Kategorie: Kinderbücher

Karen Christine Angermayer: „Schnauze, jetzt ist Stille Nacht!“

Karen Christine Angermayer
cbj Verlag
empfohlenes Alter: ab 8 Jahren
10,99€

 

 

 

 

 

„Stihille Nacht, heilige Nacht ….!“, brummt Hund Bruno vor sich hin, der die Ruhe schätzt und Veränderungen so sehr verabscheut wie die Betriebsferien seines Lieblingsmetzgers. Doch mit der stillen Nacht und dem Frieden wird es wohl auch dieses Jahr zu Weihnachten nichts werden: Denn erstens muss er zum Advent vorübergehend bei Katze Soja und ihrem Frauchen einziehen und zweitens stellen sie mit Entsetzen fest, dass die Kamele der Heiligen Drei Könige aus der Krippe am Marktplatz verschwunden sind. Klar, dass Soja den Royals unbedingt helfen will. Und so beginnt für die beiden selbsternannten Spürnasen ein Abenteuer, das weder still noch heilig ist! (Klappentext)

Der zweite Adventskalender in Buchform, den ich euch in dieser Woche vorstellen möchte. Für all diejenigen, die noch unentschlossen auf der Suche sind oder im Supermarkt stehen und feststellen, dass einen Tag vor dem 1. Dezember keine gescheiten Adventskalender mehr übrig sind, habe ich eine frohe Botschaft: Ab ins Buchgeschäft!

Ehrlich gesagt, freue ich mich mit der gleichen kindlichen Begeisterung wie mein Sohn, wenn morgen das erste Türchen geöffnet werden darf. In unserer Familie hat jeder einen eigenen Adventskalender, in den die Wichtel jede Nacht eine Kleinigkeit legen. Für den Mann gibt es meistens was Süßes. Mehr braucht er nicht, um glücklich zu sein, sagt er. Ich – in der Weihnachtszeit doch halbwegs darauf bedacht, nicht den obersten Knopf meiner Jeans zu sprengen – freue mich mehr über einen Badezusatz oder Nagellack. Das Kind macht sich nichts aus Süßigkeiten und noch viel weniger aus Nagellack oder dergleichen. Aber was kommt immer gut an? Wenn Mama vorliest.

Schnauze, jetzt ist stille Nacht ist bereits der dritte Band aus der Reihe und in einer stabilen Hardcoverausgabe zu bekommen, die optisch einiges her macht.  Auch bei diesem Adventskalenderbuch wird jeden Tag eine Doppelseite an der Perforation aufgerissen. Dahinter verbirgt sich dann ein neues Kapitel der Geschichte. Da das Aufreißen für Kinder vermutlich ein sehr entscheidener Faktor ist, und man sie natürlich nicht dieses Vergnügens berauben möchte, stehen Eltern vor dem schon bekannten Problem: Man kann nicht Probelesen. Aber dafür bin ich ja da.

Liebe Eltern, dieses Buch könnt ihr bedenkenlos mitnehmen. Die Handlung schreitet aus der täglich wechselnden Sicht zwischen Hund Bruno und Katze Soja amüsant voran. Die Charaktere sind ganz liebevoll gestaltet. Dank der großzügigen Schriftgröße und eines unkomplizierten Schreibstils ist das Buch für die ersten eigenen Leseversuche eines Kindes bestens geeignet, aber auch jüngere Kinder finden Gefallen an der Geschichte. Die täglichen Kapitel sind nicht zu lang.

Und noch ein Vorteil für alle, die wie wir in der Adventszeit viel herumreisen, dieses Buch passt in jede Handtasche. So muss keinen einzigen Tag auf das Lesevergnügen verzichtet werden.

 

Gerlis Zillgens: „Lametta ist weg“

Gerlis Zillgens
cbj Verlag
empfohlenes Alter: ab 8 Jahren
7,99€

 

 

 

Der adelige Kater und ehemalige Zirkusartist von Mauswart findet die Vorweihnachtszeit ziemlich lästig. Die Zweibeiner, die jetzt ständig ins Tierheim Für alle Felle kommen, gehen ihm schrecklich auf die Nerven. Da helfen auch die Freunde Paule, das kleine Meerschweinchen, und Flöckchen, die große Deutsche Dogge, nicht weiter. Wie gut, dass es wenigstens Lametta gibt. Die ist nicht nur die schönste Katze aller Zeiten. Sie riecht auch so unglaublich gut. Doch dann geschieht das Ungeheuerliche: Auf einmal ist Lametta weg! (Klappentext)

Als Alternative zum üblichen Adventskalender mit Süßigkeiten gibt es für Kinder diese Adventsgeschichte in 24 Kapiteln. Jeden Tag wird durch Aufreißen eine Doppelseite geöffnet und die Geschichte spinnt sich fort. Eine schöne Idee, doch mit Schwächen. Ein Probelesen ist durch die verschlossenen Seiten nicht möglich. Man kann zwar versuchen, zwischen die Seiten zu lugen, aber … nein, eigentlich bringt es das nicht. An der Perforation lassen sich die Seiten leicht voneinander trennen, auch ohne Lineal oder Brieföffner (Steht so in der kleinen Gebrauchsanweisung auf der ersten Seite. Wie niedlich.) Ich habe meinen Finger genommen und kann lobend berichten, dass keine einzige Seite beschädigt oder sonst wie in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Das Taschenbuchformat ist für junge Leser vermutlich ganz praktisch, obwohl ich Hardcover bevorzugen würde. Hier erinnert die Buchbindung an ein einfaches Leseheft, dessen Nutzung nicht von Dauer sein soll.  Die Illustrationen sind sicherlich Geschmackssache, zeugen jedoch nicht von großer Kunstfertigkeit.

Einige Grundideen und die Gestaltung der unterschiedlichen Tiercharaktere sind schon witzig. Die Handlung ist zeitweise spannend und amüsant, die Abschnitte sind kurzweilig und enden manchmal ziemlich abrupt. Am Schreibstil gibt es nichts auszusetzen. Nur eine Frage hätte ich: Wie passend sind bitte Formulierungen wie ‚Ich bringe sie alle um‘ in einem Kinderbuch?

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Tom Fletcher: „Der Weihnachtosaurus“

 

Tom Fletcher
cbt-Verlag
empfohlenes Alter: ab 8 Jahren
14,99€

 

 

 

Die Weihnachtswichtel am Nordpol sind ganz aus dem Häuschen, als sie tief im Eis ein geheimnisvolles Ei entdecken. Der Weihnachtsmann höchstpersönlich brütet das Ei unter seinem dicken Po aus. Zur Verblüffung aller schlüpft ein freundlicher kleiner Dinosaurier: der Weihnachtosaurus. Zufällig schickt zur gleichen Zeit, tausende Kilometer entfernt, ein kleiner Junge namens William seinen Wunschzettel an den Weihnachtsmann ab: Er wünscht sich einen echten Dinosaurier. Als William und der Weihnachtosaurus einander in der Weihnachtsnacht begegnen, erleben die beiden nicht nur ein fantastisches, zum Brüllen komisches Abenteuer, sondern auch, was es heißt, den Wünschen seines Herzens zu folgen. (Klappentext)

Jajaja, ich weiß. Es weihnachtet immer mehr, und das schon im November. Aber vielleicht ist der ein oder andere bereits auf der Suche nach Weihnachtsgeschenken? Den Weihnachtosaurus kann ich jedem ans Herz legen, der eine klassische Weihnachtsgeschichte zu schätzen weiß. Und der Dinosaurier mag.

Nach meiner Auffassung gehört zu einer guten Weihnachtsgeschichte immer eine ordentliche Portion Tragik. Die ist wichtig, damit das Weihnachtswunder umso eindrucksvoller zur Geltung kommt. Beim Weihnachtosaurus verbirgt sich so ziemlich hinter jeder Figur ein tragischer Hintergrund. Die Hauptfigur William Trudel beispielsweise sitzt nach einem schweren Unfall in der frühen Kindheit im Rollstuhl, seine Mutter ist verstorben, der Vater bemüht sich nach Kräften. Ein sensibles Thema, das von Autor und  Verlag einfühlsam erzählt wird. Trotz seiner Beeinträchtigung ist William ein fröhliches, aufgewecktes, in Dinosaurier verliebtes Kind. Selbst als die neue Mitschülerin, mit dem lautmalerischen Namen Brenda Pein, William in der Schule schikaniert und er von seinen Freunden ausgegrenzt wird, lässt William sich nicht unterkriegen.

Derweil haben die Wichtel am Nordpol fleißig Geschenke aus dem Eis gegraben. Ja, richtig gelesen. Ausgegraben. Die Erklärung, dass Geschenke tief unten im Eis an den Wurzeln der magischen Weihnachtsbohnen entstehen, ist gleichermaßen kurios wie amüsant. Auf diese Art finden die Wichtel das tiefgefrorene Dinosaurierei, aus dem später der Weihnachtosaurus schlüpft. Wichtel sprechen übrigens immer in Reimen. Herrlich, und hin und wieder ein wenig unflätig.

Auf vielen Seiten finden sich schwarz-weiß Illustrationen, die mit liebevollen Einzelheiten versehen sind. Mir gefällt der korpulente Weihnachtsmann, insbesondere wenn er das Ei ausbrütet.

In dieses Buch ist sehr viel Liebe geflossen, die Begeisterung für das Weihnachtsfest ist auf jeder Seite spürbar. Die Handlung ist stellenweise etwas langatmig geraten, aber durchaus spannend mit bewährten Figurenkonstellationen. Sehr hübsch für Kinder und als Geschenkidee nicht zu verachten.

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