Kategorie: Kinderbücher

Annette Roeder: „Hetty Flattermaus fliegt hoch hinaus“ (Die Hetty Flattermaus-Reihe, Band 1)

Annette Roeder (Autorin)
Julia Christians (Illustratorin)
cbj Verlag
empfohlenes Alter: ab 6 Jahre
13,00€

Die winzigkleine Hummelfledermaus Hetty

wird von ihrer Mama Hulda liebevoll umsorgt und soll vor allen Gefahren beschützt werden, doch Hettys Abenteuerlust ist nur schwer zu bremsen. Nicht einmal gruselige Geschichten über eine gefährliche Gespensterfledermaus halten sie auf. Im Gegenteil: Hettys Neugier auf die spannende Welt außerhalb der heimischen Dachgaube wird nur noch größer … Immer wieder findet die furchtlose und kontaktfreudige Mini-Fledermaus Möglichkeiten, auszubüchsen und mit ihrer besten Freundin Fidelia Fledertier und dem Etruskerspitzmausjungen Möppelchen Pi von Abenteuer zu Abenteuer zu flattern … (Klappentext)

Vom Ungehorsam der Kinder und von Propeller-Mamis

In einem verlassenen Herrenhaus lebt das winzige Fledermäuschen Hetty in einer großen Fledermauskolonie. Sie führen ein beschauliches, fast schon menschliches Dasein mit vielen Verpflichtungen, wie zum Beispiel in Homeoffice arbeiten, Schule und Flötenunterricht. Hettys Mutter Hulda ist zwar eine liebevolle und fürsorgliche Mama, doch sie behütet und beschützt ihr einziges Kind, bis ihr kaum noch genug Luft zum Atmen bleibt. Dabei ist Hetty doch so abenteuerlustig und neugierig auf die Welt außerhalb des Herrenhauses. All den Gruselgeschichten und Verboten zum Trotz entwischt sie aus ihrer sicheren Dachgaube und erkundet das weitläufige Parkgelände. Auf ihrer Erkundungstour trifft Hetty natürlich auf außergewöhnlichen Wesen, erlebt spannende, aber auch gefährliche Abenteuer und findet neue Freunde.

Ich habe das Buch meinem 4jährigen Sohn vorgelesen. Jeden Abend ein bis zwei Kapitel. Vom Umfang und Inhalt ist ‚Hetty Flattermaus‘ bedenkenlos für diese Altersgruppe geeignet. Bei insgesamt 19 Kapiteln ist man außerdem eine ganze Weile mit Lesestoff versorgt. Probleme, der Handlung zu folgen, gab es bei meinem Sohn überhaupt nicht. Die zuckersüßen und sehr abwechslungsreich gestalteten Figuren haben uns von Anfang an verzaubert. Insbesondere über den verknoteten Regenwurm können wir immer noch lachen. Auch die Aufmachung des Buches überzeugt. Auf dem farbigen Lageplan des Anwesens La Rondine lassen sich die Stationen von Hettys Abenteuer nachverfolgen. Alle übrigen Seiten sind liebevoll und passend zur Handlung illustriert.

‚Hetty Flattermaus‘ ist eine schöne Geschichte darüber, dass Kinder Eltern gegenüber manchmal ungehorsam sein müssen, um ihre eigenen Fehler machen zu dürfen. Mama Hulda ist aber auch ein Extremfall: Sie stattet ihre Tochter mit einem Peilsender aus, um immer genau zu wissen, wo sie steckt. Ich fand es ein bisschen Schade, dass am Ende die Einsicht der Mutter fehlte, ihrem Kind mehr Vertrauen zu schenken und einfach mal ein bisschen loszulassen. Aber das kann noch kommen. Immerhin handelt es sich bei diesem Buch um den ersten Band der Reihe. Uns hat es ein großes Lesevergnügen bereitet, bei den Abenteuern der kleinen Hummelfledermaus dabei zu sein.

Vielen Dank an cbj für das Rezensionsexemplar!

Mikel Casal: „Meine ganz (außer) gewöhnlichen Nachbarn“

Mikel Casal
Prestel Verlag
empfohlenes Alter: ab 5 Jahre
15,00€

Niko lebt in einer kleinen Stadt am Meer. Die Stadt und ihre Bewohner sind auf den ersten Blick ganz gewöhnlich – doch Niko hat entdeckt, dass alle etwas Besonderes an sich haben, das sie einzigartig und interessant macht. Willst du Nikos ganz (außer) gewöhnliche Nachbarn und Freunde kennenlernen?

Ein lustiges und poetisches Buch mit der Botschaft „Jeder Mensch ist etwas Besonderes“. (Klappentext)

Künstlerisch und thematisch ein wertvolles Buch

Neunzehn Persönlichkeiten, die facettenreicher kaum sein könnten und dabei in ein und derselben Nachbarschaft leben, werden in diesem farbenfroh illustrierten Kinderbuch vorgestellt. Dank der liebevollen Texte, wird einem schnell bewusst, dass wir unseren Fokus nicht ausschließlich auf jene richten sollten, die nach gesellschaftlichen Maßstäben etwas darstellen. Zum Beispiel, indem sie  jede Menge Follower auf diversen Internetplattformen anhäufen. Oder sich mit großartigen Talenten in den Vordergrund drängen, eine dramatische, politische Botschaft verbreiten oder als Superheld im Kino auftreten. Auch hinter dem scheinbar Normalen kann sich eine außergewöhnliche Persönlichkeit verbergen. Man muss sie nur wahrnehmen.

In „Meine ganz (außer) gewöhnlichen Nachbarn geht es nicht nur um Individualität, sondern auch darum, das Normale – was eventuell auch als langweilig eingestuft wird – mehr wertzuschätzen und die Menschen in unserem näheren Umfeld bewusst wahrzunehmen und ihnen mit mehr Offenheit zu begegnen.

Das Buch animiert dazu an, sich seine eigenen Nachbarn einmal etwas genauer anzusehen und sie nicht nach einem kurzen Blick oder einem knappen Gruß in eine Schublade zu stecken. Für uns Erwachsene ist das natürlich schwerer als für Kinder. Wir wissen, wie viel Dummheit und Bosheit auf der Straße herumläuft. Wir sind häufig mit uns selbst und unseren Terminen beschäftigt. Aber dieses Buch bietet einen kleinen Denkanstoß, doch noch einmal genauer hinzusehen. Wer weiß, was und wen man entdeckt? Vielleicht doch etwas Gutes. Kinder öffnen sich dem Thema noch völlig unvoreingenommen.

An dem Buch begeistern vor allem die Farben und die witzigen Hintergrundgeschichten. Auf die Altersempfehlung von mindestens 5 Jahren sollte schon geachtet werden, denn die Texte sind etwas tiefgründiger und mit allerlei außergewöhnlichem Vokabular gespickt, bei dem die Aufmerksamkeit jüngerer Kinder sich rasch verflüchtigt. Außerdem gibt es keine richtige Geschichte, sondern auf jeder Doppelseite nur eine Person mit der dazugehörigen Charakterisierung.

Ich bedanke mich beim Prestel Verlag für das schöne Rezensionsexemplar!

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Joanne Liu: „Abenteuer in der Stadt“

Joanne Liu (Autorin/ Illustratorin)
Prestel Junior Verlag
empfohlenes Alter: ab 3 Jahre
12,00€

Max darf heute ganz alleine einen Brief zum Briefkasten bringen. Auf seinem Weg durch die Stadt entdeckt er viele wunderbare Dinge: Bunte Wäsche-Wirbel im Waschsalon, sein eigenes Spiegelbild in einer Pfütze oder tanzende Blätter im Wind. (Klappentext)

Das Wundersame im Alltäglichen

Der kleine Max erhält einen wichtigen Auftrag. Er soll für seine Mama einen Brief in den nächsten Briefkasten werfen. Sein Weg führt ihn durch die ganze Stadt und dabei begegnen ihm lauter Dinge, die alltäglich erscheinen, doch Max bringen sie zum Staunen. Aus der Sicht eines Kindes werden so die banalsten Kleinigkeiten zu etwas Besonderem. Insbesondere da die Erwachsenen blind für ihre Umwelt geworden sind. Sie starren wie hypnotisiert auf ihre Smartphones oder hetzen zum nächsten Termin, gehen ihren Freizeitbeschäftigungen nach, aber sie sehen eben nicht so hin wie ein Kind. Aus diesem Grund entgeht ihnen die Spiegelung des Himmels mit seinen Wolkenkratzern und Flugzeugen in der Pfütze am Rinnstein. Sie sehen auch nicht die bunten Blätter, die der Herbstwind aufwirbelt. Oder das Farbenspiel einer untergehenden Sonne.

Die Illustrationen von Joanne Liu sind zwar farbenfroh, dafür aber ziemlich einfach gehalten. Sie scheinen geradewegs aus dem Malkasten eines Kindes entsprungen zu sein. Aber sie passen sehr gut zu Max‘ Geschichte. Die Illustrationen bilden die Welt ab, so wie sie der kleine Junge wahrnimmt und vermutlich selbst wiedergeben würde.  

Bis auf den Anfang („Max darf einen Brief zum Briefkasten bringen“) und das Ende („Jetzt kann er Mama von seinen Abenteuern erzählen“) gibt es im Buch keinen Text. Natürlich sprechen die Illustrationen für sich und ich persönlich unterstütze es immer, dass Kinder lernen, selbst zu erzählen und zu beschreiben. Aber stellenweise wäre ein bisschen geschriebene Handlung nicht verkehrt gewesen. Auch, um die Aufmerksamkeit der Kinder zu fesseln, die die Seiten sonst nur schnell durchblättern. Erwachsene regt das Buch schon eher zum Nachdenken an. Dass man seinen Alltag einmal entschleunigt, die Augen für seine Umgebung öffnet und die Welt mit kindlicher Neugier betrachtet. Was man da nicht alles für wunderbare Dinge entdecken kann?

Vielen Dank an Prestel für das Rezensionsexemplar!

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Katie Scott: „Die Entstehung des Lebens. Evolution: Eintritt frei!“

Katie Scott (Illustratorin)
Fiona Munro (Autorin)
Prestel Verlag
empfohlenes Alter: ab 8 Jahre
16,00€

Herzlich willkommen zu einer Reise durch die Entstehung des Lebens!

Erkunde eine außergewöhnliche Sammlung von Lebewesen. Von den Algen bis zum Archaeopteryx, von den ersten Säugetieren bis zum frühen Menschen. Jedes Ausstellungsstück erzählt ein Kapitel der Millionen Jahre alten Erdgeschichte. Alle zusammen zeigen, wie die unglaubliche Vielfalt des Lebens entstanden ist. Dieses Museum ist rund um die Uhr geöffnet: Tritt ein und erlebe die faszinierende Geschichte des Lebens auf unserer Erde. (Klappentext)

Evolution kompakt

Das Leben auf der Erde hat sich erhalten können durch ständiges Wiederanpassen an sich verändernde Umweltbedingungen. So vielfältig wie die Lebensbedingungen in der Luft, im Wasser oder auf dem Boden sind, so vielfältig sind auch die Lebensformen. Evolution meint also im Prinzip das Ergebnis einer Unmenge von Entwicklungsprozessen der Organismen vom einfachsten bis zu den heute lebenden. Wer das unglaublich spannend findet und sich schon immer gefragt hat, woher die Tiere und Pflanzen kommen, sollte unbedingt zu „Die Entstehung des Lebens. Evolution“ greifen. Auch dieser Band aus der „Eintritt frei!“-Reihe überzeugt mit seiner Fachkenntnis, Qualität und den künstlerischen Illustrationen von Katie Scott.

Als würde man im Museum von Ausstellungssaal zu Ausstellungssaal gehen, schreitet die Entwicklung der Lebensformen auf unserem Planeten in den Kapiteln voran, die sich jeweils einem Erdzeitalter widmen. Beginnend bei den einzelligen Cyanobakterien des Präkambriums und endend beim Menschen. Wobei anzumerken ist, dass der heutige Mensch wohl kaum das Endergebnis der Evolution darstellt, und hoffentlich auch nicht das Ziel der selbigen war. Dazwischen liegen Entwicklungsstufen, die uns heute mehr als sonderbar erscheinen. Viele der durch Katie Scott hervorragend illustrierten Lebensformen scheinen einem Kabinett der Kuriositäten entsprungen zu sein. Monströs anmutende Wesen, die perfekt an die damaligen Lebensbedingungen angepasst waren. Bei vielen von ihnen ist man froh, dass sie ausgestorben sind.

Vom Verlag wird das Buch für Kinder ab 8 Jahren empfohlen. Nach meiner Auffassung ist das ein bisschen zu jung. Für Dinosaurierliebhaber stellen die Illustrationen vermutlich den größten Reiz dar, doch die Texte, obwohl nicht lang und ausschweifend, sind vollgepackt mit fachspezifischen Zungenbrechern wie Placodermi, Asteroxylon, Ambulocetus und Paraceratherium. Schulkinder können von diesem Buch als ergänzendes und gut erklärendes Werk zum gymnasialen Biologieunterricht,  ab der 5. Klasse,  bestimmt mehr profitieren. Auch Erwachsene, die gern einen Einblick und Gesamtüberblick über die Evolution haben möchten, um ihr Allgemeinwissen aufzufrischen, können mit diesem Buch sehr zufrieden sein.

Wieder einmal bedanke ich mich beim Prestel Verlag für dieses großartige Rezensionsexemplar!

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Victor Medina: „Am Hafen: Von Hongkong bis Hamburg“

Victor Medina (Autor/ Illustrator)
Mia Cassany (Autor)
Prestel Verlag
empfohlenes Alter: ab 5 Jahre
15,00€

Von der Antarktis bis nach Hawaii und Hamburg, von New York über Hongkong bis in den afrikanischen Dschungel: Es gibt viel zu entdecken! Ein Hafen ist ein ganz besonderer Ort.

In jeder Ecke verbirgt sich ein Geheimnis, jeder Winkel erzählt von sagenhaften Geschichten und aufregenden Abenteuern. (Klappentext)

Alle Mann an Bord!

Seit Menschengedenken sind Häfen wichtige Dreh- und Angelpunkte für Handel und Wirtschaft. Dort prallen Kulturen aufeinander, vermischen sich und tauschen sich aus. Es sind Orte, an denen alles und jeder ankommt, ohne länger verweilen zu wollen. Es gibt sie überall auf der Welt und gab sie bereits vor vielen tausend Jahren. Um solche pulsierenden Knotenpunkte geht es in dem Buch. 15 verschiedene Häfen rund um den Globus verteilt werden hier großformatig porträtiert. Jeder Hafen könnte sich kaum mehr von den anderen unterscheiden. Vom düsteren, verregneten Londoner Hafen ins satte Grün der Urwälder und bis in die eisigen Polargebiete.

Die Illustrationen stammen von Victor Medina, einem freischaffenden, spanischen Illustrator. Seine Arbeiten sind geprägt vom Stil der 50er Jahre. Sie umfassen eine Fülle von Details und Texturen in leuchtenden Farben. So manche Kuriosität mischt sich unter das hektische Hafentreiben. Mia Cassany, die ebenfalls eine spanische Autorin ist, steuert zu jedem Hafen eine Textpassage bei. Kurz und knapp, gewürzt mit interessanten sowie amüsanten Fakten.

Die Illustrationen erzählen viele kleine Geschichten. Kinder können viel entdecken und lernen spielerisch landestypische Klischees, die in den Bildern versteckt sind. Viel Vorzulesen gibt es nicht. Es sind die Illustrationen, die zum Sprechen animieren und die Fantasie anregen. Kindern wird die Vielfalt der Welt nähergebracht in einer farbenfrohen Reise von Hafen zu Hafen.

Insgesamt ist „Am Hafen“ wieder einmal ein sehr gelungenes Werk aus dem Prestel Verlag mit zeitlosen Illustrationen, in denen es durch ihren Wimmelcharakter viel zu entdecken gibt.

Ich bedanke mich beim Verlag für dieses wunderbare Rezensionsexemplar.

Siehe hier noch mehr von Mia Cassany auf meinem Blog:

„Atlas der wundersamen Orte“
„Wildnis: Wo seltene Tiere und Pflanzen zuhause sind“
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Britta Teckentrup: „Fische, Fische überall“

Britta Teckentrup
Prestel Junior Verlag
empfohlenes Alter: ab 6 Jahre
20,00€

Ein Natur-Sach-Bilderbuch mit leuchtenden Illustrationen von Britta Teckentrup.

Fische sind überall! Sie leben im Meer, in Süßwasser-Seen, im Eis und sogar in der Wüste. Erkunde Korallenriffe, beobachte, wie Forellen flussaufwärts schwimmen, und reise Tausende Meter in die Tiefsee, wo Fische ihr eigenes Licht machen.

Setz deine Schwimmbrille auf und tauche ein in die faszinierende Welt der Fische. (Klappentext)

Umfangreich, informativ und dabei ein wunderschönes Bilderbuch

Einmal mehr möchte ich euch ein Buch von Britta Teckentrup näherbringen, deren Werke einfach immer eine Bereicherung sind. Ihr neuestes Werk heißt „Fische, Fische überall“ und widmet sich, wie der Titel bereits vermuten lässt, den Wasserbewohnern unseres Planeten. Nach einer einführenden Übersicht  über die Vielfältigkeit der Meerestiere und einer kleinen Suchaufgabe für Kinder, wird ziemlich schnell in die wissenschaftliche Betrachtung übergeleitet. In schematischen Zeichnungen wird der Unterschied zwischen Knochen- und Knorpelfischen dargestellt. Ganz wie in einem Biologiebuch. Sogar die Funktionsweise einer Schwimmblase wird erklärt. Es folgt die evolutionäre Entwicklung der Fische, vom Devon bis heute. Nach diesem knappen historischen Abriss wird eine Kategorisierung in  Süßwasser- und Salzwasserarten vorgenommen. Die Anpassung an ihre besonderen Lebensräume, ihre Nahrungssuche, Fortpflanzung, Überlebensstrategien warten immer mal wieder mit witzigen, aber durchweg spannenden Fakten auf. Auch der Einfluss des Menschen auf den Lebensraum der Fische durch Überfischung und Plastikmüll findet Erwähnung.

„Fische, Fische überall“ ist ein künstlerisches Sach-Bilderbuch und bestens für kleine Entdecker geeignet. Die Illustrationen sind im typischen Stil von Frau Teckentrup gehalten, eher abstrahierte Tier- und Naturdarstellungen, die collagenartig zusammengefügt sind. Sie bringt den Kindern die Artenvielfalt im Wasser und Naturphänomene sachlich korrekt nahe. Auf den Seiten wird unheimlich viel Wissenswertes vermittelt. Zwischendrin gibt es immer wieder Suchaufgaben, die die Neugier der Kinder hoch halten. Die Altersempfehlung würde ich bei diesem Werk auf jeden Fall beachten. Die Seiten sind randvoll mit Illustrationen und jeder Menge erklärendem Text. Als Rundumschlag zum Thema Fische für vom Thema begeisterte Kinder ist „Fische, Fische überall“ allen zu empfehlen.

Vielen Dank an Prestel Junior für das Rezensionsexemplar!

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Raman Prinja: „Das Planetarium: Eintritt frei!“

Raman K. Prinja (Autor)
Chris Wormell (Illustrator)
Prestel Verlag
empfohlenes Alter: ab 8 Jahre
25,00€

Willkommen im Planetarium!

Dieses Museum ist rund um die Uhr für Besucher jeden Alters geöffnet. Es beherbergt eine unglaubliche astronomische Sammlung – von kleinen, eisigen Monden bis hin zu riesigen, wirbelnden Galaxien. Das Planetarium ist das einzige Museum der Welt, das Sterne, Planeten, entfernte Galaxien und geheimnisvolle Dunkle Materie ausstellt.

Tritt ein und entdecke die unfassbaren Wunder des Universums! (Klappentext)

Eine meisterhaft illustrierte Reise bis an die Grenzen des Universums

„Eintritt frei!“, heißt es bei dieser Sachbuchreihe des Prestel Verlags, die wie ein Museum im Buchformat aufgemacht sind. Der neue Band entführt in die unendlichen Weiten des Weltalls. Statt von Kapitel zu Kapitel wandelt der Leser von Saal zu Saal. Je weiter man liest, umso mehr entfernt man sich von der Erde und umso tiefer dringt man in das All vor. Systematisch werden einem das eigene Sonnensystem, die Sterne und weit entfernte Galaxien erklärt. Dabei bleibt kaum eine Frage unbeantwortet. Was ist ein Stern? Wie entstehen Sterne überhaupt? Welche Planeten gibt es? Was ist Licht? Eine Fülle jener Fragen, mit denen Kinder einem den Schweiß auf die Stirn treiben, wird in diesem Buch glücklicherweise erklärt. Und dabei auch noch so verständlich, dass einem als Erwachsenen nicht gleich der Kopf raucht und man sich fragt, wie verkaufe ich dieses Wissen jetzt am besten meinem Kind?

Jeder Saal erweitert die eigene Vorstellungskraft von den Ausmaßen des Universums ein Stückchen mehr, bis wir am Ende versuchen, das All und seine Ausdehnung zu begreifen. Auch wenn es schier das Vorstellungsvermögen des menschlichen Gehirns sprengt, wie groß das Universum tatsächlich ist (und wie winzig in Bezug dazu unser Planet) oder wohin es sich ausdehnt. Dem „Planetarium“ gelingt es hervorragend, einen Eindruck dieser Größe zu vermitteln.

Jedem Thema wird nicht mehr als eine Doppelseite gewidmet. Was vollkommen ausreichend ist. Es gibt einen informativen Text, dessen Wissensfülle enorm ist, aber nicht mit fachspezifischen Ausdrucksweisen vollgestopft ist, bis man am Ende nur noch Bahnhof versteht. Ganz im Gegenteil. Endlich werden einem gut verständliche, schlüssige, nachvollziehbare Antworten gegeben. Dazu kommen die Illustrationen von Chris Wormell, die einfach eine Wucht sind. Kein Wunder, dass das Buch derart großformatig geworden ist. Es musste Raum für die phänomenalen Illustrationen schaffen, in denen man sich stundenlang verlieren kann. In ihrer Machart erinnern sie an Kupferstiche, als hätte man Kunstwerke uralter Meister vor sich.

„Das Planetarium“ ist ein überaus gelungenes Werk und für von der Astronomie begeisterte Kinder sowie Erwachsene geeignet. Es verliert sich nicht in seitenlangen hoch wissenschaftlichen Ergüssen. Der Informationsgehalt ist immer noch sehr hoch, aber er überfordert nicht. Die Texte sind übersichtlich gestaltet und die Illustrationen – wie bereits erwähnt –  ein absoluter Hammer!

Vielen lieben Dank an das Bloggerportal und den Verlag für dieses fantastische Rezensionsexemplar!

Hier eine Auswahl weiterer Bücher der „Eintritt frei!“-Reihe. Das sind bei Weitem nicht alle!

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D. J. MacHale: „Die Bibliothek der Geister – Der schwarze Mond“ (Die Bibliothek der Geister-Reihe, Band 2)

D.J. MacHale
cbj Verlag
empfohlenes Alter: ab 10 Jahre
13,00€

Während Marcus mit seinen Eltern beim Abendessen sitzt, wird der magische Schlüssel, den er an einem Band um den Hals trägt, unglaublich heiß. Ist das ein Notruf aus der Bibliothek der Geister? Tatsächlich: Marcus soll die mysteriösen und sich häufenden Unfälle an einer Schule aufklären. Zerbrochene Fensterscheiben, ein Brand in der Cafeteria, ein gerissenes Kletterseil in der Turnhalle und eine Tribüne, die bei einer Sportveranstaltung zusammenbricht. Das können keine Zufälle sein. Unter großem Zeitdruck muss Marcus herausfinden, wer oder was hinter den Unglücksfällen steckt – bevor jemand ernsthaft verletzt wird.

Hexen hexen

Kurz nach seinem letzten Abenteuer erwärmt sich der Schlüssel um Marcus‘ Hals und ruft ihn erneut in die magische Bibliothek. In einer Mittelschule in Massachusetts geschehen unerklärliche Dinge und es ist nur eine Frage der Zeit, bis jemand ernsthaft zu Schaden kommen wird. Als Agent der Bibliothek muss Marcus eingreifen und die Ursache für die übernatürlichen Störungen finden. So wie es einst sein leiblicher Vater getan hat. Die Spur scheint zu einem Hexenzirkel zu führen, der sich nach vielen Jahrhunderten der Unterdrückung und Hexenverfolgung an der Menschheit rächen möchte.

Die Grundidee ist eigentlich ziemlich spannend und wartet mit vielen Punkten auf, die für mich ein gutes Buch ausmachen. Trotzdem konnte mich das Buch nicht wirklich fesseln. Angefangen bei den Figuren, die zwar sympathisch und jeder auf seine Art außergewöhnlich sind, aber sie sind viel zu oberflächlich gestaltet, sodass es mir sehr schwer fiel, mich in die Geschichte einzufühlen. Die Handlung verläuft sehr geradlinig. Marcus gerät in eine neue Geschichte mit einer übernatürlichen Störung. Kaum da kann er auch schon den Kreis der Verdächtigen eingrenzen und kommt ohne große Verstrickungen dem Kern der Sache nahe. Im Finale wallt tatsächlich Spannung auf und ab da macht es auch wirklich Spaß weiterzulesen, obwohl die Handlung nichts schildert, was man nicht schon von anderen Büchern kennen würde.

Insgesamt hatte ich den Eindruck, der Autor hat die Geschichte mit angezogener Handbremse verfasst und sowohl den Gruselfaktor als auch den Handlungsablauf entschärft. Auch wenn „Die Bibliothek der Geister“ eine Altersempfehlung von 10 Jahren anbietet , hätte dem Buch mehr Substanz, ein bisschen Grusel (bei dem Titel erwartet man schließlich, dass man sich gruseln kann) und mehr Überraschungseffekt gutgetan. Der Schreibstil und die Idee dahinter sind nämlich echt top.

Ich danke dem Verlag, der mir dieses Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat!

D.J. MacHale: „Die Bibliothek der Geister – Der magische Schlüssel“ (Die Bibliothek der Geister-Reihe, Band 1)

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Mia Cassany: „Wildnis: Wo seltene Tiere und Pflanzen zuhause sind“

Mia Cassany (Autor)
Marcos Navarro (Autor/ Illustrator)
Prestel Verlag
empfohlenes Alter: ab 6 Jahre
22,00 €

Komm mit auf eine Reise in die Wildnis!

Entdecke seltene Lebensräume und vom Aussterben bedrohte Tiere, die in wunderbaren Nadel-, Mangroven- und Kakteenwäldern, tiefen Dschungeln, tropischen Regenwäldern und schillernden Wasserfällen zuhause sind.

In fantastischen Illustrationen werden sechzehn Naturlandschaften vorgestellt, die die Heimat unzähliger Tier- und Pflanzenarten sind. Jede von ihnen ist einzigartig und verdient unseren Schutz.

Ein wunderschönes und nachhaltiges Sachbuch mit einem Such-Spiel am Ende. (Klappentext)

Kunst und Natur

„Wildnis“ ist ein Sachbilderbuch, in dem verschiedene Naturräume weltweit vorgestellt werden mitsamt den wichtigsten dort lebenden, bedrohten Tier- und Pflanzenarten. Für jede der insgesamt 16 Landschaften gibt es eine Doppelseite. Das Format ist gigantisch, die Bilder schillernd bunt. In dem Dickicht der Natur verbirgt sich eine überwältigende Artenvielfalt. Man muss schon sehr genau hinsehen, um auch die Vögel, Raupen oder Käfer zu erkennen, die sich auf den Seiten tummeln. Dies erzeugt einen Wimmelbildcharakter. Die Illustrationen sind genauso wie das Format einfach gigantisch: knallbunte Kunstwerke, die zwischen Fantasie und Wirklichkeit schwanken. In den meisten Bildern wird mit Farben und Kontrasten gespielt, sodass man nicht unbedingt von einer naturgetreuen Abbildung sprechen kann. Es geht mehr um den größtmöglichen Effekt. Manchmal etwas zu Lasten des Sehnervs, denn einige Bilder sind wirklich, wirklich grell. Bei anderen Abbildungen war Mutter Naturs Vorgabe schon künstlerisch genug, wie zum Beispiel bei Paradiesvögeln, Schmetterlingen oder dem Tiger.

Die Verbindung von Natur und Kunst lädt auf jeder Seite zum längeren Verweilen ein. Die kurzen Textpassagen vermitteln knapp die wichtigsten Informationen zu den dargestellten Gebieten, der Flora und der Fauna. Der Grat des vermittelten Wissens ist schon ziemlich anspruchsvoll. Für eine Altersfreigabe ab 6 Jahren vielleicht noch etwas zu viel. Doch das Betrachten der farbenfrohen Bilder und die Suche nach verborgenen Tieren bereitet auch schon jüngeren Kindern viel Vergnügen.

Was ich ein bisschen schade finde, ist, dass nicht von jedem Kontinent wenigstens eine Landschaft vorgestellt wird. Am Anfang des Buches befindet sich eine Weltkarte, in der die wilden Landschaften verortet sind. In Europa herrscht gähnende Leere, was besonders im Vergleich mit Asien ins Auge sticht, das mit gleich 5 spektakulären Landschaften vertreten ist. Aber vielleicht gibt es ja in Europa keine wilde Wildnis nach Definition der Autoren? Ebenfalls keinen Platz hat die Antarktis gefunden – nicht einmal auf der Weltkarte. Dabei wäre eine eisige Landschaft im Kontrast zu den mehrheitlich tropischen Regionen doch  auch recht reizvoll gewesen.

Trotz dieses kleinen Kritikpunktes ist  „Wildnis“ eines jener Bücher, das lange Freude bereitet und durch seine Farbkontraste sehr stimulierend für das Kunstempfinden von Kindern ist. Außerdem macht es auf sehr wichtige Aspekte aufmerksam, wie beispielsweise den Artenschutz und den Erhalt von Lebensräumen oder die Auswirkungen, die der Mensch auf die Natur ausübt. Daher auf jeden Fall ein sehr wertvolles Buch!

Vielen Dank an den Verlag, der mir dieses Buch zu Rezensionszwecken zur Verfügung gestellt hat!

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Britta Teckentrup: „Katze & Maus“

Britta Teckentrup
Prestel Verlag
empfohlenes Alter: ab 1 Jahr
14,00€

Kann die kleine Maus der Katze entkommen? Bei dieser spannenden Katz-und-Maus-Jagd lernen schon sehr kleine Kinder spielerisch, räumliche Verhältnisse zu begreifen.

Ein hochwertiges Pappbilderbuch mit Stanzungen – in getesteter Qualität!

Interaktives Kinderbuch im Retro-Style

Ich bin bereits ein großer Fan von Britta Teckentrups Kinderbüchern und in „Katze & Maus“ beweist sie wieder einmal, dass es gar nicht viel braucht, um ein entzückendes Kinderbuch zu gestalten. Die Handlung ist mit wenigen einfachen Sätzen beschrieben. Die kleine Maus sitzt auf einer Mauer, vor ihr, mit hungrigem Blick, die Katze. Schnell läuft die Maus hinein ins Haus und es beginnt eine herzerfrischende Verfolgungsjagd. Die Maus versteckt sich in einer Kiste, sie flieht durchs Mauseloch und läuft treppauf und treppab durchs ganze Haus, hinaus in den Garten und wieder zurück, aber die Katze bleibt  ihr immer dicht auf den Fersen. Die Ausstanzungen stellen die Fluchtwege der kleinen Maus dar, durch die wir ihr von Seite zu Seite folgen. Solche Gucklöcher wecken natürlich die Neugier der Kinder. Gleichzeitig verleihen sie der Handlung eine gewisse Räumlichkeit. Das Ende dieser wilden Jagd querfeldein fällt erstaunlich einträchtig aus und lässt einen schmunzelnd zurück.

Begleitet wird die Geschichte von kurzen Textpassagen in Reimform, was besonders die Sprachentwicklung von Kleinst- und Kleinkindern fördert.  Die Vierzeiler beschreiben kurz und knackig, was geschieht und treiben die Maus an, weiterzulaufen. Text und Bild bilden hier eine wunderbare Einheit.

Britta Teckentrups bewährter atmosphärischer Stil findet sich auch bei „Katze & Maus“ wieder. Sie spielt mit Farben,  Kontrasten und Perspektiven. In dieser Ausführung mit der Konzentration auf einfache Formen und eine schlichte Gestaltung kreiert sie einen Retro-Look, der mich sehr stark an die Kinderbücher meiner Eltern erinnert. Dadurch fühlen sich gleich mehrere Generationen in ihre eigene Kindheit versetzt und greifen natürlich gern zu diesem Buch. Wie äußerst raffiniert!

Britta Teckentrup ist es mit „Katze & Maus“ gelungen, ein zeitloses Kinderbuch zu schaffen. Die Geschichte ist nicht neu, aber sehr schön im Stil von Frau Teckentrup interpretiert. Es ist ein Buch, zu dem man immer wieder greifen kann, das sich Kleinkinder bereits allein ansehen können (die stabilen Pappseiten lassen sich mühelos umblättern), das aber auch bei älteren Kindern nichts von seinem Reiz einbüßt.

Ich danke dem Bloggerportal und dem Prestel Verlag für das kostenlose Exemplar, das mir zu Rezensionszwecken überlassen wurde!

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