Kategorie: Rezensionen

Sarah Adler: „Knochenjob!“

Sarah Adler
Drachenmond-Verlag
ISBN: 9783959911924
12,90€

 

 

 

Drei wissenswerte Tatsachen

1. Dies ist eine Geschichte über den Tod.
2. Dies ist eine Geschichte über den Tod, der das Nasenbein gestrichen voll hat von rostigen Sensen und kratzigen Umhängen.
3. Dies ist eine Geschichte über den Tod, die folgende Dinge beinhaltet:
Das Leben
Das Schicksal
Eine Reise zur Zeit
Den todesmutigen Versuch, ein paar Menschen zu retten
Und ein zufällig gelüftetes Geheimnis, das alles über den Haufen wirft.

Aber lest selbst.

(Klappentext)

Die Memoiren des Todes…

…sind alles andere als seichte Unterhaltung.

Tod ist cool. Tod kennt sich aus. Er weiß, wie der Hase läuft. Tod macht keiner etwas vor.
Nach Abermillionen von Jahren Evolutionsgeschichte hat er es nur einfach satt, der Buhmann zu sein, der keine Anerkennung für seine Arbeit erhält. Im Gegensatz zu seinen Kollegen, Leben, Schicksal, Glück und Zufall, leistet er schwerste Knochenarbeit. Er beschließt also, sein Image zu ändern und mit Zeit ein paar bessere Arbeitsbedingungen auszuhandeln.  Während Tod uns so an seinen Anekdoten teilhaben lässt und sich durch den Blätterteig der Realitäten wühlt auf der Suche nach einem Schokoladendrops schwankt seine Erzählweise stets zwischen Sarkasmus und Zynismus. Herrlich! Was für ein Lesegenuss!
In jedem verschachtelten Satz, jeder feinsinnigen Metapher und Redewendung ist das Herzblut der Autorin zu spüren. Dabei ist das Thema nun wahrlich kein leicht verdauliches. Immerhin geht es um den Tod. Und trotz der vielen, vielen amüsanten Stellen verliert die Geschichte nie an Ernsthaftigkeit. Es gibt einige Passagen, nach denen man sich als Mensch recht unbedeutend und klein fühlt. Die Betrachtungen über Werden und Vergehen rufen schon ein paar tiefgründige Gedanken über unser eigenes Dasein hervor. Aber so ist der Kreislauf nun einmal und der Tod ist, wenn wir diesem Buch Glauben schenken, eigentlich ein ganz sympathischer Typ.
Das Einzige, womit ich Probleme hatte, ist die Formatierung des Textes. Manch einer mag es für eine liebevolle Gestaltung halten. Dem stimme ich bis zu einem gewissen Punkt sogar zu, die Sterne und gekreuzten Knochen vom Cover finden sich im Buch wieder. Das ist eine schöne runde Sache. Aber… abgesehen davon wird die Geschichte von zu vielen Zwischenüberschriften innerhalb der Kapitel unterbrochen. Es gibt zu viele Absätze, zu viele unterschiedliche Arten von Auflistungen, Fußnoten, die eigentlich nicht nötig sind, da sie nichts enthalten, das nicht auch in den normalen Fließtext gepasst hätte. Das alles zusammen stört den Lesefluss. Ich habe sehr häufig den Faden verloren. Die Geschichte an sich ist komplex genug. Da fand ich es schade, dass mich solche formellen Dinge vom Lesen abgelenkt haben.
Trotzdem ist dieses Buch eine absolute Leseempfehlung! Wenn jemand schreiben kann und uns unbedingt mit weiteren Geschichten versorgen sollte, dann Sarah Adler!

Tom Booth: „Bloß nicht blinzeln!“

Tom Booth
cbj Verlag
empfohlenes Alter: ab 3 Jahren
12,99€

 

 

 

 

Bloß nicht blinzeln! Dieses Spiel kennt jedes Kind. Doch einem Vogel, einem Elefanten oder einer Giraffe hat bestimmt noch niemand in die Augen gestarrt, bis sie wehtun. In diesem wunderschön illustrierten Bilderbuch kommen immer mehr Tiere dazu, um am Blinzelspiel teilzunehmen – und dabei treten sie nicht gegen irgendwen an, sondern gegen den Leser höchstpersönlich. Als ihnen allen schließlich die Augen zufallen, weiß keiner, wer eigentlich gewonnen hat. Ob es dem kindlichen Leser gelungen ist, nicht zu blinzeln?

Die Rezension dieses Buches macht mir aus mehreren Gründen besonderen Spaß.
Bei Kinderbüchern zählt ja nicht nur meine Meinung allein, sondern auch die des Kindes beziehungsweise die Reaktion auf besagtes Buch.
„Bloß nicht blinzeln!“ ist etwas Besonderes, denn es durchbricht die vierte Wand, indem es den Leser in die Handlung einbezieht und zum gemeinsamen Spielen auffordert. Ein ziemlich kluger Kunstgriff. Und obwohl ich anfangs skeptisch war, inwiefern mein gerade einmal 2 Jahre alter Sohn den Unterschied zwischen Blinzeln und Starren begreift, wurde ich eines Besseren belehrt. Unfassbare vier Mal musste ich das Buch heute Abend vorlesen, es wurde sogar ins Bett mitgenommen – das ist so gut wie ein Ritterschlag! – und als das Licht gelöscht war, erzählte mein Sohn immer noch vom ‚Blinzelspiel‘ und den vielen Tieren.
Mir persönlich gefällt das Format und die Aufmachung des Buches sehr. Die Tierillustrationen sind außergewöhnlich gut, die Seiten sind nicht überladen und für Kinder äußerst ansprechend. Ich hätte mir mehr Text gewünscht, gerade zu Beginn, um einen besseren Einstieg in das Buch zu finden. Dafür ein paar weniger Seiten. Es sind dann doch 48 an der Zahl, viele davon ohne Text oder mit gar nur ein zwei kurzen Sätzen. Dadurch ist man die meiste Zeit mit Umblättern beschäftigt.
Am Schluss des Buches gibt es noch eine amüsante Raffinesse: Nachdem sie sich von Seite zu Seite näher an das kleine Mädchen geschleppt hat, ist auch die Schildkröte endlich angekommen. Und das Spiel kann von vor beginnen.
Mal sehen, ob ich morgen auch einmal gewinne….

 

An dieser Stelle noch einen lieben Dank an den cbj Verlag für das Rezensionsexemplar!

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Milbourne/ Alvarez: „Guck mal – im Märchenwald. Die Schöne und das Biest“

 

Milbourne/ Alvarez
Usborne Verlag
empfohlenes Alter: ab 3 Jahren
10,95€

 

 

Mein absolutes Lieblingsmärchen, schon immer gewesen!

Gleich beim ersten Blick nach dem Auspacken dachte ich so: Du meine Güte, ist das süß.
Die Bilder sind herzallerliebst, jede Seite ist mit viel Liebe zum Detail gestaltet und mit filigranen Laserschnitten und Gucklöchern versehen. Es hätten gern ein paar Klappen mehr sein können. Insgesamt sind es nur 3. Da sind wir von den ‚Guck mal, wer da ist‘-Büchern vermutlich zu verwöhnt.
Der Text ist natürlich kindgerecht eingekürzt und umgeschrieben. Kurz und knackig, würde ich sagen, und die Bilder sprechen ohnehin für sich.
Mit 10,95€ finde ich das Buch schon ein bisschen teuer. Ich meine, ich sehe die Arbeit dahinter, aber für ein Kinderbuch, mit gerade einmal 14 Seiten Umfang und im Kleinformat, wären ein paar Euros weniger auch in Ordnung gewesen.
Ändert aber nichts daran, dass dies eines der zauberhaftesten Bücher in unserem Regal ist und mein Sohn total darauf abfährt. Und darauf kommt es am Ende doch an, nicht wahr?

 

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Milbourne/ Dimitri: „Guck mal, wer da ist. Im Zoo“

 

Milbourne/ Dimitri
Usborne Verlag
empfohlenes Alter: ab 3 Jahren
8,95€

 

Klappen und Gucklöcher erfreuen irgendwie nicht nur die Kleinen, sondern auch uns Erwachsene. Von den ‚Guck mal, wer da ist‘ – Büchern gibt es eine ganze Reihe. Und sie sind allesamt liebevoll und kreativ gestaltet. Die Farben sind kräftig und leuchtend, die Gestalten und Tiere wirken ein bisschen abstrakt, sind aber nicht derart verfremdet, dass man rätseln muss, was sie darstellen. Das vom Hersteller empfohlene Alter finde ich ein wenig hoch gegriffen. Mein Sohn guckt sich die Bücher schon mit 2 Jahren gern an. Die Klappen sind aus dünner Pappe, die leider sehr schnell knickt und einreißt, aber gut … für grobmotorische Kleinkinder müssten sie wahrscheinlich aus geschmiedetem Stahl sein, was wiederum der Handlichkeit der Bücher schaden würde.

Seit Neuestem gibt es die Reihe ‚Guck mal – im Märchenwald‘ . Eine sehr schöne Idee, um die Märchen auch schon den Kleinsten zugänglich zu machen. Ich habe eins bestellt und dann werden wir sehen, ob die Bücher den Erwartungen gerecht werden.

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Britta Teckentrup: „Wunderdinge der Natur“

Britta Teckentrup
Ars Edition
empfohlenes Alter: 24 Monate – 4 Jahre
10,00€

 

 

 

Dies ist ein sehr liebevoll gestaltetes Buch mit ansprechenden Bildern und nicht zu überladenen Seiten. Hinter den Klappen verbergen sich allerlei Wunderdinge zu den Themen:

Es grünt und blüht

Aus klein wird groß

Hier wohne ich

Sonne, Schnee und Regen

Hier bin ich sicher

Aus Tag wird Nacht.

Zu jedem Bild gibt es einen kleinen Text, der, zugegeben, nicht sonderlich einfallsreich ist. Aber für die Bedürfnisse eines Kindes dieser Altersgruppe ist das Buch vollkommen passend. Auch eine schöne Geschenkidee.

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Jonathan Stroud: „Das flammende Phantom“

Jonathan Stroud
cbj
ISBN: 9783570159644
19,99€

Ganz Großbritannien befindet sich in den Fängen einer Geisterepidemie.

Seit nunmehr fünfzig Jahren suchen die ruhelosen Seelen der Toten in ständig wachsender Zahl die Insel und ihre Bewohner heim – keiner weiß, wie oder warum. (Buchanfang)

Da die Erwachsenen blind und taub für das Übernatürliche sind, ist es die Aufgabe der Kinder, jede Nacht ihr Leben zu riskieren und die Geister zu bekämpfen. Die zur Abwehr der Geisterplage entstandenen Agenturen beschäftigen ausschließlich jugendliche Agenten, die von Erwachsenen überwacht werden. Von allen Agenturen ist Lockwood & Co die kleinste und einzige, die von Jugendlichen geleitet wird.
Nach ihrem Erfolg bei der Massenheimsuchung in Chelsea hat Lockwood & Co sich als eigenständige Agentur etablieren können, die Auftragslage läuft gut und mit Holly Munro bereichert ein neues Mitglied das Team.
Am Ende des dritten Bandes verlässt Lucy Lockwood & Co, nachdem sie ein Geist einen Blick auf eine mögliche Zukunft hat werfen lassen. Lucy fürchtet, dass sie ihre übersinnlichen Gaben immer schlechter im Griff hat und eines Tages Schuld an Lockwoods Tod sein könnte.
Seither verdient sie als selbstständige übersinnliche Beraterin ihr Geld und arbeitet immer wieder mit anderen Agenturen zusammen. Doch kein anderes Team reicht mit seinem Einfallsreichtum, Mut und Zusammenhalt an jenes heran, dass sie verlassen hat. Dieser Umstand ist Lucy schmerzlich bewusst, wenn sie nach anstrengenden Nächten allein in ihrer winzigen Wohnung sitzt und mit einem Totenschädel im Einmachglas spricht. Trotzdem bereut sie ihre Entscheidung nicht.
Als Leser fiebert man die ganze Zeit mit: Wann kommen Lucy und Lockwood & Co wieder zusammen? Das eine kann doch ohne das andere nicht funktionieren! Mir war selber ganz elend zumute.
Als dann Lockwood persönlich bei Lucy auftaucht und sie um die Mitarbeit bei einem Fall bittet, gerät die Welt langsam wieder zurück in ihre Fugen.
Der 4. Band von Lockwood & Co ist für mich der bisher tiefgründigste. Die Entwicklung der einzelnen Figuren schreitet voran, das Team wächst. Im Fokus steht nicht mehr nur die Austreibung einer Geisterheimsuchung, Lockwood & Co werden in die finsteren Machenschaften der großen Traditionsagenturen Rotwell und Fittes gezogen. Die Frage ist: Können sie diesen Mächten trotzen?

Wer diese Bücher nicht liest, ist selber Schuld. Das ist spannende, wortgewandte und witzige Literatur. Und ich gebe zu, dass ich beim Lesen mehr als ein Mal einen eisigen Lufthauch verspürt habe…

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Krumbach/ Baarmann: „Spätzlein Tschilp“ und „Igel Itzo“

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Krumbach/ Baarmann
Beltz | Der KinderbuchVerlag
ISBN: 9783407771971
6,95€

 

Das neugierige Spätzlein Tschilp macht einen Ausflug in den Wald und entdeckt auf seiner Reise riesige Pilze, süße Kirschen und trifft die unterschiedlichsten Tiere, Schmetterling, Igel, Frosch und auf der Rückseite des Buches einen ganz besonders merkwürdigen Gesellen.

Dieses zauberhafte Buch besticht durch seine Reime und farbenfrohen Illustrationen. Immer wieder schön, nicht nur für Kinder, sondern auch für gestresste Eltern.

Und wem das Spätzlein gefällt, der freut sich erst recht über den Igel Itzo. Auch er erkundet den Wald, trifft aber auf andere Tiere als Spätzlein Tschilp, weshalb ruhig beide Bücher angeschafft werden können.

itzo

Krumbach/ Baarmann
LeiV – Verlag
ISBN: 9783896032751
5,50€

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Nina MacKay: „Plötzlich Banshee“

banshee
Nina MacKay
ivi – Verlag
ISBN: 978-3492703932
15,00€

 

 

Alana ist eine Banshee, eine Todesfee der irischen Mythologie. Sie sieht über dem Kopf jedes Menschen eine rückwärts laufende Uhr, die in roten Ziffern die noch verbleibenden Monate, Tage, Stunden und Minuten seiner Lebenszeit anzeigt. Da Banshees in dem Ruf stehen, Unglück zu bringen, bleibt sie lieber für sich. Allerdings gestaltet sich das gar nicht so einfach, denn Alana kreischt automatisch in bester Banshee-Manier wie eine Sirene los, wenn ihr ein Mensch begegnet, der in den nächsten Tagen sterben wird. Doch dann tauchen in Santa Fe mehrere Leichen auf, die Alana ins Visier des attraktiven Detectives Dylan Shane geraten lassen. Kann sie das Geheimnis der dunklen Sekte lüften, die scheinbar magische Wesen sammelt? Und werden sowohl Detective Shane als auch ihr bester Freund Clay den Kontakt mit Alana überleben? (Klappentext)

Eines dieser Bücher, das einem sofort ins Auge sticht!

Schon der Klappentext verlockt zum Lesen. Die rückwärts laufenden Uhren, der Banshee-Schrei, rätselhafte Morde und eine dunkle Sekte. Andere Zutaten benötigt man für einen guten Roman fast nicht. Zumindest, wenn es darum geht, Leser zu ködern. Höchst motiviert habe ich mich also auf das Buch gestürzt. Nach nur wenigen Seiten folgte ein bisschen Ernüchterung. Das Buch ist laut Altersempfehlung für 14-Jährige.  Das lässt mich gnädiger auf die Mängel in der Handlung und Gestaltung der Charaktere blicken. Die Figuren sind überdreht, kindisch, pubertär. Ihr Verhalten passt nicht zum Alter, das die Autorin ihnen zugedacht hat. Die Mehrheit der Figuren ist über 20 oder älter, hauptsächlich junge Erwachsene, die für sich selbst sorgen. Gerade von der Protagonistin Alana, die als Vollwaise in einem Kinderheim aufgewachsen ist, habe ich mehr erwartet. Ihre Tätigkeiten als Privatdetektivin reichen von nicht existent bis lachhaft. Vielleicht wäre es stimmiger gewesen, sämtliche Figuren als Teenager anzulegen und in einem für sie passenden Umfeld agieren zu lassen. Die Handlung ist unterhaltsam, auch wenn sie einen nicht gerade an den Lesesessel fesselt. Und das zuckersüße Happy End? Ganz wie in Disney-Filmen.

Nichtsdestotrotz ist dieses Buch frische, unverbrauchte Literatur. Jung, frech, dynamisch. Aber eben noch ausbaufähig. Ich bin gespannt, was wir von Frau MacKay noch zu lesen bekommen werden, und das meine ich durchweg positiv.

 

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Sandra Regnier: „Das geheime Vermächtnis des Pan“ Band 1

Pan1

Sandra Regnier
Carlsen Verlag
ISBN: 9783551313805
8.99€

 

Felicity Morgan ist nicht gerade das, was sich die Elfenwelt unter ihrer prophezeiten Retterin vorgestellt hat. Sie ist achtzehn, trägt immer noch eine Zahnspange, hat keinen Sinn für schicke Klamotten und scheint niemals genügend Schlaf zu bekommen. Leander FitzMor hingegen, der Neue an Felicitys Schule, ist der wohl mit Abstand bestaussehendste Typ Londons. Um keinen coolen Spruch verlegen und zu allem Überfluss auch noch intelligent – denkt Felicity, die Gott sei Dank nicht auf arrogante Frauenschwärme steht. Auch wenn diesen Leander immer jener seltsam anziehende Duft nach Heu und Moos umgibt und er sie manchmal anschaut, als könne er ihre Gedanken lesen. Aber das Schlimmste an dem Ganzen ist, dass er einfach nicht mehr von ihrer Seite weichen will … (Klappentext)

Langatmiger Teenie-Kitsch voll Klischees!

Geschichten von Elfen und Feen sind ja nicht so mein Ding, aber der Klappentext klang recht interessant und die zahlreichen positiven Bewertungen schienen für das Buch zu sprechen. Nach den ersten zehn Seiten war ich noch in fröhlichster Lesestimmung, denn die Hauptfigur ist von einem ganz anderen Kaliber. Übergewichtig, mit Zahnspange, ausgeleierten Klamotten und nerdigem Verhalten. Er, Leander FitzMor, sieht dagegen absolut göttlich aus. Er ist ein Halbelf und laut einer Prophezeihung ist ihm die pummelige Felicity zur Braut bestimmt. Also will er sie kennenlernen. Wie ausgerechnet diese beiden komplett gegensätzlichen Charaktere zusammenfinden sollen, versprach äußerst unterhaltsam zu werden. Die Enttäuschung folgte auf dem Fuße.

So viel Potenzial allein in der Konstellation der beiden Hauptfiguren. Endlich einmal eine Heldin, die nicht Standard ist. Warum wird das nicht bis zum Ende durchgezogen? Schneller als gedacht wird aus dem häßlichen Entlein ein wunderschöner Schwan. Es ist zum Heulen, dass die Idee derart vergeudet wurde.

Auf den ersten 300 Seiten gibt es nicht viel Abwechslung. Schulalltag und Teenie-Geplänkel. Lee ist der schönste Junge der Schule, Felicity fühlt sich zu dick und häßlich, um überhaupt in seiner Nähe zu sein. Von ihrer Familie wird sie nur ausgenutzt, runtergemacht und beklaut. Aschenputtel 2.0! Zum Glück ist Lee eine gute Fee, die Top-Designer und Stylisten auf Kurzwahl hat. So wird Felicity wie schon erwähnt zum schönen Schwan aufgehübscht und bezirzt auf einer Aftershowparty sogar ihren Lieblingsstar. Innerlich ist sie ja auch schon immer wunderschön gewesen. Ihre männlichen Freunde haben das lange vorher erkannt und stehen selbstverständlich heimlich auf sie. Überhaupt stehen eigentlich alle Männer auf Felicity, da sie ja so ungemein schlagfertig ist.

Seitenweise folgen die gleichen Phrasen. Aber bei 20 sich wiederholenden Szenen würden wohl jedem die Wörter ausgehen.

Ab Seite 300 mischt sich dann ein bisschen Fantasy in die Handlung. Zeitreisen. Oha – wer hätte damit gerechnet? Es wird sogar ein bisschen spannend. Allerdings nur ganz kurz, denn das Buch endet bei etwas über 400 Seiten. Wo genau ging es um das im Titel versprochene ‚geheime Vermächtnis‘? Mehr als einen Halbsatz fast am Ende des Buches konnte ich nicht finden.

Der Schreibstil von Frau Regnier vermag leider auch nicht über die mangelhafte Handlung hinwegzutäuschen. Sehr begrenztes Vokabular, schlichte Satzkonstruktion, kein Feingefühl für einen flüssigen Text. Hier hätte das Lektorat einschreiten müssen. Das Buch liest sich, als hätte eine Zwölfjährige ihren Tagträumen Ausdruck verliehen. Für eine andere Zielgruppe ist ‚Das geheime Vermächtnis des Pan‘ ohnehin gänzlich ungeeignet. Das Beste am Buch ist noch das Cover.

 

Pan2

Die Pan-Trilogie, Band 2: Die dunkle Prophezeiung des Pan.
8.99€

 

 

 

Pan3

Die Pan-Trilogie, Band 3: Die verborgenen Insignien des Pan.
8.99€

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Kathrin Lange: „Herz aus Glas“

37 Herz aus Glas

Kathrin Lange
Arena Verlag
ISBN: 978-3401069784
16.99€

 

 

Wenn du dich verliebst, wirst du sterben.

Juli ist wenig begeistert, die Winterferien auf Martha’s Vineyard verbringen zu müssen. Auf der Insel trifft sie den verschlossenen David, dessen Freundin bei einem Sturz von der Klippe ums Leben gekommen ist. Obwohl er ihr mit abweisender Kälte begegnet, fühlt Juli sich sofort zu dem gut aussehenden Jungen hingezogen. Doch dann erfährt sie von einem jahrhundertealten Fluch, der für den Tod weiterer Mädchen verantwortlich sein soll. Eine geisterhafte Stimme beginnt, ihr Warnungen zuzuflüstern und bald weiß Juli nicht mehr, was Realität ist und was Traum. Als sie sich schließlich auch noch in David verliebt, gerät sie in tödliche Gefahr. (Klappentext)

Seit ich den Titel des Buches nur flüchtig aus dem Augenwinkel streifte, hatte ich diesen Ohrwurm, der mich während des Lesens über alle Seiten hinweg begleitete. Eine Miniversion des Sängers Ben – inklusive Wollmütze – saß beständig am unteren Seitenrand und schmetterte inbrünstig: Du wirfst Steine in mein Herz aus Glas. – Es ist mein Herz aus Glahahas!

Das Thema zieht sich konsequent durch das gesamte Buch. Angefangen bei der Covergestaltung, die eine nicht zu leugnende Ähnlichkeit mit Kerstin Giers Rubinrot aufweist. Plus rubinroten Herzens – aus Glas selbstverständlich – in der Mitte. Damit nicht genug. Alle zwei Seiten betont die Hauptfigur Juli, wie gläsern sich ihr Herz anfühlen würde. Insgesamt also eine runde Sache.

Ich hüte mich, von der Handlung allzu viel preiszugeben. Jeder, der den Mystery-Thriller noch lesen möchte, sollte selbst die spannende Auflösung entdecken können. Lesenswert ist das Buch allemal!

Wie bereits im Klappentext beschrieben, reist Juli gemeinsam mit ihrem Vater nach Martha’s Vineyard. Zu einer Zeit, die wie ich finde äußerst geheimnisvoll angehaucht ist. Der Zeitraum Zwischen den Jahren bezeichnet die Tage zwischen Weihnachten und dem 6. Januar und ist mit reichlich Aberglauben aufgeladen. Eine sehr düstere Einbettung der Handlung.

Julis Vater ist Schriftsteller und widmet seine Zeit auf Martha’s Vineyard der Fertigstellung seines Buches. Somit ist Papa viel zu beschäftigt, um Juli bei der Entdeckung der Rätsel und Geheimnisses von Haus Sorrow – passender kann der Handlungsort kaum heißen – im Weg zu stehen. Es scheint ein beliebter Schachzug bei Autoren zu sein, die Eltern der Hauptfiguren als abwesend anzulegen. In wie vielen Romanen sind sie nicht zu sehr von ihrer Arbeit eingenommen, getrennt lebend oder gar tot? Vielleicht mögt ihr einmal darauf achten.

Juli soll sich um David kümmern, den Jungen mit den traurigen Augen, dessen Verlobte sich unter recht sonderbaren Umständen das Leben nahm. Ein wenig verwunderlich ist es dann doch, dass sich ausgerechnet ein junges Mädchen eines selbstmordgefährdeten und zu tiefst depressiven jungen Mannes annehmen soll. Für die Geschichte ist dies jedoch unerlässlich. Juli stöbert in der Vergangenheit von Haus Sorrow und dessen Bewohnern und stößt auf einen Fluch, der plötzlich auch sie zu erfassen scheint.

Die Grenzen zwischen Realität und Traum sind kaum noch zu erkennen. Menschliche Abgründe verschmelzen mit dem Übernatürlich. Darin liegt der besondere Reiz des Buches und macht es zu einem unheimlichen Lesevergnügen. Kathrin Lange versteht es, eine Atmosphäre zu schaffen, die den Leser fesselt. Die düstere Zeit zwischen den Jahren, das stürmische Wetter Martha’s Vineyards sind so überzeugend beschrieben, dass ich den salzigen Geschmack der Gischt auf den Lippen zu schmecken und den Wind auf den Klippen zu spüren glaube.

Ein wirklich gelungener Thriller mit der richtigen Mischung aus Mystery und Romantik!

 

Herz-in-Scherben

Teil 2 erschienen am 9. Januar 2015

Ist schon bestellt! Rezension folgt!

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