D. J. MacHale: „Die Bibliothek der Geister – Der schwarze Mond“ (Die Bibliothek der Geister-Reihe, Band 2)

D.J. MacHale
cbj Verlag
empfohlenes Alter: ab 10 Jahre
13,00€

Während Marcus mit seinen Eltern beim Abendessen sitzt, wird der magische Schlüssel, den er an einem Band um den Hals trägt, unglaublich heiß. Ist das ein Notruf aus der Bibliothek der Geister? Tatsächlich: Marcus soll die mysteriösen und sich häufenden Unfälle an einer Schule aufklären. Zerbrochene Fensterscheiben, ein Brand in der Cafeteria, ein gerissenes Kletterseil in der Turnhalle und eine Tribüne, die bei einer Sportveranstaltung zusammenbricht. Das können keine Zufälle sein. Unter großem Zeitdruck muss Marcus herausfinden, wer oder was hinter den Unglücksfällen steckt – bevor jemand ernsthaft verletzt wird.

Hexen hexen

Kurz nach seinem letzten Abenteuer erwärmt sich der Schlüssel um Marcus‘ Hals und ruft ihn erneut in die magische Bibliothek. In einer Mittelschule in Massachusetts geschehen unerklärliche Dinge und es ist nur eine Frage der Zeit, bis jemand ernsthaft zu Schaden kommen wird. Als Agent der Bibliothek muss Marcus eingreifen und die Ursache für die übernatürlichen Störungen finden. So wie es einst sein leiblicher Vater getan hat. Die Spur scheint zu einem Hexenzirkel zu führen, der sich nach vielen Jahrhunderten der Unterdrückung und Hexenverfolgung an der Menschheit rächen möchte.

Die Grundidee ist eigentlich ziemlich spannend und wartet mit vielen Punkten auf, die für mich ein gutes Buch ausmachen. Trotzdem konnte mich das Buch nicht wirklich fesseln. Angefangen bei den Figuren, die zwar sympathisch und jeder auf seine Art außergewöhnlich sind, aber sie sind viel zu oberflächlich gestaltet, sodass es mir sehr schwer fiel, mich in die Geschichte einzufühlen. Die Handlung verläuft sehr geradlinig. Marcus gerät in eine neue Geschichte mit einer übernatürlichen Störung. Kaum da kann er auch schon den Kreis der Verdächtigen eingrenzen und kommt ohne große Verstrickungen dem Kern der Sache nahe. Im Finale wallt tatsächlich Spannung auf und ab da macht es auch wirklich Spaß weiterzulesen, obwohl die Handlung nichts schildert, was man nicht schon von anderen Büchern kennen würde.

Insgesamt hatte ich den Eindruck, der Autor hat die Geschichte mit angezogener Handbremse verfasst und sowohl den Gruselfaktor als auch den Handlungsablauf entschärft. Auch wenn „Die Bibliothek der Geister“ eine Altersempfehlung von 10 Jahren anbietet , hätte dem Buch mehr Substanz, ein bisschen Grusel (bei dem Titel erwartet man schließlich, dass man sich gruseln kann) und mehr Überraschungseffekt gutgetan. Der Schreibstil und die Idee dahinter sind nämlich echt top.

Ich danke dem Verlag, der mir dieses Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat!

D.J. MacHale: „Die Bibliothek der Geister – Der magische Schlüssel“ (Die Bibliothek der Geister-Reihe, Band 1)

Mia Cassany: „Wildnis: Wo seltene Tiere und Pflanzen zuhause sind“

Mia Cassany (Autor)
Marcos Navarro (Autor/ Illustrator)
Prestel Verlag
empfohlenes Alter: ab 6 Jahre
22,00 €

Komm mit auf eine Reise in die Wildnis!

Entdecke seltene Lebensräume und vom Aussterben bedrohte Tiere, die in wunderbaren Nadel-, Mangroven- und Kakteenwäldern, tiefen Dschungeln, tropischen Regenwäldern und schillernden Wasserfällen zuhause sind.

In fantastischen Illustrationen werden sechzehn Naturlandschaften vorgestellt, die die Heimat unzähliger Tier- und Pflanzenarten sind. Jede von ihnen ist einzigartig und verdient unseren Schutz.

Ein wunderschönes und nachhaltiges Sachbuch mit einem Such-Spiel am Ende. (Klappentext)

Kunst und Natur

„Wildnis“ ist ein Sachbilderbuch, in dem verschiedene Naturräume weltweit vorgestellt werden mitsamt den wichtigsten dort lebenden, bedrohten Tier- und Pflanzenarten. Für jede der insgesamt 16 Landschaften gibt es eine Doppelseite. Das Format ist gigantisch, die Bilder schillernd bunt. In dem Dickicht der Natur verbirgt sich eine überwältigende Artenvielfalt. Man muss schon sehr genau hinsehen, um auch die Vögel, Raupen oder Käfer zu erkennen, die sich auf den Seiten tummeln. Dies erzeugt einen Wimmelbildcharakter. Die Illustrationen sind genauso wie das Format einfach gigantisch: knallbunte Kunstwerke, die zwischen Fantasie und Wirklichkeit schwanken. In den meisten Bildern wird mit Farben und Kontrasten gespielt, sodass man nicht unbedingt von einer naturgetreuen Abbildung sprechen kann. Es geht mehr um den größtmöglichen Effekt. Manchmal etwas zu Lasten des Sehnervs, denn einige Bilder sind wirklich, wirklich grell. Bei anderen Abbildungen war Mutter Naturs Vorgabe schon künstlerisch genug, wie zum Beispiel bei Paradiesvögeln, Schmetterlingen oder dem Tiger.

Die Verbindung von Natur und Kunst lädt auf jeder Seite zum längeren Verweilen ein. Die kurzen Textpassagen vermitteln knapp die wichtigsten Informationen zu den dargestellten Gebieten, der Flora und der Fauna. Der Grat des vermittelten Wissens ist schon ziemlich anspruchsvoll. Für eine Altersfreigabe ab 6 Jahren vielleicht noch etwas zu viel. Doch das Betrachten der farbenfrohen Bilder und die Suche nach verborgenen Tieren bereitet auch schon jüngeren Kindern viel Vergnügen.

Was ich ein bisschen schade finde, ist, dass nicht von jedem Kontinent wenigstens eine Landschaft vorgestellt wird. Am Anfang des Buches befindet sich eine Weltkarte, in der die wilden Landschaften verortet sind. In Europa herrscht gähnende Leere, was besonders im Vergleich mit Asien ins Auge sticht, das mit gleich 5 spektakulären Landschaften vertreten ist. Aber vielleicht gibt es ja in Europa keine wilde Wildnis nach Definition der Autoren? Ebenfalls keinen Platz hat die Antarktis gefunden – nicht einmal auf der Weltkarte. Dabei wäre eine eisige Landschaft im Kontrast zu den mehrheitlich tropischen Regionen doch  auch recht reizvoll gewesen.

Trotz dieses kleinen Kritikpunktes ist  „Wildnis“ eines jener Bücher, das lange Freude bereitet und durch seine Farbkontraste sehr stimulierend für das Kunstempfinden von Kindern ist. Außerdem macht es auf sehr wichtige Aspekte aufmerksam, wie beispielsweise den Artenschutz und den Erhalt von Lebensräumen oder die Auswirkungen, die der Mensch auf die Natur ausübt. Daher auf jeden Fall ein sehr wertvolles Buch!

Vielen Dank an den Verlag, der mir dieses Buch zu Rezensionszwecken zur Verfügung gestellt hat!

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Britta Teckentrup: „Katze & Maus“

Britta Teckentrup
Prestel Verlag
empfohlenes Alter: ab 1 Jahr
14,00€

Kann die kleine Maus der Katze entkommen? Bei dieser spannenden Katz-und-Maus-Jagd lernen schon sehr kleine Kinder spielerisch, räumliche Verhältnisse zu begreifen.

Ein hochwertiges Pappbilderbuch mit Stanzungen – in getesteter Qualität!

Interaktives Kinderbuch im Retro-Style

Ich bin bereits ein großer Fan von Britta Teckentrups Kinderbüchern und in „Katze & Maus“ beweist sie wieder einmal, dass es gar nicht viel braucht, um ein entzückendes Kinderbuch zu gestalten. Die Handlung ist mit wenigen einfachen Sätzen beschrieben. Die kleine Maus sitzt auf einer Mauer, vor ihr, mit hungrigem Blick, die Katze. Schnell läuft die Maus hinein ins Haus und es beginnt eine herzerfrischende Verfolgungsjagd. Die Maus versteckt sich in einer Kiste, sie flieht durchs Mauseloch und läuft treppauf und treppab durchs ganze Haus, hinaus in den Garten und wieder zurück, aber die Katze bleibt  ihr immer dicht auf den Fersen. Die Ausstanzungen stellen die Fluchtwege der kleinen Maus dar, durch die wir ihr von Seite zu Seite folgen. Solche Gucklöcher wecken natürlich die Neugier der Kinder. Gleichzeitig verleihen sie der Handlung eine gewisse Räumlichkeit. Das Ende dieser wilden Jagd querfeldein fällt erstaunlich einträchtig aus und lässt einen schmunzelnd zurück.

Begleitet wird die Geschichte von kurzen Textpassagen in Reimform, was besonders die Sprachentwicklung von Kleinst- und Kleinkindern fördert.  Die Vierzeiler beschreiben kurz und knackig, was geschieht und treiben die Maus an, weiterzulaufen. Text und Bild bilden hier eine wunderbare Einheit.

Britta Teckentrups bewährter atmosphärischer Stil findet sich auch bei „Katze & Maus“ wieder. Sie spielt mit Farben,  Kontrasten und Perspektiven. In dieser Ausführung mit der Konzentration auf einfache Formen und eine schlichte Gestaltung kreiert sie einen Retro-Look, der mich sehr stark an die Kinderbücher meiner Eltern erinnert. Dadurch fühlen sich gleich mehrere Generationen in ihre eigene Kindheit versetzt und greifen natürlich gern zu diesem Buch. Wie äußerst raffiniert!

Britta Teckentrup ist es mit „Katze & Maus“ gelungen, ein zeitloses Kinderbuch zu schaffen. Die Geschichte ist nicht neu, aber sehr schön im Stil von Frau Teckentrup interpretiert. Es ist ein Buch, zu dem man immer wieder greifen kann, das sich Kleinkinder bereits allein ansehen können (die stabilen Pappseiten lassen sich mühelos umblättern), das aber auch bei älteren Kindern nichts von seinem Reiz einbüßt.

Ich danke dem Bloggerportal und dem Prestel Verlag für das kostenlose Exemplar, das mir zu Rezensionszwecken überlassen wurde!

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Charlotte Guillain: „Der weite Himmel über mir“

Charlotte Guillain
mit Illustrationen von Yuval Zommer
Prestel Verlag
empfohlenes Alter: ab 5 Jahre
22,00€

Eine Reise zu den Sternen

Komm mit auf eine Reise in den Weltraum, wo Asteroiden, Raumschiffe und Galaxien zuhause sind, und wieder zurück zur Erde! Finde heraus, wie hoch Zugvögel fliegen und wo die Ozonschicht beginnt, erfahre, wie weit die Planeten des Sonnensystems von der Erde entfernt sind, und besuche die Internationale Raumstation!

In diesem 2,5 Meter langen Leporello-Buch gibt es viel Sehens- und Staunenswertes in den Weiten des Himmels zu entdecken. (Klappentext)

Ein Buch so weit wie der Himmel

„Der weite Himmel über mir“ ist eine Entdeckungsreise, getragen von einem sanften Erzählstil hebt man vom Boden ab und schwebt schwerelos in die unendliche Weite des Himmels. Auf dem Weg durch die Schichten unserer Atmosphäre bis hinauf zur Milchstraße und den Planeten gibt es jede Menge wundersame Dinge zu entdecken. Was befindet sich wohl alles über einem, wenn wir in der Stadt einmal den Kopf vom Asphalt heben und nach oben blicken? Hochhäuser, über die Flugzeuge dahin fliegen, Wetterballons und viel, viel weiter oben Satelliten, eine Raumstation mit Astronauten und die Planeten unseres Sonnensystems. Oder wenn wir in der Natur auf einer Wiese liegen und unser Blick zu den verschiedenen Wolkenformen hinauf gleitet? In luftiger Höhe ziehen Zugvögel vorbei, der Jetstream bestimmt unser Wetter, und was befindet sich eigentlich jenseits unseres Sonnensystems?

Dieses Leporello-Bilderbuch ist ein wahrer Gigant. Die Seiten sind zieharmonikaartig zusammengelegt, beidseitig illustriert und kommen entfaltet auf eine beachtliche Länge von 2,5 Metern. Da wird es eng im Kinderzimmer. Die Seiten sind aus einer sehr stabilen, dickeren Papierstärke gefertigt, dem selbst häufiges Falten nichts anhaben kann. Das Buch lässt sich aber auch lesen, ohne es zu seiner vollen Länge auf dem Fußboden auszulegen. Aber um Kindern ein wirkliches Gefühl für die Entfernungen und die Weite zu vermitteln, ist es schon eindrucksvoller, wenn sich das Leporello quer durchs Zimmer zieht.

Die Illustrationen sind wunderschön ausgearbeitet und haben Wimmelbuchcharakter. Es gibt wahnsinnig viel zu entdecken. Ob es nun Prägungen oder Glitzereffekte sind, es ist einfach ein liebevoll gestaltetes Meisterwerk. Die kurzen Texte sind sehr informativ. Überhaupt steckt in diesem Buch ein solch enormer Wissensschatz, das es ein jahrelanger Begleiter für Kinder sein kann. Die verschiedenen Schichten der Erdatmosphäre oder die Wolkenarten beispielsweise sind Wissen aus dem Geografieunterricht höherer Klassenstufen. Selbst als Erwachsener kann man viel Wissenswertes aus diesem Buch mitnehmen und sich lange damit beschäftigen.

Ich halte „Der weite Himmel über mir“ für ein lehrreiches Bilderbuch für neugierige und aufgeweckte Kinder, aber auch für Erwachsene. Es ist ein gigantisches Werk, nicht nur was die Ausmaße anbelangt.

Vielen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar!

Schaut „Unter meinen Füßen“ nach, wenn ihr aus dem weiten Himmel zum Mittelpunkt der Erde reisen möchtet.

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Felix Bork: „Oh, eine Pflanze“

Felix Bork
Eichborn Verlag
30,00€

Hallo lieber Pflanzenfreund.

Pflanzen sind die Grundlage unseres Lebens. Sie machen Sauerstoff und uns glücklich. In diesem Buch findest du Arten, die du in unserer heimischen Natur entdecken kannst. Wie sie aussehen, wo sie leben und wie sie Sex machen. Und dann geh raus und schau sie dir genau an, denn Pflanzen sind beeindruckend und wunderschön! (Klappentext)

Botanisches Fachwissen humorvoll verpackt

Was hätte ich dafür gegeben, wenn es  dieses Buch schon zu meinen Schulzeiten gegeben hätte! Bestimmt wäre im Biologieunterricht vieles leichter gewesen, verständlicher und definitiv hätte das Lernen mit so einem Buch mehr Spaß gemacht. Denn Felix Bork gelingt es, Wissen auf seine spezielle, humoristische Art zu vermitteln.

In „Oh, eine Pflanze“ widmet er sich ganz der Botanik, stellt Pflanzen, Bäume, Blumen, Gräser und Sträucher unserer heimischen Flora vor. Zu jedem Kapitel gibt es einen knappen einleitenden Text mit viel fachlichem Inhalt. Typisch Felix Bork befinden sich erläuternde Kritzeleien  an den Rändern oder werden Fachausdrücke durch ein verständlicheres Vokabular ersetzt, damit auch der letzte Laie versteht, worum es geht. Es folgen seitenweise Bebilderungen zum jeweiligen Kapitel, die eine Mischung aus kindlich naiver Kunst und wissenschaftlicher Pflanzenkunde, gewürzt mit gelegentlichen Comic-Streifen darstellen. Viele Illustrationen erinnern mich sehr an mein eigenes Bio-Heft, beispielsweise die Querschnitte einer Sprossachse oder eine Auflistung der verschiedenen Blattformen.  Ich konnte mein Wissen wieder auffrischen und in Erinnerungen an diverse Schulstunden schwelgen. Durch die witzigen Einschübe macht die Lektüre dieses Buches viel Spaß.

Es wird viel Richtiges gesagt und teilweise auch tiefgründiges Wissen aus der Botanik vermittelt. Die Illustrationen der Pflanzen könnten tatsächlich aus einem Lehrbuch stammen. Ich warte gespannt auf den Moment, an dem ich mit dem Wissen glänzen kann, dass Erdbeeren und Himbeeren im botanischen Sinne gar keine Beeren sind, Bananen und Melonen dagegen schon.

Zwischendrin wird die Thematik immer wieder mit „Spaßbildern“ aufgelockert. Einige Comics sind des Guten zu viel. Bei manchen ist mir nicht einmal klar, was sie darstellen sollen. Doch die vielen Pflanzendarstellungen haben mich restlos von diesem Buch überzeugt. „Oh, eine Pflanze“ ist ein riesiges Kunstwerk, ein kunterbuntes Puzzelbild der Botanik, das sowohl humorvoll als auch pädagogisch wirkt.

Ich danke dem Verlag ganz besonders für dieses Rezensionsexemplar!

„Oh, ein Tier!“ erschien bereits 2017. Wer also sein Wissen über die heimische Fauna erweitern, auffrischen oder überhaupt erst einmal eines aufbauen möchte, ist mit diesem Werk gut beraten.


Von Felix Bork illustriert, ist auch dieses Kochbuch, über das du hier mehr lesen kannst!

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Anne Scheller: „Fjelle und Emil – Monstermäßig beste Freunde: Band 1“

Anne Scheller
Baumhaus Verlag
empfohlenes Alter: ab 8 Jahre
10,00€

Fjelle und Emil sind die besten Freunde von ganz Flusenbek. Eigentlich ist bei ihnen alles stinknormal, bis auf eine Kleinigkeit: Fjelle ist ein riesiges, bärenstarkes Monster mit einer Vorliebe für Petersilie, Zimtbrötchen und GROSSE Gefühle. Ist jemand ängstlich, ist Fjelle SUPERängstlich. Ist jemand fröhlich, ist Fjelle SUPERfröhlich. Die Flusenbeker sind daran gewöhnt, schließlich hat ja jeder so seine Macken.

Doch dann kommt ein neuer Direktor an Fjelles und Emils Grundschule. Und das stellt die Freundschaft der beiden auf eine harte Probe. (Klappentext)

Monströser Lesespaß

Emils bester Freund ist ein Monster. Ein richtig echtes. Mit Hauzähnen und Hörnern auf dem Kopf. Und einem moosgrünen Pelz. Die beiden verstehen sich prächtig, sie gehen zusammen zur Schule, spielen, lachen und haben jede Menge Spaß. In dem kleinen Örtchen Flusenbek kennt jeder Fjelle und niemand findet es merkwürdig, dass ein Monster unter ihnen lebt. Fjelle neigt zwar zu monstermäßigen Gefühlsausbrüchen, aber auch mit denen können Emil und seine Klassenkameraden umgehen und Fjelle meist schnell beruhigen. Doch eines Tages bekommt die Grundschule einen neuen Direktor, und der macht ordentlich Stunk. Er grenzt das Monster aus, provoziert Fjelle, bis er die Kontrolle über seine Gefühle verliert und beginnt in Flusenbek eine regelrechte Hetzjagd. Das Monster soll weg! Emils Freundschaft wird auf eine harte Probe gestellt.

Die Geschichte ist zwar sehr niedlich mit Fjelle und Emil umgesetzt, aber an sich nichts Neues. Der Verlauf der Handlung ist vorhersehbar und verzichtet weitestgehend auf einen Spannungsbogen. In Kinderbüchern muss das Rad natürlich nicht neu erfunden werden. Eine klare Erzähllinie und Stereotypen sind meist praktischer, um Kindern Themen wie Ausgrenzung, Mobbing oder Toleranz näherzubringen, so wie es hier der Fall ist. Die Themen sind ja hochaktuell. Jeder kann für sich selbst entscheiden, wofür „das Monster“ sinnbildlich steht. Für Andersartigkeit? Durch Herkunft, Religion, Aussehen? Die Moral in der Geschichte ist eindeutig.

Was mich und meinen Sohn anfangs jedoch verwirrt hat, ist die fehlende Vorgeschichte zu Fjelle. Man bekommt am Anfang lediglich die Fakten mitgeteilt, dass Fjelle ein Monster ist und Emil ein normaler Junge und beide gemeinsam zur Schule gehen. Auch wenn es ein Kinderbuch ist… nein, gerade weil es ein Kinderbuch ist, sollte mehr erklärt werden. Mein Sohn fragt natürlich sofort: Wo kommt das Monster her? Wo sind die Eltern? Wieso lebt das Monster bei den Menschen? Die Erklärungen dazu sind im Buch mehr als dürftig. Das Hauptaugenmerk liegt auf der Moral, die vermittelt werden soll.

Vielen lieben Dank an den Verlag, dass wir ein Rezensionsexemplar lesen durften!

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Beth Reekles: „The Kissing Booth“

Beth Reekles
cbt Verlag
empfohlenes Alter: ab 13 Jahre
9,99€

Ihrem besten Freund kann sie alles erzählen – mit einer Ausnahme…

Als die hübsche und beliebte Elle beschließt, für den Schulfasching eine „Kissing Booth“ einzurichten, denkt sie nicht im Traum daran, selbst einmal darin zu sitzen – und noch viel weniger, dass sie bald ihren ersten Kuss von Bad Boy Noah bekommt, dem großen Bruder ihres besten Freundes. Von da an steht ihr Leben Kopf. Denn Noah ist tabu, so hat sie es mit Lee vereinbart. Nicht so leicht durchzuhalten bei dem Jungen, auf den die ganze Schule steht. Aber kann das ein Happy End geben? (Klappentext)

Supersüße Teenie-Liebeskomödie

Ich gestehe, dass ich zu denen gehöre, die den Film zuerst und auch nicht nur ein- oder zweimal gesehen haben. Endlich einmal eine Teenie-Komödie, in der der Typ wirklich unfassbar heiß ist und das Mädchen nicht die Außenseiterin mit dem goldenen Herzen. Die Dialoge sind flott und frech, die Handlung ist voller Herzschmerz und Peinlichkeiten. Irgendwie war im Film alles stimmig. Dagegen hat mich das Buch ein bisschen enttäuscht.

Natürlich weicht die Buchfassung vom Film ab. Diesen veränderten Handlungsablauf fand ich aber keineswegs störend. Es ist toll, die bekannten Charaktere in neuen Situationen zu erleben. Wenn man den Film kennt, hat man natürlich eine genaue Vorstellung von den Figuren. Ich finde bloß, dass die Figuren im Buch sehr vom Film abweichen. Elle beispielsweise kommt weniger taff, dafür ziemlich naiv rüber. Noahs fürsorglich bevormundende Art ist reichlich übertrieben, fast schon abstoßend und lächerlich. Im Film ist Noah alles andere als abstoßend und immer der locker-lässige Bad Boy, der alles voll im Griff hat. Und leider hatte ich auch meine Probleme mit dem Schreibstil, der es mir schwer gemacht hat, mich richtig in die Geschichte hineinfallen zu lassen, so wie es der Film geschafft hat.

Insgesamt punktet „The Kissing Booth“ mit einer sehr süßen Geschichte, die zwar mit sämtlichen Klischees gespickt ist, die man sich nur vorstellen kann, aber am Ende kommt eine der besten Teenie-Liebeskomödien heraus, die es in den letzten Jahren gegeben hat. Elle und Noah sind ein süßes Liebespaar. Ihre Geschichte hat zwar nicht besonders viel Tiefgang, aber sie unterhält gut.

Ich danke dem Verlag wirklich herzlich für das Rezensionsexemplar!

Und schaut einmal, was ich entdeckt habe. „The Kissing Booth 2“ soll im Frühling 2020 erscheinen. Leider bisher nur in der englischen Version.

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Eva Muszynski: „Trudel Gedudel purzelt vom Zaun“

Eva Muszynski (Autorin)
Karsten Teich (Illustrator)
cbj Verlag
empfohlenes Alter: ab 5 Jahre
12,00€

Trudel Gedudel ist ein Huhn. Sie lebt auf einem Bauernhof und gluckt bei Tee und Gebäck mit anderem Federvieh zusammen. Eines Tages, nach einem Streit mit den Zwillings-Puten Ete und Petete, findet sich Trudel auf dem Zaun wieder. Dort gehören brave Hühner nicht hin, denn der Zaun ist die Grenze zum Wald, ja zur Wildnis überhaupt! Das bringt Trudel so aus dem Gleichgewicht, dass sie stürzt – und zwar auf die andere Seite. Jetzt muss sie sich in der großen, weiten Welt alleine zurechtfinden und dort gibt es nicht nur Freunde: Gräten-Käthe und Herr Klautermann wollen sie loswerden. Doch ein Huhn wie Trudel sollte man nicht unterschätzen … (Klappentext)

Ein Huhn will Meer

Gerade für die Osterzeit ist die Geschichte der unternehmungslustigen Henne eine schöne Idee. Trudel Gedudel ist nämlich kein Durchschnittshuhn. Sie hält sich zwar an Pickordnung und Rangfolge auf ihrem Hühnerhof, aber sie ist auch neugierig und als sich ihr die Gelegenheit bietet, zu sehen, welche Welt jenseits des Zauns wartet, nutzt sie sie. Doch Trudels Unerfahrenheit bringt sie ziemlich schnell in große Not. Sie hält die Buhne für einen Zaun und läuft nichtsahnend der Flut entgegen. Dabei können Hühner überhaupt nicht schwimmen und so ist Trudel auf die Hilfe ihrer Freunde angewiesen.

Die Geschichte ist amüsant und gespickt mit allerlei Wortwitzen und Wortspielereien. Die farbigen Illustrationen konzentrieren sich auf das Wesentliche, daher sind die Seiten nicht überladen und mit den kurzen Textpassagen auch schon zum Vorlesen für jüngere Kinder geeignet. Mein 3-Jähriger möchte das Buch jeden Abend vorgelesen bekommen und folgt der Geschichte bis zum Ende. Gerade die Wortspielereien sind ein tolles Aussprachetraining.

Mir persönlich war Trudel Gedudel stellenweise ein zu treudoofes, naives Huhn und ich frage mich immer noch, wer eigentlich Tante Elli war, deren Lebensweisheiten Trudel doch dermaßen stark beeinflussen. Vielleicht gibt es ja eine Fortsetzung? Schließlich kehrt Trudel Gedudel am Ende auch nicht zurück zum Hühnerhof.

Ich bedanke mich ganz herzlich beim Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplars!

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Graham Moore: „Der Mann, der Sherlock Holmes tötete“

Graham Moore
Eichborn Verlag
empfohlenes Alter: ab 16 Jahre
22,00€

EIN BRUTALER KILLER

Sherlock Holmes‘ berühmter Schöpfer, Sir Arthur Conan Doyle, hat eine neue Obsession: Er jagt einen Serienmörder, der es auf junge Frauen abgesehen hat. Er durchstreift die dunklen Straßen des viktorianischen London – auf der Jagd nach einem Täter, der ihm immer und immer wieder entwischt.

EIN VERSCHOLLENES TAGEBUCH

Conan Doyle hält seine Ermittlungsergebnisse, seine Indizien und Überlegungen in einem Tagebuch fest – ein Tagebuch, das verschwindet und selbst hundert Jahre später noch verschollen ist.

EIN TÖDLICHES GEHEIMNIS

Im London der Gegenwart wird der junge Sherlock-Holmes-Fan Harold in einen Mordfall verwickelt, bei dem es vor Hinweisen auf die Geschichten des berühmten Meisterdetektivs nur so wimmelt. Auch Conan Doyles verschollenes Tagebuch spielt dabei eine wichtige Rolle… (Klappentext)

Elementar…

1893 beschließt Arthur Conan Doyle sich vom Schatten seiner berühmtesten Schöpfung zu befreien und stürzt Sherlock Holmes im Reichenbachfall in den Tod. Die Empörung über den Tod des Meisterdetektives ist enorm. Selbst Jahre später wird Conan Doyle mit Hassschriften und Anfeindungen konfrontiert. Sogar eine Briefbombe wird ihm zugestellt und detoniert an seinem Schreibtisch. Mit enthalten ist ein Zeitungsausschnitt über den Mord an einer jungen Frau im East End, der jedoch von Scotland Yard wenig Beachtung fand. Conan Doyles Aufmerksamkeit ist geweckt und gemeinsam mit seinem Freund Bram Stoker – ja, derselbe, der „Dracula“ geschrieben hat – nimmt er die Ermittlungen auf.

Im Jahre 2010 tritt Harold den Baker Street Irregulars bei, einer Vereinigung von Sherlock Holmes Experten und Gelehrten. Sein versiertestes Mitglied, Alex Cale, behauptet, das verschollene Tagebuch von Sir Arthur Conan Doyle gefunden zu haben. Conan Doyle hat zeitlebens akribisch Tagebuch geführt und aus seinem Nachlass fehlte nur ein einziger Band, der den Zeitraum zwischen Oktober und Dezember 1900 umfasst. Also genau den Zeitraum, in dem Conan Doyle und Stoker auf eigene Faust nach einem Serienkiller suchten.

Die beiden Erzählstränge werden abwechselnd weitergesponnen, sodass durch das gesamte Buch hinweg ein hoher Spannungsbogen aufrecht gehalten wird. Arthur Conan Doyle und sein viktorianisches London werden dermaßen authentisch beschrieben, dass man am Ende das Gefühl hat, wirklich dabei gewesen zu sein. Bisher kannte ich Arthur Conan Doyle nur als Schöpfer von Sherlock Holmes. Der Meisterdetektiv nimmt die Aufmerksamkeit des Lesers so in Anspruch, dass der Mann, der ihn erdachte, traurigerweise ein bisschen zu viel Missachtung erfährt. Umso gefesselter war ich von dem Menschen Arthur Conan Doyle, den Graham Moore – wie ich finde – meisterhaft eingefangen hat. Auch die vielen Zeitgenossen werden unglaublich authentisch dargestellt.

In diesem Erzählstrang steckt wahnsinnig viel Recherchearbeit. Das merkt man. Viele bekannte Persönlichkeiten, die Nähe zu Sherlock Holmes‘ Schöpfer, das düstere London, in dem ein Serienmörder junge Frauen ermordet. Dagegen nimmt sich der Erzählstrang in der Gegenwart deutlich schwächer aus. Mir kam Harold wie eine schwabbelige weiße Masse vor. Wenn er dann noch besser deduziert als Sherlock Holmes es vermocht hätte, kommt das etwas unglaubwürdig rüber. Die Kriminalgeschichte um das Tagebuch ist komplex und leidlich spannend, aber insgesamt habe ich mich mehr auf die Kapitel mit Arthur Conan Doyle gefreut.

Für Sherlockianer – ob Fan der Bücher oder der Serie ist egal – ist dieser Roman auf jeden Fall gutes Lesefutter!

Vielen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar!

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Max & Jakob: „Kann ich nicht sagen, muss ich nackt sehen“

Max & Jakob
Penguin Verlag
10,00€

Max und Jakob begeistern zigtausend Fans. Und zwar indem sie miteinander darüber reden, was sie bewegt, glücklich macht oder runterzieht. Große Überraschung: Das hat vor allem mit Frauen, Sex und Beziehungen zu tun. Dabei sind sie so schonungslos ehrlich und selbstironisch, dass man nicht aufhören kann, ihnen zuzuhören. Weil sie einen zum Lachen und zum Nachdenken bringen. Und weil es in einer Welt voll Selbstoptimierungs-Ratgebern und perfekter Instagram Accounts einfach wunderbar beruhigend ist, dass wir letztlich doch alle dieselben Hoffnungen, Ängste und Probleme haben. (Klappentext)

Geschwafel mit Tiefgang

Max und Jakob, deren wahre Identitäten und Gesichter absolut geheim sind, haben einen Podcast, in dem sie über Liebe, Sex und Partnerschaft plaudern, als säßen sie nur zu zweit auf dem heimischen Sofa. Mit „Beste Freundinnen“ haben die beiden bereits ein Buch zu ihrem Podcast herausgebracht, in dem Fans die Gespräche der beiden noch einmal nachlesen können. Wem das zu öde ist, der sollte lieber weiterhin den Podcast hören. Wer aber einfach nicht genug kriegen kann und sämtliche Feinheiten der Gespräche schwarz auf weiß nachlesen möchte, sollte unbedingt auf „Kann ich nicht sagen, muss ich nackt sehen“ zurückgreifen. Die Themen sind wirklich vielfältig, sodass sich vermutlich jeder an der einen oder anderen Stelle angesprochen fühlt. Für Frauen birgt dieses Buch einen ungeahnten Wissensschatz. Ein bisschen wie eine kleine Bibel über Männer. Von einem erhellenden A-ha! bis zu einem Stirnrunzeln über die Simplizität männlicher Gedanken und Verhaltensmuster ruft dieses Buch doch einige Gefühle hervor. Parallelen zu Dr. Sommer lassen sich durch das Frage-Antwort-Schema natürlich nicht von der Hand weisen. Ist halt so. Max und Jakob wirken durch ihre authentischen Inhalte, die einen gewissen Identifikationswert haben. Sie mixen tiefgründige Themen mit provokanten Aussagen, die teils auch unter die Gürtellinie zielen. „Kann ich nicht sagen, muss ich nackt sehen“ ist für alle Fans des Podcasts sicherlich eine schöne Erweiterung. Alle anderen sollten aber kein Feuerwerk an zotigen Anekdoten erwarten. Hier wird nicht darauf gezielt, möglichst viele Witze über Männer und Frauen unterzubringen. Im Vordergrund stehen Authentizität und das Gefühl, das Leben nicht zu ernst zu nehmen.

Max & Jakob
„Beste Freundinnen“
Bastei Lübbe
10,00€
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