚Zartbittertod‘ behandelt weniger die Herstellung feinster Pralinen. In Wahrheit rückt das Thema Schokolade zügig in den Hintergrund und bildet allenfalls eine grobe Rahmenhandlung. Vordergründig wird ein weitgehend unbeachtetes Kapitel deutscher Geschichte thematisiert. Die Kolonialherrschaft in Deutsch-Südwestafrika findet im Lehrplan unserer Schulen allgemein wenig Platz. Umso positiver finde ich, dass  Elisabeth Herrmann keinen Bogen um dieses gern totgeschwiegene Kapitel macht und anhand von Tagebucheinträgen und Zitaten die Geschichte aufleben lässt. Es entsteht ein wirklich grausames Bild von Krieg, Rassenhass und Völkermord.

Mia Arnholt und Will Herder – Nachfahren zweier Zeitzeugen – ergründen ihre gemeinsame Familiengeschichte anhand von Fotos und alten, scheinbar wertlosen Erbstücken. Das Fortschreiten ihrer Nachforschungen liest sich zwar spannend, doch nicht so packend, dass das Gefühl aufkommt, man könnte das Buch nicht mal aus der Hand legen. Um die Handlung herum hat die Autorin eine Reihe von Morden und Übergriffen angesiedelt, sogar ein unheimlicher Maskenmann taucht auf. All diese Elemente steigern die Spannung zwar, doch am Ende brachte die Auflösung all dessen nicht den gewünschten Effekt. Sie ließ mich sogar eher ein bisschen enttäuscht zurück, weil sie etwas zu banal erscheint und einige Fragen offen lässt.

Insgesamt ist ‚Zartbittertod‘ eine lesenswerte Lektüre, vor allem wegen des geschichtlichen Hintergrunds und Frau Herrmanns solider Rechercheleistung. Leider zieht aufgrund dessen die Kriminalgeschichte den Kürzeren. Der Umfang der historischen Fakten überwiegt im Verhältnis zu den Krimi-Elementen. Dort hätte ich mir mehr Ausgewogenheit gewünscht. Die Charaktere sind zwar sehr vielseitig, insbesondere Will und Mia sind zwei sehr sympathische Protagonisten, obwohl ihre Handlungen nicht immer nachvollziehbar sind. Doch gerade die vielen wichtigen Nebencharaktere hätten tiefgründiger sein können, um auch der Handlung mehr Tiefgang zu verleihen.

Zum Schluss noch einen lieben Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar!

 

Ulrike Schweikert: „Léon & Claire: Er fand sie im Licht“

 

Ulrike Schweikert
cbt Verlag
empfohlenes Alter: ab 14 Jahren
16,99€

 

 

 

Claire glaubt ihre große Liebe Léon, den Jungen aus der dunklen Welt der Katakomben unter Paris, für immer verloren. Da bekommt sie von einer alten Frau einen geheimnisvollen Stein, den nur Léon ihr geschickt haben kann. Claire spürt, dass er lebt – und spürt die magische Verbindung. Doch die Spur des Steins führt ins Leere. Gleichzeitig kreuzt Cato, der unheimliche Onkel ihres Erzfeindes Adrien, immer wieder Claires Weg. Steht er in Verbindung mit den mächtigen Zauberern des Lichts und der Schatten? Und kann Léon sich jemals aus der dunklen Welt befreien? Verzweifelt versuchen Léon und Claire, in der Stadt der Lichter einen Weg zueinander zu finden. Liebe ist Magie, doch ist sie stärker als die Magie des Schattens? (Umschlagtext)

Düster, magisch und mitreißend!

Dies ist der zweite und auch letzte Band der Léon und Claire-Reihe. Er beginnt, wo Band eins auf so dramatische Weise endete. Immer diese gemeinen Cliffhanger! Claire hält Léon für tot und muss mit dem Verlust und der Trauer zurechtkommen. Doch Léon wird von der Lichtkönigin gefangen gehalten und gefoltert, um den Schatten hervorzulocken. Es gelingt ihm schließlich, seinen Freunden Jannine und Marcell eine Nachricht zukommen zu lassen. Und die Suche nach Léon beginnt.

Durch die düstere Atmosphäre wird man selbst als Leser ganz melancholisch und verweifelt. Man sehnt sich danach, dass Léon und Claire endlich wieder zueinander finden. Fast 250 Seiten lang lässt die Wiedervereinigung auf sich warten. Das war mir eindeutig zu lang, ein ständiges Hin und Her mit diesen magischen Steinen und dann auch noch die Suche nach einer Ratte! Die historischen Rückblicke, die einem Léons Vergangenheit näherbringen, sind wirklich sehr informativ und hervorragend recherchiert, jedoch vielleicht ein bisschen zu detailliert. Mir kam es so vor, als sollte das ersehnte Zusammentreffen der Hauptfiguren durch diese ausschweifenden Schilderungen des Deutsch-Französischen Krieges hinausgezögert werden, um die Spannung ins Unermessliche zu steigern. Für meinen Geschmack war das schon etwas übertrieben zu lang.

Das Ende hat mich leider nicht ganz befriedigt. Irgendwie bin ich mehr der Typ, der sich wünscht, dass die Helden am Ende in den Sonnenuntergang reiten und glücklich bis ans Ende ihrer Tage leben, was natürlich nicht zu dieser Geschichte gepasst hätte. Es scheint, als ob sich die Autorin ein Hintertürchen offen gelassen hat, um vielleicht doch noch einen Band hinterher schieben zu können. Genügend Fragen sind auf jeden Fall offen geblieben.

Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen. Die von der Autorin erzeugte Atmosphäre ist packend und düster vom Anfang bis zum Ende. Auch die Beschreibungen von Paris sind so lebendig, dass ich die Stadt wirklich vor Augen hatte. Besonders gefallen hat mir Marcell, der nicht nur ständig die Figuren im Buch rettet, sondern auch die treibende Kraft ist, die der Handlung immer mal wieder einen Schubs nach vorn gibt.

 

Ulrike Schweikert: „Léon & Claire – Er trat aus den Schatten“ (Léon & Claire-Reihe, Band 1)

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William Ritter: „Jackaby – Die verschwundenen Knochen“ (Die Jackaby-Reihe, Band 2)

 

William Ritter
cbt-Verlag
empfohlenes Alter: ab 13 Jahren
9,99€

 

 

 

Kein Fall zu seltsam, keine Spur zu heiß!

New Fiddleham, 1892: Abigail Rook, die junge Assistentin von R.F. Jackaby – Detektiv für unerklärliche Phänomene – langweilt sich nie in ihrem neuen Job. Von besonders garstigen Gestaltwandlern, die sich als süße Kätzchen tarnen, bis hin zu Mord ist alles in ihrem Tagesablauf dabei. Als in dem benachbarten Gad’s Valley ein nicht identifizierbares Monster Tiere und Menschen überfällt, bittet Junior Detective Charlie Cane Abigail um Hilfe. Bald sind Jackaby und Abigail in eine Jagd nach einem Dieb, einem Monster und einem Mörder verwickelt, die ihren ganzen Scharfsinn verlangt …  (Umschlagtext)

Der Sherlock Holmes des Übernatürlichen!

Als ich auf Jackaby stieß, war ich auf der Suche nach einer Alternative zu Lockwood & Co. Der Klappentext hat natürlich sofort mein Interesse geweckt und ich konnte es kaum erwarten, bis das Buch endlich da war. William Ritters Schreibstil ist begnadet, britisch gestelzt und humorvoll zugleich, passend zur erzählten Zeit um 1892.

Die titelgebende Hauptfigur Jackaby ist brillant auf seinem Gebiet der unerklärlichen Phänomene, ein Detektiv für das Paranormale, aber auch ein ziemlich verschrobener Kauz, dessen Sozialkompetenz eher mittelmäßig ausgeprägt ist. Darin erinnert er sehr an Benedict Cumberbatchs Sherlock, auch was den Mantel und ein bisschen auch die Mütze anbelangt. Daher obliegt es seiner reizenden Assistentin Abigail, den Fall aus ihrer Perspektive zu erzählen. Abigail ist die perfekte Ergänzung zu Jackaby, sie sieht, was er übersieht. Sie findet die sanften zwischenmenschlichen Töne, wo Jackaby mit seiner analytischen Art aneckt. Die beiden sind ein tatkräftiges Ermittlerduo. Nur leider treten sie in dieser Fortsetzung kaum zusammen in Aktion, was mir sehr gefehlt hat. Obwohl er die Titelfigur ist, ist Jackaby zu wenig präsent.

Überhaupt weist dieser Teil nach einem sehr unterhaltsamen und vielversprechenden Auftakt einige Längen auf und man hat das Gefühl, als wüsste der Autor zwischendrin selbst nicht, worauf die Geschichte hinzielt. Dabei wimmelt es im Roman nur so von skurrilen, starken Charakteren, die die Handlung vorantreiben könnten. Die beiden zankenden Archäologen, die sich gerne einmal mit Steinen bewerfen, sorgen für einige witzige Momente. Oder die taffe Journalistin Nellie Fuller, die eine für diese Zeit sehr emanzipierte Frau ist. Am Ende nimmt die Handlung wieder richtig Fahrt auf, es wird packend und blutrünstig und dann gibt es einen fiesen Cliffhanger, um begeisterte Leser zu ärgern, die sich nun bis zum nächsten Band in Geduld üben dürfen.

Die Jackaby-Reihe empfehle ich auf jeden Fall allen Fans von Lockwood & Co., aber auch Fans von Supernatural und Sherlock Holmes werden auf ihre Kosten kommen. Viel Spaß beim Lesen!

 

William Ritter: „Jackaby“ Band 1
cbt Verlag
9,99€

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Walter Jury: „BURN – Der Anfang vom Ende“ (Die Tate-Archer-Reihe, Band 2)

Walter Jury, Sarah Fine
cbt-Verlag
empfohlenes Alter: ab 14 Jahren
9,99€

 

 

 

»Independence Day« meets »Top Secret!«

Tate hat den Scanner verloren, den er um jeden Preis schützen wollte und den sein Vater als unabdingbar für das Überleben der Menschheit ansah. Doch Tate ist vollauf damit beschäftigt, sich und Christina in Sicherheit zu bringen – vor Aliens und feindlich gesinnten Menschen gleichermaßen. Im Safe House seines Vaters stößt er auf einen Hinweis, der ihm klarmacht, was den Planeten wirklich bedroht. Bald verdichten sich die Zeichen, dass sein Gegner mächtiger und gefährlicher ist, als er… (Umschlagtext)

Der fulminante Endkampf!

Der 2. Teil um Tate Archer beginnt an der Stelle, an der Band 1 aufhört. Der Scanner ist weg. Und Tate und Christina schweben nach wie vor in höchster Gefahr. Sie brauchen einen sicheren Ort. Gerade als man denkt, das Katz-und-Maus-Spiel aus Band eins würde auch in der Fortsetzung die Handlung dominieren, kommt der große Wandel. Aus Feinden werden plötzlich Verbündete. Denn es gibt noch einen viel gefährlicheren Feind, der sowohl das Ende der H2 als auch der Menschheit bedeuten kann.

Darüber musste ich schon fast ein bisschen schmunzeln. Die H2 kamen auf die Erde, weil sie auf ihrem eigenen Planeten von einer feindlichen Spezies unterwandert und ausgerottet wurden, und machen auf der Erde eigentlich nichts anderes als ihnen selbst wiederfahren ist. Die Kette des Aussterbens.

In BURN gibt es auf jeden Fall mehr Abwechslung in der Handlung, es gibt neue sympathische und spannende Figuren, noch mehr Verwicklungen und einen filmreifen Endkampf. Mir hat die Entwicklung von Tate und Christina gefallen. Nicht nur ihre Beziehung zueinander, sondern auch ihre persönliche, charakterliche Weiterentwicklung. Der Schreibstil ist wie schon in Band eins sehr packend. Die Spannung bleibt durch das gesamte Buch auf dem höchsten Level, sodass man als Leser mit Herzrasen durch die Kapitel fliegt und vor Nervenkitzel fast vergeht. Insgesamt ein gelungener Abschluss!

Ich bedanke mich ganz herzlich beim Bloggerportal für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares!

 

 

 

„SCAN – Im Visier der Feindes“ von Walter Jury und Sarah Fine

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Jonathan Stroud: „Lockwood & Co. – Das Grauenvolle Grab“

Jonathan Stroud
cbj-Verlag
empfohlenes Alter: ab 12 Jahren
19,99€

 

 

 

 

In ihrem letzten Abenteuer begeben sich die Agenten von Lockwood & Co. auf eine lebensgefährliche Mission: Sie brechen in das mit Sprengfallen gesicherte Mausoleum ein, in dem die legendäre Agentin Marissa Fittes ruht. Doch tut sie das wirklich?
Und das ist nur eine der alles entscheidenden Fragen, deren Antwort die blutjungen Agenten ergründen müssen. Erst dann können sich Lockwood & Co. ihren Widersachern, seien sie lebendig oder aus dem Reich der Toten, in einer letzten gewaltigen Auseinandersetzung stellen. Damit ihnen dies gelingt, müssen sie sich auf die Hilfe einiger völlig unerwarteter und ungeheuer unheimlicher Verbündeter einlassen. Grusel, Gänsehaut und Grabgelächter garantiert! (Umschlagtext)

Mein Buch-Highlight 2017!

Um dieses Buch durchzulesen, habe ich richtig lange gebraucht. Nicht, weil es mich gelangweilt hätte. Oder weil es eine gar zähe Lektüre gewesen wäre im Umfang eines Robert Musil. Ganz im Gegenteil. Ich habe jedes einzelne Wort genossen als handelte es sich um ein Glas des erlesensten Weines. Zuerst schwenkt man es, dann wird daran geschnüffelt, anschließend lässt man den Wein über die Zunge rollen, bis er abschließend als Gaumenschmeichler nach unten rinnt. Ganz genauso habe ich das mit dem Buch natürlich nicht gemacht. Das wäre merkwürdig. Obwohl ich zugeben muss, dass ich hin und wieder auch an Büchern schnüffele.

Ich liebe Jonathan Strouds Schreibstil. Er steckt voll intelligentem Humor und jeder Absatz ist ein sprachlicher Genuss. Häufig habe ich ganze Absätze mehrmals hintereinander gelesen, einfach weil mich die Ausdrucksweise so köstlich amüsiert hat. Und vermutlich weil ich das unausweichliche Ende dieser grandiosen Buchreihe hinauszögern wollte.

Im letzten und spektakulärsten Fall von Lockwood & Co. lösen die Agenten das Rätsel um die Entstehung der Geisterepidemie. Was haben die Geisterjägerpioniere Marissa Fittes und Tom Rotwell mit der Ausbreitung des Problemes zu tun? Warum liegt Marissa Fittes nicht in ihrem Grab, wo sie eigentlich hingehört? Stimmt die Behauptung des Schädels, dass es sich bei Marissa und Penelope Fittes um ein und dieselbe Person handelt? Fragen über Fragen, die dringend einer Antwort bedürfen, denn die Situation spitzt sich allmählich zu. Nicht nur, dass sich die Geistererscheinungen weiter ausbreiten, die Agentur Fittes reißt auch immer mehr Macht an sich. Mehr und mehr Agenturen werden von ihr übernommen, viele Behörden und Institutionen sind von Fittes-Leuten unterwandert. Die wenigen kleinen Agenturen, die sich noch halten konnten, werden mit Auflagen und Einschränkungen überhäuft. Denn Penelope Fittes weiß, dass Lockwood & Co. ihrem Geheimnis auf die Schliche kommen wollen.

Stroud hat ein Universum erschaffen, das – abgesehen von schaurigen Besuchern aus der Anderwelt – von liebenswerten und schrulligen Figuren bevölkert wird. Lockwood & Co. haben sich während der letzten 5 Bände weiterentwickelt, sie sind zu einem Team zusammengewachsen und sich doch treu geblieben.

Dieser letzte Teil ist so düster wie kein anderer Teil, er ist spannend, packend, schaurig – nicht nur, wenn Georges Unterhose einmal mehr hervorblitzt. Es gibt jede Menge Action, einen Hauch Slapstick und diesen wundervollen britischen Humor.

Oh, wie gern würde auch ich einmal in der Portland Row einen Tee trinken und mit George den nächsten Fall besprechen!

 

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Susanne Fülscher: „Pasta mista 1: 5 Zutaten für die Liebe“

Susanne Fülscher
Carlsen Verlag
empfohlenes Alter: 12 – 16 Jahre
12,99€

 

 

 

Liv kann es kaum glauben: Überraschend steht der neue Freund ihrer Single-Mutter vor der Tür, der Italiener Roberto. Schlimm genug, dass Liv nichts von der Beziehung der beiden gewusst hat, Roberto hat auch noch seine 16-jährigen Zwillinge Angelo und Sonia im Schlepptau! Angelo ist ein echter Traumtyp, der Liv kolossal aus der Fassung bringt, seine bildschöne Schwester scheint eine echte Zicke zu sein. Aber immerhin verbindet Liv und Roberto die Leidenschaft fürs Kochen. (Umschlagtext)

Türkisch für Anfänger – bloß auf italienisch!

Tatsächlich beinhaltet die Handlung nichts Neues. Die ganze Familienkonstellation ist eins zu eins von Türkisch für Anfänger übertragen worden, bloß dass hier nicht die türkische, sondern die italienische Mentalität auf die deutsche prallt. Im Grunde ist das eine vielversprechende Ausgangssituation. Denn zu un italiano vero fallen einem auf Anhieb jede Menge Klischees ein, die sehr viel Potenzial für eine gelungene Geschichte liefern können. In dieser Hinsicht lässt es  5 Zutaten für die Liebe jedoch merklich an Würze fehlen. Ein paar raffiniert eingestreute Klischees und pfiffigere Dialoge hätten das ganze Werk deutlich aufgepeppt.

Die Figuren sind oberflächlich. Eine 15-Jährige als Protagonistin hin oder her, aber falls Jugendliche heutzutage wirklich so sind, kann einem Himmelangst werden. Es geht nur darum, dass sie sich auf den ersten Blick in den Sohn des Freundes ihrer Mutter verknallt. Die Fettnäpfchen, in die Liv bei ihrer beschämenden Jagd nach dem Herzen des Jungen tritt, sind einfallslos bis banal: Der Tampon, der aus der Tasche fällt. Wow. Leider kann ich überhaupt nicht nachvollziehen, warum ein Angelo sich in eine Liv und umgekehrt verliebt. Denn beide Charaktere sind … ja, ohne Charakter. Außerdem fand ich Livs Zwiegespräche mit ihren Gedankenstimmen eher besorgniserregend als lustig.

Die Thematik des Kochens habe ich als einen halbherzig über die Handlung gelegten Rahmen empfunden, der das ganze irgendwie zusammenhält. Kochen, seit Generationen weitergereichte Familienrezepte, gutes Essen, allein das ist bereits typisch italienisch und wird im Buch doch eher oberflächlich verarbeitet.

Am schönsten ist das Cover und die Kapitelgestaltung im Buch.

 

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Kathrin Lange: „Die Fabelmacht-Chroniken. Flammende Zeichen.“

 

Kathrin Lange
Arena Verlag
ISBN: 9783401603391
18,00€

 

 

 

 

Schon seit Langem existiert sie in den Gassen und Straßen von Paris: die Fabelmacht, eine seit Generationen sorgsam gehütete Gabe. Jeder, der sie besitzt, kann die Wirklichkeit umschreiben. Doch davon ahnt Mila nichts, als sie nach einem Streit mit ihrer Mutter nach Paris flüchtet. Bis sie auf den geheimnisvollen Nicholas trifft, der die Gabe wie kein anderer beherrscht. Und obwohl Mila ihn noch nie gesehen hat, kennt sie sein Innerstes. Denn sie schreibt schon über ihn, solange sie denken kann. Als Nicholas‘ Familie beginnt, Jagd auf sie zu machen, erfährt sie, dass auch er über sie geschrieben hat – mit gefährlichen Folgen. Ein Kampf der Geschichten um Liebe und Tod entbrennt! (Klappentext)

Ich habe von Kathrin Lange bereits die ‚Herz aus Glas‘ – Reihe gelesen und war restlos begeistert, weshalb ich natürlich bei der neuen Buchreihe nicht gezögert habe. Die Aufmachung des Buches ist fantastisch und der Klappentext klingt leidlich interessant. Ein bisschen zu viel ‚Sie trifft ihn und es ist die ganz große Liebe‘, die Idee mit der Fabelmacht allerdings ist wirklich genial. Dahinter steht ein sehr komplexer Grundgedanke: Fabelmächtige können die Wirklichkeit verändern, sie erschaffen neue Universen und können von einem ins nächste wechseln, wenn sie die Fabelmacht benutzen. Eine wundervolle Vorstellung, die ungeahnte Möglichkeiten eröffnet.

Leider erfährt der Leser relativ wenig über die Gesetzmäßigkeiten der Fabelmacht. Wir wissen, dass Nicholas, der derzeit mächtigste Fabelmächtige, eine Geschichte geschrieben hat, die auf dramatische Weise enden wird. Und diese Geschichte wird mit Milas Ankunft in Paris in Gang gesetzt. Soweit so spannend. Nicholas‘ Vater setzt ein paar Auftragskiller auf Mila an und die Verfolgungsjagd durch Paris beginnt. Eigentlich besteht das ganze Buch nur aus der Verfolgungsjagd, wodurch die Fabelmacht zweitrangig wird. Doch was geschieht eigentlich in Nicholas‘ Geschichte? Darüber kann man nur Mutmaßungen anstellen. Inwiefern soll Milas Tod etwas an deren Ausgang ändern? Dieser Umstand ist mir nach dem Lesen des Buches absolut unverständlich. Genauso wenig kann ich die Liebesbeziehung zwischen Mila und Nicholas nachvollziehen. Es gibt kaum Szenen mit den beiden. Der eine hat über den jeweils anderen geschrieben. Schön, aber was? Und als müsste auf Krampf noch jedes Liebesgeschichtenklischee erfüllt werden, gibt es eine Dreiecksbeziehung. Davon bin ich seit Team Edward und Team Jakob leider übersättigt. Überhaupt konnte ich mit den Figuren wenig anfangen. Es wird zu wenig über sie preisgegeben. Dazu bleibt auch keine Zeit bei der turbulenten Handlung.

Am Ende bin ich also echt enttäuscht. Der Fokus liegt für meinen Geschmack zu stark auf der Verfolgungsjagd, ein bisschen zu sehr Thriller. Daneben geht alles andere unter, was sehr schade ist. Bleibt nur zu hoffen, dass Teil 2 die Lücken füllt, die Teil 1 hinterlassen hat.

 

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Barry Jonsberg: „Das ist kein Spiel“

Barry Jonsberg
cbt-Verlag
Altersempfehlung: ab 14 Jahre
14,99€

 

 

 

Jamie ist 16 Jahre alt und ein Mathe-Genie. Verblüffend logisch und ehrlich ist sein Blick auf seine eigene Familie – und darauf, dass da etwas schief läuft. Zum Beispiel bei Summerlee, seiner rebellischen älteren Schwester. Als die an ihrem 18. Geburtstag mehrere Millionen im Lotto gewinnt, sagt sie sich endgültig von der Familie los – und provoziert eine Kettenreaktion von Unheil. Jamies kleine Schwester Phoebe wird entführt und der Kidnapper verlangt zwei Millionen. Ausschließlich mit Jamie will er darüber verhandeln. Warum? Wieso weiß der Täter so viel über Jamie? Und weshalb fühlt sich das Ganze wie ein einziges Duell an, bei dem Jamies Kombinationsgabe auf eine tödliche Probe gestellt wird? (Klappentext)

Ein recht spannender Thriller für Jugendliche.

Doch, wirklich. Ihr seht es zwar nicht, aber ich sitze wohlwollend nickend vor dem Computer, während ich diese Zeilen tippe. Für Jugendliche ist dieses Buch absolut empfehlenswert. Die Geschichte packt einen von der ersten Seite an und man rauscht – wie es sich für einen guten Thriller gehört – durch das gesamte Buch, weil einen die Spannung nicht mehr loslässt. Dazu trägt nicht zuletzt der Schreibstil des Autors bei. Flüssig, jugendlich, von Anfang bis Ende gleichbleibend fesselnd und stilsicher.

Die Schwächen liegen für mich in der Konzeption der Figuren, die allesamt zu sehr Stereotype sind. Da haben wir die rebellische große Schwester, die an der Grenze zum Erwachsensein und von ihrer Unabhängigkeit überfordert im Sumpf von Alkohol und Drogen versinkt. Sie lässt bei ihrem Absturz wirklich kein Klischee aus. Die Eltern sind in allen Situationen überfordert, hilflos und doch eher untätig. Zum Glück gibt es da den sympathischen Außenseiter, der eigentlich ein mathematisches Genie ist, auf den sich alle verlassen und der die Familie zusammenhält. Natürlich ist nur er mit seinem scharfen, logischen Verstand in der Lage, die kleine Schwester zu retten.

Am meisten betroffen macht mich die Geschichte der kleinen Phoebe, die durch die Entführung und die lange Zeit mit ihrem Kidnapper frühzeitig  der Unschuld ihrer  Kindheit beraubt wird. Ihr Schicksal ist hart und lässt den Leser nachdenklich zurück. Und auf diesen Effekt am Ende kommt es doch an. Wie häufig lesen wir Bücher, legen sie weg und denken nicht mehr darüber nach? „Das ist kein Spiel“ von Barry Jonsberg wirkt auf jeden Fall nach und ist deshalb lesenswert.

Es ist nicht der aufregendste Thriller, den ich gelesen habe, aber nach all den Krimiserien, die im Fernsehen auf uns einprasseln, ist es schwierig geworden, einen mit dramatischen Handlungen noch vom Lesesessel zu reißen.

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Jonathan Stroud: „Das flammende Phantom“

Jonathan Stroud
cbj
ISBN: 9783570159644
19,99€

Ganz Großbritannien befindet sich in den Fängen einer Geisterepidemie.

Seit nunmehr fünfzig Jahren suchen die ruhelosen Seelen der Toten in ständig wachsender Zahl die Insel und ihre Bewohner heim – keiner weiß, wie oder warum. (Buchanfang)

Da die Erwachsenen blind und taub für das Übernatürliche sind, ist es die Aufgabe der Kinder, jede Nacht ihr Leben zu riskieren und die Geister zu bekämpfen. Die zur Abwehr der Geisterplage entstandenen Agenturen beschäftigen ausschließlich jugendliche Agenten, die von Erwachsenen überwacht werden. Von allen Agenturen ist Lockwood & Co die kleinste und einzige, die von Jugendlichen geleitet wird.
Nach ihrem Erfolg bei der Massenheimsuchung in Chelsea hat Lockwood & Co sich als eigenständige Agentur etablieren können, die Auftragslage läuft gut und mit Holly Munro bereichert ein neues Mitglied das Team.
Am Ende des dritten Bandes verlässt Lucy Lockwood & Co, nachdem sie ein Geist einen Blick auf eine mögliche Zukunft hat werfen lassen. Lucy fürchtet, dass sie ihre übersinnlichen Gaben immer schlechter im Griff hat und eines Tages Schuld an Lockwoods Tod sein könnte.
Seither verdient sie als selbstständige übersinnliche Beraterin ihr Geld und arbeitet immer wieder mit anderen Agenturen zusammen. Doch kein anderes Team reicht mit seinem Einfallsreichtum, Mut und Zusammenhalt an jenes heran, dass sie verlassen hat. Dieser Umstand ist Lucy schmerzlich bewusst, wenn sie nach anstrengenden Nächten allein in ihrer winzigen Wohnung sitzt und mit einem Totenschädel im Einmachglas spricht. Trotzdem bereut sie ihre Entscheidung nicht.
Als Leser fiebert man die ganze Zeit mit: Wann kommen Lucy und Lockwood & Co wieder zusammen? Das eine kann doch ohne das andere nicht funktionieren! Mir war selber ganz elend zumute.
Als dann Lockwood persönlich bei Lucy auftaucht und sie um die Mitarbeit bei einem Fall bittet, gerät die Welt langsam wieder zurück in ihre Fugen.
Der 4. Band von Lockwood & Co ist für mich der bisher tiefgründigste. Die Entwicklung der einzelnen Figuren schreitet voran, das Team wächst. Im Fokus steht nicht mehr nur die Austreibung einer Geisterheimsuchung, Lockwood & Co werden in die finsteren Machenschaften der großen Traditionsagenturen Rotwell und Fittes gezogen. Die Frage ist: Können sie diesen Mächten trotzen?

Wer diese Bücher nicht liest, ist selber Schuld. Das ist spannende, wortgewandte und witzige Literatur. Und ich gebe zu, dass ich beim Lesen mehr als ein Mal einen eisigen Lufthauch verspürt habe…

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Nina MacKay: „Plötzlich Banshee“

banshee
Nina MacKay
ivi – Verlag
ISBN: 978-3492703932
15,00€

 

 

Alana ist eine Banshee, eine Todesfee der irischen Mythologie. Sie sieht über dem Kopf jedes Menschen eine rückwärts laufende Uhr, die in roten Ziffern die noch verbleibenden Monate, Tage, Stunden und Minuten seiner Lebenszeit anzeigt. Da Banshees in dem Ruf stehen, Unglück zu bringen, bleibt sie lieber für sich. Allerdings gestaltet sich das gar nicht so einfach, denn Alana kreischt automatisch in bester Banshee-Manier wie eine Sirene los, wenn ihr ein Mensch begegnet, der in den nächsten Tagen sterben wird. Doch dann tauchen in Santa Fe mehrere Leichen auf, die Alana ins Visier des attraktiven Detectives Dylan Shane geraten lassen. Kann sie das Geheimnis der dunklen Sekte lüften, die scheinbar magische Wesen sammelt? Und werden sowohl Detective Shane als auch ihr bester Freund Clay den Kontakt mit Alana überleben? (Klappentext)

Eines dieser Bücher, das einem sofort ins Auge sticht!

Schon der Klappentext verlockt zum Lesen. Die rückwärts laufenden Uhren, der Banshee-Schrei, rätselhafte Morde und eine dunkle Sekte. Andere Zutaten benötigt man für einen guten Roman fast nicht. Zumindest, wenn es darum geht, Leser zu ködern. Höchst motiviert habe ich mich also auf das Buch gestürzt. Nach nur wenigen Seiten folgte ein bisschen Ernüchterung. Das Buch ist laut Altersempfehlung für 14-Jährige.  Das lässt mich gnädiger auf die Mängel in der Handlung und Gestaltung der Charaktere blicken. Die Figuren sind überdreht, kindisch, pubertär. Ihr Verhalten passt nicht zum Alter, das die Autorin ihnen zugedacht hat. Die Mehrheit der Figuren ist über 20 oder älter, hauptsächlich junge Erwachsene, die für sich selbst sorgen. Gerade von der Protagonistin Alana, die als Vollwaise in einem Kinderheim aufgewachsen ist, habe ich mehr erwartet. Ihre Tätigkeiten als Privatdetektivin reichen von nicht existent bis lachhaft. Vielleicht wäre es stimmiger gewesen, sämtliche Figuren als Teenager anzulegen und in einem für sie passenden Umfeld agieren zu lassen. Die Handlung ist unterhaltsam, auch wenn sie einen nicht gerade an den Lesesessel fesselt. Und das zuckersüße Happy End? Ganz wie in Disney-Filmen.

Nichtsdestotrotz ist dieses Buch frische, unverbrauchte Literatur. Jung, frech, dynamisch. Aber eben noch ausbaufähig. Ich bin gespannt, was wir von Frau MacKay noch zu lesen bekommen werden, und das meine ich durchweg positiv.

 

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